Digitalisierung unseres Lebens

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Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon ESchen » 28.08.2015, 21:59

Hallo zusammen

Bei meinem neuen Buchprojekt möchte ich die fortschreitende Digitalisierung thematisieren.

Ohne in die Sci-Fi abzuschweifen schwebt mir ein Szenario vor, bei dem das Chippen beim Menschen, d.h. Kennzeichnung via lesbaren Microchip wie bei Haustieren, für obligatorisch erklärt wird. Sämtliche Pässe, Identitätskarten werden durch diesen Chip ersetzt und die Daten digitalisiert. Später werden die Chips auch mit anderen Bereichen verknüpft, z.Bsp. bargeldloser/kreditkartenloser Zahlungsverkehr, Apps, etc.

Um das Thema gesellschaftlich authentisch darzustellen, würden mich eure verschiedenen Ansichten interessieren.

Wie würdet ihr persönlich auf solch einen vom Staat auferlegten Microchip reagieren?
Was haltet ihr davon?

Bin gespannt auf eure Antworten :wink:

Liebe Grüsse
ESchen
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon orangelunar » 28.08.2015, 22:06

Ich käme mir vor wie eine x-beliebige Ware im Supermarkt, nicht mehr wie ein Mensch. Ein solches Verfahren würde ich als äußerst erniedrigend empfinden und mich mit Händen und Füßen dagegen wehren.
Wenn alle Daten auf einem Chip vereint wären, wäre der gläserne Mensch endgültig komplett. Jeder mit einem entsprechenden Scanner könnte meine Daten auslesen und das wäre mir überhaupt nicht recht. Und ich würde mich immer fragen: Wie will die Regierung Missbrauch unterbinden? Denn Missbrauch würde es mit Sicherheit geben; irgendjemand würde einen Weg finden, Sicherheitsbarrieren zu knacken, und schwupps, wären die Daten in den falschen Händen.
Jeder mit entsprechenden Fähigkeiten (Hacken und Co.) könnte sehen, was ich wann wo gekauft habe. Man könnte Krankheiten sehen, die ich hatte, usw. usw.
Gruselig. Äußerst gruselig.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Badabumm » 28.08.2015, 22:19

Hallo, ESchen, leider schreibe ich gerade selbst an einenm solchen Szenario und möchte nicht zuviel verraten. Aber soviel: jede Generation wächst in einem Umfeld der Selbstverständlichkeit auf. Eigentlich ist es immer wie bei Moses' Auszug aus Ägypten: wartet man lange genug, kommen die "Neuen" in den Genuss des Gelobten Landes, die "Alten" betreten es nicht und sterben aus. Gewinnt man die Jugend dafür, wird es normal. Genauso wie digitale Steuererklärung, fünfstellige Postleitzahlen, Soli-Beitrag, Vorratsdatenspeicherung, Nichtrauchen im Zug, der Euro, Anschnallpflicht, Handymania, Kameraüberwachung, Checkkontrollen am Flughafen, usw. usw, irgendwann "hingenommen" werden, so werden auch die Chips selbstverständlich sein. Man muss nur geduldig sein. Schließlich werden alle diese Dinge immer als "gut" dargestellt und jeder, der dagegen ist, wird ausgebuht. Aber wer will das beurteilen, was gut ist und was nicht? Alle Dinge, die erstmal offensichtlich sinnvoll und vernünftig erscheinen, können zur Einschränkung der persönlichen Freiheit führen. Wir haben jetzt eine Versicherungsnummer. Wir haben gesichtserkennbare Ausweise. Warum also nicht einen Chip? Was ist daran schlimm? Kann ich doch gleich an der Kasse bezahlen, ohne das Portemonnaie zu zücken. Ins Theater gehen. Mich für einen Leseausweis eintragen lassen. Meine KFZ-Steuer abbuchen. Den richtigen Doktor finden. Alle Vergewaltiger und Mörder werden gleich erkannt. Ist doch gut, oder? Ist nicht schlimmer als ein Piercing, oder? Mein Lieblingshund, mein Lieblingspferd und alle Nutztiere, alle Luchse, Wölfe, Löwen, Elefanten haben es doch auch.

