[HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

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[HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

Beitragvon Alesán » 08.09.2015, 11:23

Hallo!
Ja, nach ewig langem Warten stelle ich jetzt auch einmal ein Werk ein.
Ich weiß, es mag so aussehen, als ob das hier überhaupt nicht in das Fantasy-Forum passt, aber die Fantasy kommt noch, versprochen.


Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es aussah, als wäre es unter eine nachtblaue Decke getaucht. Nituna saß auf einem kleinen Felsvorsprung am unteren Ende einer der Berghänge, die das Tal begrenzten, und blickte über das blaue Blumenmeer hinweg auf das offene Meer hinaus, welches gleich dahinter lag. Ihre Beine hingen in der Luft, und als sie sich mit ihren Händen hinter ihrem Rücken abstützte und die Augen zum Himmel hob, um seine Farbe mit der des Enzians zu vergleichen, fuhr ihr eine Brise unter die Kleider und ließ sie ein wenig frösteln. Die untergehende Sonne verwandelte den Horizont in ein orange-rosa Band, das wie eine Kupferkrone die Berge zierte.
Eigentlich war es Zeit heimzugehen. Eine Krähe schrie in einer Fichte oder Tanne, bevor sie ihre Flügel hob und davonflatterte, hinein in die rote Sonne, die langsam hinter den Bergen verschwand. Nituna seufzte leise, um die Stimmung des Sonnenunterganges nicht zu verderben. Es war Zeit, heimzugehen, auch wenn sie gerne noch weiter hiergeblieben wäre, um das Nichtstun zu genießen. Sie wollte nicht, dass ihr Vater anfing, sich Sorgen zu machen. Ihr Vater war nämlich ein wenig ängstlich, was seine Tochter betraf. Man konnte es ihm nicht verdenken. Er hatte zwei Familienmitglieder verloren und jedes Mal war Unachtsamkeit derselben die Ursache gewesen. Seine Schwester, Karóya, war im Winter auf einem See eingebrochen und erfroren und sein Vater, Fegolm, war einfach eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückgekehrt.
Jetzt stand Nituna auf. Sie wollte sich gerade umdrehen, um heimzugehen, als sie ein Rascheln unter sich hörte. Neugierig legte sie sich flach auf den Bauch und spähte über die Felskante hinab ins Tal. Dort unten war ein Mann. Er trug lediglich eine silbrig-grüne Hose, am Oberkörper war er nackt. Die nassen Haare hingen ihm in Strähnen herunter, und auf seinem Oberkörper glänzten Wassertropfen in den letzten Strahlen der Sonne. Nituna war sich sicher, ihn noch nie gesehen zu haben, was seltsam war, da sie eigentlich alle Bewohner der umliegenden Dörfer kannte.
Vorsichtig schlich Nituna hinab auf den Boden des Tales, darauf bedacht, auf dem bereits vom Tau feuchten Stein nicht auszurutschen und kein allzu lautes Geräusch zu machen, während sie hinter Felsen und einzelnen Bäumen Schutz suchte. Unten angekommen ging sie in die Knie und näherte sich auf allen Vieren vorsichtig dem Mann, in der Hoffnung, dadurch weniger leicht bemerkt werden zu können. Er hatte sich in das nasse Gras gesetzt und beobachtete zwei violette Falter, die miteinander Fangen spielten. Er schien Nituna nicht zu bemerken. Diese ging nun in die Hocke und schlich sich vorsichtig von hinten an ihn heran.
Als sie nah genug gekommen war, dass er sie hören konnte, holte sie tief Luft und fragte dann besonders laut: „Was macht Ihr da?“
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Re: [HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

Beitragvon FrozenBambi » 08.09.2015, 12:43

Heyho Alesán!

Da das dein erstes vorgestelltes Werk ist, informiere ich dich vorab: Sei nicht verschreckt, wenn sich meine Kritik brutal und zerreißerisch anhört. Es ist gut gemeint und die Verlage sind noch viel bösartiger ;)

Okay, schauen wir uns die Sache mal an:

Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es aussah, als wäre es unter eine nachtblaue Decke getaucht.


