[Sonstiges]Der Plomp IV

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[Sonstiges]Der Plomp IV

Beitragvon lever » 31.03.2013, 14:21

Am Montag ist die Frau noch vor Arbeitsbeginn an der Baustelle. Putzkellen scheppern, dann das dumpfe Geräusch von Mörteleimern, die ausgeklopft werden, eine Maschine springt stotternd an. Weitere Männer drängen sich aus dem Wohncontainer, in dem sie sich umgezogen haben. Viele stehen draußen und rauchen noch eine. Der Plomp ist nicht dabei. Die Frau sitzt aufrecht im Auto, hört Nachrichten, schaltet um zum Pop-Kanal, dann der Sender mit dem Morgenrätsel. Als der Plomp auftaucht, springt sie aus der Tür. Sie sehen sich und kommen aufeinander zu. Die Zeit reicht für das Nötigste. Der Plomp nickt. Sie gibt ihm ein schmales Päckchen. "Für den Notfall", sagt sie, "meine Nummer liegt drin." Er steckt das Handy in seinen Overall. Sie geben sich die Hand, die Frau spürt seinen festen Griff, sie sucht seinen Blick, macht ihm ein Zeichen. Hofft, dass er verstanden hat. Der Plomp muss auf seinen Platz im Gerüst.

Die Frau wendet den Wagen und sucht den Weg zurück. In der Wohnküche brüht sie sich einen Espresso auf, nimmt die Tasse, nippt ein paar Mal und versinkt vor dem großen Fenster, durch das man in das Eichenwäldchen guckt. Vor ihr steht das Dorffest im vergangenen Jahr: Der Mann aus der Garage in Barfuß, die Verbeugung, der erste Tanz, der zweite Tanz, wie er sie an ihren Platz zurückbringt. Der Hauptsänger von Led Zeppelin prangte auf seinem T-Shirt und der Plomp sieht ihm ähnlich. Ein Rhythmus kommt ihr zugeflogen: "And it makes me wonder,ooh". Und dann der eigne Mann in seinem beigen Fischgrat-Anzug, ein bißchen untersetzt, nach dem Anstandswalzer gleich zu den Sportfreunden, "entschuldige mich, muss mal mal kurz weg". Nach einem Zwischenbesuch bei ihr sitzt er bald an der Bar zwischen den jungen Frauen, die er trainiert.

Der Espresso ist kalt geworden. Die Frau steht auf, stellt die CD-Player an, sucht eine Aufnahme, räumt den ganzen Ständer leer, nichts. Sie fährt zur Stadtbücherei, wartet, bis sie die einzige Kundin am Tresen ist. Ob es auch alte Rockmusik gäbe aus den 70er Jahren. Ja, ein paar Oldies hätten sie, "ich schau mal in der Datei", sagt der junge Mann, der sie bedient. Er fördert eine Katalognummer heraus, ein Revival-Konzert, aber immerhin. Und sie findet dort den Titel, der ihr die ganze Zeit im Kopf herum summt, "Stairway to heaven". Damals war sie um die 17, rechnet sie nach, als sie am Regal steht, und der Plomp - "wie alt mag der Plomp gewesen sein?", sagt sie halblaut vor sich hin. Sie erschrickt vor ihrer Stimme und schaut sich um, niemand in der Nähe.

Zu Hause hockt sie sich auf den Teppich und hört ihre Musik, dann versteckt sie die CD tief in ihrem Wäschefach. Sie macht sich zum Spätdienst fertig. Fühlt sich hilflos, möchte noch schnell irgend etwas unternehmen. "Beratungsstelle" schießt es ihr durch den Kopf, so etwas muss es doch geben. Gibt es auch, findet sie beim Blättern im Telefonbuch. "Jeder Fall ist ein Einzelschicksal", klärt man sie vom anderen Ende der Leitung her auf. "Es geht um den Plomp und nicht um das Schicksal!", fährt es aus ihr heraus. Sie soll mehr erzählen, aber das Gespräch endet, denn sie weiß nur, dass er in der Garage lebt, sie kennt nicht einmal seinen richtigen Namen, und von der Baustelle möchte sie nichts erzählen.
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Re: Der Plomp IV

