[SciFi]Der Tanz des Einbeinigen

[SciFi]Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon Wickedz » 20.01.2014, 19:47

Version 2 inklusive Fortsetzung.

Der Ozean ist unendlich. Darüber erstreckt sich, genau so unergründlich und fast wolkenlos, der Himmel. Wenn man keine Bezugspunkte hat, verlieren Größen und Entfernungen ihren Maßstab, alles wird eins, man ist gleichzeitig überall und nirgendwo. Die Sonne steht tief am Horizont und taucht alles in ein sanftrotes Licht. Seit ich in diesen Gewässern angekommen bin hängt sie dort schon, wie die ewige Ankündigung einer Nacht, die nie einbrechen wird. Ihr gegenüber erkenne ich, im Dunst versteckt, die Zwillingsmonde, ebenfalls auf ihrer Umlaufbahn erstarrt.
Auch das Meer ist regungslos und glatt wie ein Spiegel. Wäre da nicht die Schwerkraft, und das Gefühl des Wassers auf meiner Haut, könnte ich kaum zwischen Himmel und Ozean unterscheiden.

Ich weiß nicht wie lange ich schon so in der Stille dahin treibe, ähnlich wie bei den Entfernungen, kommt einem das Gefühl für die Zeit abhanden, wenn es keine Ereignisse gibt an denen man ihr fortschreiten messen könnte.
Menschliche Bedürfnisse verspüre ich schon lange nicht mehr, sie sind mir fremd geworden und unwirklich. Schwach erinnere ich mich an einen Zustand in dem es mehr gab als mich und die Unendlichkeit, doch dieses Leben verblasst mehr und mehr.

Jäh wird mein Schlummer gestört, als etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt. Die Emfindung ist fremd und ungewohnt; überrascht fokussiere ich meinen Blick, der bis jetzt verträumt in den endlosen Weiten des blauen Himmels weilte.

Zuerst sehe ich nichts ungewöhnliches, dann aber mache ich kleine Bewegungen aus, wie Funken vor meinen Augen. Kleine Stücke scheinen sich vom Firmament zu lösen; langsam taumelnd kommen sie mir entgegen. Eine flüchtige Erinnerung durchzuckt meinen Geist und ist sogleich wieder verschwunden, zurück bleibt nur ein einsames Wort: Schnee.
Ich spüre die Veränderung wie einen Schauer der den Rücken herab läuft, die Dimensionen verschieben sich.
Mehr und mehr weiße Flocken fallen herab, verdichten sich zu einem Gestöber. Ein Zittern erfasst meinen Körper, die Lufttemperatur sinkt spürbar. Auch das Wasser um mich herum gefriert zunehmend, innerhalb weniger Sekunden bin ich von der Eisschicht eingeschlossen.
Ich versuche mich zu bewegen, mich vom eisigen Untergrund zu lösen, doch meine Glieder gehorchen mir nicht mehr; zu lange sind sie überflüssige Anhängsel meiner Hülle gewesen.
Unruhe ergreift mich, ich stemme mich mit aller Gewalt gegen die Lähmung.
Vergeblich jedoch, ich bin steif wie das Eis das mich umgibt.
Aufwallende Verzweiflung ergießt sich wie eine Lawine in mein Bewusstsein. Entschlossen mich ihr nicht zu ergeben, bäume ich mich auf zu einem Schrei, der meinen Mund jedoch nur als trockenes Gurgeln verlässt.
Mein fruchtloser Akt scheint Gehör zu finden, eine starke Vibration erfasst die Welt und überträgt sich auch auf meinen Körper. Mit der Vibration kommt ein Rauschen, das langsam anschwillt und in ein gewaltiges Getöse übergeht. Dann, plötzlich und unspektakulär, bricht das Eis unter mir zusammen und ich tauche ins kalte Wasser. Das Rauschen verschwindet und wird durch ein tiefes Grollen ersetzt. Ich sinke immer tiefer, immerhin scheint der Schreck die Lähmung aus meinen Gleidmaßen zu vertreiben. Instinktiv beginne ich mit Armen und Beinen zu rudern, trotzdem scheine ich mich kaum vom Fleck zu bewegen. Die Luft geht mir zur Neige, entgegen aller Logik versuche ich zu atmen, doch meine Lungen sind versiegelt.
Auf ein Mal, grad als die Panik überhand gewinnt, spüre ich eine Präsenz unter mir. Dumpfes Krachen ertönt und als ich den Blick nach oben wende, sehe ich wie die Eisdecke in Schollen zerbricht, die träge auseinander treiben. Etwas großes scheint sich aus der Finsternis zu nähern, das Wasser wie eine Wand vor sich herschiebend. Von einem Aufwärtswirbel erfasst, werde ich in die Höhe katapultiert.
Ich begreife nicht, was gerade geschieht, aber solange es mich näher an die lebensrettende Atemluft bringt, lasse ich mich dankbar mitreißen. Das Licht wird heller, die Oberfläche ist jetzt nur noch wenige Augenblicke entfernt. Und da breche ich schon hindurch, es ist gleißend hell, gierig öffne ich den Mund und fülle meine Lungen mit wunderbarer, kalter Luft. Der plötzliche Sauerstoff wirkt wie ein Stromschlag der durch meinen ganzen Körper fährt und auf ein Mal wird mir bewusst, dass dies mein erster Atemzug seit langer Zeit ist.

