[UrFan] "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Die ganze Bandbreite phantastischer Literatur: High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy

[UrFan] "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 28.07.2015, 12:23

Hallo liebe Schreibgemeinde,

ich bin noch nicht lange hier, möchte aber die Möglichkeit nutzen und mein Erstlingswerk "Divinitas", ein Dark Fantasy / Romantasy Buch, von euch bewerten zu lassen. Die ersten Kapitel habe ich bereits auf LYX und Wattpad veröffentlicht, aber da bekommt man leider sehr wenig Rückmeldung.

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Hier also die überarbeitete Fassung im Rohmodus. Besser oder schlechter?

Deprimiert lasse ich meinen Blick über das Feld vor mir gleiten und wische mir den Schweiß von der Stirn.
Alles war umsonst.
Vor meinen Füßen liegt die kümmerliche Ernte diesen Jahres. Kartoffeln, die nicht einmal halb so groß sind wie meine Faust, und verschrumpelte Rüben.
Der ungewöhnlich heiße Sommer hat seinen Tribut gefordert.
Ich bin erledigt.
Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe, während ich zurück zu meiner Hütte laufe. Selbst der kleine Bach, der sonst so munter neben meinem Zuhause entlang plätscherte, ist zu einem traurigen Rinnsal verkommen. Zu wenig Wasser, um meine beiden Felder zu bestellen, die mich eigentlich über den Winter hätten bringen sollen.
Zeit, meine zweite Nahrungsquelle zu überprüfen.
Nachdem ich meine langen braunen Haare zu einem Zopf geflochten habe, laufe ich im angrenzenden Wald die aufgestellten Fallen ab.
Nichts. Wie schon die ganze letzte Woche.
Das trockene Laub unter meinen Füßen raschelt laut, während ich von einer Schlinge zur nächsten laufe, nur um wieder enttäuscht zu werden.
Es ist zwar noch früh am Morgen, jedoch habe ich nun keine Hoffnung mehr, dass ich heute noch einen Hasen oder zumindest ein Eichhörnchen fange. Schließlich habe ich schon die ganze letzte Zeit kein Glück.
Langsam dämmert es mir, dass ich keine Wahl habe, und sofort bildet sich ein eiskalter Klumpen in meinem Bauch, der sich durch meine Eingeweide frisst.
Trotz des ungewöhnlich warmen Wetters fröstelt es mich und ich reibe mir die Arme, während ich zu meiner Hütte zurücklaufe.
Ich will es nicht tun. Ich will nicht ins Dorf.
Aber ich weiß, dass ich es muss.
Nicht, weil ich den langen Marsch von etwa einem halben Tag scheue. Auch nicht, weil sich mir bei den dort verlangten Preisen die Fußnägel hochrollen.
Sondern wegen der Menschen.
Alle paar Wochen kommt ein fahrender Händler etwa drei Stunden entfernt von meiner Hütte vorbei. Mit ihm treibe ich seit Jahren Handel, verkaufe ihm feines Wildfleisch, das ich erbeutet habe, oder Schmuck, den ich aus Rehgehörn oder Wildschweinhauern herstelle. Besonders die Armreifen sind bei den Frauen sehr beliebt und der Händler zahlte mir immer einen guten Preis.
Bis er seit etwa einem halben Jahr nicht mehr auftauchte. Sicherlich, er war alt, aber ich hoffe trotzdem, dass ihm nichts passiert ist. Er war in Ordnung. Er stellte keine Fragen. Er nahm, was ich ihm brachte und entlohnte mich ordentlich.
Außerdem lieferte er mir in der Vergangenheit oft die Bestellungen aus dem Dorf, die ich dann in einer nahegelegenen Höhle verstaute und einzeln zu meiner Hütte schleppte.
Sehr mühselig, aber ich habe keine andere Wahl.
Die Menschen dürfen nicht wissen, was ich bin. Sie dürfen nicht einmal ahnen, was so nah an ihrem Dorf lebt.
Ich bin mir sicher, dass die Ernte im Dorf Thiras nicht so katastrophal ausgefallen ist wie bei mir, schließlich liegt das Dorf direkt an einem vom Fluss gespeisten See. Aber hier mitten im Wald habe ich nichts außer dem kleinen Bach, der nahezu versiegt ist.
Ich ertappe mich dabei, wie ich sinnlose Tätigkeiten verrichte oder den Staubkörnern zuschaue, die im Sonnenlicht tanzen. Alles, um den Aufbruch hinauszuzögern.
Genervt fahre ich mir mit der Hand durchs Gesicht. Du kannst das, Fye. Du warst schon so oft im Dorf und niemals ist etwas passiert. Auch diesmal wird alles gut gehen.
Tatsächlich war ich seit dem Tod meiner Ziehmutter Bryande nur ein einziges Mal im Dorf. Seitdem lebe ich von meinen Feldern und dem, was der Wald mir geben kann. Hin und wieder habe ich auch was bei dem fahrenden Händler gekauft oder getauscht. Es waren gute Jahre mit noch besseren Ernten und ich verschwendete keinen Gedanken daran, dass es einmal anders sein könnte.
Aber Menschenmassen jagen mir schon bei der bloßen Vorstellung einen Schauer über den Rücken.
Doch es hat keinen Sinn. Ich kann es sicherlich noch ein paar Tage hinauszögern, aber früher oder später werde ich mich auf den Weg ins Dorf machen müssen. Lieber heute, bei gutem Wetter. Wer weiß, vielleicht gießt es morgen schon aus Eimern.
Auch dauert es dann einige Tage, bis die Ware geliefert wird. Und wieder einige Tage, bis ich alles zu meiner Hütte geschafft habe. Außerdem muss ich erstmal einen Lieferanten finden, der bereit ist, meine Bestellung mit seinem Karren mitten in den Wald zu fahren und dort abzuladen - und dabei keinerlei Fragen zu stellen.
Also streife ich die von der Feldarbeit schmutzige Kleidung ab und schlüpfe in eine enge Hose und ziehe ein braunes Wams über, das mir bis zu den Knien reicht und das ich mit einem Gürtel in der Taille zusammenhalte.
Anschließend kratze ich alle meine Ersparnisse zusammen, um den Händler und den Lieferanten im Dorf bezahlen zu können. Wohlwissend nehme ich mehr Münzen mit: Einerseits, weil nach dem unnatürlich heißen Sommer die Preise gestiegen sein werden und andererseits, um mir Verschwiegenheit zu erkaufen.
Ich verstaue die Münzen in einem Lederbeutel, den ich an den Gürtel binde, und greife nach meinem grünen Umhang, den ich mit einer silbernen Schließe zusammenhalte. Bevor ich meine Hütte verlasse, schlage ich die Kapuze über den Kopf, um meine Ohren zu verdecken, sodass niemand auf den ersten Blick sehen kann, dass ich nicht menschlich bin.
Meine Ohren. Mein Makel. Das Zeichen meiner Herkunft.
Beim Hinausgehen greife ich nach meinem Stab und ziehe die Kapuze tief ins Gesicht, während ich krampfhaft versuche, die Panik niederzukämpfen, die Besitz von mir ergreift.
Unter keinen Umständen dürfen die Menschen sehen, was ich bin. Es wäre mein sicherer Tod.
Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit meiner Ziehmutter das Dorf besucht habe. Es ist bisher immer gut gegangen. Es wird auch heute gut gehen. Heute Abend werde ich schon wieder in meiner Hütte sein und über meine Angst lachen.
Ich lege die Hand um meine silberne Schließe, atme tief durch und schlage einen schnellen Schritt Richtung Dorf ein.



