Der Weg aus der Korrigier-Blockade

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Der Weg aus der Korrigier-Blockade

Hattest du auch schon einmal eine Korrigier-Blockade?
Wie ist es dazu gekommen?
Wie lange hat sie angehalten?
Was hast du dagegen unternommen?

von © Jacky

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Ja, hatte ich auch schon. Allerdings ging es bei mir nicht um Szene A oder B.
Ich hatte etwas geschrieben, war damit aber nicht wirklich zufrieden und habe also mit Korrigieren angefangen. Mein Problem war, dass es einfach nicht besser werden wollte. Ich habe da ziemlich viel Zeit und Mühe verbraten, ohne echten Fortschritt. Irgendwann war ich völlig frustriert.
Es hat einige Zeit gedauert bis mir mein Problem klar wurde. Ich hatte mich beim Korrigieren im Kleinkram verrannt. Ich habe nur Synonyme gesucht, einige Satzstellungen geändert, einge Formulierungen ausgetauscht. Erst als es mir gelungen ist noch einen Schritt weiter auf Abstand zum Text zu gehen, konnte ich die wesentlichen Schwächen erkennen und beseitigen. Da ging es mehr um den Erzählstil und die gewählte Erzählperspektive. Die Lösung war schließlich die Szene aus Sicht des anderen beteiligten Charakters zu erzählen und dabei mehr auf den Dialog zu setzen.
Seitdem versuche ich immer darauf zu achten auf welcher Ebene das Problem liegt, das es primär anzugehen gilt. Allerdings fällt es mir weiterhin schwer genug Abstand zu gewinnen.

von © Ralech

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Hallo,
da ich bisher noch keine "reine" Korrekturphase hatte, hatte ich glücklicherweise auch noch keine Korrektur-Blockade. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es das gibt, und dass ich sie vermutlich schneller mein eigen nennen dürfte, als die berühmte Schreibblockade. Auch wenn es mir oft schwer fällt - ich weiß, dass ich, wenn es nur schleppend vorangeht, Qualität auch mal hintenan stellen darf. Beim Korrigieren dagegen will man es dann perfekt machen... o0
Was mir allerdings schon mehrfach passiert ist: Beim Schreiben bleib ich stecken, wenn ich plötzlich merke, dass es in dem schon Geschriebenen einen Punkt zu korrigieren gibt. Damit meine ich nicht schön schreiben, sondern ein Plot-Detail. Daten oder Wochentage zum Beispiel, mit denen ich durcheinander gekommen bin, Entfernungen, die nicht mehr passen (mein aktuelles Problem, weshalb ich es vorgezogen hab, mich endlich mal am Forum anzumelden und einen Beitrag zu schreiben, statt daran zu arbeiten *hust*) oder natürlich vorangehende Aktionen / Reaktionen meiner Charaktere. Letzteres natürlich besonders ärgerlich.
In einer Korrekturphase werde ich bestimmt noch tausenfach über solche Dinge stolpern, aber wenn ich sie schon während des Schreibens bemerke, muss ich sie einfach frühzeitig richten, sonst geht nix mehr.
@Jacky: Was ich in Deinem Blogbeitrag vermisst habe - wann liest Du denn die vollständige Kritik / Anmerkungen Deiner Probeleser? Erst nach einer vollständigen ersten Korrekturrunde, oder dann, wenn Du wieder aus der Blockade raus bist? Eventuell könnte einen eine solche (Außen-)Sicht ja auf die ein oder andere Idee bringen, oder - falls man nicht genau weiß, woran es eigentlich hakt - auch auf das ursächliche Problem stoßen, so dass man die Blockade wieder lösen kann?