Der Moment des Erwachens, diese absolute Gewissheit nicht mehr zu träumen, nie hatte ich sie intensiver erlebt als in diesem Moment. Zumindest nicht so weit ich mich erinnern konnte. Wie ich feststellen musste, war das nicht die einzige Lücke in meinem Gedächtnis, ich hatte keine Ahnung wo ich mich befand und wie ich hier her gekommen war. Auch der Traum, der so lange meine Realität gewesen war, verflüchtigte sich bereits wie Morgennebel bei den ersten Sonnenstrahlen.
Mein klopfendes Herz beruhigte sich langsam, trotzdem spürte ich noch das Adrenalin in meinem Kreislauf. Ich öffnete blinzelnd die Augen, konnte aber kaum mehr als Umrisse vor gleißendem Licht ausmachen. Meine Ohren nahmen eine Vielzahl von Geräuschen wahr, ein außeriridisches Brummen, Blubbern und Surren erfüllte die Luft. Es roch nach altem Maschinenöl und etwas das mich an Weihrauch erinnerte. Mein Körper selbst war kalt und steif, aber dank der warmen Umgebungsluft fror ich nicht mehr, im Gegenteil, ich spürte sogar langsam wieder Leben in meine Glieder strömen. Meine nackte Haut war von einer dünnen Schicht aus Kunststoff bedeckt, an Armen und Brust hingen Kabel, ein Schlauch war mit einer Injektionsnadel an meiner Armbeuge befestigt.
- So wie es aussieht, wurde ich soeben von den Toten erweckt. - schloss ich meine Erstanalyse. Haha. Meine mentalen Schutzmechanismen schienen bei bester Funktion zu sein. Überhaupt war mir auf ein Mal ganz leicht und unbeschwert zumute.
- Das sind die Drogen, Lux. Erst geben sie dir Adrenalin, um dich in die Gänge zu kriegen und dann Benzodiazepine, damit du dich nicht vor dir selbst erschrickst. -
Das kam aus dem Nichts, aus irgendeiner entlegenen Windung meines Gehirns, eine verloren geglaubte Erinnerung die nur darauf gewartet hatte durch das richtige Stichwort reaktiviert zu werden. Anscheinend wusste zumindest mein Unterbewusstsein mit der Situation umzugehen. Sobald ich aber konkret versuchte, bewusst auf meine Erinnerungen zu zu greifen, fand ich nichts als gähnende Leere vor.
Ächzend setzte ich mich auf. Durch meine vom Schlaf verschleierte Sicht nahm ich eine eine Bewegung wahr, dann durchbrach eine Frauenstimme die Geräuschkulisse.

- Wilkommen auf der Eliyahu, Supervisor Kaplan. Der Hibernationsvorgang bringt einige kleinere Komplikationen mit sich, weshalb sie sich gerade in einem Zustand der Verwirrung befinden sollten. Aber seien sie ganz unbesorgt, solange sie sich in meiner Obhut befinden, kann ihnen nichts passieren. - Die Stimme schmeichelte sich sanft in mein Ohr, zwar konnte ich sie noch nicht ganz zuordnen, aber es war mir, als hätte sie in meinem vorigen Leben eine wichtige Rolle gespielt.
- Weitere erwartete Nebenwirkungen sind in absteigender Wahrscheinlichkeit: Orientierungslosigkeit, motorische Störungen, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Taubheitsgefühle, Amnesie, Gleichgewichts- und Wahrnehmungsstörungen, Schwächegefühle, Depressionen und in seltenen Fällen akute Psychosen. -
Die Stimme machte eine Pause. - Wir gehen davon aus, dass diese Symptome innerhalb weniger Tage oder Wochen vollständig verschwinden. Leider gibt es noch keine Studien, die sich mit derart langen Kälteschlafphasen befassen. -
Na das klang ja beruhigend.
- Wie... wie lange habe ich geschlafen? - presste ich hervor.
- Sie befanden sich 382 Jahre, 5 Monate und 14 Tage im Kälteschlaf, Supervisor. -
382 Jahre... ich rieb mir die Augen. Was hatte das alles zu bedeuten? Die Schleier lichteten sich langsam; auch die Beleuchtung des Raumes erschien mir nicht mehr ganz so grell. Tatsächlich befand ich mich in einer kleinen Insel aus Licht, alles andere lag zum größten Teil im Schatten. Ich konnte die Wände erkennen, aber keine Decke. Dem Hall nach zu urteilen, musste der Raum sehr hoch sein. Ich lag auf einer Bahre, darüber hing ein gewölbter Bildschirm wie eine altmodische Operationsleuchte. Erneut sah ich eine Bewegung und ein Metallarm an dem eine kopfgroße Metallkugel befestigt war, schwang sich elegant in mein Blickfeld. Das andere Ende des Arms verschwand oben in der Dunkelheit. In der Mitte der Kugel war in einer Vertiefung eine Linse eingelassen, die mich jetzt, obwohl der Arm ständig in Bewegung blieb, starr fixierte.
- Sobald sie sich bereit fühlen, möchte ich sie gern zu ihrer Landungskapsel führen. -
Die Stimme schien aus allen Richtungen zugleich zu kommen und nicht an einen Körper gebunden zu sein. Ich setzte mich vorsichtig auf und stellte die Beine auf den Boden. Sofort kamen aus der Dunkelheit Metallarme heran und stützten mich sanft, sodass ich mich mit geringem Aufwand von der Bahre erheben konnte. Weitere Arme zupften die Elektroden von meiner Brust und entfernten die Injektionsnadel aus meinem Arm. Ein Kribbeln in der Nähe meines Bauchnabels zog meine Aufmerksamkeit auf sich und ich sah einen Laser der sich in vertikaler Linie über meinen Bauch bewegte. Wo er die Haut berührte, löste sich die Kunststoffschicht und wurde sogleich von den Metallarmen ergriffen und entfernt. Sie gingen dabei sehr umsorglich, fast liebevoll vor.
Nach getaner Arbeit zogen sie sich geräuschlos wieder in die Finsternis zurück. Prüfend fuhr ich mit der Hand über mein Gesicht. Die Haut war glatt und ohne Makel. Als ich meinen kahlen Schädel strich, ertasteten meine Finger etwas hartes. Es schien aus Metall oder einem festem Kunststoff zu bestehen und direkt mit der Kopfhaut verwachsen zu sein. Nach kurzem Schreck öffneten sich erneut die Archive meiner Erinnerung und gaben preis worum es sich hier handelte: Es war das Außengehäuse eines neuronalen Implantats. Es ermöglichte mir mit meiner technischen Umwelt in Kontakt zu treten. Heutzutage wurde es jedem Menschen eingepflanzt, sobald sein Körper ausgewachsen war, es war ein universelles Werkzeug geworden. Ich allerdings war schon fast vierzig, als dieses Modell Serienreife erlangte. Mein intuitives Körpergefühl hatte sich noch nicht ganz an den Fremdkörper gewöhnt, obwohl ich es schon mehr als fünf Jahre trug. Ich schmunzelte. Inzwischen waren es wohl sogar schon 388 Jahre. Was "Heutzutage" mittlerweile bedeutete, musste ich auch erst noch heraus finden.
- Bitte kleiden sie sich an, damit wir fortfahren können. -
Ich drehte den Kopf, die Kugel war auf einen Meter an mich herangeschwebt, neben ihr hing, von zwei Greifarmen gehalten, ein matt schimmernder Ganzkörperanzug in der Luft. Zwar war mir in der Situation das Schamgefühl abhanden gekommen, zumal ich mich hier nur unter Maschinen befand, trotzdem hatte das Überstreifen des warmen Stoffes etwas beruhigendes an sich.
Ein leises Zischen ertönte und am Kopfende des Raumes öffnete sich eine Kreisrunde Tür. Die Kugel die mich bis jetzt aufmerksam beobachtet hatte, verschwand nach oben in die Dunkelheit und erneut ertönte die Stimme in meinem Kopf.
- Bitte betreten sie nun die Schwerkraftschleuse, Supervisor. -

