[SciFi]Die Geächtete Auster (Prolog/X)

[SciFi]Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Azareon29 » 21.06.2014, 01:52

General Degenhardt beugte sich über das Holo. „Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt. Wie viele, Benson?“
„Siebzehn Staffeln, Sir“, sagte der Angesprochene. „Siebzehn Staffeln, dazu drei Zerstörer und fünf schwere Kreuzer.“
Degenhardt sagte nichts. Er starrte auf die Dunkelheit im Holo.
„Damit ist auch Bellerophon endgültig an die Reinigende Flamme gefallen, Sir“, sagte Benson.
Der Blick des Generals verfinsterte sich.
„Von Bellerophon aus können, nein, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Epsilon Eridani vorstoßen“, sagte Benson. „Damit stehen sie praktisch vor der Haustür der Koalition. Na ja, nicht ganz vor der Haustür. Sie stehen am Gartenzaun und stecken verbotene Postwurfsendungen in den Briefkasten. Sir.“
Degenhardt nickte. „So kommen wir nicht weiter. Gehen wir das nochmal von vorne durch."
Benson schloss kurz die Augen. "Am 13. Mortuar des Jahres 121 AKC hatte die Koaltion den ersten Kontakt mit dem Feind, der später als die Reinigende Flamme identifiziert wurde. Jedes Sternensystem, dass ihr anheimfiel, ging auf totale Verdunkelung. Kein Kontakt, keine Nachrichten. Alles, was rauskam, besteht aus weichgespülter Propaganda. Sämtliche leichten Einheiten, die wir in ihren Einflussbereich entsandten, sind verschwunden. Alle größeren Kampfverbände wurden bis auf wenige Überlebende restlos ausgelöscht. Und die lebten nicht mehr lange. Die Waffentechnik der Reinigenden Flamme bescherte ihnen einen qualvollen Tod.“
„Nein, so kommen wir nicht weiter“, sagte Degenhardt. „Wir müssen etwas Anderes versuchen.“
„Interstellares orbitales Bombardement, Sir?“
„Wenn es nur so einfach wäre, Junge. Das haben wir doch schon im Svarog-System versucht. Informationen! Die brauchen wir! Wir führen hier einen Krieg im Dunkeln.“
„Im Dunkeln ist gut Munkeln, Sir.“
Der General runzelte die Stirn. „Versuchen Sie gerade, witzig zu sein?“
„Würde ich mir nie erlauben, Sir. Also, was gedenken wir zu tun, um Licht in dieses Dunkel zu bringen.“
„Das operative Wort lautet 'Himmelfahrtskommando'“, sagte Degenhardt.
„... ah.“ Benson überlegte. „Das wird der Admiralität aber gar nicht schmecken. Sir.“
Der General schnaubte. „Die Admiralität! Pah! Soll von mir aus an ihrer Arroganz ersticken. Ab heute verheizen wir keine Kampfverbände mehr. Die noch übrigen sollen die Hyperraumpunkte der Sternensysteme sichern.“
„Wird umgehend veranlasst, Sir.“
„Sehr gut. Dann brauchen wir nur noch zwei Dinge. Ein entbehrliches Schiff, und eine entsprechende Crew.“
„Ein entbehrliches Schiff hätte ich zur Hand, Sir. Was die Crew betrifft, hm, das wird schwieriger. Eine auf diesen Zweck ausgewogene Mischung aus Loyalität, Aufsässigkeit, Gier, Erpressbarkeit, sowie der allgemeinen Verrücktheit einer Scheißhausratte auf Amphetamin kann nicht jeder vorweisen.“
„Ich habe vollstes Vertrauen in Sie, Junge.“
Benson neigte den Kopf. „Danke, Sir. Aber dennoch wird es ein langwieriger Prozess, bei dem die Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft werden müssen. Ihr Hintergrund, ihr psychologisches Profil... nichts kann ausgelassen, nichts dem Zufall überlassen werden.“
Er schloss kurz die Augen. „So, fertig.“
Degenhardt kreiselte mit einer Hand.
"Wir haben Glück, Sir. Gerade in diesem Moment befinden sich vier Individuen im Gewahrsam der Koalitionssicherheit, welche mehr oder weniger in das Schema passen. Zwei sind für eine Konditionierung vorgesehen, einer für Kryostasis und der letzte“, Benson geriet ins Stocken, „für eine Wiederaufbereitung.“
„Wiederaufbereitung, eh?“, sagte Degenhardt. „Was hat er getan?“
„Die offizielle Anklage lautet 'Obszöne Verunstaltung der Innenstadt von Europolis', Sir“, sagte der Adjutant.
Der General hob eine Augenbraue.
„Er verunstaltete sie mit den Überresten der rund hundert Sicherheitskräfte, die ihn in Gewahrsam nehmen wollten.“
„Aha. Ja, das zählt durchaus als obszön.“
Benson zögerte. „Ich bin nicht ganz von dieser Strategie überzeugt, Sir.“
„Kann ich verstehen, Junge. Aber sehen Sie das mal so: entweder diese Vier haben Erfolg und wir bekommen wertvolle Informationen über die Reinigende Flamme, oder sie gehen dabei drauf und belasten uns nicht länger. Es ist immer noch besser, als eine weitere Kampfstaffel mit hochdekorierten Lamettaträgern an der Front aufzureiben.“
„Hart, aber fair, Sir.“
Degenhardt löschte das Holo mit einer Handbewegung aus. „Veranlassen Sie alles Notwendige. So schnell wie möglich.“
„Jawohl, Sir“, sagte Benson. „Morgen um Null-Neunhundert Erdstandard steht alles bereit. Dann müssen wir die Vier nur noch überzeugen.“
„Überlassen Sie das mir, Junge.“ Der General hob eine Hand. „Sie sagten, Sie hätten schon ein entbehrliches Schiff gefunden? Was ist das denn für ein Windjammer?“
„Die CSS Outlaw Oyster”, sagte der Adjutant. „Die Geächtete Auster.“

