[SciFi]Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

[SciFi]Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Azareon29 » 22.06.2014, 23:16

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Neonlicht, Nieselregen und Dreck, soweit das Auge reichte. Der Transporter glitt durch die Schluchten von Europolis.
Denver Lowe lehnte sich soweit es seine Fesseln erlaubten zurück und schloss die Augen.
Das war es also, dachte er. Ich ende mit einer Konditionierung. Eine kurze Behandlung und morgen bin ich ein sabbernder Dreckfresser unter Tausend.
„Du hast 'n hübschen Mund, Kleiner.“
Lowe hielt die Augen weiter geschlossen. Die Worte kamen von dem tätowierten Muskel­protz, der ihm gegenüber saß.
Lautes Schmatzen. „Hast 'n richtig hübschen Mund.“
Lowe brummte angewidert und öffnete die Augen. Der Muskelprotz leckte sich die Lippen.
„Geht's noch?“, sagte Lowe. „Wenn ich nicht genug Schönheitsschlaf kriege, bin ich un­ausstehlich.“
Sein Gegenüber grinste ihn aasig an. „Wirst nicht viel zum Schlafen kommen, Kleiner. Ich werd Dich schon richtig hart rannehmen.“
„Träum weiter“, sagte Lowe. Der Muskelprotz kicherte wie ein verstopfter Abwasserkanal.
Lowe betrachtete die Megastadt, die außerhalb der transparenten Hülle des Sicherheits­transporters vorbeizog. Die alte Erde, dachte er. Was für ein Müllhaufen. Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann necklace ich Konrads fetten Kropf. Sic semper proditoris.
Allerdings. Konditionierung ist immer noch besser als Kryo­stasis.

Lowe hatte schon diverse Geschichten gehört. Niemand altert in der Kryo­stasis. Der Körper ist eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der bleibt wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper.
Dann doch lieber eine nervige kleine Stimme im Hinterkopf, die einem Nervenschocks verpasste, wenn man aufsässig wurde. Oder gleich Wiederaufbereitung. Das war wenigstens kurz und schmerzlos.
Der Transporter landete. Von außen unterschied sich der bis an die Stratosphäre reichende Klotz nicht großartig von den unzähligen anderen in der Megametropole. Nur ein Detail war anders. Der stilisierte Totenkopf mit den Sternenaugen. Das Symbol der Koalition.
Die Hecktüren des Transportes öffneten sich. Zwei Skelettmechs nahmen sie in Empfang. „Aussteigen. Befehlsverweigerung hat tödliche Folgen.“
Lowe gab sich keinen Illusionen hin. Selbst ohne die panzerbrechende Bewaffnung besaßen die spindeldürren Gliedmaßen der Skelettmechs genug Kraft, ihn problemlos in Stücke zu reißen. Auch wenn er der Konditionierung gerne entgangen wäre, Suizid durch Skelettmech befand sich nicht unter seinen bevorzugten Möglichkeiten.
Ungelenk stand er auf. Seine Beine schmerzten. Er blickte zum ewig grauen Himmel. „Das Wetter ist scheußlich. Habt Ihr keinen Regenschirm?“
Sofort richteten die Mechs ihre Waffen auf ihn. „Aussteigen. Das ist Ihre letzte Warnung.“
Lowe sparte sich weitere Worte und sprang aus dem Transporter. Nach der miefigen Enge im Transporter empfand er sogar den mit Cadmium versetzten Regen als reine Wohltat.
Der Muskelprotz folgte ihm umgehend. „Lauf nicht weg, Kleiner“, grunzte er. „Ich hab mein Frischfleisch gerne zart.“
„An Deiner Stelle würde ich auf Vegetarier umsatteln“, sagte Lowe.
„Vorwärts“, schnarrte ein Skelettmech.
Lowe und der Muskelprotz wurden durch die rot-grauen Gänge des Gebäudes geführt. Es dauerte nicht lange, dann standen sie vor einem Schreibtisch. Dahinter saß eine Streitaxt von Frau, mit den Insignien eines Koalitionsoffiziers. „Das Standgericht ist hiermit eröffnet.“
Ein Skelettmech stach dem Muskelprotz einen Metallfinger in den Rücken. Es blitzte, knisterte und roch nach Ozon. Der Kerl taumelte einen Schritt nach vorne und ging in die Knie. Dann lachte er hämisch. „Ist das alles, Blechdose?“
Als der Skelettmech den Finger erneut hob, schwieg er.
„Mason Dixon“, sagte die Streitaxt. „Ihnen werden folgende Verbrechen vorgeworfen. Raub in dreißig Fällen. Vergewaltigung in vier Fällen. Totschlag in zweiundzwanzig Fällen. Ein Fall von Urinieren in der Öffentlichkeit. Wie äußern Sie sich dazu?“
„Nicht schuldig“, sagte der Muskelprotz und kicherte wieder.
„Zur Kenntnis genommen“, sagte die Streitaxt. „Kraft meines Amtes als Standrichterin verurteile ich Sie hiermit zur sofortigen Konditionierung.“ Pause. „Aber vorher eine chemische Kastration.“
„Was? Nein!“, schrie der Muskelprotz. Ein Skelettmech packte ihn und schleifte ihn aus dem Raum. Seine Schreie gingen in ein wenig elegantes Blubbern über, das schnell von der herabfahrenden Tür abgewürgt wurde.
„Ich hab ihn noch gewarnt“, sagte Lowe zu dem anderen Mech. Der hob einen knisternden Finger.
„Hey, hey, ich geh ja schon“, sagte Lowe und näherte sich dem Tisch.
„Denver Lowe“, sagte die Streitaxt. „Rang: Kapitän. Ihnen wird in hundertzehn Fällen ein Verstoß gegen die Handelsbestimmungen der Koalition vorgeworfen.“
„Sie meinen, ich bin ein Schmuggler“, sagte Lowe.
„Ich weiß, was ich gesagt habe“, sagte sie. „Auf professioneller Ebene muss ich Ihnen meine Anerkennung aussprechen. In den letzten vier Jahren überwanden Sie sämtliche Embargos in Koalitionsterritorien, ohne einmal in Kampfhandlungen verwickelt zu werden.“
„Das kann nicht ganz stimmen“, sagte Lowe. „In Ursa Minor musste ich mir den Weg frei schießen.“
„Ursa Minor galt zu diesem Zeitpunkt als Renegat“, sagte die Streitaxt. „Sämtliche Kampfhandlungen gegen ihre Streitkräfte waren berechtigt, ungeachtet der Hintergründe.“
„Hm. Wer hätte das gedacht.“
„Nun, als vereidigte Standrichterin bin ich verpflichtet, das Koalitionsrecht durchzusetzen.“
Lowe zuckte die Achseln. „Tun Sie, was Sie nicht lassen können. Wenigstens reden Sie mit mir. Ich kenne genug Offiziere – vom Hörensagen – die mich einfach an Ort und Stelle erschossen hätten.“
Die Streitaxt straffte den Rücken. „Kapitän Lowe. Möchten Sie sich zu den Vorwürfen äußern?“
„Hm“, sagte Lowe. „Gibt es etwas, dass mich aus der Sache hier heil herausbringt?“
„Nicht wirklich.“
„Dann schuldig im Sinne der Anklage. Bringen wir es hinter uns.“ Lowes Stimme war gefestigter, als er sich fühlte.
„Kapitän Denver Lowe“, sagte die Streitaxt. „Kraft meines Amtes verurteile ich Sie zu... einer Valmorphanisierung. Abführen.“
Was zur Hölle?, dachte Lowe. Der Skelettmech legte ihm die knochigen Metallfinger auf die Schulter und schob ihn aus dem Raum. Durch eine andere Tür, als die, durch die der Muskelprotz verschwunden war.