[alteversion=]Der Ozean war unendlich. Wasser, so weit das Auge reichte - kein Land in Sicht, weder in der Ferne, noch in der Tiefe. Darüber erstreckte sich, genau so unergründlich und fast wolkenlos, der Himmel. Wenn man keine Bezugspunkte hat, verlieren Größen und Entfernungen ihren Maßstab, alles ist eins, gleichzeitig überall und nirgendwo. Die Sonne stand tief am Horizont und tauchte alles in ein sanftrotes Licht. Seit ich in diesen Gewässern angekommen war, hing sie dort schon, wie die ewige Ankündigung einer Nacht, die nie einbrechen wird. Zumindest nicht in dieser Dimension. Ihr gegenüber erkenne ich, im Dunst versteckt, die Zwillingsmonde, ebenfalls auf ihrer Umlaufbahn erstarrt.
Auch das Meer war regungslos, nicht die kleinste Welle durchbrach seine glatte Oberfläche. Wäre da nicht die Schwerkraft gewesen, und das Gefühl des Wassers auf meiner Haut, hätte ich nicht zwischen Himmel und Ozean unterscheiden können, so perfekt war die Spiegelung.
Ich weiß nicht wie lange ich so in der Stille dahintrieb, ähnlich wie bei den Entfernungen, kommt einem das Gefühl für die Zeit abhanden, wenn es keine Ereignisse gibt an denen man ihr fortschreiten messen könnte. Es hätten Jahrtausende sein können, vielleicht aber auch nur wenige Stunden. Raum und Zeit hatten keine Bedeutung mehr für mich. Menschliche Bedürfnisse verspürte ich schon lange nicht mehr, sie waren mir fremd geworden und unwirklich. Schwach erinnerte ich mich an einen Zustand in dem es mehr gab als mich und die Unendlichkeit, doch dieses Leben verblasste mehr und mehr, je länger ich in dieser Ätherdimension dahin trieb. Eigentlich war es mir auch egal, denn was ich gerade erfuhr, war ein Zustand der Meditation, ich existierte einfach nur, befreit von den Zwängen der materiellen Welt und der Unersättlichkeit meines Egos.

Da liege ich auf dem Wasser und schlummere, weit entfernt von allem weltlichen, als plötzlich etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt. Die Emfindung ist fremd und ungewohnt; überrascht fokussiere ich meinen Blick, der bis jetzt verträumt in den endlosen Weiten des blauen Himmels weilte.
Zuerst sehe ich nichts ungewöhnliches, dann aber mache ich kleine Bewegungen aus, wie Funken vor meinen Augen. Kleine Stücke scheinen sich vom Firmament zu lösen; langsam taumelnd kommen sie mir entgegen. Eine flüchtige Erinnerung durchzuckt meinen Geist und ist sogleich wieder verschwunden, zurück bleibt nur ein einsames Wort: Schnee. Ich spüre die Veränderung, die Dimensionen verschieben sich. Ich bemühe mich die Zeichen zu deuten und heraus zu finden was geschieht, doch mein Geist ist wie leergefegt.
Mehr und mehr weiße Flocken fallen herab, verdichten sich zu einem Gestöber. Ein Zittern erfasst meinen Körper, die Lufttemperatur sinkt spürbar. Auch das Wasser um mich herum gefriert zunehmend, innerhalb weniger Sekunden bin ich von der Eisschicht eingeschlossen. Ich versuche mich zu bewegen, mich vom eisigen Untergrund zu lösen, doch meine Glieder gehorchten mir nicht mehr; zu lange sind sie überflüssige Anhängsel meiner Hülle gewesen. Unruhe ergreift mich, ich stemme mich mit aller Gewalt gegen die Lähmung. Vergeblich jedoch, ich bin steif wie das Eis das mich umgibt. Aufwallende Verzweiflung ergießt sich wie eine Lawine in mein Bewusstsein. Entschlossen mich ihr nicht zu ergeben bäume ich mich auf zu einem Schrei, der meinen Mund jedoch nur als trockenes Gurgeln verlässt.
Mein fruchtloser Akt scheint Gehör zu finden, eine starke Vibration erfasst die Welt und überträgt sich auch auf meinen Körper. Mit der Vibration kommt ein Rauschen, das langsam anschwillt und in ein gewaltiges Getöse übergeht. Dann, jäh und unspektakulär, bricht das Eis unter mir zusammen und ich tauche ins kalte Wasser. Das Rauschen verschwindet und wird durch ein tiefes Grollen ersetzt. Ich sinke immer tiefer, immerhin scheint der Schreck die Lähmung aus meinen Gleidmaßen zu vertreiben. Dunkelheit umfängt mich, nur das Loch, durch das ich ins Wasser eingedrungen bin, entsendet einen schwachen Lichtstrahl. Instinktiv beginne ich mit Armen und Beinen zu rudern, trotzdem scheine ich mich kaum vom Fleck zu bewegen. Die Luft geht mir zur Neige, entgegen aller Logik versuche ich zu atmen, doch meine Lungen sind versiegelt. Auf ein Mal, grad als die Panik überhand gewinnt, spüre ich eine Präsenz unter mir. Dumpfes Krachen ertönt und als ich den Blick nach oben wende, sehe ich wie die Eisdecke in massive Schollen zerbricht, die träge auseinander treiben. Etwas großes scheint sich aus der Finsternis zu nähern, das Wasser wie eine Wand vor sich herschiebend. Von einem Aufwärtswirbel erfasst, werde ich in die Höhe katapultiert. Die Eisschollen kommen mir entgegen, immer schneller und schneller. Ich begreife nicht, was gerade geschieht, aber solange es mich näher an die lebensrettende Atemluft bringt, lasse ich mich dankbar mitreißen. Das Licht wird heller, die Oberfläche ist jetzt nur noch wenige Augenblicke entfernt. Und da breche ich schon hindurch, es ist gleißend hell, gierig öffne ich den Mund und fülle meine Lungen mit wunderbarer, kalter Luft. Der plötzliche Sauerstoff wirkt wie ein Stromschlag der durch meinen ganzen Körper fährt und auf ein Mal wird mir bewusst, dass dies mein erster Atemzug seit langer Zeit ist.[/alteversion]
Zuletzt geändert von Wickedz am 27.01.2014, 19:17, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon CraX » 24.01.2014, 12:54