Alte Version:
Version 1: (Zum Lesen bitte scrollen)
Ich spüre, wie Helligkeit durch meine Augenlider dringt und die Dunkelheit vertreibt. Vorsichtig öffne ich ein Auge einen Spalt und kneife es sofort wieder zu. Unbarmherzig strahlt die Sonne direkt auf mich herab. Mit einem leisen Grummeln lege ich einen Arm quer über das Gesicht, um noch etwas länger in der wohligen Dunkelheit zu weilen.
Wieder haben diese verdammten Albträume in meinem Kopf herumgespukt und mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken lassen, weshalb ich mich wie gerädert fühle.
Draußen trällern die Vögel um die Wette. Genervt ziehe ich die Augenbrauen zusammen. Kann ich denn nicht noch ein paar Minuten in Ruhe schlafen? Doch ein Vogel meint es besonders gut mit mir und gibt sein Ständchen direkt vor meinem unverschlossenen Fenster.
Ich gebe es auf, strecke mich ausgiebig und blinzle vorsichtig, um mich an das helle Licht zu gewöhnen. Danach stemme ich mich hoch und schwinge ein Bein nach dem anderen aus der kleinen Bettstatt.
In meiner Hütte, die nur aus einem Raum besteht, flirrt die Luft vor Hitze und kleine Staubkörner tanzen in den Sonnenstrahlen. So richtig wach bin ich immer noch nicht und diese Hitze trägt nicht gerade dazu bei, dass ich klar denken kann. Bei den Temperaturen glaubt man kaum, dass es bereits fast Winter ist und dass…
Mit einem Schlag bin ich hellwach und springe von meiner Liege auf. Die raue Leinendecke, die noch über meinem Schoß lag, fällt unbeachtet zu Boden.
Winter!
Heute ist der letzte Tag, an dem im Dorf Markt abgehalten wird, bevor der Winter anbricht. Der letzte Tag für mich, um meine Vorräte aufzustocken, bevor der erste Schnee fällt.
Und natürlich verschlafe ich ausgerechnet an diesem Tag! Das sieht mir gar nicht ähnlich…
Während ich mich noch über mich selbst ärgere, mache ich zwei große Schritte an die andere Seite meiner kleinen Hütte, an der eine Herdstelle und ein niedriger Schrank aus hellem Holz stehen. Daneben warten einige Kisten und Fässer auf neuen Inhalt, um mich über den Winter zu bringen. Inhalt, den ich heute - und nur heute - im Dorf kaufen kann, und nun ist der halbe Tag bereits dahin.
Im Grunde brauche ich nicht viel. Das wichtigste ist die neue Aussaat. Diese muss ich innerhalb der nächsten zwei Wochen säen, um im die ersten Früchte im Frühjahr ernten zu können. Außerdem sind mir lebenswichtige Kleinigkeiten ausgegangen, wie Pökelsalz und Alkohol zum Einlegen. Etwas, das der Wald mir nicht geben kann. Und meine letzte Ernte war so klein, dass ich gerade genügend hatte, um es einzukochen und einzulagern.
Ich tauche meine Hand in die Schüssel auf dem Schrank und spritze mir das kalte Wasser ins Gesicht. Danach streife ich mir schnell das Hemd ab, das ich nachts trage, und schlüpfe in meine Kleidung. Das dunkelbraune Kleid ist schlicht und etwas abgetragen, jedoch das beste Kleidungsstück, das ich habe, und es ist praktisch für den weiten Weg zum Markt und außerdem unauffällig. Schließlich ist auffallen das Letzte, was ich will. Die wadenhohen Lederstiefel mit den dicken Sohlen werden mir auf meinem Weg durch den Wald gute Dienste leisten.
Schnell binde ich einen kleinen Sack mit Münzen am Gürtel fest und werfe einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel über der Wasserschüssel. Ich fahre mit den Fingern durch meine langen braunen Haare, die bis zu meiner Taille leicht gewellt fallen, und kämme die Knoten heraus. Dann befestige ich zwei Strähnen von der Schläfe mit einer Spange am Hinterkopf, sodass mir nur noch kürzere Strähnen in die Stirn hängen.
Meine grünen Augen blicken mir müde im Spiegel entgegen. Für das menschliche Verständnis gelte ich sicherlich als schön, doch die spitzen Ohren, die aus meinen Haaren hervorlugen, erinnern mich daran, dass ich eben nicht menschlich bin.
Meine Ohren. Mein Makel. Das Zeichen meiner Herkunft.
Mit einem Schnauben greife ich nach dem grünen Umhang mit Kapuze, der neben der Tür hängt, und werfe ihn mir über die Schultern. Die Kapuze ziehe ich tief ins Gesicht, peinlich darauf bedacht, meine Ohren zu verbergen.
Zuletzt greife ich nach dem Stab aus hellem Holz und trete durch die Tür hinaus.
Draußen ist es noch heißer als in meiner Hütte. Wie eine Wand schlägt mir diese abgestandene Hitze entgegen und raubt mir für einen Moment die Luft zum Atmen.
Ich seufze. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in den kühlen Morgenstunden aufzubrechen, denn der Weg ins Dorf ist lang. Nun ist es schon fast Mittag, die Luft steht vor Hitze. Bereits nach diesen kurzen Momenten hier draußen spüre ich, wie mir der Schweiß den Nacken hinunterläuft.
Ich habe keine Wahl. Wenn ich es heute nicht schaffe, Waren auf dem Markt zu kaufen, werde ich den Winter über verhungern. Ich kann mir den Luxus, über zu hohe Temperaturen zum Laufen zu klagen, nicht leisten. Dafür habe ich diese Reise zu lange hinausgezögert.
Ich habe den Weg ins Dorf nicht gemieden, weil ich zu bequem war, sondern weil er meine schlimmsten Ängste heraufbeschwört. Ich fürchte nichts so sehr wie mit Menschen auf engstem Raum zu sein. Allein jetzt bei der Vorstellung bildet sich ein Klumpen in meinem Bauch und ich muss schlucken.
Ehe ich es mir doch noch anders überlegen kann, gehe ich schnell die Steinstufen hinunter, die in meinen Garten führen und werfe einen Blick nach links und rechts. Die Felder liegen brach, das angebaute Gemüse ist verdorrt. Selbst der Bach, der sonst munter an meiner Hütte vorbeifließt, ist zu einem winzigen Rinnsal verkommen.
Selbst die Bäumen, die die Lichtung um meine Hütte säumen, sind bereits fast vollkommen kahl. Nur hier und da hängen noch ein paar dorre Blätter an brüchigen Ästen.
Die ganze Natur stöhnte unter der Hitze des vergangenen Sommers. Meine Ernte verdorrte zum größten Teil, der kümmerliche Rest Saatgut ging gar nicht erst an. Nun sind alle meine Reserven aufgebraucht und ich muss mich nach Jahren in ruhiger Abgeschiedenheit wieder auf den Weg ins Dorf machen.
In den vergangenen Jahren konnte ich problemlos von meinem Anbau und dem Wald leben, konnte Ernten für eine neue Aussaat nutzen. Aber dieses Jahr habe ich gerade einmal genug, um über den Winter zu kommen, wenn ich es streng rationiere. Nur fehlen mir dazu Utensilien zum Einkochen und Haltbarmachen und ohne Saatgut stehe ich im Frühjahr mit leeren Händen da.
Es ist kaum vorstellbar, dass in zwei Wochen hier alles mit Schnee bedeckt sein wird. Schon immer konnte ich die Uhr nach den Jahreszeiten stellen, praktisch wenn man auf den Ackerbau angewiesen ist. Pünktlich zum Winterbeginn wird die Welt wieder in eine dicke weiße Decke gehüllt sein und fahrende Händler oder Markttreiber werden in ihre Häuser in den großen Städten zurückkehren und erst kommendes Frühjahr wieder Handel treiben, weil die Straßen durch die Schneemassen nahezu unpassierbar sind.
In den letzten Monaten hatte ich nur kurzen Kontakt mit den fahrenden Händlern, die in der Nähe vorbei kamen und denen ich ein paar Güter verkaufen konnte. Sie erzählten mir, dass niemand von der Dürre und des darauffolgenden Hungers verschont geblieben ist. Ich kann also nur hoffen, dass zumindest auf dem Markt etwas für mich zu holen ist.
Abgesehen von meiner Angst zu Verhungern freue ich mich auf den Winter. Der Schnee macht es mir leichter, im Wald zu jagen, und hält Wanderer oder anderes Gesindel von meiner Hütte fern.
Die wenigen, ersparten Münzen klimpern im Beutel an meiner Hüfte, als ich über den niedrigen Zaun hüpfe, der meinen Garten vom Waldrand abgrenzt.
Den Gedanken, dass ich nun zum ersten Mal alleine das Dorf betrete, schiebe ich bewusst von mir. Ich bin so schon nervös genug, da brauche ich nichts, um die nagende Angst vor Entdeckung noch zu verstärken. Also umfasse ich die silberne Schließe, die meinen Umhang an der Brust zusammenhält, atme tief ein und mache mir selbst Mut.
Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit meiner Ziehmutter das Dorf besucht habe. Es ist bisher immer gut gegangen. Es wird auch heute gut gehen. Heute Abend werde ich schon wieder in meiner Hütte sein und über meine Angst lachen.
Zuversichtlich schlage ich einen schnellen Gang an und renne durch das morsche Unterholz Richtung Dorf.

Zuletzt geändert von Lionera am 31.07.2015, 13:59, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon after eight » 28.07.2015, 13:19

Liebe Lionera,

ich habe mal einen Blick auf Deinen Text geworfen. Er ist größtenteils flüssig und gut zu lesen, er hat keine Fehler und eine angenehme Grammatik. Stilistisch habe ich nicht viel auszusetzen. Aber ich fang einfach mal an!

Mir kommt es vor wie Minuten, seitdem ich endlich traumlos und erholsam schlafen konnte.


Den Satz musste ich zweimal lesen - vielleicht bin ich es, aber irgendwie klingt er komisch, er ergibt für mich keinen Sinn.

Vorher hatten wieder diese Albträume in meinem Kopf herumgespukt und mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken lassen.


Du schreibst im Präsens, wenn Deine Prota also von der Vergangenheit erzählt, muss sie das im Perfekt tun.
--> Vorher haben mir diese Albträume im Kopf herumgespukt...