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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Fafharad » 23.06.2014, 18:06

Hallo Azareon29!

Bei deinem bemerkenswerten Output komme ich mit dem Lesen nicht hinterher. Dass ich jetzt bei der "Geächteten Auster" lande, liegt am Titel :D . Um in der Schreibwerkstatt Aufmerksamkeit zu erlangen, ist er schlicht genial. Wenn mal was Größeres aus der Story wird, muss wohl ein marktkompatibler Titel her, aber bis dahin würde ich ihn als "Lockmittel" stehen lassen.

Inhaltliches:
Der Prolog verrät ja schon einiges über das weitere Schicksal deines Protagonisten: Er ist für ein Himmelfahrtkommando auf einer der von der Reinigenden Flamme besetzten Welten vorgesehen. Welches Bild wir uns von Denver machen müssen, hast du dem Adjutanten in den Mund gelegt:
"Eine auf diesen Zweck ausgewogene Mischung aus Loyalität, Aufsässigkeit, Gier, Erpressbarkeit, sowie der allgemeinen Verrücktheit einer Scheißhausratte auf Amphetamin kann nicht jeder vorweisen.“

Was mich direkt zu dem Vorschlag führt, auf den Prolog zu verzichten und den Roman mit Denvers Haftantritt zu beginnen. Wenn Prolog, dann lieber einen, der nicht so viel vorwegnimmt. Vielleicht ein Angriff der Reinigenden Flamme aus Sicht der Opfer?

Denver Lowe: Ein griffiger, unkomplizierter Charakter der Marke Han Solo. Er macht sich weder Selbstvorwürfe, dass er geschnappt wurde, noch wälzt er Fluchtpläne. Nur ein bisschen Rachegelüste gönnt er sich. Ansonsten lässt er die Dinge relativ gelassen auf sich zukommen. Vielleicht ein wenig zu gelassen?
Dann doch lieber eine nervige kleine Stimme im Hinterkopf, die einem Nervenschocks verpasste, wenn man aufsässig wurde. Oder gleich Wiederaufbereitung. Das war wenigstens kurz und schmerzlos. Dann hatte man es hinter sich.

Ist das der Mann, den die Admiralität auf eine Mission schicken will, die über die Zukunft der Koalition entscheidet?
„Geht's noch?“, sagte Lowe.

"Geht's noch?" kommt etwas hilflos daher, das kann ein tollkühner Blockadebrecher sicher schlagfertiger kontern.
Übrigens wüsste ich nicht, wie ich "Lowe" aussprechen soll. Wie Löwe mit O?
Was hältst du davon, ihn "Denver Love" zu nennen? Wenn der hübsche (sinnliche?) Mund sein Markenzeichen ist, würde es gut passen - und andererseits einen netten ironischen Kontrast zu seinem harten Kern bilden.