Das "getaucht" mag mir nicht gefallen, denn wenn du dich nachts zudeckst, bist du auch nicht unter der Decke "getaucht" xD Evtl. als Alternative würde ich es (um Wdh. zu vermeiden) so formulieren "mit einem nachtblauen Laken gedeckt/bedeckt" o.ä.


Nituna saß auf einem kleinen Felsvorsprung am unteren Ende einer der Berghänge, die das Tal begrenzten, und blickte über das blaue Blumenmeer hinweg auf das offene Meer hinaus, welches gleich dahinter lag.


Ich markiere dir mal deine Adjektivitis. Das ist ein gängiger stilistischer Mangel, den man tut, weil man krampfhaft versucht, umso detailreichere Bilder zu erzeugen. Dabei vergisst man ganz gerne, dass ein Leser, der ab und an mal in die Natur geht, eine Phantasie besitzt.

Im o.g. Satz könntest du _alle_ streichen und der Inhalt würde sich prinzipiell nicht bedeutungsvoll ändern.


Ihre Beine hingen in der Luft, und als sie sich mit ihren Händen hinter ihrem Rücken abstützte und die Augen zum Himmel hob, um seine Farbe mit der des Enzians zu vergleichen, fuhr ihr eine Brise unter die Kleider und ließ sie ein wenig frösteln.


die -> ihre

Diese Beschreibung ist so widerlich malerisch, dass es mich als Leser ein wenig würgt :D Was ist denn das für ne Traumtänzerin, die da die Blumenfarbe mit der des Himmels abgleicht. Wie wäre es, wenn schon, dann ein wenig aktiver.

Ihr Beine baumelten über dem Abgrund. Unter ihr wogte der Enzian in einer sanften Brise, die auch ihr Kleid flattern ließ. Sie stützte die Hände hinter ihrem Rück ab und hob den Blick gen Himmel, der die Farbe der Blüte des Tals zu spiegeln schien. Mit einem Mal überkam sie ein Frösteln und sie rieb sich die Hände an den Oberarmen.

Oder irgendwie so. Aber ehrlich gesagt könntest du den Enzian jetzt beim dritten Mal auslassen und vllt nur den Himmel erwähnen, wenn du sie ein wenig vor sich hinträumen lassen willst. Das Frösteln ist insofern natürlich sinnvoll, als das es sie zur Aktion motivieren sollte, sodass sie aus dieser für den Leser eintönigen Lethargie herauskommt.


Die untergehende Sonne verwandelte den Horizont in ein orange-rosa Band, das wie eine Kupferkrone die Berge zierte.


Das geht gar nicht. Eben noch vergleicht sie die Farbe von Himmel und Enzian - wir nehmen an, es ist hellichter Tag. Und nun geht die Sonne unter, ergo wird der Himmel rötlich sein. Dann würde ich obiges insofern ändern, als das ich (da du es ja scheinbar gern malerisch hast) ungefähr so formulierte:

"Die untergehende Sonne verwandelte den Horizont in ein orange-rosa Band, das wie eine Kupferkrone die Berge zierte. Gemeinsam mit dem Blau des Tals ergab dies eine Farbkomposition, an der sie sich kaum satt zu sehen vermochte."


Eigentlich war es Zeit heimzugehen. Eine Krähe schrie in einer Fichte oder Tanne, bevor sie ihre Flügel hob und davonflatterte, hinein in die rote Sonne, die langsam hinter den Bergen verschwand.


Also ab dem Punkt würde ich jetzt wirklich das Buch zur Seite legen. Solche ausufernden Beschreibungen kannst du als Beiwerk nehmen, wenn du es mit einer Aktion verbindest. Wenn deine Prota grad knutschend im Gras liegt, trägt dies zur Atmosphäre bei. Deine tut aber _nichts_ und da langweilt es wirklich, wenngleich du natürlich - das muss man dir lassen - prinzipiell schöne Bilder erzeugen kannst.

Nituna seufzte leise, um die Stimmung des Sonnenunterganges nicht zu verderben. Es war Zeit, heimzugehen, auch wenn sie gerne noch weiter hiergeblieben wäre, um das Nichtstun zu genießen.


Jetzt wiederholst du DAS sogar noch einmal und weist den dummen dummen Leser noch ausdrücklich darauf hin "In dieser Geschichte passiert nichts, bitte blättern Sie 10 Seiten weiter zur Aktion".


