[Krimi]Der hinterm Teich motzt

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Krimi]Der hinterm Teich motzt

Beitragvon Azareon29 » 04.11.2014, 00:24

Caveat lector: Ich halte mich nicht bei meinen Erzählungen zurück. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

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Gegen 9 Uhr verließ Marike ihr Haus in der Dorschgartenstraße in Wixhausen. Zehn Minuten später kam sie am Kolonialwarenladen auf der Hauptstraße vorbei, fünfzehn Minuten danach bog sie in die Einmündung zum Schmonzeskeller ein und ging den Feldweg zum Waddelsee hoch.
Eine frische Brise fegte über die frisch geernteten Stoppelfelder, als Marike den Feldweg entlanggeht. Steine knirschen unter ihren Schuhen. Ihre Fleece-Jacke hob sich deutlich von dem braunen Acker, den dunkelgrünen Wäldern und dem grauen Morgenhimmel ab.
Sie näherte sich dem Waddelsee. Ihr Gesichtsausdruck ist neutral, ihre Wangen leicht gerötet. Ihre braunen Naturlocken hatte sie sich zu einem Dutt gebunden.
Der Waddelsee hatte für Marike eine besondere Bedeutung. Als kleines Kind hatte sie viele Stunden an seinem Ufer verbracht und zugesehen, wie vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach auf dem dunklen Wasser tanzten. Hier findet sie immer noch Frieden, wenn in ihrer Familie Krieg herrscht. Hier hatte sie ihren ersten Heiratsantrag erhalten.
Sie erreichte das Gewässer Da stellte sich eine Gestalt in ihren Weg. „Hallo, Rike.“
Marike konnte im letzten Moment bremsen, stolperte und hielt sich an einem herunterhängenden Ast fest. „Werner! Großer Gott, hast du mich aber erschreckt“, keuchte sie und presste eine Hand auf ihr Herz.
„Oh. Das tut mir leid. War nicht meine Absicht“, sagte Werner.
Sie beruhigte sich wieder etwas. „Was machst du überhaupt hier?“
Werner breitete die Arme aus. „Spazieren.“
„Um diese Zeit? Im Wald?“ Marike musterte ihn von oben bis unten. Werner sah aus wie immer, Lodenmantel, weinrote Lederhandschuhe und schwarzer Filzhut.
„Meine Hausärztin hat mir mehr Bewegung verordnet. Aber dein Jogging... ne, das machen meine Knie nicht mit.“
„In Bonzenheim gibt es eine Nordic-Walking-Gruppe...“
Werner winkte ab. „Verschone mich damit.“
„Musst du wissen.“ Marike ließ sich auf einer der wettergegerbten Holzbänke am Seeufer nieder. „Du hast mich total aus dem Laufrhythmus gebracht. Jetzt muss ich erstmal verschnaufen.“
„Es tut mir leid.“ Werner setzte sich neben sie.
Eine Weile genossen beide das Spiel der Lichtreflexe auf dem dunklen Wasser, als die Sonne langsam hinter den Wolken hervorkam. Sie lauschten dem Rascheln des Blätterdachs und atmeten die vertrauten Düfte von Brackwasser und feuchter Erde.
„Wie hast du mich vorhin genannt?“, sagte Marike plötzlich. „Rike? Das hast du zum letzten Mal-“
„Vor zwanzig Jahren zu dir gesagt“, vollendete Werner den Satz lächelnd. „Wir kennen uns jetzt schon ziemlich lange.“
„Das ist untertrieben. Wir waren zusammen auf der Grundschule. Was hat das denn zum Vorschein gebracht?“
Werner machte eine vage Handbewegung. „Nichts besonderes. Ein leichter Anflug von Melancholie. Wie geht es übrigens Sören?“
„Ganz gut. Sein Magengeschwür macht mir etwas Sorgen, aber der Internist bezeichnet es als gutartig, was immer das heißen soll. Jetzt ist er gerade auf Geschäftsreise in Schweden.“
„Schon wieder?“ Werner pfiff durch die Zähne. „Ein richtiger Globetrotter. Fühlst du dich da nicht, nun, vernachlässigt?“
„Weil er so oft weg ist?“ Marike lachte leise. „Nicht wirklich. Er macht es bei seiner Rückkehr ja wieder gut. Richtig gut. Die Provisionen, die er heimbringt sind auch nicht zu verachten. Und die Mädchen finden es toll, was der Papa ihnen aus aller Welt mitbringt.“