Dass dein Held offenbar sofort seiner "gesonderten Spezialstrafe" zugeführt wird, ist in meinen Augen verschenktes Potential. Lieber würde ich sehen, was es mit der Konditionierung auf sich hat und wie der Sträflingsalltag in Europolis aussieht. Bevor es für Denver richtig brenzlig wird, holt ihn ein Rekrutierungsoffizier ab.
Vielleicht könnte er in der Haft bereits einem der Sympathiebolzen aus seinem zukünftigen Squad begegnen. Nachdem die beiden kurz davor sind, sich gegenseitig die Augen auszustechen, müssen sie plötzlich als Team zusammenarbeiten :twisted: .


Stilistisches:
In die "Auster" habe ich einen schnelleren und leichteren Zugang gefunden als in die Berührung der Sterne, um ein Beispiel aus demselben Genre zu nennen. Das liegt zum einen an deinem Schreibstil, der seither sicherer und reifer geworden ist, zum anderen daran, dass ich als Leser sofort in die Handlung geworfen werde und du Beschreibungen des Schauplatzes sparsamer en passant einsetzt.

Der Stil balanciert zwischen [unprofessionelle Ausdrucksweise an] rationell-lakonisch und rotzig-sarkastisch [unprofessionelle Ausdrucksweise aus], wobei letzteres in meinen Augen eine Vermischung von Erzähler und Protagonist darstellt.
Beispiel:
Eine kurze Behandlung und morgen bin ich ein sabbernder Dreckfresser unter Tausend.

... denkt sich Denver.
Nach der miefigen Nähe zum Muskelprotz war sogar der mit Cadmium versetzte Regen eine reine Wohltat.

... verrät mir der Erzähler.

Hier scheint mir eine klare Trennung angeraten. Die erreichst du zum Beispiel, indem du auf wertende Adjektive wie "miefig" verzichtest und allgemeine Aussagen auf Denvers Sicht ummünzt. Der zitierte Satz könnte dann lauten:
Nach den endlosen Stunden, die er in den Körperausdünstungen des Muskelprotzes verbracht hatte, empfand er sogar den mit Cadmium versetzten Regen als reine Wohltat.

Da der größte Teil ohnehin aus Denvers Sicht erzählt ist, hält sich diese Vermischung aber in Grenzen.

Verbesserungsvorschläge und Korrekturen:

Denver Lowe lehnte sich(Komma) soweit es seine Fesseln erlaubten(Komma) zurück und schloss die Augen.


Das war es also, dachte er. Nach sieben Jahren ende ich mit einer Konditionierung.

Sieben Jahre was? Haft? Schmuggeltätigkeit? Sind die sieben Jahre verstrichen oder liegen sie vor ihm?

... morgen bin ich ein sabbernder Dreckfresser unter Tausend.

Einer unter Tausenden.

Lowe machte ein angewidertes Geräusch ...

Was für eins?

Sein Gegenüber zahnte ihn an.

Anschließend versuchte er ihn zu lippen, woraufhin Denver ihn niederfaustete. :wink:

Der Muskelprotz kicherte wie ein verstopfter Abwasserkanal.

Wie das klingen soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Die alte Erde, dachte er. Was für ein Müllhaufen. (Das sollte sicher auch kursiv sein, oder?) Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann wringe ich Konrads fetten Kropf aus. Der Mistkerl hat mich verraten.
Allerdings.(Doppelpunkt?) Konditionierung ist immer noch besser als Kryo­stasis.

Das mit Konrad ist für mich an dieser Stelle eine überflüssige Information. Das würde ich mir für später aufheben.
Der Absatz im inneren Monolog wirkt, als würden zwei Stimmen in Denvers Kopf sprechen (aktivierter Extrasinn wie bei Atlan?).

Lowe hatte schon diverse Geschichten gehört. Niemand alterte in der Kryo­stasis. Der Körper war eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der blieb wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper.
Dann doch lieber eine nervige kleine Stimme im Hinterkopf, die einem Nervenschocks verpasste, wenn man aufsässig wurde. Oder gleich Wiederaufbereitung. Das war wenigstens kurz und schmerzlos. Dann hatte man es hinter sich.

Auch hier gebe ich Infodump-Warnung. Wenn die Kryostasis (es heißt eigentlich Kryostase) für die Handlung von Belang ist, würde ich sie an passender Stelle zur Sprache bringen. Hier muss es nicht sein.
Die Konditionierung könnte Denver am eigenen Leib erfahren - der Vorgang müsste dann nur umkehrbar sein. Das mit der Stimme im Hinterkopf und den Schocks stelle ich mir ganz witzig zu beschreiben vor ("Du blödes Ar- Ar- Arrgh!" :lol: ).

Der stilisierte Totenkopf mit den Sternenaugen. Das Symbol der Koalition.

Mein auf das Erkennen von Symbolen geschulter Verstand sagt mir: Die Koalition ist ein Schurkenstaat.

Zwei Skelettmechs nahmen sie in Empfang. „Aussteigen“, schnarrte einer von ihnen. „Befehlsverweigerung hat tödliche Folgen.“
Lowe gab sich keinen Illusionen hin. Selbst ohne (die) panzerbrechende Bewaffnung waren die spindeldürren Gliedmaßen der Skelettmechs in der Lage, ihn problemlos in Stücke zu reißen. Auch wenn er der Konditionierung gerne entgangen wäre, Suizid durch Skelettmech klang noch unangenehmer.

