[Nachd] DER KAPUTTE MUTTERTAG

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[Nachd] DER KAPUTTE MUTTERTAG

Beitragvon Brigitte » 15.11.2007, 12:30

DER KAPUTTE MUTTERTAG


Wieder einmal stand der Muttertag vor der Tür. Eine Zeit mit viel Geheimnistuerei zwischen Vater und Sohn, indem sie die Köpfe zusammen steckten und miteinander flüsterten. Kevin, unser Sprössling entwickelte einen ungewohnten Arbeitseifer.

Es war der Tag vor Muttertag und Kevin war - ganz dringend und in geheimer Mission - unterwegs. Es klingelte und gleichzeitig klirrte es laut. Erschrocken öffnete ich die Haustür. Da stand mein Sohn in Tränen aufgelöst. Zu seinen Füßen ein Häufchen Scherben, Erde und die traurigen Überreste einer Orchidee.
“Mami, ich habe deinen Muttertag kaputt gemacht”, schluchzte er herzerweichend.
Ich nahm mein unglückliches Bündel Sohn tröstend in die Arme und, begleitet von vielen Schluchzern, erfuhr ich das ganze Elend. Mit seinem Papi hatte er einen Handel abgeschlossen. Kleine Botengänge, Mithilfe beim Autowaschen, bei der Gartenarbeit und einiges mehr gegen Bezahlung für die Orchidee zum Muttertag. Da nun der Papi ausgerechnet dieses Wochenende geschäftlich unterwegs war, musste er die Pflanze im Blumengeschäft um die Ecke selbst besorgen. Er schaffte es bis vor die Haustür.
Während ich den ‘kaputten Muttertag’ wegräumte, die abgebrochene Rispe in meiner schönsten Vase unterbrachte schlug Kevins Trauer in handfesten Frust um
“Und überhaupt… Das war gar kein schönes Geschenk! Die Marie schenkt ihrer Mama eine richtige Handtasche… Und dafür musste sich nicht einmal arbeiten! Maries Opa hat die Tasche nämlich gekauft. Das ist ein viel schöneres Geschenk, als die blöde Blume”, schimpfte er.

Nun wurde es Zeit für ein ausführliches Gespräch mit meinem Sohn. Ich redete mit ihm über Sinn und Unsinn des Muttertages und über ideelle und materielle Werte. Als Beispiel sprach ich den vergangenen Muttertag an, als seine Oma noch lebte. Er sah mich zweifelnd an, also half ich ihm auf die Sprünge.
“Du hast mir ein wunderschönes Bild gemalt. Darauf waren unser Haus, der Garten und du mit deinem neuen Fußball. Du brachtest mir das Bild morgens ans Bett.”
Nun erinnerte er sich. Er nickte eifrig und strahlte mich an.
“Ich habe mich sehr darüber gefreut”, fuhr ich fort. “Aber nicht nur, weil dir das Bild so gut gelungen ist, sondern auch deshalb, weil ich ja weiß, dass du nicht gerne malst. Trotzdem hast du dich hingesetzt und dir für mich so viel Arbeit gemacht.
Dann haben wir die Oma abgeholt sind mit ihr zum Essen und anschließend spazieren gegangen. Hier, bei uns zu Hause, tranken wir Kaffee und aßen ihren Lieblingskuchen. Abends brachte sie dich ins Bett und las dir eine Geschichte vor. Für die Oma war dieser Tag das schönste Geschenk weil wir alle uns Zeit genommen haben um mit ihr diesen Tag zu verbringen.
Wir unterhielten uns noch eine Weile darüber, dann trottete er davon. Erst am Abend, als er im Bett lag, kam er noch einmal auf das Thema zu sprechen.
“Mami, machen wir morgen auch so einen schönsten Muttertag?”
“Ja gerne.”
“Und was machen wir dann?”
“Denke dir bis morgen etwas schönes aus”, schlug ich vor.
“Das ist super toll!” jubelte er und ich bekam einen extra dicken Gute-Nacht-Kuss.

Der Muttertag nach Kevins Vorstellung begann um sechs Uhr früh. Ich hatte viel Mühe ihn noch ein paar Stunden zu beschäftigen. Aber dann ging es los!
Bei ‘Charly’s Schaschlikbude’ gab es Pommes mit Ketchup zum Mittagessen.
Danach fuhren wir mit dem Bus kreuz und quer durch die Stadt. Kevin liebte Bus fahren. Da konnte man so gut die Autos und die Fußgänger von oben betrachten.
Schließlich landeten wir im Zoo. Dieser Aufenthalt war etwas eintönig. Zumindest für mich, denn wir verbrachten die meiste Zeit bei den Affen. Dazu kam noch, dass es dort - sagen wir ml so - sehr streng roch. Erst die Aussicht auf einen supertollen Eisbecher lockte ihn dort weg.
Die 18-Uhr-Vorstellung im Kino schafften wir nur mit viel Gerenne und Hektik. ‘Das Dschungelbuch’ stand auf dem Programm. Im Gegensatz zu Kevin, der den Zeichentrickfilm schon zweimal im Kino und mehrmals auf Raten im Fernsehen gesehen hatte, war er für mich, in voller Länge, neu. Er gefiel mir sehr gut, auch wenn ich ihn nicht so richtig genießen konnte, denn mein fürsorglicher Sohn machte mich auf fast jeden Szenenwechsel schon vorne weg aufmerksam.
Nach dem Kinobesuch wurde es natürlich höchste Zeit für das Abendessen. Wen wundert’s? Das gab es wieder bei ‘Charly’. Diesmal gab es ‘Pommes mit Ketchup bei Nacht’, was Kevin so richtig erwachsen fand.

