[SciFi]Die Geächtete Auster (1(Teil 2)/X)

[SciFi]Die Geächtete Auster (1(Teil 2)/X)

Beitragvon Azareon29 » 25.06.2014, 23:18

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Der Mech führte ihn zu einem Lift, mit dem sie in den 127. Stock fuhren. Dort ging es in einen Konferenzraum. Jemand anderes war schon anwesend. Ein anämischer Teenager mit rotgeränderten Augen und wirrem schwarzem Haar. Er saß auf einem Restriktor.
Der Skelettmech scheuchte Lowe auf den nächsten. Kaum saß Lowe auf der Sitzfläche, schossen von Naniten gesteuerte Molybdänbänder aus dem Gestell und fesselten ihn an den Restriktor. Der Mech verließ den Raum.
Lowe und der Teenager waren allein. „Na, auch hier?“, sagte Lowe.
Der Teenager runzelte die Stirn. „Was soll denn das heißen? Sehe ich aus, als hätte ich mich freiwillig gemeldet?“
„Nein, Du siehst aus, als hätte die Sicherheit Dich mitsamt Pornomagazinen unter Deiner Schmusedecke hervorgezogen.“
„Ich habe keine Schmusedecke“, protestierte der Teenager.
Lowe grinste. Der Teenager wurde rot.
„Ich bin Denver Lowe“, sagte Lowe.
„Justin Case.“
Eine Tür öffnete sich. Ein Skelettmech rollte einen weiteren Restriktor in den Raum. Auf dem Stuhl saß schon jemand. Eine junge, mandeläugige Frau mit kurzen blonden Haaren. Eine Narbe verlief diagonal über ihr Gesicht. Sie schien Lowe und Justin nicht zu sehen.
Ehe Lowe etwas sagen konnte, öffnete sich eine weitere Tür. Eine regelrechte Prozession kam herein. Zwei Koalitionsoffiziere, der größere von beiden ein grauhaariger, breitschultri­ger General. Der andere war jünger und auf seiner Stirn prangte das charakteristische Im­plantat eines Netborgs. Offenbar ein Adjutant.
Dahinter folgten vier Skelettmechs, die eine aufrechte Bahre führten. Lowe riss die Augen auf. Er kannte diese Art von Bahre. Sie war mit Inhibitoren ausgestattet.
Auf ihr festgeschnallt war ein Mann in schätzungsweise Lowes Alter. Er hatte ein Gesicht wie ein gelangweilter Hamster. Das war es aber auch schon. Vom Hals abwärts bestand sein ganzer Körper aus schwarzem Metall.
Ein Voll-Cyborg, dachte Lowe. Was für eine kranke Menagerie ist das hier?
„Sind wir vollzählig?“, fragte der General. Sein Adjutant nickte.
Der General machte eine Handbewegung und die Skelettmechs nahmen Aufstellung. Ihre Positionen erinnerten Lowe unangenehm an ein Erschießungskommando.
„Allgemeine Vorstellungsrunde, Junge“, sagte der General.
Der Adjutant deutete auf Lowe. „Kapitän Denver Lowe. Schmuggler. Zur Konditionierung verurteilt.“
Sein Finger wanderte zu Justin. „Justin Case. Hacker. Zur Konditionierung verurteilt.“
Die Blondine. „Kotone Ryuzoji. Auftragskillerin. Zur Kryo­stasis verurteilt.“
Und der Cyborg. „Steve X. Söldner, Massenmörder und allgemeine Plage. Zur Wiederauf­bereitung verurteilt.“
Der General nickte. „Hochgeschätztes Publikum, Sie stehen vor einer Wahl. Es gibt zwei Türen. Entscheiden Sie sich für diese“, er deutete auf die Tür, durch die Lowe hereingekommen war, „dann werden Ihre Urteile vollstreckt, dieses Gespräch hat nie stattgefunden, und wir haben hier nur Zeit verschwendet.“
Er deutete auf eine andere Tür. „Hinter dieser Tür wird Ihnen eine Sprengkapsel implantiert, die mit einem zweiwöchigen Countdown versehen ist. Danach werden Sie auf ein Raumschiff befördert, mit dem Sie in das Territorium der Reinigenden Flamme fliegen, um Informationen über dieses Regime zu sammeln. Fragen soweit?“
