[Nachdenk]Die Uhr

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]Die Uhr

Beitragvon Joyfully » 08.02.2012, 17:36

Hallo liebe Schreibwerkstatt-Autoren,

in meinem Heimatort wird bald ein Leseabend zum Thema "Zeit" veranstaltet und ich wurde gefragt, ob ich nicht auch eine Geschichte beisteuern möchte. Dafür habe ich mir diese kleine Kurzgeschichte ausgedacht, bin gespannt, wie ihr sie findet. Für konstruktive Kritik bin ich also dieses Mal besonders offen, da die Geschichte tatsächlich an die Öffentlichkeit gebracht werden soll.
Vielen Dank! :D

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Die Uhr

Im Wohnzimmer der Familie Schuster hing eine Uhr.
Es war keine besondere Uhr. Sie hatte Zeiger aus schwarzem Metall und einem Ziffernblatt hinter Glas, dessen Farbe schon ein wenig ausgeblichen war. Sie hing direkt nebem dem Esstisch an der Wand und tat das, was alles Uhren tun: Sie sagte die Zeit an. Ihre Zeiger bewegten sich unermüdlich und immer gleichmäßig vorwärts und bleiben nie stehen. Die Uhr liebte ihre Aufgabe. Es gab nichts Schöneres für sie, als die leuchtenden Augen der kleinen Tochter, wenn sie nur noch fünf Minuten warten musste, bis ihre Freundin zu Besuch kam oder die Freude der Mutter, wenn sie bemerkte, dass ihr Mann bald von der Arbeit kommen würde. Oder die Aufregung in der ganzen Familie, wenn sich die Großeltern zum Besuch angekündigt hatten.
„Noch eine Stunde“, schallte es dann durch den Raum, nachdem man das Ziffernblatt studiert hatte. „Noch eine Stunde, dann kommt der Zug!“
Zwar wurde es immer ein wenig hektisch, die Mutter wirbelte mit Kochlöffel und wehender Schürze in der Küche herum, behielt ein Auge bei den dampfenden Töpfen und wischte gleichzeitig die letzten Staubkrümel von den Regalen, während sie erschrocken feststellte, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte.
„Sie kommen schon bald!“, rief kurz darauf die Tochter und zerrte am Mantel ihres Vaters, weil sie schon längst losgefahren sein müssten, um die geliebten Großeltern vom Bahnhof abzuholen. „Komm schon Papa, wir haben keine Zeit mehr!“
Die Uhr liebte diese Tage, an denen das Haus voller Leben war und die Zeit wie im Flug verging.

Aber nach einer Weile beobachtete sie eine Veränderung.
Wenn die Familienmitglieder ihre Zeiger beobachteten, wurden sie plötzlich immer nervöser und hektischer. Der Vater stammelte „Ich müsste schon längst auf dem Weg zur Arbeit sein!“, trank schnell seinen Kaffee aus und nahm sich nicht einmal die Zeit, seiner Frau einen Kuss auf die Wange zu geben oder sich richtig von seiner Tochter zu verabschieden.
Er war erst kürzlich befördert worden. Jetzt verdiente er zwar genug, damit die Familie in den Urlaub fahren und einen neuen Fernseher kaufen konnte, aber er musste auch mehr arbeiten und verbrachte häufig sogar die Wochenenden in seinem Büro.
Diese Hektik übertrug sich auch auf die Mutter: „Ich muss noch putzen“, rief sie entsetzt, nachdem sie die Uhrzeit registriert hatte, „und kochen und die Wäsche machen und die Betten beziehen und … herrje, wo ist denn nur die Zeit geblieben?“
Immer häufiger kündigten sich jetzt wichtige Geschäftspartner des Vaters zum Abendessen an, und dann musste das ganze Haus aufgeräumt und sauber sein.
So kam es, dass die Eltern immer weniger Zeit für ihre Tochter fanden. Sie musste sich oft allein beschäftigen und fand als einzige, dass die Zeit viel zu langsam verging. Die freudige Erwartung in den Kinderaugen verschwand und wurde schließlich durch eine drängende Ungeduld ersetzt.
„Mach schneller, du blöde Uhr!“, schimpfte das Mädchen und stampfte trotzig mit dem Fuß auf den Boden auf.
„Das würde ich ja gern“, dachte sich die Uhr im Stillen. „Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für deine Eltern langsamer vergehen lassen. Dann müsste sie sich nicht immer so beeilen. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für dich schneller vergehen lassen, damit Du nicht so lang allein bleiben musst. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit zurückdrehen, um wieder eine glückliche Familie zu sehen.“
So verging ein Tag nach dem anderen und schon bald war die Uhr so traurig, dass ihr Ticken immer leiser und schwächer wurde. Schließlich schaffte sie es kaum noch, ihre Zeiger zu bewegen und eines Morgens blieben sie stehen. Die Uhr gab nach einem letzten, hilflosen Versuch auf und stellte ihren Dienst ein, den sie seit Jahren unermüdlich geleistet hatte.
Die Tochter bemerkte zuerst, dass das vertraute Ticken, welches so oft die Minuten der Stille gefüllt hatte, nicht mehr zu hören war.
„Papa, sieh mal“, sagte sie. „Die Uhr ist stehengeblieben!“
Der Vater sah von seiner Zeitung auf und runzelte die Stirn. „Du hast Recht!“
Er stand auf und nahm die Uhr behutsam von der Wand.
„Vermutlich muss man einfach die Batterien auswechseln!“ Er brachte das gläserne Gehäuse sofort in sein Arbeitszimmer, kehrte aber schon bald mit einem Schulterzucken zurück. „Sie funktioniert nicht mehr“, sagte er, „Das Uhrwerk muss kaputt gegangen sein.“