Sie wollte nicht, dass ihr Vater anfing, sich Sorgen zu machen. Ihr Vater war nämlich ein wenig ängstlich, was seine Tochter betraf. Man konnte es ihm nicht verdenken. Er hatte zwei Familienmitglieder verloren und jedes Mal war Unachtsamkeit derselben die Ursache gewesen. Seine Schwester, Karóya, war im Winter auf einem See eingebrochen und erfroren und sein Vater, Fegolm, war einfach eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückgekehrt.


Laaaangweilig. Dies hier nennt man Infodump. Wir nutzen eine Gelegenheit, wo der Prota grade an irgendwen denkt, um ein wenig die Familiengeschichte runterzulabern. Das Geheimnis guter Charakterisierungen (überall im Forum zu finden) "show don't tell"
Erzähl uns nicht, dass der Vater sorgenvoll ist. Lass sie heimkommen und dann kannst du gerne melodramatisch werden, wenn es sein muss.
"Mensch Kind, wo bist du gewesen?! Weißt eh mei Schwester is hin, mein Vodda ach - will dich nicht auch noch verlier'n"


Jetzt stand Nituna auf. Sie wollte sich gerade umdrehen, um heimzugehen, als sie ein Rascheln unter sich hörte.


Das Rascheln kannste kreativer machen. Vllt hört sie nen Stein hinabkullern.

Neugierig legte sie sich flach auf den Bauch und spähte über die Felskante hinab ins Tal.


Auch dieses ist zuviel der Beschreibung. Es ist egal, wie sie da hinunterspäht. Außer, sie wird im nächsten Moment von einem Räuber am Boden fixiert, weil sie grad so günstig da liegt. Davon abgesehen, ist das wohl die einzige Möglichkeit, um den Bereich unter einer Felskante in Augenschein zu nehmen ohne zu riskieren, abzustürzen.

Dort unten war ein Mann. Er trug lediglich eine silbrig-grüne Hose, am Oberkörper war er nackt. Die nassen Haare hingen ihm in Strähnen herunter, und auf seinem Oberkörper glänzten Wassertropfen in den letzten Strahlen der Sonne. Nituna war sich sicher, ihn noch nie gesehen zu haben, was seltsam war, da sie eigentlich alle Bewohner der umliegenden Dörfer kannte.


Bei der nächsten unangebrachten Beschreibung von Wetterphänomenen überlege ich mir, sogar diese Kritik abzubrechen. :mrgreen:


Vorsichtig schlich Nituna hinab auf den Boden des Tales, darauf bedacht, auf dem bereits vom Tau feuchten Stein nicht auszurutschen und kein allzu lautes Geräusch zu machen, während sie hinter Felsen und einzelnen Bäumen Schutz suchte.


Also eben überhäufst du einen mit Beschreibungen und dann - wahrscheinlich in der Ermangelung der Vorstellung, wie sie das anstellt - speist du ihren Abstieg mit einem derartigen Satz ab. Also ich hab keine Ahnung, wie die einen Berg, den unter ihr gerade wer hochklettern (!) muss, mal eben ungesehen bis zur Talsohle runterkommt. Ist da ein geheimer Pfad von dem nur sie weiß? Und warum tut sie das? Wirkt der Typ gefährlich? Wenn nicht, kann ich mir in deiner märchenhaften Welt, die sich in meinem Kopf wiederspiegelt gut vorstellen, dass dein gedankenverlorenes Mädchen ihn munter grüßt. Und dann grüßt er zurück und stürzt in seinen Tod. Ende :mrgreen:


Unten angekommen ging sie in die Knie und näherte sich auf allen Vieren vorsichtig dem Mann, in der Hoffnung, dadurch weniger leicht bemerkt werden zu können.


Nun hör doch auf den Leser für dumm zu halten. Nachdem sie sich da im Schutze der Bäumchen anschleicht, bemüht nicht laut zu sein und auf allen Vieren vorwärtskrackselt, musst du nicht noch dazu erwähnen, dass sie das tut, um nicht bemerkt zu werden ...

Er hatte sich in das nasse Gras gesetzt und beobachtete zwei violette Falter, die miteinander Fangen spielten.