Viele Grüße, Nion

von © Nion

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Hi ;)
Also, erstens hat sich die Blockade ja schon wieder gelöst, wie gesagt, durch einfaches "reinspringen".
Lesen werde ich die Korrekturen erst dann, wenn ich
1. mit meiner ersten alleine-Korrekturrunde durch bin.
2. alle Probeleser ihre Vorschläge abgegeben haben, damit ich vergleichen kann (und weil ja sonst einige Dinge schon nicht mehr stimmen würden, wenn ich einen schon eingebaut habe, den Anderen aber nicht ^^)
Beantwortet das deine Frage/n?
lg
Jacky ;)

von © Jacky

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Hach, diese Fragen sind genau wie für mich gemacht ;)

Hattest du auch schon einmal eine Korrigier-Blockade?

Ja, ich stecke gerade mittendrin und finde das Gefühl ziemlich erbärmlich, da es irgendwie das positive Gefühl, das ich während der Schreibphase hatte, in Grund und Boden stampft.

Wie ist es dazu gekommen?

Gute Frage. So ganz genau kann ich nicht sagen, wie sich das entwickelt hat, jedoch spielte das Gefühl bzw. die Angst, meine Geschichte könnte schlicht zu langweilig sein, da mit hinein. Es ist eben so, dass ich mein Wissen um den Fortgang der Geschichte nicht ausstellen kann - logisch - und mich auch nicht in den Leser hineinversetzen kann, der die weitere Entwicklung nicht kennt. Es entwickelt sich bei mir somit beim erneuten Lesen keine Spannung, keine Überraschungsmomente, kein Aha-Effekt. Empfindet der Leser womöglich genau so? Muss der ganze Plot überarbeitet und somit alles neu geschrieben werden? Diese Gedanken kreisen ständig in meinem Kopf und die blöde Angst hat wohl die Blockade einfach huckepack mit eingeschleppt.

Wie lange hat sie angehalten?

Sie währt mittlerweile schon über sechs Monate, wann sie vor hat zu enden, weiß ich momentan noch nicht. Doch ich bin gerade dabei, ihr mit Hilfe anderer lieber Menschen, die mir Mut machen und mir auf die Zehen treten, endlich aktiv zu werden, zu Leibe zu rücken ;)

Was hast du dagegen unternommen?

Nun, ich bin bei privaten Problemen (und die Schreiberei sehe ich als solches) zunächst immer sehr verschlossen und mache die Dinge mit mir im stillen Kämmerlein aus. Das ist aber ganz besonders in so einer Sache nicht hilfreich - zumindest nicht für mich. Mein erster Schritt war, mich Vertrauten zu öffnen, das Problem einfach mal zu thematisieren und nicht so zu tun, als würde ich darüber stehen. Ich hab´s noch nicht gelöst, nein, aber das erste Mal seit langer Zeit mal wieder das Gefühl, es bald zu schaffen.

Daher an dieser Stelle einfach mal ein dickes Danke schön, an die, die mir dabei helfen, womit ich hier im Besonderen Anna, Jacky und meinen Mann Sharraz meine ;)

LG
Jennifer

Edit:
Beim Arbeiten ist mir gerade noch in den Sinn gekommen, woran es liegt, dass ich mich so schwer tue. Ich habe es letztens in einem Gespräch schon einmal anreissen können, aber der Gedanke war noch zu diffus und nicht richtig ausgebrütet: mir fehlt die Struktur beim Überarbeiten. Ich bin ein Planungsmensch. Beim Schreiben eines langen Werkes habe ich eine feste Vorgehensweise: Ausarbeiten der Charaktere und Schauplätze, plotten, Kapitel grob in Stichpunkten verfassen, ausformulieren. Somit gestaltet sich die Arbeit in Etappen, an denen ich mich perfekt entlanghangeln kann. Bei der Korrektur habe ich keinen so ausgereiften Plan, zumindest, wenn es noch um Plotkorrekturen geht, bei denen ich mich derzeit befinde. Ich sehe das Werk plötzlich als Mammutbatzen vor mir und schrecke vor dem komplexen "Monster" zurück. Ich bräuchte einen Plan, der mir als Plaungsmensch Sicherheit vermittelt. Das ist mir nun klar ... und ich fühl mich ein Stück weit erleichtert.

von © JenLi

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Hi

Ich habe die Geschichte Freunde lesen lassen. Einer hat mich lange, schweigend angesehen und dann gesagt, ich soll nochmal schreiben. x(
Ein anderer hat mich gefragt, warum ich nicht das 1. Kapitel rauswerfe und mit dem 2. anfange. x((
Andere fanden es ganz toll. (uff!)