Draußen trällern die Vögel um die Wette.


Ehe ich es mir doch noch anders überlegen kann, flitze ich die Steinstufen hinunter, die in meinen Garten führen und werfe einen traurigen Blick nach links und rechts.


Meine ersparten Münzen klimpern im Beutel an meiner Hüfte, als ich über den niedrigen Zaun hüpfe, der meinen Garten vom Waldrand abgrenzt.


Was mich an diesen drei Stellen stört, sind die Verben "trällern", "flitzen" und "hüpfen". Die sind zwar irgendwie niedlich, kommen mir aber umgangssprachlich vor.

So richtig wach bin ich immer noch nicht und diese Hitze trägt nicht gerade dazu bei, dass ich klar denken kann.


Den Satz könntest du streichen, ergibt sich aus dem Kontext.

Die ganze Natur stöhnte unter der Hitze des vergangenen Sommers. Meine Ernte verdorrte, der kümmerliche Rest Saatgut ging gar nicht erst an.


Hui, also hier bin ich mir nicht ganz sicher, aber ich glaube es müsste heißen: "Die ganze Natur stöhnt unter der Hitze des vergangenen Sommers. Meine Ernte ist verdorrt, der kümmerliche Rest Saatgut ist gar nicht erst aufgegangen."
Also wieder ein kleiner Zeitenfehler.

Heute Abend werde ich schon wieder in meiner Hütte sein und über meine Angst lachen.
Zuversichtlich schlage ich einen schnellen Gang an und renne durch das morsche Unterholz Richtung Dorf.


Die Stelle finde ich gut. Vor allem der erste Satz suggeriert, dass irgendetwas schief gehen wird!

In meiner Hütte, die nur aus einem Raum besteht, flirrt die Luft vor Hitze und kleine Staubpartikel tanzen in den Sonnenstrahlen.


Auch eine schöne Beschreibung, die schön bildlich ist.

Inhaltlich kann ich zu diesem Ausschnitt noch nicht viel sagen, es passiert noch nicht viel. Interessant ist naürlich, wieso in Deiner Welt von einen Tag auf den anderen der Winter anbricht.
Der Anfang ist solide - und ich weiß nicht, ob ich hier zu hart bin - aber ziemlich klischeebehaftet:
-Kapitel beginnt damit, dass der Haupcharakter aufwacht
-Die Klamotten der Hauptperson werden im Detail beschrieben
-Hauptcharakter betrachtet sich im Spiegel und beschreibt sich selbst
Die Informationen über das Äußere würde ich diskreter hin und wieder mal einstreuen, so wie es momentan ist, kommt es mir etwas wie Infodump vor.

Ich hoffe ich bin nicht zu hart. Wie gesagt, ich finde Deinen Schreibstil sehr angenehm, auch wenn die Prota für meinen Geschmack ziemlich viel herumgrübelt.
Aber das sind alles kleine Sachen, die Du schnell ausmerzen kannst!

In dem Sinne, schreib weiter!
after eight
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 28.07.2015, 14:24

Hallo after eight,

vielen Dank für deine Kritik und deine Hinweise!
Die Zeitenfehler werde ich mir gleich ansehen.

Interessant ist naürlich, wieso in Deiner Welt von einen Tag auf den anderen der Winter anbricht.

Das ist so nicht der Fall. Ich schaue aber nochmal, ob das so herausgelesen werden kann. Das Problem, das die Prota hat, ist, dass heute der letzte Tag vor dem Winter ist, an dem sie Ressourcen kaufen kann, um selbigen zu überstehen. Sprich Nahrung, Saatgut, etc. Da aufgrund der Dürre ihre eigene Ernte verkümmert ist, ist sie in diesem Jahr auf zugekaufte Dinge angewiesen. Nach diesem Tag ist dann quasi Winterpause :) Aber du hast recht, ich sollte das noch irgendwie Drastischer rüberbringen.

Den Anfang werde ich nochmal überdenken und sie vielleicht schon in der Hütte umherwuseln lassen, anstatt dass sie erst aufwacht. Und die Beschreibungen der Kleidung werde ich etwas zurücknehmen.

Danke für deine Meinung!
Zuletzt geändert von Lionera am 28.07.2015, 17:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon paratoxic » 28.07.2015, 15:49

So, bei dieser Gelegenheit schreibe ich auch mal wieder einen Kommentar. Ich habe erst mal ein paar Anmerkungen zu einigen Textstellen:

Ich spüre, wie Helligkeit durch meine Augen dringt und die Dunkelheit vertreibt.


Rein vom Ausdruck her würde ich "durch meine Augen" zu "durch meine Augenlider" umändern. Denn das Licht dringt ja rein physisch nicht durch das ganze Auge.

Vorsichtig öffne ich ein Auge einen Spalt und kneife es sofort wieder zu.


Meiner Meinung nach ist es nicht wirklich relevant, wie sehr das Auge geöffnet wird, daher würde ich dazu tendieren "einen Spalt" zu streichen, zumal die Formulierung durch "ein - einen" doch etwas holprig klingt.

Mir kommt es vor wie Minuten, seitdem ich endlich traumlos und erholsam schlafen konnte. Vorher hatten wieder diese Albträume in meinem Kopf herumgespukt und mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken lassen.


Auch hier könnte man noch etwas am Feinschliff arbeiten, vor allem der erste Satz ist noch sehr hakelig, was unter anderem daran liegt, dass innerhalb von zwei Sätzen drei verschiedene Zeitformen auftauchen. Ist es relevant, dass es ihr "vorkommt wie Minuten"? Wenn nicht, könnte man auch dieses streichen, um die Sätze komplett umzustrukturieren, zum Beispiel zu:
"Beinahe die ganze Nacht spukten Albträume in meinem Kopf herum, die mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken ließen. Erst nach Sonnenaufgang konnte ich endlich traumlos und erholsam einschlafen."

Ich reibe mir müde über das Gesicht und strecke die verspannten Glieder.


Da sie sich gerade erst zwei Sätze zuvor gestreckt hat, würde ich das hier streichen.

Heute ist der letzte Tag, an dem im Dorf Markt abgehalten wird, bevor der Winter anbricht. Der letzte Tag für mich, um meine Vorräte aufzustocken, bevor der erste Schnee fällt.


Hier habe ich ein paar Verständnisprobleme bzw. zweifle ein wenig an der Logik. Kommt der Umschwung zum Winter von einem Tag auf den anderen? Fällt am nächsten Tag (ganz sicher) schon Schnee, obwohl es jetzt noch so warm ist? Wieso wird im Winter kein Markt abgehalten?
Wenn am nächsten Tag nicht (ganz sicher) der berüchtigte Wintereinbruch (inklusive Temperaturen, Schnee etc.), finde ich es schon unlogisch, dass einfach kein Markt mehr abgehalten wird. Überspitzt gesagt klingt es ein wenig so, als würden alle auf den Kalender schauen und mit dem Markt einfach aufhören, einfach nur weil im Kalender steht, dass ab jetzt Winterpause ist. Hier würde ich mir eine (logische) Begründung wünschen, denn ansonsten wirkt der Umstand nur konstruiert, um den Plot drum herum zu bauen.

Zwar plagen mich diese Albträume schon eine ganze Weile, aber trotzdem stehe ich jeden Morgen mit dem Sonnenaufgang auf, um meine Arbeiten zu verrichten.


Hier erwähnst du wieder "diese Albträume", ohne spezifisch zu werden, vermutlich um Interesse zu wecken. Meiner Meinung nach solltest du das lieber nicht übertreiben, denn mir als Leser stößt so etwas auf die Dauer unangenehm auf, da das zur Einführung von Geheimnissen bzw. Mysterien doch eher die Holzhammermethode ist. Das kann man mal machen, um auch Leser, denen subtile Andeutungen mal entgehen, mit ins Boot zu holen, aber mehrfach ist dann oft schon zu viel.

Jeden Morgen, bis auf heute.


Wie kommt es, dass sie ausgerechnet an diesem Tag verschlafen hat? Die Albträume scheint sie ja schon länger zu haben, also wird das wohl eher weniger der primäre Grund sein. Hier würde ich vielleicht darüber nachdenken, einen plausiblen Grund zu liefern, da es sonst auch hier so wirkt, als hätte sie nur aus Plotgründen verschlafen.

Ich seufze und ärgere mich wieder über mich selbst. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in den kühlen Morgenstunden aufzubrechen, denn der Weg ins Dorf ist lang. Aber nein, ich musste ja gerade heute verschlafen… Nun ist es schon fast Mittag, die Luft steht vor Hitze.


Dies sind alles Informationen, die weiter oben schon erwähnt wurden und können daher gestrichen werden.

Bereits nach diesen kurzen Momenten hier draußen spüre ich, wie mir der Schweiß den Nacken hinunterläuft.


Kurzer Einwurf: Wenn es so heißt ist, wieso trägt sie dann eine Hose, darüber ein Kleid und darüber noch einen Umhang? Richtig sommerliche Kleidung ist das nicht.