Deine Prota hat verdammt gute Augen. Und ganz ehrlich. Was sind das für Gestalten in deinem Land? Haben die nix zu arbeiten? Tun die alle nix anderes, als den Tag lang ins Tal zu glotzen, um sich an Flora und Fauna zu ergötzen? Ich glaub eher, der haut sich der Länge nach hin und erholt sich von seinem Aufstieg. Vielleicht trinkt er mal ein Schlückchen. Natürlich von dem Tau, der sich im Kelch einer malerisch schönen Lilie gesammelt hat. ;)

Er schien Nituna nicht zu bemerken. Diese ging nun in die Hocke und schlich sich vorsichtig von hinten an ihn heran.


Okay! Erst sieht sie ihn, wird vorsichtig, macht sich an den Abstieg, um ihn heimlich zu beglotzen. Dann sieht sie "Ach der ist genauso ein Traumtänzer wie ich" und macht sich wieder auf den Weg nach oben, um ihn von Nahem zu sehen oder was?


Als sie nah genug gekommen war, dass er sie hören konnte, holte sie tief Luft und fragte dann besonders laut: „Was macht Ihr da?“


Genau das würde ich auch einen Typen fragen, der sich Schmetterlinge ansieht ... Vllt nehmen sie erstmal Augenkontakt auf, sie stellt fest, okay er stürzt sich nicht gleich auf mich, dann grüße ich mal schüchtern usw usf.


Soooo das war mal der Querbeet-Durchgang.

Also Alesán, positiv ist, dass du schön Dinge beschreiben kannst. Man kann sich schon vorstellen, was du einem da erzählen willst. Aber meine Güte, du schaffst es den Leser nach drei Zeilen zum Einschlafen zu bringen. Wenn du schon keinen Konflikt, Aktion oder sonstwas hast, dann lass ihn wenigstens in der Fiktion deiner Prota entstehen.

Meine Vorschläge:

Kürz diesen Gesäusel von dem "Ach wie schön ist es hier. Ach ich bleib noch. Ach ich geh doch, mein Vater macht sich Sorgen. Na okay jetzt geh ich aber. Na geh, was ist denn da ich höre was..."

Lass sie aktiv werden. Ich sitze nicht da und fange an zu frieren und scheiß einfach drauf. Wenn ich unbedingt weiter da bleiben will, dann reib ich mir die Arme, tapps ein wenig durch die Gegend oder ich zieh mir ne Jacke an.
Wenn du schon solche gruseligen Standbild Szenen machst, dann charakterisier wenigstens deinen Prota. Lass ihr Wind im Haar flattern inkl. Farbe. Vielleicht sind ihre Augen so blau wie der Enzian und ihr Schwarm hat ihr das kürzlich erst zum Kompliment gemacht. Lass sie meinetwegen über irgendetwas für die Geschichte relevantes sinnieren. Aber lass sie etwas tun und nicht wie eine Tote da am Felsen verrotten.

Mach es spannender. Da klettert ein ihr fremder Mann den Berg hoch. Noch nie gesehn, sehr unheimlich. Bestimmt will er was von mir. Sie wird zappelig, fürchtet sich ein wenig blablabla. Ein guter Zeitpunkt auch für einen inneren Konflikt: Neugierde vs nach Hause in Sicherheit laufen.
Vielleicht wird sie sogar wagemutig, bewaffnet sich mit einem Stock, die beiden lachen dann drüber.

Also sehr viel Verbesserungspotenzial mMn.
Interessant wäre auf jeden Fall, wie das weiter geht. Denn das hier ist wirklich ein so kurzer Aufriss, dass ich bzgl Story zB echt nichts sagen kann.

Lg

Bambi

Edit:
Jetzt hab ich mal deine Vorstellung gelesen und fürchte fast, dass du deine eigene Trägheit auf deinen Prota versuchst zu übertragen - da wird mir einiges klar.
Aber wehe dir, du denkst dir jetzt "ach geh, kann eh nicht schreiben, lassen wir es ein paar Monate liegen". Du kannst schreiben, du musst nur noch lernen, spannend zu schreiben. Ich will hiervon eine überarbeitete Version im Forum sehn! ;)
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Re: [HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

Beitragvon Ankh » 08.09.2015, 13:17

Hallali und eine ordentliche Portion Senf!