Beitragvon JeJung » 31.05.2013, 18:47

Das hier ist mein erster Beitrag in der Schreibwerkstatt, natürlich rechtfertigt das nichts, ich wollte es nur gesagt haben :)

Falls ich die Geschichte richtig verstehe, mag ich sie schon gerne. Ihr Stil erinnert an löslichen Kaffee und Leberkässemmeln. Wenn du nur versuchen würdest, die Hintergründe etwas genauer zu beleuchten, würde sie das einfach leichter verständlich machen.
Ein paar Ausdrucks- und Rechtschreibfehler sind auch drin.
Ich muss leider sagen, dass ich selbst nach dem dritten Lesen die Geschichte nicht ganz verstanden habe, dennoch versuche ich ein mal Zusammenzufassen:

Eine Frau besucht einen Mann, der schwarz auf einer Baustelle arbeitet, um ihm ein Paket zu geben, dass auch ihre Nummer beinhaltet.

Mir wird nicht ganz klar, was in diesem Paket ist. Ist sie die Architektin/Bauleiterin, die ihm das schwarze Gehalt zusteckt? Aber warum die Telefonnummer? Hat sie mit diesem "Plomp" eine Romanze?

Im nächsten Abschnitt wird klar, dass die Beziehung zu ihrem Ehemann nicht sehr gut ist und dass
Der Mann aus der Garage in Barfuß
sich besser zu benehmen weiß, als der Ehemann, der lieber die Nähe von jungen Frauen sucht. In was trainiert er die eigentlich?
Dass der Mann ein T-Shirt trägt, auf dem der Sänger von Led Zeppelin abgebildet ist scheint bei der Dame eine bleibende Erinnerung zu sein, aber wer ist der Mann? Ist er der Plomp? Oder sieht der nur Robert Plunt ähnlich?

Weil sie nun an "Stairway to Heaven" denken muss, sucht die Frau also eine Led Zeppelin Platte, findet aber keine, und fährt darum in die Stadtbücherei, wo sie das Lied findet.
Sie denkt über den "Plomp" nach, der ihr scheinbar sehr nahe geht.

Als sie zu Hause ist, die neue Musik anhört und sich danach für den Spätdienst fertig machen will, (Haben ArchitektInnen/BauleiterInnen Spätdienst? Was ist dann ihr Beruf, was war im Paket?) ruft sie schließlich bei einer Beratungsstelle an. Eine Beratungsstelle für was? Man erfährt, dass der Mann aus der Garage also tatsächlich der Plomp ist. Ist er also Obdachlos? Wohnt er in der Garage der Protagonistin?

Ich vermisse ein wenig Präzision. Es ist alles sehr vage gehalten und teilweise etwas missverständlich, In welcher Beziehung stehen der "Plomp" und die Frau? Unterstützt sie ihn mit Obdach und Geld? Falls ja, wie lange schon?

P.S. Warum eigentlich die IV, das ist doch keine Fortsetzungsgeschichte, oder? Falls doch, habe ich wahrscheinlich mit nichts Recht, das würde mir wirklich leid tun :)

