Diskussion: Plotlos planen

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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Arynah » 27.06.2015, 21:54

@ Jacky: Ich habe mir eine Karte von dem Gebiet gezeichnet und den Punkte der Prüfungen auf dem Weg verteilt, der gegangen werden muss. Dafür habe ich regelmäßige Abstände gesucht, weil ich persönlich es nicht mag, wenn irgendwie große "räumliche" Sprünge gemacht werden :D Die Prüfungen selbst können auch unscheinbar sein, wie zB einen Streit beenden.

Die Abkürzungen standen für die Kapitel, Prüfungsnummer und das Ergebnis. also 9 3u ist "Kapitel 9, Prüfung 3 unentschieden). Das hab ich für mich gemacht, damit nicht überall dasselbe steht :D

Das mit den Spalten ist einfach. Zunächst muss man in den benutzerdefinierten MetaDaten diese Punkte bei den Einstellungen hinzufügen. Dann geht man in der Leiste, in der die Spalten bei der Gliederungsübersicht stehen auf das nach unten gerichtete Dreieck (auf dem Screenshot über der Scrollleiste) und kann auswählen, was in der Leiste angezeigt wird. Ist irre praktisch für die Übersicht, nicht? :D
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Anchesa » 28.06.2015, 20:06

Hey!

Plottest du?
Ja, mein aktuelles Projekt, dass ich vorgestern in der 1. Rohfassung fertig geschrieben habe, war sehr genau geplottet. Also jede einzelne Szene mit der Schneeflockenmethode. Wobei ich auch bei jeder Szene nochmal explizit darauf geachtet habe, dass sie einen inneren und einen äußeren Konflikt hat und sich Scene und Sequel abwechseln. Das war recht mühsam und teilweise habe ich gemerkt, dass es, wenn ich meiner Fantasie beim Schreiben direkt einfach mal freien Lauf gelassen habe (was ja auch unbedingt sein muss, wie ich finde) da bessere Sachen raus kamen als die, die ich mir vorher überlegt habe.

Oder planst du nur?
Wenn ich Kurzgeschichten schreibe, dann plane ich diese nur grob. Allerdings schreibe ich die auch immer in einem Stück dann runter, sodass sich Logiklücken meist nicht ergeben. Für Kurzgeschichten macht planen und dann einfach losschreiben wesentlich mehr Spaß, finde ich. Sobald die grobe Idee steht, geht es los!

Schreibst du ganz ohne Überlegung?
Nein, das nie. Da bin ich nicht der Typ für, denke ich.

Denkst du in jeder freien Minute über deine Geschichte nach?
Nicht in jeder, aber sehr oft. Wenn man wirklich im Schreibprozess ist, dann fallen einem ständig neue Szenen und Dinge ein. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich eine Art Dringlichkeit entwickelt habe, die Figuren nicht in einer zwicklichen Situation stecken zu lassen, weil ich da dann gerade mit dem Schreiben aufhöre, sondern dass ich sie da möglichst heil rausholen will noch. Verrückt, was? :D

Welche Methode zum Schreiben funktioniert für dich am besten?
Tatsächlich die Schneeflockenmethode zum Plotten für längere Romane. Da ich generell ein sehr strukturierter Mensch bin, klappt das so wirklich super.

Hast du schon einmal “plotlos geplant”?
Wie gesagt, nur Kurzgeschichten. Und ganz früher mal meine Projekte, aber da ist nie ein fertiges bei rausgekommen am Ende.

Wenn ja, wie hat es bei dir geklappt und was ist dabei herausgekommen?
Nicht gut und nichts, leider :D
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Waldrapp » 29.06.2015, 21:32

Jacky hat geschrieben:@Waldrapp
Dann bin ich ja mal sehr gespannt, wie das Plotten für dich funktioniert.
Wenn dir "Szenenmalerei" schwer fällt, vielleicht hilft dir ja "Zeigen statt beschreiben" weiter. Oder was genau meinst du?