„Hm.“ Werner schob seine Hände tief in die Manteltaschen. „Weißt du noch, was du früher alles machen wolltest? Du wolltest Anwältin werden. Und jetzt bist du Hausfrau und Mutter.“
„Träume sind Träume“, sagte Marike. „Ich muss mich mit der Wirklichkeit abfinden. Es hat halt nicht sein sollen.“ Sie warf ihm einen scheelen Blick zu. „Du stellst wirklich komische Fragen.“
„Was ist daran so komisch? Ich sehe dich ja kaum noch, seit du die Kinder hast.“
„Du hast mich erst letzte Woche im Netto getroffen.“
„Ja. Du warst schon an der Kasse, während ich gerade hereinkam. Da blieb nicht mehr viel, außer einem kurzen 'Hi, schön dich zu sehen, muss leider weiter'.“
„Was? Willst du mir jetzt vorwerfen, dass ich ein aktives Familienleben habe?“, fuhr Marike auf.
„Nein“, sagte Werner. „Ich werfe dir vor, dass du es mit jemand anderem hast.“
Bis Marike die Bedeutung seiner Worte registriert hatte, hatte Werner die Hände aus den Manteltaschen gezogen und zu ihr herüber gegriffen. Er legte ihr einen Arm um die Schulter, als wollte er sie in eine innige Umarmung ziehen. Mit dem anderen boxte er ihr in die Magengegend.
Als er die Faust wieder wegnahm, breitete sich ein Blutfleck rapide auf Marikes Kleidung aus. Ihr Blick fiel auf seine Hand. Auf das dünne, spitze, rot glitzernde Messer darin.
Marike öffnete den Mund zu einem Schrei, doch es kam nur ein abgehacktes Keuchen heraus. Sie wollte von der Bank aufspringen.
Werner zog sie unbarmherzig wieder an sich und rammte ihr die Klinge erneut in den Magen. „Ich möchte mich nicht an einen Mann binden. Ich möchte die Welt sehen. Ich möchte tausend Dinge erreichen. Das waren deine Worte, als du meinen Antrag abgelehnt hast.“
Er zog das Messer heraus und stieß es wieder herein. „Und ein Jahr später wirfst du dich diesem Sören an den Hals. Trägst seine Brut aus. Lebst mit ihm das Leben, vor dem du mir Angst vorgeheuchelt hast.“
Jetzt konnte Marike endlich einen Schrei ausstoßen. Im nächsten Moment lag Werners andere Hand über ihrem Mund und erstickte den Laut. Die Stiche wurden schneller, brutaler. „Wenn ich bedenke, wie lange ich auf dich gewartet habe. Die ganzen Jahre, die ich wegen dir verschwendet habe.“
Er stach ihr das Messer in den Brustkorb, oberhalb des Herzens. „Aber wie du es ja gesagt hast: Ich muss mich mit der Wirklichkeit abfinden. Es hat halt nicht sein sollen.“
Werner riss die Klinge aus ihrem Körper und stieß sie von sich. Marike landete auf allen Vieren. Sie röchelte. Nahm einen rasselnden Atemzug. Sie kroch auf den See zu, scheinbar blind, nur noch fliehen wollend.
„Nun, ich habe mich mit der Wirklichkeit abgefunden“, sagte Werner. „Aber das heißt nicht, dass ich es einfach schlucke.“
Marike kroch weiter. Blut rann ihre Gliedmaßen herab. Ihr Atem ging immer schneller, immer abgehackter. Sie streckte die Hand aus. Ihre Fingerspitzen berührten das Wasser.
Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. Mit letzter Kraft wuchtete sie sich nach vorne. Das dunkle Grün des Waddelsees umfing sie.
Werner saß auf der Bank. Er betrachtete die Luftblasen, die an die Seeoberfläche stiegen.
Erst als keine mehr kamen, stand er auf und ging.
Man muss sich ins Leben fallen lassen - was wäre die Alternative?
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Re: Der hinterm Teich motzt

Beitragvon Hurri » 05.11.2014, 14:07

Hi Azareon,

vorweg - deine Geschichte hat mir gut gefallen. Du deutest schon am Anfang an, dass der Typ nicht ganz koscher ist, aber das Ende überrascht dann doch.