Damit ging dann der aufregendste Muttertag meines Programmdirektors zu Ende. Als er kurze Zeit später rechtschaffen müde in seinem Bett lag meinte er:
“Mami, das war doch wirklich ein ganz, ganz schöner Muttertag.”
“Ja, mein Schatz, es war wirklich ein schöner Tag. Vielen Dank dafür”, erwiderte ich ihm. Und das war wirklich nicht gelogen. Ich habe mich köstlich amüsiert. Nur - eines steht auch fest - Pommes mit Ketchup gibt es ganz sicher über einen ziemlich langen Zeitraum hinweg nicht mehr.
Zuletzt geändert von Brigitte am 16.11.2007, 17:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Johanna Pless » 15.11.2007, 13:35

Hallo Brigitte,
Du hast es ja wirklich gut gemeint, das aber ist ein bißchen zuviel (3xgepostet):lol:

Deine Geschichte ist wirklich schön, sie hat mich direkt in meine Kindheit zurück gebracht, als wir unsere Mutter auch mit netten Überraschungen für den Tag "quälten". Und wieviele selbstgebastelte Geschenke sie wirklich über Jahre in einer Schublade hortete. Nett, auf diese Weise daran erinnert zu werden.

netter Gruß von Johanna
Phantasie ist das, was sich andere nicht vorstellen können.
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Beitragvon Brigitte » 16.11.2007, 16:48

Hallo Johanna,

vielen Dank für Deine lieben Worte zu meinem Muttertag. Sie haben mich beruhigt und wieder etwas aufgebaut. Die Vervielfältigung dieses Beitrages ist mir schon peinlich. Noch peinlicher ist mir, dass ich es nicht mehr raus bringe.

Bevor ich mir nun Hilfe hole möchte ich mich erst noch bei Dir bedanken.

War ganz lieb
Gruß und Tschüss

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Beitragvon G. Ast » 10.12.2007, 17:22

Hallo Brigitte,
nachdem ich auf deine Geschichten aufmerksam wurde, habe ich nun alle vier durchgelesen.
Bei dieser Geschichte denke ich, dass es nur zu gerecht ist sich eine Mam zu wünschen, wie beschrieben und vermute mal, dass du diese Dame bist.
Sollte dem so sein, dann gilt dies als doppeltes Kompliment zu verstehen.
Eigentlich gehöre ich nicht zu der Leserschaft, die solche Geschichten lesen, aber in Zusammenhang mit Muttertag(e) kommen eine menge Erinnerungen hoch.
Naja, wer kennt diesen Tag denn auch nicht. *lach*
Aber die Muttertage, die ich erlebte, waren oft alles andere als schön.
Aus dem Grund war es um so mehr eine Freude, diese für alle Mütter bzw. Eltern vorbildhafte Erzählung zu lesen.
Kurz: "Wunderbar."
LG, G. Ast
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Beitragvon Brigitte » 10.12.2007, 23:07

So, da bin ich wieder, lieber G.Ast!

Nein... Leider habe ich ihn nicht so erlebt. Total erfunden. Vielleicht ein Wunschmuttertag? Einen Sohn gibt es zwar. Er hat aber - wie ich - zu dieser Einrichtung eine - sagen wir mal vorsichtig - leicht gestörte Meinung. Wir sind uns aber einig. Was jedoch nicht immer der Fall ist.

Dass diese Art Geschichten keine Männerlektüre ist, ist mir schon klar.
Deshalb einen Extra-Dank für's lesen.

Wir 'lesen' uns.

Liebe Grüße
Brigitte
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Beitragvon G. Ast » 10.12.2007, 23:18

:wink:
..nichts zu danken, immerhin war es mir ein Vergnügen.
LG, G. Ast
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Beitragvon Brigitte » 15.02.2008, 15:08

Hallo, Ihr Lieben alle,

ich weiß nicht, ob jemand meinen Muttertag vermisst hat. Ja, er war weg. Und das mit gutem Grund. Ich habe einen Bock geschossen.
Vor Jahren habe ein paar Geschichten in einer Zeitschrift veröffentlicht. Darunter auch den KAUTTEN MUTTERTAG. Als mir das auffiel fragte ich Jacky und sie nahm den Beitrag vorübergehend heraus, da ich nicht mehr wusste, wie lange der Verlag das Nutzungsrecht besaß.

Das ist nun geklärt und er ist wieder da. Ich bedanke mich ganz herzlich bei unserer glückstrahlenden frisch verlobten Jacky.

Gruß Brigitte
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