[Humor]Die Krone der Insignifikanz: Die Waldhütte (2/2)

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Die Krone der Insignifikanz: Die Waldhütte (2/2)

Beitragvon EnWeZed » 05.10.2014, 23:16

Part 1: die-krone-der-insignifikanz-die-berghutte-1-2-t51686.html

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„Zoe! Was ist los?!“ rief Elza, die ihr auf der Treppe entgegenkam und die eindeutig weit über zwanzigjährige, die so tat als wäre sie sechzehn, umarmte.
„Sporty ist tot!“ sagte sie, völlig losgelöst.
„Verdammte Scheiße! Was ist passiert?!“ fragte Jermaine.
„Ich weiß nicht genau. Wir waren gerade beschäftigt, als ihn plötzlich etwas aufgespießt hat! Mir war schon vorher, als würde mir jemand aus dem Schrank auf den Hintern starren und etwas murmeln!“
„Wir sind nicht alleine hier!“ stellte Elza fest, die inzwischen auf den Dachboden geklettert war. „Hier hat jemand ein Nachtlager aufgeschlagen! Jetzt macht er Jagd auf uns!“
„Warum sollte er das tun?“ fragte Bobby und knusperte eine Hand voller Erdnussflips.
„Kennt ihr die Geschichte vom Zerhacker? Man sagt, er habe in diesem Haus gewohnt und Holzmöbel für Rubberlinger hergestellt, doch als man seine Dienste nicht mehr brauchte und ihn entließ, drehte er völlig durch und ging mit einer Axt auf Menschenjagd! Die kleinwüchsige Bibliothekarin hat mir erst heute Nachmittag davon erzählt!“
„Aber Sporty wurde aufgespießt . . .“
„Wir haben keine Zeit für Details! Der Zerhacker ist hier irgendwo!“
„Oh Gott. Was machen wir jetzt, Elza?“
„Wir sollten uns aufteilen! Wenn jeder für sich alleine in eine dunkle Ecke geht und dort nach einem irren sucht, forsten wir in kürzerer Zeit wesentlich mehr Fläche ab, als wenn wir einfach abhauen und die Stadtwache rufen!“
„Das klingt überaus sinnvoll und keineswegs dumm!“
„Ich weiß. Jermaine! Hier hast du eine beinahe aufgebrauchte Taschenlampe, du gehst raus in den Werkzeugschuppen und suchst zwischen all den rostigen Werkzeugen nach Hinweisen, während Zoe, Bobby, Patty und ich hier bleiben. Ich werde die verängstigte Zoe trösten!“
„Verdammte Scheiße, dass klingt durchaus plausibel, Elza. Bobby, du wirst versuchen, mit verdammt unlustigen Sprüchen die Stimmung zu heben, bis Elza sagt, dass jetzt keine Zeit dafür ist, verdammte Scheiße! Danach wirst du sie anschmachten und über deine verdammte unerfüllte Liebe zu ihr nachdenken, während Patty verdammtnochmal gar nichts von allem mitbekommt und glaubt, dass Sporty uns nur einen Streich spielt, Scheiße, verdammte!“
Johny saß immernoch im Kleiderschrank und war froh darüber, dass die Gruppe sich nicht entschloß, als Einheit nachzusehen. Das hätte zu riesigen Problemen geführt, auch wenn er überhaupt nichts mit der ganzen Sache zu tun hatte. Er fand es wesentlich sinnvoller, jetzt einfach die Klappe zu halten und abzuwarten.
„Ich komme gleich runter“, sagte Zoe, als die Gruppe die Treppen hinab stieg. „Ich möchte noch meine Kleider holen.“
Sie presste das lockere Laken an ihre Brust und ging vorsichtig in den Raum hinein. Ängstlich sah sie sich um und schniefte verzweifelt, als sie sich nach ihrem Hemd bückte.
„Oh Gott, Sporty. Es tut mir so leid, es tut mir so leid!“ wimmerte sie und tupfte sich mit dem Kleidungsstück die laufende Nase ab.
„Wenn ich mich zu erkennen gebe und ihr sage, dass ich nichts damit zu tun habe, kann sie den Leuten vielleicht erklären, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt.“ Jonathan murmelte und öffnete die Schranktür. Vorsichtig ging er auf Zoe zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Hey, ich bin Jonathan und ich . . .“
„DER ZERHACKER!“ schrie sie sofort und fuhr hoch. „Geh weg von mir! Ich möchte noch nicht sterben, ich möchte nicht . . .“