Rechtschreibung sieht gut aus, auch die Sätze an sich sind gut formuliert, bin nirgendwo gestolpert. Stimmung kommt gut rüber. Wenden wir uns dem Inhalt zu.


Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es aussah, als wäre es unter eine nachtblaue Decke getaucht.

"tauchen" und "Decke" passen als Bild nicht recht zusammen. "Als läge (schlafe?) es unter einer nachtblauen Decke" ist vielleicht besser.

Nituna saß auf einem kleinen Felsvorsprung am unteren Ende einer der Berghänge, die das Tal begrenzten, und blickte über das blaue Blumenmeer hinweg auf das offene Meer hinaus, welches gleich dahinter lag.


Unter einem Berghang stelle ich mir (in Schwarzwaldnähe wohnend) spontan ein steiles Stück Erde vor, auf dem Bäume wachsen (wenn keine Bäume da wachsen, kann es nicht so steil sein, weil sonst der Hang abrutscht). Das wird dann langsam flacher, ganz unten in der Mitte ist meist ein Bach, der das Tal gegraben hat, und auf der anderen Seite gehts wieder hoch. Wenn du also am unteren Ende eines Berghanges sitzt, dann sitzt du im Prinzip in der Talsohle. Ich habe aber den Eindruck, dass Nituna irgendwo erhöht sitzt und das Tal überblickt (bis zum Meer), und der Untergrund eher felsig ist. Ich würde in dem Fall eher "Felshang" schreiben, das klingt steiler und hat weniger Bäume, so kann sie auch noch von der Mitte des Abhangs die Talsohle, die Blumen etc sehen.

Ihre Beine hingen in der Luft,

"baumelten über der Kante"? "Hingen in der Luft" klingt irgendwie ungemütlich.

und als sie sich mit ihren Händen hinter ihrem Rücken abstützte und die Augen zum Himmel hob, um seine Farbe mit der des Enzians zu vergleichen, fuhr ihr eine Brise unter die Kleider und ließ sie ein wenig frösteln. Die untergehende Sonne verwandelte den Horizont in ein orange-rosa Band, das wie eine Kupferkrone die Berge zierte. Eigentlich war es Zeit heimzugehen. Eine Krähe schrie in einer Fichte oder Tanne, bevor sie ihre Flügel hob und davonflatterte, hinein in die rote Sonne, die langsam hinter den Bergen verschwand.


Wenn die Berge hoch sind, dann verfärbt sich die Sonne noch gar nicht, bevor sie verschwindet. Irgenwie fällt es mir noch schwer, mir die Geographie vorzustellen: einerseits Enzian und Berge, andererseits Meer in Sichtweite.
Wenn du ein Abendrot siehst, dann verändert sich auch das Licht, und der Enzian scheint vielleicht nichtmehr so blitzblau wie am Mittag.

Nituna seufzte leise, um die Stimmung des Sonnenunterganges nicht zu verderben. Es war Zeit, heimzugehen, auch wenn sie gerne noch weiter hiergeblieben wäre, um das Nichtstun zu genießen. Sie wollte nicht, dass ihr Vater anfing, sich Sorgen zu machen. Ihr Vater Er war nämlich ein wenig ängstlich, was seine Tochter betraf. Man konnte es ihm nicht verdenken. Doppelpunkt? Er hatte zwei Familienmitglieder verloren und jedes Mal war Unachtsamkeit derselben die Ursache gewesen. Seine Schwester, Karóya, war im Winter auf einem See eingebrochen und erfroren und sein Vater, Fegolm, war einfach eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückgekehrt.


Die roten Worte würde ich streichen.
Wenn er nicht zurückgekehrt ist, woher wissen sie dann, dass es Unachtsamkeit war? Vielleicht hat ein Meeresungeheuer sein Boot gefressen.

Jetzt stand Nituna auf. Sie wollte sich gerade umdrehen, um heimzugehen,

den Hang hinauf? Dann ist es doch nicht so steil, wie ich dachte
als sie ein Rascheln unter sich hörte.

Später muss sie sich erst mühsam bis auf Hörweite heranschleichen, wie hört sie dann von hier ein Rascheln?
Neugierig legte sie sich flach auf den Bauch und spähte über die Felskante hinab ins Tal. Dort unten war ein Mann. Er trug lediglich eine silbrig-grüne Hose, am Oberkörper war er nackt. Die nassen Haare hingen ihm in Strähnen herunter, und auf seinem Oberkörper glänzten Wassertropfen in den letzten Strahlen der Sonne.