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Zuletzt geändert von Azareon29 am 14.07.2014, 22:46, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon CraX » 21.06.2014, 23:29

Hallo Azareon29,

Siebzehn Staffeln verloren. Ein starker Einstieg. Die beiden Protas befinden sich mitten in einer Krisenbesprechung und als Leser bin ich ebenfalls gleich mitten drin.

Vielmal „Verdammt“ ist aber mindestens einmal zuviel, beim 4. Mal ist die Luft raus.

Er starrte auf die Dunkelheit im Holo

Ich nehme an, dass in dem Holo mehr zu sehen ist als nichts? Oder ist es gerade erloschen?

Jedes Sternensystem, dass sie anheimfällt, geht auf totale Verdunkelung

Das klingt ein wenig zu aktiv, als ob die Opferplaneten sich selbst das Licht ausschalten. Vielleicht das aktive Verdunkeln etwas passiver formulieren? „total“ ev. streichen.
Jedes Sternensystem, dass sie anheimfällt, verdunkelt sich.

Alles, was wir mitbekommen, besteht aus weichgespülter Propaganda.

„mitbekommen“ klingt etwas unbeholfen. Und warum bekommen sie etwas mit? Offensichtlich sind die befallenen Systeme nicht total still. Vielleicht so:
Alles, was da noch rauskommt, ...

... wurden bis auf wenige Überlebende restlos ausgelöscht.“
Und die Überlebenden“, sagte der Adjutant, „die überlebten nicht lange.

„Überleben“ dreimal hintereinander.

... so kommen wir nicht weiter

Ist ein Satz, den der General zweimal sagt.

Knapp dran, aber keine Zigarre, Junge.

Den Spruch kenne ich jetzt nicht, aber das macht nichts. Mich stört eher die Zigarre an sich in einem SF (auch als Spruchbestandteil).

„Im Dunkeln ist gut Munkeln, Sir.“
Der General runzelte die Stirn. „Versuchen Sie gerade, witzig zu sein?“

Das könnte der Leser sich auchfragen und meine Antwort wäre: Das war jetzt nicht besonders witzig. Passt auch nicht zu einer Lagebesprechung, auch wenn diese etwas salopp ist. Aber die Idee, hier eine unbeholfene Bemerkung des Adjutanten einzufügen, worauf der General damit antwortet, finde ich nicht schlecht, aber vielleicht fällt dir noch was besseres ein.

Der General sagte es ihm.

Diese Stelle ist meiner Meinung nach missglückt.
Der General verrät seinem Gesprächspartner den großen Plan und der Leser wird wie ein kleiner Junge nach draußen geschickt. So nach dem Motto. Ich als Autor verrate an dieser Stelle, dass ich an dieser Stelle noch nichts verrate, damit es für euch spannend bleibt.
Vielleicht kann man es ganz weglassen, im folgendem werden ja dann ein paar Details angesprochen.
Oder die beiden haben schon einmal über den Plan X (gib ihm vielleicht einen Namen) gesprochen und der Adjutant weiß schon Bescheid.

Diese hochdekorierten Lamettatiere sollen von mir aus an ihrer Arroganz ersticken und nicht meine Befehle hinterfragen

Ob es den Begriff Lamettatiere gibt, weiß ich nicht, er ist abgesehen davon kompliziert (Stolperstein). Befehle werden eher von Untergebenen hinterfragt, nicht von Vorgesetzten, oder täusche ich mich da?

Die noch übrigen sollen die Hyperraumpunkte der Sternensysteme sichern.“
„Es wird umgehend veranlasst, Sir.“

„Ich werde mich darum kümmern“, fände ich hier stimmiger.

Was die Crew betrifft, hm, das wird schwieriger

Aus „schwieriger“ würde ich „schwierig“ machen, das steigert es noch.

Er schloss kurz die Augen. „So, fertig.“

So schnell, was?, frage ich mich auch als Leser hier. Aber was eigentlich? Was hat er gerade eigentlich gemacht?

„Wir haben Glück. Gerade in diesem Moment befinden sich vier Individuen im Gewahrsam der Koalitionssicherheit, welche genau in das Schema passen, das ich aufgestellt habe.

Na so ein Zufall! Klingt so, als gäbe es nur diese 4 Gefangenen. Lass sie aus einer größeren Gruppe kommen: Also in dem Sinn: Unter den Gefangenen der Koalition befinden sich vier Individuen, welche genau (oder ungenauer: so ziemlich) in das Schema passen. (, das ich aufgestellt habe – würde ich streichen, denn der Plan kommt ja eigentlich vom General? Außerdem zweifelt der Adjutant den Plan weiter unten selber noch an.)

„Er verunstaltete sie mit den Überresten der rund hundert Sicherheitskräfte, die ihn in Gewahrsam nehmen wollten.“
„Aha. Ja, das zählt durchaus als obszön.“

Schwarzer Humor gefällt mir.

