[Spannung] Der verbrannte Mann

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung] Der verbrannte Mann

Beitragvon Flemeth » 17.06.2014, 16:15

„Sie träumen also immer noch stets denselben Traum.“

Es hörte sich nicht wie eine Frage an, daher erwiderte ich nichts. Gehörte vermutlich alles zur Therapie.

„Da sind auch einige Variablen, sagen Sie. Er beginnt nicht immer in ihrer Wohnung. Manchmal auch in der Wohnung ihrer Freundin oder im Haus ihrer Eltern.“

Er hatte die seltsame Angewohnheit, das eben Gesagte zu wiederholen. Komischerweise ärgerte es mich nicht, denn tief in mir wusste ich, dass er ein guter Psychiater war. Irgendwo, unter der käseweisen Haut und der enormen Hornbrille war ein Genie versteckt. Ich hatte auch mal so eine, fiel mir auf, bevor dieser Nerd-Trend kam. Es war seltsam, etwas mit Dr. Papousek gemeinsam zu haben.

„Aber es gibt stets nur eine einzige Konstante“, fuhr er fort. „Der verbrannte Mann.“

„Verbrannt wie ein Würstchen, das man am Grill vergessen hat“, sagte ich.

Dr. Papousek räusperte sich und blickte auf seine Aufzeichnungen. Ich fragte mich, was er dort wohl hingekritzelt hatte. Von meinem Platz sah es aus, wie eine wirre Skizze voll von Strichmännchen und Symbolen. Ich hätte lieber schweigen sollen. Jetzt würde er wieder zwei Minuten lang nach dem Gesprächsfaden suchen.

„Wir waren beim verbrannten Mann“, sagte ich kleinlaut.

„Ah?“, sagte er und blickte auf. Seine Brillengläser waren undurchsichtige runde Scheiben. „Ah, ja. Richtig, richtig. Sagen Sie, Sie nehmen doch ihre Tabletten regelmäßig? Die kapselförmigen?“

„Sie meinen die weißen, mit den zwei Einkerbungen?“

„Oh, ja, richtig. Das waren die weißen mit den … zwei Einkerbungen.“ Er griff sich an die Schläfen, so als erhalte er eine Eingebung aus dem Weltall. . „Ja-ja, in der Tat. Aber lassen Sie uns nochmal zu den Variablen zurückkommen. Haben Sie letzte Nacht wieder geträumt?“

„Ja.“

„Ja. Wo begann es diesmal?“

„Auf der Arbeit, in der Pizzeria.“

„Arbeit … Pizzeria …“ Sein Kopf neigte sich über seine Unterlagen und er machte einen Strich neben einem der Symbole. Er blickte wieder auf.

„Und der verbrannte Mann, der war ebenfalls da?“

„Ja, das war er. Und doch ... Ich glaube, dieses Mal war irgendetwas anders. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Diesmal hat er ...“

„Am besten, Sie erzählen alles von vorne. Den ganzen Traum, mit all seinen Einzelheiten.“

„Alles? Sie wissen aber, dass meine Träume immer sehr … lebensnah sind. Voller Details. Es könnte eine Weile dauern.“

„Eine Weile dauern. Ich weiß. Ich bin hier, um Ihnen zuzuhören.“

„Ich … Irgendwie hab ich vergessen, wie er begonnen hat.“

„Versuchen Sie sich zu erinnern. Was haben Sie gefühlt?“

Mir fiel ein weiteres Detail auf, dass Dr. Papousek und ich gemeinsam hatten. Wir hatten wohl beide nichts Besseres zu tun, an diesem sonnigen Dienstagnachmittag. Ich schloss die Augen, um mich besser zu konzentrieren. Ich wusste, das Dr. Papousek sich nicht daran störte. Er war ein guter Arzt, auch wenn er etwas komisch aussah. Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.

Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte. Ich hielt die Hitze in diesem Kabuff einfach nicht aus. Und der Ventilator – schon wieder hinüber. Noch sechs Stunden. Ich schloss die Augen und atmete tief ein. Dann noch diese seltsamen Tagträume von Dr. Papousek. Den würde ich ohnehin nie wieder aufsuchen. Nicht nach neulich, nachdem ich zu heulen begonnen hatte, weil .... Warum eigentlich? Sechs Stunden noch. Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in das Gesicht einer wütenden Bulldogge. Nein, Moment. Es war ein Mann. Ach ja, richtig. Da wollte doch irgendjemand was von mir.

„Bist du auf Drogen oder was, Bursche? Ich rede mit dir!“

„Verzeihung, was hatten Sie gesagt? Stimmt etwas nicht mit Ihrer Pizza?“

„Und ob was nicht stimmt, verdammich! Schon wieder nich‘ in Stücke geschnitten! Komm jeden verdammten Dienstag und Donnerstag hier her und bezahle teures Geld. Und dann schneidet ihr sie nicht mal in Stücke?“ Er öffnete die Pizzaschachtel und hielt mir das Ding unter die Nase.
„Da, siehst du's. Nichts geschnitten!“

Am besten man erwidert nichts in solchen Fällen. Es sei denn, man hat eine Ausbildung in Mediation oder dergleichen. Mein abgebrochenes Jura-Studium war hier keine große Hilfe. Ich langte nach dem Pizzarad – das heißt, ich langte an die Stelle wo es sein sollte, meine Hand schloss sich stattdessen um eine glitschige Tomatenscheibe. Formloser, roter Matsch klebte an meiner Handinnenfläche. Ich wischte mir die Finger an meiner Hose ab und bemerkte, wie der Kunde jeden meiner Handgriffe beobachtete. Ich glaube er erwartete, dass ich die Tomate wegwarf, doch ich tat nichts dergleichen.

„Eddie, wo zum- Wo ist das Pizzarad?“

Wo steckte der Kerl schon wieder? Manchmal könnte ich ihn erwürgen, aber er ist trotzdem so etwas, wie der einzige Freund, den ich bei Happy Man’s Pizza habe. Der Plastikvorhang hinter mir raschelte und der stellvertretende Geschäftsführer steckt seinen Kopf herein. Er sondierte die Situation mit angespanntem Grinsen, auf der Suche nach unglücklichen Kunden. Sein Name war Stefan Beck, oder auch Stefan -„Was, ein Buch? Pausen sind nicht zum Lesen da“-Beck

„Wunderschönen guten Tag, werter Herr! Ich sehe, Sie gönnen sich eine Pizza Hawaii - genau das richtige für einen paradiesischen Nachmittag bei Happy Man's Pizza.“

Er öffnete den Geschirrspüler, nahm zielsicher ein glänzend sauberes Pizzarad heraus und reichte es mir. Dabei sah er mich an, als würde mein Hirn nur aus drei grauen Zellen bestehen, von denen eine schon flackerte.

„Na los, Herr Weisz. Halten Sie den Mann nicht länger vom Pizzagenuss ab. Schneiden Sie los, schnipp-schnapp, hopp-hopp.“

Ich nahm das Rad entgegen und ließ es durch den fettigen Teig schlittern. Ich klappte die Schachtel zu – das Logo auf dem Deckel, das aussah wie Jack Nicholson in The Shining, nur mit einem Stück Pizza zwischen den Zähnen, grinste uns an- und reichte sie dem Kunden. Er drehte sich knurrend um und verließ den Laden.

„Keep Smiling – mit Happy Man’s Pizza“, rief Beck ihm nach.

Mir schoss ein Werbeslogan durch den Kopf – All work and no pizza makes Jack a dull boy. War das nicht genial? Ich musste Eddie davon erzählen.

„Hör zu, Timon. Du musst dich etwas mehr reinhängen, wenn du’s hier zu was bringen willst. Da – sieh“, er deutete auf das Schildchen, das an seiner Hemdsbrust festgemacht war. „Willst du auf deinem auch mal ein Photo drauf haben? Dann streng dich doch mal ein bisschen an, in Gottes Namen.“

„Stefan …“, begann ich, irgendeine ausweichende, feige Antwort auf den Lippen. Oder hatte ich vor, endlich zu kündigen und ihm meine Meinung zu sagen? Ich weiß es nicht. Und ich werde es vermutlich nie herausfinden. Die Türglocke bimmelte und wir wandten uns beide um.

Ein Mann hatte das Lokal betreten. Er trug einen langen, grauen Mantel. Seine dicken, muskulösen Oberarme spannten den Stoff. Sein Gesicht – krustig, schwarz. Wie poröses Lavagestein. Es war der verbrannte Mann.

In seiner rechten Hand blitzte etwas Metallenes auf. Er hob den Arm und richtete das Ding auf mich. Eine Waffe, natürlich. Warum nur erkannte ich es immer erst so spät? Stefan neben mir riss die Hände hoch, doch ich starrte nur in die gesichtslose Mündung der Pistole. Dann drückte er ab. Wie immer blickte ich auf meine Brust und sah ein rotes Loch darin. Wie immer spürte ich keinen Schmerz, doch ich torkelte einige Schritte rückwärts und prallte gegen den Geschirrspüler. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden.
Dann war sein Gesicht plötzlich ganz nahe an meinem, was keinen Sinn machte – er stand doch einige Meter entfernt an der Eingangstür.

„Du hast einen Anruf verpasst“, sagte er. Ich roch sein verbranntes Fleisch.

„Herr Weisz?“ Ein blasser Mann stand vor mir. Ich sah Brillengläser. „ Herr Weisz. Kommen Sie zu sich. Sie sind ja völlig weggetreten.“

„Dr. Papousek… Also sitze ich doch hier drin?“

„Nein, sie liegen am Boden. Kommen Sie“, er streckte einen Arm aus und ich griff danach. Zitternd kam ich auf die Beine. Papousek beäugte mich und ich sah mein Spiegelbild in seinen Augengläsern.

"Sie hatten wohl einen sehr intensiven Traum", sagte er.

Mein Mund schmeckte nach verbranntem Fleisch. Ein Anruf. Ein Anruf verpasst.

„Ich muss kurz-“ sagte ich, wankte zu meiner Tasche und fischte nach meinem Mobiltelefon. Meine Handgriffe waren fahrig, mein Herz war ein dicker, entzündeter Klumpen in meiner Kehle. Ich spürte glattes Plastik in meiner Hand und zog das Mobiltelefon heraus. 11 entgangene Anrufe. Verdammt, hatte ich etwa die ganze Zeit den Ton… Ich wählte die Nummer der Mailbox.

Timon, verdammt, was ist los? Mutter versucht schon den ganzen Tag dich ... Es geht um Esther. Sie ist vermutlich …Sie, sie haben ihre Leiche gefunden. Ruf zurück, sofort.

Ich starrte auf das Display. Ich weiß nicht wie lange ich darauf starrte.

„Wollen Sie die Sitzung beenden?“, fragte Papousek hinter mir.

Ich drehte mich um und fiel ihm in die Arme, ich konnte einfach nicht anders. Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. Er musste mich für verrückt halten. Vielleicht war ich das ja. Schließlich war ich sein Patient.

„Ist ja gut. Ist ja gut“, sagte er. Das Mitleid dieses verschrobenen, alten Mannes machte mich nur noch viel trauriger und plötzlich strömten die Tränen aus mir heraus, wie bei einem kleinen Kind, das sich das Knie aufgeschlagen hatte.

Nach einer Weile blickte ich auf. Dr. Papouseks Hemd glänzte vor Rotz und Wasser, aber ihn schien es nicht zu stören. Eine schleimiger Speichelfaden baumelte aus meinem Mund.

„Das ist kein Traum, oder?“, fragte ich.

Dr. Papousek schwieg eine Weile, als würde er ernsthaft darüber nachdenken. Schließlich holte er Atem und sagte:

„Nein. Ich fürchte, diesmal ist es kein Traum.“
Zuletzt geändert von Flemeth am 07.07.2014, 00:53, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon DrJones » 17.06.2014, 21:09

Hallo Flemeth,

Ich hatte gerade einen Schreikrampf, als ich Deinen Text las. Nein nein,
nicht weil er so schlecht wäre ... WEIT gefehlt, einfach, da der Akku meines
Handys leer war und es sich ausschaltete, als es in Deiner Story so spannend
wurde. Ich finde Deine Geschichte sehr spannend und atmosphärisch. Auch wie
mit den Realitätsebenen gespielt wird, ist richtig, richtig gut gemacht.

Wenn überhaupt, habe ich nur ein paar Fragen an Dich oder Anmerkungen, die aber
unterm Strich wohl nicht ins Gewicht fallen ...

„Sie sagen also, dass Sie immer und immer wieder denselben Traum haben.“

Es hörte sich nicht wie eine Frage an, daher erwiderte ich nichts. Gehörte vermutlich alles zur Therapie.


Gut, wie er hier den Arzt reflektiert. Mit einem Schuss Ironie?