Auf seinem Bizeps war "Love Interest" tätowiert :P
Nituna war sich sicher, ihn noch nie gesehen zu haben, was seltsam war, da sie eigentlich alle Bewohner der umliegenden Dörfer kannte.

Warum ist es seltsam? Dann ist er eben nicht aus den Dörfern. Wenn es seltsam ist, dass frembe hierher kommen, dann würde ich das auch so schreiben: "Nituna war sich sicher, ihn noch nie gesehen zu haben, was seltsam war, da sich selten Fremde in dieses Tal verirrten." Vielleicht kannst du dann noch etwas zur Geographie loswerden, dass das Tal abseits aller Handelsrouten liegt oder dass die nächste Hafenstadt zwei Tage südlich liegt, je nachdem, was später von Belang ist.


Vorsichtig schlich Nituna hinab auf den Boden des Tales, darauf bedacht, auf dem bereits vom Tau feuchten Stein nicht auszurutschen


Es ist Abend, die Sonne scheint noch ein bisschen, woher kommt plötzlich der Tau? Wird es so schnell kalt hier oben? Und wie oben beschrieben, die Hänge gehören für meine Begriffe mit zum Tal. Wenn, dann "hinab in die Sohle des Tals", aber ich würde einfach "hinunter" sagen.

und kein allzu lautes Geräusch zu machen, während sie hinter Felsen und einzelnen Bäumen Schutz suchte. Unten angekommen ging sie in die Knie und näherte sich auf allen Vieren vorsichtig dem Mann, in der Hoffnung, dadurch weniger leicht bemerkt werden zu können.


Ich schätze, sie hofft nicht bemerkt zu werden, nicht nur "weniger leicht".
Er hatte sich in das nasse Gras gesetzt und beobachtete zwei violette Falter, die miteinander Fangen spielten. Er schien Nituna nicht zu bemerken. Diese ging nun in die Hocke und schlich sich vorsichtig von hinten an ihn heran.


Ich würde "schlich sich weiter an ihn heran" schreiben, denn schleichen tut sie schon den ganzen Absatz lang.

Als sie nah genug gekommen war, dass er sie hören konnte,
also wenn sie schon die Schmetterlinge sehen konnte, die er beobachtet, dann war sie da schon nah genug dran, dass er sie hören kann.

holte sie tief Luft und fragte dann besonders laut: „Was macht Ihr da?“


Hui, spannend! Wie er wohl reagiert?


lg,

Ankh
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Re: [HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

Beitragvon Kelpie » 13.09.2015, 15:42

Grüß dich Alesán,

wie immer unvoreingenommen mache ich mich mal ans Kommentieren deines Werkes. Unvoreingenommen, weil ich mir die Kommentare der anderen erst später durchlese.

Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es aussah, als wäre es unter eine nachtblaue Decke getaucht. Nituna saß auf einem kleinen Felsvorsprung am unteren Ende einer der Berghänge, die das Tal begrenzten, und blickte über das blaue Blumenmeer hinweg auf das offene Meer hinaus, welches gleich dahinter lag.

Schon in diesem Absatz fallen mir einige Dinge auf. Zum einen könntest du weit weniger sparsam mit Absätzen an sich verfügen. Ich finde z.B., dass bereits nach dem ersten Satz mit den Enzianen ein Gedankensprung stattfindet (Blick über das Tal, dann "Zoom" zu deiner Protagonistin). In dem Zusammenhang erwähne ich auch kurz, dass ich persönlich nichts dagegen hätte, wenn du etwas länger bei der Beschreibung verharrst bzw. es etwas anders anordnest. Nachdem du Nitunas Namen erwähnst, gehe ich davon aus, in die Geschichte zu starten. Stattdessen kommen nochmal Beschreibungen, das wirkt auf mich etwas komisch.
Ein anderer Punkt - und dass mir das schon nach zwei Sätzen auffällt, ist bezeichnend und sollte dir daher zu denken geben ;) - sind die Relativsätze. Bei denen muss man wirklich aufpassen, da sie einen Satz ziemlich aufschwurbeln und verkomplizieren, außerdem wirken sie schnell repetitiv. Ich male sie dir mal alle an, damit du siehst, wie extensiv du sie in dem Absatz benutzt.