Auch wenn er der Konditionierung gerne entgangen wäre: Auf diese Weise wollte er nicht enden.

Lowe und der Muskelprotz wurden durch die rot-grauen Gänge des Gebäudes (oder: entlang) geführt.


Dahinter saß eine Streitaxt ( :D ) von Frau, mit den Insignien eines Koalitionsoffiziers.

... auf der Uniform.

"Ein Fall von Urinieren in der Öffentlichkeit. (Jawoll! :lol: ) Wie äußern Sie sich dazu?“
„Nicht schuldig“, sagte der Muskelprotz und kicherte wieder.

Noch pointierter: "Das mit dem Urinieren könnte stimmen."

„Kraft meines Amtes als Standrichterin verurteile ich Sie hiermit zur sofortigen Konditionierung.“ Pause. „Aber vorher eine chemische Kastration.“

Würde die Konditionierung eine Kastration nicht überflüssig machen?

Seine Schreie gingen in ein wenig elegantes Blubbern über, das schnell von der herabfahrenden Tür abgewürgt wurde.

Seine Schreie wurden von der herabfahrenden Tür abgewürgt.

Lowes Stimme war gefestigter, als er sich fühlte.

Eine Stimme kann fest sein, ein Charakter gefestigt.

Der Skelettmech legte ihm die knochigen Metallfinger auf die Schulter ...

Knochig sind sie nicht - sie fühlen sich nur so an.

Durch eine andere Tür(,) als die, durch die der Muskelprotz verschwunden war.


+ + + + + + + +

Mein Fazit in einem Satz: Die Story fängt gut an, mit Spielraum nach oben in der Ausgestaltung der Handlung.

Soweit mein Senf dazu. Ich hoffe, es war was Hilfreiches dabei.

Weiter so!
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Azareon29 » 23.06.2014, 22:46

Hallo Fafharad,

Bei deinem bemerkenswerten Output komme ich mit dem Lesen nicht hinterher. Dass ich jetzt bei der "Geächteten Auster" lande, liegt am Titel :D . Um in der Schreibwerkstatt Aufmerksamkeit zu erlangen, ist er schlicht genial. Wenn mal was Größeres aus der Story wird, muss wohl ein marktkompatibler Titel her, aber bis dahin würde ich ihn als "Lockmittel" stehen lassen.

Die Idee ist mir die letzten Wochen im Kopf herumgegangen und ich muss sie irgendwie loswerden. Der Titel war dann eher ein Zufall (da ich ihn mit einem Zufallsgenerator erstellt habe).

Was mich direkt zu dem Vorschlag führt, auf den Prolog zu verzichten und den Roman mit Denvers Haftantritt zu beginnen. Wenn Prolog, dann lieber einen, der nicht so viel vorwegnimmt. Vielleicht ein Angriff der Reinigenden Flamme aus Sicht der Opfer?

Das wäre auch eine Idee. Mal sehen, vielleicht mache ich das.

Der Prolog verrät ja schon einiges über das weitere Schicksal deines Protagonisten: Er ist für ein Himmelfahrtkommando auf einer der von der Reinigenden Flamme besetzten Welten vorgesehen. Welches Bild wir uns von Denver machen müssen, hast du dem Adjutanten in den Mund gelegt:

"Eine auf diesen Zweck ausgewogene Mischung aus Loyalität, Aufsässigkeit, Gier, Erpressbarkeit, sowie der allgemeinen Verrücktheit einer Scheißhausratte auf Amphetamin kann nicht jeder vorweisen.“

Das Schema des Adjutanten war eigentlich eher auf die ganze Gruppe gemünzt. Kann aber durchaus auch auf Denver zutreffen.

"Geht's noch?" kommt etwas hilflos daher, das kann ein tollkühner Blockadebrecher sicher schlagfertiger kontern.
Übrigens wüsste ich nicht, wie ich "Lowe" aussprechen soll. Wie Löwe mit O?
Was hältst du davon, ihn "Denver Love" zu nennen? Wenn der hübsche (sinnliche?) Mund sein Markenzeichen ist, würde es gut passen - und andererseits einen netten ironischen Kontrast zu seinem harten Kern bilden.

'Lowe' wird wie das englische 'Low' ausgesprochen. 'Denver Love' klingt eher nach 'Der verrückte Professor' oder Bond-Girl. Oder dem Hauptcharakter aus einem Blaxploitationfilm. Er hat keinen sinnlichen Mund als Markenzeichen, das war eher als widerliche Anzüglichkeit seines Mitgefangenen gedacht.

Dass dein Held offenbar sofort seiner "gesonderten Spezialstrafe" zugeführt wird, ist in meinen Augen verschenktes Potential. Lieber würde ich sehen, was es mit der Konditionierung auf sich hat und wie der Sträflingsalltag in Europolis aussieht. Bevor es für Denver richtig brenzlig wird, holt ihn ein Rekrutierungsoffizier ab.
Vielleicht könnte er in der Haft bereits einem der Sympathiebolzen aus seinem zukünftigen Squad begegnen. Nachdem die beiden kurz davor sind, sich gegenseitig die Augen auszustechen, müssen sie plötzlich als Team zusammenarbeiten :twisted: .