Grüß dich, Jacky.

Ja, ich meine in der Tat das Aufzeigen der Umgebung und optischer Details der Charaktere. Ich habe deinen verlinkten Artikel dazu auch schon gelesen und werde ihn auf jeden Fall im Hinterkopf behalten; ich neige bisweilen nämlich dazu, mich zu sehr auf die Interaktion zwischen den Charakteren zu versteifen, auf Kosten wichtiger optischer Details und der Szenerie. Als persönliche Eselsbrücke habe ich mir das sog. "Messie-Beispiel" zurechtgelegt, das ich aus Rücksicht auf den guten Geschmack an dieser Stelle aber lieber nicht wiedergebe. :P

Ob das Plotten langfristig für mich funktioniert, wird sich noch erweisen; momentan neige ich aber sehr dazu, weil ich so auch komplexe Nebencharaktere in das logische Gefüge der Handlung integrieren kann, ohne gleich ins Wirrwarr abzugleiten. Dank der Vorarbeit, die ich schon mit der Schneeflocken-Methode geleistet habe, musste ich bisher auch keinen eklatanten logischen Bruch feststellen, und einen Konflikt konnte ich bisher auch in jeder Szene benennen. Mal sehen, wo die Reise hingeht, wenn ich die Handlung endlich durchgeplottet habe; denn einen Wermutstropfen hat die Methode für mich leider: Es macht nicht allzu viel Spaß, deswegen komme ich auch etwas träge voran.
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Kelpie » 04.07.2015, 19:38

@Jacky,

verrennen ist mir ehrlich gesagt noch nie passiert. Einen Roman musste ich neu schreiben, aber das, weil er stilistisch grottenschlecht war. Die Handlungsstruktur ist exakt dieselbe geblieben.

Derzeit habe ich z.B. wieder einen neuen Roman begonnen, bei dem ich nicht mehr hatte, als den Protagonisten, sein Umfeld und den Höhepunkt der Geschichte. Am Anfang war es etwas schwer, weil es nicht so einfach ist, sich für so eine vollkommene Fremde zu begeistern. Und ein paar Bedenken bleiben schon, ob diese Eckdaten für einen Roman ausreichen.
Inzwischen bin ich bei 10.000 Wörtern, habe mich soweit eingefunden und denke immer ein Kapitel voraus. Mehr weiß ich tatsächlich nicht, aber während des Schreibens kommt alles von ganz alleine und fügt sich in ordentliche Bahnen. Ich konnte für mich zumindest feststellen, dass ich, wenn ich so schreibe, viel aufmerksamer für Details bin, die Konflikte heraufbeschwören können. Sowas entging mir bei dem einen Mal, als ich plottete. Witzigerweise war das auch das eine Mal, bei dem ich dickere Handlungsstränge rausnehmen musste, weil sie nicht klappten, wie ich es mir beim Plotten vorgestellt habe.

Viele Grüße,
Kelpie
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Helena » 05.07.2015, 17:21

@Jacky
Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht so richtig. Aber ich habe da so eine These: Beim Plotten denkt man sich schon alles aus, was in der Geschichte wo und wann passiert. Wenn man dann fertig ist, hat man die Struktur mit jedem winzigen Detail gefüllt und hat keinen Spielraum mehr. Das Plotten macht an sich Spaß, aber dann kommt man an den Punkt, an dem man die Story schreiben muss. Die ersten Kapitel gehen (vielleicht) noch schnell, aber danach kommt es nur noch stockend voran, weil man die Geschichte ja schon kennt und sich andauernd fragt, ob das noch spannend ist. War zumindest bei der einen Idee von mir, die mittlerweile auf Eis liegt, so.