Ihre Beine hingen in der Luft, und als sie sich mit ihren Händen hinter ihrem Rücken abstützte und die Augen zum Himmel hob, um seine Farbe mit der des Enzians zu vergleichen, fuhr ihr eine Brise unter die Kleider und ließ sie ein wenig frösteln.

Puh, ein sehr langer Satz. So lang, dass die Aussage dahinter kaum wahrgenommen wird. Das kann man bestimmt vereinfachen.

Eigentlich war es Zeit heimzugehen. Eine Krähe schrie in einer Fichte oder Tanne, bevor sie ihre Flügel hob und davonflatterte, hinein in die rote Sonne, die langsam hinter den Bergen verschwand. Nituna seufzte leise, um die Stimmung des Sonnenunterganges nicht zu verderben. Es war Zeit, heimzugehen, auch wenn sie gerne noch weiter hiergeblieben wäre, um das Nichtstun zu genießen.

Du hättest wirklich schöne Bilder - an sich - aber indem du jeden Satz so aufbauscht, wird das Lesen innerhalb kürzester Zeit sehr anstrengend. Ich habe noch keinen einzigen kurzen Satz gefunden, der mmir die Gelegenheit geben würde, kurz aufzuatmen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass du den Leser ein bisschen dumm verkaufst ;)
- "hinein in die rote Sonne, die langsam hinter den Bergen verschwand": Nachdem du von einem orange-rosa Band und einer Kupferkrone sprichst, außerdem von einer untergehenden Sonne, war mir schon klar, dass die Sonne untergeht. Und da du bereits von Bergen gesprochen hast, war mir ebenso klar, dass dieser Sonnenuntergang vor einem Gebirge stattfindet. Warum also wiederholst du nochmal die rote Sonne, die hinter Bergen verschwindet? Da fühle ich mich wirklich etwas unterfordert.
- "Zeit heimzugehen": Weiter oben benutzt du exakt denselben Wortlaut. Es könnte ein stilistisches Mittel, eine stilistische Wortwiederholung sein, aber die funktioniert nie und nimmer, wenn dahinter noch so ein gewaltiges Satzgefüge kommt. Wieder fühle ich mich total unterfordert, besonders wegen der Begründung. Da sie nur dasitzt, ist mir klar, dass sie nichts tut. Hinter "hiergeblieben wäre" könntest du den Satz ohne weiteres abschließen.

Sie wollte nicht, dass ihr Vater anfing, sich Sorgen zu machen. Ihr Vater war nämlich ein wenig ängstlich, was seine Tochter betraf. Man konnte es ihm nicht verdenken. Er hatte zwei Familienmitglieder verloren und jedes Mal war Unachtsamkeit derselben die Ursache gewesen. Seine Schwester, Karóya, war im Winter auf einem See eingebrochen und erfroren und sein Vater, Fegolm, war einfach eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückgekehrt.

Die Sätze hier sind sehr abgehakt. Da plötzlich sind sie allesamt sehr kurz, beginnen alle mit dem Subjekt und folgen einem steifen Muster. Außerdem Wortwiederholungen. Den Infodump finde ich an der Stelle auch nicht sehr geschickt eingefädelt (der Tod der Familienmitglieder, die Einführung der beiden Namen, die zumindest für mein jetziges Empfinden, kaum eine Rolle spielen können, da die beiden ja tot sind).

Den roten Satz verstehe ich nicht. Unachtsamkeit derselben? Welcher selben? Worauf bezieht sich das?

Jetzt stand Nituna auf. Sie wollte sich gerade umdrehen, um heimzugehen, als sie ein Rascheln unter sich hörte. Neugierig legte sie sich flach auf den Bauch und spähte über die Felskante hinab ins Tal. Dort unten war ein Mann. Er trug lediglich eine silbrig-grüne Hose, am Oberkörper war er nackt. Die nassen Haare hingen ihm in Strähnen herunter, und auf seinem Oberkörper glänzten Wassertropfen in den letzten Strahlen der Sonne.