Es wird immer Menschen geben, die dagegen sind. Das funktioniert auch eine gewisse Zeit. Aber Stuttgart21 wird doch gebaut, oder? Der Regenwald wird weiterhin abgeholzt. Obwohl alle dagegen sind. Es gibt immer noch Braunkohle- und Atomkraftwerke. In Japan errichtet man 10 Meter hohe Mauern an der Küste gegen Tsunamis. Aber alle sind dagegen, weil man das Meer nicht mehr sieht.
Also wird es Chips geben. So normal wie heutzutage Handys.

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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Arynah » 28.08.2015, 23:49

Im Allgemeinen schließe ich mich Badabumm an. Er hat die Tatsache gut auf den Punkt gebracht.

Versetze ich mich nun in die Lage, dass ich sagen wir mal, morgen diesen Chip eingepflanzt bekommen, weiß ich sofort zwei Dinge: 1. Mir wird es nicht gefallen. 2. Am Ende ist es mir egal.

Zu 1.: Natürlich möchte mich nicht immer beobachtet werden und nicht unter Generalverdacht stehen, wie es immer so schön heißt, falls auch eine Ortung in dem Chip mitinbegriffen wäre. Aber auch ohne kann man natürlich das Problem des Hackens haben. Alle Daten an einem Ort sind natürlich doof. Sicherlich werden die Daten an Firmen verkauft, ob offiziell oder nicht, so dass man Werbung auf mich anpassen kann. Der Aufruhr und mein Protest wären sicherlich groß.

Aber kommen wir zu 2.: Ich bin weder ein Verbrecher noch stört mich jetzt die personalisierte Werbung durch Google oder Skype. Meine ganzen Daten (bzw die meisten) sind zur Zeit in meiner Geldbörse und die ist einfacher zu klauen als sicherlich die Sicherheitssysteme dieses imaginären Chips zu knacken sind. Letztendlich würden die Vorteile der Elektronik einfach überwiegen und dann greift wieder Badabumms Argumentation.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon HappyMephisto » 29.08.2015, 01:27

Um den Advocatus Diaboli spielen:

Großartig! Ich kann die Qualifikationen meiner Angestellten direkt und ohne Lügen auslesen. Kann überprüfen von Darling fremd geht oder sich eine STD eingefangen hat.Kann stets und ständig bei Gefahr identifiziert und best möglich behandelt werden - selbst bei Bewusstlosigkeit steht der Arzt nicht vor der Frage, ob ich auf diesesoder jenes Medikament allergisch bin, denn er kann es lesen.
Ich habe Sicherheit, die es nie vorher gegeben hat. Denn wenn alle alles über mich wissen, weiß ich auch alles über alle. In einer Gesellschaft ohne Geheimnisse sind alle gleich. Wir haben die einzigartige Chance eine dauernde, ständige Öffentlichkeit zu schaffen, die nicht von Halbwahrheiten und Schönfärberei befleckt ist.
Hacking und Diebstahl hat es immer gegeben, ob nun durch einen nigerianischen Prinzen oder einen Langstreckenscanner.
Im Gegenteil würde es nur erschwert: Kreditkartenbetrug würde unmöglich, Mitnomadentum praktisch abgeschafft (weil mit einem kurzen Scan alles offen liegen würde.)

Klar, es wäre jeder gläsern - aber eine Gesellschaft aus Glas hat keine Geheimnisse.

(Hinweis: Advocatus Diaboli heißt, dass das obige nicht unbedingt meine Meinung wiederspiegeln muss. :) Für die Nicht-Wikianer.)
"und wer ihn sah, mußte zu der Anschauung gelangen, daß ein Schriftsteller ein Mann ist, dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten."
- Thomas Mann, 'Tristan'
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Arminius » 29.08.2015, 09:47

Im Prinzip ist ein solches Szenario garnicht einmal so abwegig, denn es ist schon seit Jahren möglich sich chippen zu lassen. Hier ein paar Artikel zum Thema:

http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/fun ... 75235.html (von 2008)
http://www.netzwelt.de/news/66659-los-g ... schen.html (von 2004)