Jonathan zog die Hände hoch als würde er sich ergeben und machte einen Schritt weg von ihr. Zoe schnappte sich einen herumliegenden Glassplitter und stach damit in der Luft herum, dabei schrie sie wie am Spieß. Immer entschlossener ging sie auf Johnny zu und stach mit dem Glas nach ihm, schwang es wie ein Schwert und schlug damit gegen einen noch stehenden Pfosten des Bettes. Da er bereits angeknackst war, brach er und kippte nach vorne, um mit Wucht auf eine Bodenbrett des Holzbodens zu schlagen. Die rostigen Nägel hielten dem Einschlag nicht stand, wodurch das Holzbrett nach unten gedrängt und Zoe wie von einem Katapult von der nach oben schießenden Gegenseite aus dem Fenster geschossen wurde. Ungläubig blinzelte Jonathan, als er sie aufgespießt auf einem viel zu spitzen Ast des davorstehenden Baumes stecken und zucken sah.
„Zoe! Neeeeeein!“ schrie Elza, die inzwischen im Türrahmen stand. Johnny drehte sich zu ihr um und wollte sich erklären, doch das Mädchen schrie nur wie eine Geisteskranke, warf sich aus unerklärlichen Gründen in den Schrank und zog die Tür zu. „Hoffentlich findet er mich nicht, oh, hoffentlich nicht! Bitte, bitte, mach‘ das er mich nicht findet.“
Etwas verloren stand er im Schlafzimmer, als es hinter ihm polterte. Bobby stand im Raum und baute sich auf.
„ZERHAAAAACKEEEEER!“ schrie er. „Du wirst Elza kein Haar krümmen!“
Dann stürmte der dicke Mann auch schon auf ihn zu. Johnny machte sich zum ausweichen bereit, doch Bobby hielt bereits nach vier Schritten an und schnappte nach Luft. Er huffte und puffte, griff sich an die linke Brust und kippte wie ein nasser Sack nach vorne. Jonathan drehte sich zum Schrank und zeigte mit beiden Händen auf den Mann, einen besseren Beweis für seine Unschuld fiel ihm jetzt auch nicht ein - doch Elza war bereits weg. Sie war durch den aufgebrochenen Schrank geflüchtet und er hörte sie gerade über die Wiese rennen.
Ratlosigkeit. Johnny stand zwischen dem kollabierten Fleischkloß, den aufgespießtem Sportler und der gepfählten Blondine und wusste nicht, was eigentlich los war.
„Mister B.“, sagte er schließlich. „Ich will nach Hause.“
Als er die Treppen hinab stieg wurde er von Patty gesehen, der seine Wasserpfeife fallen ließ und rückwärts stolperte.
„Oh Scheiße!“ sagte er und rannte die Treppen nach oben. „Hier oben bin ich sicher, denn ich sperre mich damit keineswegs selber ein!“
Johnny schenkte ihm gar keine Aufmerksamkeit und verließ das Haus. Ein kurzer Schulterblick in den Geräteschuppen offenbarte Jermaine, der wie eine Marionette an der Schuppentür lehnte, weil er von Gartengeräten aufgespießt wurde. Ein umgestürztes Regal verriet, dass er daran hinaufklettern wollte. Er starrte mit leerem Blick in die Ferne, als Patty plötzlich schrie und brennend aus dem zweiten Stock stürzte.
„Weißt du was? Behalt deine Ketten.“ sagte Jonathan und massierte seine Stirn mit Zeigefinger und Daumen der linken Hand. Vor sich sah er noch Elza um die Apfelbäume rennen, die für sie wie ein Labyrinth zu sein schienen, in ihrer Hand hielt sie eine rostige Spitzhacke, während sie sich verzweifelt umsah und immer „Wo bist du?!“ rief.
Das würde er ihr bestimmt nicht sagen. Am Ende trieb sie sich das blöde Ding noch selbst in den Kopf.
Er wollte nur noch nach Hause, um sich bei Janicah für sein Verhalten und seinen sturen Kopf zu entschuldigen. Das war wesentlich einfacher, als alleine zwischen diesen wahnsinnigen herumzuirren und vielleicht sprang sogar noch eine Umarmung und etwas Quarkspeise für ihn heraus.
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Re: Die Krone der Insignifikanz: Die Waldhütte (2/2)

Beitragvon LoriPecuretho » 09.11.2014, 19:49

Hallo EnWeZed,

ich habe sowohl den ersten als auch den zweiten Teil deines Waldhütten-Debakels gelesen und muss gestehen, dass ich mich erstmal einlesen musste. Fast hätte ich mitten im ersten Teil aufgehört, weil es mir einfach irgendwie zu doof schien... aber im zweiten Teil musste ich dann doch einige Male schmunzeln. Man muss sich wohl erstmal in deinen Stil rein lesen ;)
Dazu muss ich sagen, dass ich kein Fan von Horrorfilmen bin und von diesen Splatterfilmen, wo einfach nur alle nacheinander zerstückelt werden schon mal gar nicht ;) Vielleicht lag es also auch daran, dass der Humor bei mir eher verzögert ankam.

