Guten morgen Kuroi,
vielen Dank, dass du deine Gedanken mit uns teilst
Über den Punkt mit den Eltern habe ich auch lange nachgedacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es wichtiger ist, dem Charakter einen Namen zu geben, mit dem der Leser ihn leiden kann, als gerade an diesem Punkt zeigen zu müssen, dass seine Eltern Idioten waren.
Für den Fall dass seine Eltern ihn so gehasst haben, dass sie ihn unbedingt "Rosa Schlüpfer" oder "Peter Silie" nennen mussten denke ich mir immer einen zweiten Namen aus. Denn wenn ich so hieße, dann würde ich mich nirgendwo so vorstellen.
Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich heiße Jacqueline. Als ich für ein halbes Jahr nach Amerika ging wusste ich aus Erfahrung, das Amerikaner diesen Namen gerne Vergewaltigen, am liebsten "Jääklen" oder so

. Also habe ich mich immer mit "Jackie" vorgestellt, Jackie Chan kennt jeder, das konnten sie aussprechen, kein Problem

. Das war reiner Selbstschutz und ich habe es nie bereut. Ich kann mir vorstellen, das auch Edeltraut Humperdink sich von ihren Metalband Kollegen eher Eddy nennen lassen würde.
Natürlich ist das nicht ihr "wirklicher" Name. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich sie 90% des Buches so nennen würde (außer wenn ihre Eltern zu Besuch sind), ist "Eddy" das, was ich als ihren Charakternamen bezeichne.
Vielleicht ist das auch nur Wortklauberei. Auf jeden Fall sollte es gut überlegt sein, bevor du dich endgültig entschließt deinem Charakter einen (und nur einen) blöden Namen zu geben.
Übrigens finde ich den Vergleich mit den Eltern einfach genial. Ich fühl mich jedes Mal als würde ich Mama werden, wenn ich einem Charakter seinen Namen gebe.
Du schreibst, dass du den Namen erst gibst, wenn du den Charakter schon ein bisschen kennst. Heißt das, der Charakter existiert eigentlich schon komplett bevor du ihm einen Namen gibst? Oder ist er nur eine rohe Skizze, ein Stereotyp, der einen Namen bekommt und noch mit Leben gefüllt werden muss?
Ich selbst orientiere mich auch immer sehr am Klang. Wie ich im Beispiel (siehe Artikel) auch geschrieben habe, verwende ich meinen nackten Stereoypen um zu wissen wie sein Name klingen soll. Dadurch, dass ich den Namen vorher schon kenne entwickeln sich seine Eigenschaften sehr individuell.
Auch wenn "Georg Sandman" und "Hans Berend" beide kompetent und autoritär klingen, würden (bei mir) zwei völlig unterschiedliche Charaktere dabei herauskommen, würde ich sie weiter entwickeln. Das ist der Hauptgrund, warum ich den Namen so sehr an den Anfang gepackt habe. Das und die Tatsache dass, wenn ich ihn am Ende wählen möchte, es scheinbar keinen Namen mehr geben will, der Hundertprozentig passt. Im Gegensatz dazu, wenn ich ihn am Anfang aussuche und dann sein Leben quasi darauf zuschneide.
Geht dir das ähnlich?
Was denken die Anderen?
lg
Jacky