„Aber er beinhaltet auch einige Variablen, sagen Sie. Er beginnt nicht immer in ihrer Wohnung. Manchmal auch in der Wohnung ihrer Freundin oder im Haus ihrer Eltern.“


Variablen ... erinnert mich an lineare Algebra. Vielleicht Varianten?
Variablen ist eigentlich auch ganz cool. Du schreibst ja später auch von Konstanten ...

Komischerweise ärgerte es mich nicht, dass ich ihn dafür bezahlte, das eben Gesagte zu wiederholen. Tief in mir wusste ich, dass er ein guter Psychiater war. Irgendwo, unter der käseweißen Haut und der enormen Hornbrille war ein Genie versteckt. Ich hatte auch mal so eine Brille, fiel mir auf, bevor dieser Nerd-Trend kam. Es war seltsam, etwas mit Dr. Papousek gemeinsam zu haben.


Richtig getippt. Er verspührt eine gewisse Ablehnung für den Arzt. Sarkasmus ...

„Aber es gibt stets nur eine einzige Konstante“, fuhr er fort. „Der verbrannte Mann.“

„Verbrannt wie ein Würstchen, das man am Grill vergessen hat“, sagte ich.


Dieser Bukowski-Style sagt mir sehr zu! :D :D

Dr. Papousek räusperte sich und blickte auf seine Aufzeichnungen. Ich fragte mich, was er dort wohl hingekritzelt hatte. Von meinem Platz sah es aus, wie eine wirre Skizze voll von Strichmännchen und Symbolen. Ich hätte lieber schweigen sollen. Jetzt würde er wieder zwei Minuten lang nach dem Gesprächsfaden suchen.


Sehr nachvollziehbare Gedankengänge eines Patienten. Stimmig.

„Wir waren beim verbrannten Mann“, sagte ich kleinlaut.

„Ah?“, sagte er und blickte auf. Seine Brillengläser waren undurchsichtige runde Scheiben. „Ah, ja. Richtig, richtig. Aber lassen Sie uns nochmal zu den Variablen zurückkommen. Haben Sie gestern nacht wieder geträumt?“

„Ja.“


Ich finde die Dialoge sehr "organisch", natürlich. Man spürt den dahinter stehenden Konflikt.


Er blickte wieder auf seine Aufzeichnungen und machte einen Strich neben einem der Symbole. Er blickte wieder auf.


Rätselhaft ... Erzeugt bei mir Interesse, Neugierde, was dieser Strich zu bedeuten hat. Ein Grill? 8)
Du beginnst beide Sätze mit "Er".

Mir fiel ein weiteres Detail auf, dass Dr. Papousek und ich gemeinsam hatten. Wir hatten wohl beide nichts besseres zutun,


"zu tun"?

Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.

Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte.


Genialer Übergang! :lol:

Der Ventilator – schon wieder hinüber.


Am Ende vielleicht besser ein Ausrufezeichen. Bin mir aber nicht sicher, ob es ihm gerade erst in diesem
Moment auffällt, oder, ob er's lediglich als Tatsache lakonisch sagt.

Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in das Gesicht einer wütenden Bulldogge. Nein, Moment. Es war ein Mann. Ach ja, richtig. Da wollte doch irgendjemand was von mir.


Bulldogge ist eine schöne Metapher. Mit:

Nein, Moment. Es war ein Mann.


habe ich ein bisschen meine Schwierigkeiten ... Es löst die Wirkung der Metapher wieder auf.

„Bist du auf Drogen oder was, Bursche? Ich rede mit dir!“


"Bursche" gefällt mir. Habe "Joyland" von Stephen King gelesen. Ein Typ auf dem Rummel
sagt darin immer "Bürschchen". Erinnert mich irgendwie daran.

„Und ob was nicht stimmt, verdammich! Schon wieder nich‘ in Stücke geschnitten! Komm jeden verdammten Dienstag und Donnerstag hier her und bezahle teures Geld. Und dann schneiden sie sie nicht mal in Stücke?“ Er öffnete die Pizzaschachtel und hielt mir das Ding unter die Nase.
„Da, sehen Sie’s. Nichts geschnitten!“


Wieder dieser Bukowski-Style. Das ist schön geschrieben! :lol:

... meine Hand schloss sich stattdessen um eine glitschige Tomatenscheibe. Formloser, roter Matsch klebte an meiner Handinnenfläche. Ich wischte meine Finger an meiner Hose ab und bemerkte, wie der Kunde jeden meiner Handgriffe beobachtete.


Wir kommen hier wieder auf das Motiv des Schmelzens. Sehr nett ... :lol:

Ich glaube, er erwartete, dass ich die Tomate wegwarf, doch ich tat nichts dergleichen.



Natürlich war Eddie wieder nirgendwo zu sehen.


--> Wo war der Typ nur wieder?

Stefan Beck, oder auch Stefan -„Was, ein Buch? Pausen sind nicht zum Lesen da“-Beck


Kann ich mir gut vorstellen diesen Stefan. Wie er so durch den Plastikvorhang sah, fand ich ihn ne Spur zu freundlich. Geschmackssache. :wink:

„Wunderschönen guten Tag! Ich sehe, Sie gönnen sich eine Pizza Funghi, werter Herr. Sind wir nicht alle manchmal ein bisschen Funghi?“


Wieso redet der so mit dem Kunden? Den letzten Satz verstehe ich nicht. An wen richtet der sich?

Dabei sah er mich an, als würde mein Hirn nur aus drei grauen Zellen bestehen, von denen eine schon flackerte.


Sehr guter Vergleich. :lol:

„Na los, Herr Weisz. Halten Sie den Mann nicht länger vom Pizzagenuss ab. Schneiden Sie los, schnipp-schnapp, hopp-hopp.“


Was soll ich sagen? :lol:

Ich nahm das Rad entgegen und ließ es durch den fettigen Teig schlittern. Ich klappte die Schachtel zu – das Logo auf dem Deckel, das aussah wie Jack Nicholson in The Shining, nur mit einem Stück Pizza zwischen den Zähnen, grinste uns an- und reichte sie dem Kunden. Er drehte sich knurrend um und verließ den Laden.


Also, mit Deinem Text hier hast Du echt den Vogel abgeschossen. Ehrfürchtig verbeug :2thumbs:

„Keep Smiling – mit Happy Man’s Pizza“, rief Beck ihm nach.


Scheint auch n' lockerer Typ zu sein ...

Mir schoss ein Werbeslogan durch den Kopf – All work and no pizza makes Jack a dull boy. War das nicht genial? Ich musste Eddie davon erzählen.


Der Slogan klingt ganz gut. :)

" ... Dann streng dich, in Gottes Namen, doch etwas an.“


Runder fänd ich's so: " ... Dann streng dich doch mal 'n bisschen an, in Gottes Namen!

Ich bin mir unsicher über meine Meinung in Bezug auf diesen Stefan. Ist er ein Fiesling, ganz nett ... ?

Ich weiß es nicht mehr. Denn weiter kam ich nicht.


Bringt mich ein kleines Stück aus der Stimmung. Vielleicht liegt es am Wort "mehr".

Die Türglocke bimmelte und wir beide wanden uns um.


"wandten"?

Der verbrannte Mann hatte das Lokal betreten.


Fällt mir eine Spur zu sehr ins Haus. Vielleicht so?:

Da stand er. Der Verbrannte!

Er hob eine Hand, etwas Metallenes blitzte darin auf. Er richtete die Waffe auf mich und


Besser: eine Waffe, da zuvor noch nicht mal klar war, was es ist.


„Du hast einen Anruf verpasst“, sagte er. Ich roch sein verbranntes Fleisch.

„Herr Weisz?“ Ein blasser Mann stand vor mir. Ich sah Brillengläser. „ Herr Weisz. Kommen Sie zu sich. Sie sind ja völlig weggetreten.“


Krasser Übergang. :lol:

„Dr. Papousek… Also sitze ich doch hier drin?“

„Nein, sie liegen am Boden. Kommen Sie“, er streckte einen Arm aus und ich griff danach. „Ich muss-“ sagte ich, stürzte zu meiner Tasche und nahm mein Handy heraus. 11 entgangene Anrufe. Verdammt, hatte ich etwa die ganze Zeit den Ton… Ich wählte die Nummer der Mailbox.


Er greift mir hier zu schnell zum Handy. Hätte ihm vielleicht noch etwas mehr Zeit gegeben,
sich zu sammeln.

„Timon, verdammt, was ist los? Mutter versucht schon den ganzen Tag dich ... Es geht um Esther. Sie ist vermutlich …Sie, sie haben ihre Leiche gefunden. Ruf zurück, sofort.“


Würde ich ohne die Anführungszeichen schreiben. Besser alles kursiv.

Ich starrte auf das Display. Ich weiß nicht, wie lange ich darauf starrte.



Ich drehte mich um und fiel ihm in die Arme, ich konnte einfach nicht anders. Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. Er musste mich für verrückt halten. Vielleicht war ich das ja. Schließlich war ich sein Patient.


Hier erscheint mir der Protagonist etwas weiblich. Ist aber völlig okay! Er macht das eben.

, wie bei einem kleinen Kind, das sich das Knie aufgeschlagen hatte.


Passt eigentlich ganz gut. Eine Spur zu naheliegend dieser Vergleich. :o

Ich blickte zu ihm auf. Eine schleimige Speichelschnur spannte sich zwischen meinem Mund und Dr. Papouseks Hemd. Es war dunkel vor Rotz und Wasser.


schleimige Speichelschnur spannte --> "langer Speichelfaden hing" oder auch "schleimige Speichelschnur hing". Das "spannte" oder das "hing" ...

„Das ist kein Traum, oder?“, fragte ich ihn.

Dr. Papousek schwieg eine Weile, als würde er ernsthaft nach Hinweisen suchen, ob wir uns in einem Traum befanden oder nicht. Schließlich holte er Atem und sagte:


Gute Idee. Ich würde das mit dem Arzt so abändern:

Dr. Papousek schwieg eine Weile, als würde er ernsthaft darüber nachdenken. Schließlich holte er Atem und sagte:

Warum diese Änderung? Es kam mir wie eine Doppelung vor. "Das ist kein Traum, oder?" und dann
"ob wir uns in einem Traum befanden oder nicht"

Wie denkst Du darüber?

„Nein. Ich fürchte, diesmal ist es kein Traum.“


Spooky! Was meint er? Geht die Story weiter? Was ist die Auflösung dieser Geschichte?
Wusste der Arzt, das mit der Nachricht auf der Mailbox? Wieso sagt er sowas?

Also diese Geschichte war sehr stimmungsvoll, erinnerte mich an Polanski und Bukowski.
Irgendwie herrlich zwielichtig!
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Flemeth » 18.06.2014, 13:24

Hey Dr. Jones,

wow, vielen Dank für deinen super anschaulichen Kommentar! Ich hab mich sehr gefreut! :froi: Fast alle deiner Fragen/Anmerkungen betreffen Stellen, bei denen ich mir selbst noch nicht ganz sicher war, ob das so passt/verständlich ist.

Variablen ... erinnert mich an lineare Algebra. Vielleicht Varianten?
Variablen ist eigentlich auch ganz cool. Du schreibst ja später auch von Konstanten ...


Oh je, erwischt. Ich kenn mich nicht sehr gut mit Mathe aus. Ich hab nach einem Begriff, für etwas gesucht, das innerhalb einer Sequenz veränderlich ist, also, im Gegensatz zu bestimmten Fixpunkten, immer anders sein kann. Und nach einer kleinen Recherche hat mir der Begriff Variable ganz gut gefallen. Kann man Konstante als Gegenstück zu Variable sehen?

Dieser Bukowski-Style sagt mir sehr zu!


Ich mag Bukowski auch sehr gerne! Obwohl ich erst ein Buch von ihm (sein bekanntestes) und ein paar Kurzgeschichten gelesen habe. Sein Stil ist einfach genial. :love:

Rätselhaft ... Erzeugt bei mir Interesse, Neugierde, was dieser Strich zu bedeuten hat. Ein Grill?
Du beginnst beide Sätze mit "Er".


Ein Grill? Ja, könnte hinkommen. :) Ja, stimmt, die beiden „Ers“ lesen sich nicht gut. Auch zweimal „wieder“ ist mir grad aufgefallen. Danke, für den Hinweis!

"zu tun"?

Stimmt!

Der Ventilator – schon wieder hinüber.


Am Ende vielleicht besser ein Ausrufezeichen. Bin mir aber nicht sicher, ob es ihm gerade erst in diesem
Moment auffällt, oder, ob er's lediglich als Tatsache lakonisch sagt.


Hm.. Jetzt bin ich mir auch nicht mehr so sicher. Ich glaube, eher zweites. Vielleicht ist’s dann besser, wenn ich den Satz mit „Und“ beginne, sodass es praktisch zur Aufzählung wird, was ihn gerade stört.

Bulldogge ist eine schöne Metapher. Mit:

Nein, Moment. Es war ein Mann.


habe ich ein bisschen meine Schwierigkeiten ... Es löst die Wirkung der Metapher wieder auf.