Was mir direkt am Anfang aufgefallen ist: Du springt munter zwischen den Zeiten hin und her. Das solltest du unbedingt noch einmal checken.

Den Rest geh ich mal kurz von oben bis unten durch:

Gegen 9 Uhr verließ Marike ihr Haus in der Dorschgartenstraße in Wixhausen. Zehn Minuten später kam sie am Kolonialwarenladen auf der Hauptstraße vorbei, fünfzehn Minuten danach bog sie in die Einmündung zum Schmonzeskeller ein und ging den Feldweg zum Waddelsee hoch.

Sehr detaillierte Beschreibung und als Einstieg meiner Ansicht nicht optimal. Außerdem schreibst du "sie ging", erst später verrätst du, dass sie eigentlich joggt. Ich würde die Infos stark zusammenstauchen. Mit den Straßennamen kann man ohnehin nur als Einwohner etwas anfangen und auch die Zeitangaben sind an der Stelle eigentlich nur Infodump. Beschreibe lieber, wie sie losläuft, was ihr durch den Kopf geht. Vielleicht kannst du auch ein paar Infos zu ihrem Charakter geben.

Ihr Gesichtsausdruck ist neutral
Das ist eine komische Formulierung aus meiner Sicht. Was kann man sich unter "neutral" vorstellen? Und wieso ist er beim Joggen neutral? Ich würde den Satz einfach streichen oder ihn mit Leben füllen, so in die Richtung: "Ihr Mund war halb geöffnet und sie rang nach Atem" Nur so als Beispiel.

Marike konnte im letzten Moment bremsen, stolperte und hielt sich an einem herunterhängenden Ast fest.

An der Stelle war ich etwas verwirrt. Wo ist sie denn gerade, dass sie so plötzlich bremsen muss? Ist sie stumpf aufs Ufer zugerannt?

„Um diese Zeit? Im Wald?“

Warum sollte man nicht im Wald spazieren gehen? Warum ist sie so verwirrt? Ist er kein Naturfreund? Dann wärs gut, wenn du die Info noch irgendwo unterbringen könntest.

Was hat das denn zum Vorschein gebracht?“

Auch an der Stelle war ich etwas verwirrt, da ich nicht wusste, worauf sie das "das" bezieht. Vermutlich meint sie die Tatsache, dass er sie bei ihrem Spitznamen nennt. Das solltest du deutlicher machen.

Was mir am Schluss völlig fehlt, sind ihre Schmerzen. Lass mich als Leser mit ihr mitleiden. Sie hat gerade ein Messer im Magen. Beschreibe den Schmerz, beschreibe wie sie langsam das Bewusstsein verliert, ihre Angst, ihre Fassungslosigkeit.


So, ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Viel Erfolg weiterhin!
"Rechtschreibfehler locken meist Gesindel an" (Sheldon Cooper)
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Re: Der hinterm Teich motzt

Beitragvon inmutanka » 05.11.2014, 18:52

Hallo Azareon,

anbei meine 2 Cents. Pick dir heraus, was dir richtig erscheint.

LG
Inmutanka


Gegen 9 Uhr verließ Marike ihr Haus in der Dorschgartenstraße in Wixhausen. Zehn Minuten später kam sie am Kolonialwarenladen auf der Hauptstraße vorbei, fünfzehn Minuten danach bog sie in die Einmündung zum Schmonzeskeller ein und ging den Feldweg zum Waddelsee hoch.


Solche detaillierte Aufzählungen sind schlecht. Besser wäre es, wenn du beschreiben würdest, was sie sieht/wem sie begegnet/was sie denkt/fühlt.

Eine frische Brise fegte über die frisch geernteten Stoppelfelder, als Marike den Feldweg entlanggeht.


Hier war mein Gedanke: ok, eine Brise weht, und weiter? Wenn du so etwas erwähnst, erwarte ich etwas.

