[Humor]Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Beitragvon DrJones » 04.06.2015, 19:57

Ich habe mich mal an Kafkas "Die Verwandlung" gemacht und diese ein wenig umgeschrieben.
Viel Spaß!

Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Als Georg Samson eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, da fand er sich in seinem Bett zu einer ungeheuren Frau verwandelt. Er lag auf seinem rosenknospen weichen Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seine gewölbten, hellen, von kreisförmigen Versteifungen aufgerichteten Brüste, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine beiden, im Vergleich zu seinen sonstigen Kurven langen, geraden Beine flimmerten ihm vor den Augen.
»Ach Gott, was ist mit mir geschehen?«, dachte er.
Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Männerzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Dildos ausgebreitet war – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einem illustrierten Heftchen ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte eine Dame dar, die nur mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, vor einem Kamin kniete. Die pelzige Büchse genussvoll vorgestreckt, in der ihr Unterarm schon zur Hälfte verschwunden war. Wonach sie wohl grub? War es die Hoffnung?
Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, um eins zu sein mit Mutter Natur?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen. An die neuen Bedingungen der Gewichtsverteilung, vor allem jener seiner Brüste musste er sich noch gewöhnen. Gut, der prächtige Hintern bildete eine Art Gegengewicht. Ein geiles Gegengewicht, wie er fand. Georg strich sich darüber und grinste. Strich weiter, zwischen die Pobacken, hindurch bis zu der Stelle, die er sich eigentlich ganz bis zum Schluss hatte aufheben wollen. Oh ja! Das war gut! Er setzte sich wieder aufs Bett, ließ sich in die Kissen gleiten. Oooh ja! Ihm wurde ganz schwindelig. Während seine Finger spielten, schaukelten seine Brüste hin und her. Georg schloss die Augen, machte es sich wohl zehn- nein hundertmal! und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.
»Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt meine Tage?“
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Re: Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Beitragvon Heribertpolta » 05.07.2015, 15:57

Servus, Drjones,

wie man sieht, lässt man dich mit deiner Geschichte ganz schön im Stich. Liegts daran, weil das Forum "Lustiges" in letzter Zeit überhaupt so schlecht geht?

Schauen wir uns mal deine Geschichte an:

Als Georg Samson eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, da fand er sich in seinem Bett zu einer ungeheuren Frau verwandelt.


Klar - hat man Kafka gelesen, so weiß man sofort, dass er hier als Vorlage dient. Ich musste gleich lachen. Das lag am Wort "ungeheuer".

Er lag auf seinem rosenknospen weichen Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seine gewölbten, hellen, von kreisförmigen Versteifungen aufgerichteten Brüste, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine beiden, im Vergleich zu seinen sonstigen Kurven langen, geraden Beine flimmerten ihm vor den Augen.
»Ach Gott, was ist mit mir geschehen?«, dachte er.


Diesen Vergleich hätte ich nicht herangezogen, da kaum einer weiß, wie weich Rosenknospen sind. Außerdem ist der Begriff Knospe für andere Bezüge besser geeignet. Und noch außerdem: ich glaube zwischen rosenknospen und weichen müsste ein Bindestrich.
Die kreisförmigen Versteifungen verstehe ich nicht. Darüber, ob Beine flimmern sollten, kann man sich unterhalten, streiten aber nicht.
Wenn er denkt: oh Gott! dann hätte ich das Gedachte kursiv gesetzt. Allgemein aber, kommt mir der Gedankengang etwas zu einfach dahergestolpert.

Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Männerzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Dildos ausgebreitet war – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einem illustrierten Heftchen ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte eine Dame dar, die nur mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, vor einem Kamin kniete. Die pelzige Büchse genussvoll vorgestreckt, in der ihr Unterarm schon zur Hälfte verschwunden war. Wonach sie wohl grub? War es die Hoffnung?


Wie wird das Zimmer zum richtigen Männerzimmer? Wegen den Dildos? Dass es zwischen den vier Wänden liegt, gefällt mir. Das ist schön ausgedrückt.
Die Pelzboa hätte ich in eine Federboa verwandelt. Pelzige Büchse gefällt mir. Hat sie quasi den Arm in sich? Kann man eine Zeitung mit solchem Inhalt als Illustrierte Bezeichnen? Vermutlich. In sich nach der Hoffnung graben, gefällt mir auch. Ich habe gelacht.

Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, um eins zu sein mit Mutter Natur?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen. An die neuen Bedingungen der Gewichtsverteilung, vor allem jener seiner Brüste musste er sich noch gewöhnen. Gut, der prächtige Hintern bildete eine Art Gegengewicht. Ein geiles Gegengewicht, wie er fand. Georg strich sich darüber und grinste. Strich weiter, zwischen die Pobacken, hindurch bis zu der Stelle, die er sich eigentlich ganz bis zum Schluss hatte aufheben wollen. Oh ja! Das war gut! Er setzte sich wieder aufs Bett, ließ sich in die Kissen gleiten. Oooh ja! Ihm wurde ganz schwindelig. Während seine Finger spielten, schaukelten seine Brüste hin und her. Georg schloss die Augen, machte es sich wohl zehn- nein hundertmal! und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.
»Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt meine Tage?“


Der erste Satz des Absatzes ist mMn falsch im Aufbau. Dem letzten Teilsatz fehlt der Bezug. Grammatikalisch.
"Oooh ja" hätte ich kursiv gesetzt, oder in Gänsefüßchen.

Deine Geschichte ist kurz und ordentlich mit Erotik aufgeladen. Sicher war sie eine willkommene Schreibübung für dich. Tiefgang besitzt sie nicht, aber das ist schließlich nicht unbedingt nötig, weil eine derartige Verwandlung nicht oft passiert. Wenn, dann ist sie in der REgel langwieriger und wird von Ärzten begleitet. Mich selbst hätte die Sache mit dem Orgasmus schreibtechnisch mehr herausgefordert. Dass er zunächst mit dem Gleichgewicht hadert, hätte ich vermutlich weggelassen.
Was ich ebenfalls weggelassen hätte, ist der Schlusssatz; so zu sagen ist er nicht mehr und nicht weniger als eine dürftige Witz-Poente, die aber auf keinen Fall hier passen will.
Nun gut, Drjones. Ich fand die Geschichte lustig, hatte aber zum Schluss hin mehr Handwerk und Originalität erwartet. Gern kommntiert.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Beitragvon DrJones » 05.07.2015, 20:50

Hallo Heribert,

Ich wollte Dir nochmal offiziell antworten... :)

und mich sehr für Deine hilfreichen Hinweise bedanken!


Heribertpolta hat geschrieben:Servus, Drjones,

wie man sieht, lässt man dich mit deiner Geschichte ganz schön im Stich. Liegts daran, weil das Forum "Lustiges" in letzter Zeit überhaupt so schlecht geht?

Womöglich, ja. Vielleicht liegt's auch an meiner Geschichte.

Schauen wir uns mal deine Geschichte an:

Als Georg Samson eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, da fand er sich in seinem Bett zu einer ungeheuren Frau verwandelt.


Klar - hat man Kafka gelesen, so weiß man sofort, dass er hier als Vorlage dient. Ich musste gleich lachen. Das lag am Wort "ungeheuer".

Die Frau, das Ungeheuer? :lol:

Er lag auf seinem rosenknospen weichen Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seine gewölbten, hellen, von kreisförmigen Versteifungen aufgerichteten Brüste, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine beiden, im Vergleich zu seinen sonstigen Kurven langen, geraden Beine flimmerten ihm vor den Augen.
»Ach Gott, was ist mit mir geschehen?«, dachte er.


Diesen Vergleich hätte ich nicht herangezogen, da kaum einer weiß, wie weich Rosenknospen sind. Außerdem ist der Begriff Knospe für andere Bezüge besser geeignet. Und noch außerdem: ich glaube zwischen rosenknospen und weichen müsste ein Bindestrich.

Zum letzten Punkt: Ja, da kommt besser ein Bindestrich.
Zu den ersten beiden Punkten: Ich verstehe schon, was Du meinst. Mir gefiel aber diese
weibliche Beschreibung. Es sollte so klingen, als sei er/sie gerade aus einem Rosenbad entstiegen.


Die kreisförmigen Versteifungen verstehe ich nicht. Darüber, ob Beine flimmern sollten, kann man sich unterhalten, streiten aber nicht.