Ja, das könnte ich tatsächlich rausnehmen, vor allem weil dann später (hoffentlich) klar wird, dass es sich nicht wirklich um eine Bulldogge handelt.

"Bursche" gefällt mir. Habe "Joyland" von Stephen King gelesen. Ein Typ auf dem Rummel
sagt darin immer "Bürschchen". Erinnert mich irgendwie daran.


Ja, „Bürschchen“ ist auch prima! :D Oh, Mann, „Joyland“ muss ich unbedingt auch noch lesen. Ich wart nur noch drauf, bis sie es endlich in der Bücherei haben. :bg:

Natürlich war Eddie wieder nirgendwo zu sehen.


--> Wo war der Typ nur wieder?


Ja, hast Recht! Dann spar ich mir auch das zweimalige „Eddie“ und es ist liest sich mehr wie ein innerer Monolog.

Wieso redet der so mit dem Kunden? Den letzten Satz verstehe ich nicht. An wen richtet der sich?


Hm, das war eigentlich so gedacht, dass er den Kunden durch einen lockeren Spruch etwas von seiner Wut ablenken will. Ursprünglich hatte ich da stehen:
„Ich sehe, Sie gönnen sich eine Pizza Al Capone, werter Herr. In uns allen steckt doch ein kleiner Al Capone, nicht wahr?“
Das kam mir dann aber irgendwie zu unnatürlich vor, und ich hab's kurzerhand auf Funghi geändert. Ich muss nochmal drüber nachdenken, auf jeden Fall Danke, für den Hinweis darauf, dass das ein bisschen schief gegangen ist.

„Na los, Herr Weisz. Halten Sie den Mann nicht länger vom Pizzagenuss ab. Schneiden Sie los, schnipp-schnapp, hopp-hopp.“


Was soll ich sagen?


Hoffentlich was Gutes? :-D

Mir schoss ein Werbeslogan durch den Kopf – All work and no pizza makes Jack a dull boy. War das nicht genial? Ich musste Eddie davon erzählen.


Der Slogan klingt ganz gut.


Ja, nicht? :XD:

Runder fänd ich's so: " ... Dann streng dich doch mal 'n bisschen an, in Gottes Namen!“


Stimmt auch wieder. Du hast, kommt mir so vor, ein sehr gutes Gespür für „runde“ Dialoge, daher nehme ich den Vorschlag dankend an!

Ich bin mir unsicher über meine Meinung in Bezug auf diesen Stefan. Ist er ein Fiesling, ganz nett ... ?


Hm, dieser Stefan… Ich würde sagen, weder noch. Ich sehe ihn als einen dieser ambitionierten, Mitarbeiter-des-Monats-Typen, dem es sehr wichtig ist, was andere, bes. die Kunden und der Vorgesetzte, von ihm denken, der aber dabei nicht unbedingt über Leichen (seiner Kollegen) geht, aber trotzdem nur ein sehr oberflächliches Verhältnis zu ihnen hat.
Was meinst du? Soll ich ihn eher in Richtung „nett“ oder „Fiesling“ schwenken lassen, weil man ihn sonst nicht so richtig nachvollziehen kann?

Die Türglocke bimmelte und wir beide wanden uns um.


"wandten"?


Ups…

Der verbrannte Mann hatte das Lokal betreten.


Fällt mir eine Spur zu sehr ins Haus. Vielleicht so?:

Da stand er. Der Verbrannte!

Er hob eine Hand, etwas Metallenes blitzte darin auf. Er richtete die Waffe auf mich und


Besser: eine Waffe, da zuvor noch nicht mal klar war, was es ist.


Ja, der Absatz mit dem Verbrannten wirkt etwas zusammengestaucht. Ich wollte die dumme Wortbeschränkung hier nicht noch mehr ausreizen, deswegen hab ich da ein bisschen gekürzt. Werde es aber wieder ausbauen, da es, wie dein Kommentar mir zeigt, beim Lesen negativ auffällt!

Er greift mir hier zu schnell zum Handy. Hätte ihm vielleicht noch etwas mehr Zeit gegeben,
sich zu sammeln.


Hast Recht. Hat auch wieder mit der doofen1000 – Wort – Regel zutun. Werde ich ändern.

„Timon, verdammt, was ist los? Mutter versucht schon den ganzen Tag dich ... Es geht um Esther. Sie ist vermutlich …Sie, sie haben ihre Leiche gefunden. Ruf zurück, sofort.“


Würde ich ohne die Anführungszeichen schreiben. Besser alles kursiv.


Wird gemacht!

Ich starrte auf das Display. Ich weiß nicht, wie lange ich darauf starrte.

Ich drehte mich um und fiel ihm in die Arme, ich konnte einfach nicht anders. Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. Er musste mich für verrückt halten. Vielleicht war ich das ja. Schließlich war ich sein Patient.


Hier erscheint mir der Protagonist etwas weiblich. Ist aber völlig okay! Er macht das eben.


Ja, tja, er ist auch nur ein Mensch.

, wie bei einem kleinen Kind, das sich das Knie aufgeschlagen hatte.


Passt eigentlich ganz gut. Eine Spur zu naheliegend dieser Vergleich.


Hm… Zu naheliegend? Dann vielleicht, ein Kind, dem man den Lolly geklaut hat? Nein, das ist auch doof. Ich werd nochmal drüber nachdenken. Ich wollte auf jeden Fall das „kleine Kind“ einbauen, um zu zeigen, dass sich der Erzähler hier sehr hilflos und jung vorkommt.

schleimige Speichelschnur spannte --> "langer Speichelfaden hing" oder auch "schleimige Speichelschnur hing". Das "spannte" oder das "hing" ...


Ja, da muss ich nochmal herumbasteln, stimmt. Das spannte ist irgendwie nicht so das Wahre…

Gute Idee. Ich würde das mit dem Arzt so abändern:

Dr. Papousek schwieg eine Weile, als würde er ernsthaft darüber nachdenken. Schließlich holte er Atem und sagte:

Warum diese Änderung? Es kam mir wie eine Doppelung vor. "Das ist kein Traum, oder?" und dann
"ob wir uns in einem Traum befanden oder nicht"

Wie denkst Du darüber?


Ich denke darüber so: Sehr guter Vorschlag! Wirkt gleich wieder etwas weniger holprig. Die Doppelung ist nicht sehr schön und so kann ich sie ausbügeln. Danke!

Spooky! Was meint er? Geht die Story weiter? Was ist die Auflösung dieser Geschichte?
Wusste der Arzt, das mit der Nachricht auf der Mailbox? Wieso sagt er sowas?


Ja, geplant ist eine kurze Geschichte, wobei das hier sozusagen der Einstieg ist. Ich weiß nur noch nicht, ob ich noch weitere Teile hier reinstelle, da ja das Interesse bei Titeln die „Teil 2“, „Teil 3“ etc. beinhalten schon sehr stark abflaut. Mal sehen… Hiermit ist die Geschichte, aber jedenfalls noch nicht aufgelöst.

Also nochmal: Dein Kommentar hat mich echt sehr gefreut und mir außerdem noch geholfen. Sehr viel danke.

Ich hoffe, man liest sich wieder und freue mich, das sich im „Spannendes“-Forum endlich mal ein bisschen was tut!

Lg, Flemeth
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon LoriPecuretho » 02.07.2014, 14:20

Hallo Flemeth,

sehr spannend deine Geschichte und gut geschrieben! Als Leser möchte ich nach dem Ende gerne weiterlesen, was ja prinzipiell immer eine gute Sache ist ;)

Den ersten Kommentar habe ich nur überflogen, deshalb hoffe ich, dass ich nichts wiederhole.

„Sie träumen also immer noch stets denselben Traum.“
Es hörte sich nicht wie eine Frage an, daher erwiderte ich nichts. Gehörte vermutlich alles zur Therapie.

Richtig guter Einstieg. Man ist direkt in der Szene und weiß trotzdem schon nach den ersten beiden Sätzen, worum es im Groben geht.

„Aber er beinhaltet auch einige Variablen, sagen Sie.

Das hört sich unrund an mit den Variablen. Wobei das Wort schon irgendwie passt… Das Problem könnte die Kombination mit „beinhaltet“ sein. Das hört sich so an, als ob es in dem Traum thematisch um Variablen ginge. Vielleicht besser: „Aber es gibt da auch einige Variablen / variable Punkte“

Irgendwo, unter der käseweisen Haut und der enormen Hornbrille war ein Genie versteckt.

Das Komma kann weg. Ansonsten sehr schön bildliche Beschreibung ;)

„Aber es gibt stets nur eine einzige Konstante“

Hier fängt der Dr. wieder den Satz mit „Aber“ an. Ich würde es oben weg lassen. Hier passt es besser.

„Verbrannt wie ein Würstchen, das man am Grill vergessen hat“, sagte ich.

Schön, dass er seinen Traum so entspannt lakonisch betrachten kann. :D

„Oh, ja, richtig. Das waren die weißen mit den … zwei Einkerbungen.“ Er griff sich an die Schläfen, so als erhalte er eine Eingebung aus dem Weltall.

:lol: Ein vertrauenswürdiger Typ der Dr. Wer wäre da nicht gern in Behandlung? ;)

Mir fiel ein weiteres Detail auf, dass Dr. Papousek und ich gemeinsam hatten. Wir hatten wohl beide nichts besseres zutun, an diesem sonnigen Dienstagnachmittag.

„das“ hier nur mit einem s, „Besseres“ groß und „zu tun“ auseinander

Er war ein guter Psychologe,

Oben schreibst du „Psychiater“. Ich bin mir nicht ganz sicher: Muss man Psychologe sein, wenn man Psychiater ist? Oder gibt es da auch andere Bildungswege? ;) Dann würde ich lieber bei dem Begriff Psychiater bleiben.

Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.
Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte.

Sehr schöner Übergang :) Und man fragt sich, was real ist und was Traum…

Tagträume über Dr. Papousek

Man träumt eher „von“ etwas würde ich sagen.

teures Geld

Kann Geld teuer sein? evtl. besser "gutes Geld".

Am Besten man erwidert nichts in solchen Fällen.

„besten“ hier klein, weil du „am“ nicht durch „an dem“ ersetzen kannst

Dabei sah er mich an, als würde mein Hirn nur aus drei grauen Zellen bestehen, von denen eine schon flackerte.

Eine meiner Lieblingsstellen! :lol:
Zitternd kam ich auf die Beine. Papousek beäugte mich und ich sah mein Spiegelbild in seinen Augengläsern.

Augengläser?

„Ich muss kurz-“ sagte ich, wankte zu meiner Tasche und fischte nach meinem Mobiltelefon. Meine Handgriffe waren fahrig, mein Herz war ein dicker, entzündeter Klumpen in meiner Kehle. Ich spürte glattes Plastik in meiner Hand und zog das Mobiltelefon heraus. 11 entgangene Anrufe. Verdammt, hatte ich etwa die ganze Zeit den Ton… Ich wählte die Nummer der Mailbox.


Die ganze Stelle mit dem verbrannten Mann und besonders diese Aufwachsituation finde ich sehr gut geschrieben. Du setzt viele Details ein, sodass man sich richtig in die Situation einfühlen kann.

„Nein. Ich fürchte, diesmal ist es kein Traum.“


Gutes, schlüssiges Ende (knüpft an den ersten Satz der KG an). Eine Aufklärung, was mit Esther geschehen ist, wer sie war, ob sie verbrannt ist, ob der Prota was damit zu tun hat usw. wäre natürlich schön (für ggfs. eine Fortsetzung), die Geschichte hat aber auch so ein vernünftiges Ende und man hat nicht das Gefühl, dass mittendrin abgebrochen wurde.

Dein Schreibstil gefällt mir, vor allem die ironisch-lustige Denkweise des Protas. Bin gespannt auf mehr :)

LG
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Flemeth » 07.07.2014, 01:09

Hallo Lori!

Danke dir für deinen Kommentar!

sehr spannend deine Geschichte und gut geschrieben! Als Leser möchte ich nach dem Ende gerne weiterlesen, was ja prinzipiell immer eine gute Sache ist ;)

Das freut mich!

Den ersten Kommentar habe ich nur überflogen, deshalb hoffe ich, dass ich nichts wiederhole.

Macht nix, auch Wdh sind für mich hilfreich, denn dann merke ich eventuell, dass da wirklich was nicht ganz in Ordnung ist.

Hier fängt der Dr. wieder den Satz mit „Aber“ an. Ich würde es oben weg lassen. Hier passt es besser.

Das stimmt, ich hab das erste Aber jetzt weggemacht.

„das“ hier nur mit einem s, „Besseres“ groß und „zu tun“ auseinander


Der Satz ist echt eine Rechtschreib-Katastrophe! :oops: Ich nix können deutsch schreiben.

Oben schreibst du „Psychiater“. Ich bin mir nicht ganz sicher: Muss man Psychologe sein, wenn man Psychiater ist? Oder gibt es da auch andere Bildungswege? ;) Dann würde ich lieber bei dem Begriff Psychiater bleiben.