Gefängnisse gibt es in dieser Hinsicht nicht mehr. Es gibt die Konditionierung, die Kryostasis und die Wiederaufbereitung. Konditionierung ist ein implantiertes Verhalten, dass nur eine ganz bestimmte Handlungsabfolge erlaubt und nicht sehr viel anderes. Man wird praktisch zu einem sehr spezialisierten Zombie. Aber manche Leute können sich dagegen zur Wehr setzen und das Verhalten durchbrechen. Für solche Leute gibt es die Kryostasis, wie ich sie im Text beschrieben habe. Und wenn das immer noch nicht hilft, dann gibt es die Wiederaufbereitung. Soll heißen, direkte Hinrichtung und der Körper wird zu Soylent Green verarbeitet.
Deswegen kann ich den Gefängnisalltag auch so nicht beschreiben. Arrestzellen gibt es noch, aber da bleibt man nicht lange drin.

Hier scheint mir eine klare Trennung angeraten. Die erreichst du zum Beispiel, indem du auf wertende Adjektive wie "miefig" verzichtest und allgemeine Aussagen auf Denvers Sicht ummünzt. Der zitierte Satz könnte dann lauten:
Nach den endlosen Stunden, die er in den Körperausdünstungen des Muskelprotzes verbracht hatte, empfand er sogar den mit Cadmium versetzten Regen als reine Wohltat.

Da der größte Teil ohnehin aus Denvers Sicht erzählt ist, hält sich diese Vermischung aber in Grenzen.

Ja... da muss ich noch dran arbeiten. :oops:

Würde die Konditionierung eine Kastration nicht überflüssig machen?

Macht sie auch. Das ist eine reine Schikane von seiten der Standrichterin.


Mein Fazit in einem Satz: Die Story fängt gut an, mit Spielraum nach oben in der Ausgestaltung der Handlung.

Soweit mein Senf dazu. Ich hoffe, es war was Hilfreiches dabei.

Da ist einiges Hilfreiches dabei, ich werde es weitestgehend einarbeiten.

MfG
Azareon
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Der Finne » 26.06.2014, 16:26

Hallo Azareon29,


Das war es also, dachte er. Nach sieben Jahren ende ich mit einer Konditionierung.

Nach sieben Jahren wovon? Die Formulierung "ende ich mit einer Konditionierung" klingt für mich etwas holprig. Ich fasse das beim Lesen immer als adverbiale Berstimmung auf. Wie wäre es mit: "Das war es also, dachte er. Nach sieben Jahren bekomme ich eine Konditionierung. Eine kurze Behandlung und ich ende als ein sabbernder Dreckfresser unter Tausend."

Lowe machte ein angewidertes Geräusch und öffnete die Augen.

Angewidert bezieht sich hier auf Geräusch. Da ein Geräusch nicht angewidert sein kann müsste hier ein Adverb verwendet werden. "Lowe machte angewidert ein Geräusch und öffnete die Augen." klingt aber nicht gut. Vielleicht "Lowe verzog angewidert die Lippen und öffnete die Augen."

Sein Gegenüber zahnte ihn an.

Mit "zahnen" bezeichnet man es, wenn ein Baby die ersten Zähne bekommt.

Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann wringe ich Konrads fetten Kropf aus.

Das klingt für mich nicht sonderlich bedrohlich, obwohl er plant in zu erwürgen. Bei "auswringen" denke ich sofort an einen Wischmopp und "Kropf" ruft bei mir Assoziationen von verhuzelten Almbauern hervor. Bei deiner Bildsprache solltest du darauf achten, dass sie nicht aus deinem Sprachgebrauch kommt, sondern der Erzählstimme des Protagonisten entspricht.

Der Mistkerl hat mich verraten.

So wie es jetzt da steht, ist es ein Infodump. Du könntest es mehr in seine Rachephantasie einbauen. Etwa:
"Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann erwürge ich Konrad mit eigenen Händen. So hatten sie es bei seiner alten Einheit/ auf Sigma Orionis/o.Ä. mit Verrätern gemacht."

Lowe hatte schon diverse Geschichten gehört. Niemand alterte in der Kryo­stasis. Der Körper war eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der blieb wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper.

Es kling bedrohlicher und unmittelbarer, wenn du das ins Präsens setzt:
"Niemand altert in der Kryo­stasis. Der Körper ist eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der bleibt wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper."

Der Transporter landete (vor einem Gebäude). Von außen unterschied sich der bis an die Stratosphäre reichende Klotz nicht großartig von den unzähligen anderen in der Megametropole.

Welcher Klotz?

„Aussteigen“, schnarrte einer von ihnen. „Befehlsverweigerung hat tödliche Folgen.“

Kannst du streichen. Der Ton wird auch durch die abgehackten Sätze deutlich.

Lowe gab sich keinen Illusionen hin. Selbst ohne die panzerbrechende Bewaffnung waren die spindeldürren Gliedmaßen der Skelettmechs in der Lage, ihn problemlos in Stücke zu reißen.

Handelnde Körperteile finde ich immer problematisch.

Auch wenn er der Konditionierung gerne entgangen wäre, Suizid durch Skelettmech klang noch unangenehmer.