Hallo Wickedz,

Der Titel hat mich sofort beschäftigt. Er trägt einen Widerspruch in sich, der neugierig macht, zugleich klingt er nach etwas surrealem und auch fantastischem, und für so etwas bin ich immer zu haben. Sehr gelungen!

Auch der Beginn der Geschichte hat mich neugierig gemacht. Da passiert auf jeden Fall erst einmal etwas fantastisches. Es ist eine Geschichte, die ich in jedem Fall weiter verfolgen möchte. Dass es sich nur um einen Traum handelt, erfahre ich ja nur durch deinen Kommentar.
Dein Schreibstil ist noch nicht perfekt, aber schon ganz ordentlich (für meinen persönlichen Geschmack).
Bei der Rechtschreibung bin ich keine große Hilfe (die brauche ich oft selber).

Folgende Stellen fand ich unstimmig oder verbesserungswürdig:

Wenn man keine Bezugspunkte hat, verlieren Größen und Entfernungen ihren Maßstab, alles ist eins, gleichzeitig überall und nirgendwo

Letzteres finde ich zu pauschal. Ich würde das konkretisieren: Ist der Erzähler oder die Landschaft überall und nirgendwo?

Wäre da nicht die Schwerkraft gewesen, und das Gefühl des Wassers auf meiner Haut, hätte ich nicht zwischen Himmel und Ozean unterscheiden können, so perfekt war die Spiegelung.

Verstehe ich das so, dass der Horizont verwaschen, also auch nicht klar zu erkennen ist?

Zuerst sehe ich nichts ungewöhnliches, dann aber mache ich kleine Bewegungen aus, wie Funken vor meinen Augen. Kleine Stücke scheinen sich vom Firmament zu lösen; langsam taumelnd kommen sie mir entgegen. Eine flüchtige Erinnerung durchzuckt meinen Geist und ist sogleich wieder verschwunden, zurück bleibt nur ein einsames Wort: Schnee.

Die Szene, wie der Schnee auftaucht, finde ich sehr schön beschrieben. Es ist die beste auf dieser Seite.

Auch das Wasser um mich herum gefriert zunehmend, innerhalb weniger Sekunden bin ich von der Eisschicht eingeschlossen. Ich versuche mich zu bewegen, mich vom eisigen Untergrund zu lösen, doch meine Glieder gehorchten mir nicht mehr; zu lange sind sie überflüssige Anhängsel meiner Hülle gewesen. Unruhe ergreift mich, ich stemme mich mit aller Gewalt gegen die Lähmung. Vergeblich jedoch, ich bin steif wie das Eis das mich umgibt.

Bei diesem Abschnitt stört mich ein wenig die Geschwindigkeit der Abläufe. Während um ihn herum alles „zunehmend“ vereist, gefriert er in sekundenschnelle. Ich würde es ungefähr so umstellen:
Auch das Wasser um mich herum gefriert zunehmend und ich kann den sich bildenden Eiskristallen beim Wachsen zusehen. Ich versuche mich zu bewegen, mich vom eisigen Untergrund zu lösen, doch meine Glieder gehorchten mir nicht mehr; zu lange sind sie überflüssige Anhängsel meiner Hülle gewesen. Unruhe ergreift mich, ich stemme mich mit aller Gewalt gegen die Lähmung. Vergeblich jedoch, denn mittlerweile bin ich von der Eisschicht eingeschlossen und so steif wie das Eis, das mich umgibt.

Entschlossen, mich ihr nicht zu ergeben bäume ich mich auf zu einem Schrei, der meinen Mund jedoch nur als trockenes Gurgeln verlässt.

Ich frage mich, ob der Protagonist in diesem Zustand überhaupt noch Laute von sich geben kann. Wenn du ihn stumm machen würdest, müsstest du dir allerdings auch zum Nachfolgesatz etwas anderes einfallen lassen. Wenn er schon noch etwas von sich gibt, dann würde ich das „trockene Gurgeln“ durch „eisiges Pfeifen“ ersetzen („trocken“ erinnert mich eher an jemanden, der in der Wüste verdurstet).

Dann, jäh und unspektakulär, bricht das Eis unter mir zusammen und ich tauche ins kalte Wasser.

Dieses Ereignis würde ich nicht gerade als „unspektakulär“ bezeichnen.

Dunkelheit umfängt mich, nur das Loch, durch das ich ins Wasser eingedrungen bin, entsendet einen schwachen Lichtstrahl.

Bei dieser Szene hatte ich zunächst das Gefühl, dass er in eine schwarze Finsternis taucht, später sieht er jedoch, dass über ihm die Eisschollen brechen. Also vielleicht ist „Dunkelheit“ zu dunkel, und man müsste es eher mit „Es wurde zunehmend dunkler ...“ beginnen lassen. Irgendwie stört mich auch das Wort „Loch“. Vielleicht kannst du es so beschreiben, dass er die Eisdecke gerade noch als grüngraue Fläche erkennen kann, in der eine helle, gezacktes Öffnung klafft. Oder so.

Instinktiv beginne ich mit Armen und Beinen zu rudern, trotzdem scheine ich mich kaum vom Fleck zu bewegen.