Ja, in der Tat.... Ich wollte hier eher auf das psychologische Element des Psychiaterseins hindeuten, aber ich stimme dir zu, das ist nicht ganz so gut. Ich werde ws. einfach Arzt schreiben oder beim Psychiater bleiben. Danke, du hast sehr genau gelesen!

Man träumt eher „von“ etwas würde ich sagen.

Hast recht.

Augengläser?

Ja, als Synonym zu Brille. Wollte nicht immer Brille schreiben.

Gutes, schlüssiges Ende (knüpft an den ersten Satz der KG an). Eine Aufklärung, was mit Esther geschehen ist, wer sie war, ob sie verbrannt ist, ob der Prota was damit zu tun hat usw. wäre natürlich schön (für ggfs. eine Fortsetzung), die Geschichte hat aber auch so ein vernünftiges Ende und man hat nicht das Gefühl, dass mittendrin abgebrochen wurde.

Diese Bemerkung freut mich sehr. Es gibt sogar schon eine Fortsetzung, allerdings kann von Aufklärung da (noch?) keine Rede sein.

Danke, für deine Hilfe und dafür, dass du dir Zeit genommen hast! :)

Lg, Flemeth
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Erich » 08.07.2014, 16:07

Hallo Flemeth! :D

Auch ich möchte dir gerne einen Kommentar zu deiner Geschichte schreiben, die ich wirklich spannend finde und mich auch neugierig gemacht hat, wie sie weiter geht. Jedoch haben mich ein paar Dinge gestört und auf die möchte ich mich in meinem Kommentar konzentrieren.

Eine Kleinigkeit zu Beginn:

„Ah?“, sagte er und blickte auf. Seine Brillengläser waren undurchsichtige runde Scheiben. „Ah, ja. Richtig, richtig. Sagen Sie, Sie nehmen doch ihre Tabletten regelmäßig? Die kapselförmigen?“

„Sie meinen die weißen, mit den zwei Einkerbungen?“

„Oh, ja, richtig. Das waren die weißen mit den … zwei Einkerbungen.“ 


Ein Arzt würde hier immer den Namen der Tabletten gebrauchen, die er verschrieben hat. Würde mir gegenüber ein Arzt mit „Die kapselförmigen“ anfangen, würde ich ihn fragen, ob er den Namen nicht mehr weiß und - egal was er mir antwortet - nachher den Arzt wechseln. Arbeite hier mit Namen: Cipralex, Praxiten, Paroxat …

http://psylex.de/psychopharmaka/antidep ... liste.html

Das was ich wirklich problematisch an deinem Text finde, ist dass du zu viel erzählst und es nicht zeigst. „Show, don't tell“. Hier ein paar Beispiele:

Er hatte die seltsame Angewohnheit, das eben Gesagte zu wiederholen.


Lass es ihn einfach machen, du brauchst es dem Leser nicht extra sagen.

Komischerweise ärgerte es mich nicht, denn tief in mir wusste ich, dass er ein guter Psychiater war.


Hier würde ich auch zeigen, dass er ihn für einen guten Therapeuten hält. Vielleicht durch einen Blick oder etwas dergleichen.

Ich wusste, das Dr. Papousek sich nicht daran störte. Er war ein guter Arzt, auch wenn er etwas komisch aussah. Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.


Wenn der Protagonist weiß, dass sich der Arzt nicht daran stört, brauchst du es eigentlich nicht zu erwähnen, weil es die Geschichte nicht wirklich weiter bringt. Ich würde auch nicht schreiben, dass er komisch aussah. Beschreibe ihn einfach, aber mach das, indem du ihn sich seine labbrige Haut z. B. kratzen lässt und sich der Protagonist fragt, ob der Arzt die Krätze hat. Der Leser muss dann selbst erkennen, dass er komisch aussieht, du brauchst dem Leser nicht sagen, „Der sieht komisch aus!“.

Ein Mann hatte das Lokal betreten. Er trug einen langen, grauen Mantel. Seine dicken, muskulösen Oberarme spannten den Stoff. Sein Gesicht – krustig, schwarz. Wie poröses Lavagestein. Es war der verbrannte Mann.


Das ist wirklich reines Erzählen. Bau die Dinge in die Handlung ein. :?

Ich roch sein verbranntes Fleisch. 


Den Satz finde ich in der Hinsicht echt problematisch, denn das Erste, was ich mich als Leser frage, ist, wie es roch und wie es auf den Protagonisten wirkt. Ein Beispiel:

Der Gestank seines verbrannten Fleisches machte mich beinahe wahnsinnig.

Auch wenn der Satz dir vielleicht zu plakativ ist, haben wir hier die zwei Sachen. Wir wissen einmal, dass er es roch. Aber wir wissen auch wie es roch. Es stank. Und wir wissen auch wie es auf ihn gewirkt hat. Es machte ihn fast Wahnsinnig.

Das andere Problem, das mir aufgefallen ist, ist das Amerikanische in deiner Geschichte. Wir schauen uns amerikanische Filme an und lesen amerikanische Literatur (Stephen King Shining ← und ich liebe den Roman und den Film), aber wir leben nicht in Amerika und werden die Amerikaner nie aus erster Hand erleben.

„Keep Smiling – mit Happy Man’s Pizza“, rief Beck ihm nach.


Sowas gibt es in Österreich nicht, denn normalerweise sind die Leute, die in diesen Lokalen arbeiten zum größten Teil Migranten und wir haben eigentlich auch kaum diese Pizza-Ketten. Was ich sagen will ist, schreib über die Sachen, die du kennst. Schreib lieber über die Art, wie sich die Leute bei MC Donalds am Schwedenplatz verhalten, statt über irgendeine Fast-Food-Kette in Amerika, denn das wirst du nie so beherrschen, wie es ein Amerikaner tut. Ich denke es ist überhaupt besser, sich an österreichischen oder deutschen Schriftstellern zu orientieren und diese zu lesen, als die amerikanischen, die ins Deutsche übersetzt werden.

Mir hat einiges auch wirklich gefallen an der Geschichte, z. B. finde ich den Übergang wirklich gelungen.

und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.

Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte. Ich hielt die Hitze in diesem Kabuff einfach nicht aus


Auch fand ich den verbrannten Mann gruselig und wollte – und will – wissen, was es mit ihm
auf sich hat. Ich hoffe meine Kritik ist nicht zu hart, aber ich wollte mich hier auf die Dinge konzentrieren, die mich gestört haben. Und natürlich sind das nur Vorschläge. :)

LG :D
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Flemeth » 09.07.2014, 23:38

Hey Erich,

danke, dass du dir Zeit genommen hast meinen Text zu lesen & zu kommentieren. Ich versuche mal auf einige deiner Punkte einzugehen, aber ich glaube jetzt schon, dass mir das irgendwie schwer fallen wird… Das meiste hab ich einfach nicht verstanden.

Ein Arzt würde hier immer den Namen der Tabletten gebrauchen, die er verschrieben hat. Würde mir gegenüber ein Arzt mit „Die kapselförmigen“ anfangen, würde ich ihn fragen, ob er den Namen nicht mehr weiß und - egal was er mir antwortet - nachher den Arzt wechseln. Arbeite hier mit Namen: Cipralex, Praxiten, Paroxat …


Aber … :roll: das ist doch der „Witz“ an der Sache. Der Arzt ist eben etwas durch den Wind.

Das was ich wirklich problematisch an deinem Text finde, ist dass du zu viel erzählst und es nicht zeigst. „Show, don't tell“. Hier ein paar Beispiele:


Hm, „show, don’t tell“, oft gehört, nie wirklich verstanden, was daran so toll sein soll. Das endet doch meist in mit Adjektiven überladenen Beschreibungen.


Er hatte die seltsame Angewohnheit, das eben Gesagte zu wiederholen.


Lass es ihn einfach machen, du brauchst es dem Leser nicht extra sagen.


Das ist eigentlich ein guter Einwand, daran habe ich auch schon gedacht. Danke!

Hier würde ich auch zeigen, dass er ihn für einen guten Therapeuten hält. Vielleicht durch einen Blick oder etwas dergleichen.


Ein Blick kann für mich nicht ausdrücken, ob jemand einen Arzt für gut oder schlecht hält. Außerdem schreibe ich aus der ich-Perspektive, der Erzähler wird/kann hier nicht seine eigenen Blicke beschreiben.

Wenn der Protagonist weiß, dass sich der Arzt nicht daran stört, brauchst du es eigentlich nicht zu erwähnen, weil es die Geschichte nicht wirklich weiter bringt. Ich würde auch nicht schreiben, dass er komisch aussah. Beschreibe ihn einfach, aber mach das, indem du ihn sich seine labbrige Haut z. B. kratzen lässt und sich der Protagonist fragt, ob der Arzt die Krätze hat. Der Leser muss dann selbst erkennen, dass er komisch aussieht, du brauchst dem Leser nicht sagen, „Der sieht komisch aus!“.

Hm… kein schlechter Einwand eigentlich. Aber es kam mir hier sehr natürlich vor, dass der Erzähler so etwas denkt. Der Leser bekommt die Geschichte zum Großteil durch die Gedanken des Protagonisten mit, und die sind eben nicht immer so ausformuliert. Ich finde, das macht auch ein bisschen den "Charme" an der Geschichte aus, gerade bei Ich-Perspektiven.

Ein Mann hatte das Lokal betreten. Er trug einen langen, grauen Mantel. Seine dicken, muskulösen Oberarme spannten den Stoff. Sein Gesicht – krustig, schwarz. Wie poröses Lavagestein. Es war der verbrannte Mann.


Das ist wirklich reines Erzählen. Bau die Dinge in die Handlung ein.


Das ist einfach eine Personenbeschreibung. Verstehe den Einwand gar nicht, sorry.

Ich roch sein verbranntes Fleisch.


Den Satz finde ich in der Hinsicht echt problematisch, denn das Erste, was ich mich als Leser frage, ist, wie es roch und wie es auf den Protagonisten wirkt. Ein Beispiel:


Hm… Ich finde nicht, dass ich zu ALLEM was der Protagonist sieht, hört oder sonst wie wahrnimmt sofort seine Gedanken dazu hinten anhängen muss. Wie sieht das dann bei einem Dialog aus. Muss ich da dann schreiben, wie jedes Wort, das man zu ihm sagt, auf ihn wirkt? Und das verbranntes Fleisch stinkt ... das muss ich wirklich nicht extra erwähnen.

Das andere Problem, das mir aufgefallen ist, ist das Amerikanische in deiner Geschichte. Wir schauen uns amerikanische Filme an und lesen amerikanische Literatur (Stephen King Shining ← und ich liebe den Roman und den Film), aber wir leben nicht in Amerika und werden die Amerikaner nie aus erster Hand erleben.

Sowas gibt es in Österreich nicht, denn normalerweise sind die Leute, die in diesen Lokalen arbeiten zum größten Teil Migranten und wir haben eigentlich auch kaum diese Pizza-Ketten. Was ich sagen will ist, schreib über die Sachen, die du kennst. Schreib lieber über die Art, wie sich die Leute bei MC Donalds am Schwedenplatz verhalten, statt über irgendeine Fast-Food-Kette in Amerika, denn das wirst du nie so beherrschen, wie es ein Amerikaner tut. Ich denke es ist überhaupt besser, sich an österreichischen oder deutschen Schriftstellern zu orientieren und diese zu lesen, als die amerikanischen, die ins Deutsche übersetzt werden.


Ähm … okay. Ich weiß nicht wirklich, wo ich da anfangen soll, denn ich stimme dir in so gut wie gar keinem Punkt zu. Ich versuch mal mich kurz zu fassen.

Du findest es zu amerikanisch, wenn ich Jack Nicholson erwähne? Sorry, aber mir ist gerade kein vergleichbarer österreichischer Schauspieler mit irrem Mördergrinsen eingefallen, der den meisten Lesern ein Begriff sein sollte. Vorschläge?

Und die Erwähnung von The Shining? Das ist einfach eine Popkultur, die in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist, ich seh da überhaupt keine Probleme, wenn ich hier ein paar Verweise auf solche Sachen einstreue. (Ich fand den Film übrigens auch gut, das Buch war eher eine Enttäuschung).

Was noch? Die Fastfood-Kette, die ich mir ausgedacht habe? Du findest es also wirklich relevant, ob die Szene in einem Laden spielt in dem Burger und Pommes statt Pizza verkauft werden und ich soll dabei gleichzeitig noch Schleichwerbung für McDonalds machen (Hm, vielleicht ganz rentabel…)? Naja, ich finde, das ist - tut mir Leid - vollkommener Unfug. Ich kann meine Geschichte nicht daran anpassen, ob in Österreich McDonalds beliebter ist als PizzaHut oder was weiß ich. Es geht um die PIZZA! :lol: Ich will PIZZA in meiner Geschichte!
Ich kann und will auch nicht über den Schwedenplatz schreiben, denn die Geschichte spielt nicht in Wien.