Da wurde es leise im Wohnzimmer.
„Diese Uhr hat deiner Großmutter gehört“, sagte der Vater mit trauriger Stimme zu seiner Tochter.
„Sie hat sie uns damals zum Einzug in unsere erste, eigene Wohnung geschenkt“, fügte die Mutter hinzu.
„Sie hat schon immer bei uns im Wohnzimmer gehangen, so lange ich denken kann“, ergänzte das Mädchen nachdenklich.
„Wir werden wohl eine neue kaufen müssen“, sagte der Vater.
An diesem Tag beschloss der Vater, dass seine unverrichtete Arbeit auch bis zum Montag warten konnte. Die Mutter fand, dass das Haus noch sauber genug war, um es erst am nächsten Tag wieder zu putzen. So ging die ganze Familie hinunter in das kleine Städtchen und suchte gemeinsam eine neue Uhr aus. Es dauerte eine Weile, aber dann entschieden sie sich für modernes Exemplar, mit tiefschwarzem Rahmen, großen Zeigern und einem lauten und kräftigen Ticken. Am Abend hing die neue Uhr bereits an ihrem Platz und übernahm die Aufgabe, der jede Uhr auf dieser Welt nachgeht.
Die Tochter aber schlich sich heimlich in das Arbeitszimmer ihres Vaters und fand zu ihrer Freude die alte Uhr auf seinem Schreibtisch liegen. Sie nahm sie sofort in die Hände und strich vorsichtig über das verstaubte Glas.
„Du kannst mir vielleicht nicht mehr die Zeit sagen, aber du wirst immer eine schöne Erinnerung bleiben“, sagte das Mädchen leise und trug die Uhr langsam und bedacht in ihr Zimmer.
Zuletzt geändert von Joyfully am 09.01.2015, 23:05, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Die Uhr

Beitragvon Glitzerherz2000 » 10.02.2012, 13:16

Hi

Ich bin gerade voll gerührt...die arme Uhr.
Ich hab die Geschichte echt gern gelesen. :D

Inhalt

Es geht um eine Uhr. Diese Uhr hängt über einem Esstisch und zeigt an, wie spät es ist (wie es halt alle Uhren tun ;))
Irgendwann geht sie kaputt, weil die Familie entsetzt ist, wie schnell die Zeit vergeht oder wie langsam...(oder?)
Also geht die Familie eine neue Uhr kaufen und die hängt dann am Platz der Alten.
Soweit, so gut ;)
Mich hat deine Uhr echt fasziniert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen die Uhr zu personifizieren.
Aber das ist Dir echt gut gelungen.

Mir hat deine Uhr Leid getan. Keine Uhr hat es verdient, angeschnauzt zu werden...sie machen doch auch nur ihren Dienst :D
Du hast da wirklich eine schöne Geschichte geschrieben.