Ist das hier kein Widerspruch? Vorher würde er Wiederaufbereitung noch vorziehen. Ist das kein Euphemismus für die Todesstrafe? Dann kann er sich doch auch erschießen lassen.

Nach der miefigen Nähe zum Muskelprotz war sogar der mit Cadmium versetzte Regen eine reine Wohltat.

"Nach der Nähe zum miefigen Muskelprotz "

Lowe und der Muskelprotz wurden (in/ durch) die rot-grauen Gänge des Gebäudes geführt.


"Ich hab ihn noch gewarnt", sagte Lowe zu dem anderen Mech.

Hat er doch gar nicht. Warum sagt er das?

"Denver Lowe", sagte die Streitaxt. „Rang: Kapitän. Ihnen wird in hundertzehn Fällen ein Verstoß gegen die Handelsbestimmungen der Koalition vorgeworfen.“

Warum hat er einen Rang? Ist er beim Militär?

Du bezeichnest alle Personen außer deinem Protagonisten immer gleich und benutzt keinen Namen. "Der Muskelprotz", "die Streitaxt". Dadurch wirken die Figuren flach. Das fiel mir besonders bei der Richterin auf. Sie nennt Lowe ihren Namen, aber er bezeichnet sie weiter nur als "Streitaxt".
Bei den Skelettmechs sieht das anders aus. Die sollen ja vermutlich einheitlich und austauschbar rüberkommen.

Insgesamt ein guter Einstieg in die Handlung. Lowes Charakter stellst du sehr gut heraus.
Du hast ja bereits zu meinen Anmerkungen zum Prolog geschrieben, dass du den Dialog in den Vordergrund stellen willst. Ich bin grundsätzlich ein Fan von Minimalismus, aber ein par kurze, prägnante Beschreibungen würden der Geschichte meiner Meinung nach gut tun. Je vertrauter der Leser mit der Umgebung ist, in der die geschichte spielt, desto eher kannst du auf Beschreibung verzichten. Das einzige, was ich über das innere des Gebäudes weiß, ist, dass da ein Schreibtisch steht. Das lässt meine Phantasie noch nicht wirklich auf touren kommen.

Bin schon gespannt. wie deine Geschichte weiter geht.

MfG,
der Finne

Der erste Absatz und die Stelle mit dem "von Cadmium versetzten Regen" gefallen mir sehr gut.
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Azareon29 » 27.06.2014, 13:39

Hallo Finne,

Angewidert bezieht sich hier auf Geräusch. Da ein Geräusch nicht angewidert sein kann müsste hier ein Adverb verwendet werden. "Lowe machte angewidert ein Geräusch und öffnete die Augen." klingt aber nicht gut. Vielleicht "Lowe verzog angewidert die Lippen und öffnete die Augen."

Habe ich geändert.

Mit "zahnen" bezeichnet man es, wenn ein Baby die ersten Zähne bekommt.

Wurde auch geändert.

Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann wringe ich Konrads fetten Kropf aus.



Das klingt für mich nicht sonderlich bedrohlich, obwohl er plant in zu erwürgen. Bei "auswringen" denke ich sofort an einen Wischmopp und "Kropf" ruft bei mir Assoziationen von verhuzelten Almbauern hervor. Bei deiner Bildsprache solltest du darauf achten, dass sie nicht aus deinem Sprachgebrauch kommt, sondern der Erzählstimme des Protagonisten entspricht.

Der Mistkerl hat mich verraten.



So wie es jetzt da steht, ist es ein Infodump. Du könntest es mehr in seine Rachephantasie einbauen. Etwa:
"Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann erwürge ich Konrad mit eigenen Händen. So hatten sie es bei seiner alten Einheit/ auf Sigma Orionis/o.Ä. mit Verrätern gemacht."

Habe ich ebenfalls geändert. Konrads Schicksal ist jetzt eine futuristische Variante davon.

Es kling bedrohlicher und unmittelbarer, wenn du das ins Präsens setzt:
"Niemand altert in der Kryo­stasis. Der Körper ist eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der bleibt wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper."

Wurde geändert.

Welcher Klotz?

:oops:

Ist das hier kein Widerspruch? Vorher würde er Wiederaufbereitung noch vorziehen. Ist das kein Euphemismus für die Todesstrafe? Dann kann er sich doch auch erschießen lassen.

Die Wiederaufbereitung ist kurz und schmerzlos. Von Skelettmechs erschossen oder in Stücke gerissen zu werden nicht.

Hat er doch gar nicht. Warum sagt er das?

"An deiner Stelle würde ich auf Vegetarier umsatteln".

Warum hat er einen Rang? Ist er beim Militär?

Nein. Das ist ein ziviles Kapitänspatent, welches ihn zum Führen eines nicht-militärischen Raumschiffs berechtigt (außer in Notfällen). Sowas wie ein Gabelstaplerschein.

Sie nennt Lowe ihren Namen, aber er bezeichnet sie weiter nur als "Streitaxt".

Lowe geht davon aus, dass er die Leute nicht wiedersehen wird und dass er sich in einigen Stunden eh nicht mehr an ihre Namen erinnern könnte. Also fragt er auch nicht danach.
Die Richterin hat ihren Namen nicht genannt.