Lowe wechselte einen Blick mit Justin. Der Teenager machte ein Gesicht, als wäre er in eine Orgie zwischen seinen Eltern und den Nachbarn reingeplatzt. Kotone nahm die Sache augenscheinlich gelassener auf, doch ihre Körpersprache verriet Anspannung. Cyborg Steve schien milde amüsiert zu sein.
„Was zum Demiurgen ist das für eine Wahl?“, sagte Lowe.
„Eine Wahl, bei der Sie keine dritte Möglichkeit haben“, sagte der General kaltlächelnd.
Da bin ich volle Ladung reingelaufen, dachte Lowe. „Mal angenommen, wir entscheiden uns für die zweite Tür. Was hält uns davon ab, die Sprengladungen einfach im nächsten Chop-Shop rausschneiden zu lassen?“
„Das sind MILLSPEC Kapseln mit einem DNA-Muster“, sagte der General. „Meiner DNA. Es gibt keine schwarze Klinik, die Ihnen die Ladungen entfernen könnte, ohne sich gleich mit in die Luft zu sprengen.“
Wäre auch zu schön gewesen, dachte Lowe.
Kotone schnaubte. „Amateur. Du stellst die falschen Fragen.“
„Ach, kannst du auch reden? Bitte, tu Dir keinen Zwang an“, sagte Lowe.
Die Mandelaugen der Blondine verengten sich kurz. „Was springt für uns raus, wenn wir die Informationen beschaffen? Bis jetzt kann ich da keinen Vorteil erkennen.“
„Ich schließe mich meiner Vorrednerin an“, sagte Cyborg Steve mit angenehm sanft moduliertem Bass.
„Das überlasse ich Ihnen, Junge“, sagte der General.
Der Adjutant trat einen Schritt nach vorne. „Falls ihre Mission erfolgreich verläuft, werden Ihnen diese Vergeltungen zugänglich gemacht. Erstens, vollständige Straffreiheit, unter der Voraussetzung, dass Sie sich von den Zentralwelten fernhalten. Die Randwelten stehen Ihnen dagegen frei. Zweitens, jeder von Ihnen bekommt eine Million Credits auf ein unmarkiertes Konto.“
Lowe riss die Augen auf. Sein Herz flatterte in seiner Brust, wie damals, als er sich auf seiner ersten Fahrt den schlecht geschnittenen Roten Staub reingezogen hatte. Eine Million. Das ist ja mehr, als ich in sieben Jahren beim Schmuggeln verdient habe.
Er betrachtete die anderen. Kotone hatte den Kopf schief gelegt und schien im Kopf Berechnungen anzustellen. Der Cyborg hatte ein zufriedenes Grinsen im Gesicht und nickte, als wollte er etwas bestätigen.
Nur Justin hing niedergeschlagen in den Molybdänbändern.
„Alternativ wäre auch eine Position in den Streitkräften möglich“, sagte der Adjutant. „Die Koalition lässt kein Potential ungenutzt.“
Justins Gesicht hellte sich sofort auf.
Interessant, dachte Lowe. „Ich kann nur für mich selber sprechen, aber ich bin dabei.“
„Ich auch“, sagte Justin eifrig.
„Ich bin einverstanden“, sagte Kotone.
Der Cyborg nickte immer noch vor sich hin. Als er merkte, dass alle Aufmerksamkeit ihm galt, riss er sich zusammen. „Was? Oh, ja, bin dabei.“
„Ausgezeichnet“, sagte der General und rieb sich die Hände. „Mein Adjutant wird Ihnen ein Dossier mit allen Daten aushändigen. Haben Sie sonst noch Fragen?“
„Ich hätte eine“, sagte Justin. „Wer um alles in der Welt sind Sie eigentlich?“
„Hah! Wo sind nur meine Manieren geblieben. Mein Name ist Alexander Degenhardt. General Degenhardt für Sie. Das ist mein Adjutant, Major Will Benson.“
Der Adjutant salutierte.
„Jetzt aber los. Abmarsch!“
Wundervoll, dachte Lowe, während die Skelettmechs die Restriktoren und den Cyborg aus dem Konferenzraum schoben. Keine Konditionierung, dafür ein Himmelfahrtskommando, bei dem ich auch draufgehen könnte. Aber wie sagte mein Skipper immer? 'Es könnte schlimmer sein'.
Er grinste sardonisch. Meistens wurde es dann auch schlimmer.