Das ärgert mich nun im Nachhinein, aber ich kann es nicht mehr ändern.


Und wieder ärgert sie sich.

Auf einen Hungertod habe ich nämlich keine Lust.


Das ist für die Tragweite der Problematik schon etwas arg lapidar ausgedrückt. Sollte dies dazu dienen, um die humoristische Seite deines Charakters darzustellen, würde ich eventuell auf eine andere (angemessenere?) Stelle ausweichen.

Meine ersparten Münzen klimpern im Beutel an meiner Hüfte, als ich über den niedrigen Zaun hüpfe, der meinen Garten vom Waldrand abgrenzt.


Wenn sie nur wenig Kontakt zu anderen Leuten hat, wie kommt sie denn dann an Geld? Sie arbeitet ja scheinbar nicht, also wird sie wohl einen Teil ihres landwirtschaftliches Ertrages verkaufen müssen, um an Geld zu kommen.

Als ich den Wald betrete, schiebe ich den Gedanken, dass dies das erste Mal ist, dass ich alleine ins Dorf gehe, beiseite.


Der Satz ist etwas arg verschachtelt durch die "dass... dass"-Dopplung. Das könnte man eventuell umformulieren.

Das war's erst einmal zu direkten Textstellen.

Zur Wortwahl: Ich gehe mal davon aus, dass das Setting mittelalterlich ist, daher sind mir zwei Worte etwas ins Auge gefallen, "Staubpartikel" und "Liege". Das ist Geschmackssache, aber die ersten Assoziationen mit den Wörtern waren doch eher modern und haben mich im Lesefluss behindert.

Zum Stil: Bis auf die Stellen, die ich oben angemerkt habe, ließ sich soweit alles recht ordentlich lesen. Hin und wieder hätte ich mir einen alternativen Satzbau gewünscht, also etwas mehr Abwechslung.

Zum Inhalt und zu den Charakteren: Hier habe ich schon etwas mehr zu sagen. Oben habe ich ja schon einige Unklarheiten/scheinbare Plotschwächen aufgezählt. Über diese solltest du eventuell noch einmal genauer nachdenken und diese nach bestem Wissen beheben.
Das ist in meinen Augen bisher eines der größeren Probleme des Textes: Es passiert, trotz der Länge, eigentlich ziemlich wenig. Sie wacht auf, ärgert sich, zieht sich um und geht los. Das ist im Prinzip alles, aufgeblasen wird das ganze durch umfangreiche Beschreibungen ihrer Hütte, ihres Aussehens und durch Wiederholungen der Umstände.
Hier würde ich eiskalt den Rotstift ansetzen und alles streichen, was irrelevant ist. Der genaue Aufbau der Hütte ist zum Beispiel etwas, das ich als Leser verschmerzen könnte, ebenso wie die Information, dass ihr Haar bis zur Taille geht und gewellt ist. Die Beschreibungen sind meiner Meinung nach aber nicht das Hauptproblem sondern die Wiederholungen. Sie ärgert und ärgert und ärgert sich und erwähnt (gefühlt) ständig, dass sie jetzt dringend zum Dorf muss und dass es sie (wieder) ärgert, dass sie so lange gewartet hat.
Auch hier: Einmal genügt vollkommen. Das wiederholte Ärgern lässt sie in meinen Augen sehr selbstkritisch, grüblerisch und reizbar erscheinen, das hinterlässt bei mir keinen positiven ersten Eindruck und nach diesem Anfang wüsste ich auch nicht, ob ich ein ganzes Buch aus dieser Ich-Perspektive lesen wollen würde. Hier könnte man noch positive Aspekte einwerfen, kleine Details, die den Charakter noch in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Der Einstieg an sich ist ziemlich klassisch gewählt; der Hauptcharakter erwacht und verfällt in Hektik, weil irgendein wichtiges Ereignis ansteht. Aktuell wirkt der Plot allerdings noch wenig natürlich, da einige Komplikationen (das Verschlafen, der letzte Markttag) in meinen Augen konstruiert klingen, eben nur um für Komplikationen zu sorgen. Richtig packen konnte mich der Anfang noch nicht, was unter anderem an den bereits angesprochenen Aspekten liegt.

Das sind jetzt scheinbar viele Kritikpunkte, die sich jedoch einigermaßen schnell beheben lassen. Der Beginn ist jedenfalls schon solide und der Schreibstil liest sich flüssig. Damit lässt sich schon arbeiten ;)
paratoxic
 
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 28.07.2015, 17:14

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht und deine Meinung, paratoxic!

Ich habe mich bemüht, vieles, was bisher angesprochen wurde, gleich umzusetzen, einzubauen oder umzuarbeiten. Von ursprünglich knapp 1650 Wörtern habe ich es auf rund 1200 Wörter eingestampft und an ein paar Formulierungen gearbeitet.

