[Krimi] Doppelmord

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[Krimi] Doppelmord

Beitragvon Feindesland » 10.01.2015, 11:07

Hallo,
ich habe es endlich geschafft meinen ersten Roman zu veröffentlichen. Nun möchte gleich mit einem neuen Projekt durchstarten. Diesmal soll es ein Krimi werden (Hard-Boiled). Die Szene, die ich vorstelle, stammt aus dem ersten Drittel.
Erklärung:
> Jo Lasker: Hauptperson, leitender Beamter bei einer Fahndungseinheit
> Peter Leifert: Kommt nur in dieser Szene vor, leitender Beamter bei K 11 (Fachkommissariat für Tötungsdelikte)
> Der Doppelmord ist für die Gesamthandlung nicht relevant.
> Ort der Handlung ist Frankfurt a. M.
>> Lasker hat erfahren, dass er unheilbar krank ist. Trotzdem geht er weiter zur Arbeit, um sich abzulenken. Er wird zu einem Doppelmord gerufen.


Hinter der Adresse Im Mainfeld 64 verbarg sich ein zwanzigstöckiges Hochhaus, das mit braunen Waschbetonplatten verkleidet war. Unter normalen Umständen waren die Anschriften hier nicht leicht zu finden. Alles sah gleich aus. Aber heute war das kein Problem. Auf der Straße vor der Hausnummer 64 standen ein halbes Dutzend Streifen- und Zivilwagen. Lasker stellte seinen dazu.
Das Hochhaus lag leicht nach hinten versetzt und war von der Straße über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Bereits von weitem war zu erkennen, das sich die halbe Bürgerschaft des Blocks vor dem Hauseingang versammelt hatte. Genauer gesagt war es deren Nachwuchs. Fast vierzig Kinder und Jugendliche standen auf einer angrenzenden Wiese herum. Sie bemerkten Lasker und fingen an zu johlen. »Bist du Kripo?« »Hallo. Herr Polizist. Was ist denn da passiert?« »Alter. Ich sehe sofort, dass du Krip bist.« Am Eingang standen zwei Streifenbeamte. Lasker kramte seinen Ausweis hervor und die Kollegen ließen ihn durch. Im Foyer sah es aus wie erwartet. Die Wände waren mit Tags vollgeschmiert. In den Halbkugeln der Deckenbeleuchtung hatten sich tote Insekten gesammelt. Jemand hatte sich in dem Lack der Fahrstuhltür verewigt. Warlord was here. Warlord stand vermutlich gerade mit den anderen Flachschippen auf der Wiese herum. Die Fahrstuhltür öffnete sich und Lasker ließ sich rumpelnd in den neunten Stock bringen. Dort angekommen wurde er von einem Kollegen von K 11 begrüßt. Er reichte Lasker die Hand. »Hallo Jo. Lange nicht gesehen. Peter ist in der Wohnung.«
»Okay.«
»Pass auf. Das ist ziemlich übel da drinnen.«
Die Wohnungstür der Familie Brinkmann stand offen. Er sah in den Flur. Überall am Boden standen kleine nummerierte Aufsteller herum. In einem der Zimmer blitzte es. Die Spurensicherung war im vollen Gange. »Peter?«, rief Lasker in die Wohnung hinein. Keine Antwort. »Kollege Leifert!«
»Ja!?« Das kam aus dem hintern Teil der Wohnung.
»Hol mich mal an der Tür ab. Ich will hier keine Unordnung machen.«
»Ist kein Problem, geh den Flur bis zum Ende durch. Im Flur ist alles cool. Nur ein paar Blutspritzer. Ungemütlich wird es erst hier hinten«, rief der Ermittlungsleiter.
Lasker bahnte sich seinen Weg. Versuchte zwischen die Schildchen und Blutflecken zu treten. Schließlich stand er im Türrahmen des Wohnzimmers. Leifert trug blaue Einweghandschuhe. In dem Bemühen nicht in die große Blutlache zu treten, stand er breitbeinig über einer männlichen Leiche gebeugt und fingerte in deren Gesäßtasche herum. Mit dem rechten Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn. »Hier drinnen ist es heißer als in der Hölle.« Er warf Lasker einen kurzen Blick zu. »Ich bin gleich bei dir.« Dann wendete er sich an seinen Kollegen, der in der Ecke stand und nicht wusste, wo er hintreten sollte. »Thomas, komm her. Wir drehen ihn jetzt auf den Rücken.«