Zu deiner Frage mit den Charakteren: Ja, es ist sozusagen ein Teil meiner Grundidee. Ich kann es schlecht erklären, aber ich habe eben eine Idee, wo schon mehrere Charakter mit drin verwickelt sind. Die entwickle ich dann eben weiter. Aus den Charakterzügen entstehen dann neue Ideen, die mit der Grundidee verwoben werden und immer so weiter, bis ich glaube, die Story und Charaktere sind stimmig. Was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass aus der Grundidee die Charaktere entstehen, die dann den restlichen Verlauf der Geschichte bestimmen (natürlich folgen sie noch der Grundidee).
Danach schreibe ich dann die groben Eckpunkte auf und fange an zu schreiben.
Das kann dann zum Beispiel so aussehen:
1. Annas Eltern sterben und sie wird von ihrer Tante, die in einer anderen Stadt lebt, aufgenommen
2. Auf der neuen Schule kippt sie mitten in der Cafeteria um
3. Sie wacht im Krankenhaus auf und erfährt, dass sie sterbenskrank ist und nur noch wenige Monate zu leben hat
4. Sie schreibt eine Liste mit all ihren Wünschen
5. Sie erfüllt sich nacheinander ihre Wünsche
6. Anna stirbt in dem Gedanken, alles gemacht zu haben, was sie wollte
Das war jetzt nur ein Beispiel. Die Liste schreibe ich natürlich auch, und nach 5. kann man jedem Wunsch ein Kapitel widmen (oder mehreren eins, wie auch immer). Im letzten stirbt sie dann eben. Auch kleine Rückschläge können eingebaut werden, da kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen.
Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Jacky » 07.07.2015, 13:25

@Arynah
Vielen lieben Dank für deine ausführliche(n) Antwort(en) :)

Das mit den Spalten muss ich unbedingt ausprobieren, das könnte ein paar grundlegende Probleme lösen, die ich bisher mit Scrivener hatte 8)

@Anchesa
Du schreibst, dass das "freie Schreiben" manchmal besser geklappt hat. Heißt das, dass du beim nächsten mal nicht mehr so detailliert plotten wirst? Hast du da schon Pläne?

Meintest du, dass du extra mit dem Schreiben aufhörst, wenn die Charaktere "fest stecken", damit du möglichst bald weiter schreibst. Oder meintest du, dass du sie nicht in einer solchen Situation "stecken lassen" kannst und deshalb so lange weiter schreibst, bis du sie wieder draußen hast? *grübel*

Wie viele Romane hast du schon mit der Schneeflocken-Methode geplottet?

@Waldrapp
Wenn es keinen Spaß macht ist das natürlich blöd.
Kannst du festmachen woran das genau liegt?
Hast du mal probiert einfach eine Szene zu schreiben? Das muss nicht unbedingt die erste sein. Und wenn du "das Plot-Experiment nicht versauen möchtest", dann könntest du auch einfach eine Szene von "vor der Geschichte" schreiben. Einfach, um einen Bezug zu deinen Charakteren herzustellen und ihre Stimme zu finden.

@Kelpie
Beneidenswert :)
Wenn ich frei schreibe höre ich nach (spätesten) 50 Seiten auf, weil es einfach nirgends weitergeht ...
Das hier:
"Ich konnte für mich zumindest feststellen, dass ich, wenn ich so schreibe, viel aufmerksamer für Details bin, die Konflikte heraufbeschwören können."
Darf ich das als Schreibtipp twittern?
Spoiler: Anzeigen
"Ich [bin] wenn ich [frei] schreibe, viel aufmerksamer für Details, die Konflikte heraufbeschwören können." /via diskussion-plotlos-planen-t54284.html#p524193


@Helena
Du machst also eine ganz grobe Ereignisliste 8)
Klingt auf jeden Fall gut. Ist das die erste Geschichte, die du so schreibst oder hast du damit schon Erfahrungen gemacht?

lg
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Badabumm » 07.07.2015, 14:21