Mich erinnert das ein wenig an Total Recall, wo Arnold Schwarzenegger, alias Quaid, alias Hauser ein Chip im Kopf eingepflanzt ist, mit dem sein Standort jederzeit bestimmt werden kann.
Was mich nun am meisten an solch einem Szenario interessiert ist die Frage, wie man diese Dauerüberwachung austricksen kann. Bei Hauser/Quaid reichte dafür ein nasses um den Kopf gewickeltes Handtuch.
Für mich ist diese Dauerüberwachungsmöglichkeit ein absolutes Horrorszenario. Stellt euch mal vor ihr steht für eine Minute an einer Fußgängerampel zufällig neben einem des Drogenhandels Verdächtigen. Wie schnell kommen die Überwacher auf die Idee ihr könntet Geschäfte mit dem machen, nur wiel ihr zufällig neben diesem Typen gestanden habt.
Zuletzt geändert von Arminius am 03.09.2015, 12:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Bernd » 29.08.2015, 10:54

Einer meiner Schüler meinte mal zu seinen Mitschülern: "Schaut Euch an, wie schnell die Hardware bei Smartphones sich wandelt. Die meisten Leute kaufen sich spätestens alle zwei Jahre ein Neues. Da lass ich mir doch keinen Mikrochip einpflanzen, den müsste man ja vermutlich auch alle zwei Jahre austauschen..." ein gutes Argument, wie ich finde. Eine modernere Alternative zu Mikrochips wären übrigens Gensequenzen, auf die man Informationen codiert hat, und die man einer Person verabreicht wie man ein Virus verabreicht. Die Person würde fortan in ihrem Körper diese Informationen tragen, die man natürlich auch wieder auslesen könnte.

Die Idee, Menschen zu kennzeichnen (na, das hatten wir doch schonmal in Deutschland) ist ja nicht neu. Die Frage ist aber in der Tat, ob es durch implantierte Chips geschehen wird. Ist doch auch gar nicht nötig! Intelligente Programme können längst mit hoher Treffsicherheit aus Überwachungsbildern Gesichter identifizieren. Man muss also mit dem Mikrochip gar nicht mal an ein Lesegerät herantreten, um identifiziert zu werden. Und wenn Du identifiziert bist, hat man auch Deine Daten. Die müssen ja nicht direkt auf dem Chip gespreichert sein. Diese Idee stammt letztlich aus einer Computerzeit vor Verbreitung des Internets und Cloud-Computing. Heute kann jede Behörde theoretisch alle Daten einer Person online einsehen.

Die Frage, wie man die Leute dazu bekommt, das Spielchen sich Mikrochips zu implantieren mitzuspielen ist beantwortet: Man mache ihnen Angst. Viel Angst. Mit medial omnipräsenten Terroranschlägen und Krieg. Man sagt ihnen, im Sinne der Sicherheit sei es notwendig, dass jeder Mann und jede Frau jederzeit beweisen könne, wer sie ist. Ausweise seien zu fälschungsanfällig. Und schwupps, sind über 50% dafür, sich Chippen zu lassen. (Sind Sie nicht dafür? Haben Sie was zu verbergen? Na also...) Oder nehmen dies zumindest billigend in Kauf, so wie die peniblen Kontrollen an Flughäfen und bald vielleicht auch an Bahnhöfen; so wie die überall im öffentlichen Raum installierten Kontroll... äh, Sicherheitskameras...

Und dann sind da ja noch die zahlreichen Vorteile: Bargeldloses Bezahlen ohne Karte, ohne Smartphone, einfach so. Keine Krankenkarte, keine Kreditkarten, keine EC-Karte, keine Mitgliedskarten für ADAC, Bertelsmann oder den Golfclub, kein Personalausweis, kein Führerschein... man kann das Portemonaie zuhause lassen! Man kann nichts verlieren, nichts geklaut bekommen. Und das auch im Urlaub innerhalb der EU und zahlreichen nicht-EU-Ländern zumindest.