„Hart, aber fair, Sir.“

Der Spruch würde passen, wenn den Kandidaten die Aussicht auf Straffreiheit gegeben worden wäre, oder was meinst du hier mit „fair“? Der Spruch passt hier nicht so recht.


Sonst noch allgemein:
Ein paar Gesten der beiden Protas, die nebenbei erwähnt werden und/oder ein bisschen Personenbeschreibung und/oder den beiden Namen zu geben, würde die Szene lebendiger werden lassen.
Das Holo wird erwähnt, aber nicht, was darin zu sehen ist (außer Schwärze), da könnte man noch was machen.
Vielleicht noch ein Detail aus der Umgebung, um zu erahnen, wo sich die beiden befinden könnten?

Ansonsten: Bis auf den saloppen Umgang der beiden ein relativ gut gelungener Einstiegs-Dialog.

LG
CraX
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Azareon29 » 22.06.2014, 12:42

Hallo CraX,

danke für deine Kritik. Ein paar Anmerkungen meinerseits:


Ich nehme an, dass in dem Holo mehr zu sehen ist als nichts? Oder ist es gerade erloschen?

DIe 'Dunkelheit' sollte eigentlich eine visuelle Darstellung des derzeitigen Einflussbereichs der Reinigenden Flamme darstellen.

Das klingt ein wenig zu aktiv, als ob die Opferplaneten sich selbst das Licht ausschalten. Vielleicht das aktive Verdunkeln etwas passiver formulieren? „total“ ev. streichen.

Mit 'Totaler Verdunkelung' ist ein kompletter Informationsstopp gemeint.

Den Spruch kenne ich jetzt nicht, aber das macht nichts. Mich stört eher die Zigarre an sich in einem SF (auch als Spruchbestandteil).

:oops: Ja, das war eine unbeholfene Übersetzung des englischen Ausdrucks 'close, but no cigar'. Passender wäre wohl sowas gewesen wie 'Fast ins Schwarze getroffen'.

So schnell, was?, frage ich mich auch als Leser hier. Aber was eigentlich? Was hat er gerade eigentlich gemacht?

Genau das, was er gesagt hatte. Er ist die Liste sämtlicher Gefangenen durchgegangen und hat sich diejenigen rausgesucht, die am ehesten in Frage kämen.

Mfg
Azareon
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Der Finne » 23.06.2014, 17:26

Hallo Azareon29,

schöne Geschichte, die du da geschrieben hast. Gefällt mir insgesamt gut. Für meinen Geschmack könntest due es aber noch ein bischen plastischer gestallten. Ein paar Sätze, die die Umgebung beschreiben, ein bischen Gestik und Mimik vielleicht. So wirkt es auf mich noch etwas wie ein Expose.

Ein par kleine Anmerkungen hab ich noch. Die anderen Kommentare habe ich nicht gelesen um unvoreingenommen zu sein, also kann es sein dass sich der eine oder andere Punkt wiederholt.

Der General beugte sich über das Holo. „Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt. Wie viele?“

Du könntest den starken Gefühlsausbruch noch durch Körpersprache unterstreichen. Er tritt gegen etwas, schlägt mit der Faust auf den Tisch, streicht sich fahrig durchs Haar, o.Ä.

Siebzehn Staffeln, dazu drei Zerstörer und fünf schwere Kreuzer.“

Ich kenne mich beim Militär nicht so richtig aus, aber ich glaube eine Staffel ist eine Einheit bei der Luftwaffe. Bei Raumschiffen verwenden die meisten Autoren (wie du auch meistens) Bezeichnungen der Marine. Für mich würde Geschwader besser klingen.

Er starrte auf die Dunkelheit im Holo.

Ist das jetzt ausgefallen, oder wieso ist das jetzt dunkel?

Der Blick des Generals verfinsterte sich.

Das irritiert mich jetzt. Nach den vielen verdammts habe ich seine Stimmung als bereits ziemlich mies eingeschätzt. Vielleicht "Der Blick des Generals verfinsterte sichweiter/ noch mehr."

„Damit stehen sie praktisch vor der Haustür der Koalition. Na ja, nicht ganz vor der Haustür. Sie stehen am Gartenzaun und stecken verbotene Postwurfsendungen in den Briefkasten. Sir.“

Der Adjutant verwendet in einem Zeitalter, in dem fremde Planeten bevölkert sind und interstellare Raumschlachten stattfinden, eine metapher, die ich heute schon als leicht veraltet bezeichnen würde.

„Wir wissen so gut wie nichts über die Reinigende Flamme“, sagte der General. „Jedes Sternensystem, dass ihr anheimfällt, geht auf totale Verdunkelung. Kein Kontakt, keine Nachrichten. Alles, was rauskommt, besteht aus weichgespülter Propaganda. Sämtliche leichten Einheiten, die wir in ihren Einflussbereich entsandten, sind verschwunden. Alle größeren Kampfverbände wurden bis auf wenige Überlebende restlos ausgelöscht.“
„Und die Überlebenden“, sagte der Adjutant, „lebten nicht mehr lange. Die Waffentechnik der Reinigenden Flamme bescherte ihnen einen qualvollen Tod.“
„Nein, so kommen wir nicht weiter“, sagte der General. „Wir müssen etwas Anderes versuchen.“

Sie erzählen sich hier Dinge, die sie gegenseitig bereits wissen, nur damit sie der Leser erfährt. Es gibt geschicktere Arten dem Leser diese Informationen zugänglich zu machen. Andererseits kannst du es in diesem militärischen Setting vermutlich als Rapport oder im Zug einer taktischen Besprechung einbauen.

