Ich poste meinen Beitrag (oder meine Beiträge, ganz sicher bin ich mir noch nicht

) mal hier.
Wild Mind - Freies Schreiben
von Natalie Goldberg
ISBN-10: 3932909437
Der Name Natalie Goldberg ist vielen ein Begriff durch ihr Erstlingswerk „Schreiben in Cafés“ mit dem sie von einen Tag auf den anderen in den Olymp der Autoren, die über das Handwerk schreiben, aufgenommen wurde.
„Wild Minds“ ist Goldbergs zweites Buch über das Schreiben- und ein Meisterwerk.
Als ich das Buch im Laden in der Hand hatte, tat ich etwas was ich selten tue: Die ersten paar Seiten lesen. Ich bereue es nicht, denn zu diesem Zeitpunkt war es dann um mich geschehen.
Ich bin kein allzu großer Fan von Sachbücher und doch dieses Buch hat mich ein Stückchen in die andere Richtung geschuppst. Natalie Goldberg hat einen erfrischenden Schreibstil, der einen leicht von Seite zu Seite gleiten lässt.
Die Kapitel sind kurz und überschaulich, selbst wenn man nicht viel Zeit hat, kann man immer mal ein oder zwei Kapitel lesen und die kleinen Schreibübungen mitmachen. Goldberg gibt viele Tipps wie man schreiben kann, was hauptsächlich für Anfänger der Zunft von Vorteil sein mag, und wie man als Schriftsteller lebt. Sie unterhält mit kleinen Anekdoten aus ihrem eigenen Leben um ihre Vorschläge zu untermauern und lebendiger zu machen, was ihr auf ganzer Linie glückt.
Sie baut ebenfalls eine Prise Spiritualität mit ein, indem sie Schreiben des Öfteren mit Zen vergleicht. Das mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, ich finde es jedoch erfrischend zu lesen wie jemand das Schreiben selbst zu etwas Spirituellem macht und nicht nur auf sachlicher Theorie aufbaut. Sie redet das Thema nicht tot und langweilt nicht, was leider kein Selbstverständnis ist, wenn es um Bücher über das Schreiben geht. Schon während man das Buch ließt fängt dieses Kribbeln in den Fingern an, das einen am Liebsten gleich nach dem nächsten Stift greifen lassen will und lässt. Die Übungen am Ende jedes Kapitels geben einem zum Glück die Chance genau das zu tun, ohne das Buch allzu lange ablegen zu müssen.
Ein Nachteil des Buches ist, dass es oft so scheint, als könne man um Schriftsteller zu sein/werden, keinen Beruf nebenbei ausüben, was ich nicht unterstützen kann. Nicht jeder kann sich, wie Natalie Goldberg, den Luxus leisten, seinen Job hinzuschmeißen um sich ganz dem Schreiben zu widmen. So schön diese Vorstellung auch sein mag, so unrealistisch ist sie wohl für die meisten von uns. Es ist durchaus möglich neben der Schule oder dem Beruf (erfolgreich) zu schreiben.
Auch scheinen Goldbergs Vergleiche und spirituelle Ansätze nicht immer Allgemeinverträglich, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es ist auf jeden Fall eine völlig andere Sichtweise als die meisten Sachbuchautoren des Themas Schreiben vertreten und sehr erfrischend.
Alles in allem hat Natalie Goldberg ein gutes Buch geschrieben, das sehr schnell und unterhaltsam zu lesen ist und Anfängern wie alten Hasen interessante Vorschläge und Denkanstöße unterbreitet oder zumindest unterhaltend ist. Es ist mehr als einfach ein Sachbuch über das Schreiben. Die Autorin hat ein sehr persönliches Werk geschaffen, das den Leser mit zu ihren größten Erfolgen und ihren schlimmsten Misserfolgen. Es zeigt was es heißt Schriftsteller zu sein und das es mehr ist als ein Beruf- es ist eine Berufung.