Ja, diese Beschreibung ist etwas missglückt.

Wenn er denkt: oh Gott! dann hätte ich das Gedachte kursiv gesetzt. Allgemein aber, kommt mir der Gedankengang etwas zu einfach dahergestolpert.

Ja, vielleicht ist das so... Im Original steht da: »Was ist mit mir geschehen?«, dachte er.
Mich hat bei Kafka hier (und auch in anderen seiner Werke) dieser lapidare Stil oft überrascht.
Er erwähnte es fast so, als wäre es eine Alltagsbanalität. Absicht?
Verfremdungseffekt?


Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Männerzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Dildos ausgebreitet war – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einem illustrierten Heftchen ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte eine Dame dar, die nur mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, vor einem Kamin kniete. Die pelzige Büchse genussvoll vorgestreckt, in der ihr Unterarm schon zur Hälfte verschwunden war. Wonach sie wohl grub? War es die Hoffnung?


Wie wird das Zimmer zum richtigen Männerzimmer? Wegen den Dildos? Dass es zwischen den vier Wänden liegt, gefällt mir. Das ist schön ausgedrückt.

Okay, ich sehe, was Du meinst. Im Original steht dort: Menschenzimmer. Das war dort natürlich geschickt gewählt, da es die Entfremdung des Protagonisten gegenüber seiner Umwelt zum Ausdruck bringt und,
dass er kein Mensch mehr ist. Hier in meiner Version bleibt wirklich die Frage, was es zu einem
Männerzimmer macht. Die Frau beurteilt es als Männerzimmer. Der vormals männliche Protagonist
würde das selbst ja so nicht wahrnehmen. So hatte ich es gemeint...


Die Pelzboa hätte ich in eine Federboa verwandelt.

Sehe ich pesönlich etwas anders. Dreimal "Pelz" wollte ich haben. Die Zahl drei hat gerade in Märchen eine
magische Bedeutung und rundet z. B. "den Kreis" ab, macht etwas komplett. In meinen
neuen Werken spielt die Zahl drei eine große Rolle.


Pelzige Büchse gefällt mir.

Das ist schön! Heutzutage wird's ja wieder etwas pelziger. Die Augenbrauen
werden auch seltener gezupft...:lol:


Hat sie quasi den Arm in sich?

Ja! Ich weiß jetzt nicht genau, ob das anatomisch überhaupt möglich ist. Bei meinen Recherchen aber sah ich
Aufnahmen, die dieser Haltung recht nahe kamen... :D


Kann man eine Zeitung mit solchem Inhalt als Illustrierte Bezeichnen? Vermutlich.

"Heftchen" ist das Stichwort, worauf der Fokus liegt.

In sich nach der Hoffnung graben, gefällt mir auch. Ich habe gelacht.

Ja, das kam spontan, wegen Pandora, an deren Büchse (!!) noch Hoffnung klebt. :lol:

Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, um eins zu sein mit Mutter Natur?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen. An die neuen Bedingungen der Gewichtsverteilung, vor allem jener seiner Brüste musste er sich noch gewöhnen. Gut, der prächtige Hintern bildete eine Art Gegengewicht. Ein geiles Gegengewicht, wie er fand. Georg strich sich darüber und grinste. Strich weiter, zwischen die Pobacken, hindurch bis zu der Stelle, die er sich eigentlich ganz bis zum Schluss hatte aufheben wollen. Oh ja! Das war gut! Er setzte sich wieder aufs Bett, ließ sich in die Kissen gleiten. Oooh ja! Ihm wurde ganz schwindelig. Während seine Finger spielten, schaukelten seine Brüste hin und her. Georg schloss die Augen, machte es sich wohl zehn- nein hundertmal! und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.
»Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt meine Tage?“


Der erste Satz des Absatzes ist mMn falsch im Aufbau. Dem letzten Teilsatz fehlt der Bezug. Grammatikalisch.
"Oooh ja" hätte ich kursiv gesetzt, oder in Gänsefüßchen.

Hier ist nochmal der Satz:

Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.

Der Teil mit "– man hörte die Vögelein zwitschern –" ist ein Einschub.
Ohne diesen Einschub lautet der Satz:
Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter machte ihn ganz euphorisch.