Anmerkungen

Joyfully hat geschrieben:Es gab nichts schöneres für sie
Ich bin mir nicht sicher, aber wird schöneres nicht groß geschrieben? In diesem Bezug?
Joyfully hat geschrieben:Er war nämlich erst kürzlich befördert worden
Mir gefällt das "nämlich" nicht...Mir würde der Satz auch ohne gefallen :D
Joyfully hat geschrieben:und Kochen und die Wäsche machen
"kochen" muss klein.
Joyfully hat geschrieben:„Mach schneller, du blöde Uhr!“, sagte das Mädchen
"sagen" wird so oft verwendet...ich finde es nicht grade aussagekräftig. Wie wärs denn mit "schimpfen"?
Joyfully hat geschrieben:welches sooft die Minuten
ich bin mir auch nicht sicher, aber schreibt man "so oft" nicht auseinander?
Joyfully hat geschrieben:Die Uhr gab nach einem letzten, hilflosen Versuch auf und stellten ihren Dienst ein
es muss "stellte" heißen!
Joyfully hat geschrieben:Diese Uhr hat deiner Gromutter gehört
Meinst du nicht "Großmutter"? :D
Joyfully hat geschrieben:So gingen die ganze Familie
"ging"


Nochmal zum Inhalt

Joyfully hat geschrieben:Sie hing direkt über dem Esstisch
Das klingt so, als ob sie über dem Esstisch hängt und nicht an der Wand. Ich weiß, was gemeint ist, aber...könnte man sich da nicht etwas Besseres ausdenken...mir fällt jetzt aber echt nicht ein.
Es ist glaube ich auch nur Geschmackssache.

Joyfully hat geschrieben:Es gab nichts schöneres für sie, als die leuchtenden Augen der kleinen Tochter, wenn sie nur noch fünf Minuten warten musste, bis ihre Freundin zu Besuch kam, oder die Freude der Mutter, wenn sie nicht mehr lange auf ihren Mann warten musste.
Ein langer Satz...den sollte man aufteilen. Aber ich habe jetzt keine Idee. Wenn man vor dem zweiten "oder" einen Punkt macht, sind sie zwar kürzer, aber Du hast drei Satzanfänge mit "oder"...vielleicht fällt Dir da etwas ein.

Joyfully hat geschrieben:die Mutter wirbelte mit Kochlöffel und wehender Schürze im Zimmer herum
Ich würde hier "Küche" bevorzugen.

Joyfully hat geschrieben:Sie musste sich oft allein beschäftigen und fand als einzige, dass die Zeit viel zu langsam verging. Die freudige Erwartung in den Kinderaugen verschwand und wurde schließlich durch eine drängende Ungeduld ersetzt.
Warum durch Ungeduld? Es gibt so viele Sachen mit denen sie sich beschäftigen könnte, wenn ihre Eltern nicht da sind. Büchern, Computer, sie könnte schreiben usw.

Joyfully hat geschrieben:„Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für deine Eltern langsamer vergehen lassen. Dann müsste sie sich nicht immer so beeilen. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für dich schneller vergehen lassen, damit du nicht so lang allein bleiben musst. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit zurückdrehen, um wieder eine glückliche Familie zu sehen.“
Ich war erst ein wenig überrascht, dass die Uhr sich so etwas wünscht...aber dann hab ich den Text nochmal genau durchgelesen. (Ich hab beim ersten mal die Geschichte nur überflogen) Es ist zwar in sich wiedersprüchlich, aber ein wunderschöner Satz :D

Joyfully hat geschrieben:So verging ein Tag nach dem anderen und schon bald war die Uhr so traurig, dass ihr Ticken immer leiser und schwächer wurde. Schließlich schaffte sie es kaum noch, ihre Zeiger zu bewegen und eines Morgens blieben sie stehen. Die Uhr gab nach einem letzten, hilflosen Versuch auf und stellten ihren Dienst ein, den sie seit Jahren unermüdlich geleistet hatte.
Die Uhr ist alt oder? Dann hatte sie ja ein langes, erfülltes Leben...trotzdem tut mir deine Uhr Leid... :(

Joyfully hat geschrieben:Da wurde es leise im Wohnzimmer.
Schon überraschend, wie sehr einem das Ticken einer Uhr fehlen kann. Ich hatte auch mal eine "normale" Uhr, aber jetzt habe ich nur noch einen elektronischen Wecker...und der summt die ganze Zeit, das kann aufregen...das Ticken beruhigt voll...ich will meine Uhr wieder *jammer*

Joyfully hat geschrieben:„Du kannst mir vielleicht nicht mehr die Zeit sagen, aber du wirst immer eine schöne Erinnerung bleiben“, sagte es leise und trug die Uhr langsam und bedacht in ihr Zimmer.
hätte ich auch getan...ich würde niemals eine Uhr wegschmeißen...dafür sind mir die teilweise echt zu schön. Aber man hätte Deine Uhr auch zum Uhrmacher bringen können :D

Fazit
Eine schöne Geschichte!
Hat mich nachdenklich gestimmt. Ich habe gerade angefangen, über Uhren zu philosophieren :D

Liebe grüße,
Glitzerherz
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Re: Die Uhr

Beitragvon WolfgangUlrich » 14.02.2012, 03:58

Hallo Joyfully,

das ist eine wundervolle Geschichte über die Zeit und darüber wie sich die Zeiten - und mit ihnen die Menschen - ändern. Das erinnert mich an den berühmten lateinischen Spruch "Tempora mutantur, nos et mutamur in illis."
Besonders interessant finde ich, dass Du die Geschichte zum großen Teil aus der Sicht der Uhr geschrieben hast. Sie tut unverändert zuverlässig das, was alle Uhren tun und zeigt damit die Unerbittlichkeit der Zeit.