Peace
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Re: Der Plomp IV

Beitragvon Zotto » 22.01.2014, 22:23

Hier meine Anmerkungen. Eine sehr interessante Geschichte, lever. Ich habe mich in die beschriebene Stimmung direkt hineingesogen gefühlt. Du bringst dem Leser die Atmosphäre sehr gut näher.
Die Sprachlosigkeit, die versteckten Sehnsüchte, die Abgründe eines Daseins in einer fortgeschritteneren Lebensphase. Bleiben die Wünsche nach Liebe nicht in jedem Alter gleich?
Deine nüchterne Sprache unterstützt die Wirkung deiner Charaktere in ihrem einfachen Alltag. Hier geht es um die Probleme von bodenständigen Menschen. Dort hat ein überzogener Sprachstil keinen Platz. Trotzdem überzeugst du mit deiner Sprache. Die kleinen Details sind unverzichtbar. Besonders hat mir die Szene am Anfang gefallen. Ich habe das stumme Einverständnis des Bauarbeiters und der verliebten Frau sprichwörtlich aus dem Text herausgefühlt. Du beschreibst nur ihre Körpersprache und die Umstände der Begegnung. Ausuferndes Philosophieren lässt du weg. Du gibst genau soviel preis, wie der Leser wissen muss.
Die einzelnen Passagen sind auch gekonnt verbunden. Ich muss es nochmal lesen, aber grundsätzlich gibt es nicht viel zu meckern.
Die letzten Zeilen sind vielleicht ein wenig zu dramatisch. Die Idee, dass die Frau endlich mit ihrem Schweigen bricht und dem Unbekannten ihre tiefsten Gefühle mit dem Stichwort deiner Erzählung gesteht, ist eigentlich völlig in Ordnung. Sie ist trotzdem ein Bruch am Ende, der sehr im Kontrast mit der zuvor geschilderten Atmosphäre steht. Aber das ist mit Sicherheit Geschmackssache. Sehr beeindruckt bin ich in jedem Fall. :)
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Re: Der Plomp IV

Beitragvon Hark » 10.06.2015, 00:54

Lieber lever,
auf der mühsamen Suche nach einem einigermaßen lesbaren und gleichermaßen spannenden Text bin ich auf Dein Werk hier gestoßen. Was war der Grund? Ich verrate es Dir, es war das Reizwort

lever hat geschrieben:"Stairway to heaven"


Robert Plant, Jimmy Page...und die anderen. Vergötterte Helden des Rock. Platin-Alben noch und nöcher, Komposition und Kommerz. Die Siebziger, Kotletten und Schlaghosen. Kiffen und Politisieren. Schön, dass die mittelmäßige alte Zeit mal wieder aufs Tapet kommt. Aber, die Frage sei erlaubt: Musste es ausgerechnet diese ödeste aller Hippie-Shit-Kommerz-Balladen sein?

lever hat geschrieben:Sie fährt zur Stadtbücherei


Okay, ich gebe es zu. Ich war auch einmal in der Stadtbücherei. Zuletzt etwa 1995 herum. Dann kam ein neues Medium auf, welches Internet genannt wurde. Egal, bleiben wir Retro, vor allem wenn man bedenkt, dass...

lever hat geschrieben:Damals war sie um die 17


Tja, dieser grauenhafte Titel erschien 1971, folglich ist die Dame heute um die 60.

lever hat geschrieben:Die Zeit reicht für das Nötigste. Der Plomp nickt.


Das ist jetzt gemein. Was war das Nötigste? Ein BJ ? Dem Plomp schien es zumindest zuzusagen. Leider verrätst Du es nicht. Aber die Siebziger, wir denken uns das einfach...

lever hat geschrieben:dann versteckt sie die CD tief in ihrem Wäschefach.


Ich kann ihr das nicht verdenken. Kashmir? Bron-Y-Aur Stomp? Hole lotta love? Ja! Immer wieder gerne. Aber nicht...

lever hat geschrieben:Vor ihr steht das Dorffest im vergangenen Jahr: Der Mann aus der Garage in Barfuß, die Verbeugung, der erste Tanz, der zweite Tanz, wie er sie an ihren Platz zurückbringt. Der Hauptsänger von Led Zeppelin prangte auf seinem T-Shirt und der Plomp sieht ihm ähnlich.


Du, Plomp, Du siehst Robert Plant ähnlich. Ist das Zufall oder Absicht? Trägst Du dieses T-Shirt, weil Du die Ähnlichkeit betonen willst? Oder bist Du es am Ende selbst, bist Du Robert Plomp? Hoffentlich hast Du den Ausweis für die Stadtbücherei nicht in Deiner Garage verschlampt. So wie Deine Schuhe. Und die Telefonnummer. Hast Du auch noch ein Che Guevara T-Shirt? Dann fühle Dich eingeladen zum nächsten Dorffest.

In Liebe,
Sandy
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