Ich kann sehr gut verstehen, weshalb man nach ausführlichem Planen keine Lust mehr auf das eigentliche Schreiben hat. Geht mir ähnlich. Es ist ja so, dass man ein unbekanntes Land betritt. Male ich mir alle Details und Stränge schon vorher aus, betrete ich das Land beim Schreiben quasi zum zweiten Mal. Eigentlich kenne ich alles schon. Warum also schreiben? Ich war ja schon mal da. Warum betrete ich nun ein bekanntes Land zum zweiten Mal? Um DOCH wieder was Neues zu entdecken, um nicht in den Trugschluss zu verfallen: "kenn ich, weiß ich, war ich schon..." Das stumpft nämlich ab. Also kommt wieder etwas Neues hinzu. Da hinten war ich noch nicht.... den Typen möchte ich mal ansprechen.... diese Burg sieht interessant aus. Und schon war die Planerei für die Katz... ;-)

Wenn ich sonst kreativ bin, mache ich das ähnlich. Skizzen: ja, detaillierte Vorab-Ausarbeitung: nein.

PS: ich betrachte das als eine Art Pilgerreise: das Ziel und der Hauptweg stehen fest. Aber unterwegs darf ruhig was unvorgesehenes passieren. Ich weiß auch nicht immer, wo ich am Abend übernachte. Ich darf auch mal Abstecher machen. Mir einige Wochen länger Zeit nehmen. Zwischendurch kann ich mir auch immer die Frage stellen, ob das Pilgerziel immer noch "steht". Oder sich vielleicht doch geändert hat. Schließlich hängt die Wichtigkeit des Ziels von gerade gültigen Prioritäten ab, die man sich vor Wochen selbst gesetzt hat, die ändern sich schon mal. Da kann es vorkommen, dass man so ganz OHNE Plan und Ziel verloren geht.

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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Helena » 07.07.2015, 16:45

@Jacky
Ja, Ereignisliste trifft es ganz gut. Jetzt habe ich endlich einen Namen für dieses Dings! :flowers: Danke!
Nein, um ehrlich zu sein noch nicht. Aber wie gesagt, mit dieser Methode bin ich weiter als über die ersten drei Kapitel gekommen. Ich habe so ein Gefühl, das mich glauben lässt, das man aus der Story mal was richtig gutes machen kann, also habe ich auch die nötige Motivation zum Schreiben. Und durch die Liste weiß ich so ungefähr, wo ich bin und was als nächstes passiert, was auch nochmal einen Motivationsschub gibt.
Das einzige Problem bei mir ist momentan die Zeit… Aber am Ende des Monats sind zum Glück Sommerferien, da hab ich wieder Zeit…
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon grit » 07.07.2015, 19:42

Ich habe für mich festgestellt, dass ich schon sehr genau wissen muss, was wann wo mit wem passiert. Die Planungsphase nimmt viel Zeit ein und wenn ich genau weiß, wo es langgeht und ich das Ganze "nur noch" aufschreiben muss, dann geht es auch gut von der Hand. Dann kann ich mich auf Formulierungen und alles andere auch viel besser konzentrieren, als wenn ich noch überlegen müsste, was nun passiert.

Frei drauflos schreiben - das funktioniert für mich nur bei kurzen Sachen.
( In der ersten Idee für die unvergleichliche Serafina im Sommerturnier z.B. ist sie gestorben und dann habe ich mich beim Schreiben spontan umentschieden und sie am Leben gelassen. ) Für einen Roman würde das bei mir nicht klappen, da sind die einzelnen Handlungsstränge ganz genau geplant. Das heißt nicht, dass sich beim Schreiben nicht noch das ein oder andere Detail ändern kann, aber die Richtung muss vorher ganz klar sein.

Dazu muss ich sagen, dass ich nicht chronologisch schreibe, deswegen geht es einfach nicht ohne ganz genaue Planung.
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Waldrapp » 08.07.2015, 21:49

Jacky hat geschrieben:@Waldrapp
Wenn es keinen Spaß macht ist das natürlich blöd.
Kannst du festmachen woran das genau liegt?