„Interstellares orbitales Bombardement, Sir?“

Ich würde hier das interstellar streichen. Entweder das Bombardement erfolgt von einem Planteten zum anderen (interstellar) oder aus einer Umlaufbahn um den Planeten (orbital). Nicht beides.

Der General schnaubte. „Die Admiralität! Pah! Soll von mir aus an ihrer Arroganz ersticken. Ab heute verheizen wir keine Kampfverbände mehr. Die noch übrigen sollen die Hyperraumpunkte der Sternensysteme sichern.“

"Die restlichen" oder "die verbliebenen" klingt besser.

„Danke, Sir. Aber dennoch wird es ein langwieriger Prozess, bei dem die Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft werden müssen. Ihr Hintergrund, ihr psychologisches Profil... nichts kann ausgelassen, nichts dem Zufall überlassen werden.“
Er schloss kurz die Augen. „So, fertig.“
„So schnell, was?“, sagte der General.
„Zweimal sogar“, sagte der Adjutant. „Wir haben Glück. Gerade in diesem Moment befinden sich vier Individuen im Gewahrsam der Koalitionssicherheit, welche mehr oder weniger in das Schema passen

Diese Stelle hat mich irritiert. Was passiert hier? Hat der Adjutant in seinem Kopf Zugriff auf eine Datenbank und auf dieser eine entsprechende Suche ausgeführt? Also so ähnlich wie die Mentaten bei Dune, nur vernetzt? Was auch immer er da macht scheint für den General selbstverständlich zu sein. Dann sollte ih aber auch die Geschwindigkeit, mit der sein Adjutant dies ausführt nicht erstaunen. Er wird diese sehr nützliche Fähigkeit ja wahrscheinlich schon öfter genutzt haben.

„Die offizielle Anklage lautet 'Obszöne Verunstaltung der Innenstadt von Europolis', Sir“, sagte der Adjutant.
Der General hob eine Augenbraue.
„Er verunstaltete sie mit den Überresten der rund hundert Sicherheitskräfte, die ihn in Gewahrsam nehmen wollten.“
„Aha. Ja, das zählt durchaus als obszön.“

Die beiden haben ziemlich lockeren Ansichten,was Strafttaten angeht. Sind also scheinbar nicht die üblichen Law-and-order Militärs.

Es ist immer noch besser, als eine weitere Kampfstaffel mit hochdekorierten Lamettaträgern an der Front aufzureiben.

Der General bezeichnet verdiente Soldaten die Auszeichnungen erhalten haben als "Lamettaträger"? Den Ausdruck hättte ich eher von niedrigeren Diensträngen erwartet.

„Hart, aber fair, Sir.“

Ein wahrscheinlich tödlicher Militäreinsatz statt Todesstrafe? Klingt nicht besonders hart..

Die beiden Protagonisten werden nie mit Namen bezeichnet, sondern nur mit ihrem Rang, selten durch ein "er". Der ständigen Wiederholungen aus "sagte der General" und "sagte der Adjutant" lassen den Text teilweise ein bischen hölzern wirken. Ich schlage vor, dass du versuchst, das ein wenig zu reduzieren. Mich hat aber sehr gefreut, dass du auf gekünstelte Sprachverben wie "seufzte", "flüsterte", "hauchte" etc. verzichtet hast. :D

Bin schon gespannt, wie du verhinderst, dass die vier Straftäter mit dem Schiff verschwinden, desertieren, oder zum Feind überlaufen.

Ich vermute, dass es in deiner Geschichte um die Vier und ihre Mission geht. Das klingt auf jeden Fall vielversprechend. Ich kann noch nicht sagen, ob mir der Prolog in seiner Funktion als Hintergrunderklärung gefällt, oder ob du das für meinen Geschmack lieber in den Hauptteil integrieren solltest. Das hängt für mich vom weiteren Verlauf der Geschichte ab. Ich tu mich mit Prologen immer ein wenig schwer.
Gut geschrieben ist aber aber auf jeden Fall.

Liebe Grüße,
der Finne
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Azareon29 » 23.06.2014, 22:25

Hallo (der) Finne,

vielen Dank für die Anmerkungen.

Für meinen Geschmack könntest due es aber noch ein bischen plastischer gestallten. Ein paar Sätze, die die Umgebung beschreiben, ein bischen Gestik und Mimik vielleicht. So wirkt es auf mich noch etwas wie ein Expose.

Ich habe mich hier absichtlich für Minimalismus und beige Prosa entschieden, um dem Dialog mehr Gewicht zu verleihen.

Du könntest den starken Gefühlsausbruch noch durch Körpersprache unterstreichen. Er tritt gegen etwas, schlägt mit der Faust auf den Tisch, streicht sich fahrig durchs Haar, o.Ä.

Tja. Das erscheint mir wiederrum als ziemliches Overacting und passt m. E. nicht zum Charakter des Generals.

Ich kenne mich beim Militär nicht so richtig aus, aber ich glaube eine Staffel ist eine Einheit bei der Luftwaffe. Bei Raumschiffen verwenden die meisten Autoren (wie du auch meistens) Bezeichnungen der Marine. Für mich würde Geschwader besser klingen.