Was meinst du, mit: „Das werde ich nie so beherrschen, wie es ein Amerikaner tut“ ? Was genau? Mir ein Streitgespräch zwischen Kunden, Angestellten und Geschäftsführern vorzustellen?

Ja, und das mit den Migranten... Nein, dazu sag ich mal gar nichts.

Es ist besser, sich an österreichischen und deutschen Schriftstellern zu orientieren und diese zu lesen … Äh. Nein. Einfach nur nein. Ich suche mir meine literarischen Vorbilder nicht nach ihren Nationalitäten aus. Das sollte wirklich niemand tun.

Mir hat einiges auch wirklich gefallen an der Geschichte, z. B. finde ich den Übergang wirklich gelungen.

Okay… zumindest das. Danke für die Almosen! :lol:

Auch fand ich den verbrannten Mann gruselig und wollte – und will – wissen, was es mit ihm
auf sich hat. Ich hoffe meine Kritik ist nicht zu hart, aber ich wollte mich hier auf die Dinge konzentrieren, die mich gestört haben. Und natürlich sind das nur Vorschläge.


Das passt schon so. Auch, wenn sich meine Antwort etwas patzig anhört, ich hab mit einem Schmunzeln auf den Lippen in die Tastatur gehackt auf der Tastatur rum getippt. Und mit Emoticons wird alles besser. :) :) :) :evil: :)
Nein, im Ernst, es hilft mir, die verschiedensten Sichten auf meinen Text zu bekommen, auch wenn ich, wie hier, mit 98% nicht einverstanden bin. 2% sind auch was.

Danke, trotzdem, für die Zeit, die du dir genommen hast.

Lg, Flemeth
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Erich » 10.07.2014, 17:02

Hallo Flemeth, :)

ich gestehe dir deine Meinung natürlich zu, aber das „Show, don't tell“ gehört wirklich zu den schriftstellerischen Basics und hat nichts mit Adjektiven zu tun, die man – wie du eh weißt – sparsam gebrauchen sollte. Ich hab dir das hier rausgesucht:


Zeigen durch handeln

Die äußere und innere Charakterisierung ihrer Figuren lässt sich anschaulich über eine Handlung entwickeln. Betten Sie ihre Schilderung in eine Handlung ein, so bleibt sie im Gedächtnis des Lesers länger haften, ist die Figur in einer Situation in Aktion, erfasst der Leser darüber indirekt auch Aspekte des Wesens der Figur. Vielleicht kommen auch ihre Gefühle und Gedanken darin zum Ausdruck und das Bild rundet sich beiläufig Schritt für Schritt. Wollen Sie beispielsweise die dichten schwarzen Haare einer Figur in Szene setzen, lassen Sie die Figur sich kämmen oder einen Hut aufsetzen, wobei die dichten schwarzen Haare durchscheinen.

Jeden Abend bürstete Melissa ihr dichtes schwarzes Haar einhundert Mal. Zuvor rieb sie ihre Bürste mit ein paar Tropfen Sesamöl ein, das mache die Haare geschmeidig, hatte ihr ihre Schulfreundin geraten.

Zeigen durch sprechen

Mit der Darstellung der Gefühle Ihrer Figuren verhält es sich ebenso. Auch hier mögen wir nicht lesen: „Karin war wütend.“ Karins Wut kann sich auf vielgestaltige Art äußern: Sie kann mit Dingen um sich werfen, sie kann zum Kühlschrank laufen, sich die Schnapsflasche greifen und einen großen Schluck daraus nehmen, sie kann acht Kilometer joggen, sie kann ihren Hund prügeln oder sie kann sich selbst verletzen.
Aber Karin kann ihre Wut auch in einem Dialog zum Ausdruck bringen. Der Grund für Karins Wut ist, dass ihr Mann nicht zum verabredeten Zeitpunkt zu Hause war. Sie haben Hochzeitstag und Karin hat ein sorgsam ausgewähltes Menü vorbereitet. Wie spricht sie ihren Mann an, als dieser endlich in der Tür steht und das Essen bereits in seinem einzelnen Atome zerfallen ist? Das Naheliegende ist, dass sie mit der Tür ins Haus fällt.

Ich habe drei Stunden am Herd gestanden, und wofür? Für nichts und wieder nichts. Das Essen ist dir egal und meine Gefühle auch. Sowieso scheine ich dir völlig gleichgültig zu sein!

© Kreatives Schreiben Brockhaus


Das mit dem Amerikanischen sei genauso dir überlassen – so wie natürlich der gesamte Umgang mit deinem Text. Das Problem mit dieser Literatur ist einfach, dass du ja eigentlich nie Stephen King liest. Du liest den Typen, der Stephen King ins Deutsche übersetzt hat. Hier macht es einfach einen Unterschied, ob ich als deutschsprachiger Schriftsteller von Bernhard, Jelinek, Glavinic, Glattauer lerne oder von dem Typen der Stephen King ins Deutsche übersetzt hat. Wenn du einen englischen Autor im Original liest, fällt dir auch auf, was da für Welten zwischen dem Original und der Übersetzung liegen (auch wenn es gute Übersetzungen gibt). Besonders bei Gedichten merkst du das stark.

Im Endeffekt sind es natürlich nur Vorschläge und man kann es immer anders machen und man muss aus dem „ Show, don't tell“ auch kein Dogma machen, aber man sollte es schon im Hinterkopf haben … :)

LG :D
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Flemeth » 10.07.2014, 19:01

Hallo Erich,

ich wollte mich nur kurz bedanken, für deine Antwort und muss dabei das Risiko eingehen, dass mein Kommentar gelöscht wird, denn er hat nicht mehr wirklich viel mit meinem Text zu tun.

Das Beispiel, das du gewählt hast, um mir „show, don’t tell“ näher zu bringen, ist wirklich sehr gut gewählt! Danke, dass du das extra rausgesucht hast. Ich will auch keineswegs bestreiten, dass das was da erläutert wird auf die eine oder andere Weise „richtig“ ist.

Aber deswegen ist es auch kein Wunderelixier. Regeln dürfen ab und zu gebrochen werden, ohne, dass gleich jemand mit dem Finger raufzeigt und „show, don’t tell“ ruft oder auf irgendeine andere unumstößliche Regel hinweist. Wenn sich jeder immer an alle schriftstellerischen Regeln halten würde, gäbe es doch am Ende nur mehr lauter annähernd gleiche Sachen. Die von dir genannte Jelinek zB hält sich doch teilweise nicht mal an Rechtschreibregeln.

Und ich hab grad zufällig ein Glavinic-Buch vor mir liegen (nicht meins, denn ich mag ihn gar nicht), er schreibt:

Der Mann war in weiß gekleidet, Leinensakko, Bundfaltenhose, Halbschuhe. Er hatte einen Kurzhaarschnitt, er war schlecht rasiert, um den Hals und am Handgelenk trug er ein Goldkettchen.

Da. Das ist doch mindestens genauso „problematisch“ wie meine Beschreibung des verbrannten Mannes.

Oder ein anderes Beispiel, ein Ausschnitt aus einem Paul Auster-Roman:

Sie ist ein kleines, nicht so beeindruckendes Geschöpf wie ihre Mutter, mit kurzen braunen Haaren, dünnen Handgelenken, schmalen Schultern und wachsamen, flinken Augen. […] Nein, kein hübsches Mädchen, ziemlich unscheinbar, und doch interessant anzuschauen: das winzige Kinn, die lange Nase, die runden Wangen, der ausdrucksvolle Mund.

Die „ganz Großen“ dürfen das also machen, dann darf ich das auch.

Also … wie du schon angemerkt hast: Man soll kein Dogma draus machen :) Gut gesagt.

Zu deiner Anmerkung, mit den aus dem englischen übersetzten Büchern: Ja, das stimmt! Da liegen echt oft Welten dazwischen. Ich hab es gerade selbst wieder bemerkt, als ich sowohl die englische als auch die deutsche Ausgabe eines Richard Powers-Buches gelesen habe. Teilweise echt erschütternd, was das Übersetzerpaar da draus gemacht hat (zB Beau Brummell mit Narziss übersetzt :shock:) Deswegen lese ich auch, so oft es geht, die Bücher in Originalsprache.

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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Quixotiz » 27.07.2014, 10:15

Hallo Flemeth,

ich habe deinen Text bereits vor ein oder zwei Wochen gelesen. Nun möchte ich ihn endlich kommentieren. Die Fortsetzung kenne ich noch nicht.

Was den Inhalt und die Spannung anbelangt, hat mir dein Text sehr! gut gefallen. Die Form finde ich noch ausbaufähig.

Da bei mir der Inhalt an erster Stelle steht, lautet mein Fazit: Daumen hoch. Lass dich nicht davon irritieren, dass ich so viel Kritik mit gebracht habe. Abgesehen davon, dass ich unter Umständen mit allem, was ich sage, falsch liege, bedeutet mein Kommentar nichts anderes als: Der Text ist zwar so schon nicht schlecht, aber ich sehe noch Potenzial zur Verbesserung.

Bevor ich deine Geschichte zerpflücke, möchte ich noch mal Erichs Kritik aufgreifen:

Zu der Amerikanisierung. Als ich den Text zum ersten mal las, fiel mir diese Sache auch unangenehm auf bzw. kam mir das Amerikanische etwas seltsam vor. Beim zweiten Lesen störte es mich nicht mehr so sehr.
Ich siedle die Geschichte allerdings nicht in Amerika an. Ich habe dieses Restaurant eher als deutschen Abklatsch empfunden. Das Einzige was mich an der Sache deshalb stört, ist der Werbeslogan. Und ist es nicht der Werbeslogan, dann sind es die Namen, die allesamt nicht amerikanisch klingen.
Also, meine Meinung: Restaurant okay, Werbeslogan auf Englisch stört (wenn es damit keine Bewandtnis hat).
Die Einflechtung des Shining-Charakters hat mich nicht gestört. Ich würde daran nichts ändern.

Was das Show don’t tell angeht, muss ich Erich recht geben. Leider. Hat nichts mit Erich zu tun, aber da mir dein Text grundsätzlich gefallen hat, hätte ich dir gern zugestimmt ;) Geht aber nicht. Es gibt so einige Stellen in deinem Text, denen durch das bloße „tell“ die Lebendigkeit flöten geht. Ich persönlich finde das sehr schade.
Ich halte show don’t tell auch nicht für eine Regel, sondern vielmehr für das, was den Unterschied zwischen Erzählen und Berichten ausmacht. Das Erzählungen mitunter auch berichtende Passagen enthalten dürfen, ist klar.
Der erste von dir angeführt Auszug (ich kenne keines der beiden Bücher) erscheint mir ziemlich dürftig, aber ob diese Beschreibung gut oder schlecht ist, hängt von dem Kontext ab, in dem sie steht.
Das zweite Beispiel ist schon besser, denn es enthält auf jeden Fall „Show don’t tell“-Elemente. Diese Regel hat m.E. nämlich nicht nur mit dem Inhalt zu tun, sondern auch mit der Dynamik eines Textes. Die Beschreibung des Mädchens ist sehr dynamisch.

Ich will hier aber nicht nur ins Blaue lamentieren. Ich gehe gleich noch (an den entsprechenden Stellen) auf diesen Punkt ein.

Also, Deckung rauf, es geht los:

„Sie träumen also immer noch stets denselben Traum.“

Es hörte sich nicht wie eine Frage an, daher erwiderte ich nichts. Gehörte vermutlich alles zur Therapie.



Erster Satz. Problem: „immer noch“ und „stets“ die Bedeutung dieser beiden Ausdrücke deckt sich zwar nicht zu 100% aber doch stark genug, als das du eines von beiden streichen solltest. (ich würde das „stets“ streichen)

Zweiter Satz. Hier kommt etwas zum Tragen, was mir bei deinem Text häufiger aufgefallen ist. Du schipperst gerne um die einfachsten und offensichtlichsten Formulierungen herum. Das macht den Text zuweilen schwammig.
„Es hörte sich nicht wie eine Frage an“
Es ist nicht „es“ was sich nicht wie eine Frage anhört, sondern es ist „Dieser Satz“ der sich nicht wie eine Frage anhört. Du findest wahrscheinlich, dass das doof klingt „Der Satz klang nicht nach einer Frage“ oder „Dieser Satz hatte sich nicht wie eine Frage angehört“?, aber es trifft die Sache besser als „es“.

Dritter Satz: Gehörte vermutlich alles… - über diesen Satz kann man sich streiten. Ich mag diese Auslassung von Artikeln (oder Personalpronomen, auch gern genommen), um einen lässigen Tonfall zu erzeugen, nicht so gern. Gerade am Anfang, wenn sich die Stimme des Erzählers gerade erst entfaltet, würde ich darauf verzichten, es sei denn, du gestaltest den ganzen Text so.