Ich spüre, wie Helligkeit durch meine Augenlider dringt und die Dunkelheit vertreibt. Vorsichtig öffne ich ein Auge einen Spalt und kneife es sofort wieder zu. Unbarmherzig strahlt die Sonne direkt auf mich herab. Mit einem leisen Grummeln lege ich einen Arm quer über das Gesicht, um noch etwas länger in der wohligen Dunkelheit zu weilen.
Wieder haben diese verdammten Albträume in meinem Kopf herumgespukt und mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken lassen, weshalb ich mich wie gerädert fühle.
Draußen trällern die Vögel um die Wette. Genervt ziehe ich die Augenbrauen zusammen. Kann ich denn nicht noch ein paar Minuten in Ruhe schlafen? Doch ein Vogel meint es besonders gut mit mir und gibt sein Ständchen direkt vor meinem unverschlossenen Fenster.
Ich gebe es auf, strecke mich ausgiebig und blinzle vorsichtig, um mich an das helle Licht zu gewöhnen. Danach stemme ich mich hoch und schwinge ein Bein nach dem anderen aus der kleinen Bettstatt.
In meiner Hütte, die nur aus einem Raum besteht, flirrt die Luft vor Hitze und kleine Staubkörner tanzen in den Sonnenstrahlen. So richtig wach bin ich immer noch nicht und diese Hitze trägt nicht gerade dazu bei, dass ich klar denken kann. Bei den Temperaturen glaubt man kaum, dass es bereits fast Winter ist und dass…
Mit einem Schlag bin ich hellwach und springe von meiner Liege auf. Die raue Leinendecke, die noch über meinem Schoß lag, fällt unbeachtet zu Boden.
Winter!
Heute ist der letzte Tag, an dem im Dorf Markt abgehalten wird, bevor der Winter anbricht. Der letzte Tag für mich, um meine Vorräte aufzustocken, bevor der erste Schnee fällt.
Und natürlich verschlafe ich ausgerechnet an diesem Tag! Das sieht mir gar nicht ähnlich…
Während ich mich noch über mich selbst ärgere, mache ich zwei große Schritte an die andere Seite meiner kleinen Hütte, an der eine Herdstelle und ein niedriger Schrank aus hellem Holz stehen. Daneben warten leere Kisten und Fässer auf neuen Inhalt, um mich über den Winter zu bringen. Inhalt, den ich heute - und nur heute - im Dorf kaufen kann, und nun ist der halbe Tag bereits dahin.
Ich tauche meine Hand in die Schüssel auf dem Schrank und spritze mir das kalte Wasser ins Gesicht. Danach streife ich mir schnell das Hemd ab, das ich nachts trage, und schlüpfe in meine Kleidung. Das dunkelbraune Kleid ist schlicht und etwas abgetragen, jedoch das beste Kleidungsstück, das ich habe, und es ist praktisch für den weiten Weg zum Markt und außerdem unauffällig. Schließlich ist auffallen das Letzte, was ich will. Die wadenhohen Lederstiefel mit den dicken Sohlen werden mir auf meinem Weg durch den Wald gute Dienste leisten.
Schnell binde ich einen kleinen Sack mit Münzen am Gürtel fest und werfe einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel über der Wasserschüssel. Ich fahre mit den Fingern durch meine langen braunen Haare, die bis zu meiner Taille leicht gewellt fallen, und kämme die Knoten heraus. Dann befestige ich zwei Strähnen von der Schläfe mit einer Spange am Hinterkopf, sodass mir nur noch kürzere Strähnen in die Stirn hängen.
Meine grünen Augen blicken mir müde im Spiegel entgegen. Für das menschliche Verständnis gelte ich sicherlich als schön, doch die spitzen Ohren, die aus meinen Haaren hervorlugen, erinnern mich daran, dass ich eben nicht menschlich bin.
Meine Ohren. Mein Makel. Das Zeichen meiner Herkunft.
Mit einem Schnauben greife ich nach dem grünen Umhang mit Kapuze, der neben der Tür hängt, und werfe ihn mir über die Schultern. Die Kapuze ziehe ich tief ins Gesicht, peinlich darauf bedacht, meine Ohren zu verbergen.
Zuletzt greife ich nach dem Stab aus hellem Holz und trete durch die Tür hinaus.
Draußen ist es noch heißer als in meiner Hütte. Wie eine Wand schlägt mir diese abgestandene Hitze entgegen und raubt mir für einen Moment die Luft zum Atmen.
Ich seufze. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in den kühlen Morgenstunden aufzubrechen, denn der Weg ins Dorf ist lang. Nun ist es schon fast Mittag, die Luft steht vor Hitze. Bereits nach diesen kurzen Momenten hier draußen spüre ich, wie mir der Schweiß den Nacken hinunterläuft.
Ich habe keine Wahl. Wenn ich es heute nicht schaffe, Waren auf dem Markt zu kaufen, werde ich den Winter über verhungern. Ich kann mir den Luxus, über zu hohe Temperaturen zum Laufen zu klagen, nicht leisten. Dafür habe ich diese Reise zu lange hinausgezögert.
Ich habe den Weg ins Dorf nicht gemieden, weil ich zu bequem war, sondern weil er meine schlimmsten Ängste heraufbeschwört. Ich fürchte nichts so sehr wie mit Menschen auf engstem Raum zu sein. Allein jetzt bei der Vorstellung bildet sich ein Klumpen in meinem Bauch und ich muss schlucken.
Ehe ich es mir doch noch anders überlegen kann, gehe ich schnell die Steinstufen hinunter, die in meinen Garten führen und werfe einen Blick nach links und rechts. Die Felder liegen brach, das angebaute Gemüse ist verdorrt. Selbst der Bach, der sonst munter an meiner Hütte vorbeifließt, ist zu einem winzigen Rinnsal verkommen.
Selbst die Bäumen, die die Lichtung um meine Hütte säumen, sind bereits fast vollkommen kahl. Nur hier und da hängen noch ein paar dorre Blätter an brüchigen Ästen.
Die ganze Natur stöhnte unter der Hitze des vergangenen Sommers. Meine Ernte verdorrte, der kümmerliche Rest Saatgut ging gar nicht erst an. Nun sind alle meine Reserven aufgebraucht und ich muss mich nach Jahren in ruhiger Abgeschiedenheit wieder auf den Weg ins Dorf machen.
Es ist kaum vorstellbar, dass in zwei Wochen hier alles mit Schnee bedeckt sein wird. Schon immer konnte ich die Uhr nach den Jahreszeiten stellen, praktisch wenn man auf den Ackerbau angewiesen ist. Pünktlich zum Winterbeginn wird die Welt wieder in eine dicke weiße Decke gehüllt sein und fahrende Händler oder Markttreiber werden in ihre Häuser in den großen Städten zurückkehren und erst kommendes Frühjahr wieder Handel treiben, weil die Straßen durch die Schneemassen nahezu unpassierbar sind.
In den letzten Monaten hatte ich nur kurzen Kontakt mit den fahrenden Händlern, die in der Nähe vorbei kamen und denen ich ein paar Güter verkaufen konnte. Sie erzählten mir, dass niemand von der Dürre und des darauffolgenden Hungers verschont geblieben ist. Ich kann also nur hoffen, dass zumindest auf dem Markt etwas für mich zu holen ist.
Abgesehen von meiner Angst zu Verhungern freue ich mich auf den Winter. Der Schnee macht es mir leichter, im Wald zu jagen, und hält Wanderer oder anderes Gesindel von meiner Hütte fern.
Die wenigen, ersparten Münzen klimpern im Beutel an meiner Hüfte, als ich über den niedrigen Zaun hüpfe, der meinen Garten vom Waldrand abgrenzt.
Den Gedanken, dass ich nun zum ersten Mal alleine das Dorf betrete, schiebe ich bewusst von mir. Ich bin so schon nervös genug, da brauche ich nichts, um die nagende Angst vor Entdeckung noch zu verstärken. Also umfasse ich die silberne Schließe, die meinen Umhang an der Brust zusammenhält, atme tief ein und mache mir selbst Mut.
Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mit meiner Ziehmutter das Dorf besucht habe. Es ist bisher immer gut gegangen. Es wird auch heute gut gehen. Heute Abend werde ich schon wieder in meiner Hütte sein und über meine Angst lachen.
Zuversichtlich schlage ich einen schnellen Gang an und renne durch das morsche Unterholz Richtung Dorf.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Ankh » 28.07.2015, 20:17

Ich habe mir jetzt deine ursprüngliche wie auch deine verbesserte Version durchgelesen. Prinzipiell ist die zweite schonmal besser, weil straffer und dichter. Ich werde daher nur auf die zweite eingehen, und da vor allem auf den Inhalt. (Die Rechtschreibung und der Stil sind nämlich gut :wink: )

Was mich zunächst einmal verwirrt hat, ist, dass du im Präsens erzählst. Das kann man machen und es verleiht auch der Geschichte eine gewisse Dringlichkeit im Ton. Zu deiner Szene passt es sehr gut. Allerdings weiß ich nicht, wie gut sich ein ganzer Roman damit umsetzen lässt. Mir erschiene das irgendwann zu atemlos, zu anstrengend. Nicht umsonst ist das Präteritum die klassische "Erzählzeit".

Wenn wir bei Zeit sind, ich finde es seltsam, dass es ausgerechnet am letzten Tag, an dem sie sich für den Winter vorbereiten kann, unerträglich heiß ist. Warme Herbstsonne, okay. Aber Hitze? Warum haben die Bäume schon ihre Blätter verloren, wenn die Sonne noch so kräftig herunterknallt? Hat das irgendeine Plotrelevanz, dass es nicht einfach ein warmer Herbsttag sein kann, der sie kurzzeitig den drohenden Winter vergessen lässt? Es klingt stellenweise so, als ob in deiner Welt am Stichtag der Schalter umgelegt wird von Sommer auf Winter, und dann schneit es auch gleich. Kein Herbstregen, keine Stürme.

Dieses "mein Charakter schaut in den Spiegel und ich beschreibe sein Äußeres" ist ein ziemlich abgedroschenes Klischee, das du vermeiden solltest. Deine Protagonistin weiß seit Jahren, dass sie lange, wellige braune Haare hat, über den Fakt allein dürfte sie nicht großartig nachdenken. Wenn es unbedingt nötig ist, dass der Leser das weiß (oft ist es das nicht), musst du es sinnvoll in ihre Gedanken und Aktionen einbinden. Vielleicht kannst du schreiben, die langen Locken haben nich nach einer unruhigen Nacht voller Alpträume verfilzt. Aber da sie es eilig hat, haut sie sich nur eine Haarspange rein und zieht eine Kapuze über, scheiß auf die Knoten. Wenn sie ihre Ohren übrigens so hasst, dann würde ich an ihrer Stelle überlegen, die Haare offen zu lassen :wink:

Zuletzt kommt es mir ein wenig unrealistisch vor, dass sie auf einmal Vorräte für den ganzen Winter kaufen will, aber zu Fuß ohne einen Karren oder sowas unterwegs ist. Ein Vorrat, der dich über den Winter bringt, ist normalerweise ein Keller voll, und man arbeitet das halbe Jahr daran, Früchte, und Gemüse einzukochen oder zu trocknen, Fleisch zu trocknen oder zu räuchern, je nach Saison Wurzeln, Nüsse, Pilze, Beeren oder Kräuter zu sammeln etc. Wenn sie bis jetzt noch null getan hat, und in zwei Wochen steht der Winter vor der Tür, dann müsste sie mit einem Gespann auf den Markt fahren um genügend einzukaufen, denn das wären dann mehrere Säcke und Fässer. Realistischerweise dürfte sie schon vor Wochen gemerkt haben, dass die Ernte dieses Jahr schlecht ausfällt, und nach und nach zugekauft haben, denn das Zeug muss ja auch irgendwann haltbar gemacht werden. Wenn sie heute drei Säcke Äpfel kauft, dann sind zwei davon vergammelt, bevor sie die aus dem ersten geschnitten und getrocknet hat. Fertig getrocknetes Obst dürfte dagegen kaum erhältlich bzw viel teurer sein.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 29.07.2015, 11:33

Wow, danke Ankh, das war wirklich guter Input! :)

Ich habe "Divinitas" mal im Präteritum angefangen. Es war einfach nicht "meine" Zeitform. Und auch die Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sind größtenteils alle im Präsens geschrieben. Für mich (mittlerweile) schöner zu lesen, aber da ist jeder anders. Ich komme beim Schreiben und auch beim Lesen besser mit dem Präsens zurecht.

Wenn sie ihre Ohren übrigens so hasst, dann würde ich an ihrer Stelle überlegen, die Haare offen zu lassen

Das funktioniert leider nicht, weil sie dann noch immer zwischen den Haaren herausschauen. Ihre Ohren sind nicht wie unsere, nur am Ende spitz zulaufend, sondern länger, ähnlich Elfenohren, die in meiner Geschichte bis gut eine Handbreit hinter den Kopf reichen, nur eben kürzer als Elfenohren :XD: Äh ja, jedenfalls hilft es nichts, wenn sie die Haare offen lässt. Sie muss die Ohren aktiv verdecken und bedient sich dafür des Umhangs mit Kapuze.