Ich denke, dass das an den mehrseitigen Plotübersichten liegt, die ich für die Hauptcharaktere schon aufgestellt habe, und die mir jetzt als Basis für die einzelnen Szenen dienen. Natürlich kommen bei deren Ausgestaltung noch eine Vielzahl an Änderungen und Erweiterungen hinzu, einschließlich einem neu gesetzten Einstiegspunkt in die Handlung; das Grundgerüst aus den Plotübersichten ist aber erhalten geblieben, daher habe ich oft das Gefühl, alte Arbeitsschritte nochmal zu wiederholen. Außerdem beflügelt der Anblick von Tabellen nicht gerade meine Kreativität. Ich denke, dass ich die Szenenbeschreibungen wieder mit der "Darkroom-Technik" schreiben und anschließend in den yWriter importieren sollte.

Wie schon gesagt: Das Plotten funktioniert für mich schon, dennoch werde ich froh sein, wenn endlich der Startschuss für den ersten Entwurf fällt.

Jacky hat geschrieben:Hast du mal probiert einfach eine Szene zu schreiben? Das muss nicht unbedingt die erste sein. Und wenn du "das Plot-Experiment nicht versauen möchtest", dann könntest du auch einfach eine Szene von "vor der Geschichte" schreiben. Einfach, um einen Bezug zu deinen Charakteren herzustellen und ihre Stimme zu finden.


Nein, aber es spricht nichts dagegen. Ich habe sechs Charakterbögen erstellt, und in allen finden sich mehrere Ereignisse, die zeitlich vor der eigentlichen Handlung spielen, die sich aber auch als eigene Szene anbieten würden. Ich finde es aber auch hilfreich, wenn ich sie zeichne: Eine kleine, hastig hingeschluderte Bleistiftskizze, die das Erscheinungsbild und die übliche Mimik einer handelnden Figur zum Ausdruck bringt, macht sie für mich greifbarer und auch erlebbar. Das hilft mir sehr dabei, sie mit optischen Eigenheiten auszustatten und daraus wiederum Ideen für ihren persönlichen Hintergrund abzuleiten. Wer gern zeichnet, dem kann ich das auch empfehlen, auch wenn es nur indirekt etwas mit dem Schreiben zu tun hat.
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Jacky » 11.07.2015, 21:26

@Badabumm
Schön gesagt. Dem schließe ich mich an 8)

@Helena
Ich bin gespannt. Sag mal ob es geklappt hat ^^;

@grit
Und mit welcher Methode erstellst du deinen Plan?

@Waldrapp
Was fehlt denn noch, bis der erste Entwurf losgehen "darf"?

Die Zeichnen-als-Kreativitästechnik-Methode finde ich eine gute Idee. Würde mich interessieren, ob das mit den Hintergrundszenen dir auch geholfen hat :)

lg
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Anchesa » 14.07.2015, 11:05

Jacky hat geschrieben:Du schreibst, dass das "freie Schreiben" manchmal besser geklappt hat. Heißt das, dass du beim nächsten mal nicht mehr so detailliert plotten wirst? Hast du da schon Pläne?


Jetzt bei meinem neuen Projekt lasse ich mir auf jeden Fall mehr Spielraum. Das liegt aber auch vielleicht daran, weil ich beim plotten etwas extrem bin/war. Also ich kannte in jeder Szene die genaue Situation, hatte schon geplant wie die einzelnen Charaktere darauf reagieren, wie die Situation gelöst wird, was der Inhalt ihrer Gespräche oder Bemerkungen ist. Ganz am Anfang des Schreibprozesses habe ich dann irgendwie das Gefühl gehabt, dieser Plot wäre wie "in Stein gemeißelt", obwohl er sich ja auch während des Planens noch verändert hatte. Jetzt lasse ich manche Situationen einfach offen und schaue erst beim Schreiben, was passiert. Trotz allem weiß ich noch, dass der grobe Ablauf stimmt und ich keine riesen Logikfehler reinbasteln kann!
Jacky hat geschrieben:Meintest du, dass du extra mit dem Schreiben aufhörst, wenn die Charaktere "fest stecken", damit du möglichst bald weiter schreibst. Oder meintest du, dass du sie nicht in einer solchen Situation "stecken lassen" kannst und deshalb so lange weiter schreibst, bis du sie wieder draußen hast? *grübel*