Dadurch lag mein Problem offen. Ich habe nur die Idee einer Geschichte. Ich bin ein Ideensammler. Nicht mehr.

Ich feile viel zu sehr am Detail, anstatt zuerst ein Gerüst zu bauen und eine Eingangstür, durch die man hinein geht. Ich bin schon am Einrichten, bevor das Dach steht.

Was gehört rein, was fliegt raus, was muss ich ändern. Ich schrieb alles noch einmal, änderte die Perspektive, noch einmal mit anderem Thema, ... und noch fünf mal anders. Es war schmerzhaft, rauszuwerfen, was nicht gepasst hat, aber es war wie ein Aufatmen.

Eine Blockade war es in dem Sinne nicht. Eher ein langer Weg zur Selbsterkenntnis.

lg, Miko

von © Miko

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Moieeen,

Jaa, schönes Thema. Genau passend! :mrgreen:

Hattest du auch schon einmal eine Korrigier-Blockade?

Ooooh ja. Die Mistsau hat mich bald an den Rand des Wahnsinns getrieben. Egal, wie ich die Szene umgestellt hab (im Gedanken, sowie auf dem Papier), es blieb totaler Mist. Ich steck mit dem Kapitel noch heute im Krieg. XD
*das Teil nicht mehr mitm Arsch anschau* O.<
Ob ichs da rausschaffe, und wie sich das Problem generell legen wird, kann nur die Zeit zeigen, aber fürs erste ist das Kapitel für mich gestorben! :evil: (Das ganze ging so weit, dass ichs ganze Projekt an den Nagel hängen wollte. *Allergisch auf das Kapitel reagier* *den Rest des Projekts liebevoll übers Köpfchen kraul*)
Jetzt liegts bei ner bekannten Beta - Leserin, die sich dem Problem annehmen möchte, wenn mal Luft da ist. *solang gelassen mit den Füssen schaukel* :mrgreen:
Und bis das durch ist, korregier und überarbeite ich die anderen Kapitel. =) Sehr viel entspannender. XD

Wie ist es dazu gekommen?

Öhm... Durch ne einfache Erklärung. :roll: In dem Kapitel taucht eine Katze auf, ne eeeinfache Katze. XD (Vom Nachbarn) Diese war vorher nicht da, und taucht nun "urplötzlich" auf. (Und ich Eierkopf will so'ne kleine Minirückblende da mit drine haben, damit es auch voll und ganz nachvollziehbar ist.) :roll: Anstatt einfach zu sagen, das es die Nachbarskatze ist... Neeeein!
*unbedingt noch mehr Hintergrund zwischen packen will* -___-
Und das nur, weil diese blöde Katze ne "bestimmte" Geschichte hat, die der Leser kennen sollte. (Diese hängt sehr Intensiv mit meinem Prota zusammen - sone Art "Lebensretter Mieze") :roll: Es wird warscheinlich darauf hinauslaufen, dass sie im Prolog schon erscheint, einfach damit dieser Sichtwechsel nicht so gravierend ist. Aber das mach ich iiiirgendwann... 2011? XD
Immer mit dem Kopf durch die Wand, YEAR! *Faible für Rückblenden hab und das driiingenst abschalten muss* XD

Wie lange hat sie angehalten?

2...? oder knapp 3 Wochen. Glaube es waren knapp 3 Wochen. (Zu der Zeit war ich noch Stempeln und konnte täglich am Projekt rumwerkeln.) Demzufolge warens verdammt laaange 3 Wochen. XD

Was hast du dagegen unternommen?

