[Histo]Die verbotenen Töchter Teil 4

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[Histo]Die verbotenen Töchter Teil 4

Beitragvon tattoo99 » 07.02.2015, 18:44

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Sie verstaute die Sachen wieder und starrte aus dem Fenster. Der Himmel war grau und bewölkt, gleich würde es Regen geben und vielleicht auch Gewitter. Als ihre Mutter noch lebte, hatten sie und Cecilia sich immer zu ihr ins Bett gekuschelt und dem Donner und dem Regen gelauscht. Das war nun nicht mehr möglich. Sarah beschloss ihre Mutter auf dem Friedhof zu besuchen. Sie brauchte jetzt jemanden zum reden, jemanden dem sie ihr Herz ausschütten, ihre Gedanken und Gefühle aussprechen konnte. In ihrem Kleiderschrank fand Sarah einen dunkelgrünen Umhang, den sie sich um die Schulter legte. Auf dem Flur war viel los, aber keiner beachtete das unauffällige Mädchen, das sich runter zur Haustür schlich. Sollte sie Bescheid sagen, was sie vorhatte? Es war schon spät und Lira und André würden es ihr bestimmt nicht erlauben. Die Zwei konnten sich ruhig mal Sorgen um sie machen, wenn denen überhaupt auffiel, dass sie weg war. So leise wie möglich schloss Sarah die Tür, schaute sich um, setzte die Kapuze auf und wurde vom Gedränge der Menschen verschluckt. Das Gedränge auf dem Marktplatz war noch immer groß. Einige Händler boten noch restliche Waren feil, andere packten ihre Sachen ein. Das Mädchen schob sich durch die Menge hindurch, wie eine kleine Maus. Der Friedhof lag direkt an der Kirche, die am Anfang der Stadt war. Die Bestattung hatte Herr Levine gezahlt, sonst hätten es sich Cecilia ihre Schwester das Grab und den Sarg nie leisten können. Aber das war ja wohl das mindeste was er tun könnte. Je näher Sarah der Kirche kam, desto leerer und unheimlicher wurde es. War es wirklich eine gute Idee gewesen, alleine hier her zugehen? Jetzt war es zu spät für eine Umkehr. Sie zeigte den anderen Gräbern keinerlei Beachtung, konzentrierte sich nur auf das ihrer Mutter. In ein hölzernes Kreuz war Name, Geburts- und Todesdatum eingraviert und viele Blumen in allen möglichen Farben lagen auf der schwarzen Erde, die den Sarg bedeckten. Sarah verneigte sich davor und kniete sich dann hin. „Liebe Mutter. Was soll ich nur tun? Wo bin ich und wer ist Herr Levine wirklich? Ich verstehe das alles nicht. Ich wünschte, du wärst bei mir und könntest mit mir reden. Ich habe gar keinen mehr. Cecilia ist noch viel zu klein. Ich möchte endlich wissen, wer mein Vater ist. Bitte.“ Sarah schluckte. Der Drang zu weinen stieg immer höher in ihr.
„Na? Was machst du denn hier?“
Sarah schreckte auf, drehte sich um und starrte in meeresblaue Augen.
„Jack! Ich habe mich erschrocken. Hast du gelauscht? Schleich dich nicht noch einmal an.“ Ihre Hände zitterten.
„Hey! Jetzt beruhige dich doch mal. Ich habe nicht gelauscht... ich bin zufällig vorbei gekommen und ich habe mich nicht angeschlichen.“
Sarah beruhigte sich wieder, ihre Hände hörten auf zu zittern und ihr Blutdruck senkte sich allmählich wieder. „Was machst du hier?“
„Dasselbe habe ich dich auch gefragt.“
„Das geht dich gar nichts an.“
„Was sollte dich, dass denn auch angehen, was ich hier mache?“, fragte Jack grinsend.
„Ich weiß es nicht“, gestand Sarah verlegen und stand wieder auf. „Ich glaube, ich sollte gehen. Angenehme Nacht.“
„Du sollest nicht alleine nach Hause gehen. Es treibt sich manch unangenehmes Gesindel auf den Straßen rum. Glaub mir, das ist nicht sehr toll. Die Männer sind alle besoffen, betrinken ihre Sorgen und begrabschen und beklauen kleine Mädchen, die alleine auf den Straßen unterwegs sind.“
„Ich brauche keinen Aufpasser“, knurrte sie gereizt und sie wandte sich zum gehen. Sie schaffte es sehr wohl alleine nach Hause zu gehen.
„Doch. Glaub mir. Ich kenne mich aus auf der Straße.“
„Dann hast du wohl schon viele Mädchen nach Hause begleitet.“
Jack wurde rot. „Ähm... nein... ich...“
„Schon gut.“ Sarah seufzte. Sie würde ihn ja doch nicht los werden. Schweigend machten sich die Zwei auf den Weg zu Herr Levines Haus. Einige Male wurden sie von Betrunkenen angepöbelt, konnten aber noch schnell flüchten ehe es zu weiteren Anfeindungen kam.
„Da sind wir“, keuchte Sarah, müde vom vielen laufen.
„Ja... dann wünsche ich dir eine gute Nacht. Ich hoffe wir... sehen uns bald mal wieder.“
„Das mag sein.“
Schon bald war Jack in den Gassen der Stadt verschwunden und Sarah betrat den kühlen Flur des Hauses.