Das widerspricht sich zur obigen Aussage, dass ihm seine Glider nicht mehr gehorchen (vor dem Gefrierschock). Die Erklärung, der Schock hätte ihn wieder munter gemacht, klingt wenig plausibel.
Also wenn er sich überhaupt wieder bewegen kann oder muss, dann allerhöchstens zäh und unter Aufbietung aller Kräfte.
Wenn der Traum (wie ich unten erfahre) mit dieser Seite zu Ende ist, würde ich ihn überhaupt nicht bewegen lassen. Das würde das Gefühl für seine Hilflosigkeit noch verstärken.

Auf ein Mal, grad als die Panik überhand gewinnt, spüre ich eine Präsenz unter mir. Dumpfes Krachen ertönt und als ich den Blick nach oben wende, sehe ich wie die Eisdecke in massive Schollen zerbricht, die träge auseinander treiben.

Hier passieren zwei Sachen gleichzeitig, eine über und eine unter ihm.
Da sich der nächste Satz mit dem, was unter ihm geschieht, weiter beschäftigt, würde ich die beiden Sätze vertauschen, und den zweiten zusätzlich mit einem „Gleichzeitig ...“ beginnen lassen.
„grad“ ist denke ich falsch. Überhaupt würde ich das mit der Panik anders beschreiben (oder vielleicht sogar ganz weg lassen) – irgendwie liest man solche Sätze zu oft.

Alles in allem fand ich es trotz alledem bis hierher ganz gelungen.
Der Präteritum/Präsenz-Wechsel ist mir beim ersten Durchlesen gar nicht aufgefallen. Aber wenn, dass würde ich es einheitlich machen (Ich nehme an, das der erste Abschnitt auch zum Traum gehört). Die Präsenz-Form für einen einleitenden Traum finde ich in dem Fall gelungen.

Bin gespannt auf die Fortsetzung!
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon Wickedz » 27.01.2014, 12:07

Hey Clax,

Danke für deine Kritik. Ich habe sie gerade erst gelesen, dabei arbeite ich schon an einer neuen Fassung. Ich werde sie bald hier online stellen und du wirst erfahren was es mit diesem Traum auf sich hat ;)


Letzteres finde ich zu pauschal. Ich würde das konkretisieren: Ist der Erzähler oder die Landschaft überall und nirgendwo?


Da hast du schon recht, der Satz hat mich beim überarbeiten auch ziemlich gestört. Was ich damit ausdrücken wollte, ist dieses orientierungslose Gefühl das man hat, wenn man träumt. Alles erscheint plötzlich irgendwo, nichts bleit wie es ist. Aber das kommt in dem Zusammenhang vielleicht nicht hervor, wenn einem noch nicht bewusst ist, dass der Protagonist träumt.
Verstehe ich das so, dass der Horizont verwaschen, also auch nicht klar zu erkennen ist?


Nein, damit meine ich, dass der Träumer nicht sagen könnte wo oben und unten ist, abgesehen davon dass er ja auf der wasseroberfläche liegt.
Die Szene, wie der Schnee auftaucht, finde ich sehr schön beschrieben. Es ist die beste auf dieser Seite.

Danke, da habe ich auch sehr lange dran gefummelt bis es gepasst hat.

Bei diesem Abschnitt stört mich ein wenig die Geschwindigkeit der Abläufe. Während um ihn herum alles „zunehmend“ vereist, gefriert er in sekundenschnelle


Ich frage mich, ob der Protagonist in diesem Zustand überhaupt noch Laute von sich geben kann.


Der Ablauf ist hier leider sehr wichtig, im nächsten Abschnitt wirst du erfahren wieso :)

Instinktiv beginne ich mit Armen und Beinen zu rudern, trotzdem scheine ich mich kaum vom Fleck zu bewegen.

Erst wollte ich vehement widersprechen, aber irgendwo hast du recht... vielleicht überarbeite ich das noch mal

Dieses Ereignis würde ich nicht gerade als „unspektakulär“ bezeichnen.

Verggleiche "Krach" "Knarz" "Knirsch" "Platsch!" mit "Plumpsgluckgluckgluckgluck". Es geht auch unspektatkulär :D
Bei dieser Szene hatte ich zunächst das Gefühl, dass er in eine schwarze Finsternis taucht, später sieht er jedoch, dass über ihm die Eisschollen brechen.


Das ist in der aktuellen Fassung schon raus gekürzt.

SO ich setzt mich direkt mal ans Schreiben, vielleicht kann ich dann schon heute Abend schon die neue Fassung samt Fortsetzung online stellen.
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon Wickedz » 27.01.2014, 19:01

Update, siehe oben
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon CraX » 28.01.2014, 13:25

Hallo Wickedz,

soeben bin ich deine erste Überarbeitung plus Fortsetzung durchgegangen. Ich fand deine erste Version ja schon ganz gut, aber jetzt ist sie noch besser geworden.
Ich nehme an, dass noch nicht alle Stellen überarbeitet wurden, deshalb hier nur meine Meinung zu einigen wenigen Punkten der neuen Fassung (und der Fortsetzung):

... ich existierte einfach nur, befreit von den Zwängen der materiellen Welt und der Unersättlichkeit meines Egos.

Dieser Satzteil, den du herausgenommen hast, hatte mich zwar einerseits ein wenig irritiert, aber andererseits hatte mich die „Unersättlichkeit des Egos“ auch beschäftigt, weil hier etwas über die Person angedeutet wird. Ich finde es fast schade, dass er nun ganz weg ist.

Jäh wird mein Schlummer gestört, als etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt.

Ich fand die frühere Version besser, Da liege ich auf dem Wasser und schlummere, weit entfernt von allem weltlichen, als plötzlich etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt.
- und zwar, weil in der alten Version der Übergang weicher ist. Das „Jäh“ am Anfang klingt für mich zu „plötzlich“.

Auch das Wasser um mich herum gefriert zunehmend, innerhalb weniger Sekunden bin ich von der Eisschicht eingeschlossen.