„Da sind auch einige Variablen, sagen Sie. Er beginnt nicht immer in ihrer Wohnung. Manchmal auch in der Wohnung ihrer Freundin oder im Haus ihrer Eltern.“

Er hatte die seltsame Angewohnheit, das eben Gesagte zu wiederholen. Komischerweise ärgerte es mich nicht, denn tief in mir wusste ich, dass er ein guter Psychiater war. Irgendwo, unter der käseweisen Haut und der enormen Hornbrille war ein Genie versteckt. Ich hatte auch mal so eine, fiel mir auf, bevor dieser Nerd-Trend kam. Es war seltsam, etwas mit Dr. Papousek gemeinsam zu haben.


Ich habe ein Problem mit dem Psychiater/Psychologen/Therapeuten. Ich bin mir nicht sicher, wie und als was du ihn darstellen möchtest. Das ist schon mal schlecht. Der Erzähler betont des Öfteren, dass er ein guter Psychiater sein soll. Ich weiß nicht, ob er das ironisch meint? Mir kommt er sehr unfähig vor. Seine Wortwahl klingt nicht nach Psychiater, weder nach einem Kompetenten, noch nach einem Fahrigen. Seine Satzstruktur ist nicht besonders, das heißt, deine Satzstruktur hakt bei den Dialogen oft noch. Ich habe das Gefühl, du bemühst dich zu krampfhaft um den guten literarischen Ton.
Aber bevor ich noch mal etwas zu dem Dialog sage (dazu brauche ich noch den nächsten Absatz) erst noch mal etwas zu den paar Form-Fehlern, die es in diesem Abschnitt meiner Meinung nach gibt.

1. „Da sind auch einige Variablen, sagen sie“ - es müsste heißen: Es gibt auch Variablen, sagen Sie. (Die Variablen sind m.E. richtig gewählt (nicht, dass ich Ahnung von Mathe hätte ;))
2. „Er hatte die seltsame Angewohnheit“ – diese Angewohnheit ist nicht wirklich seltsam und da das „seltsam“ zweimal in dem Absatz vorkommt würde ich es streichen. Deine Geschichte ist auch so seltsam, du brauchst deren Seltsamkeit nicht so oft betonen.
3. „Komischerweise“ – dasselbe wie eben, es ist nicht komisch, dass es ihn nicht stört, wenn er davon ausgeht, dass er ein guter Psychiater ist, sondern völlig einleuchtend.
4. „Irgendwo unter der käseweißen Haut … usw.“ – hier: Unschöne Satzstellung. Mögliche Alternative: Irgendwo unter der käseweißen Haut und der enormen Hornbrille, versteckte sich ein Genie.
5. „Ich hatte auch mal so eine, fiel mir auf…usw.“ – Show don’t tell die Erste. Einfach nur das „fiel mir auf“ streichen und schon wirkt der Satz weniger berichtend, sprich lebendiger/dynamischer.
6. Achtung Lob :P: Schön, dass er die Gemeinsamkeiten seltsam findet. Das gefällt mir.


„Aber es gibt stets nur eine einzige Konstante“, fuhr er fort. „Der verbrannte Mann.“

„Verbrannt wie ein Würstchen, das man am Grill vergessen hat“, sagte ich.

Dr. Papousek räusperte sich und blickte auf seine Aufzeichnungen. Ich fragte mich, was er dort wohl hingekritzelt hatte. Von meinem Platz sah es aus, wie eine wirre Skizze voll von Strichmännchen und Symbolen. Ich hätte lieber schweigen sollen. Jetzt würde er wieder zwei Minuten lang nach dem Gesprächsfaden suchen.


1. Schon wieder „stets“ (Füllwort)
2. „Der verbrannte Mann“ – müsste heißen: Den verbrannten Mann.
3. „… das man am Grill vergessen hat“ – müsste m.E. heißen: Das man auf dem Grill vergessen hat.
4. Die Symbole gefallen mir gut. Was ich nicht verstanden habe, war dieser paradoxe Einschub am Ende, dass der Patient meint, er hätte lieber Schweigen sollen. Ich weiß nicht, ob es Absicht war, dass das keinen Sinn ergibt ;)


Jetzt noch mal zu dem Dialog:


Deine wörtliche Rede, sieht ohne Einschübe so aus:


„Sie träumen also immer noch stets denselben Traum …
Da sind auch einige Variablen, sagen Sie. Er beginnt nicht immer in ihrer Wohnung. Manchmal auch in der Wohnung ihrer Freundin oder im Haus ihrer Eltern …
Aber es gibt stets nur eine einzige Konstante (“, fuhr er fort. „) Der verbrannte Mann.“


Ich kann dir natürlich auch keinen seriösen Psychiater liefern (ich würde mich eher zum Patienten eigenen :lol: ). Ich kann aber versuchen, dir zwecks Veranschaulichung, zu zeigen, wie ich es für etwas besser hielte. Dass meine Variante dann wirklich besser sein wird als deine, kann ich nicht garantieren.


Beispiel 1:

„Sie haben immer noch den selben Traum…
Sie sagten, es gäbe Variablen. So beginnt der Traum nicht immer in ihrer Wohnung. Manchmal setzt das Geschehen auch in der Wohnung ihrer Freundin oder in dem Haus ihrer Eltern ein. Es gibt nur eine einzige Konstante. Den verbrannten Mann.“


Ist dasselbe in Grün nur Blau.
Ich habe aber auch Probleme mit den Sinnzusammenhängen in diesem Abschnitt, denn du sprichst von Variablen, nennst aber nur eine einzige, nämlich den Handlungsort.


Beispiel 2:

Sie haben also immer noch den selben Traum.
Beim letzten Mal, erzählten sie mir, dass es in diesem Traum eine Variable gibt. So beginnt er nicht immer in ihrer Wohnung, sondern manchmal auch in der Wohnung ihrer Freundin oder in dem Haus ihrer Eltern. Es gibt jedoch eine Konstante, sagten sie, die unabhängig vom Ort des Geschehens auftaucht. Den verbrannten Mann.


Mein Beispiel ist nicht besser als deine Vorgabe, ich habe sie nur leicht abgewandelt und die Sätze mehr in Bezug zu einander gestellt. Das muss dir jetzt nicht gefallen ;) Ich wollte nur zeigen, dass man, sofern man dies möchte, dadurch, dass man ganz wenige, kleine Dinge ändert, den ganzen Ton so verändern kann, dass die wörtliche Rede stringenter wirkt.


Weiter im Programm:

„Wir waren beim verbrannten Mann“, sagte ich kleinlaut.

„Ah?“, sagte er und blickte auf. Seine Brillengläser waren undurchsichtige runde Scheiben. „Ah, ja. Richtig, richtig. Sagen Sie, Sie nehmen doch ihre Tabletten regelmäßig? Die kapselförmigen?“

„Sie meinen die weißen, mit den zwei Einkerbungen?“

„Oh, ja, richtig. Das waren die weißen mit den … zwei Einkerbungen.“ Er griff sich an die Schläfen, so als erhalte er eine Eingebung aus dem Weltall. . „Ja-ja, in der Tat. Aber lassen Sie uns nochmal zu den Variablen zurückkommen. Haben Sie letzte Nacht wieder geträumt?“

„Ja.“


Ich habe nicht verstanden, warum der Patient den Therapeuten an den Gegenstand ihres Gesprächs erinnert, weil der Therapeut gar nicht hat durchblicken lassen, dass er den Faden verloren hat.

„Seine Brillengläser waren…“ – Show don’t tell die Zweite. Du hast Augen bzw. einen Blick(blickte) eine Brille und Brillengläser. Da fragt man sich vielleicht zurecht, warum du beides nicht miteinander verbindest oder die Beschreibung der undurchsichtigen Brillengläser nicht mit einer Handlung verbindest, auch das wäre „zeigen statt erklären“. (Ich nenne hier nur Beispiele, ob du das Prinzip nun bei diesem oder erst beim nächsten Satz anwendest, ist egal, so lange du es nur anwendest. Es muss also nicht dieser Satz sein ;)

Die Sache mit den Tabletten überzeugte mich auch nicht. Spar dir doch wenigstens diesen Zusatz „Die Kapselförmigen“, so was würde kein Psychiater sagen, auch nicht, wenn er zehnmal durch den Wind ist. Ich weiß auch gar nicht, warum er die Medikamente überhaupt erwähnt, an dieser Stelle. Das wirkt ein bisschen konstruiert.
Bei dem Dialog geht es dann weiter wie bisher, kein roter Faden, auch kein roter Faden der Verwirrung, sondern es ist einfach nur ein hin und her, eben waren wir da, jetzt sind wir hier. Sieht man an der Satzzusammenstellung: „Aber lassen Sie uns noch mal zu den Variablen zurückkommen. Haben Sie letzte Nacht wieder geträumt?“
Ich muss mir die Gedanken verrenken, um folgen zu können, weil du einfach nicht auf den Punkt kommst. Logisch wäre, dass der Dr. zuerst fragt: Haben sie auch letzte Nacht wieder geträumt? Und dann einfach fortfährt, mit seiner Frage: Wo hat sich der Traum diesmal abgespielt?


„Ja. Wo begann es diesmal?“

„Auf der Arbeit, in der Pizzeria.“

„Arbeit … Pizzeria …“ Sein Kopf neigte sich über seine Unterlagen und er machte einen Strich neben einem der Symbole. Er blickte wieder auf.

„Und der verbrannte Mann, der war ebenfalls da?“

„Ja, das war er. Und doch ... Ich glaube, dieses Mal war irgendetwas anders. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Diesmal hat er ...“

„Am besten, Sie erzählen alles von vorne. Den ganzen Traum, mit all seinen Einzelheiten.“

„Alles? Sie wissen aber, dass meine Träume immer sehr … lebensnah sind. Voller Details. Es könnte eine Weile dauern.“

„Eine Weile dauern. Ich weiß. Ich bin hier, um Ihnen zuzuhören.“

„Ich … Irgendwie hab ich vergessen, wie er begonnen hat.“

„Versuchen Sie sich zu erinnern. Was haben Sie gefühlt?“


1. „Wo begann es diesmal“ – da ist es wieder, das „es“ ;)
2. „Sein Kopf neigte sich“ – mögliche Alternative: Er neigte seinen Kopf (weiß aber nicht, ob das wirklich besser ist)
3. „Der verbrannte Mann, der war ebenfalls da?“ – mögliche Alternative: Der verbrannte Mann war ebenfalls da?
4. „Und doch… Ich glaube, dieses Mal“ – Unschön ist das „und doch“. Wenigstens das „und“ würde ich streichen.
5. „Am Besten sie erzählen alles von Vorne“ – Unschöne Formulierung, wegen dem Wort „alles“.
6. Der Einschub über die Detailverliebtheit des Patienten, erschloss sich mir nicht. Das klang für mich eher so, als wollte die Autorin in Wahrheit uns Leser vorwarnen :lol:


Mir fiel ein weiteres Detail auf, dass Dr. Papousek und ich gemeinsam hatten. Wir hatten wohl beide nichts Besseres zu tun, an diesem sonnigen Dienstagnachmittag. Ich schloss die Augen, um mich besser zu konzentrieren. Ich wusste, das Dr. Papousek sich nicht daran störte. Er war ein guter Arzt, auch wenn er etwas komisch aussah. Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.

Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte. Ich hielt die Hitze in diesem Kabuff einfach nicht aus. Und der Ventilator – schon wieder hinüber. Noch sechs Stunden. Ich schloss die Augen und atmete tief ein. Dann noch diese seltsamen Tagträume von Dr. Papousek. Den würde ich ohnehin nie wieder aufsuchen. Nicht nach neulich, nachdem ich zu heulen begonnen hatte, weil .... Warum eigentlich? Sechs Stunden noch. Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in das Gesicht einer wütenden Bulldogge. Nein, Moment. Es war ein Mann. Ach ja, richtig. Da wollte doch irgendjemand was von mir.


Zum ersten Absatz nur eine kleine Anmerkung: „um mich besser zu konzentrieren“ – müsste heißen: Um mich besser konzentrieren zu können.

Zweiter Absatz, wieder ein bisschen Show don’t tell.
Den ersten Satz stelle ich mal in Frage. Er ist schon okay, so wie du ihn geschrieben hast, aber der gewiefte Leser fragt sich schon, wie sich so ein Schmelzen der Haut anfühlt. Und damit ist man schon beim Kern des Problems. Du hast diese Traumatmosphäre wirklich gut getroffen, auch wenn es für meinen Geschmack noch etwas surrealer hätte sein können ;) Aber, du erzählst hier einen Traum, dass heißt, der Erzähler, erzählt einen Traum aus der Ich-Perspektive. Doch du lässt den Erzähler diesen Traum nicht erleben, sondern es klingt oft so, als erzähle er ihn sich selbst.