Vor allem dein Hinweis zum Haltbarmachen und Vorräte anlegen hat mich sehr weitergebracht. Ich habe es jetzt etwas umgeschrieben, sodass sie "nur" Saatgut (und davon braucht sie für sich selbst nicht allzu viel) und Pökelsalz benötigt. Dies könnte sie tragen. Für die neue Aussaat nutzt man vorzugsweise kleinere Feldfrüchte, diese musste sie aber aufgrund der schlechten Ernte alle bereits verarbeiten (einwecken etc.), sodass sie für eine neue Aussaat nichts mehr übrig hat.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon schreiberling » 29.07.2015, 12:32

Also ich habe mir deinen Text jetzt mal durchgelesen und mir fallen ein paar Dinge auf.

Erstens mal: Die Zeitform. Präsens ist spannend zu lesen, wenn es was spannendes zu erzählen gibt, also zB eine Kampf- oder Verfolgungsszene oder ein starker psychologischer Konflikt im Kopf des Prota kann im Präsens unmittelbarer rüberkommen. Wenn also ein Text stark von Spannungselementen lebt kann diese Zeitform funktionieren. Für ganz banales Alltagserleben ohne jede Spannungserzeugung funktioniert es für mich nicht.

Damit kommen wir zum nächsten Problem das mir auffällt. Nämlich das Mikromanagement deiner Beschreibungen. Ich denke, jeder hat schon mal morgens verschlafen und hatte dann keine Lust aufzustehen. Die Mikrodetailbeschreibungen dessen, was man dabei ganz genau erlebt und tut haben für die Erzählung deiner Geschichte absolut keine Relevanz. Sie tragen weder zum Plot noch zur Charakterzeichnung noch zur Atmosphäre irgendwas sinnvolles bei, sondern verlangsamen im Gegenteil das Erzähltempo bis fast zum Stillstand. Ich empfinde mich als Leser schon fast bevormundet dabei.

Was mir auch auffällt, dass du zwar die Abläufe minutiös beschreibst aber das emotionale Leben des Prota dabei komplett hinten runterfallen lässt. Das macht den Text sehr farblos.

Und dann kommen wir dazu, dass deine Beschreibungen zwar ausufernd, aber sehr wenig präzise und auf den Punkt sind.


Lionera hat geschrieben:
Ich spüre, wie Helligkeit durch meine Augen dringt und die Dunkelheit vertreibt. .



Durch die Augenlider. Ausserdem, Licht vertreibt die Dunkelheit nicht. Ausserdem, wenn die Sonne auf den Prota runterscheint, dann ist da keine Dunkelheit die vertrieben werden könnte, er liegt schon eine geraume Zeit im hellen Licht. Es hat nur eine Weile gedauert, bis das Licht ihn geweckt hat.


Lionera hat geschrieben:Vorsichtig öffne ich ein Auge einen Spalt und kneife es sofort wieder zu..


Um nur ein Auge zu öffnen braucht man ein gewisses Maß an Körperbeherrschung und Willensanstrengung. Das geht nur, wenn man bereits voll wach ist. Morgens beim Aufwachen wirst du garantiert beide Augen aufmachen.


Lionera hat geschrieben:Unbarmherzig strahlt die Sonne direkt auf mich herab. .



Wieso unbarmherzig? Der Prota ist doch nicht in den Tropen, wo die Sonne so runterknallt, dass man das als unbarmherzig bezeichnen könnte.


Lionera hat geschrieben:Mir kommt es vor wie Minuten, seitdem ich endlich traumlos und erholsam schlafen konnte. Vorher hatten wieder diese Albträume in meinem Kopf herumgespukt und mich jede Stunde schweißgebadet hochschrecken lassen..


Aha, Prota hat also oft Albträume. Das ist das allererste Element das du hier bringst, das sowas wie eine Ahnung von Spannung erzeugen könnte, und dann streifst du das in einem Satz und dann ist es wieder vergessen.

Ich glaube, ich mach es wie dein Prota, drehe mich noch mal um und schlafe weiter - gähn....


Lionera hat geschrieben:Draußen trällern die Vögel um die Wette. Genervt ziehe ich die Augenbrauen zusammen. Kann ich denn nicht noch ein paar Minuten in Ruhe schlafen? Doch ein Vogel meint es besonders gut mit mir und gibt sein Ständchen direkt vor meinem unverschlossenen Fenster..


Ein unverschlossenes Fenster ist ein Fenster das GEschlossen aber nicht VERschlossen ist. Was du hier zum ausdruck bringen willst ist offenes Fenster.

Ich finde es nett, wenn ich morgens zu Vogelgesang aufwache. Übrigens, wenn es hier Herbst ist, dann werden da keine Vögel ein Konzert geben, da die das überwiegend nur zur Brutzeit tun.



Lionera hat geschrieben:Ich gebe es auf, strecke mich ausgiebig und blinzle vorsichtig, um mich an das helle Licht zu gewöhnen. Ich stemme mich hoch und schwinge ein Bein nach dem anderen aus der kleinen Bettstatt..



Beschreibungs-overkill.


Lionera hat geschrieben:In meiner Hütte, die nur aus einem Raum besteht, flirrt die Luft vor Hitze und kleine Staubpartikel tanzen in den Sonnenstrahlen. .


Im Herbst? Flirrende Hitze hast du über Teerflächen die sich im Hochsommer aufheizen, die hast du selbst im Hochsommer, selbst in den Tropen nicht in Häusern.


Lionera hat geschrieben:Ich reibe mir müde über das Gesicht und strecke die verspannten Glieder. So richtig wach bin ich immer noch nicht .


Hat der Prota am Abend davor gesoffen oder ein Schlafmittel genommen, dass du da so drauf rumreitest?


Lionera hat geschrieben:und diese Hitze trägt nicht gerade dazu bei, dass ich klar denken kann. Bei den Temperaturen glaubt man kaum, dass es bereits fast Winter ist und dass….



Ja, glaubt man in der Tat nicht, dass es fast Winter ist, da das Szenario nicht glaubwürdig ist.


Lionera hat geschrieben:Heute ist der letzte Tag, an dem im Dorf Markt abgehalten wird, bevor der Winter anbricht. Der letzte Tag für mich, um meine Vorräte aufzustocken, bevor der erste Schnee fällt. Und natürlich verschlafe ich ausgerechnet an diesem Tag! Das sieht mir gar nicht ähnlich… Zwar plagen mich diese Albträume schon eine ganze Weile, aber trotzdem stehe ich jeden Morgen mit dem Sonnenaufgang auf, um meine Arbeiten zu verrichten. Jeden Morgen, bis auf heute.
Während ich mich noch über mich selbst ärgere,.



Die Schilderungen der Emotionen die der Prota durchlebt als er merkt, dass er an dem wichtigen Tag verschlafen hat sind blass und nichtssagend.

Du beschreibst das so beiläufig wie in einem Sachtext, es kommt keinerlei Spannung auf.

Wenn man aufsteht und merkt man hat verschlafen, obwohl man etwas dringendes zu erledigen hätte, dann kriegt man erst mal einen Adrenalinschub und schiesst aus dem Bett hoch, ärgert sich, macht sich Sorgen ob die wichtige Unternehmung jetzt den Bach runtergeht. Bei dir passiert emotional ----- nichts.



Lionera hat geschrieben:Vor allem dein Hinweis zum Haltbarmachen und Vorräte anlegen hat mich sehr weitergebracht. Ich habe es jetzt etwas umgeschrieben, sodass sie "nur" Saatgut (und davon braucht sie für sich selbst nicht allzu viel) und Pökelsalz benötigt. Dies könnte sie tragen. Für die neue Aussaat nutzt man vorzugsweise kleinere Feldfrüchte, diese musste sie aber aufgrund der schlechten Ernte alle bereits verarbeiten (einwecken etc.), sodass sie für eine neue Aussaat nichts mehr übrig hat



Wenn die Ernte schlecht war in der Gegend, dann wird kein Bauer Saatgut verkaufen. Die brauchen die eigene Ernte um Steuern zahlen zu können, selbst über den Winter zu kommen und im Frühjahr was zum Aussähen zu haben.

Pökelsalz in nennenswerten Mengen kannst du NICHT tragen. Du brauchst davon nämlcih eine ganze Menge um Fleisch oder Fisch haltbar zu machen. Aussedem gab es früher kein spezielles Pökelsalz, das wurde mit ganz normalem Salz gemacht. Wenn also dein Prota vor dem Winter ein paar Schweine schlachten und haltbar machen will, wobei die Frage besteht, mit was er die bei der Dürre gemästet hat, dann brauchst du da ettliche ernsthaft grosse, schwere Säcke Salz, die du NICHT zu Fuß vom Markt heimschleppst.