„Das würde ich ja gern“, dachte sich die Uhr im Stillen. „Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für deine Eltern langsamer vergehen lassen. Dann müsste sie sich nicht immer so beeilen. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit für dich schneller vergehen lassen, damit du nicht so lang allein bleiben musst. Wenn ich könnte, dann würde ich die Zeit zurückdrehen, um wieder eine glückliche Familie zu sehen.“


Hier zeigst Du wunderbar, dass sich die Zeit nicht aufhalten oder beschleunigen lässt. Und auch die Uhr, die wie ein Bote für die schlechte Nachricht beschimpft wird, kann doch als Überbringer der Nachricht die Fakten nicht ändern. Das ist brilliant!!
Das "Du" wird aber meiner Meinung nach mit einen großen "D" geschrieben.

Die Tochter aber schlich sich heimlich in das Arbeitszimmer ihres Vaters und fand zu ihrer Freude die alte Uhr auf seinem Schreibtisch liegen. Sie nahm sie sofort in die Hände und strich vorsichtig über das verstaubte Glas.
„Du kannst mir vielleicht nicht mehr die Zeit sagen, aber du wirst immer eine schöne Erinnerung bleiben“, sagte es leise und trug die Uhr langsam und bedacht in ihr Zimmer.


Die Erinnerung an die "gute alte Zeit" wird hier sehr gut dargestellt. Eine Frage noch zu dem "es": War es Absicht, die Tochter ins Neutrum zu setzen? Eventuell als Objekt zukünftiger Erinnerungen? Oder war es nur eine kleine Unachtsamkeit?

Alles in Allem gefällt mir die Geschichte sehr gut. Weiter so!!!
Als großer Fan von Seneca, der auch viel über Zeit geschrieben hat, finde ich diese Geschichte sehr anregend und faszinierend.
Aus Fehlern lernt man. Es müssen ja nicht unbedingt die eigenen Fehler sein.
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Re: Die Uhr

Beitragvon Joyfully » 09.01.2015, 23:04

Es ist zwar schon zwei Jahre her, dass diese Kommentare verfasst wurden, aber ich will mich trotzdem amtlich bei euch bedanken! (Warum das erst jetzt geschieht, weiß ich allerdings auch nicht :D )
Ich habe mich wirklich über die sehr netten und positiven Rückmeldungen gefreut und sie gerne gelesen.

@Glitzerherz:

Deine Anmerkungen habe ich alle übernommen, vieles waren einfach dumme Rechtsschreibfehler.
"Gromutter", ja. :wink:
Auch das Inhaltliche habe ich zu verbessern versucht, bin nur auch an dieser Stelle gescheitert:
Ein langer Satz...den sollte man aufteilen. Aber ich habe jetzt keine Idee. Wenn man vor dem zweiten "oder" einen Punkt macht, sind sie zwar kürzer, aber Du hast drei Satzanfänge mit "oder"...vielleicht fällt Dir da etwas ein.

Nein, mir ist (noch) nichts eingefallen. :?
Warum durch Ungeduld? Es gibt so viele Sachen mit denen sie sich beschäftigen könnte, wenn ihre Eltern nicht da sind. Büchern, Computer, sie könnte schreiben usw.

Das ist natürlich richtig, aber aus dem erzählerischem Aspekt, dass für die einen die Zeit zu schnell und für die anderen zu langsam vergeht, lasse ich das einfach so stehen. :wink:
Mich hat deine Uhr echt fasziniert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen die Uhr zu personifizieren.
Aber das ist Dir echt gut gelungen.

Du hast da wirklich eine schöne Geschichte geschrieben.