*Stoppelfelder* impliziert für mich, dass die Felder abgeerntet sind und zumind. bei uns sind Stoppelfelder *Zeichen*, dass sie frisch abgeerntet wurden, weil sie innerhalb weniger Tage dann gezackert werden (über Sinn/Unsinn dieser Art kann man streiten)

Steine knirschen unter ihren Schuhen. Ihre Fleece-Jacke hob sich deutlich von dem braunen Acker, den dunkelgrünen Wäldern und dem grauen Morgenhimmel ab.


- Steine knirschen unter ihren Schuhen - für mich würden die Steine durch ihren Schritt/Gewicht knirschen.

Für mich wären das zu viele Farbaufzählungen. Vor allen Dingen auch aus dem Grund, weil es nichts über die Farbe ihrer Fleece-Jacke aussagt, weiß hebt sich genauso deutlich ab wie rot, pink, gelb etc. Anders wäre es, wenn du schreiben würdest: in ihrer Fleece-Jacke wirkte sie in der tristen Landschaft wie ein Feuerlöscher an einer weißen Wand. (geht natürlich noch besser)

Sie näherte sich dem Waddelsee. Ihr Gesichtsausdruck ist neutral, ihre Wangen leicht gerötet. Ihre braunen Naturlocken hatte sie sich zu einem Dutt gebunden.


Das liest sich wie eine Regie-Anweisung bzw. eine Anweisung an die Maskenbildnerin, wie sie die Hauptdarstellerin für die Szene herzurichten hat.

Der Waddelsee hatte für Marike eine besondere Bedeutung. Als kleines Kind hatte sie viele Stunden an seinem Ufer verbracht und zugesehen, wie vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach auf dem dunklen Wasser tanzten. Hier findet sie immer noch Frieden, wenn in ihrer Familie Krieg herrscht. Hier hatte sie ihren ersten Heiratsantrag erhalten.


zeigen, nicht erzählen. Ich spüre nichts von ihren Empfindungen, die mit dem See verbunden sind.

Sie erreichte das Gewässer Da stellte sich eine Gestalt in ihren Weg. „Hallo, Rike.“


liest sich für mich etwas seltsam.

1. wenn sie das Gewässer erreicht, habe ich das Bild vor Augen, dass sie bereits am Ufer des Sees steht. Wenn da sich ihr eine Gestalt in den Weg stellt, müsste sie sich (für mich) entweder aus dem Wasser schießen oder sich vor ihr materialisieren.
Falls es sich um einen Weg handelt, der um den See herum führt und die Gestalt springt aus einem Gebüsch seitwärts heraus, müsste es dastehen. Mir fehlt also schlichtweg eine nähere Beschreibung, um ein Bild zu bekommen.

2. Gestalt - ist für mich in diesem Zusammenhang zu unbestimmt. Wenn plötzlich etwas aus einem Gebüsch vor jemanden springt, erkennt der andere in Sekunden, ob es sich um einen Menschen/Mann/Frau (wenn er nicht vermumt ist) oder Hund/Bär etc. handelt.

Marike konnte im letzten Moment bremsen, stolperte und hielt sich an einem herunterhängenden Ast fest.


- konnte im letzten Moment bremsen - es liest sich, als wenn sie mit dem Rad/Auto unterwegs wäre. Statt *im letzten Moment* wäre es besser, wenn du schreiben würdest, was passiert: bevor sie den Mann umrannte/in den Mann hineinrannte etc.

- hielt sich an einem herunterhängenden Ast fest. - bisher hast du mir nur einen See gezeigt bzw. noch nicht einmal gezeigt, sondern behauptet, dass dort ein See ist. Woher kommt auf einmal der Ast?
*hielt* wäre mir in dem Falle zu schwach

So, den Rest fasse ich mal mehr oder weniger zusammen.

Der Dialog liest sich für mich *künstlich* und ziemlich langatmig. Und ich spüre nichts von ihren Emotionen, keinen Schreck, nicht wie sich beruhigt etc.

*keuchte sie und presste eine Hand auf ihr Herz.* - hier dachte ich: mein Gott, wie theatralisch (kann aber sein, dass es nur mir so geht)

„Um diese Zeit? Im Wald?“ Marike musterte ihn von oben bis unten. Werner sah aus wie immer, Lodenmantel, weinrote Lederhandschuhe und schwarzer Filzhut.