Ausserdem, was für Früchte sollen das sein? ZB Kürbisse, da kannst du die Kerne entfernen. Erbsen, Bohnen, da kannst du die Früchte direkt als Saatgut verwenden, die werden nicht eingeweckt. Kartoffeln, Karotten, Lauch, kommen über den Winter in die Miete, die Kartoffeln kannst du im Frühjahr zur Aussaat verwenden. Gurken, da kannst du die Kerne entfernen vor dem Einmachen, Kohl, Karotten & co, alles was zum Essen geerntet wrid bevor Samen gebildet werden, da lässt du ein paar Pflanzen stehen damit sie auswachsen und Samen bilden, die du dann ernten kannst.

Ausserdem, wenn dein Prota eine Subsistenzlandwirtschaft betreibt, hat der dann keine Hühner? Ein Hahn ist ein extrem guter Wecker!!

Und was ist mit Getreide? Von Gemüsekonserven kommt wirklich niemand über den Winter. Und was soll da in nennenswerten Megen eingepökelt werden?

Wovon will dein Prota da genau über den Winter kommen? Vor allem in einer Ein-Raum Hütte, wo ganz offenbar weder ein Keller noch ein Vorratsraum, noch ein Stall für Nutztiere vorhanden ist.

Ausserdem, wenn dein Prota da mitten im Wald in einer Hütte von Subsistenzlandwirtschaft lebt und die Ernte so schlecht war, woher hat er dann Geld? Lebt dein Prota von irgendwas anderem, einem Handwerk zum Beispiel, das nennenswerte Mengen Geld einbringt?

Das ganze Szenario ist in keiner Weise schlüssig.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Ankh » 29.07.2015, 14:18

Ich gebe Schreiberling recht, das das Szenario so keinen Sinn ergibt. Vor allem die plötzliche Eile im Zusammenhang mit Wintervorräten, deren Fehlen über längere Zeit hinweg absehbar gewesen sein dürfte, finde ich unrealistisch. Selbst wenn sie bisher vermieden hat, ins Dorf zu gehen, dürfte ihr schon viel früher klargeworden sein, dass es wohl unvermeidlich ist, und dann sollte sie sich eher einen frühestmöglichen Zeitpunkt aussuchen, um das hinter sich zu bringen, um dort überhaupt noch was zu bekommen. Den anderen Bauern in der Gegend sollte ja auch aufgefallen sein, dass die Ernte schlecht wird, da werden sie eh nicht viel zum Markt bringen und eher selber versuchen, etwas dazuzukaufen.

Wenn ich deine Zusammenfassung recht verstehe, dann geht es dir hauptsächlich darum, dass sie ins Dorf geht, obwohl sie das bisher gern vermeidet. Wäre da nicht eher eine Szene angebracht, in der ihr klar wird, dass sie mit ihrer geplanten Eigenproduktion nicht über den Winter kommt? Also z.B. mitten im Sommer auf ihrem Feld steht, die vertrockneten Gurken betrauert und beschließt, sich Saatgut für irgendein Herbstgemüse zu kaufen, um die Verluste vor dem Winter noch auszugleichen (da musst du halt recherchieren, was man vom Sommer bis zum Spätherbst noch realistisch heranziehen kann)? Vielleicht könntest du erwähnen, dass das Dorf an einem Fluss oder See liegt und daher die Dürre dort nicht ganz so dramatisch ist, um sicherzugehen, dass es dort überhaupt irgendwelche Überschüsse gibt, die sie kaufen kann. Dann wirkt sie auf den Leser nicht ganz so schusselig; jemand, der auf Selbstversorgung angewiesen ist, aber bis zum letzten Drücker vergisst, sich abzusichern, und dann panisch verschlafen aus dem Bett springt, wirkt nicht sehr souverän.
Wenn deine Geschichte dagegen im Winter spielen soll, würde ich die ganze Dürregeschichte vermeiden und sie eines Tages feststellen lassen, dass ein Teil ihrer Vorräte verdorben ist oder von Tieren gefressen wurde, was sie zwingt, im Dorf nach Ersatz zu suchen. Dringlichkeit kann ja auch bestehen, wenn es nicht um Minuten geht, sondern lediglich darum, DASS sie hingehen muss.

Wenn du dich für eines dieser beiden Szenarien entscheidest, fällt auch dieser extreme Wetterumschwung von flirrender Luft zu Schnee weg. Das mag vielleicht mal passieren, aber ist sicherlich nichts, womit man jedes Jahr rechnet. Und dann ist das Wetter in diesem Jahr ja sowieso ungewöhnlich heiß und trocken, daher finde ich es unrealistisch, dass sie so felsenfest damit rechnet, in zwei Wochen eingeschneit zu sein.

Wenn du dagegen unbedingt eine "panisch verschlafen aufwachen"-Szene haben willst, solltest du dir einen anderen Grund überlegen, warum sie zu einem festen Termin im Dorf sein muss. Vielleicht kommt ja nur einmal im Jahr der Kesselflicker in der gegend vorbei, und der macht sich bestimmt nicht die Mühe, wegen eines potentiellen Kunden zu ihr auf den Berg zu steigen. Also muss sie wohl oder übel mit ihrem kaputten Topf runterlaufen, aber der ist wenigstens nicht so schwer zu tragen :wink:
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon schreiberling » 29.07.2015, 14:53

Lionera hat geschrieben:Daneben warten leere Kisten und Fässer auf neuen Inhalt, um mich über den Winter zu bringen. Inhalt, den ich heute - und nur heute - im Dorf kaufen kann, und nun ist der halbe Tag bereits dahin.


Überleg mal, ganz praktisch und realistisch, wenn du einkaufen gehst, mit einem Rucksack und Taschen. Wenn du die alle voll machst mit Lebensmitteln so viel du über eine längere Distanz tragen kannst, wie lange kannst du dann davon essen, bis das Alle ist?

Den ganzen Winter? Ernsthaft?

Sie will Kisten und Fässer voll machen, mit den Einkäufen. Geht nicht zu Fuß.


Lionera hat geschrieben:Ich habe den Weg ins Dorf nicht gemieden, weil ich zu bequem war, sondern weil er meine schlimmsten Ängste heraufbeschwört. Ich fürchte nichts so sehr wie mit Menschen auf engstem Raum zu sein. Allein jetzt bei der Vorstellung bildet sich ein Klumpen in meinem Bauch und ich muss schlucken.


Show, don't tell.


Lionera hat geschrieben:Die ganze Natur stöhnte unter der Hitze des vergangenen Sommers. Meine Ernte verdorrte, der kümmerliche Rest Saatgut ging gar nicht erst an. Nun sind alle meine Reserven aufgebraucht


Und wie kommt sie auf die Idee, dass es den anderen Landwirten der Gegend anders ergangen ist und auf dem Markt irgendwas an Essen zu bekommen ist? Das ist ein Szenario für eine allgemeine Hungersnot. Nirmand der Nahrungsmittel hat wird sie verkaufen, und wenn, dann nur zu horrenden Preisen, die dein Prota nicht bezahlen kann.


Lionera hat geschrieben:Abgesehen von meiner Angst zu Verhungern freue ich mich auf den Winter. Der Schnee macht es mir leichter, im Wald zu jagen, und hält Wanderer oder anderes Gesindel von meiner Hütte fern.


Warum soll sie, wenn Jagen im Wald bei Schnee angeblich leichter ist, von wanderndem Gesindel verschont bleiben? Das Gesindel wird dann da ja auch jagen/rauben/kriminellen Tätigkeiten nachgehen. Ein urwüchsiger Wald ist im Winter bei viel Schnee noch unwegsamer als im Sommer.

Wenn der Prota viel von Jagd lebt, hat er dann keinen Jagdhund? Jagdhunde hatten die Leute früher nicht zum Spaß, sondern weil sie die fehlenden Sinne von Humanoiden, gerade in einem Wald wo man nicht weit sehen kann, ersetzen.

Ausserdem wird so eine einzelne Person in einem Wald vermutlich eher Fallen stellen als versuchen mit Pfeil und Bogen irgendwelche Rehe oder Wildschweine zu erwischen. Irgendwelche wilden Viecher zu finden und zuschiessen ist schon mit einem Gewehr nicht einfach, mit Pfeil und Bogen musst du so nah rankommen, dass du wirklich wenig Chancen hast da viel zu erlegen. Und dann wirst du das Vieh eher nur verletzen als sorfort töten. Deswegen haben Jäger und Sammler auch gerne in grösseren Gruppen Teibjagden vorgenommen und Tiere in vorher präparierte Fallen getrieben..


Lionera hat geschrieben:Die wenigen, ersparten Münzen klimpern im Beutel an meiner Hüfte, als ich über den niedrigen Zaun hüpfe, der meinen Garten vom Waldrand abgrenzt.
Zuversichtlich schlage ich einen schnellen Gang an und renne durch das morsche Unterholz Richtung Dorf.


Wieso sollte Unterholz morsch sein? Morsch sind alte, tote Bäume, Unterholz ist höchst lebendig.