Vielen Dank für die Anmerkungen, habe sie so gut wie möglich umgesetzt. Viel Spaß mit dem nächsten Teil.

MfG
Azareon
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon CraX » 02.07.2014, 10:10

Hallo Azareon29,

Das war es also, dachte er. Nach sieben Jahren ende ich mit einer Konditionierung

Am Ende dieses Teil wird er verurteilt. Man könnte an dieser Stelle u.U. auch meinen, er hätte gerade 7 Jahre abgesessen. Also die 7 Jahre solltest du konkretisieren.

„Du hast 'n hübschen Mund, Kleiner.“
Lowe hielt die Augen weiter geschlossen. Die Worte kamen von dem tätowierten Muskel¬protz, der ihm gegenüber saß.
Lautes Schmatzen. „Hast 'n richtig hübschen Mund.“

Normalerweise würde ich hier nicht weiter lesen, liegt aber an meinem Anspruch. Diese und ähnliche Szenen habe ich schon in hunderten Filmen gesehen. Es verspricht nicht gerade was neues, auch nicht im All.
Allerdings ist dir damit der Retour-Gag weiter unten gut gelungen.

Sein Gegenüber grinste ihn aasig an

aasig? Wie eine Leiche oder wie stell ich mir das vor?

Der Muskelprotz kicherte wie ein verstopfter Abwasserkanal.

Ein kichernder Abwasserkanal?
Abgesehen davon finde ich Bösewichter, die ständig dämlich wie Kleinkinder herumkichern ziemlich albern. Auch schon tausendmal in schlechten Filmen gesehen.

Wenn ich hier jemals wieder rauskomme, dann necklace ich Konrads fetten Kropf. Sic semper proditoris.

Unter necklace kann ich mir beim besten Willen nichts vorstellen. Klar werden im SF fremd-und Fantasiewörter benutzt, aber an dieser Stelle sollte sich der Leser etwas bildhaft vortsellen können.
Und meintest du Kopf oder Kropf?
Die Erwähnung eines Konrads lässt erahnen, dass er seinetwegen hier sitzt. Allerdings ist die Info etwa spärlich an dieser Stelle. Also hier würde ich entweder etwas mehr erzählen oder es weglassen, je nachdem, wie wichtig das noch wird.
Wenn das am Ende Latein sein soll, frage ich mich, wie das zu einem Typen wie Lowe und wie das in diese Umgebung und diese Zeit passt.
Der Übergang zum nächsten Denkansatz ist ein Sprung zuviel. Ich habe das Gefühl, das fehlt was dazwischen:
Allerdings. Konditionierung ist immer noch besser als Kryo¬stasis.
Lowe hatte schon diverse Geschichten gehört. Niemand altert in der Kryo¬stasis. Der Körper ist eingefroren, in mehr als einer Hinsicht. Aber der Verstand... der bleibt wach. Aktiv. Dreißig, vierzig, fünfzig Jahre lang. Ein Gefangener im eigenen Körper.

Die Idee der Kryostasis als Folterzustand ist schrecklich gut. Nur, warum sollte Loewe darüber nachdenken, wenn es ihn gar nicht betrifft? Da schweift er ganz schön ab.

Der stilisierte Totenkopf mit den Sternenaugen. Das Symbol der Koalition.

Eine Piratenkoalition? Oder was willst du mit dem Symbol assoziieren?

„Aussteigen. Befehlsverweigerung hat tödliche Folgen.“

Aussteigen reicht. Der Rest klingt sehr gekünstelt.

Auch wenn er der Konditionierung gerne entgangen wäre, Suizid durch Skelettmech befand sich nicht unter seinen bevorzugten Möglichkeiten.

seine bevorzugten „Alternativen“ wäre richtiger. „Suizid“ stimmt hier auch nicht.

„Aussteigen. Das ist Ihre letzte Warnung.“

Das ist die letzte Warnung!

Lowe und der Muskelprotz wurden durch die rot-grauen Gänge des Gebäudes geführt. Es dauerte nicht lange, dann standen sie vor einem Schreibtisch. Dahinter saß eine Streitaxt von Frau, mit den Insignien eines Koalitionsoffiziers. „Das Standgericht ist hiermit eröffnet.“

Das Standgericht zeugt von einer unruhigen politischen Lage (oder doch von einer Piratenkoalition?). Es wirkt etwas willkürlich, wenn es nicht weiter erklärt wird. Wenn du die Frau etwas besser beschreiben könntest, könnte man nachvollziehen, warum er sie als Streitaxt bezeichnet. Hatte ich ja beim Prolog schon angemerkt, dass du die Umgebung und die Personen etwas besser be- und umschreiben könntest.

„Aber vorher eine chemische Kastration.“

Netter Gag! Hat mich gefreut.

Wie schon gesagt, als Angehörige der Streitkräfte muss ich Ihnen meine Anerkennung aussprechen.

Ich würde sie das, was sie vermutlich gar nicht sagen dürfte, nicht auch noch wiederholen lassen.