Was ist daran seltsam, das jemand um 9.20 Uhr morgens im Wald spazieren geht? Auf der Jagd haben wir sogar beim Nachtansitz Jogger mit Kopffunzel durch den Wald hecheln sehen. Wenn du allerdings damit sagen willst, dass es für Werner ungewöhnlich ist, dann musst du da noch mehr Infos reinbringen, damit es klar und glaubhaft wird.

Aber dein Jogging... ne, das machen meine Knie nicht mit.“


Ach, Marike joggt? Bisher hatte ich das Bild einer Frau vor Augen, die spazieren geht. Diese Info sollte schon früher kommen.

Eine Weile genossen beide das Spiel der Lichtreflexe auf dem dunklen Wasser, als die Sonne langsam hinter den Wolken hervorkam.


Das hast du schon oben geschrieben in der Erinnerung.

Sie lauschten dem Rascheln des Blätterdachs und atmeten die vertrauten Düfte von Brackwasser und feuchter Erde
.

ok, durch den Dialog weiß ich, dass der See im Wald liegt. Gehen die Bäume bis an das Wasser heran? Ich frage aus dem Grund, weil ich mit *Blätterdach* das Bild vor Augen habe, dass die Äste/Baumkronen sich über jemanden schließen/ein *Dach* bilden. Steht die Bank dagegen in einer *baumfreien Zone* hören sie nur das Blätterrascheln der umliegende Bäume. Du siehst, auch hier fehlen Angaben, um ein Bild zu beschwören.

„Weißt du noch, was du früher alles machen wolltest? Du wolltest Anwältin werden. Und jetzt bist du Hausfrau und Mutter.“


Wenn du schreibst: früher alles machen wolltest - erwarte ich eigentlich eine Aufzählung a la U-Boot-Kapitän, Cowgirl, Anwältin ...
Wenn du dagegen nur einen Beruf nennst, müsste es heißen: Früher wolltest du Anwältin werden.

Sie warf ihm einen scheelen Blick zu.


was für einen Blick meinst du damit? Abschätzig, schiefäugig, misstrauisch, neidisch? scheeler Blick - kann das alles bedeuten.

Bis Marike die Bedeutung seiner Worte registriert hatte.


liest sich, als sie Marike nicht die Schnellste im Begreifen.

Er legte ihr einen Arm um die Schulter, als wollte er sie in eine innige Umarmung ziehen. Mit dem anderen boxte er ihr in die Magengegend.
Als er die Faust wieder wegnahm, breitete sich ein Blutfleck rapide auf Marikes Kleidung aus. Ihr Blick fiel auf seine Hand. Auf das dünne, spitze, rot glitzernde Messer darin.
Marike öffnete den Mund zu einem Schrei, doch es kam nur ein abgehacktes Keuchen heraus. Sie wollte von der Bank aufspringen.
Werner zog sie unbarmherzig wieder an sich und rammte ihr die Klinge erneut in den Magen. „Ich möchte mich nicht an einen Mann binden. Ich möchte die Welt sehen. Ich möchte tausend Dinge erreichen. Das waren deine Worte, als du meinen Antrag abgelehnt hast.“
Er zog das Messer heraus und stieß es wieder herein. „Und ein Jahr später wirfst du dich diesem Sören an den Hals. Trägst seine Brut aus. Lebst mit ihm das Leben, vor dem du mir Angst vorgeheuchelt hast.“


*boxte* ist nicht das passende Wort, wenn er mit dem Messer zusticht. Er boxt/er sticht - schon hast du unterschiedliche Bilder vor Augen. Falls du das Gefühl hast, mit *stechen* zu viel zu verraten, würde ich es in etwa so schreiben:
Er legte Marike einen Arm um die Schulter und zog sie zu sich. Mit der anderen Hand machte er eine schnelle Bewegung zu ihrem Bauch. Marike spürte erst einen Druck, dann einen brennenden Schmerz ...
womit ich bei nächsten Punkt wäre:
Marike bekommt ein Messer in den Bauch gerammt, sieht Blut, wo es nicht hingehört und alles, was von ihr kommt, ist ein *Keuchen*. Was ist mit dem Schmerz? Verwunderung? Langsames Begreifen, was passiert ist, anschließend die Erkenntnis, dass sie wahrscheinlich stirbt? Die aufsteigende Panik/Angst? Von all dem spüre ich nichts.
Auf der anderen Seite fehlt mir auch Emotion/Ausdruck von Werner. So, wie es dasteht, könnte auch ein ferngesteuerter Roboter zustechen und mit monotoner Stimme sprechen. Was sieht Marike in Werners Gesicht: Wut/Haß/Schmerz/Enttäuschung? Wie klingt seine Stimme/wie spricht er?