[Achtung: Satire] Also wer das jetzt nicht toll findet, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Ja klar, die Unken gibt es immer. Die Naiven, die Ökos, die Schwarzseher. Hausfrauen, Computer-Hippies und Rentner. Wenn es nach denen ginge, hätten wir wahrscheinlich heute kein Online-Banking, keine Internethändler, vielleicht nicht mal Computer. Ja ja, in der Steinzeit war alles besser. Es lebe die analoge Freiheit. Digital = Böse. Willkommen im 21. Jahrhundert. Von wegen Gläserner Mensch. Im ernst, die NSA interessiert es nicht, wenn Hausfrauen am Telefon Rezepte austauschen, wenn klein Fritzchen mit seinen Kumpels auf WhatsApp über Klara lästert, wenn der aufrichtige Bürger per Mail Konversation betreibt. (Und geschäftliche und vertrauliche Mails, na, die sind doch eh verschlüsselt!) Ehrliche Menschen haben nichts zu befürchten. Nur für die Bösen zieht sich die Schlinge zu. Es geht um unsere Sicherheit!
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon JimPhrasenlaus » 30.08.2015, 16:37

Interessantes Thema.

Um direkt auf die Fragen zu antworten (Achtung, alles weitere ist reine Meinung, unterliegt keiner Beweispflicht und ist rein theoretisch):

Ich würde mich konsequent dagegen wehren. Da bemüht man sich jahrelang, damit man so wenig wie möglich von sich preisgibt und dann will der Staat ewige Jahre harter Selbstbeherrschung durch einen Chip zerstören? Nein danke, nicht mit mir! Wer weiß was als nächstes kommt, der Chip der die Gedanken direkt auslesen kann, und man dadurch wie in Minoriti Report wegen noch nicht begangener Verbrechen angeklagt wird, weil man nun einmal eine blühende Fantasie hat, die auch mal entgleist (gerade bei Krimi-Autoren)? Als letzte Möglichkeit bliebe nur, das Raster durch hacken aufzubrechen und sich neue Identitäten zu programmieren, womit im Untergrund wohl jeder mit nicht weniger als 3 Identitäten rumläuft, die bei Bedarf ausgetauscht werden können (vergleiche ShadowRun).

Grüße
"Hast du Spaß?"
"Ja..."
"Dann sag das doch auch deinem Gesicht!"
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Kelpie » 30.08.2015, 16:47

Ich finde die Digitalisierung, die wir zurzeit haben schon grauenvoll - diese Chips wären dann das Krönchen, denn ich wüsste nicht, wohin man diesen Irrsinn dann noch treiben sollte.

Allerdings sollte man tatsächlich bedenken, dass, wie Badabumm bemerkt, jeder in seiner Zeit aufwächst. Vermutlich wird es Gegner in deiner Zeit geben, aber vermutlich sind sie Gegner aus anderen Gründen als wir. Zumindest möchte ich bezweifeln, dass die persönliche Privatsphäre o.Ä. anführen würden.
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Julestrel » 31.08.2015, 08:27

Im Grunde haben wir den ersten Schritt doch schon mit dem biometrischen Pass, gegen den sich lustigerweise kaum jemand beschwert. Da noch weitere Infos als Fingerabdrücke und Bild unterzubringen ist kein Aufwand, und dabei haben ihn die meisten Menschen auch so gut wie immer.

Auch in anderen Bereichen werden doch schon ausreichend Daten gesammelt und immer mehr gebündelt. Ein schleichender Übergang, genügend Bürger mit "ich hab nichts zu verbergen" und ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele bei einem Chip mitmachen, wenn es z.B. Behördengänge, Bezahlvorgänge, etc. leichter macht. Die Bequemlichkeit siegt da immer viel zu schnell.