„Sarah! Wo bist du denn gewesen? Ich habe mir solche Sorgen gemacht.“ Lira kam schnellen Schrittes auf sie zu.
„Ich denke, dass geht Sie nichts an“, meinte Sarah und ging an ihr vorbei.
„Oh, doch. Das geht mich etwas an. Sogar sehr viel!“
Sarah drehte sich zu ihr um. „Nein.“ So schnell sie konnte rannte sie nach oben in ihr Zimmer. Was bildete sich diese Frau eigentlich ein wer sie war? Die Tür wurde aufgerissen und sie glaubte fest, dass Lira ihr Zimmer betreten würden. Doch damit lag sie falsch.
„Sarah, Sarah! Ich habe dich so vermisst. Wo warst du denn? Ich dachte du wärst tot!“ Cecilia sprang zu ihr aufs Bett und kuschelte sich an sie. Tränen rannen über ihr Gesicht und hinterließen schmutzige Spuren auf ihren Wangen.
„Ich war bei Mama.“
„Ohne mich? Ich habe mir solche Sorgen gemacht und Lira und Papa auch.“ Cecilia sah sie vorwurfsvoll an.
„Du nennst ihn Papa?“
„Wieso denn nicht?“
„Weil... weil...“ Darauf wusste Sarah auch keine Antwort. Eigentlich gab es keinen Grund das nicht zu tun. Sie wollte ihre Schwester jetzt nicht mit ihren Sorgen und Gedanken belasten.
„Er ist mein Vater und wieso sollte ich ihn nicht so nennen?“
„Ich werde ihn jedenfalls nicht so nennen.“
„Sarah“, sagte Cecilia leise. „Du musst ihn irgendwann akzeptieren. Er ist unser leiblicher Vater.“
„Ja und? Er war nie für uns da. Das ist doch kein Vater.“
„Wenigstens haben wir einen. Überlege mal, wo wir jetzt wären, wenn er uns nicht zu sich genommen hätte.“
„Dann hätten wir uns alleine durchgeschlagen.“
Cecilia stand auf. „Nein, Sarah. Das hätten wir nicht.“
Ihre Schwester zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst.“
„Ja, das meine ich“, sagte Cecilia und verließ das Zimmer.
Nachdenklich blieb Sarah zurück. Sie beschloss mit Herrn Levine zu reden. Jetzt. Auf der Stelle. Im unteren Flur waren Herr Bouché und der Hausherr gerade dabei sich zu verabschieden.
„Da kommt ja auch die wunderschöne Sarah.“ Herr Levines Freund verbeugte sich tief. „Ich möchte mich verabschieden. Es wird Zeit zu gehen.“
„Dann möchte ich Sie nicht aufhalten.“ Sarah machte einen Knicks und die Beiden Herren verabschiedeten sich mit einem Handschlag.
„Ich muss mit Ihnen reden“, sagte Sarah, als die Tür ins Schloss gefallen war.
„Oh ja. Und ich auch mit dir.“ Herr Levines Stimme zitterte leicht. Die Beiden gingen ins Arbeitszimmer von ihm und kaum war die Tür geschlossen, knallte es.
Sarah schrie so laut, wie sie es schon lange nicht mehr getan hatte. „Wofür war das denn?“ Ihre Wange lief rot an und ihre Stimme zitterte. Tränen trieben sich in ihre Augen.
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Re: Die verbotenen Töchter Teil 4