Lasker sah sich um. Er hatte schon häufiger Tatorte von Tötungsdelikten gesehen, das hier war einer der schlimmeren. Abgesehen von der riesigen Blutlache auf dem Boden, waren nahezu alle Möbel und Wände rot gesprenkelt. An der Einrichtung war zu erkennen, dass hier ältere Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten gelebt hatten. Ikea-Produktpalette aus den Neunzigern. Die beiden Mordermittler fassten den Toten an Hüfte und Schulter, versuchten ihn umzudrehen. Auf halbem Weg gab es ein platschendes Geräusch. Die Gedärme des Toten waren aus dem Unterbauch gerutscht. Die Männer ließen den Körper los. »Gottverdammt! Was soll denn das? Lass gut sein, ich habe jetzt keinen Bock mehr. Darum kümmern wir uns später.«
Lasker hatte genug gesehen und drehte sich weg.
»Jo. Sei froh das du nicht meinen Job hast.«
»Das bin ich.«
Leifert machte drei große Schritte und stellte sich zu Lasker. »Ich gebe dir jetzt mal nicht die Hand. Also. Folgende Sachlage. Unser erstes Opfer heißt Harald Brinkmann. 57 Jahre alt. In früheren Jahren war er Dachdecker, jetzt, zum Ende hin, Hartz-IV Empfänger. Der Täter hat ihn mit einem Fleischermesser getötet. Und wir alle durften gerade Zeugen sein, dass er sich dabei Mühe gegeben hat. Was sagt das über unseren Täter aus?«
»Dass der Kerl ein riesiges Arschloch ist?«
»Sehr gut. Noch etwas?«
»Er war außer sich vor Wut.«
»Genau.«
Leifert machte mit jedem diese Frage- und Antwortspielchen. Er hatte mal gesagt, dass ihm das beim Denken helfen würde. Eine andere Theorie war, dass er andere gerne nervte. Der K 11-Mann stakste mit geplanten Schritten durch den Flur in Richtung Wohnungstür. »Wer glaubst du, ist unser zweites Opfer?«
»Seine Ehefrau.«
»Richtig. Die liegt übrigens hier im Bad.« Leifert drückte mit der Fußspitze eine angelehnte Tür auf. »Erna Brinkmann. 55 Jahre. Hausfrau.« Die Frau lag auf dem Rand der Badewanne. Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt. Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert. »Frau Brinkmann wurde durch die halbe Wohnung gejagt. Der Täter hat sie mit einer gusseisernen Pfanne totgeklopft. So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden. Vermutlich hat der Täter sie überrascht, als sie sich einen Joghurt gönnen wollte. Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Sie geben noch mal Vollgas. Das Opfer ist ins Bad geflüchtet. Sackgasse.«
Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Für einen Moment hatte er nicht daran gedacht. Jetzt wusste er es wieder. Der heitere Augenblick war vorbei. Leifert redete weiter, aber Lasker hörte ihm nicht mehr zu.
»Jo?«
»Ja.«
»Alles klar?«
»Natürlich.«
»Und was für ein Motiv hatte der Täter?«
»Ein Persönliches. Zu holen ist hier ja nichts.«
»Prima, Mister Watson. Und dann kannst du mir vielleicht auch sagen, wer es war.«
»Haben die einen Sohn?«
»Yes.«
»Dann war er es.«
Leifert lachte auf. »Ist es nicht geradezu lächerlich, wie einfach meine Arbeit ist?« Er wurde ernst. »Das Drama hier war nicht leise. Nebenan wohnt eine türkische Familie. Die haben sich Sorgen gemacht und geklingelt. Da guckst du. So etwas gibt es auch. Jedenfalls hat der Sohn der Familie Brinkmann die Tür aufgerissen und ist über das Treppenhaus geflohen. Kein Irrtum möglich. Die Wahrscheinlichkeit, das er der Täter ist liegen bei 99,9 Prozent. Unser Mann heißt Richard Brinkmann. 33 Jahre. Von Beruf Penner. Ist polizeilich hinreichend in Erscheinung getreten. Erkennungsdienstliche Bilder liegen vor. Und jetzt kommt der Traum eines jeden Fahnders. Der Mann ist praktisch mittellos und drogenabhängig. Hält sich vermutlich noch in der Stadt auf. Der Kerl ist kein Hardcore-Junkie der Tag und Nacht im Gebiet herumhängt. Aber die sollten ihn dort kennen. Habe ich etwas vergessen?«
»Atmen.«
»Na wenigstens hast du deinen Humor nicht verloren. Willst du dir das nicht aufschreiben?«
»Denkst du, ich verfasse deine Memoiren?«
»Ich meine ja nur.«
»Richard Brinkmann. Penner. Drogenabhängig. Festnehmen. Habe ich etwas vergessen?«
»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«
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Re: Doppelmord

