Hallo!
Ich glaube nicht, dass es "Gut" und "Böse" gibt. Sicher, es gibt Menschen, die böse Taten begehen, sie sind aber deshalb nicht grundsätzlich böse.
In jeder Geschichte gibt es ja irgendwo das "Böse", den Antagonisten, das Problem.
Meiner Meinung nach ist der Antagonist aber erst dann gelungen, wenn man ihn begreifen kann und vielleicht sogar ähnlich gehandelt hätte. Das Buch "Beim Leben meiner Schwester" von Jodie Picoult hat mich wahrscheinlich auch deshalb so berührt: irgendwie waren sie alle Antagonisten, aber irgendwie auch nicht. Jede einzelnle der Figuren hat für sich richtig gehandelt, niemandem konnte man die Schuld in die Schuhe schieben. Man hätte vielleicht genauso gehandelt. Bei jeder einzelnen Figur hätte man vielleicht genauso gehandelt.
Ich denke, dies kommt der Wahrheit auch am nächsten: am Ende ist niemand wirklich böse, selbst der Amokläufer nicht. Aber sie sind rücksichtslos, brutal, skrupellos...eigentlich das, was der Gesellschaftsnorm entgegensteht. Vielleicht ist das "böse": etwas zu tun, was den Wertmaßstäben der Kultur, in der man es tut bzw. aus der man kommt, widerspricht und komplett entgegensteht. Und umso mehr es ihr entgegensteht, desto "böser" ist es am Ende. Deshalb können sie irgendwo im Dschungel auch guten Gewissens Kinder essen, während wir hier dafür im Gefängnis landen würden.
Deshalb kann ich auch schematische Fantasybücher nicht leiden, in denen die Autoren immer ganz schnell dazu tendieren, eine absolut dunkle, böse Macht mit hässlichen Monstern auf die eine und eine helle, lichtdurchflutete gute Macht mit hübschen hochgewachsenen Halbengeln auf die andere Seite zu stellen. Das ist langweilig und ätzend, sowas lese ich deshalb nicht mehr.
Was sind deine “Bösewichte” für Menschen?
Zunächst einmal kann man sie nicht sofort als solche erkennen. (keine Narbe/Hässlichkeit etc) Dann wirkt mein Protagonist zunächst wie der Böse, stellt sich aber im Laufe des Geschehens als ein Guter heraus. Seinen Charakter ändert er dabei kein Stück, er bleibt bis zum Schluss ein arrogantes A***. Aber ein liebenswertes, dass der Leser ins Herz schließt, auch wenn mein Prota grausame Dinge tut. Warum? Der Leser versteht (sollte er zumindest

), dass mein Prota nach den Maßstäben
seiner Kultur sogar richtig gnädig ist und kaum anders handeln kann.
Dann habe ich gleich einen ganzen Haufen Antagonisten, die alle mit verschiedenen Motivationen herangehen. Einer von ihnen ist fehlgeleitet und kämpft für seine Ideale. Er ist nicht böse sondern nur sehr, sehr naiv. Andere kämpfen für Macht und Geld, eine für Rache...unterschiedlich. Klassische Motive, ich weiß.
Ich plane auch eine Geschichte, in der ich dieses Thema Gut und Böse mal so richtig ausreizen will. Meine Protagonistin ist grausam, skrupellos und brutal. Sie tut den Menschen weh, spielt mit ihnen und fühlt dabei nur eins: "Hättest du dich mir mal lieber nicht in den Weg gestellt, das hast du nun davon." Ich will versuchen, dass der Leser sie trotzdem mag und daneben sitzt und hofft, dass sie sich ändern möge. Ich will versuchen, eine Protagonistin zu haben, bei der es, was ihre Taten angeht, keinen Grund gibt, sie zu mögen. Nur ihre Gedanken und Motivationen sowie eine Faszination, die sie verbreitet, sollen ihr die Herzen retten. Mal schauen, ob ich das so hinkriege, wie ich mir das vorstelle. Mein Herz hat sie jedenfalls schon erobert.