Gerade weil die meisten Autoren Bezeichnungen der Marine verwenden, habe ich mich dagegen entschieden. So laufe ich (hoffentlich) weniger Gefahr, den Weltraum wie einen Ozean zu behandeln.

Ist das jetzt ausgefallen, oder wieso ist das jetzt dunkel?

Mit der Dunkelheit war eigentlich der Bereich gemeint, der der Reinigenden Flamme anheimgefallen ist.

Der Adjutant verwendet in einem Zeitalter, in dem fremde Planeten bevölkert sind und interstellare Raumschlachten stattfinden, eine metapher, die ich heute schon als leicht veraltet bezeichnen würde.

Ja, jetzt wo du es sagst... Irgendeine Idee, was ich anstelle von dieser Metapher verwenden könnte?

Diese Stelle hat mich irritiert. Was passiert hier? Hat der Adjutant in seinem Kopf Zugriff auf eine Datenbank und auf dieser eine entsprechende Suche ausgeführt? Also so ähnlich wie die Mentaten bei Dune, nur vernetzt? Was auch immer er da macht scheint für den General selbstverständlich zu sein. Dann sollte ih aber auch die Geschwindigkeit, mit der sein Adjutant dies ausführt nicht erstaunen. Er wird diese sehr nützliche Fähigkeit ja wahrscheinlich schon öfter genutzt haben.

Ja, der Adjutant ist im Kopf vernetzt. Darauf wird in einem anderen Post hingedeutet. Der General hat das eher sarkastisch gemeint (was der Adjutant völlig übergangen hat).

Die beiden haben ziemlich lockeren Ansichten,was Strafttaten angeht. Sind also scheinbar nicht die üblichen Law-and-order Militärs.

Es sind eher die Wir-liefern-Ergebnisse-und-fragen-Sie-nicht-wie-Militärs. :wink:

Bin schon gespannt, wie du verhinderst, dass die vier Straftäter mit dem Schiff verschwinden, desertieren, oder zum Feind überlaufen.

Ich vermute, dass es in deiner Geschichte um die Vier und ihre Mission geht. Das klingt auf jeden Fall vielversprechend. Ich kann noch nicht sagen, ob mir der Prolog in seiner Funktion als Hintergrunderklärung gefällt, oder ob du das für meinen Geschmack lieber in den Hauptteil integrieren solltest. Das hängt für mich vom weiteren Verlauf der Geschichte ab. Ich tu mich mit Prologen immer ein wenig schwer.
Gut geschrieben ist aber aber auf jeden Fall.

Vielen Dank. Werde demnächst weitere Teile posten. Ich hoffe, du wirst dir diese auch vornehmen.

MfG
Azareon
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Der Finne » 26.06.2014, 16:44

Mir fällt leider nichts vernünftiges ein, was man anstelle der Metapher nehmen könnte. Das beste was mir einfällt ist "Sie befinden sich praktisch bereits im Sinkflug auf die Koalition. Naja, nicht ganz im Sinkflug. Sie sind in unserem Orbit und zählen unsere Satelitten".

Deine Metapher an sich finde ich super. Nur leider nicht in SF. Würde das ein amerikanische Genreal während der Kubakrise sagen .. :D
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Aradir » 29.06.2014, 12:39

Ich werd mal versuchen ein paar Verbesserungsvorschläge zu machen :wink:
Bin hier zufällig über den zweiten Teil der Story reingestolpert.
„Wir wissen so gut wie nichts über die Reinigende Flamme“, sagte der General. „Jedes Sternensystem, dass ihr anheimfällt, geht auf totale Verdunkelung. Kein Kontakt, keine Nachrichten. Alles, was rauskommt, besteht aus weichgespülter Propaganda. Sämtliche leichten Einheiten, die wir in ihren Einflussbereich entsandten, sind verschwunden. Alle größeren Kampfverbände wurden bis auf wenige Überlebende restlos ausgelöscht.“
„Und die Überlebenden“, sagte der Adjutant, „lebten nicht mehr lange. Die Waffentechnik der Reinigenden Flamme bescherte ihnen einen qualvollen Tod.“

Das wirkt in meinen Augen ein wenig unbeholfen. Für den Leser ist das eine Information, die ihm da serviert wird. Leider macht es überhaupt keinen Sinn das die Protas das hier erwähnen. Ganz offensichtlich läuft der Krieg schon eine ganze Weile und die beiden Protas sind offensichtlich keine Zivilisten, die informiert werden müssen. Warum erwähnen die das dann? Warum sollte der General einfach so grundlegende Informationen wiederholen? Mit in einer Strategiebesprechung fange ich doch auch nicht an die Geschichte des Feindes wiederzugeben.
Verbesserungsvorschlag: Entweder du lässt diese Informationen einfach weg und lässt die Protas einfach was über den Mangel an Infos reden, ohne dabei die Flamme explizit zu erwähnen oder aber du lässt den Admiral die ganze Situation noch einmal von Anfang an aufrollen. Also z.B.: "Gehen wir das Ganze noch einmal von Anfang an durch." Der Adjudant verdrehte die Auge: "Sehr wohl, Sir. Am XX hatte die Koalition zum ersten Mal Kontakt mit den Feinden, die man später als Reinigende Flamme identifizierte..."
Das wirkt für mich wesentlich organischer im Vergleich zu der doch ziemlich bemüht eingeflochtenen Exposition.
„Interstellares orbitales Bombardement, Sir?“
„Wenn es nur so einfach wäre, Junge. Wir brauchen Informationen. Wir führen hier einen Krieg im Dunklen.“