Womöglich habe ich hier etwas übersehen, aber ich denke, dass der Satz an sich grammatikalisch
nicht völlig verkehrt bzw. falsch vom Aufbau her ist. Andere Meinungen? (Die Frage erübrigt sich eigentlich
ob des überragenden Interesses hier an meiner Geschichte... :wink:)


Deine Geschichte ist kurz und ordentlich mit Erotik aufgeladen.

Oh ja, Erotic rules! :twisted:
Ich denke auch, dass Erotik oder Sexualität viel zu selten in Geschichten behandelt
werden und wenn, dann auf eine verschämte Art und Weise, dass es keinen Spass macht.
Selbst diese "Grey"-Bücher versprechen mehr, als sie am Ende halten. Ist aber Ansichtssache.


Sicher war sie eine willkommene Schreibübung für dich.

Na ja, war schon eeeetwas mehr als eine Schreibübung. Eher ein Experiment, aus etwas Altem etwas
Neues zu machen. Trotzdem habe ich die ganze Sache nicht sonderlich ernst genommen und das
mal in einer halben Stunde runter geschrieben. Von daher passt der Begriff "Schreibübung" ggf. doch
ganz gut. :wink:


Tiefgang besitzt sie nicht, aber das ist schließlich nicht unbedingt nötig, weil eine derartige Verwandlung nicht oft passiert.


Okay, das ist schon möglich. Letztendlich aber entsteht die Geschichte immer im Leser.
Ich finde sie jetzt auch nicht sooo tiefgründig, aber das empfinden andere vielleicht
auch wieder anders. Da hier aber sonst niemand kommentiert... Grrrrr :D + :evil:

Ich verwandel mich z. B. jeden Tag in einen Arbeitsmenschen und abends wieder, bestenfalls,
in den Privatmenschen.


Wenn, dann ist sie in der Regel langwieriger und wird von Ärzten begleitet.

Meinst Du Geschlechtsumwandlungen oder Psychotherapien?
Ich habe das schon mal woanders gelesen, dass Leser oft Probleme damit haben, wenn Übersinnliches oder
Unmögliches bzw. Traumhaftes in Geschichten thematisiert wird. Sie sagen dann oft:
Der Protagonist muss psychisch krank sein, wenn er das so oder so wahrnimmt.
Ich denke aber, dass "Wirklichkeit" viele Facetten hat und sich letztendlich Wahrnehmung
aus der Sozialisierung eines Kindes ergibt. Es gibt ein interessantes Gleichnis von, glaube
ich, Platon dazu. Höhlengleichnis?
Eine Geschichte ist sowieso immer Fiktion. Sprich, es kann (und sollte?) alles passieren können.


Mich selbst hätte die Sache mit dem Orgasmus schreibtechnisch mehr herausgefordert.

Ja, auch hier stimme ich Dir zu. Ich wollte hier aber die männliche, angeberische Seite wieder
dominieren lassen, denn innerlich bzw. vom Geiste her ist es ja noch ein Mann.


Dass er zunächst mit dem Gleichgewicht hadert, hätte ich vermutlich weggelassen.

Ist aber plausibel, denn er/sie muss sich ja zunächst an den neuen Körper gewöhnen.

Was ich ebenfalls weggelassen hätte, ist der Schlusssatz; so zu sagen ist er nicht mehr und nicht weniger als eine dürftige Witz-Poente, die aber auf keinen Fall hier passen will.

Ja, okay. :lol: Der Witz ist platt. Ist einfach nur ein Witz. Ich hatte gehofft, dass
der Witz durch seine Primitivheit eine neue Bedeutungsebene einzieht. Ist wohl misslungen.
Das zeigt wieder, dass ich die Sache nicht so ganz ernst genommen habe.


Nun gut, Drjones. Ich fand die Geschichte lustig, hatte aber zum Schluss hin mehr Handwerk und Originalität erwartet.

You can't always get what you want. I can't always give what I should... :D

Gern kommntiert.

Auch sehr gern zurück geantwortet. Macht immer Spass mit Dir!
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Re: [Humor]Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 19:11

Hallo DrJones,

exquisite Erzählung – gefällt!