Beispiel: „Ich hielt die Hitze in dem Kabuff einfach nicht aus.“ - hier berichtest du. Besser wäre: „Die Hitze in diesem Kabuff war unerträglich“ – „Es war unerträglich heiß, in diesem Kabuff“ – „Mein Gott, war das heiß, in diesem Kabuff! Es war nicht zum aushalten“ – so oder so ähnlich.

Um das ganze noch ein bisschen „showiger“ zu machen, würde es schon reichen, wenn du das Brutzeln einer Pfanne erwähnst, einen glühenden Ofen oder dem Protagonisten einfach nur eine Bratklatsche in die Hand drückst, was auch immer, irgendetwas, was man mit Hitze verbindet. Dasselbe gilt, wenn es heißt „und atmete tief ein“. Wonach riecht es da?

Noch ein Beispiel:
„Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in das Gesicht…“
Derselbe Satz, leichte Abwandlung, andere Wirkung: „Als ich meine Augen wieder öffnete, blickte ich in das Gesicht…“

Schade übrigens, dass du die Erklärung mit dem Mann hinten dran hängst. 1. Ich bin sowieso nicht davon ausgegangen, das es sich bei der Bulldogge um einen Hund handelt und 2. Selbst wenn…. ;)

- „Dann noch diese seltsamen Tagträume… “ – warum „dann noch“?
- „nicht nach neulich, nachdem ich zu heulen begonnen hat“ –das ergibt keinen richtigen Sinn, schwer zu erklären. Das „nachdem“ bezieht sich auf „nach neulich“, also: „nach neulich, als“, wäre wahrscheinlich die bessere Variante (ich würde aber lieber den ganzen Satz neu schreiben).


„Bist du auf Drogen oder was, Bursche? Ich rede mit dir!“

„Verzeihung, was hatten Sie gesagt? Stimmt etwas nicht mit Ihrer Pizza?“

„Und ob was nicht stimmt, verdammich! Schon wieder nich‘ in Stücke geschnitten! Komm jeden verdammten Dienstag und Donnerstag hier her und bezahle teures Geld. Und dann schneidet ihr sie nicht mal in Stücke?“ Er öffnete die Pizzaschachtel und hielt mir das Ding unter die Nase.
„Da, siehst du's. Nichts geschnitten!“

Am besten man erwidert nichts in solchen Fällen. Es sei denn, man hat eine Ausbildung in Mediation oder dergleichen. Mein abgebrochenes Jura-Studium war hier keine große Hilfe. Ich langte nach dem Pizzarad – das heißt, ich langte an die Stelle wo es sein sollte, meine Hand schloss sich stattdessen um eine glitschige Tomatenscheibe. Formloser, roter Matsch klebte an meiner Handinnenfläche. Ich wischte mir die Finger an meiner Hose ab und bemerkte, wie der Kunde jeden meiner Handgriffe beobachtete. Ich glaube er erwartete, dass ich die Tomate wegwarf, doch ich tat nichts dergleichen.


1. „was hatten sie gesagt“ – müsste lauten: Was haben Sie gesagt?
2. Die Antwort des Kunden hat für mich keinen Sinn ergeben. Liegt vielleicht an mir.
3. Die Sache mit dem Jurastudium, hat mich nicht überzeugt oder war das ironisch gemeint?
4. Wieder ein bisschen Show don’t tell: „ich langte an die Stelle wo es sein sollte“ – würde ich streichen, nicht nur um das doppelte „langen“ zu vermeiden.
Sparst du dir diese Erklärung, wirkt alles gleich viel lebendiger. (Dass das Rad nicht da ist, wo es sein soll, verstehen wir Leser schon, wenn er stattdessen in eine Tomate grabscht ;))
5. Wieder show don’t tell: „und bemerkte, wie der Kunde“ – einfach schreiben: Der Kunde beobachtete jeden meiner Handgriffe“. Das ständige merken und glauben ist überflüssig.
6. Ich glaube, er erwartete – weg mit dem Glauben. Zumal du hier einen Traum beschreibst und somit sowieso schreiben darfst, was du willst.
Das „glauben“ hat eine Abschwächende Wirkung, schade um den schönen Tomatensatz!


„Eddie, wo zum- Wo ist das Pizzarad?“

Wo steckte der Kerl schon wieder? Manchmal könnte ich ihn erwürgen, aber er ist trotzdem so etwas, wie der einzige Freund, den ich bei Happy Man’s Pizza habe. Der Plastikvorhang hinter mir raschelte und der stellvertretende Geschäftsführer steckt seinen Kopf herein. Er sondierte die Situation mit angespanntem Grinsen, auf der Suche nach unglücklichen Kunden. Sein Name war Stefan Beck, oder auch Stefan -„Was, ein Buch? Pausen sind nicht zum Lesen da“-Beck

„Wunderschönen guten Tag, werter Herr! Ich sehe, Sie gönnen sich eine Pizza Hawaii - genau das richtige für einen paradiesischen Nachmittag bei Happy Man's Pizza.“

Er öffnete den Geschirrspüler, nahm zielsicher ein glänzend sauberes Pizzarad heraus und reichte es mir. Dabei sah er mich an, als würde mein Hirn nur aus drei grauen Zellen bestehen, von denen eine schon flackerte.

„Na los, Herr Weisz. Halten Sie den Mann nicht länger vom Pizzagenuss ab. Schneiden Sie los, schnipp-schnapp, hopp-hopp.“


1. „Er ist trotzdem so etwas wie der einzige Freund“ – ich würde ihn einfach den einzigen Freund bei Happy Man‘s Pizza sein lassen.
Ich weiß zwar, was „so etwas wie ein Freund“ ist, aber „so etwas wie ein einziger Freund“, diese Formulierung erschließt sich mir nicht.
2. „sondierte die Situation“ – müsste heißen: sondierte die Lage.
3. „nach unglücklichen Kunden“ – besser: „nach unzufriedenen Kunden“
4. Die Wörtliche Rede des Stefan Beck, klingt m.E. durchgehend zu gekünstelt, entweder du schwächst das etwas ab oder gehst richtig in die Vollen. Frage: Warum sagt er „Schnipp-schnapp“, wo sie doch keine Schere benutzen? (ich weiß, ich bin schlimm)



Ich nahm das Rad entgegen und ließ es durch den fettigen Teig schlittern. Ich klappte die Schachtel zu – das Logo auf dem Deckel, das aussah wie Jack Nicholson in The Shining, nur mit einem Stück Pizza zwischen den Zähnen, grinste uns an- und reichte sie dem Kunden. Er drehte sich knurrend um und verließ den Laden.

„Keep Smiling – mit Happy Man’s Pizza“, rief Beck ihm nach.

Mir schoss ein Werbeslogan durch den Kopf – All work and no pizza makes Jack a dull boy. War das nicht genial? Ich musste Eddie davon erzählen.

„Hör zu, Timon. Du musst dich etwas mehr reinhängen, wenn du’s hier zu was bringen willst. Da – sieh“, er deutete auf das Schildchen, das an seiner Hemdsbrust festgemacht war. „Willst du auf deinem auch mal ein Photo drauf haben? Dann streng dich doch mal ein bisschen an, in Gottes Namen.“


1. Entweder: Ich ließ das Rad durch den fettigen Teig schlittern (du musst nicht jede Regung und jedes Entgegennehmen erwähnen) Oder du streichst das „entgegen“ und lässt das Rad einfach durch den Teig schlittern ohne die berichtende Form „Ich ließ es“
2. „Er drehte sich knurrend um“ – mögliche Alternative: Er verließ knurrend den Laden.
3. Bezieht sich auf 2. Hier sind zu viele „unds“
„entgegen und ließ“
„grinste uns an – und reichte“
„knurrend um und verließ“


„Stefan …“, begann ich, irgendeine ausweichende, feige Antwort auf den Lippen. Oder hatte ich vor, endlich zu kündigen und ihm meine Meinung zu sagen? Ich weiß es nicht. Und ich werde es vermutlich nie herausfinden. Die Türglocke bimmelte und wir wandten uns beide um.

Ein Mann hatte das Lokal betreten. Er trug einen langen, grauen Mantel. Seine dicken, muskulösen Oberarme spannten den Stoff. Sein Gesicht – krustig, schwarz. Wie poröses Lavagestein. Es war der verbrannte Mann.

In seiner rechten Hand blitzte etwas Metallenes auf. Er hob den Arm und richtete das Ding auf mich. Eine Waffe, natürlich. Warum nur erkannte ich es immer erst so spät? Stefan neben mir riss die Hände hoch, doch ich starrte nur in die gesichtslose Mündung der Pistole. Dann drückte er ab. Wie immer blickte ich auf meine Brust und sah ein rotes Loch darin. Wie immer spürte ich keinen Schmerz, doch ich torkelte einige Schritte rückwärts und prallte gegen den Geschirrspüler. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden.
Dann war sein Gesicht plötzlich ganz nahe an meinem, was keinen Sinn machte – er stand doch einige Meter entfernt an der Eingangstür.[/



1. „Oder hatte ich vor ….“ – falsche Reihenfolge, erst die Meinung, dann die Kündigung ;)
2. „Ich weiß es nicht. Und werde es vermutlich nie herausfinden“ - weg damit, zu reflektierend für einen Traum. Sollte das irgendeine Botschaft des Unterbewusstseins sein, müsstest du das anders verpacken. Würde ich zumindest sagen.
3. Seine dicken, muskulösen Oberarme spannten den Stoff“ 1. „dicke“ streichen. 2. Müsste es m.E. heißen: Unter seinen muskulösen Oberarmen spannte sich der Stoff…“
4. „Es war der verbrannte Mann“ - wie lahm! Wäre schon schlimm, wenn du uns das vorgekaut hättest, nachgekaut schmeckt’s auch nicht wesentlich besser ;)
5. Unschöne Formulierung „blitzte etwas Metallenes auf – richtete das Ding auf mich“.
6. „Warum nur erkannte ich es…“ – da ist es wieder, das „es“.
7. „Stefan neben mir riss“ – entweder richtig erklären: Stefan, der neben mir stand … , oder die Erwähnung wo er steht einfach weglassen.
8. „doch ich starrte“ und „doch ich torkelte“ und „er stand doch“ – Wortwiederholung.
9. „Wie immer blickte ich“ und „Wie immer spürte ich“ – Vielleicht eine gewollte Wortwiederholung? Finde ich trotzdem nicht gut. Aber ich halte jetzt mal ausnahmsweise die Klappe ;)
10. „Was keinen Sinn machte - er stand doch einige Meter“ – lahm! Überflüssige Erklärung.



„Du hast einen Anruf verpasst“, sagte er. Ich roch sein verbranntes Fleisch.

„Herr Weisz?“ Ein blasser Mann stand vor mir. Ich sah Brillengläser. „ Herr Weisz. Kommen Sie zu sich. Sie sind ja völlig weggetreten.“

„Dr. Papousek… Also sitze ich doch hier drin?“

„Nein, sie liegen am Boden. Kommen Sie“, er streckte einen Arm aus und ich griff danach. Zitternd kam ich auf die Beine. Papousek beäugte mich und ich sah mein Spiegelbild in seinen Augengläsern.

"Sie hatten wohl einen sehr intensiven Traum", sagte er.

Mein Mund schmeckte nach verbranntem Fleisch. Ein Anruf. Ein Anruf verpasst.


Mal wieder Show don’t tell:
„Ein blasser Mann stand vor mir. Ich sah Brillengläser“
„ich griff danach. Zitternd kam ich auf die Beine“
„Papousek beäugte mich und ich sah mein Spiegelbild in seinen Augengläsern“

Das beste und einfachste Beispiel ist sicher der letzte Satz. Hier vergisst zu erwähnen, was genau der Protagonist in den Brillengläsern sieht. Er sieht sich selbst. Gut. Aber wie sieht er aus? Vielleicht inzwischen genauso blass wie Papousek?

- das mit den Augengläsern geht meiner Meinung nach gar nicht. Gibt schon noch ein paar andere Synonyme für eine Brille. Im Zweifelsfall ziehst du die Szene halt von vornherein anders auf.

1. „Sie hatten wohl einen sehr intensiven Traum“ – da ist er wieder, der unfähige Psychiater mit seinen Füllwörtern ;) Blitzmerker.
2. „Ein Anruf. Ein Anruf verpasst.“ – Hier hättest du ruhig etwas suggestiver vorgehen können bzw. die Sache mit dem Anruf von weiter weg herholen können (weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine)



„Ich muss kurz-“ sagte ich, wankte zu meiner Tasche und fischte nach meinem Mobiltelefon. Meine Handgriffe waren fahrig, mein Herz war ein dicker, entzündeter Klumpen in meiner Kehle. Ich spürte glattes Plastik in meiner Hand und zog das Mobiltelefon heraus. 11 entgangene Anrufe. Verdammt, hatte ich etwa die ganze Zeit den Ton… Ich wählte die Nummer der Mailbox.

Timon, verdammt, was ist los? Mutter versucht schon den ganzen Tag dich ... Es geht um Esther. Sie ist vermutlich …Sie, sie haben ihre Leiche gefunden. Ruf zurück, sofort.