Beitragvon Allvater » 09.02.2015, 01:03

Hallo :)

Ich habe gesehen, dass hier noch keiner was dazugeschrieben hat, und habe deinen Text einfach mal gelesen. :)

Allerdings muss ich gestehen, dass ich die vorherigen Teile nicht gelesen habe. Aber meine Anmerkungen zu deinem Text beziehen sich ohnehin nicht auf den Inhalt, also kann man das wohl vernachlässigen.

Was mir beim Lesen deines Textes aufgefallen ist, sind zwei Dinge.

Zum einen liest sich, besonders der Anfang, sehr abgehackt. Ich beschreibe es einmal mit einer Art To-Do-Liste. Du springst förmlich von einem Schauplatz zum nächsten, binnen weniger Sätze. Zuerst beschließt sie ihre Mutter auf dem Friedhof zu besuchen, dann ist sie schon auf dem Flur, und dann plötzlich auf dem Markt. Und nach einem kurzen Satz findet sie sich schon auf dem Friedhof wieder.

Du könntest diese Sprünge auf zwei Arten leichter umgehen. Entweder die Anzahl der Schauplätze verringern, und die Informationen, welche du dazwischen gestreut hast an die verringerten Schauplätze anpassen. Oder, was ich persönlich angenehmer zu lesen fände, die bisherigen Schauplätze mit ein wenig mehr Handlung füllen. Zum Beispiel könnte sie, nachdem sie den Entschluss gefasst hat ihre Mutter zu besuchen, sich noch einmal daran erinnern wie ihre Mutter so war, oder was sie so besonders an ihr fand. Sie könnte ein wenig traurig werden und sich die Träne aus dem Gesicht wischen. Dann, wenn sie vor dem Kleiderschrank steht, könnte sie (was für Frauen ja eigentlich nicht unüblich ist) sich überlegen, was sie anziehen sollte, und vielleicht auch mit dem einen oder anderen Kleidungsstück hadern. Noch bevor sie den Raum verlässt könnte sie in den Spiegel sehen und merken, dass ihre Schminke von den wässrigen Augen verlaufen ist, oder dass ihr der Schlüssel aus der Hand fällt, beim Versuch die Haustür abzusperren.

Solche Kleinigkeiten verleihen dem Text mehr Tiefe und man bekommt noch einen zusätzlichen Einblick in ihr Seelenleben.

Das zweite, was mir ins Auge gefallen ist, sind die wörtlichen Reden. Du schreibst oft nur "sagte sie" "sagte er" und ähnliches.
Sätze wie. "Na, was machst du denn hier?" ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihr, welche ihr auf eine vertraute Art und Weise bekannt vorkam. Sie wandte sich zaghaft um und erschrak, wenn auch nur für einen Moment. Ihr Gegenüber stand so dicht hinter ihr, dass ihr Blick als erstes auf die meeresblauen Augen fiel, bis sie erleichtert aufatmete, als sie Jack erkannte, der sie mit einem vielsagenden Blick ansah.
beleben den Text und vermeiden eine Aneinanderkettung von wörtlicher Rede.


Ich hoffe dir ein wenig geholfen zu haben :)
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Re: Die verbotenen Töchter Teil 4

Beitragvon tattoo99 » 09.02.2015, 15:31

Danke, ja. Du hast mir sehr geholfen. Ich werde es überarbeiten :)
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