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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon grit » 31.08.2015, 10:47

Eine gewisse Hemmschwelle, die es zu überwinden gilt, ist die Tatsache, dass es sich um einen Fremdkörper handelt, der implantiert wird. Wenn man das aber werbestrategisch gut "verkauft" ( man muss den Leuten nur genug Angst machen, wie hier schon richtig gesagt wurde ), dann ist auch diese Hürde zu nehmen. ( Nur ein kleiner Pieks, keine Schmerzen - dafür ein Plus an Sicherheit.)
Interessanterweise - davon bin ich überzeugt - würde das aber die Sicherheit nicht erhöhen, denn alle diese "Bauteile" können ja auch gefälscht werden.
Ich meine, mal irgendwo gelesen oder in einer Filmsequenz gesehen zu haben, wie jemand sein individuelles Implantat entfernt hat - mit brachialer Gewalt und einem Messer, damit er nicht mehr zu orten war.
Ich denke, ein Implantat ist gar nicht notwendig, wenn man eine lückenlose Überwachung will. Es reicht die Abschaffung des Bargeldes und alles, was wir so an Elektronik mit uns herumtragen.
Wenn man das in einer Geschichte verwenden will, dann geht es wohl vor allem um den psychologischen Effekt. ( Alles, was ich an Gegenständen mit mir herumtrage, kann ich irgendwo ablegen, den Chip nicht so einfach. Wenn ich ihn entferne, bin ich quasi nicht mehr existent, ich kann nichts kaufen, nirgendwo reingehen - vielleicht entwickelt sich eine neue Unterschicht - alles in allem ein interessantes Szenario, wenn man es auf dieser Ebene betrachtet. )
Wenn man jedem Baby gleich nach der Geburt den Chip einsetzt, wenn diese Praxis eine Zeit lang so eingehalten wird, dann wird das schon kurze Zeit später niemand mehr hinterfragen.
Klar wird es Gegner geben, aber allein, dass man ohne den Chip quasi von allen Dingen abgeschnitten wäre, wird dazu führen, dass auch diese Leute ihn haben müssen.

Zum Thema Totalüberwachung noch ein Buchtipp, genauer gesagt zwei. Gert Prokop "Wer stielt schon Unterschenkel" und "Der Samanbankraub" - Kriminalgeschichten aus dem 21. Jahrhundert.
Wenn auch die politische und auch die technische Entwicklung in eine etwas andere Richtung gegangen ist, als man es sich in den 70-ern vorgestellt hat, so ist die psychologische Seite immer noch interessant.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon SmilingSeth » 02.09.2015, 03:50

Irgendwann holst du dir ein Buch und kriegst einen Downloadcode fürs eBook,
Der Rest sind AGBs und ewig lange Lizenztexte,
Plus Werbung für eBook-Reader und natürlich neue Bücher,
Und ein DLC-Code für die Vorbesteller-"Boni",
"Sichern Sie sich den gestrichenen Prolog, der für die Handlung absolut integral ist!",

Vorbesteller kriegen natürlich dann einen Code für die Betafassung, die aus bekritzeltem Klopapier besteht,

Und Lesezeichen sind schon integriert.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon Badabumm » 04.09.2015, 17:00

Der größte Nachteil der Digitalisierung ist (und das ist auch der Grund, weshalb der Trend irgendwann zu einem Ende kommen wird): man braucht ein bestimmtes Schreib-Lesegerät dazu, um Informationen zu bekommen. Existiert dieses Gerät nicht oder ist dessen Gebrauch unmöglich, ist die Information tot. Und zu 99% ist Strom und ein festgelegtes digitales Encode-Decode-Verfahren nötig. Dadurch ist die enthaltene Information viel sensibler und kaum beständig. Versuch mal heute, "kurzfristig" ein Videoband, eine Minidisk, eine 5-Zoll-Floppy oder ein Tape zu lesen. Die darauf enthaltene Information ist bald verloren, auch durch Unbeständigkeit des Mediums. Davon sind auch analoge Medien betroffen; sobald ein technisch anspruchsvolles Gerät dazu erforderlich ist, ist die Information deren Sklave.