Und warum brauchen sie Informationen, wenn sie den Gegner bequem aus der Ferne zermalmen können? Gibt es vielleicht die Gefahr das der Gegner auf gleiche Weise zurückschlägt? Oder hat er eine Waffe, die dieses Bombardment verhindert?
„Sehr gut. Dann brauchen wir nur noch zwei Dinge. Ein entbehrliches Schiff, und eine entsprechende Crew.“
„Ein entbehrliches Schiff hätte ich zur Hand, Sir. Was die Crew betrifft, hm, das wird schwieriger. Eine auf diesen Zweck ausgewogene Mischung aus Loyalität, Aufsässigkeit, Gier, Erpressbarkeit, sowie der allgemeinen Verrücktheit einer Scheißhausratte auf Amphetamin kann nicht jeder vorweisen.“

Ich verstehe durchaus, dass du deine Protas interessant gestalten willst. Für mich macht es aber gar keinen Sinn eine Gruppe von Psychopathe auf eine geheime, lautlose, unauffällige Aufklärungsmission zu schicken. Im Gegenteil ich würde hochloyale, äußerst fähige Freiwillige einsetzen und nicht den letzten Abschaum. Da solltest du dir noch eine trifftige Begründung einfallen lassen.
Hoffe ich konnte helfen. :)
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Aikaterini » 08.07.2014, 13:14

Bereits mit dem ersten Satz, sollte der Schriftsteller sein Können zeigen. Am besten sogleich mit dem ersten Satz den Hacken auswerfen, den Leser packen und ihn nicht mehr von der Angel lassen.
Nun sehen wir uns deinen ersten Satz mal an.

Der General beugte sich über das Holo.


:| Sehr allgmein und nichtssagend.

Aber der zweite Satz:

„Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt. Wie viele?“


Der erzeugt sogleich Spannung. Ich würde diesen Satz an den Anfang setzen.

Danach stach ständig ein Satz hervor, der sich im Lesefluss anhörte wie eine falsche Note.

Der General beugte sich über das Holo. „Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt. Wie viele?“
„Siebzehn Staffeln, Sir“,sagte der Adjutant.(1)„Siebzehn Staffeln, dazu drei Zerstörer und fünf schwere Kreuzer.“
Der General sagte nichts. Er starrte auf die Dunkelheit im Holo.
„Damit ist auch Bellerophon endgültig an die Reinigende Flamme gefallen, Sir“, sagte der Adjutant.(2)
Der Blick des Generals verfinsterte sich.
„Von Bellerophon aus können, nein, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Epsilon Eridani vorstoßen“, sagte der Adjutant. (3)„Damit stehen sie praktisch vor der Haustür der Koalition. Na ja, nicht ganz vor der Haustür. Sie stehen am Gartenzaun und stecken verbotene Postwurfsendungen in den Briefkasten. Sir.“
Der General nickte. „So kommen wir nicht weiter.“
Der Adjutant faltete die Hände.
„Wir wissen so gut wie nichts über die Reinigende Flamme“,sagte der General.(1) „Jedes Sternensystem, dass ihr anheimfällt, geht auf totale Verdunkelung. Kein Kontakt, keine Nachrichten. Alles, was rauskommt, besteht aus weichgespülter Propaganda. Sämtliche leichten Einheiten, die wir in ihren Einflussbereich entsandten, sind verschwunden. Alle größeren Kampfverbände wurden bis auf wenige Überlebende restlos ausgelöscht.“
„Und die Überlebenden“, sagte der Adjutant,(4) „lebten nicht mehr lange. Die Waffentechnik der Reinigenden Flamme bescherte ihnen einen qualvollen Tod.“
„Nein, so kommen wir nicht weiter“, sagte der General.(2) „Wir müssen etwas Anderes versuchen.“
„Interstellares orbitales Bombardement, Sir?“
„Wenn es nur so einfach wäre, Junge. Wir brauchen Informationen. Wir führen hier einen Krieg im Dunklen.“
„Im Dunkeln ist gut Munkeln, Sir.“
Der General runzelte die Stirn. „Versuchen Sie gerade, witzig zu sein?“
„Würde ich mir nie erlauben, Sir. Also, was gedenken wir zu tun, um Licht in dieses Dunkel zu bringen.“
„Das operative Wort lautet 'Himmelfahrtskommando'“, sagte der General.(3)
„... ah.“ Der Adjutant riss die Augen auf. „Das wird der Admiralität aber gar nicht schmecken. Sir.“
Der General schnaubte. „Die Admiralität! Pah! Soll von mir aus an ihrer Arroganz ersticken. Ab heute verheizen wir keine Kampfverbände mehr. Die noch übrigen sollen die Hyperraumpunkte der Sternensysteme sichern.“
„Wird umgehend veranlasst, Sir.“
„Sehr gut. Dann brauchen wir nur noch zwei Dinge. Ein entbehrliches Schiff, und eine entsprechende Crew.“
„Ein entbehrliches Schiff hätte ich zur Hand, Sir. Was die Crew betrifft, hm, das wird schwieriger. Eine auf diesen Zweck ausgewogene Mischung aus Loyalität, Aufsässigkeit, Gier, Erpressbarkeit, sowie der allgemeinen Verrücktheit einer Scheißhausratte auf Amphetamin kann nicht jeder vorweisen.“
„Ich habe vollstes Vertrauen in Sie, Junge.“
Der Adjutant neigte den Kopf. „Danke, Sir. Aber dennoch wird es ein langwieriger Prozess, bei dem die Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft werden müssen. Ihr Hintergrund, ihr psychologisches Profil... nichts kann ausgelassen, nichts dem Zufall überlassen werden.“
Er schloss kurz die Augen. „So, fertig.“
„So schnell, was?“, sagte der General.(4)
„Zweimal sogar“,sagte der Adjutant.(5) „Wir haben Glück. Gerade in diesem Moment befinden sich vier Individuen im Gewahrsam der Koalitionssicherheit, welche mehr oder weniger in das Schema passen. Zwei sind für eine Konditionierung vorgesehen, einer für Kryostasis und der letzte“, er geriet ins Stocken, „für eine Wiederaufbereitung.“
„Wiederaufbereitung, eh?“, sagte der General. (5)„Was hat er getan?“
„Die offizielle Anklage lautet 'Obszöne Verunstaltung der Innenstadt von Europolis', Sir“, sagte der Adjutant.(6)
Der General hob eine Augenbraue.
„Er verunstaltete sie mit den Überresten der rund hundert Sicherheitskräfte, die ihn in Gewahrsam nehmen wollten.“
„Aha. Ja, das zählt durchaus als obszön.“
Der Adjutant zögerte. „Ich bin nicht ganz von dieser Strategie überzeugt, Sir.“
„Kann ich verstehen, Junge. Aber sehen Sie das mal so: entweder diese Vier haben Erfolg und wir bekommen wertvolle Informationen über die Reinigende Flamme, oder sie gehen dabei drauf und belasten uns nicht länger. Es ist immer noch besser, als eine weitere Kampfstaffel mit hochdekorierten Lamettaträgern an der Front aufzureiben.“
„Hart, aber fair, Sir.“
Der General löschte das Holo mit einer Handbewegung aus. „Veranlassen Sie alles Notwendige. So schnell wie möglich.“
„Jawohl, Sir“, sagte der Adjutant. „Morgen um Null-Neunhundert Erdstandard steht alles bereit. Dann müssen wir die Vier nur noch überzeugen.“
„Überlassen Sie das mir, Junge.“ Der General hob eine Hand. „Sie sagten, Sie hätten schon ein entbehrliches Schiff gefunden? Was ist das denn für ein Windjammer?“
„Die CSS Outlaw Oyster”, sagte der Adjutant.(7)„Die Geächtete Auster.“