Zuversichtlich? Ich denke bei der Ausweglosigkeit des Szenarios das du deinem Prota da an den Hals geschrieben hast ist Zuversicht das letzte was dein Prota haben sollte.


Wie gesagt, das Szenario ist von vorne bis hinten schlecht durchdacht.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 29.07.2015, 16:20

Danke für deine ehrlichen Worte, schreiberling, ein Kommentar hätt's auch getan :lol:
Ich werde mir das erste Kapitel nochmal in Ruhe ansehen und an den einzelnen Kritikpunkten schrauben.

Was ich jedoch nicht verstehe: Du redest öfters von "früher - früher haben die Leute das soundso gemacht". Ähm ja, schön für die Leute, aber mein Roman spielt in einer völlig eigenständigen Fantasy-Welt, die zwar einige Elemente vom Mittelalter aufgreift, aber eben wirklich nur einige.
Nur weil Fye, die Halbelfen-Protagonistin, in einer Hütte lebt und Landwirtschaft betreibt, heißt das nicht, dass sie im Mittelalter lebt.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon schreiberling » 29.07.2015, 16:34

Lionera hat geschrieben:Danke für deine ehrlichen Worte, schreiberling, ein Kommentar hätt's auch getan :lol:
Ich werde mir das erste Kapitel nochmal in Ruhe ansehen und an den einzelnen Kritikpunkten schrauben.

Was ich jedoch nicht verstehe: Du redest öfters von "früher - früher haben die Leute das soundso gemacht". Ähm ja, schön für die Leute, aber mein Roman spielt in einer völlig eigenständigen Fantasy-Welt, die zwar einige Elemente vom Mittelalter aufgreift, aber eben wirklich nur einige.
Nur weil Fye, die Halbelfen-Protagonistin, in einer Hütte lebt und Landwirtschaft betreibt, heißt das nicht, dass sie im Mittelalter lebt.





Naja, wenn sie zB Güter teleportieren kann, Magie ein Teil ihres Lebens ausmacht, dann wäre sie nicht auf diesen Markt angewiesen. Und wenn es eine Welt ist, in der es sowohl Elfen als auch moderne Technik gibt, also das nicht das übliche vormoderne Herr der Ringe Fantasy Setting ist, dann würde ich das relativ schnell in der Einführung der Welt einbringen, da sonst mit "Halbelfe-einsame Waldhütte" Setting am Anfang ein irreführender Eindruck entsteht.

Die Frage, ist, stehen magische oder technologische Möglichkeiten zur Verfügung, die hier einen Einfluss haben, wenn nein, dann ist das eine ganz normale vormoderne Agrarkultur, wo aufgrund der grossen Arbeitsintensität von Landwirtschaft die übergrosse Mehrheit der Menschen Bauern waren, und das mit allen Folgen, also "wie bei uns früher". Und da ist es relativ egal, ob das im vortechnologischen alten China, Europa oder einer selbstkreierten Welt stattfindet.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 31.07.2015, 14:00

Hallo ihr lieben Kritiker,

ich habe oben die rohe überarbeitete Fassung einmal eingestellt. Da gibt es sicherlich noch einiges dran zu drehen.
Ich habe mich bemüht, die Beschreibungen so gering wie möglich zu halten und auch den Grund größtenteils abgeändert. Bitte vergleicht es im Hinblick zur alten Fassung und sagt mir, ob's besser oder schlechter ist.
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Ankh » 31.07.2015, 15:56

Wow, das hast du ja wirklich komplett umgekrempelt! Respekt. Es tut oft weh, sein Geschreibsel radikal zu überarbeiten.

Aber was du draus gemacht hast, gefällt mir wirklich gut. Die Stimmung, ihre Resignation, wie sie sich langsam dazu aufrafft, ins Dorf zu gehen, kommt sehr gut rüber. Ich bekomme auch ein gutes Bild, wie sie normalerweise da oben lebt, wie sie sich durch ihre Felder und Fallen ernährt, und wie sie sich mit dem Schmuck zusätzlich Geld verdient.


Die ganze Sache mit den Lieferungen wirkt noch etwas ungelenk. Warum darf der Händler das Zeug nicht zu ihrer Hütte liefern? Wenn sie schon öfter im Dorf war mit ihrer Ziehmutter, dann wissen die Leute im Dorf doch zumindest grob, dass hier draußen jemand lebt. Dürfen die nicht wissen, wo genau? Warum nicht?

"Bestellungen" klingt auch irgendwie zu modern für so ein bäuerliches Umfeld, vor allem, wenn es um Lebensmittel geht. Was auf dem Markt ist, kann mitgenommen werden. Was noch nicht fertig produziert ist, kommt vielleicht nächste Woche. Wenn es dir nur darum geht, dass ihr jemand beim Transportieren größerer Warenmengen hilft, dann kann sie sich doch vielleicht irgendwo einen Karren ausleihen, den sie dann zurückbringt. So ein Ochse wird ja nicht verraten, wo sie wohnt :wink:


ansosnten nur noch ein paar kleine Anmerkungen:

Doch es hat keinen Sinn. Ich kann es sicherlich noch ein paar Tage hinauszögern, aber früher oder später werde ich mich auf den Weg ins Dorf machen müssen. Lieber heute, bei gutem Wetter. Wer weiß, vielleicht gießt es morgen schon aus Eimern.

Will sie das nicht gerade, dass es endlich regnet? :wink: Die Hoffnung auf Regen würde sie doch gerade noch ein paar Tage warten lassen, vielleicht sind die Rüben ja dann doch noch zu retten...?

Also streife ich die von der Feldarbeit schmutzige Kleidung ab und schlüpfe in eine enge Hose und ziehe ein braunes Wams über, das mir bis zu den Knien reicht und das ich mit einem Gürtel in der Taille zusammenhalte.
Anschließend kratze ich alle meine Ersparnisse zusammen, um den Händler und den Lieferanten im Dorf bezahlen zu können. Wohlwissend nehme ich mehr Münzen mit: Einerseits, weil nach dem unnatürlich heißen Sommer die Preise gestiegen sein werden und andererseits, um mir Verschwiegenheit zu erkaufen.
Ich verstaue die Münzen in einem Lederbeutel, den ich an den Gürtel binde, und greife nach meinem grünen Umhang, den ich mit einer silbernen Schließe zusammenhalte. Bevor ich meine Hütte verlasse, schlage ich die Kapuze über den Kopf, um meine Ohren zu verdecken, sodass niemand auf den ersten Blick sehen kann, dass ich nicht menschlich bin.


Das ist immer noch eine ziemlich lange Beschreibung für etwas so simples wie ein Kleiderwechsel. "Ich streife die von der Feldarbeit schmutzige Kleidung ab und schlüpfe in saubere Sachen, mit denen ich mich im Dorf sehen lassen kann: Eine braune Hose, ein Wams, und ganz wichtig: Eine Kapuze." Dann kannst du genauer darauf eingehen, warum sie unbedingt eine Kapuze braucht. Ob sie im Hochsommer einen Mantel braucht, ist fraglich, wenn der nicht irgendwie plotrelevant ist würde ich ihn daheimlassen. Noch Geld zusammensuchen und los gehts!


Soo, das war's auch schon, was ich zu meckern habe, ansonsten passt der Anfang jetzt sehr gut. Wir kennen ihr Problem, wir haben sie selbst ein bisschen kennengelernt und ihre Lebensumstände, jetzt bin ich bereit für ihre Abenteuer! :D
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Re: "Divinitas" Kapitel 1 (Teil 1/x)

Beitragvon Lionera » 31.07.2015, 18:04

Hallo ankh,

danke, dass du dir erneut Zeit für eine Einschätzung genommen hast! :wink:

Warum darf der Händler das Zeug nicht zu ihrer Hütte liefern? Wenn sie schon öfter im Dorf war mit ihrer Ziehmutter, dann wissen die Leute im Dorf doch zumindest grob, dass hier draußen jemand lebt. Dürfen die nicht wissen, wo genau? Warum nicht?

Nein, die Leute wissen weder von der Hütte, noch von ihr oder ihrer Ziehmutter. Auch Bryande, die Ziehmutter, hat sich alles immer abseits liefern lassen. Warum wird im späteren Plot erklärt. Aber um es kurz zu fassen: Niemand soll wissen, dass sie da lebt. Daher war sie so dankbar für den alten Händler, der keine Fragen stellte und macht sich nun Gedanken, ob sie im Dorf wieder einen solch verschwiegenen Lieferanten findet.

"Bestellungen" klingt auch irgendwie zu modern für so ein bäuerliches Umfeld

Danke, guter Hinweis!

Ob sie im Hochsommer einen Mantel braucht, ist fraglich, wenn der nicht irgendwie plotrelevant ist würde ich ihn daheimlassen

Der Umhang ist plotrelevant. Einerseits für die silberne Schließe, die später eine Rolle spielt, andererseits werden aus dem Umhang später noch Stoffstreifen für provisorische Verbände gerissen.
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