Das Teil verflucht und beschimpft, wie ein Hafenarbeiter. ^-^ Lange darüber diskutiert und schlussendlich das Teil an eine bekannte Beta - Leserin geschickt. (Die sich dann dem annehmen wollte, wie oben schon gesagt.) ^^ Danach hab ich noch ein paar Tage rumgetrödelt, in der Hoffnung auf eine schnelle Lösung / Antwort, aber da kam ihr die Arbeitswelt dazwischen. (Job angenommen (...)) Sie sagte dann, das sie es mom. nicht schaffe, und sich dem annimmt, wenn sie mal Zeit hat - das es aber etwas dauern könnte.
Das war so der Zeitpkt. wo ich das Teil in die unterste Schublade gesteckt hatte. Getreu dem Motto LMAA. :mrgreen: Dann bin ich weiter zum nächsten Kapitel, und schwubs.. Schon liefs wieder! Bild
Das Kapitel hat mich vieeeles gelehrt...^^ Wenns gar nicht mehr geht, nicht festbeissen sondern weiter korregieren. *Bild ins Forum schieb, wo mir die anderen ??? Seiten in den Nacken sitzen* XD
Die nächste Überarbeitung kommt bestimmt. 8) :mrgreen:

von © Tinki

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Hallo zusammen, hallo Jacky,

vielen Dank für Deine Antwort. Jup, meine Fragen sind damit zunichte gemacht. :mrgreen: Wenn ich auch gestehen muss, dass ich eigentlich gar nicht so recht mit einer Antwort gerechnet hatte. o0

Dass die Blockade, über die Du geschrieben hast, sich schon wieder gelöst hatte, das hatte ich auch so verstanden. Die Idee war nur, dass - falls dem in einer anderen Situation mal nicht so wäre - die Anmerkungen von Probelesern eventuell helfen könnten, die eigentliche Ursache zu finden.
Aber da ich jetzt verstanden habe, dass Du den Probelesern nur die schon einmal korrigierten Kapitel / Szenen zum Lesen gegeben hast, während sich die Blockade auf den noch vor Dir liegenden Korrekturteil bezog, war das hier ja gar nicht relevant. ;)

Viele Grüße, Nion

von © Nion

Re: Der Weg aus der Korrigier-Blockade

 
Ich versuche eigentlich immer auf Fragen zu antworten ^^

Also generell weiß ich nicht, ob das was bringen würde, denn dazu müsste der Probeleser nicht nur die entsprechende Stelle lesen, sondern auch den ganzen Teil davor und weil man die eigentliche Stelle dann ja vielleicht noch einmal komplett ändert (und vielleicht auch vorangegangene Teile anpassen muss), fällt er dann als wirklicher Probeleser weg (was meist blöd ist, weil Probeleser gewöhnlich rar und damit ein kostbares Gut sind :mrgreen: ).

Außerdem hätte ich ein bisschen "Angst", mir sein komplettes Feedback anzugucken, während ich noch in der ersten Korrektur stecke, bzw. insbesondere in einer Korrigier-Blockade, weil mich dann negatives Feedback (was ja generell wichtig und notwendig ist), in so einer Situation wahrscheinlich eher runterziehen würde (deshalb hab ich mir ja nur erlaubt, wenn überhaupt, das positiv markierte Feedback zu lesen).

Wenn ich also wirklich Hilfe von außen in so einer Situation möchte, dann würde ich mir jemanden schnappen, den ich sowieso nicht als Probeleser nehmen würde, und einfach mein Problem erklären, also aus dem vorangehenden Teil die Wichtigsten Dinge erzählen und dann das eigentliche Problem schildern. Dabei ist es völlig wurscht, ob derjenige Ahnung vom Schreiben hat, er muss nicht einmal aufmerksam zuhören. Ich hab nämlich die Erfahrung gemacht, dass alleine das Verbalisieren schon zu einer Lösung führen kann und wenn er doch zuhört und vielleicht sogar ein paar Ideen hat, noch besser :D

lg
Jacky ;)

von © Jacky