Im nächsten Moment lag Werners andere Hand über ihrem Mund und erstickte den Laut.


Ich weiß nicht, wie viele *nächsten Moment* ich die letzten 2 - 3 Tage in Stories gelesen habe. SP-Autoren etc. haben wohl eine Vorliebe für den *nächsten Moment* ;) M. M. n. könntest du darauf verzichten. Marike schreit, Werner presst seine Hand auf ihren Mund und erstickt den Schrei. Daraus wird für mich klar: Er lässt die Gute nicht erst 5 Minuten brüllen, ehe er es unterbindet.

Die Stiche wurden schneller, brutaler.


Dass er schneller zusticht, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber was macht er, dass die Stiche noch *brutaler* werden? Ob er zum 1. Mal zusticht oder zum 20. Mal - für mich ist der 1. genauso brutal wie der 20. Wenn die Stiche ab dem 5 - 6. Mal *brutaler* werden, müsstest du schreiben, was diese Stiche von den anderen unterscheidet, damit sie *brutaler* sind.

„Wenn ich bedenke, wie lange ich auf dich gewartet habe. Die ganzen Jahre, die ich wegen dir verschwendet habe.“


auch das liest sich kryptisch. Wieso empfindet er die Jahre als *verschwendet*? Wenn ein Mann z. B. eine vielversprechende Karriere aufgibt, weil seine Freundin sich einen Hausmann wünscht und diese ihm nach 5 Jahren den Koffer vor die Tür setzt, weil sie ihn für einen Looser hält, der es zu nichts gebracht hat - dann kann ich nachvollziehen, dass der Mann die Jahre als verschwendet ansieht. Aber so ganz ohne Hinweis ....

Er stach ihr das Messer in den Brustkorb, oberhalb des Herzens.


Hm, hier frage ich mich: wer kennt sich so gut in der Anatomie aus? Der Autor oder Werner? Der nächste Punkt: Jäger müssen den Stich zum Wild abfangen am toten Wild üben (zumind. in Rhl.-Pf.). Ein Stich zwischen die Rippen von jemanden, der keine anatom. Kenntnisse besitzt, bes. wenn Rippen durch Kleidung verdeckt sind, ist nicht einfach.

Werner riss die Klinge aus ... und stieß sie von sich.


Werner stößt die Klinge von sich?

Marike landete auf allen Vieren. Sie röchelte. Nahm einen rasselnden Atemzug. Sie kroch auf den See zu, scheinbar blind, nur noch fliehen wollend.


Warum bleibst du nicht ganz bei Marike (scheinbar blind)? Wenn du bei Marike bist, weißt du, ob sie etwas sieht oder nicht.

Marike kroch weiter. Blut rann ihre Gliedmaßen herab. Ihr Atem ging immer schneller, immer abgehackter. Sie streckte die Hand aus. Ihre Fingerspitzen berührten das Wasser.
Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. Mit letzter Kraft wuchtete sie sich nach vorne. Das dunkle Grün des Waddelsees umfing sie.
Werner saß auf der Bank. Er betrachtete die Luftblasen, die an die Seeoberfläche stiegen.
Erst als keine mehr kamen, stand er auf und ging.


Wenn Werner ihre Lunge mit zahlreichen Stichen perforiert, dann erstickt die Gute ziemlich schnell (Unterdruck, Lungen fallen zusammen, erstickt am Blut)

Auch bezweifle ich, dass Blut an ihren Gliedmaßen herab rinnt, wenn sie nur in Brust/Bauch gestochen wird und eine Fleece-Jacke anhat. Die dürfte sich mit dem Blut vollsaugen.