Jetzt ist mir schon klar, dass er an dieser Stelle davon träumt, wie er eingefroren wurde, trotzdem stört mich immer noch die Geschwindigkeit an dieser Stelle. Der Schnee fällt langsam (so stelle ich es mir vor), doch das Einfrieren (im Traum) passiert in sekundenschnelle. Da es sich um einen Traum handelt, kann dieser Vorgang meiner Meinung nach hier auch in Zeitlupe erfolgen.
Aber etwas ganz anderes fallt mir dabei auf. Da der Traum (wenn ich ihn hoffentlich richtig deute) das Einfrieren und Auftauen beschreiben soll, müsste das Einfrieren auch ganz am Anfang des Traumes stehen. Hier beginnt der Traum: Schnee fällt, er wird vom Eis eingeschlossen, und dann (erst) hat er eine Ewigkeit Zeit, sich die Umgebung zu betrachten, bevor er wieder aufgetaut wird.

... der bis jetzt verträumt in den endlosen Weiten des blauen Himmels weilte geweilt hatte.


Dann, plötzlich und unspektakulär, bricht das Eis unter mir zusammen und ich tauche ins kalte Wasser.

„unspektakulär“ passt für mich deshalb nicht dahin, weil es für mich eine Beschreibung für etwas unauffälliges ist, etwas, dass ohne „Krach“ und „Knirsch, wie du es nennst passiert. Es beißt sich mit dem „plötzlich“, dass davor steht, weil doch etwas unerwartetes passiert. Es ist ein Ereignis, dass zwar ohne „Spektakel“ vor sich geht, aber doch ein gewisses Maß an Erstaunen hervorruft. Das Wort wirkt an dieser Stelle einfach auch zu künstlich und weniger beschreibend für mich.
Das Komma dahinter ist auch zuviel.
Im Übrigen sind im ganzen Text mehrere Kommafehler. Da ich an einigen Stellen aber selbst unsicher bin, will ich nicht im Einzelnen darauf eingehen, aber du solltest dich (wie ich) etwas mehr mit den Kommaregeln befassen.

Auch der Traum, der so lange meine Realität gewesen war, verflüchtigte sich bereits wie Morgennebel bei den ersten Sonnenstrahlen.

„bei“ klingt für mich nicht gut, Vorschlag: „.. während der ersten Sonnenstrahlen.“

Ich öffnete blinzelnd die Augen, konnte aber kaum mehr als Umrisse vor gleißendem Licht ausmachen.

Ein Umriss ist die äußere Linie von etwas, ich würde hier eher Schatten oder Schemen vermuten.

- So wie es aussieht, wurde ich soeben von den Toten erweckt. - schloss ich meine Erstanalyse. Haha.

Gibt es einen bestimmten Grund, warum du (auch im Folgendem) Bindestriche statt Anführungszeichen verwendest? Ich habe das noch nirgends gesehen. Finde es auch verwirrend. (der Punkt ist auch falsch). Im obigen Text (wenn der Protagonist laut denkt) würde ich es grundsätzlich ohne Binde-/Anführungszeichen setzen.
Das „Haha“ am Ende ist Comicsprache, da würde ich das Niveau etwas höher stellen. Z.B.:
So wie es aussieht, wurde ich soeben von den Toten erweckt, schloss ich meine Erstanalyse und musste gleichzeitig darüber lachen.

Was hatte das alles zu bedeuten?

Das ist so ein Standartsatz, der auch nicht wirklich hierher gehört. Er weiß bist jetzt nur, dass er aus einem langen Schlaf erwacht ist. Um den Begriff „alles“ zu verwenden, müsste er schon ein wenig mehr Ungereimtheiten erfahren haben. Da ich ja nicht weiß, was der Protagonist weiß, kann ich keinen Vorschlag machen, was er sonst an dieser Stelle denken könnte. (vielleicht: Ich konnte mich gar nicht daran erinnern, mich jemals in eine Tiefkühlbox begeben zu haben.). Vielleicht den Satz einfach auch streichen.

Wo er die Haut berührte, löste sich die Kunststoffschicht und wurde sogleich von den Metallarmen ergriffen und entfernt.

„Wo“ klingt nicht gut. Besser: An die Stelle, an der er die Haut berührte, ...

Heutzutage wurde es jedem Menschen eingepflanzt, sobald sein Körper ausgewachsen war, es war ein universelles Werkzeug geworden.

Er weiß nicht, was „heutzutage“ los ist, es müsste also heißen: Zu meiner Zeit ...
Er sinniert zwar etwas später über das „Heutzutage“, aber das weiß ich als Leser an dieser Stelle noch nicht.

Ich allerdings war schon fast vierzig, als dieses Modell Serienreife erlangte.

Satzumstellung: Ich war allerdings schon fast vierzig, ...

Ein leises Zischen ertönte und am Kopfende des Raumes öffnete sich eine Kkreisrunde Tür.


Wie gesagt: Bis jetzt finde ich es ganz gut und es sind nur Kleinigkeiten, die mich gestört haben.
Ich hatte schon befürchtet, dass er in einer klassischen (langweiligen) Welt aufwacht, in der dann alles seinen normalen Gang weiter geht.
Aber es bleibt spannend, noch ist alles rätselhaft. Und er bewegt sich immer noch auf unbekanntem Terrain.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon Wickedz » 28.01.2014, 17:13

Hey Crax (Sorry, ich seh gerade dass ich beim letzten Mal deinen Namen falsch geschrieben habe)

Vielen Dank fürs erneute Lesen :) Und die rasche Antwort! Ja, wie du siehst hatte ich noch nicht so viele von deinen Vorschlägen in die 2te Version eingebaut, da ich zu dem Zeitpunkt schon weiter im Text war.

Dieser Satzteil, den du herausgenommen hast, hatte mich zwar einerseits ein wenig irritiert, aber andererseits hatte mich die „Unersättlichkeit des Egos“ auch beschäftigt, weil hier etwas über die Person angedeutet wird. Ich finde es fast schade, dass er nun ganz weg ist.


Nun, das ist in der Tat ein spannender Punkt, allerdings habe ich da wohl eher meine eigenen Charakterzüge gespiegelt als die der Figur. Zwar spielt das unersättliche Ego im Verlauf der Geschichte eine Rolle, aber weniger als Herrausforderung für den Protagonisten sondern eher als Charakterisierung der menschlichen Rasse. Was ich ursprünglich damit andeuten wollte war, dass der Träumer sich in einem Zustand der Meditation befindet, mit einer leicht psychedelsichen Komponente. Ich habe mich allerdings entschieden diesen Teil raus zu lassen, weil er vielleicht gerade in der Einleitung einen zu großen Schwerpunkt darstellt und den Leser irritieren könnte.

