[UrFan] "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Die ganze Bandbreite phantastischer Literatur: High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy

Re: [UrFan] "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon unkompliziert » 17.08.2015, 00:18

Hallo Lionera,

ich möchte dir gern meine Eindrücke zu deiner Geschichte schildern:

Die Handlung:
Die weibliche Protagonistin bereitet sich darauf vor zum Einkaufen in die Stadt zu gehen und denkt während dessen über die Dürre, die Nahrungsknappheit, ihre Vergangenheit und ihre Identität nach.

Was mit SUPER gefallen hat:
Die Idee, dass ein geheimnisvolles Wesen in der Nähe eines Dorfes lebt. Das macht Laune und es interessiert mich sehr, was das für ein Wesen ist und welche spannenden Ereignisse uns noch bevor stehen.

Auch der Zeitpunkt des Einstiegs gefällt mir. Ich kann mich noch kurz orientieren, aber gleich geht's rund! *Hände reib* Ich hoffe, du stellst noch weitere Teile in!

Was mir SEHR GUT gefallen hat:
Die Atmosphäre. Heiße Sommertage und -nächte... das schreit gerade zu nach fantastischen Ereignissen.

Der erste Eindruck:
Ich hatte Lust ein paar Werke Urban Fantasy zu lesen. - Dein Werk hat mir gut gefallen, aber ich hätte es unter Fantasy/High Fantasy eingeordnet. Weil es in einer quasi-mittelalterlichen Welt spielt.
Bei Urban Fantasy hätte ich etwas erwartet, dass sich an einer moderneren Epoche orientiert.

"Divinitas" erinnert mich von Wortstamm an etwas das mit "göttlich" zu tun hat.
Der Titel wirkte auf mich eher neutral und nicht sehr verlockend. Ich persönlich stehe mehr auf konkretere Titel und frei erfundene Wörter ohne Anlehnung an reale Dinge lassen mich emotional kalt. Aber du musst dich natürlich an dem orientieren, was deine Zielgruppe liebt und gewohnt ist.

Meine beiden Hauptkritikpunkte:
Was für mich ein kleiner Stimmungskiller ist, wenn Brya erst ein handfeste Problem hat (sie droht zu verhungern) und sich dann aber um vergleichweise harmlose Dinge viel mehr Gedanken macht. Sind die Preise vielleicht überteuert? Ist das Wetter unbequem? -- Und dann tatsächlich noch Staubkörnern beim Tanz im Sonnenstrahl zuschaut?
Sie ist durch kurz vor dem Verhungern und wenn sie erwischt wird, ziehen ihre die Dorfbewohner das Fell über die Ohren!

Was mir auch nicht so gut gefallen hat ist, wie sehr es ausgebaut wird, dass es nicht ins Dorf mag.
Ich verstehe, dass das der Hauptpunkt der Einleitung ist, aber sobald ich verstanden habe, dass es im Dorf Rabatz geben könnte, bin ich darauf gespannt, was als nächstes passiert und langweile mich ein bisschen, bei der detaillierten Schilderung ihrer unwilligen Gefühle.

Was ich nicht verstanden habe ist, warum sie die Sachen bei einer Höhle und nicht bei der Hütte anliefern lässt. In jedem Fall wird dem Händler doch klar, dass sie irgendwo im Wald leben muss. Und auch an der Höhle könnte man ihr auflauern, dass sie sie offenbar regelmäßig als Vorratskammer benutzt.

Wie gesagt: Ich hatte Spaß daran die Einleitung zu lesen und bin neugierig, wie es weiter geht!
LG
Unki


Lionera hat geschrieben:
Deprimiert lasse ich meinen Blick über das Feld vor mir gleiten und wische mir den Schweiß von der Stirn.
Alles war umsonst.
Vor meinen Füßen liegt die kümmerliche Ernte diesen Jahres. Kartoffeln, die nicht einmal halb so groß sind wie meine Faust, und verschrumpelte Rüben.
Der ungewöhnlich heiße Sommer hat seinen Tribut gefordert.
Ich bin erledigt.


Da wusste ich beim ersten Lesen nicht, ob du mit "erledigt" meinst, dass sie "totmüde" ist, oder dass sie ein großes Problem hat.
Lionera hat geschrieben:
Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe, während ich zurück zu meiner Hütte laufe.