Soviel erstmal zum Allgemeinen, jetzt einige Stellen, die mir aufgefallen sind:

„Zoe! Was ist los?!“ rief Elza, die ihr auf der Treppe entgegenkam und die eindeutig weit über zwanzigjährige, die so tat als wäre sie sechzehn, umarmte.

Zwei Sachen: Erstens müsste "Zwanzigjährige" groß geschrieben werden. Zweitens kam es mir sehr seltsam vor, dass eine Zwanzigjährige so tut, als wäre sie 16. Das macht doch niemand? Während ich das schreibe, kommt mir allerdings die Idee, dass das auch auf das Thema Film/Schauspieler, die viel zu junge Charaktere spielen, gemünzt sein könnte. Dann passt es wiederum. An der Stelle hatte ich aber noch nicht wirklich diese Horrofilm-Verbindung geknüpft.

„Sporty ist tot!“ sagte sie, völlig losgelöst.

Aufgelöst passt besser.

„Wir sollten uns aufteilen! Wenn jeder für sich alleine in eine dunkle Ecke geht und dort nach einem irren sucht, forsten wir in kürzerer Zeit wesentlich mehr Fläche ab, als wenn wir einfach abhauen und die Stadtwache rufen!“

Perfekt zusammengefasst! :lol: Die Stelle mit der Planerei gefällt mir sehr gut! Den "Irren" bitte groß.

„Verdammte Scheiße, dass klingt durchaus plausibel, Elza.

mit nur einem s

Johny saß immernoch im Kleiderschrank und war froh darüber, dass die Gruppe sich nicht entschloß
Nach neuer Rechtschreibung "beschloss"

„Ich komme gleich runter“, sagte Zoe, als die Gruppe die Treppen hinab stieg. „Ich möchte noch meine Kleider holen.“
Sie presste das lockere Laken an ihre Brust und ging vorsichtig in den Raum hinein.

Gute Idee... :roll:

„Wenn ich mich zu erkennen gebe und ihr sage, dass ich nichts damit zu tun habe, kann sie den Leuten vielleicht erklären, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt.“ Jonathan murmelte und öffnete die Schranktür.

"murmelte Jonathan" müsste es heißen. Besser fände ich aber noch, wenn du das vor das Zitat stellst. Im ersten Moment dachte ich nämlich, dass Zoe noch spricht.

Zoe schnappte sich einen herumliegenden Glassplitter und stach damit in der Luft herum, dabei schrie sie wie am Spieß. Immer entschlossener ging sie auf Johnny zu und stach mit dem Glas nach ihm, schwang es wie ein Schwert und schlug damit gegen einen noch stehenden Pfosten des Bettes. Da er bereits angeknackst war, brach er und kippte nach vorne, um mit Wucht auf eine Bodenbrett des Holzbodens zu schlagen. Die rostigen Nägel hielten dem Einschlag nicht stand, wodurch das Holzbrett nach unten gedrängt und Zoe wie von einem Katapult von der nach oben schießenden Gegenseite aus dem Fenster geschossen wurde.


ok, ok, die Szene ist natürlich ganz schön verrückt und unglaubwürdig und soll ja auch so sein. Aber ein paar Sachen verstehe ich wirklich überhaupt nicht. Wo kommt der Glassplitter denn plötzlich her? Es ist doch vorher nur das Bett kaputt gegangen, oder? Je nachdem wie groß der Splitter ist, kann ich mir außerdem nur schwer vorstellen, wie sie den wie ein Schwert schwingen kann. Ebenso, dass dadurch dann das Bett umfällt, denn wie fest kann man mit einem Glassplitter schon irgendwo gegen hauen, ohne ihn sich selbst in die Hand zu rammen? Die Szene könnte ich mir besser mit einem anderen Gegenstand vorstellen. Vielleicht ein Schürhaken, der zufällig griffbereit neben dem Kamin steht?