Bin noch nicht all zu lange in der Werkstatt zu Gange und mir daher unsicher, wo die Grenzen hinsichtlich Jugendschutz liegen. Hätte selbst Vergleichbares in Petto, scheue mich jedoch (noch), es hier zu präsentieren. Zwar umschreibst du Delikates gekonnt und verzichtest auf "böse" Worte, die Handlungen sind dennoch eindeutig. Wo wird die Grenze überschritten? Beim bösen f-Wort etwa? Hm, wie auch immer.

Nun rasch zu deinem Werk.

Er lag auf seinem rosenknospen weichen Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seine gewölbten, hellen, von kreisförmigen Versteifungen aufgerichteten Brüste, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte.

Wenn man lange, verschachtele Sätze zu schätzen weiß, dieser ist gut gelungen. Lediglich erhalten würde ich vom er- befreien.



Seine beiden, im Vergleich zu seinen sonstigen Kurven langen, geraden Beine flimmerten ihm vor den Augen.

Hier sollte nach Kurven ein Komma stehen, oder?


Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Dildos ausgebreitet war – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einem illustrierten Heftchen ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte.


Hier holpert es ein wenig, was wohl am Auseinandergepacken und illustrierten Heftchen liegt. Beides ließe sich leicht ausräumen:

Über dem Tisch, auf dem eine ausgepackte Musterkollektion Dildos ausgebreitet lag – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einer Illustrierten ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte.



Es stellte eine Dame dar, die nur mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, vor einem Kamin kniete. Die pelzige Büchse genussvoll vorgestreckt, in der ihr Unterarm schon zur Hälfte verschwunden war. Wonach sie wohl grub? War es die Hoffnung?


Klasse! Gewagt, aber klasse! Lediglich aufs die vor Hoffnung würde ich verzichten. War es Hoffnung?



Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, um eins zu sein mit Mutter Natur?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen.


Hier würde ich noch etwas raffen und auf dann und ganz verzichten, und bei der Einswerdung im Konjunktiv bleiben.

Georgs Blick richtete sich zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, und eins mit Mutter Natur würde?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen.



An die neuen Bedingungen der Gewichtsverteilung, vor allem jener seiner Brüste musste er sich noch gewöhnen.

Nach Brüste fehlt ein Komma, oder?



Georg strich sich darüber und grinste.

Das sich liest sich unschön und könnte sich verabschieden.



Strich weiter, zwischen die Pobacken, hindurch bis zu der Stelle, die er sich eigentlich ganz bis zum Schluss hatte aufheben wollen.

Auch eigentlich würde ich streichen.



Georg schloss die Augen, machte es sich wohl zehn- nein hundertmal! und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.

Vorm Ablassen fehlt mir etwas. Entweder ein unliebsames sich oder besser: ließ erst davon ab, als er ...



»Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt meine Tage?“



Hier könnte ein etwa ergänzt werden: »Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt etwa meine Tage?“
Aber auch so ist das eine gute Schlusspointe, ein würdiger Abschluss.

Beste Grüße,
Samis
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Re: [Humor]Die Verwandlung oder die Büchse der Pandora

Beitragvon DrJones » 16.10.2015, 07:39

Hallo Samis!

Schon wieder Du! :D
Freut mich!

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Wie immer sehr hilfreich!

Hallo DrJones,

exquisite Erzählung – gefällt!


Danke. Das freut mich sehr! :D

Bin noch nicht all zu lange in der Werkstatt zu Gange und mir daher unsicher, wo die Grenzen hinsichtlich Jugendschutz liegen. Hätte selbst Vergleichbares in Petto, scheue mich jedoch (noch), es hier zu präsentieren. Zwar umschreibst du Delikates gekonnt und verzichtest auf "böse" Worte, die Handlungen sind dennoch eindeutig. Wo wird die Grenze überschritten? Beim bösen f-Wort etwa? Hm, wie auch immer.


Ich hatte da schon mal nachgehakt. Es geht eigentlich eine ganze Menge. Im Zweifel würde
ich einfach mal bei Jacky, bzw. KleineLady1981 nachhaken. Die kennt auch die entsprechenden
Redakteure bzw. Ansprechpartner. Es soll noch einen geschlossenen Werkebereich geben.

Nun rasch zu deinem Werk.