Schon wieder "heimgehen". Wenn ich ehrlich bin, kann ich das Wort nicht mehr sehen ;)

Sie schaut über eine Felskante hinab und kann Wassertropfen erkennen? Das kann ich nur bei Menschen, die in nächster Nähe stehen, daher nehme ich dir dieses Detail nicht ab.

Vorsichtig schlich Nituna hinab auf den Boden des Tales, darauf bedacht, auf dem bereits vom Tau feuchten Stein nicht auszurutschen und kein allzu lautes Geräusch zu machen, während sie hinter Felsen und einzelnen Bäumen Schutz suchte.

Bereits von Tau feucht? Die Sonne ist noch nicht einmal untergegangen, wo kommt der Tau her? Der entsteht nicht am Abend oder in der frühen Nacht, sondern erst in den frühen Morgenstunden.

Unten angekommen ging sie in die Knie und näherte sich auf allen Vieren vorsichtig dem Mann, in der Hoffnung, dadurch weniger leicht bemerkt werden zu können. Er hatte sich in das nasse Gras gesetzt und beobachtete zwei violette Falter, die miteinander Fangen spielten. Er schien Nituna nicht zu bemerken. Diese ging nun in die Hocke und schlich sich vorsichtig von hinten an ihn heran.

Der Absatz wirkt dadurch repetitiv, dass du zweimal am Anfang erwähnst, in welche Körperstellung sie geht, um sich voranzuschieben.



Soweit mein Kommentar. Klingt vermutlich negativer, als er gemeint ist. Du hast auf jeden Fall sehr schöne Bilder in deinem Kopf, die du als solche auch rüberbringen könntest - aber ich rate dir einfach, dabei auf einige wichtige Details Wert zu legen und v.a. darauf zu achten, dich nicht zu wiederholen.

Viele Grüße,
Kelpie
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Re: [HighFan|Tragik|Liebe] Der gläserne Wasserfall

Beitragvon Winchest » 04.10.2015, 20:30

Guten Abend,

ich habe mir das gute Stück jetzt mal durchgelesen und dachte mir das ich dir jetzt einfach mal meine Meinung sage. :)

<<Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es aussah, als wäre es unter eine nachtblaue Decke getaucht.<<

- Ich mag es eigentlich gar nicht, wenn mit einer Landschaftsbeschreibung begonnen wird. Hier finde ich es allerdings ziemlich gut, weil ich mir die Landschaft sofort bildlich vorstellen kann. :)
Allerdings würde ich das 'getaucht' vielleicht so ersetzen:

<<Die Sonne schien in das Tal, in welchem so viele Enziane blühten, dass es so aussah, als wäre es eine einzige, große nachtblaue Decke. <<


<<...blickte über das blaue Blumenmeer hinweg auf das offene Meer hinaus, welches gleich dahinter lag.<<

- Die Landschaft stelle ich mir btw. sehr schön vor! :)
Nur die Wortwiederholung von 'Meer' stört mich ein wenig.
Der Satz würde, meiner Meinung nach, besser klingen, wenn du es so formulieren würdest:

<<...blickte über das Meer aus blauen Blumen hinaus auf die offene See, welche gleich dahinter lag.<<


<<Nituna war sich sicher, ihn noch nie gesehen zu haben, was seltsam war, da sie eigentlich alle Bewohner der umliegenden Dörfer kannte.<<

- Ich glaube es ist ein bisschen übertrieben zu behaupten, dass man ALLE Personen aus den umliegenden Dörfern kennt. Natürlich weiß ich nicht wie viele Bewohner jedes Dorf hat...wenn es drei Dörfer gibt und in jedem zehn Menschen leben, kann es natürlich stimmen...aber so...es klingt realistischer wenn du es evtl. so schreibst:

<<Nituna war sich sicher, ihn noch gesehen zu haben, was seltsam war, da sie eigentlich alle Bewohner der umliegenden Dörfer zumindest vom sehen kannte.<<

Ich mag deine Landschaftsbeschreibungen sehr und dein Charakter ist mir auf den ersten 'Leser' auch ziemlich sympathisch.
Ich stelle sie mir als höfliches, zuvorkommendes und familienfreundliches Mädchen vor. :)
Den mysteriösen Mann finde ich auch interessant, vielleicht ein Wassermann? :D

LG :)
Winchest
 
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