Bitte, bitte, mach dass er mich nicht findet.“

Das Apostroph kannst du meine ich weg lassen. dass mit zwei s


Dann stürmte der dicke Mann auch schon auf ihn zu. Johnny machte sich zum ausweichen bereit, doch Bobby hielt bereits nach vier Schritten an und schnappte nach Luft. Er huffte und puffte, griff sich an die linke Brust und kippte wie ein nasser Sack nach vorne.

Da sie erst 16 sind, würde ich eher "Junge" statt "Mann" schreiben. Ausweichen hier groß.
Die Stelle fand ich übrigens auch super, weil sie so unerwartet kam. Man denkt, er verletzt sich auch auf irgend eine dumme Weise, aber dann fällt er einfach nur um. :lol:
"huffte und puffte" gefällt mir auch sehr gut! Erinnert ein wenig an Harry Potter ;)

Ratlosigkeit. Johnny stand zwischen dem kollabierten Fleischkloß, den aufgespießtem Sportler und der gepfählten Blondine und wusste nicht, was eigentlich los war.

Schöne Zusammenfassung der Lage.

„Mister B.“, sagte er schließlich. „Ich will nach Hause.“

Wer Mister B. ist, weiß man sicher, wenn man das Buch kennt?

Das war wesentlich einfacher, als alleine zwischen diesen Wahnsinnigen herumzuirren


und vielleicht sprang sogar noch eine Umarmung und etwas Quarkspeise für ihn heraus.

Den letzten Satz fand ich auch nochmal sehr gut. Schön unpassend irgendwie. ;)

Fazit: Ein ziemlich verrückter Text, der vor allem im zweiten Teil dann doch einigen Spaß beim Lesen gebracht hat. Ich kann mir im Moment schwer vorstellen, wie das ganze Buch aussehen soll. Ich vermute mal, das geht nicht die ganze Zeit so, oder? Dann wäre es vermutlich etwas anstrengend in Romanlänge. Aber so als kleiner Zwischenpart schon sehr unterhaltsam. Muss natürlich zum Rest des Buches auch irgendwie passen.
Ich habe übrigens verstärkt auf die dass/das Thematik geachtet, wie gewünscht ;)

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Re: Die Krone der Insignifikanz: Die Waldhütte (2/2)

Beitragvon EnWeZed » 10.11.2014, 12:50

Wo kommt der Glassplitter denn plötzlich her?


Er ist in einer alten Waldhütte, die er in diesem Kapitel bereits vorher ausführlich inspiziert. Die ganze Schabracke ist heruntergekommen und - wie es sich für eine vernünftige Gruselhütte gehört - kaputt, staubig und voller morscher Möbel. Allerdings war das ganze Kapitel zu lang, um es aufzuteilen und mir ging es nur um diese Stelle, daher fehlt viel Exposition. Mea Culpa!

Vielleicht ein Schürhaken, der zufällig griffbereit neben dem Kamin steht?


Das ist brilliant. Diese Idee wird geklaut. Bitte unterschreiben Sie hier, hier und hier, dass mir das eingefallen ist!

Wer Mister B. ist, weiß man sicher, wenn man das Buch kennt?


Ja. Es ist, wie gesagt, nur ein Ausschnitt aus einem längeren Kapitel. Mister B. ist Jonathans Stofftier, dass wird im ersten Teil sogar erwähnt. *g*

Ich vermute mal, das geht nicht die ganze Zeit so, oder?


Um Himmels Willen, nein. Es kommt immer wieder zu solchen Momenten, die sich mit ruhigeren Passagen oder weniger überzeichneten Charakteren abwechseln, aber Wellington ist ein Ort, an dem wirklich jeder total Loco ist. Inzwischen habe ich auch an meinem Pacing gearbeitet und verteile diesen Schwachsinn über das gesamte Kapitel, als ihn als gebündelte Ladung auf die Menschheit los zu lassen, da ich es mitunter selbst viel zu anstrengend fand, den ganzen Unsinn auf einmal zu lesen. *g* Die Prämisse dahinter ist eben, dass diese Menschen einfach alles viel zu ernst nehmen und plötzlich anfangen, irgendwelche abgeranzten Filmplots nachzustellen, während mein Prota daneben steht und ständig in den ganzen Quark reingezogen wird, ohne dass er dem ganzen Schmarrn entkommen kann, egal wie oft er es versucht.

Wie auch immer, vielen dank für das Feedback. Ich werde es berücksichtigen, wenn ich das Ding einer gründlichen Überarbeitung unterziehe!
EnWeZed
 
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