Ich fand die frühere Version besser, Da liege ich auf dem Wasser und schlummere, weit entfernt von allem weltlichen, als plötzlich etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt.
- und zwar, weil in der alten Version der Übergang weicher ist. Das „Jäh“ am Anfang klingt für mich zu „plötzlich“.


Als ich den Satz bei dir gelesen habe, gefiel er mir auch spontan besser als die Neufassung. Vielleicht ändere ich das wieder.
Jetzt ist mir schon klar, dass er an dieser Stelle davon träumt, wie er eingefroren wurde, trotzdem stört mich immer noch die Geschwindigkeit an dieser Stelle.

Das mit der "Sekundenschnelle" scheint dir ja wirklich ein wichtiges Thema zu sein :D
Nagut, vielleicht muss es auch nicht so spektakulär sein, zumal in dieser Welt alles sehr langsam geschieht. Wobei sich danach ja die Ereignisse überschlagen, was mich zum nächsten Punkt führt:
„unspektakulär“ passt für mich deshalb nicht dahin, weil es für mich eine Beschreibung für etwas unauffälliges ist, etwas, dass ohne „Krach“ und „Knirsch, wie du es nennst passiert.

Das Bild was ich hier im Kopf hatte, war eine Zuspitzung der Ereignisse. Erst fällt Schnee, dann friert das Wasser, dann ein donnerndes Rauschen und auf ein Mal, stell es dir ohne Ton vor, gibt die Eisdecke nach und entlässt sein Opfer ins Wasser.
Vielleicht ist die Wortwahl unpassend, ich weiß es nicht. Ich bin auch gerade am überlegen das ganze noch etwas schmaler zu machen, weniger schreitend, mehr gehend. Vielleicht muss der Traum auch ganz verschwinden. Mal gucken.

„bei“ klingt für mich nicht gut, Vorschlag: „.. während der ersten Sonnenstrahlen.“

Hier hatte ich auch ein bisschen geknobelt. Für mich klingt eigentlich weder bei noch während richtig gut.


Ein Umriss ist die äußere Linie von etwas, ich würde hier eher Schatten oder Schemen vermuten.

Da hast du Recht. Schemen gefällt mir in diesem Zusammenhang auch besser.

Gibt es einen bestimmten Grund, warum du (auch im Folgendem) Bindestriche statt Anführungszeichen verwendest? Ich habe das noch nirgends gesehen. Finde es auch verwirrend. (der Punkt ist auch falsch). Im obigen Text (wenn der Protagonist laut denkt) würde ich es grundsätzlich ohne Binde-/Anführungszeichen setzen.


Das habe ich mir bei Lems Solaris abgeguckt :oops: Ich mag einfach keine Anführungszeichen, da dachte ich mir, ich probier mal was anderes aus.
Was übrigens die Kommasetzung angeht: Mein altes Leid. Wenn ich mal reich und berühmt bin, besorg ich mir einen Kommaboy oder ein Kommagirl, die dann jede Seite nach Kommafehlern absuchen und sie korrigieren. Wer Interesse hat: Ich zahle 2 Euro pro Seite!

Das ist so ein Standartsatz, der auch nicht wirklich hierher gehört.


Ja, da muss ich dir Recht geben. Wird gestrichen.


„Wo“ klingt nicht gut. Besser: An die Stelle, an der er die Haut berührte, ...


Hier muss ich dir allerdings widersprechen. An und an klingt nicht gut, wo ist in diesem Kontext durchaus verwendbar.

Er weiß nicht, was „heutzutage“ los ist, es müsste also heißen: Zu meiner Zeit ...
Er sinniert zwar etwas später über das „Heutzutage“, aber das weiß ich als Leser an dieser Stelle noch nicht.


Auch hier denke ich dass es dem Leser durchaus zuzumuten ist die zwei Sätze mit leichter Verwirrung zu lesen bis sich dann direkt im Anschluss die Auflösung ergibt.

Satzumstellung: Ich war allerdings schon fast vierzig, ...


Hier liegt die Betonung auf dem Ich. "Ich allerdings, war schon fast vierzig..."



Ich werde in der nächsten Fassung mehr auf deine Verbesserungsvorschläge eingehen, auch die von deinem ersten Post. Vielen Dank noch mal für deine Mühe, ich weiß das sehr zu schätzen!

Liebe Grüße,
Michi
Wickedz
 
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon HerrGesangsverein » 13.03.2014, 16:10

Hi Wickedz,

es gelingt dir am Anfang ohne viel Aufwand ein bestimmtes Bild zu zeichnen ohne die Phantasie des Lesers zu sehr zu beschränken. Die Traumsituation in der sich dein Protagonist befindet wirk surreal, aber nicht zu abgehoben. Die Perspektive eines Icherzählers und die Wahl der gegenwärtigen Zeitform erlaubt es mir als Leser mich in den Protagonisten hinein zu versetzen.
Alles ist ein bisschen unklar, verschwommen, wie es sich für einen ordentlichen Traum gehört.
Auch schon bevor der Protagonist auf wacht erhalte ich den Eindruck dass er sich schon sehr lange in seinem Traum befindet. Auch als sich der Traum verändert erscheint es mir als bräche er Stück für Stück zusammen was den Vorgang des Aufwachens sehr anschaulich verdeutlicht.

Als er dann wach ist erfahren wir ein bisschen mehr über den Protagonisten und die Welt in der er sich befindet, aber ohne gleich zu viele Antworten zu bekommen. Das macht neugierig auf mehr.
Auch der Wechsel der Zeitform gefällt mir gut, er hilft den Traum von der Realität zu unterscheiden.

Ein paar Kritikpunkte sind mir aber trotzdem aufgefallen:

Wickedz hat geschrieben:Jäh wird mein Schlummer gestört, als etwas weiches, kaltes mein Gesicht berührt. Die Emfindung ist fremd und ungewohnt; überrascht fokussiere ich meinen Blick, der bis jetzt verträumt in den endlosen Weiten des blauen Himmels weilte.


Hier fehlt bei Empfindung ein kleines "p".