Warum ist sie nervös? Die schlechte Ernte hat sie kommen sehen. Nervös könnte sie sein, wenn sie meint, dass in ihrer Hütte vielleicht ein überraschender Gast auf sie wartet.
"Verzweifelt" fände ich besser. Aber das kauen auf der Unterlippe ist für mich ein Cliché, das junge Protagonistinnen als sympatische Macke bekommen und passt irgendwie nicht zu der Situation.
Lionera hat geschrieben:
Selbst der kleine Bach, der sonst so munter neben meinem Zuhause entlang plätscherte, ist zu einem traurigen Rinnsal verkommen. Zu wenig Wasser, um meine beiden Felder zu bestellen, die mich eigentlich über den Winter hätten bringen sollen.
Zeit, meine zweite Nahrungsquelle zu überprüfen.
Nachdem ich meine langen braunen Haare zu einem Zopf geflochten habe, laufe ich im angrenzenden Wald die aufgestellten Fallen ab.
Nichts. Wie schon die ganze letzte Woche.
Das trockene Laub unter meinen Füßen raschelt laut, während ich von einer Schlinge zur nächsten laufe, nur um wieder enttäuscht zu werden.
Es ist zwar noch früh am Morgen, jedoch habe ich nun keine Hoffnung mehr, dass ich heute noch einen Hasen oder zumindest ein Eichhörnchen fange. Schließlich habe ich schon die ganze letzte Zeit kein Glück.
Langsam dämmert es mir, dass ich keine Wahl habe, und sofort bildet sich ein eiskalter Klumpen in meinem Bauch, der sich durch meine Eingeweide frisst.
Trotz des ungewöhnlich warmen Wetters fröstelt es mich und ich reibe mir die Arme, während ich zu meiner Hütte zurücklaufe.
Ich will es nicht tun. Ich will nicht ins Dorf.
Aber ich weiß, dass ich es muss.
Nicht, weil ich den langen Marsch von etwa einem halben Tag scheue. Auch nicht, weil sich mir bei den dort verlangten Preisen die Fußnägel hochrollen.


Ich hatte jetzt gar nicht gemeint, dass für eine Jägerin und Selbstversorgerin ein halber Tagesmarsch ein Problem sein könnte. Folglich verwirrt mich diese Richtigstellung.
"Die Fußnägel aufrollen" finde ich zu niedlich und zu humorvoll für den Ernst ihrer Lage. (Und ich glaube, es heißt "aufrollen".)

Lionera hat geschrieben:
Sondern wegen der Menschen.
Alle paar Wochen kommt ein fahrender Händler etwa drei Stunden entfernt von meiner Hütte vorbei. Mit ihm treibe ich seit Jahren Handel, verkaufe ihm feines Wildfleisch, das ich erbeutet habe, oder Schmuck, den ich aus Rehgehörn oder Wildschweinhauern herstelle. Besonders die Armreifen sind bei den Frauen sehr beliebt und der Händler zahlte mir immer einen guten Preis.
Bis er seit etwa einem halben Jahr nicht mehr auftauchte. Sicherlich, er war alt, aber ich hoffe trotzdem, dass ihm nichts passiert ist. Er war in Ordnung. Er stellte keine Fragen. Er nahm, was ich ihm brachte und entlohnte mich ordentlich.


Hier mischt du Präsens und Präteritum.
Ich mag beide Erzählzeiten, aber du solltest dich für eine entscheiden.
Lionera hat geschrieben:
Außerdem lieferte er mir in der Vergangenheit oft die Bestellungen aus dem Dorf, die ich dann in einer nahegelegenen Höhle verstaute und einzeln zu meiner Hütte schleppte.
Sehr mühselig, aber ich habe keine andere Wahl.


Warum kann er nicht an die Hütte liefern?
Lionera hat geschrieben:
Die Menschen dürfen nicht wissen, was ich bin. Sie dürfen nicht einmal ahnen, was so nah an ihrem Dorf lebt.
Ich bin mir sicher, dass die Ernte im Dorf Thiras nicht so katastrophal ausgefallen ist wie bei mir, schließlich liegt das Dorf direkt an einem vom Fluss gespeisten See. Aber hier mitten im Wald habe ich nichts außer dem kleinen Bach, der nahezu versiegt ist.
Ich ertappe mich dabei, wie ich sinnlose Tätigkeiten verrichte oder den Staubkörnern zuschaue, die im Sonnenlicht tanzen. Alles, um den Aufbruch hinauszuzögern.
Genervt fahre ich mir mit der Hand durchs Gesicht. Du kannst das, Fye. Du warst schon so oft im Dorf und niemals ist etwas passiert.

Auch diesmal wird alles gut gehen.
Tatsächlich war ich seit dem Tod meiner Ziehmutter Bryande nur ein einziges Mal im Dorf.


Warum steht hier "tatsächlich"? Hätte jemand etwas anderes vermutet?
Ich finde, die beiden Sätze widersprechen sich. Der erste Satz klingt, als ob sie schon mehrfach im Dorf war -- dann korrigiert sie, dass es ja in Wirklichkeit nur EINMAL war. Warum muss sie etwas korrigieren, was sie doch selbst gedacht hat?
Lionera hat geschrieben:
Seitdem lebe ich von meinen Feldern und dem, was der Wald mir geben kann. Hin und wieder habe ich auch was bei dem fahrenden Händler gekauft oder getauscht.