Fazit:
du wechelst öfter die Zeiten. Mir fehlen Bilder, Gefühle, Empfindungen und Infos, die Werners Handlung für mich nachvollziehbar macht (was hat er aufgegeben?).

Hoffe, der eine oder andere Punkt hilft dir weiter.

Liebe Grüße
Inmutanka
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Re: Der hinterm Teich motzt

Beitragvon rental » 11.12.2014, 16:45

Hi Azareon29,

dann will ich mich auch mal an deiner Geschichte versuchen. Ich habe sie schon gestern gelesen, komme aber erst jetzt zum kommentieren. Nimm dir, was du gebrauchen kannst, den Rest schmeisse getrost in die Mülltonne. Alles was folgt, repräsentiert nur meine persönliche Meinung. Die anderen Kommentare habe ich nicht gelesen, kann also sein, das Dinge doppelt angemerkt werden.

Ich halte mich nicht bei meinen Erzählungen zurück. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Wieso schreibst du das? Die Geschichte ist weder besonders brutal, noch verstörend oder sonst irgendetwas ...

Der Titel hat mich angesprochen, er klingt nicht alltäglich. Deshalb habe ich die Geschichte auch gelesen. Krimis sind normalerweise nicht so meins. Aber ich hätte diese Geschichte wohl auch eher unter Spannendes eingeordnet.

Gegen 9 Uhr verließ Marike ihr Haus in der Dorschgartenstraße in Wixhausen. Zehn Minuten später kam sie am Kolonialwarenladen auf der Hauptstraße vorbei, fünfzehn Minuten danach bog sie in die Einmündung zum Schmonzeskeller ein und ging den Feldweg zum Waddelsee hoch.

Der Einstieg: Irgendwie finde ich die genauen Zeitangaben, wann sie wo ist, nicht so gelungen. Ausserdem ist das ja auch nicht wichtig für die Geschichte. Auch musste ich erst einmal lachen. Ich dachte: Wixhausen? Ist das sein ernst? Ich habe dann gegoogelt und herausgefunden, dass es tatsächlich eine Ortschaft namens Darmstadt-Wixhausen gibt. :D Unglaublich! :mrgreen: (bitte diese Bemerkung nicht allzu ernst nehmen, will niemandem der dort wohnt auf den Schlips treten)

Eine frische Brise fegte über die frisch geernteten Stoppelfelder, als Marike den Feldweg entlanggeht.

Unschöne Wortwiederholung die man leicht ausmerzen kann. Müsste es hier nicht heissen: Entlangging? Um in der Zeitform zu bleiben? Bin mir gerade aber nicht sicher.

Steine knirschen unter ihren Schuhen. Ihre Fleece-Jacke hob sich deutlich von dem braunen Acker, den dunkelgrünen Wäldern und dem grauen Morgenhimmel ab.

Hier wechselst du wieder die Zeitform. Mir erschliesst sich der Grund dazu nicht, deshalb gehe ich davon aus, dass dir da ein Fehler unterlaufen ist. Weiter finde ich, dass du zu viele Farbbeschreibungen benutzt, braun, dunkelgrün, grau. Und das alles in einem Satz ist etwas viel, finde ich.

Sie näherte sich dem Waddelsee. Ihr Gesichtsausdruck ist neutral, ihre Wangen leicht gerötet. Ihre braunen Naturlocken hatte sie sich zu einem Dutt gebunden.

Hier wieder der Sprung in der Zeit. Der mittlere Satz ist im Präsens, die anderen beiden nicht. Und was kann ich mir unter einem neutralen Gesichtsausdruck vorstellen? Nicht viel, um ehrlich zu sein :wink:

Als kleines Kind hatte sie viele Stunden an seinem Ufer verbracht und zugesehen, wie vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach auf dem dunklen Wasser tanzten.

Wie kann ich mir das vorstellen? Hängen die Äste der Bäume bis weit über das Seeufer hinaus? Oder war es der Winkel der Sonneneinstrahlung, der dieses Bild zauberte? Ist etwas ungenau, finde ich.

Hier findet sie immer noch Frieden, wenn in ihrer Familie Krieg herrscht. Hier hatte sie ihren ersten Heiratsantrag erhalten.