5 Mal sagte der General und 7 Mal sagte der Adjutant auf so einen kurzen Text? :wary: Das ist insgesamt 12 Mal sagte.
Ich weiß nicht, ob du dadurch die militärische Sprache unterstreichen wolltest, aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich konnte mich kaum auf den Text orientieren, weil mich jedes Mal das "sagte der Adjutant" rauswarf.

Es gibt so viele andere Formen, als sagte. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Erwiderte, antwortete, erläuterte, erklärte, berichtete, eröffnete, wiedersprach, forderte, verlangte. Die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Zudem schreibst du das "sagte" nach dem Dialog. Und was wenn ich mir bereits den Adjutanten vorgestellt habe, obwohl der General spricht? Das kannst du mit nichts mehr rückgängig machen. Bereits im Voraus muss klar sein, wer spricht.

Aber (!) am besten ist es, wenn der Autor den Dialog gar nicht mit einem Einwurf wie "sagte der..." unterbricht. Es wirkt plump und einfallslos. Indem man vorher auf eine Handlung des Sprechers verweist, wird der Leser verstehen, dass dieser spricht.
Beispiel aus deinem Text.
Der General nickte. „So kommen wir nicht weiter.“

Hier ist sofort klar, dass der General spricht.

Du hast nur zwei Personen, die miteinander sprechen. Bei drei Charakteren müsstest du natürlich öfter darauf verweisen, wer das Wort ergreift. Aber bei zwei? Der Leser ist nicht schwer von Begriff. Du könntest in einem Absatz zusammenfügen, wenn einer spricht, auch wenn du seine Rede durch sogenannte Regieanweisungen unterbrichst.

Ferner fehlt es in deinem Text an jeglicher Szenerie. Sind wir in einem Raumschiff? Auf einer Gefechtsstation? In einem Bunker? Auf einem fremden Planeten? Der Leser hat keine Ahnung und macht sich keine Vorstellung. Ich habe mir notgedrungen das Raumschiff Enterprise vorgestellt. Was blieb mir anderes übrig? Eine weiße Wand?
Abgesehen von dem Holo, was schätze ich ein Hologram sein soll, habe ich keine Beschreibung im Text gefunden.

Als nächstes kommt die Zeit. Im welchen Jahr befinden wir uns? Auch hier ist der Leser vollkommen orientierungslos.

Zu den Charakteren. Sie haben nicht einmal Namen. Bei einem Namen kommt dem Leser sogleich ein Bild im Kopf. Ich stelle mir jemand anderen unter den Namen Peter und jemand anderen unter den Namen Gerwulf vor.
Ich würde dir dringend empfehlen den Figuren Namen zu geben. Anschließend zumindest ein Merkmal. Am besten ein auffäliges, das kann auch nur irgendeine Marrote sein. Beißt der eine sich ständig auf die Unterlippe? Streicht sich der andere öfter durch den Bart? Ist einer von ihnen sehr blass, weil ersich ständig im Weltraum befindet? Gib dem Leser eine lebendige Persönlichkeit, mit der mitfiebern kann.