Oh, das hab ich ein bisschen unglücklich ausgedrückt! Also wenn meine Charaktere feststecken, höre ich auf zu schreiben, weil ich dann weiß / ahne, dass die Handlung nicht mehr zu ihnen passt. Und dann gehe ich nochmal zurück ans plotten und überlege, wie meine Charaktere sich bisher schon entwickelt haben und warum sie sich gegen diese Situation so sträuben. Als Beispiel: in meinem letzten Projekt hatte ich eine Szene geplant, in der die beiden Hauptcharaktere die vorherige Handlung ein wenig Revue passieren lassen und über mögliche Handlungsalternativen nachdenken sollten. Beim Planen dachte ich, diese Szene sei wichtig, damit der Leser die Handlung genau nachvollziehen kann und nun weiß, in welchem Dilemma die Charaktere stecken. Als ich die Szene dann schreiben wollte, ging es einfach nicht. Die Charaktere hatten sich in dieser Hinsicht gar nichts zu sagen. Also habe ich es beiseite gelegt, dachte, ich hätte wohl eine Schreibblockade oder einen schlechten Tag. Am nächsten genau dasselbe: drei Sätze geschrieben, die alle holprig und falsch klangen, wieder weggelegt. Das ging fast eine Woche so, bis ich gemerkt habe, dass der Plot, den ich mir da vorher schön ausgedacht hatte, leider nicht mehr so richtig passte. Und da kommt dann auch das "freier Schreiben" wieder ins Spiel. In Zukunft werde ich das eher so planen: Szene 5: Gespräch zwischen A und B über Thema X und nicht: Gespräch zwischen A und B, wo A diese Meinung hat, B aber das findet, dann A eine super Idee hat, die B doof findet, dann Streit, dann Versöhnung, dann sagt A das und das.
Jacky hat geschrieben:Wie viele Romane hast du schon mit der Schneeflocken-Methode geplottet?

Insgesamt drei Stück, wobei zwei leider nicht fertig geworden sind (dabei habe ich mir letztens meine Szenenübersicht angesehen und die ersten Kapitel gelesen, die ich jetzt nach einem Jahr doch gar nicht so schlecht fand :( ). Einer ist nun fertig und wartet auf seine Korrektur und mein neues Projekt plane ich gerade. Wobei ich jetzt mittlerweile die Schneeflocken-Methode auch für mich ein bisschen modifiziert habe, damit sie besser zu mir passt :) Aber trotzdem bin ich nach wie vor begeistert von ihr!
[/quote]
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon karske » 14.07.2015, 16:33

Hallo Jacky und Hallo alle Schriftsteller/innen auf Schreibwerkstatt,

sorry, habe meinen ersten Beitrag vermasselt, da ich nicht direkt auf die Fragen geantwortet habe. Also hier nochmal direkte Antworten auf direkte Fragen:

Plottest du?
Nur ganz grob. Ich kenne den Anfang, die Mitte, das Ende. Alles muss auf die drei Punkte zulaufen.
Oder planst du nur?
Mein Unterbewusstsein plant. Ich höre nur zu und schreibe mit.
Schreibst du ganz ohne Überlegung?
Ich überlasse so viel wie möglich meinem Unterbewusstsein und meiner Virilität. Bewusst reflektiere ich nur (danach) und reisse ggfsl. das Steuer herum.
Denkst du in jeder freien Minute über deine Geschichte nach?
Oh, ja. Auch in den "unfreien" Minuten!!! (gerade dann)
Welche Methode zum Schreiben funktioniert für dich am besten?
Mich von Dr. Jekyl in Mr. Hyde verwandeln und ungehemmt mitschreiben, während ich im Geiste ein Doppelleben führe.
Hast du schon einmal “plotlos geplant”?
Habe meist nur den Plan, jede Szene für sich interessant erscheinen zu lassen und alles Langweilige gar nicht erst aufzuschreiben.
Wenn ja, wie hat es bei dir geklappt und was ist dabei herausgekommen?
Für mich klappt es schon (für Filmproduzenten und "Staatsfernsehen" eher nicht). Bildersturm kommt dabei raus. Ist aber auch irgendwie Kunst.
Wenn nicht, würdest du es probieren?
Ich wäre manchmal gerne jemand anders (und würde alles anders machen) Aber letztendlich muss ich ICH sein. Ja. ich lebe und schreibe planlos. Liegt in meiner Natur.
Was hält dich davon ab?
Auftragsarbeiten mit strengen Vorgaben.

Grüße
Karske
"Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich. - William Blake

please visit this website: www.jungedeutsche-webserie.de
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Samira-Jessica » 31.07.2015, 15:50

Hallo Jacky und die anderen ^^,

da ich vor einem Monat auch wieder unter den aktiv Schreibenden weile und jetzt auch zu diesem Thema Erfahrungen sammeln durfte, möchte ich diese nun gerne teilen.

Plottest du?
Bis jetzt habe ich mich immer noch nicht rangetraut. Aber wenn die Grundrisse für mein Projekt stabil stehen, möchte ich es gerne versuchen, frei nach dem Motto: Probieren geht über Studieren (Wie habe ich diesen Spruch früher in der Schule gehasst!) Doch ich denke davor muss erst die Welt, die Handlung(en) und die Charakter komplett stehen. Noch ist aber alles im Anfangsstadium und muss noch ausgefeilt werden, bevor ich es in einen Plot einbauen kann (Ich denke dabei immer an das 7-Punkte-System, das 3-und-5-Akt-System und die Heldenreise). Bis dahin ist es noch ein sehr langer Weg...

Oder planst du nur?
Seit einem Monat, ja. Weil ich gemerkt habe, dass es doch besser ist, einen Plan zu erstellen, damit man Lücken vermeidet. Ohne kann man doch durcheinander geraten, in der Logik u.a. Ein Plan verschafft einen guten Überblick über die Welt, die Situation und die Charakter und man läuft nicht so schnell die Gefahr zum Beispiel mittendrin, im Schreibfluss, den Ort oder, in meinem Fall, die Rasse eines Charakters zu wechseln.
Die Details für meinen Plan schreibe ich jedoch wieder mehr oder weniger aus dem Bauch heraus. Oder doch nicht? Immerhin mach ich mir jetzt Gedanken darüber, ob das was ich schreibe auch Sinn gibt ... :seedaylight:

Schreibst du ganz ohne Überlegung?
Früher hab ich das gemacht. Also ich jedoch vor einem Monat meine Geschichte wieder aus der Schublade geholt habe, habe ich mithilfe eines Mitglieds schnell festgestellt, dass das ganze doch einige Lücken in der Logik ect. aufwies. Daher habe ich jetzt beschlossen, es doch mal mit einem Plan zu versuchen.

Denkst du in jeder freien Minute über deine Geschichte nach?
Hm, im Moment nicht, weil ich mich auch auf andere Sachen konzentrieren muss aber wenn ich mal längere Zeit frei habe und mir kein Kurs oder keine Arbeit im Nacken sitzt, kann das durchaus mal vorkommen.

Welche Methode zum Schreiben funktioniert für dich am besten?
Nur grob aufschreiben, was wann passiert, vielleicht auch was wann in einem Gespräch vorkommt und den Rest dann in der Geschichte selbst ausschmücken.

Hast du schon einmal “plotlos geplant”?
Ja.
s.o.