Erneut die verschiedenen Zeitformen der Sätze. Ausserdem finde ich es nicht so schön, das zwei aufeinanderfolgende Sätze mit demselben Wort beginnen. In ihrer Familie herrscht Krieg? Das muss ja sehr, sehr schlimm zugehen. Obwohl ich noch nichts über ihre Familie weiss, finde ich das doch etwas drastisch und überspitzt ausgedrückt.

Sie erreichte das Gewässer Da stellte sich eine Gestalt in ihren Weg.

Hier hast du den Punkt nach dem ersten Satz vergessen. Warum benutzt du hier das Wort "Gestalt"? Wieso nicht einfach eine Person? Sieht sie das wirklich nur so undeutlich?

Marike konnte im letzten Moment bremsen, stolperte und hielt sich an einem herunterhängenden Ast fest.

Hier stockte ich. Was passiert nun? Wieso muss sie so abrupt abbremsen? Sie ging doch nur bisher. Spazierte.

„Meine Hausärztin hat mir mehr Bewegung verordnet. Aber dein Jogging... ne, das machen meine Knie nicht mit.“

Achso, sie ist joggen! Das solltest du vielleicht vorher schon mal erwähnen, damit es dem Leser klar wird. Du hast aber zuvor nur von "gehen" geschrieben.

„Das ist untertrieben. Wir waren zusammen auf der Grundschule. Was hat das denn zum Vorschein gebracht?“

Ich musste den Gesprächsabschnitt zweimal lesen, um zu verstehen, worauf sich die Frage bezieht. Kannst du sicher geschickter machen.

„Weißt du noch, was du früher alles machen wolltest? Du wolltest Anwältin werden. Und jetzt bist du Hausfrau und Mutter.“

"Was du früher alles machen wolltest" impliziert, dass sie viele Wünsche oder Träume hatte. Werner spricht danach aber nur von einer Sache, nämlich der Anwältin.

„Du hast mich erst letzte Woche im Netto getroffen.“
„Ja. Du warst schon an der Kasse, während ich gerade hereinkam. Da blieb nicht mehr viel, außer einem kurzen 'Hi, schön dich zu sehen, muss leider weiter'.“

Finde es passt nicht wirklich, dass er die Ereignisse im Netto so genau schildert. Sie weiss es ja auch, war ja auch da. Den ersten Satz würde ich streichen, um es etwas glaubwürdiger zu machen.

Bis Marike die Bedeutung seiner Worte registriert hatte, hatte Werner die Hände aus den Manteltaschen gezogen und zu ihr herüber gegriffen.

"hatte, hatte" gefällt mir gar nicht. Kann man sehr einfach umgehen.

Mit dem anderen boxte er ihr in die Magengegend.
Als er die Faust wieder wegnahm, breitete sich ein Blutfleck rapide auf Marikes Kleidung aus. Ihr Blick fiel auf seine Hand. Auf das dünne, spitze, rot glitzernde Messer darin.

Er hat zugestochen, also ist "boxte" das falsche Wort.

Jetzt konnte Marike endlich einen Schrei ausstoßen. Im nächsten Moment lag Werners andere Hand über ihrem Mund und erstickte den Laut.

"Im nächsten Moment" finde ich etwas unglücklich. Vielleicht "Blitzschnell lag Werners andere Hand über ihrem Mund".

Die Stiche wurden schneller, brutaler.

Wie brutaler? Schlitzt er sie jetzt auch noch auf? Dreht er das Messer in der Wunde?

Werner riss die Klinge aus ihrem Körper und stieß sie von sich.

Es ist logisch, dass er Marike wegstösst, so liest es sich aber, als stiesse er die Klinge von sich ...

Sie kroch auf den See zu, scheinbar blind, nur noch fliehen wollend.

Das ist zu distanziert geschrieben.

Fazit:
Die Geschichte ist überraschend, dank ihrer Wendung, die ich nicht vorhersehen konnte. Der Schreibstil ist in Ordnung, es gibt aber trotzdem einige Dinge anzumerken. Der Inhalt ist eher nichts besonderes - trotz des Überraschungseffekts - gibt es so oder ähnlich schon zahlreiche Male. Ich habe die Geschichte trotzdem gerne gelesen und es hat mir Spass gemacht, sie zu kommentieren.

LG,
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