Fazit:
Wir haben kein wann, kein wo, kein wer. Nur zwei gesichtlose Männer die über einen Krieg sprechen.

Was mich an deinem Text überzeugt hat, sind die lebendigen Dialoge - die allerdings hart gelitten haben, unter den vielen Unterbrechungen.
Und die Regungen der Sprecher. Mal faltet einer die Hände, mal hebt einer eine Augenbraue usw.

Der Text hat Potenzial, der allerdings bei weitem nicht ganz ausgeschöpft wurde.
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Re: Die Geächtete Auster (Prolog/X)

Beitragvon Azareon29 » 14.07.2014, 23:18

Hallo,

@Aradir
Das wirkt in meinen Augen ein wenig unbeholfen. Für den Leser ist das eine Information, die ihm da serviert wird. Leider macht es überhaupt keinen Sinn das die Protas das hier erwähnen. Ganz offensichtlich läuft der Krieg schon eine ganze Weile und die beiden Protas sind offensichtlich keine Zivilisten, die informiert werden müssen. Warum erwähnen die das dann? Warum sollte der General einfach so grundlegende Informationen wiederholen? Mit in einer Strategiebesprechung fange ich doch auch nicht an die Geschichte des Feindes wiederzugeben.
Verbesserungsvorschlag: Entweder du lässt diese Informationen einfach weg und lässt die Protas einfach was über den Mangel an Infos reden, ohne dabei die Flamme explizit zu erwähnen oder aber du lässt den Admiral die ganze Situation noch einmal von Anfang an aufrollen. Also z.B.: "Gehen wir das Ganze noch einmal von Anfang an durch." Der Adjudant verdrehte die Auge: "Sehr wohl, Sir. Am XX hatte die Koalition zum ersten Mal Kontakt mit den Feinden, die man später als Reinigende Flamme identifizierte..."
Das wirkt für mich wesentlich organischer im Vergleich zu der doch ziemlich bemüht eingeflochtenen Exposition.

Hast recht. Ich habe es etwas verbessert, und deinen Vorschlag gleich miteingearbeitet.

Und warum brauchen sie Informationen, wenn sie den Gegner bequem aus der Ferne zermalmen können? Gibt es vielleicht die Gefahr das der Gegner auf gleiche Weise zurückschlägt? Oder hat er eine Waffe, die dieses Bombardment verhindert?

Das habe ich auch verändert und etwas erklärt. (Nicht vollständig erklärt, aber angedeutet.)

Ich verstehe durchaus, dass du deine Protas interessant gestalten willst. Für mich macht es aber gar keinen Sinn eine Gruppe von Psychopathe auf eine geheime, lautlose, unauffällige Aufklärungsmission zu schicken. Im Gegenteil ich würde hochloyale, äußerst fähige Freiwillige einsetzen und nicht den letzten Abschaum. Da solltest du dir noch eine trifftige Begründung einfallen lassen.
Hoffe ich konnte helfen. :)

Das Problem ist, dass die hochloyalen, äußerst fähigen Freiwilligen a) nach Koalitionsmaßstäben für eine geheime, lautlose und unauffällige Aufklärungsmission nicht zu gebrauchen sind, weil es ihnen an Flexibilität mangelt, und b) hochloyale, äußerst fähige Freiwillige sind extrem teuer im Unterhalt. Der letzte Abschaum ist immerhin billig und ersetzbar. Und er erlaubt glaubwürdiges Dementi.
Davon abgesehen, geholfen hast du. Hoffe, du nimmst dir auch die anderen Teile vor.

@Aikaterini

Es gibt so viele andere Formen, als sagte. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Erwiderte, antwortete, erläuterte, erklärte, berichtete, eröffnete, wiedersprach, forderte, verlangte. Die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Ich verzichte bewusst auf die anderen Formen, da es für mich ansonsten den Eindruck hat, die Charaktere wären massiv am Overacten. Hat seinen Platz, wenn der General von Brian Blessed verkörpert wird, aber dann müsste ich den größten Teil seines Dialogs in GROSSBUCHSTABEN schreiben.

Zudem schreibst du das "sagte" nach dem Dialog. Und was wenn ich mir bereits den Adjutanten vorgestellt habe, obwohl der General spricht? Das kannst du mit nichts mehr rückgängig machen. Bereits im Voraus muss klar sein, wer spricht.

Heh. Das ist das erste Mal, das ich die Positionierung der Dialogattribute angekreidet bekomme. :D
Davon abgesehen, an welcher Stelle ist das passiert, dass du dir den Adjutanten vorgestellt hast, obwohl der General spricht?

Wir haben kein wann, kein wo, kein wer. Nur zwei gesichtlose Männer die über einen Krieg sprechen.

Was mich an deinem Text überzeugt hat, sind die lebendigen Dialoge - die allerdings hart gelitten haben, unter den vielen Unterbrechungen.
Und die Regungen der Sprecher. Mal faltet einer die Hände, mal hebt einer eine Augenbraue usw.

Der Text hat Potenzial, der allerdings bei weitem nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Auf die Beschreibungen habe ich ebenfalls bewusst verzichtet, um die Dialoge in den Vordergrund zu stellen.

Vielen Dank für die Kommentare und Anregungen, ich werde sie entsprechend verarbeiten und hoffe, dass du auch die anderen Teile liest und kommentierst.

MfG
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