Beitragvon unkompliziert » 10.01.2015, 23:20

Hallo Feindesland,

herzlichen Glückwunsch zu seiner Veröffentlichung. Stehst du schon im Erfolge Thread?

Ich habe viele Krimis im Fernsehen gesehen, aber nur sehr wenige bisher gelesen.
Bitte sei nicht traurig, ich bin vielleicht nicht ganz deine Zielgruppe, aber ich kann dir was meinen persönlichen Geschmack angeht nur 5 von 10 Punkten geben. Das bedeutet, dass ich das Buch nur vielleicht lesen würde.

Ich habe zwei Hauptprobleme:
1. Der Ausschnitt und die Figuren darin berühren mich nicht emotional. Der Grund dafür kann aber sein, dass das eben nur ein Ausschnitt ist. Vielleicht fände ich Lasker noch interessanter, wenn ich schon mehr über ihn gelesen hätte.
Allein die Tatsache, dass er totgeweiht ist, weckt zwar mein Mitleid, aber noch nicht mehr.

2. An dem Fall ist (noch) nichts, was mich neugierig macht. Der Sohn wird es wohl nicht gewesen sein, aber dass es jemand außergewöhnliches war und ein Größeres Ganzes dahintersteckt lässt sich noch nicht erahnen.

Ein Lob: Einen Großteil der Dialoge finde ich sehr angenehm zu lesen und vor allem auch sehr authentisch, was nicht selbstverständlich ist.

Zu der Logik habe ich kleinere Fragen.

Im Detail:

Feindesland hat geschrieben:> Jo Lasker: Hauptperson, leitender Beamter bei einer Fahndungseinheit
> Peter Leifert: Kommt nur in dieser Szene vor, leitender Beamter bei K 11 (Fachkommissariat für Tötungsdelikte)

Hinter der Adresse Im Mainfeld 64 verbarg sich ein zwanzigstöckiges Hochhaus, das mit braunen Waschbetonplatten verkleidet war. Unter normalen Umständen waren die Anschriften hier nicht leicht zu finden. Alles sah gleich aus. Aber heute war das kein Problem. Auf der Straße vor der Hausnummer 64 standen ein halbes Dutzend Streifen- und Zivilwagen. Lasker stellte seinen dazu.
Das Hochhaus lag leicht nach hinten versetzt und war von der Straße über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Bereits von weitem war zu erkennen, das sich die halbe Bürgerschaft des Blocks vor dem Hauseingang versammelt hatte. Genauer gesagt war es deren Nachwuchs. Fast vierzig Kinder und Jugendliche standen auf einer angrenzenden Wiese herum. Sie bemerkten Lasker und fingen an zu johlen. »Bist du Kripo?« »Hallo. Herr Polizist. Was ist denn da passiert?« »Alter. Ich sehe sofort, dass du Krip bist.« Am Eingang standen zwei Streifenbeamte. Lasker kramte seinen Ausweis hervor und die Kollegen ließen ihn durch. Im Foyer sah es aus wie erwartet. Die Wände waren mit Tags vollgeschmiert. In den Halbkugeln der Deckenbeleuchtung hatten sich tote Insekten gesammelt. Jemand hatte sich in dem Lack der Fahrstuhltür verewigt.
Die Beschreibung der Szene ist angenehm zu lesen. Sie ist detailliert genug und gleichzeitig nicht zu ausschweifend.

Warlord was here. Warlord stand vermutlich gerade mit den anderen Flachschippen auf der Wiese herum.
Das ist nur eine kleinere Anmerkung: Was ein Tag in diesem Zusammenhang ist, habe ich zwar durch grübeln ergründen können, aber ich weiß nicht, wievielen Leuten das geläufig wäre. Das Wort Flachschippe habe ich noch nie gehört, verstehe ich zwar trotzdem, steigert aber nicht meine Identifikation mit Lasker. