[Liebe]Der kältere Wind/ Auszug 1

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Der kältere Wind/ Auszug 1

Beitragvon Duplica » 15.10.2012, 22:23

Bitte vor dem Kommentieren unbedingt meine Antwort auf den ersten Kommentar lesen!!!
Habe leider vergessen, dem Werk eine wichtige Erklärung voranzustellen... :oops:




"Du hast was???"
"Ich hab sie gefragt, ob sie mitkommt!"
"Du spinnst!"

Kai hockte grinsend, so verdammt selbstsicher grinsend auf dem Rand meines Bettes und schnürte seine Schuhe zu.
Seine Haarsträhne fiel ihm ins Gesicht, er schob sie langsam zurück und sah mich dann von unten herauf an.
"Und weißt du was? Sie hat ja gesagt. Sie kommt mit!"
Allein beim Gedanken daran, den Abend mit ihr zu verbringen, wurde mir schlecht.
Ich stellte mir vor, wie sie zwischen uns auf einem Barhocker sitzen würde, mit der selben Eleganz, die sie an den Tag legte, seit ich sie kannte, eine helle Freude, sie anzusehen, für jeden Mann --- abscheulich der Gedanke daran --- ihr hübsches Gesicht, ihre feinen Hände, ihre zarten Arme, die bezaubernden Augen mit den langen Wimpern… verdammt, ich wollte den Abend nicht mit ihr verbringen.
Sie würden sie ansehen, über sie reden, über sie herziehen, sie mit ihren Blicken ausziehen…

Ich setzte mich auf das breite Fensterbrett und starrte hinaus aufs Meer.
"Du wirst sehen, das wird ein fantastischer Abend!"
"Fantastisch…????"
"Ja, fantastisch!"
"Seit wann sagst du fantastisch!?"
"Wieso nicht, klingt das irgendwie unintelligent?"
Ich schüttelte den Kopf und starrte weiter hinaus, versuchte, an nichts zu denken.

An überhaupt nichts…

"Jedenfalls versuche ich heute mal nicht so viel zu trinken, wir haben es gestern schon übertrieben."
Jetzt sah ich ihn doch an.
"Spinnst du?"
Doch Kai zuckte nur mit den Schultern.
"Man muss ja nicht immer was trinken!"
"Du bist ja krank."

Wie wollte sie denn in der "Zugluft" erscheinen?
Im hellgrauen Kleidchen, passende Pumps, kunstvolle Hochsteckfrisur? Besaß sie überhaupt Klamotten, die in eine Rockkneipe passten?
Ob sie rauchte? Bier trank?
Sie würde wahrscheinlich den ganzen Abend auf ihrem Hocker sitzen und artig an ihrem Wässerchen nippen, etwas anderes passte einfach nicht zu ihr, da konnte kommen was wolle!
Und Kai, der Unschuldige, er würde dann wohl neben ihr sitzen, seine Cola vor sich, wahrscheinlich noch mit Strohhalm und dann würden sie beide einen auf Nett machen, oder was!
Ich hatte keine Lust auf Milchbargesäusel!
"Ich geh nicht mit!"
"Ach, scheiß nicht rum, Mann, klar kommst du mit!"
"Kai, ich hab keine Lust, meinen Abend mit ihr zu verbringen. Ich wollte mit dir weggehen, nicht mit ihr!"
Warum fiel mir keine ordentliche Rechtfertigung ein, verflucht!
Kai stand auf, stellte sich neben mich und sagte mit vernehmlichem Ton:
"Du wirst mitkommen und mit mir und Patty einen schönen Abend verleben. Andernfalls sind wir die längste Zeit Freunde gewesen!"
Ich sah ihn nicht an.
"Du spinnst ja!"
"Wie oft willst du das noch sagen? Es ändert nichts, Frankie, ich meine das ernst! Du kommst natürlich mit. Patty ist wirklich in Ordnung! Man kann super mit ihr quatschen und so, das wird sicher lustig!"
Immer noch sah ich ihn nicht an, schüttelte den Kopf - ich wollte nicht in ihrer Nähe sein… konnte er das nicht verstehen?
Oder einfach nur annehmen?
Wahrscheinlich nicht.
Für Kai war sie ja die Vollkommenheit in Person, eine reizende junge Frau, begehrenswert in ihrer Zartheit, ein Ausbund an Perfektion mit ihrer beispiellosen Schönheit!
Er liebte sie abgöttisch, verehrte sie in seinem Innersten, seine Einzige, seine Geliebte, seine Angebetete!
Zwischen ihm und ihr - ein Verstehen, ein Geben und Nehmen, eine herzliche Harmonie, die mich manchmal innerlich erstarren ließ.
Wie hätte er verstehen können, dass ich nicht mit ihr in einem Raum sein wollte, dass ihre Glashärte mich vernichten, niederreißen, mein Innerstes sprengen und mein Herz zerfressen konnte… er ahnte ja noch nicht einmal etwas davon, konnte nicht wissen, was mich umtrieb, warum ich sie hasste.
Warum also hätte ich Verständnis von ihm erwarten sollen, von ihm, der sie liebte, dessen Gefährtin sie nun war?

Unvermittelt berührte er meinen Arm, ganz leicht nur, und sagte mit fast unvernehmbarer Stimme:
"Wenn du denkst, wir quatschen zuviel, dann küsst du mich einfach wieder, so wie letzte Nacht!"

Nun sah ich ihn doch an.
Sah direkt in seine eisblauen Augen.
Seinen liebevollen Blick erwidernd grinste ich verlegen, sah schnell wieder weg und doch wieder hin.
Kai.
Er machte dieses unsichere Empfinden, diese madigen Hirngespinste über sie einfach weg, indem er mich einmal ansah, mich leicht am Arm berührte, dass sich jedes meiner Härchen einzeln aufstellte und kaum hörbare Worte flüsterte.

Was passierte hier!?

Seine Nähe tat mir wohl, ich empfand sie als wärmend, konnte und wollte mich dessen nicht erwehren - warum auch?

Intuitiv zog ich ihn an mich, um diese unschuldige Nähe, diese unheimlich gut tuende Wärme noch mehr und noch besser empfinden zu können und erlebte dabei dieselben sinnlichen Schauer wie letzte Nacht, als sein Atem mich streifte und ich meinen verlor.
Ich brauchte nur die Augen zu schließen und mich zu erinnern.

Sein Kopf verweilte auf meiner Schulter und plötzlich, ein zarter Kuss in meinem Nacken, ein entzückender Biss, dann wich er von mir zurück, sah mich wieder an.
"Du spinnst."
Sagte diesmal er, nicht ich.
Ich grinste nur.
"Du auch."

Der Zauber des Momentes war noch nicht ganz verflogen, als jemand sachte an meine Zimmertür klopfte.
"Das ist sie", flüsterte Kai mit halboffenen Augen.

Als sie dann das Zimmer betrat, oder besser gesagt, scheu im Türrahmen stehen blieb, musste ich ernüchtert feststellen, dass sie wieder einmal großartig aussah und keineswegs unpassend gekleidet war.
Apart und schmucklos in schwarz ihre Jeans und die Bluse, was ihre ungekünstelte Schönheit besonders betonte.
Ihr feines schwarzes Haar trug sie offen, wie ich es noch nie gesehen hatte und ja, zur Hölle, sie war nicht einmal geschminkt, soweit ich das von hier aus beurteilen konnte - und so bildschön, dass Kai und ich ein paar Momente lang nicht antworteten, als sie fragte, ob wir soweit seien.

"Ja, klar, ich muss nur noch, meine Jacke…"
Kai biss sich auf die Lippen und während er seine Jacke suchte, die vor ihm auf dem Bett lag, fragte ich mich ein bisschen wehmütig, warum er denn so nervös war… war es nur wegen ihr?
Oder auch ein bisschen wegen mir?
Oder beides?
Langsam rutschte ich vom Fensterbrett.
Sie würdigte mich keines Blickes, blieb in der Tür stehen, wippte ein wenig hin und her…
Sie trug elegante schwarze Stiefel über der Jeans…
"Hier!"
Ich reichte Kai seine Jacke, er entgegnete meinen Blick mit einem scheuen Lächeln und wieder einmal wusste ich, wie sehr ich ihn liebte.

Patty und Kai umarmten sich… nicht kurz, kein flüchtiges Hallo, nicht einfach nur zwei in die Luft gehauchte Küsse aus Höflichkeit…
Er schloss sie in seine Arme, küsste sie sachte auf ihre blasse Wange und schenkte ihr ein Lächeln, welches sie sofort erwiderte.
Ich, ein eher prüder, gefühlsfrigider Mensch, der Emotionen, Leidenschaften und all den Kram verabscheute, ohne sie wirklich zu kennen, stand den zwei wunderschönsten Menschen des Universums gegenüber und sah zu, wie sie sich begrüßten…
… nie zuvor hatte ich eine zärtlichere und liebevollere Umarmung gesehen…
und dabei wurde mir so eigenartig, dass ich bemerkte, wie mir ein Kloß in der Kehle wuchs.
Ich schluckte und schluckte, das komische Gefühl ging nicht weg und dann sagte ich mir einfach selbst, dass ich diese beiden Menschen liebte, was machte das schon.
Wenn ich Kai liebte, einen Mann, verdammt noch mal, wenn ich ihn liebte und sogar körperliche Empfindungen für ihn besaß, dann konnte ich doch genauso gut diese Frau lieben, einfach so, ohne den ganzen Gefühlsramsch, einfach nur lieben, gern haben, ein Freund sein.

Konnte ich das wirklich?
Dieser Frau ein Freund sein?

Hastig schob ich aufkeimende Gedanken zurück, die dieses zarte Gefühl zu zerstören drohten und wandte mich realistischeren Dingen zu.



Gruß
Duplica
Zuletzt geändert von Duplica am 17.10.2012, 14:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der kältere Wind

Beitragvon Simona » 16.10.2012, 20:23

Hallo Duplica,

dann versuch ich mich mal an einem Kommentar
Also:

"Du hast was???"
"Ich hab sie gefragt, ob sie mitkommt!"
"Du spinnst!"

Kai hockte grinsend, so verdammt selbstsicher grinsend auf dem Rand meines Bettes und schnürte seine Schuhe zu.


1. Ich bin kein Freund von dem inflationären Gebrauch von Frage- oder Rufezeichen. Und mWn wird auch eher davon abgeraten.
2. "so verdammt selbstsicher grinsend" würde ich persönlich weglassen, ist eine ziemliche Ansammlung von Adjektiven und Adverben an einer Stelle
3. Der Einstieg in die Geschichte gefällt mir, weil man sofort mitten im Geschehen ist. Da du die Geschichte im Liebesromanforum eingestellt hast, und Kai auf dem Bett sitzt, bin ich hier mal davon ausgegangen, dass die zwei ein Paar sind und der Ich-Erzähler eben eine Frau.

Ich stellte mir vor, wie sie zwischen uns auf einem Barhocker sitzen würde, mit der selben Eleganz, die sie an den Tag legte, seit ich sie kannte, eine helle Freude, sie anzusehen, für jeden Mann --- abscheulich der Gedanke daran --- ihr hübsches Gesicht, ihre feinen Hände, ihre zarten Arme, die bezaubernden Augen mit den langen Wimpern… verdammt, ich wollte den Abend nicht mit ihr verbringen.


1. Ab da hatte ich erstmals Zweifel, ob der Ich-Erzähler tatsächlich eine Frau ist, weil die Unbekannte zwischen ihnen sitzen würde und der Ich-Erzähler so gar nicht wollte, dass die andere mitgeht.
2. --- hab ich so noch nirgendwo gesehen; in aller Regel verwendet man nur einen Gedankenstrich
3. Verdammt müsstest du mMn nach den Gedankenpunkten groß schreiben. Zudem gehört vor den Gedankenpunkten ein Leerzeichen.
4. müsste es mE eher "mit der gleichen Eleganz" heißen

"Du wirst sehen, das wird ein fantastischer Abend!"
"Fantastisch…????"
"Ja, fantastisch!"
"Seit wann sagst du fantastisch!?"
"Wieso nicht, klingt das irgendwie unintelligent?"
Ich schüttelte den Kopf und starrte weiter hinaus, versuchte, an nichts zu denken.


Bei der Dialogsstelle hatte ich Probleme alles nachvollziehen zu können.
Bei dem offensichtlichen (immerhin gleich vier Fragezeichen) entsetzten Nachfragen "Fantastisch" wäre ein zusätzlicher Gedankengang nicht schlecht gewesen, denn so tat ich mir schwer, diese doch heftige Reaktion nachzuvollziehen, weil ich die Figuren noch zu wenig kenne.
Auch habe ich nicht verstanden, warum die Verwendung von dem Wort fantastisch irgendwie unintelligent klingen soll.

"Jedenfalls versuche ich heute mal nicht so viel zu trinken, wir haben es gestern schon übertrieben."
Jetzt sah ich ihn doch an.
"Spinnst du?"
Doch Kai zuckte nur mit den Schultern.
"Man muss ja nicht immer was trinken!"
"Du bist ja krank."


1. Auch hier hätten ein paar begleitende Gedankengänge der Sache gut getan. Ich bin kein Freund von vielen Erklärungen, aber so ganz am Anfang einer Geschichte, wenn man die Figuren im Grunde noch gar nicht, wirken manche Reaktionen schnell verwirrend. Hier eben das "Spinnst du?" und das "Du bist ja krank." Weil es eben in einem Liebesroman doch sehr ungewöhnlich wäre, einen Prota zu haben, der den exzessiven Alkoholkonsum lebt und verteidigt.
2. Zudem war ich nach dem Dialog der Ansicht, der Ich-Erzähler ist doch ein Mann und keine Frau, weil es eben für eine Frau im Liebesroman noch untypischer wäre, den Alkoholkonsum zu propagieren.

Im hellgrauen Kleidchen, passende Pumps, kunstvolle Hochsteckfrisur? Besaß sie überhaupt Klamotten, die in eine Rockkneipe passten?
Ob sie rauchte? Bier trank?


Die Passage hat mir grundsätzlich gut gefallen, weil es die Unbekannte ein Stück weit charakterisiert.
Zudem hat mit die Passage darin bestärkt, dass der Ich-Erzähler ein Mann ist.

Und Kai, der Unschuldige, er würde dann wohl neben ihr sitzen, seine Cola vor sich, wahrscheinlich noch mit Strohhalm und dann würden sie beide einen auf Nett machen, oder was!


1. "Wohl" und "wahrscheinlich" würde ich streichen, weil der ganze Satz ohnehin auf eine Annahme aufbaut, weshalb du sie nicht brauchst.
2. Den Nachsatz "oder was" würde ich streichen. Liest sich nicht schön

"Ach, scheiß nicht rum, Mann, klar kommst du mit!"


Da war ich mir dann sicher, der Ich-Erzähler ist ein Mann.

"Kai, ich hab keine Lust, meinen Abend mit ihr zu verbringen. Ich wollte mit dir weggehen, nicht mit ihr!"


Da kam ich dann wieder ins Wanken. Würde ein Mann wirklich zu einem anderen Mann sagen, er wolle mit ihm weggehen? "Mit jemanden weggehen" ist für mich eher eine weibliche Phrase, kann mich jetzt aber täuschen.

"Du wirst mitkommen und mit mir und Patty einen schönen Abend verleben. Andernfalls sind wir die längste Zeit Freunde gewesen!"


Da dachte ich dann, naja Frankie und Kai können ja offiziell platonische Freunde sein und Frankie ist eben auf die Unbekannte eifersüchtig, weil sie heimlich in Kai verliebt ist.

"Du spinnst ja!"


Soche Phrasen finde ich sehr schwach. Als wäre dem Autor nichts Besseres eingefallen. Wenn es Frankie charakterisieren soll, musst du das irgendwie näher erklären, sonst nerven solche Phrasen rasch.

Er liebte sie abgöttisch, verehrte sie in seinem Innersten, seine Einzige, seine Geliebte, seine Angebetete! Zwischen ihm und ihr - ein Verstehen, ein Geben und Nehmen, eine herzliche Harmonie, die mich manchmal innerlich erstarren ließ.


Also das fand ich dann maßlos übertrieben. Offensichtlich hat die Unbekannte gerade mal zu einer Einladung zu einem geselligen Abend mit mehreren Leuten zugesagt, und da liebt Kai sie bereits abgöttisch und sie ist seine Geliebte? Ein Verstehen, ein Geben ... konnte ich von daher auch einfach nicht nachvollziehen.

"Wenn du denkst, wir quatschen zuviel, dann küsst du mich einfach wieder, so wie letzte Nacht!"


Und da dachte ich dann zwangsläufig: Also doch ein Paar (Frau-Mann), zumindest in der letzten Nacht.

Nun sah ich ihn doch an.
Sah direkt in seine eisblauen Augen.
Seinen liebevollen Blick erwidernd grinste ich verlegen, sah schnell wieder weg und doch wieder hin.
Kai.
Er machte dieses unsichere Empfinden, diese madigen Hirngespinste über sie einfach weg, indem er mich einmal ansah, mich leicht am Arm berührte, dass sich jedes meiner Härchen einzeln aufstellte und kaum hörbare Worte flüsterte.


Hier wiederholst du für meinen Geschmack zu oft das Verb "sehen".
"machte sie weg" ist wieder eine sehr schwache Phrase, da gäb es sicher ausdruckstärkere Varianten.

Was passierte hier!?


Ja, das fragte ich mich dann allmählich auch.
Offensichtlich hat Frankie Kai in der letzten Nacht zumindest geküßt und da macht sich Frankie erst jetzt darüber Gedanken??

Ich reichte Kai seine Jacke, er entgegnete meinen Blick mit einem scheuen Lächeln und wieder einmal wusste ich, wie sehr ich ihn liebte.


Und wieder einmal? Und warum war Frankie weiter oben so verwirrt über seine/ihre Gefühle?

Er schloss sie in seine Arme, küsste sie sachte auf ihre blasse Wange und schenkte ihr ein Lächeln, welches sie sofort erwiderte.


"welches" liest sich unschön; in der Regel wird empfohlen die, der oder das zu verwenden

Ich, ein eher prüder, gefühlsfrigider Mensch, der Emotionen, Leidenschaften und all den Kram verabscheute, ohne sie wirklich zu kennen, stand den zwei wunderschönsten Menschen des Universums gegenüber und sah zu, wie sie sich begrüßten…


Zum einen war mir das dann endgültig zu viel "wunderschön", zum anderen hat Frankie gerade überhaupt nicht gefühlsfrigide gewirkt, sodass ich diese Eigeneinschätzung überhaupt nicht nachvollziehen konnte.

Ich schluckte und schluckte, das komische Gefühl ging nicht weg und dann sagte ich mir einfach selbst, dass ich diese beiden Menschen liebte, was machte das schon.


1. "selbst" und "einfach" kann du als Füllworte problemlos streichen
2. Ist das der eigentliche Höhepunkt der Szene, da solltest du der Erkenntnis, dass Frankie beide liebte zumindest einen eigenen Satz gönnen.
3. "Was machte das schon" ist wieder so eine leere Phrase, die mir nicht wirklich gefällt.

Wenn ich Kai liebte, einen Mann, verdammt noch mal, wenn ich ihn liebte und sogar körperliche Empfindungen für ihn besaß, dann konnte ich doch genauso gut diese Frau lieben, einfach so, ohne den ganzen Gefühlsramsch, einfach nur lieben, gern haben, ein Freund sein.


Diese Gedankengänge sind für mich ein wenig wirr. Find ich an der Stelle nicht so gut, weil Frankie ja geraden so was wie die Erleuchtung hat, da sollte er/sie mE ein bisschen klarer denken. Bin mir da jetzt nämlich nicht so sicher, auf welche Art und Weise er denn Kai und Patty nun liebt.

Fazit:
Grundsätzlich schreibst du verständlich, man kann dem Geschehen problemlos folgen. Teilweise neigst du zu sehr langen Sätzen, Aneinanderreihungen und eben zu so nichtssagenden Phrasen und schwachen Formulierungen, die auf Dauer etwas ermüdend sind.
Mein Problem war aber, dass ich eigentlich die gesamte Zeit nicht wusste, ob Frankie nun eine Frau oder ein Mann ist. Vielleicht ist das sogar beabsichtigt, aber ich mag das nicht. Das ist einfach eine Info, die ich für mein Lesevergnügen brauche.
Auch hat mich gestört, dass manches sehr übertrieben dargestellt wurde (z.B. die Schönheit von Patty) und ich manche Reaktionen der Figuren einfach nicht nachvollziehen konnten, weil du die Figuren hier einfach zu blass hälst. Sie reagieren teilweise auch zu sprunghaft.
Ansonsten gibt es natürlich viel Konfliktpotential in der Szene und man fragt sich zwangsläufig, wie es denn nun mit den dreien weitergeht.

In der Hoffnung, dir damit etwas geholfen zu haben

lg Simona
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Re: Der kältere Wind

Beitragvon Duplica » 16.10.2012, 21:07

Liebe Simona,
vielen Dank für Deine hilfreichen Kommentare.
Ich werde mich nachher nochmal eingehender damit beschäftigen, aber zuvor möchte ich unbedingt etwas loswerden!
Und zwar:
Ich habe leider vergessen, dem eingestellten Text eine Erklärung voranzustellen.
Der Text ist nur ein Auszug aus eine Geschichte, die schon einen Anfang hatte.
Dass es Dir schwer fiel, Frankie einem eindeutigen Geschlecht zuzuordnen, ist natürlich verständlich, das tut mir leid und es ist micht beabsichtigt, den Leser über eine so wichtige Sache im Unklaren zu lassen.
Auch so Dinge wie das "unglaubliche Fantastisch" und warum das unintelligent sein soll, sind nur dann verständlich,wenn man die beiden Protas schon kennt - und das habe ich Euch vorenthalten.

Es sind zwei neunzehnjährige Jungs, die sich lieben und soeben ihre Liebe auch auf körperlicher Ebene entdecken. Das verwirrt zumindest einen von ihnen, weil sie beide nicht das sind, was man sich in ihrem Umfeld als "schwul" vorstellt.
Durch solche Aussagen wie "Du spinnst" hatte ich versucht, die Dialoge ein wenig "jugendlicher" zu gestalten... :? Kommt wohl nicht so gut an. :)
Und naja, Neunzehnjährige verteidigen manchmal exzessiven Alkoholkonsum, zumindest tun meine beiden das zeitweise.
(Wen es interessiert: sie haben auch noch andere Hobbies;))
In der Geschichte geht es um die Dreiecksbeziehung zwischen ihnen und Patty.
Zu diesem Zeitpunkt liebt Kai Patty (und Frankie), Frankie hegt eine Mischung aus Hass- und Liebesgefühlen für sie und Patty selbst hat Kai sehr gern und will Frankie aus dem Weg gehen - zwischen den beiden spielt eine ganz spezielle Geschichte.
Die Geschichte soll sich über mehrere Jahre erstrecken.

Nebenbei: Kann man dieses Thema in einem Jugendroman verwenden? Wie käme das an?

Dürfte ich Dich wohl bitten, den Text unter Berücksichtigung obengenannter Gesichtspunkte nochmal zu lesen?

Was die exzessiv genutzten Satzzeichen betrifft - es ist mir ein wenig peinlich - ich mache das immer, wenn ich vorläufig schreibe. :oops: Ich hätte den Text auch daraufhin nochmal untersuchen müssen, bevor ich ihn hier einstelle.
Habe nie vor, einen Text so zu veröffentlichen!
Bitte einfach übersehen.

Ach ja, die übertrieben dargestellte Schönheit des Mädchens:
Seh ich vollkommen ein.

Ansonsten wollte ich mal fragen, vielleicht hab ichs ja beim Lesen der Regeln übersehen:
Ist es ok, wenn man nur Auszüge einstellt? Müssen es immer ganze Kapitel sein?
Das nächste Mal natürlich mit Erklärung :undwech:

LG
Duplica
Zuletzt geändert von Duplica am 16.10.2012, 22:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der kältere Wind

Beitragvon Kurdt » 16.10.2012, 21:31

Hallo Duplica,

eigentlich bin ich weit über meiner Zeit und gehöre ins Bett. Dein Titel hat mich aber in seinen Bann gezogen, also dachte ich: nur noch schnell die eine. Jetzt also meine kurze Meinung dazu.

(ich habe Simonas Beitrag über mir nicht durchgelesen um keine vorgefasste Meinung zu haben. Sorry also für Dinge die schon erwähnt wurden)

Über die gesamte Geschichte hinweg war ich mir nicht sicher, welches Geschlecht der Erzähler hat. Anfangs war ich der MEinung das es sich um eine Frau handeln muss.

Duplica hat geschrieben:"Ach, scheiß nicht rum, Mann, klar kommst du mit!"


Hier war ich der Ansicht das es dann wohl doch ein Mann ist. Sicher war ich mir aber nicht. Ey Mann, ist eine Redewendung, die seit meiner frühen Kindheit so inflationär benutzt wird, das man sich nicht immer sicher sein kann wer nun wirklich gemeint ist.

Kraftausdrücke wirken geschrieben immer sehr extrem. Wir alle benutzen hier und da das Wort Scheiße. In Filmen mit Charakteren zu denen so eine Ausdrucksweise passt, ist das kein Problem. In einem geschriebenen Text würde ich es aber vermeiden (auch bei Charas die ohne zu zögern so sprechen würden). Es hat etwas niveauloses.

Duplica hat geschrieben:"Wie oft willst du das noch sagen? Es ändert nichts, Frankie, ich meine das ernst! Du kommst natürlich mit..."


Auch hier war ich mir nicht sicher. Frankie kann gut und gerne die Kurzform von Franka sein.

Mein Tipp: Mach das Geschlecht eindeutig. Handelt es sich um eine schwule Beziehung erwähne es, um Verwirrung zu vermeiden.

Alles in allem habe ich deine Zeilen gerne und ohne größere Probleme gelesen.

Ich selbst neige dazu, meine Sätze zu lang und zu verschachtelt zu schreiben. Dir geht esähnlich. Zu lange Sätze, zu viele Kommata. Diese vielen Kommata haben in deinem Fall aber eine ganz nützliche Wirkung.

Frankie ist über Kais eigenmächtige Entscheidung erboßt, macht sich viele Gedanken. Die Kommata verdeutlichen das. Sie ziehen die Sätze in die Länge, machen eine gewisse Qual aus ihnen, genau wie es Frankie mit Kai geht.

Was die Charaktere angeht bin ich mir nicht sicher, wie gut du sie selber kennst.
Frankie beschreibt Patty als zarte Schönheit. Worte wie perfekt und vollkommen erscheinen im Text.
Ich mag dieses Bild eines weiblichen Charakters sehr, benutze es auch selber. Aber für mich hat ein vollkommener und perfekter Mensch auch ein gewisses Maß an Höflichkeit. Er würde die Anwesenden, bei betreten des Raumes, begrüßen, ihnen wenigstens zunicken. Selbst dann wenn er sie eigentlich nicht leiden kann.

Bitte beachte, das ich nicht weiß, wie ausschweifend deine Story werden soll. (Kurzgeschichte, Roman, etc.) Auch weiß ich nicht, wo in der Zeitlinie sich dieser Teil, den du uns zur Verfügung gestellt hast, spielt. Vielleicht ist im Vorlauf ja schon klar, wer männlich und weiblich ist, wer schwul oder hetero. Mein Kommentar bezieht sich also ausschließlich auf das, was du eingestellt hast und ist daher distanziert zu betrachten.

Gruß
Kurdt
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Re: Der kältere Wind

Beitragvon Strichpunkt » 16.10.2012, 22:06

Hi Duplica,

Kommentare lese ich meist erst nach dem Schreiben meines eigenen. Habe aber beim Scrollen deine Frage entdeckt:

Ist es ok, wenn man nur Auszüge einstellt? Müssen es immer ganze Kapitel sein?


Selbstverständlich. Es ist eher selten das hier jemand komplette Werke einstellt.Obwohl...im Bereich der Fantasy kommt's noch häufiger vor.

Dann mal zu meinen Eindrücken von deinem Text:

"Du hast was???"


Ich bin kein Fan, von solchen Satzzeichenvervielfachungen. Ein Fragezeichen würde reiche, notfalls das "was" im Text kursiv setzen, damit man es beim Lesen auch betont. Das willst du doch damit ausdrücken, oder?

Seine Haarsträhne fiel ihm ins Gesicht, er schob sie langsam zurück und sah mich dann von unten herauf an.


Der Satz ist eigentlich in Ordnung, nur eine Kleinigkeit gibt es da, die ihn aber wieder zerstört. Das kleine Wort "Seine" Haarsträhne suggeriert, dass er nur EINE EINZIGE Haarsträhne besitzt. Okay, vielleicht ist das ja wirklich so, wäre in jedem Fall komisch. Wenn nicht, dann austauschen durch "Eine".

Ich stellte mir vor, wie sie zwischen uns auf einem Barhocker sitzen würde, mit der selben Eleganz, die sie an den Tag legte, seit ich sie kannte, eine helle Freude, sie anzusehen, für jeden Mann --- abscheulich der Gedanke daran --- ihr hübsches Gesicht, ihre feinen Hände, ihre zarten Arme, die bezaubernden Augen mit den langen Wimpern… verdammt, ich wollte den Abend nicht mit ihr verbringen.


Hm. Das ist ein recht langer Satz und syntaktisch...nun sagen wir eimal gewagt. MIr persönlich passt er so nicht. Zwischen dem eingeschobenen Nebensatz "wie sie (...) sitzen würde" und "mit (...) Eleganz" entsteht ein Bruch im Text. Der Übergang verläuft nicht nahtlos, ein Punkt könnte diese Schwachstelle ausbessern. Nachher wurstelst du ein bisschen mit diesem Einschub "sie anzusehen", das liest sie nicht besonders schön. Danach kommen die dreifachen Gedankenstriche. Weshalb dreifache (!) Gedankenstriche? Ausserdem verstehe ich den Einschub überhaupt nicht. 1. Welcher Gedanke? 2. Weswegen abscheulich? Der Erzähler listet nachher alles Eigenschaften auf, die doch durchaus sehr schön sind...
Mein Vorschlag:

Ich stellte mir vor, wie sie zwischen uns auf einem Barhocker sitzen würde. Mit der selben Eleganz, die sie an den Tag legte, seit ich sie kannte. Sie anzusehen, war eine helle Freude für jeden Mann - abscheulich der Gedanke daran. Ihr hübsches Gesicht, ihre feinen Hände, ihre zarten Arme, die bezaubernden Augen mit den langen Wimpern. Verdammt, ich wollte den Abend nicht mit ihr verbringen.

An überhaupt nichts…


Diesen Einschub erachte ich als vollkommen überflüssig. Den könnte man getrost aus dem Text streichen und es würde nichts verloren gehen.

Im hellgrauen Kleidchen, passende Pumps, kunstvolle Hochsteckfrisur?


Hier funktionieren die Fälle nicht. Es müsste heissen:

Im hellgrauen Kleidchen, (in) passenden Pumps, mit kunstvoller Hochsteckfrisur

(Man kann schlecht "in einer Hochsteckfrisur" erscheinen)

wahrscheinlich noch mit Strohhalm und dann würden sie beide einen auf Nett machen, oder was!


Ich verstehe den Schluss nicht ganz. "oder was!" Wenn schon, denn schon, dann sollte hier ein Fragezeichen stehen und kein Ausrufezeichen. Er stellt doch eine empörte Frage oder?

Nun sah ich ihn doch an.
Sah direkt in seine eisblauen Augen.
Seinen liebevollen Blick erwidernd grinste ich verlegen, sah schnell wieder weg und doch wieder hin.
Kai.
Er machte dieses unsichere Empfinden, diese madigen Hirngespinste über sie einfach weg, indem er mich einmal ansah, mich leicht am Arm berührte, dass sich jedes meiner Härchen einzeln aufstellte und kaum hörbare Worte flüsterte.


4 x "sah". Es gibt schöne Synonyme dafür. schauen, blicken, etc. Du solltest ein paar austauschen, sonst wirkt deine Wortwahl einfallslos.

Soweit einmal zu den gröberen Dingen in deinem Text. Um den Rest hat sich meine Vorrednerin schon bemüht.
Jetzt zu meinem allgemeinen Beobachtungen:

Titel:

Fand ich gut - bis ich den Text fertig gelesen habe. Jetzt frage ich mich natürlich, ob dass der Titel deines ganzen Romanes ist oder nicht. Aus dieser Geschichte erschliesst sich mir der Titel auf jeden Fall nicht. Falls die Geschichte für sich alleine steht, solltest du einen anderen wählen, da ich keinen Bezug zum Text erkennnen kann.

Inhalt:

Offensichtlich zwei Jungs, die sich lieben. Homosexualität aufzugreifen, finde ich mutig und eine gute Idee. Hab ich bis jetzt im Forum noch nicht so häufig gelesen. Das war also erfrischend und neu. Nicht ganz verstehe ich die ständige Eifersucht - ja ich nenne es so. Ist Kai wirklich "nur" schwul oder sogar bi? Oder hat das Mädchen etwas so Schlimmes getan, dass der Erzähler um alle fürchtet, die gut mit ihr auskommen? So etwas wird nämlich nur angetönt im Text. (Wird sicherlich noch weiterausgebreitet im Text) . Aus den Beschreibungen entnehme ich, dass Kai doch irgendwie Gefühle für sie hegt und so ganz freundschaftlich scheinen sie ja nicht zu sein. "Liebte sie abgöttisch", "lange Umarmung" etc. Da scheint noch irgendetwas im Spiel zu sein zwischen den beiden.

Sprache:

Du erzählst ziemlich hastig. Der Text ist eigentlich eine grosse Reihung. Für einen Einstieg ok, kann man auch mal ein Kapitel so durchhalten. Halte ich für einen ganzen Roman aber ungeeignet. Einerseits weil es nicht unbedingt von sprachlichem Einfallsreichtum zeugt, von der sprachlichen Konstruktion her schnell langweilig/durchschaubar wird, zum anderen gönnst du dem Leser keine Verschnaufspause, du jagst ihn unerbittlich durch den Text. Das ist anstrengend. Die eine oder anderer Ruhepause einzubauen, wäre wünschenswert. Das mit den Satzzeichen solltest du unbedingt abstellen. Solche Vervielfachungen sind nirgends gern gesehen. Emotionen, die im Dialog ausgedrückt werden, können auch anders ausgedrückt werden (Kursivsetzung, Ausrufe etc).