Ende Kapitel Eins
Man muss sich ins Leben fallen lassen - was wäre die Alternative?
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Re: Die Geächtete Auster (1(Teil 2)/X)

Beitragvon Der Finne » 03.07.2014, 16:29

Hallo Azareon29,

Dort ging es in einen Konferenzraum.

Passiv vermeiden

Jemand anderes war schon anwesend. Ein anämischer Teenager mit rotgeränderten Augen und wirrem schwarzem Haar. Er saß auf einem Restriktor.

Kann man kürzen. Ein anämischer Teenager mit rotgeränderten Augen und wirrem Haar saß auf einem Restriktor.

Der Skelettmech scheuchte Lowe auf den nächsten freien Restriktor.


„Na, auch hier?“

Hier hab ich laut gelacht. Großartig.

Dahinter folgten vier Skelettmechs, die eine aufrechte Bahre führten. Lowe riss die Augen auf. Er kannte diese Art von Bahre. Sie war mit Inhibitoren ausgestattet.

Auf einer Bahre transportiert man Tote.

Auf ihr festgeschnallt war ein Mann in schätzungsweise Lowes Alter.

Kannst du streichen. Der Leser weißs, dass Lowe das Alter nur schätzen kann.

Er hatte ein Gesicht wie ein gelangweilter Hamster.

:D

Hochgeschätztes Publikum, Sie stehen vor einer Wahl.

Der General schlägt mal wieder einen sehr unmilitärischen Tonfall an.

Der General nickte. „Hochgeschätztes Publikum, Sie stehen vor einer Wahl. Es gibt zwei Türen. Entscheiden Sie sich für diese“, er deutete auf die Tür, durch die Lowe hereingekommen war, „dann werden Ihre Urteile vollstreckt, dieses Gespräch hat nie stattgefunden, und wir haben hier nur Zeit verschwendet.“
Er deutete auf eine andere Tür. „Hinter dieser Tür wird Ihnen eine Sprengkapsel implantiert, die mit einem zweiwöchigen Countdown versehen ist. Danach werden Sie auf ein Raumschiff befördert, mit dem Sie in das Territorium der Reinigenden Flamme fliegen, um Informationen über dieses Regime zu sammeln. Fragen soweit?“

Das Bild mit den zwei Türen finde ich überstrapaziert. Warum sagt der Genereal nicht einfach, welche Optionen sie haben.

Der Adjutant trat einen Schritt nach vorne. „Falls ihre Mission erfolgreich verläuft, werden Ihnen diese Vergeltungen zugänglich gemacht:


Interessant, dachte Lowe. „Ich kann nur für mich selber sprechen, aber ich bin dabei.“
„Ich auch“, sagte Justin eifrig.
„Ich bin einverstanden“, sagte Kotone.
Der Cyborg nickte immer noch vor sich hin. Als er merkte, dass alle Aufmerksamkeit ihm galt, riss er sich zusammen. „Was? Oh, ja, bin dabei.“

Hier treibst du die Handlung sehr schnell voran. Alle sind sofort einverstanden, kein Konflikt. Das gesamte Gespräch läuft wie ein business meeting ab. Niemand protestiert gegen seine Verhaftung, alle bleiben höflich. Und völlig rational.

„Hah! Wo sind nur meine Manieren geblieben. Mein Name ist Alexander Degenhardt. General Degenhardt für Sie. Das ist mein Adjutant, Major Will Benson.“

Der Genral geht auf Wünsche von Kriminellen ein. Warum verrät er hier seinen Namen.

Der Adjutant salutierte.

Der salutiert vor Zivilisten, noch dazu Kriminellen. Der Salut ist doch ein Zeichen der Ehrenbezeigung. Und wird normalerweise einem höheren Dienstgrad gegenüber erbracht.

In diesem Teil der Geschichte ist mir vor allem der Ton des Generals aufgefallen. Der General hat einen auffallend lockeren Ton. Das passt für mich einfach nicht zu jemanden, der sein Leben im Militär verbracht hat. Und (kriminellen!) Zivilisten gegenüber ist er sehr kulant, kein bischen von oben herab.

Das zweite, was mir auffällt, ist, dass du wieder kaum Fragen offen lässt. Der Leser ist über alles im Bild.
IDie einzigen Fragen, die ich habe sind: Was steckt hinter der reinigenden Flamme und warum will Justin lieber zum Militär? Ich empfehle dir, deinen Prolog nochmal zu überdenken. Wenn du den streichst (oder durch etwas anderes ersetzt), stellen sich dem Leser viel mehr Fragen: Warum werden genau diese Personen auf die Mission geschickt. Was hat es mit der Mission auf sich (könntest du dann auch erst später einstreuen bspw. wenn sie das Schiff kriegen)?

Und schließlich gibt es keine Konflikte. Deine Protagonisten machen brav alles, was die Handlung erfordert. Sie kommen super miteinander aus: Höflicher Ton dem Militär gegenüber, kein Versuch sich zu befreien, untereinander scheinen sie auch ganz gut klar zu kommen. Bisher läuft alles für meinen Geschmack zu glatt.

Hoffe, ich konnte helfen :D

LG,
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