Wenn ja, wie hat es bei dir geklappt und was ist dabei herausgekommen?
Ich erinnere mich, dass ich mich zu sehr in (Alltags-)Details verstrikt habe und dass das Ganze im Nachhinein doch nicht ausgereift genug war. Außerdem habe ich im Schreiben das Talent dazu sehr weit um den heißen Brei, um den Kern des Kapitels, herumzureden. (Jedenfalls beim ersten Versuch meines freien Projekts war das so!)

Wenn nicht, würdest du es probieren?

Was hält dich davon ab?
... Es noch mal plan- und plotlos zu versuchen? Ebendiese Fehler, die ich bisher gemacht habe. Auch wenn das erst der erste Versuch war.
Ich bin halt eine kleine Perfektionistin.. :girl:


Schöne Grüße
Samira-Jessica
Zuletzt geändert von Samira-Jessica am 22.08.2015, 19:56, insgesamt 1-mal geändert.
Schöne Grüße Samira-Jessica
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Re: Diskussion: Plotlos planen

Beitragvon Frøken » 21.08.2015, 16:45

Weil ich a) gerade erfolgreich prokrastiniere und b) scheinbar meine Balance zwischen Plotten und Freiheit beim aktuellen Projekt gefunden habe...

Plottest du?

Ja. Ich hatte eine grobe Idee im Kopf, die ich dann auf das 7-Punkte-Schema übertragen habe. Anhand davon habe ich dann immer mehr Eckpunkte entwickelt, sodass ich eine relativ kleinschrittige Handlungsübersicht bekommen habe.

Oder planst du nur?

Nein. Wenn ich mir beim Schreiben überlegen soll, was ich überhaupt machen will, blockiere ich mich selbst oder ich verfasse 10 Seiten nichtssagende Beschreibungen.

Schreibst du ganz ohne Überlegung?

Nein. Allerdings ist meine o.g. kleinschrittige Handlungsübersicht frei genug, sodass ich meine Kreativität einfließen lassen kann. Manchmal sind da schon Details vermerkt, aber oft enthält die geplante Sinneinheit auch nur vage Formulierungen, deren Ausgestaltung ich mir ad hoc überlege. Ich muss nur vorher wissen, was passieren soll - am "wie" schraube ich gerne spontan.

Denkst du in jeder freien Minute über deine Geschichte nach?

Definiere "freie Minute" - eher nicht. Besonders intensiv denke ich beim Zähneputzen nach... Wenn ich anderen Aufgaben nachgehe, ist mein Kopf meistens zu angefüllt mit entsprechendem Kram. Durch die Vorstrukturierung der Handlung kann ich die "Geschichte-Gedanken" meistens aber anknipsen, wenn ich dann etwas runterfahre und mir bewusst die Zeit zum Schreiben nehme.

Welche Methode zum Schreiben funktioniert für dich am besten?

Idee - grober Plot (7-Punkte) komplett - kleinschrittiger Plot bis mindestens zur Hälfte - Schreiben.

Hast du schon einmal “plotlos geplant”?

Ja, bei meinen ersten zwei, drei Romanversuchen.

Wenn ja, wie hat es bei dir geklappt und was ist dabei herausgekommen?

Gescheitert. Ich hatte nicht viel mehr als das, was im Blogartikel als "Starter" bezeichnet wird - irgendeine Szene, die sich festgesetzt hatte. Die habe ich dann auch brilliant aufgeschrieben, aber das hat nie gereicht, um sich bis zum Ende tragfähig weiterzuentwickeln. Irgendwann kam dabei immer der Punkt, an dem ich nur noch herumgeeiert bin, ohne Wendepunkte oder interessante Konflikte auf Lager zu haben.

Wenn nicht, würdest du es probieren?

Ich kann mir momentan nicht vorstellen, es noch einmal zu probieren.

Was hält dich davon ab?

S.o. - die Erfahrung. Ich finde es aber sehr beeindruckend, wenn man mit so "wenigen" Impulsen startet und dann die ganze Zeit den Überblick behalten kann - ich kann es nicht :D
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