Ich starrte auf das Display. Ich weiß nicht wie lange ich darauf starrte.

„Wollen Sie die Sitzung beenden?“, fragte Papousek hinter mir.

Ich drehte mich um und fiel ihm in die Arme, ich konnte einfach nicht anders. Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. Er musste mich für verrückt halten. Vielleicht war ich das ja. Schließlich war ich sein Patient.

„Ist ja gut. Ist ja gut“, sagte er. Das Mitleid dieses verschrobenen, alten Mannes machte mich nur noch viel trauriger und plötzlich strömten die Tränen aus mir heraus, wie bei einem kleinen Kind, das sich das Knie aufgeschlagen hatte.

Nach einer Weile blickte ich auf. Dr. Papouseks Hemd glänzte vor Rotz und Wasser, aber ihn schien es nicht zu stören. Eine schleimiger Speichelfaden baumelte aus meinem Mund.

„Das ist kein Traum, oder?“, fragte ich.

Dr. Papousek schwieg eine Weile, als würde er ernsthaft darüber nachdenken. Schließlich holte er Atem und sagte:

„Nein. Ich fürchte, diesmal ist es kein Traum.“


1. „Ich spürte glattes Plastik in meiner Hand und zog das Mobiltelefon heraus.“ – schon wieder, du weißt schon… zu oft das Mobiltelefon, zu lange wird danach gefischt, zu wenig erzählend, zu sehr berichtend.
2. „Ich weiß nicht wie lange ich darauf starrte“ – überflüssiger Satz.
3. „Wollen Sie die Sitzung beenden?“ – da ist er wieder… ;) Ich gewöhne mich langsam dran.
4. „streichelte er mir über den Rücken“ – wieder nüchtern berichtet. Die Wirkung wäre besser, wenn du das „Ist ja gut. Ist ja gut“, gleich hinter das Streicheln stellen würdest.
5. „verschrobenen, alten Mannes“ – komisch, ich hatte ihn mir jung vorgestellt. Das wird aber an mir liegen.
6. „aber ihn schien es nicht zu stören“ – zuletzt noch mal Show don’t tell. Woran macht er fest, dass es den Psychiater nicht stört?


Und das war’s.

Ich betone noch mal: Du hast eine schöne, spannende Geschichte geschrieben. Wenn ich dir mit meinem Kommentar auch nur bei 1 oder 2 Punkten helfen konnte, würde mich das freuen :)

Grüße von
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon DrJones » 27.07.2014, 12:24

Hallo Vorkommentatoren,

Meiner Meinung nach wird die Regel
"Show don't tell" hier MÄCHTIG
überstrapaziert, ja fast schon
gebetsmühlenartig zitiert, vor allem
an ziemlich unpassenden Stellen.

Zwei Beispiele:

„aber ihn schien es nicht zu stören“
"streichelte er mir über den Rücken."

Ich kann da Eurer Argumentation nicht
ganz folgen. Sollte jetzt genau beschrieben
werden, wie er ihm über den Rücken streichelte
und wie das auf den Prota wirkte? Erscheint
mir reichlich übertrieben für diese Fußnoteninfo.
Dann zum ersten Beispiel: Das ist der Eindruck
des Prota. Kurz und knapp. Ich denke mir als Leser,
dass dieser schon wissen wird, warum er das denkt.
Alle weiteren Ausführungen wären völlig überflüssig und
würden, ganz analog zum zweiten Beispiel, eher den
Eindruck aufkommen lassen, dass es sich beim Prota um
einen Pedanten handelt, der immer alles genauestens
erklärt. Also Achtung: Figurenzeichnung vs "Show don't tell"


Ich möchte hier niemandem auf die Füße treten.
"Show don't tell!" ist aber mit die erste Regel, die
man gerade Schreibanfängern in den Kursen
mitteilt. Auf genaueres Nachfragen hin erfährt man
aber auch, dass das eine Regel ist, die alles andere als
allgemeingültig ist. Selbst große Autoren, wie etwa Steinbeck,
halten sich häufiger nicht daran. Das ist bestimmt kein Zufall.

Viele Grüße,

DrJones
Zuletzt geändert von DrJones am 27.07.2014, 17:00, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Der verbrannte Mann

Beitragvon Quixotiz » 27.07.2014, 13:05

Du hast schon Recht, DrJones, wenn du sagst, dass dieses “Show don’t tell” grundsätzlich überstrapaziert wird.
Es wird meist einfach so in Raum geworfen und niemand weiß, was es eigentlich bedeutet.
In meinen Augen bedeutet es nicht, das alles in Bilder gepackt wird und schon gar nicht, dass von allem die Wirkung beschrieben wird, sondern dass sich Bilder und Wirkung aus dem Text ganz selbstverständlich ergeben. Wie ich weiter oben schon sagte, der Text sollte dynamisch und lebendig wirken, von sich selbst leben. Erklärungen sollten sich erübrigen. Das ist der entscheidende Punkt. In Flemeth' Text gab es für meinen Geschmack zu viele Erklärungen.

Bei den Anmerkungen, die ich gemacht habe, ging es mir auch eher ums Prinzip und den Gesamteindruck, nicht unbedingt um die einzelnen Sätze für sich genommen.

“aber ihn schien es nicht zu stören” – das ist an sich völlig legitim. Nur wenn derartige Sätze zu häufig auftauchen, besteht ein Text am Ende nur noch aus Behauptungen. Denn nichts anderes ist dieser Satz. Er ist eine reine Behauptung, die durch nichts untermauert bzw. durch nichts in die Realität der Geschichte überführt wird.


“Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. Er musste mich für verrückt halten. Vielleicht war ich das ja auch.”

Das wirkt völlig anders als:

“Nach kurzem Zögern streichelte er mir über den Rücken. “Ist ja gut. Ist ja gut”, sagte er.”


Welche von beiden Varianten nun besser ist, muss Flemeth entscheiden. Wenn ich kommentiere, zeige ich nur auf, wie es anders geht. Dieses “anders” muss nicht zwangsläufig “besser” bedeuten. Wäre schön, wenn es so wäre :lol:

Ich habe auch extra versucht, Beispiele in meinem Kommentar zu nennen, bei denen es nicht darum geht, lange Erklärungen einzufügen, sondern einfach nur darum, aus Behauptungen Tatsachen zu machen. Dadurch würde der Text meiner Meinung nach mitreißender werden.

Es ist müßig große Autoren als schlagende Argumente herzunehmen. 1. sind nicht alle großen Autoren auch gute Autoren (das bleibt eben eine Geschmacksfrage) und 2. ist das Brechen solcher Regeln bei geübten Autoren oft ein Stilmittel. Das heißt 3. die Voraussetzung für einen Regelbruch ist, dass man die Regel zunächst beherrscht.

Was ich sagen will. Ich verstehe, dass sich inzwischen bei vielen die Haare sträuben, wenn diese Show don’t tell-Theorie mal wieder auftaucht. Aber man sollte sie schon mit eigenen überzeugenden Argumenten wiederlegen können, wenn man wirklich der Meinung ist, dass es unnötig ist einen Text möglichst kreativ zu gestalten (ist jetzt ein bisschen provokant formuliert, ich weiß ;))


Grüße von
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Re: [Spannung] Der verbrannte Mann

Beitragvon Heribertpolta » 19.10.2015, 18:43

Guten Abend Flemeth,

ich bin nicht durch Zufall auf deinen Text gestoßen, ein Freund aus der SWS hat mich auf dich aufmerksam gemacht.

Der Einstieg ist zügig gestaltet mit wörtlicher Rede; ein Klasse Mittel, eine KG zu eröffnen.

Er hatte die seltsame Angewohnheit, das eben Gesagte zu wiederholen. Komischerweise ärgerte es mich nicht, denn tief in mir wusste ich, dass er ein guter Psychiater war. Irgendwo, unter der käseweisen Haut und der enormen Hornbrille war ein Genie versteckt. Ich hatte auch mal so eine, fiel mir auf, (noch) bevor dieser Nerd-Trend kam. Es war seltsam, etwas mit Dr. Papousek gemeinsam zu haben.


Weißt du, ich bin ja gleich bei diesem Absatz etwas erschrocken. Denn den Dr. Papousek (Papagei) gibt es in einem meiner Texte auch, und zwar nicht in irgendeinem, sondern in meinem - wie ich es nenne - Herzensprojekt. Bei mir ist er der Nachtarzt in der psychiatrischen Abteilung, in der mein Prota sitzt.

Ich habe mir erlaubt, das noch in den Absatz mit der Brille einzufügen, da ich glaube, dass du betonen wolltest, dass der Prota die Brillen schon vorher gemocht hat.

Sicher interessiert es dich nicht, aber ich trage die Dinger schon seit den Neunzigern. Dass jetzt der "Nerdbrillen-Wahn" ausgebrochen ist, ärgert mich ein wenig. Jetzt bin ich auch noch hip.

„Oh, ja, richtig. Das waren die weißen mit den … zwei Einkerbungen.“ Er griff sich an die Schläfen, so als erhalte er eine Eingebung aus dem Weltall. . „Ja-ja, in der Tat. Aber lassen Sie uns nochmal zu den Variablen zurückkommen. Haben Sie letzte Nacht wieder geträumt?“


Deine Absätze sind alle durchgefeilt und sehr bildlich. Das lässt sich klasse lesen.

und er machte einen Strich neben einem der Symbole.


Ich bin mir gerade wirklich nicht sicher, ob es vielleicht "neben eines der Symbole heißen müsste...

Und seine Haut … so labbrig .... sieht aus … als würde sie schmelzen …. schmelzen.


Diese Feinheiten! Und sie wiederholen sich. Du zeichnest den Doktor genaustens über seine Haut.

Es fühlte sich an, als würde meine Haut schmelzen, obwohl meine Schicht bei Happy Man’s Pizza eben erst begonnen hatte. Ich hielt die Hitze in diesem Kabuff einfach nicht aus. Und der Ventilator – schon wieder hinüber. Noch sechs Stunden. Ich schloss die Augen und atmete tief ein. Dann noch diese seltsamen Tagträume von Dr. Papousek. Den würde ich ohnehin nie wieder aufsuchen. Nicht nach neulich, nachdem ich zu heulen begonnen hatte, weil .... Warum eigentlich? Sechs Stunden noch. Ich öffnete meine Augen wieder und blickte in das Gesicht einer wütenden Bulldogge. Nein, Moment. Es war ein Mann. Ach ja, richtig. Da wollte doch irgendjemand was von mir.


So weit, wie ich das verstanden habe, beginnt hier die Erzählung auf Papouseks Couch. Müssten hier keine Gändefüßchen gesetzt werden?
Die Hautverschmelzungen empfinde ich - auch dadurch, dass die Situationen nicht genau getrennt sind - etwas unglücklich. Als Überleitung war das gut gemeint; aber die Schweißnaht ist nicht sauber gezogen.

„Bist du auf Drogen oder was, Bursche? Ich rede mit dir!“

„Verzeihung, was hatten Sie gesagt? Stimmt etwas nicht mit Ihrer Pizza?“

„Und ob was nicht stimmt, verdammich! Schon wieder nich‘ in Stücke geschnitten! Komm jeden verdammten Dienstag und Donnerstag hier her und bezahle teures Geld. Und dann schneidet ihr sie nicht mal in Stücke?“ Er öffnete die Pizzaschachtel und hielt mir das Ding unter die Nase.
„Da, siehst du's. Nichts geschnitten!“


Der Dialog ist ansich in Ordnung. Aber er wirkt auf mich etwas überzogen auf mich. Ich habe schon oft in Restaurants gegessen und hier und da eine Reklamation erlebt; auch eine eigene. Aber im Normalfall läuft das etwas höflicher ab. Eine mögliche Unfreundlichkeit hätte ich anders dargestellt, vielleicht etwas feiner und zynischer. Man kann auch hier mit wenigen Zeilen einen subtilen Charakter zeichnen; das Gemotze erscheint mir zu sehr Hollywood, mit dem ganzen "Verdammt" und so.

„Ich muss kurz-“ sagte ich, wankte zu meiner Tasche und fischte nach meinem Mobiltelefon. Meine Handgriffe waren fahrig, mein Herz war ein dicker, entzündeter Klumpen in meiner Kehle. Ich spürte glattes Plastik in meiner Hand und zog das Mobiltelefon heraus. 11 entgangene Anrufe. Verdammt, hatte ich etwa die ganze Zeit den Ton… Ich wählte die Nummer der Mailbox.


Deine Vergleiche sind wirklich sehr gelungen. Das ist die größte Herausforderung beim Schreiben, finde ich.

Also, ich finde den Text sehr gut. Allerdings meine ich, dass mir der zweite Teil eher zusagt. Ich glaube gelesen zu haben, dass das einige Kommentatoren anders sehen. Aber ich nicht.

KLasse Werk!
Grüße,

Heribert Polta
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