„Gibt es etwas, dass mich aus der Sache hier heil herausbringt?“

Da ist er aber sehr optimistisch. Vielleicht etwas realistischer, etwas, „... dass meine Situation aufbessern könnte?“

„Kapitän Denver Lowe“, sagte die Streitaxt. „Kraft meines Amtes verurteile ich Sie zu... einer gesonderten Spezialstrafe. Abführen.“

Anstatt „gesonderte Spezialstrafe“ würde ich mir etwas Aussagekräftigeres oder eine verrückte Formulierung/Begriff einfallen lassen, der natürlich auch nicht viel mehr verrät. (hier könntest du einen Begriff verwenden, unter dem man sich tatsächlich nichts vorstellen kann).

Fazit: Die Welt, in der diese Story spielt, finde ich sehr einfach gestrickt, oder kommt zumindest so rüber. Die kurzen, abgehackten Sätze finde ich ok, aber der Inhalt ist aber meist etwas flach und stereotyp, erinnert tatsächlich etwas an Comicsprache. Die Bezeichnungen Muskelprotz und Streitaxt klingen nicht sehr professionell.
Der Dialog mit der Streitaxt ist meiner Meinung nach noch am besten gelungen, weil hier Loewe eine eigene, persönliche, fast entgegenkommende Verhaltensweise zeigt – und an dieser Stelle vom Stereoty abweicht und menschlich und sympatisch wird.

Mal sehen, wie es weiter geht.

Viele Grüße
CraX
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 1)/X)

Beitragvon Azareon29 » 14.07.2014, 23:39

Hallo CraX,

Am Ende dieses Teil wird er verurteilt. Man könnte an dieser Stelle u.U. auch meinen, er hätte gerade 7 Jahre abgesessen. Also die 7 Jahre solltest du konkretisieren.

Wurde geändert.

aasig? Wie eine Leiche oder wie stell ich mir das vor?

Faulige, schwarz-braune Zähne und ein Grinsen wie das von einem Totenschädel.

Ein kichernder Abwasserkanal?

Ein sehr tiefes Glucksen. 'Hurr, hurr, hurr'. Siehe Beavis und Butt-Head.

Unter necklace kann ich mir beim besten Willen nichts vorstellen. Klar werden im SF fremd-und Fantasiewörter benutzt, aber an dieser Stelle sollte sich der Leser etwas bildhaft vortsellen können.
Und meintest du Kopf oder Kropf?
Die Erwähnung eines Konrads lässt erahnen, dass er seinetwegen hier sitzt. Allerdings ist die Info etwa spärlich an dieser Stelle. Also hier würde ich entweder etwas mehr erzählen oder es weglassen, je nachdem, wie wichtig das noch wird.
Wenn das am Ende Latein sein soll, frage ich mich, wie das zu einem Typen wie Lowe und wie das in diese Umgebung und diese Zeit passt.

Necklacing ist eine sehr grausame Hinrichtungsmethode, die noch heute in Entwicklungsländerung und Südamerika angewendet wird. Googeln auf eigene Gefahr.
Ja, ich meinte Kropf.
Das ist Latein. Lowe ist eben belesener als es den Anschein hat. Und viele militärischen Verbände verwenden auch heute noch lateinische Mottos. (Übersetzt heißt es 'So soll es Verrätern immer ergehen')

Eine Piratenkoalition? Oder was willst du mit dem Symbol assoziieren?

Definitiv keine Piraten. :pirate:
Nein, der Totenkopf spielt auf etwas anderes an und soll zeigen, dass die Koalition nicht gerade ein Damenkränzchen ist.

Aussteigen reicht. Der Rest klingt sehr gekünstelt.

Sind ja auch Roboter.

„Suizid“ stimmt hier auch nicht.

Das müsstest du mir genauer erklären.

Netter Gag! Hat mich gefreut.

Danke.

Ich würde sie das, was sie vermutlich gar nicht sagen dürfte, nicht auch noch wiederholen lassen.

Wurde geändert.

Anstatt „gesonderte Spezialstrafe“ würde ich mir etwas Aussagekräftigeres oder eine verrückte Formulierung/Begriff einfallen lassen, der natürlich auch nicht viel mehr verrät. (hier könntest du einen Begriff verwenden, unter dem man sich tatsächlich nichts vorstellen kann).

Wurde geändert.

Die Welt, in der diese Story spielt, finde ich sehr einfach gestrickt, oder kommt zumindest so rüber. Die kurzen, abgehackten Sätze finde ich ok, aber der Inhalt ist aber meist etwas flach und stereotyp, erinnert tatsächlich etwas an Comicsprache. Die Bezeichnungen Muskelprotz und Streitaxt klingen nicht sehr professionell.
Der Dialog mit der Streitaxt ist meiner Meinung nach noch am besten gelungen, weil hier Loewe eine eigene, persönliche, fast entgegenkommende Verhaltensweise zeigt – und an dieser Stelle vom Stereoty abweicht und menschlich und sympatisch wird.

Ich versuche absichtlich, in einem Stil zu schreiben, der hartgesottenem Cyberpunk ähnelt(verfasst von Hemingway :ugeek: ). Kann sein, dass dadurch die Welt etwas einfach gestrickt wirkt, aber dafür falle ich nicht gleich mit der Tür ins Haus und knalle dem Leser eine fünfzigseitige Abhandlung über die soziotechnopolitischen Interaktionen hin, die er auswendig lernen und ein zwölfseitigs Essay darüber schreiben muss, bevor er die erste Seite lesen darf.


Vielen Dank für die Kommentare, hoffe, du liest auch den nächsten Teil.

MfG
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