Gesamteindruck:

In dieser Form ist der Text nicht richtig zu fassen und ein Kommentar zu schreiben, war schwierig. Schilderungen über innere Konflikte sind immer schwierig zu beurteilen, wenn man keine vorangehende Handlung hat, anhand derer man die Angemessenheit bemessen könnte. Von dem her kann ich dazu nicht viel mehr sagen.
Ein solider Einstieg, bei dem man noch einige sprachliche Unebenheiten ausbügeln kann. Inhaltlich müssen wir uns auf den nächsten Teil gedulden.

Liebe Grüsse Strichpunkt
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Re: Der kältere Wind/ Auszug 1

Beitragvon Duplica » 17.10.2012, 14:35

Euch allen vielen Dank, dass Ihr Euch mit meinem Text auseinandergesetzt habt.
War sehr hilfreich.
:)
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Re: Der kältere Wind/ Auszug 1

Beitragvon LiaPetterson » 14.02.2014, 13:28

Hallo Duplica,

ich habe deinen Kommentar zur "Vorabgeschichte" gelesen. Trotzdem bleiben bei mir einige Fragen offen, die natürlich später in der Geschichte noch kommen können.
Dein Text ist jung und spritzig und ließt sich gut. Mich hast du neugierig gemacht.

Ich finde das Thema auch oder gerade für einen Jugendroman sehr treffend. Ist nicht genau die Jugend das richtige Publikum? Die meisten Menschen entdecken zu dieser Zeit ihre Sexulität.

Was mich aber den ganzen Text über irritiert: Du vermittelst gegensätzliche Gefühle deiner Protas. Mal scheinen sich Kai und Frankie zu lieben und kommen sich körperlich näher.
Anderseits scheint Kai Patty zu lieben und Kai nur als besten Freund zu sehen.




Duplica hat geschrieben:Kai hockte grinsend, so verdammt selbstsicher grinsend auf dem Rand meines Bettes und schnürte seine Schuhe zu.
Seine Haarsträhne fiel ihm ins Gesicht, er schob sie langsam zurück und sah mich dann von unten herauf an.

Hier hätte ich gerne gewusst, wie weit die Beiden in der Nacht gegangen sind, um den weiteren Verlauf besser verstehen zu können.



Duplica hat geschrieben:"Und weißt du was? Sie hat ja gesagt. Sie kommt mit!"
Allein beim Gedanken daran, den Abend mit ihr zu verbringen, wurde mir schlecht.
Ich stellte mir vor, wie sie zwischen uns auf einem Barhocker sitzen würde, mit der selben Eleganz, die sie an den Tag legte, seit ich sie kannte, eine helle Freude, sie anzusehen, für jeden Mann --- abscheulich der Gedanke daran --- ihr hübsches Gesicht, ihre feinen Hände, ihre zarten Arme, die bezaubernden Augen mit den langen Wimpern… verdammt, ich wollte den Abend nicht mit ihr verbringen.
Sie würden sie ansehen, über sie reden, über sie herziehen, sie mit ihren Blicken ausziehen…

Welche Gefühle willst du hier vermitteln? Kai steht auf Frankie und auf das Mädel? Frankie hasst das Mädel? Wie ist der Beziehungsstatus der Drei?

Duplica hat geschrieben:Ich setzte mich auf das breite Fensterbrett und starrte hinaus aufs Meer.
"Du wirst sehen, das wird ein fantastischer Abend!"
"Fantastisch…????"
"Ja, fantastisch!"
"Seit wann sagst du fantastisch!?"
"Wieso nicht, klingt das irgendwie unintelligent?"

Ja, genau so reden 19 Jährige. Diesen Absatz finde ich sehr schön.


Duplica hat geschrieben:"Jedenfalls versuche ich heute mal nicht so viel zu trinken, wir haben es gestern schon übertrieben."
Jetzt sah ich ihn doch an.
"Spinnst du?"
Doch Kai zuckte nur mit den Schultern.
"Man muss ja nicht immer was trinken!"
"Du bist ja krank."

"Spinnst du" geht mir hier schon reichlich auf die Nerven.
Auch wenn Jugendliche sich gerne über das Trinken provilieren, finde ich diesen Absatz zu flach. Im Vorfeld erschienen mir die Beiden doch recht vernünftig und nun habe ich den Eindruck es sind zwei Hohlbirnen die sich jeden Abend volllaufen lassen.

Duplica hat geschrieben:Wie wollte sie denn in der "Zugluft" erscheinen?
Im hellgrauen Kleidchen, passende Pumps, kunstvolle Hochsteckfrisur? Besaß sie überhaupt Klamotten, die in eine Rockkneipe passten?
Ob sie rauchte? Bier trank?
Sie würde wahrscheinlich den ganzen Abend auf ihrem Hocker sitzen und artig an ihrem Wässerchen nippen, etwas anderes passte einfach nicht zu ihr, da konnte kommen was wolle!
Und Kai, der Unschuldige, er würde dann wohl neben ihr sitzen, seine Cola vor sich, wahrscheinlich noch mit Strohhalm und dann würden sie beide einen auf Nett machen, oder was!
Ich hatte keine Lust auf Milchbargesäusel!

Diese Stelle hätte ich gekürzt. Die information, dass sie hübsch ist würde mir hier reichen.

Duplica hat geschrieben:"Ich geh nicht mit!"
"Ach, scheiß nicht rum, Mann, klar kommst du mit!"
"Kai, ich hab keine Lust, meinen Abend mit ihr zu verbringen. Ich wollte mit dir weggehen, nicht mit ihr!"
Warum fiel mir keine ordentliche Rechtfertigung ein, verflucht!
Kai stand auf, stellte sich neben mich und sagte mit vernehmlichem Ton:
"Du wirst mitkommen und mit mir und Patty einen schönen Abend verleben. Andernfalls sind wir die längste Zeit Freunde gewesen!"
Ich sah ihn nicht an.
"Du spinnst ja!"
"Wie oft willst du das noch sagen? Es ändert nichts, Frankie, ich meine das ernst! Du kommst natürlich mit. Patty ist wirklich in Ordnung! Man kann super mit ihr quatschen und so, das wird sicher lustig!"
Immer noch sah ich ihn nicht an, schüttelte den Kopf - ich wollte nicht in ihrer Nähe sein… konnte er das nicht verstehen?
Oder einfach nur annehmen?
Wahrscheinlich nicht.