Sätze wie diese lassen das Herz eines jeden "Autors" höher schlagen, dir sei aufs Herzlichste dafür gedankt. :D

@WolfgangUlrich
Auch bei dir bedanke ich mich für die netten Worte. Die beiden Anmerkungen habe ich verbessert, wie du schon vermutet hast, sind sie aus reiner Unaufmerksamkeit entstanden. War wohl teilweise gedanklich abwesend beim Schreiben. :mrgreen:
Hier zeigst Du wunderbar, dass sich die Zeit nicht aufhalten oder beschleunigen lässt. Und auch die Uhr, die wie ein Bote für die schlechte Nachricht beschimpft wird, kann doch als Überbringer der Nachricht die Fakten nicht ändern. Das ist brilliant!!

Vieelen Dank nochmal!
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Re: Die Uhr

Beitragvon Primeltoaster » 15.03.2015, 18:38

Hallo Joyfully!

auch, wenn die Geschichte ja tatsächlich schon etwas älter ist, möchte ich dir gerne eine kleine Rückmeldung geben, da du ja vor Kurzem auch noch auf die meiner Vorredner eingegangen bist.

Ein paar kleine Details:

Sie hatte Zeiger aus schwarzem Metall und einem Ziffernblatt hinter Glas
hier scheint das "einem" falsch zu sein. So wie ich den Satz verstanden habe, müsste es einfach heißen: "Sie hatte Zeiger aus schwarzem Metall und ein Ziffernblatt hinter Glas, ..."

und bleiben nie stehen
schätze, die Zeitform sollte hier wie im Rest des Textes eigentlich Präteritum sein? =)

Es gab nichts Schöneres für sie, als die leuchtenden Augen der kleinen Tochter, wenn sie nur noch fünf Minuten warten musste, bis ihre Freundin zu Besuch kam oder die Freude der Mutter, wenn sie bemerkte, dass ihr Mann bald von der Arbeit kommen würde.
Dieser Satz ist zwar wirklich ziemlich lang, mir fällt aber spontan auch keine sinnvolle Variante ein, wie man ihn aufteilen könnte, und wenn ich es mir recht überlege, finde ich ihn gar nicht so schlecht. Es ist keine umständliche Verschachtelung und somit vom Sinn her immer noch schnell erfassbar.

Zwar wurde es immer ein wenig hektisch, die Mutter wirbelte mit Kochlöffel und wehender Schürze in der Küche herum, behielt ein Auge bei den dampfenden Töpfen und wischte gleichzeitig die letzten Staubkrümel von den Regalen, während sie erschrocken feststellte, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte.
Hier ist ebenfalls wieder so eine Monster-Satzkonstruktion, die sich allerdings tatsächlich aufteilen ließe. Außerdem ist dir hier (glaube ich) ein kleiner Fehler unterlaufen, der Leuten, die gezwungenermaßen sehr gerne mal lange Sätze konstruieren, öfter passiert (mir z.B. auch): Ganz am Anfang des Satzes steht "Zwar", es wird jedoch nicht noch einmal durch ein entgegengesetzes "Positiv" Bezug darauf genommen. Das heißt, das zwar ist eigentlich überflüssig, wenn nicht zu Ende des Satzes oder spätestens im nächsten Satz noch ein "jedoch", "aber", "trotzdem", "dennoch" oder ähnliches folgt.
Als Verbesserungsvorschlag fiele mir spontan ein, die Sache mit der Hektik in den letzten Satz dieses Absatzes zu nehmen, um den direkten Bezug zwischen "Zwar ... hektisch, aber dennoch ..." herzustellen. z.B. so:
... dann kommt der Zug!“ Die Mutter wirbelte mit Kochlöffel und wehender Schürze in der Küche herum, behielt ein Auge bei den dampfenden Töpfen und wischte gleichzeitig die letzten Staubkrümel von den Regalen, während sie erschrocken feststellte, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte. [...] Trotz der Hektik liebte die Uhr diese Tage, an denen das Haus voller Leben war und die Zeit wie im Flug verging.


Letztendlich zusammenfassend:
Auch ich fand die Erzählung spannend und in gewisser Weise emotional, also fast ein bisschen traurig :D Es ist wirklich eine tolle Idee, so einen absolut "stinklangweiligen"/normalen, alltäglichen Gegenstand wie eine Uhr zu personifizieren und so eine kleine Kurzgeschichte aus ihr zu machen, oder vielmehr aus ihren Gedanken bzw. ihrem "Standpunkt" ;) Es ist sehr schön ein Kontrast vom Anfang bis zum Ende der Geschichte zu erkennen, der offensichtlich auch einen interessanten Bildteil beinhalten kann, wenn man sich darüber Gedanken macht. Mit der Themenvorgabe "Zeit" bist du meiner Meinung nach allemal kreativ umgegangen!

Grüße
Primeltoaster
 
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