Man mag anführen, dass durch die millionenfache Verteilung der Information, z.B. im Internet, die Redundanz dazu beiträgt, dass sie nicht verlorengeht. Wer aber Borges unendliche Bibliothek kennt, weiß, dass es unzählige Variationen ein und derselben Information geben wird. Dadurch wird Information quasi wertlos. Wenn irgendwo im Internet der Satz auftaucht "Am Anfang schuf Gott Himmel und Mars" - wer will entscheiden, was der "Originaltext" war? 1984 ist schon längst Realität...
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon SimonsToaster » 06.09.2015, 18:44

Nur weil du keine Floppys mehr auslesen kannst, heißt das nicht das es keiner mehr kann. Es gibt unzählige Projekte (darunter meines Wissens auch die Libary of Congress) die sich dem Erhalt digitaler Güter verschrieben haben. Wesentlich weitreichender als Computerspiele oder Filme, nämlich von Office-Produkten der 80er bis zu Tonbandaufnahmen von Ethnologen um 1920 herum.
Der unterstellte Informationsschwund ist auch bei Büchern und sogar Informationen, die in Stein gemeistelt wurden vorhanden. 2000 Jahre alte Schriften sind selten und ihre Archivierung nicht trivial. Wie viele Gutenberg-Bibeln gibt es noch? Wer kann heute noch die Bilderschrift der Azteken lesen? Trotzdem haben wir weder Papier, noch Bücher, noch Schrift abgeschafft, weil ja eventuell in Zukunft niemand mehr was damit anfangen kann. Natürlich sind diese Informationen fragiler, weil auf Elektrizität und hochtechnologische Geräte angewiesen, aber das ist nun mal unsere Gesellschaft. Wir müssen darauf vertrauen das jeden Tag x-tausende Menschen aufstehen und ihre Arbeit machen. Das es in deiner Lebensspanne einige Standards gekommen und gegangen sind, ist rein dem steigenden Tempo der Innovation geschuldet.
Alle Dinge die wir erschaffen, werden irgendwann verschwinden. Nichts ist für die Ewigkeit. Digitalisierung wird verschwinden, wenn etwas besseres gibt, oder unsere Zivilisation untergeht.
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Re: Digitalisierung unseres Lebens

Beitragvon anby77 » 06.09.2015, 19:37

Mir würde es nicht schmecken, gechipt zu werden. Wie wenig hängt aber davon ab, welche Daten ich zwingenderweise drauftun muss und mit welcher Technologie der Chip funktioniert. Ein Chip, der keine anderen Daten als der Personalausweis und ohne mein Wissen nicht ausgelesen werden kann, wäre leichter zu akzeptieren, als einer der zusätzlich Finanzdaten, Handyverbindungen, Internetsuche und dergleichen speichert, und per RFID-Technik ohne meine Zustimmung und ohne mein Wissen ausgelesen werden. Die erste Variante würde - wenn's denn nicht zu verhindern ist - zähneknirschend akzeptieren, die zweite wäre ein Grund, in ein Land auszuwandern, das diese Technik nicht nutzt, und wenn es der IS ist.
Beim Schlagwort "Digitalisierung" muss man differenzieren. Die Chips im Reisepass taugen nicht zur Überwachung. Sie sind ein Mittel erstens das Fälschen von Pässen zu erschweren und zweitens sicher zu gehen, dass die Person, die den Pass vorzeigt auch diejenige ist, auf die das Dokument ausgestellt wurde. Zum Überwachungsinstrument werden die Daten erst, wenn sie für andere Nutzungen verfügbar gemacht werden; wenn die Daten für die Gesichtserkennung an die Polizei weitergegeben werden, die so in die Lage versetzt wird, mit der entsprechenden Software anhand öffentlicher Überwachungskameras Bewegungsprofile zu erstellen und sie mit Namen zu verknüpfen.
Nur: Der Staat ist gar nicht die größte Datenkrake. Der Titel gebührt ganz eindeutig der Wirtschaft. Was durch Rabattkarten, bargeldlosem Zahlungsverkehr und Onlinehandel an Daten geniert und für "zielgerichtete Werbung" genutzt wird, ist gruselig. Noch gruseliger ist eigentlich nur die Bereitschaft der Menschen, sich um irgendwelche billigen Prämien abgreifen zu können, freiwillig aushorchen zu lassen. Und wenn die immer wieder auftauchenden Vorstöße, das Bargeld abzuschaffen Gehör finden, hat man gar keine Möglichkeit mehr, dem zu entgehen. Vielleicht sollte man doch langsam anfangen, arabisch zu lernen und den Koran zu studieren...
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel.
(Karlheinz Deschner)
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