Auch wenn Kai hier selber schon vom "Du spinnst ja" genervt ist, würde ich es weglassen.
Die Motivation von Kai ist sehr schwammig. Will er Patty nur als Freundin zum quatschen?


Duplica hat geschrieben:Für Kai war sie ja die Vollkommenheit in Person, eine reizende junge Frau, begehrenswert in ihrer Zartheit, ein Ausbund an Perfektion mit ihrer beispiellosen Schönheit!
Er liebte sie abgöttisch, verehrte sie in seinem Innersten, seine Einzige, seine Geliebte, seine Angebetete!
Zwischen ihm und ihr - ein Verstehen, ein Geben und Nehmen, eine herzliche Harmonie, die mich manchmal innerlich erstarren ließ.

Woran erkennt er die Liebe zwischen Patty und Kai. Ist es eine Tatsache oder bildet er sich das nur ein? Vielleicht aus Eifersucht?
Ich hätte hier mehr Gefühl reingelegt.


Duplica hat geschrieben:Wie hätte er verstehen können, dass ich nicht mit ihr in einem Raum sein wollte, dass ihre Glashärte mich vernichten, niederreißen, mein Innerstes sprengen und mein Herz zerfressen konnte… er ahnte ja noch nicht einmal etwas davon, konnte nicht wissen, was mich umtrieb, warum ich sie hasste.
Warum also hätte ich Verständnis von ihm erwarten sollen, von ihm, der sie liebte, dessen Gefährtin sie nun war?

Ich bin verwirrt, weil ich nicht weiß wie die beiden wirklich zueinander stehen. Kai verbringt mit Frankie die Nacht (in irgendeiner Form gab es eine Annäherung, die über der einer normalen "bester Freund" hinausgeht) Frankie hat für Kai Gefühle. Und Kai? Ist er wirklich so eiskalt und verbringt die Nacht mit ihm und schwärmt am nächsten Morgen von seiner Freundin? Das kann man so machen, würde ich für einen Jugendroman aber nicht. Ich kann nicht erkennen, wo die Geschichte hingehen soll.

Duplica hat geschrieben:Unvermittelt berührte er meinen Arm, ganz leicht nur, und sagte mit fast unvernehmbarer Stimme:
"Wenn du denkst, wir quatschen zuviel, dann küsst du mich einfach wieder, so wie letzte Nacht!"

Nun sah ich ihn doch an.
Sah direkt in seine eisblauen Augen.
Seinen liebevollen Blick erwidernd grinste ich verlegen, sah schnell wieder weg und doch wieder hin.
Kai.
Er machte dieses unsichere Empfinden, diese madigen Hirngespinste über sie einfach weg, indem er mich einmal ansah, mich leicht am Arm berührte, dass sich jedes meiner Härchen einzeln aufstellte und kaum hörbare Worte flüsterte.

Dieser Abschnitt passt nicht zum Vorherigen. Will er nun Frankie? Oder lieber Patty? Oder sogar Beide? Kann ja gut sein, nur er vermittelt gegensätzliche Gefühle.



Nimm Dir was du brauchst. Jeder Kommentar ist die Meinung eines Lesers.

LG Lia


Oops. Ich sehe gerade wie alt der Beitrag schon ist. Vielleicht schaust du aber doch ab und an nochmal vorbei.
LiaPetterson
 
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Re: Der kältere Wind/ Auszug 1

Beitragvon Blacksad » 05.05.2014, 11:49

Da dein Text ja nur ein Auszug aus einer größeren Geschichte ist, werde ich darauf verzichten nach logischen Fehlern zu suchen. Nur so viel: Aus dem Ausschnitt an sich geht die Dreiecksbeziehung, um die es wohl gehen soll nicht wirklich ersichtlich hervor.

Was mir unangenehm ins Auge gesprungen ist sind Sätze wie dieser:

"Du wirst mitkommen und mit mir und Patty einen schönen Abend verleben. Andernfalls sind wir die längste Zeit Freunde gewesen!"


Das passt so garnicht zu dem jugendsprachlichen Duktus, den du sonst verwendest. Besonders das "Verleben" wirkt wie ein Fremdkörper.

Zur Story: Homosexualität ist ein schwieriges Thema, genauso wie Dreiecksbeziehungen. Mit einer Kombination aus beidem hast du dir ganz schön was vorgenommen. Ich denke du solltest im Fortgang der Story darauf achten nicht in die "Dramafalle" zu tappen und dir rechtzeitig zu überlegen auf was von beidem du den Fokus legen willst. Ansonsten entsteht ein zu großer "Problemberg".

Zur Sprache: Dein Stil liest sich gut, ist temporeich und locker was ihm fehlt ist Charakter. Ich kann deine Figuren nicht richtig fassen. Was macht sie aus, was beschäftigt sie, welche Dinge beobachten sie usw. Von allen drei hab ich bislang von Patty das beste Bild erhalten. Kai und Franky wirken auf mich noch recht farblos. Für mich fehlt da das Salz in der Suppe. Mehr Persönlichkeit durch Dinge die im Raum wahrgenommen werden oder mehr Insicht fände ich schön.

Allgemein: Weil es ein aus dem Zusammenhang gerissener Ausschnitt ist, schwer zu beurteilen. Alles etwas schwammig mir fehlt ein roter Faden, irgendwas woran man sich orientieren kann. Für meine Geschmack: Mehr Statement! Mach die Dinge klarer sowohl die Situation, als auch die Protagonisten.

Liebe Grüße
Maike
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.
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