Wickedz hat geschrieben:Meine Ohren nahmen eine Vielzahl von Geräuschen wahr, ein außeriridisches Brummen, Blubbern und Surren erfüllte die Luft.


Ich weiß nicht so recht was ich mir unter einem "außerirdischen" Brummen vorstellen soll. Ein Brummen ist ein Brummen. Du wechselst von einem sehr unspezifischen Adjektiv "außerirdisch" zu einem sehr alltäglichem "Brummen". Ich finde das beißt sich ein wenig mit einander.


Wickedz hat geschrieben:- So wie es aussieht, wurde ich soeben von den Toten erweckt. -


Wickedz hat geschrieben:- Das sind die Drogen, Lux. Erst geben sie dir Adrenalin, um dich in die Gänge zu kriegen und dann Benzodiazepine, damit du dich nicht vor dir selbst erschrickst. -


Wickedz hat geschrieben:- Wilkommen auf der Eliyahu, Supervisor Kaplan. Der Hibernationsvorgang bringt einige kleinere Komplikationen mit sich, weshalb sie sich gerade in einem Zustand der Verwirrung befinden sollten. Aber seien sie ganz unbesorgt, solange sie sich in meiner Obhut befinden, kann ihnen nichts passieren. -


Hier nutzt du die selbe Darstellungsform, zuerst für den inneren Monolog des Protagonisten und dann für etwas das mir eher äußere Rede zu sein scheint. Es ist unklar ob er entweder zuerst laut mit sich selbst spricht, oder ob die andere Stimme vielleicht auch in seinem Kopf ist.
Das hat mich stutzen lassen und ein bisschen die Illusion gebrochen.


Wickedz hat geschrieben: Die Stimme schmeichelte sich sanft in mein Ohr, zwar konnte ich sie noch nicht ganz zuordnen, aber es war mir, als hätte sie in meinem vorigen Leben eine wichtige Rolle gespielt.
- Weitere erwartete Nebenwirkungen sind in absteigender Wahrscheinlichkeit: Orientierungslosigkeit, motorische Störungen, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Taubheitsgefühle, Amnesie, Gleichgewichts- und Wahrnehmungsstörungen, Schwächegefühle, Depressionen und in seltenen Fällen akute Psychosen. -
Die Stimme machte eine Pause. - Wir gehen davon aus, dass diese Symptome innerhalb weniger Tage oder Wochen vollständig verschwinden. Leider gibt es noch keine Studien, die sich mit derart langen Kälteschlafphasen befassen. -
Na das klang ja beruhigend.
- Wie... wie lange habe ich geschlafen? - presste ich hervor.
- Sie befanden sich 382 Jahre, 5 Monate und 14 Tage im Kälteschlaf, Supervisor. -


Hier bin ich mir nicht ganz sicher, ist es wirklich eine Person aus seiner Vergangenheit die ebenfalls im Hyperschlaf war, oder ist es vielleicht eine KI die all die Jahre über ihn gewacht hat?
Wenn es eine andere Person ist macht die präzise Angabe der vergangenen Zeit für mich wenig Sinn, da eine lebende Person wohl eher einen ungefähren Zeitraum angeben würde. Sollte es aber eine KI oder ähnliches sein könntest du den Unterschied mit wenig Aufwand deutlicher herausarbeiten, indem du sie auch noch Stunden, Minuten und Sekunden aufzählen lassen würdest.


Wickedz hat geschrieben:382 Jahre... ich rieb mir die Augen.


Genau das meine ich mit "eine lebende Person würde das nicht so präzise ausdrücken" :D


Wickedz hat geschrieben:Ich lag auf einer Bahre, darüber hing ein gewölbter Bildschirm wie eine altmodische Operationsleuchte.


Warum gerade eine "altmodische" Operationsleuchte. Ich finde das ist ein Bruch im Kontext. Zum einen hat der Protagonist keine Möglichkeit zu wissen was in DIESER Zeit altmodisch ist. Und auf der anderen Seite wäre doch anzunehmen das er als er sich in den Hyperschlaf begeben hat kaum zu einem Anbieter gegangen wäre dessen Equipment nicht State of the Art war.
Dieses "altmodisch" erscheint mir mehr wie eine Wertung durch den Autoren als durch den Icherzähler.


Wickedz hat geschrieben:Es war das Außengehäuse eines neuronalen Implantats. Es ermöglichte mir mit meiner technischen Umwelt in Kontakt zu treten. Heutzutage wurde es jedem Menschen eingepflanzt, sobald sein Körper ausgewachsen war, es war ein universelles Werkzeug geworden. Ich allerdings war schon fast vierzig, als dieses Modell Serienreife erlangte. Mein intuitives Körpergefühl hatte sich noch nicht ganz an den Fremdkörper gewöhnt, obwohl ich es schon mehr als fünf Jahre trug. Ich schmunzelte. Inzwischen waren es wohl sogar schon 388 Jahre. Was "Heutzutage" mittlerweile bedeutete, musste ich auch erst noch heraus finden.


Wie dein Erzähler ja selbst sagt hat er keine Ahnung was Heutzutage eigentlich ist. Ich finde an dieser Stelle verschwimmt etwas die Grenze zwischen dem Protagonisten der die Begebenheiten erlebt und dem Icherzähler der später von seinen Erlebnissen berichtet.
Du könntest vielleicht wieder den inneren Monolog anwenden. Das würde die Trennung für den Leser einfacher machen.


Wickedz hat geschrieben:- Bitte betreten sie nun die Schwerkraftschleuse, Supervisor. -


Schöner Cliffhanger, wie gehts weiter?
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Re: Der Tanz des Einbeinigen

Beitragvon Wickedz » 16.02.2015, 16:53

Hey Leute,
nach langer Inaktivität bin ich auch mal wieder hier. Schuld daran war vor allem mein Unwillen mir ein zehnstelliges Passwort mit Sonderzeichen auszudenken. HerrGesangsverein, danke für deinen Input, leider werde ich nicht mehr dazu kommen diesen Textteil zu überarbeiten, da ich mir mittlerweile eine ganz andere Herangehensweise an die Geschichte überlegt habe.
Ich schreibe schon eifrig an einem ersten Draft für die neue Version und werde demnächst mal den Anfang rein stellen.
Wickedz
 
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