Das wissen wir bereits. Ich würde es streichen.
Du springst an dieser Stelle auch sieh hin- und her zwischen: Abneigung gegen Menschen, das Leben in der Vergangenheit und der Nervosität jetzt.
Ich würde die Sätze nach dem jeweiligen Thema ordnen, ein Thema nach dem anderen abbarbeiten -- dann erkennst du auch leichter, ob sich manche Sätze wiederholen.
Lionera hat geschrieben:
Es waren gute Jahre mit noch besseren Ernten und ich verschwendete keinen Gedanken daran, dass es einmal anders sein könnte.
Aber Menschenmassen jagen mir schon bei der bloßen Vorstellung einen Schauer über den Rücken.


"Aber" bedeutet dem vorherigen wird widersprochen. Eine Weile sorglos gelebt zu haben schließt jedoch nicht aus, dass man grundsätzlich Angst vor Menschen hat.
Ich würde auch sauber trennen, ob sie Menschen rein ästhetisch schon gruselig findet (weil sie schlecht riechen und unlogische Dinge tun?) oder ob sie sie nur meidet, weil sie von ihen gehasst/gefürchtet wird.
Lionera hat geschrieben:
Doch es hat keinen Sinn.


Auf was bezieht sich das "es"? Du meinst wahrscheinlich, es ist sinnlos noch länger mit dem Gang ins Dorf zu warten. Aber die Stelle wo du schreibst, dass sie Zeit schindet ist schon zu lange her.
Lionera hat geschrieben:
Ich kann es sicherlich noch ein paar Tage hinauszögern, aber früher oder später werde ich mich auf den Weg ins Dorf machen müssen. Lieber heute, bei gutem Wetter. Wer weiß, vielleicht gießt es morgen schon aus Eimern.


Sie könnte im Dorf gelyncht werden oder im Winter verhungern -- aber sie macht sich Sorgen wegen Regen?
Lionera hat geschrieben:
Auch dauert es dann einige Tage, bis die Ware geliefert wird. Und wieder einige Tage, bis ich alles zu meiner Hütte geschafft habe. Außerdem muss ich erstmal einen Lieferanten finden, der bereit ist, meine Bestellung mit seinem Karren mitten in den Wald zu fahren und dort abzuladen - und dabei keinerlei Fragen zu stellen.
Also streife ich die von der Feldarbeit schmutzige Kleidung ab und schlüpfe in eine enge Hose und ziehe ein braunes Wams über, das mir bis zu den Knien reicht und das ich mit einem Gürtel in der Taille zusammenhalte.


Die Kombinations aus enger Hose und flattrigen Oberteilen finde ich kurios, aber damit kann ich leben. Später mache ich mir Sorgen, ob sie mit ihrer glänzenden Silbernen Schnalle (die ja einen gewissen Reichtum darstellt), nicht im Dorf auffällt.
Lionera hat geschrieben:
Anschließend kratze ich alle meine Ersparnisse zusammen, um den Händler und den Lieferanten im Dorf bezahlen zu können. Wohlwissend nehme ich mehr Münzen mit: Einerseits, weil nach dem unnatürlich heißen Sommer die Preise gestiegen sein werden und andererseits, um mir Verschwiegenheit zu erkaufen.
Ich verstaue die Münzen in einem Lederbeutel, den ich an den Gürtel binde, und greife nach meinem grünen Umhang, den ich mit einer silbernen Schließe zusammenhalte. Bevor ich meine Hütte verlasse, schlage ich die Kapuze über den Kopf, um meine Ohren zu verdecken, sodass niemand auf den ersten Blick sehen kann, dass ich nicht menschlich bin.
Meine Ohren. Mein Makel. Das Zeichen meiner Herkunft.


Ich nehme an sie sind spitz. (Als Trekkie wünsche ich mir einen Vulkanier, aber es wird wohl eine Fee oder ein Kobold sein.)
Aber theoretisch könnten sie ja jede Farbe des Regenbogens und jede erdenkliche Form haben. Daher wünsche ich mir als Leser, dass du hier schreibst, was ich mir in meinem Kopfkino vorstellen darf.
Lionera hat geschrieben:
Beim Hinausgehen greife ich nach meinem Stab und ziehe die Kapuze tief ins Gesicht, während ich krampfhaft versuche, die Panik niederzukämpfen, die Besitz von mir ergreift.
Unter keinen Umständen dürfen die Menschen sehen, was ich bin. Es wäre mein sicherer Tod.

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit meiner Ziehmutter das Dorf besucht habe.


Halt!!!
Weiter oben hast du geschrieben, es war "tatsächlich nur einmal".
Lionera hat geschrieben:
Es ist bisher immer gut gegangen. Es wird auch heute gut gehen. Heute Abend werde ich schon wieder in meiner Hütte sein und über meine Angst lachen.
Ich lege die Hand um meine silberne Schließe, atme tief durch und schlage einen schnellen Schritt Richtung Dorf ein.


Vorschlag:
"Und marschiere zügig in Richtung Dorf los."
Es heißt eigenlich: "einen WEG einschlagen"
oder: "Und schlage eiligen Schrittes den Weg zum Dorf ein."
unkompliziert
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