Ja ja, jetzt geht's los! :)

Er lag auf seinem rosenknospen weichen Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seine gewölbten, hellen, von kreisförmigen Versteifungen aufgerichteten Brüste, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte.

Wenn man lange, verschachtele Sätze zu schätzen weiß, dieser ist gut gelungen. Lediglich erhalten würde ich vom er- befreien.


Ja, das haben mir schon andere gesagt.
Ich möchte von der Sprache her möglichst nahe an Kafkas Text bleiben
("Die Verwandlung").



Seine beiden, im Vergleich zu seinen sonstigen Kurven langen, geraden Beine flimmerten ihm vor den Augen.

Hier sollte nach Kurven ein Komma stehen, oder?


Du hast ein gutes Auge! Ja, ist richtig. Komma! Danke! :)


Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Dildos ausgebreitet war – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einem illustrierten Heftchen ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte.


Hier holpert es ein wenig, was wohl am Auseinandergepacken und illustrierten Heftchen liegt. Beides ließe sich leicht ausräumen:

Über dem Tisch, auf dem eine ausgepackte Musterkollektion Dildos ausgebreitet lag – Samson war Vertreter – hing das Bild, das er vor kurzem aus einer Illustrierten ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte.


Ich finde Deine Version des Abschnittes besser, da es weniger holpert. Die Sprache ist
aber moderner als bei Kafka. Ich werde es mit dem Original vergleichen und ggf. nochmal anpassen.
Danke!! :)



Es stellte eine Dame dar, die nur mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, vor einem Kamin kniete. Die pelzige Büchse genussvoll vorgestreckt, in der ihr Unterarm schon zur Hälfte verschwunden war. Wonach sie wohl grub? War es die Hoffnung?


Klasse! Gewagt, aber klasse! Lediglich aufs die vor Hoffnung würde ich verzichten. War es Hoffnung?


Hey, danke! Dreimal Pelz...ein Märchen! :)
Ich wollte "die Hoffnung" wegen des Pandoramythos. Die Hoffnung ist da quasi personalisiert.
Aber von der Sache her hast Du recht. 8)



Georgs Blick richtete sich dann zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn ganz euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, um eins zu sein mit Mutter Natur?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen.


Hier würde ich noch etwas raffen und auf dann und ganz verzichten, und bei der Einswerdung im Konjunktiv bleiben.

Georgs Blick richtete sich zum Fenster, und das sonnige Wetter – man hörte die Vögelein zwitschern – machte ihn euphorisch.
»Wie wäre es, wenn ich hinausginge in Wald und Flur, und eins mit Mutter Natur würde?«, dachte er, schwang seine Beine über die Bettkante, stand auf und drohte, vornüber zu kippen.


Ohne "dann" ist besser. Ich will in der wörtlichen Rede einen Reim, um das Märchenhafte zu unterstreichen.
Vielleicht kann ich das "würde" vorziehen...Dann holpert für mich aber der Rhythmus...Schwierig! :)



An die neuen Bedingungen der Gewichtsverteilung, vor allem jener seiner Brüste musste er sich noch gewöhnen.

Nach Brüste fehlt ein Komma, oder?


Adlerauge! :D
Ja, stimmt!



Georg strich sich darüber und grinste.

Das sich liest sich unschön und könnte sich verabschieden.


Richtig! Kommt weg.


Strich weiter, zwischen die Pobacken, hindurch bis zu der Stelle, die er sich eigentlich ganz bis zum Schluss hatte aufheben wollen.

Auch eigentlich würde ich streichen.


Ist eine Doppelung. Kommt weg.


Georg schloss die Augen, machte es sich wohl zehn- nein hundertmal! und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.

Vorm Ablassen fehlt mir etwas. Entweder ein unliebsames sich oder besser: ließ erst davon ab, als er ...


Gute Idee! :)


»Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt meine Tage?“



Hier könnte ein etwa ergänzt werden: »Ach Gott«, dachte er, »Krieg‘ ich jetzt etwa meine Tage?“
Aber auch so ist das eine gute Schlusspointe, ein würdiger Abschluss.


Das "jetzt" wäre mir zu modern.

Vielen Dank nochmal, und ich freue mich immer, von Dir kommentiert zu werden!

Einen tollen Tag!

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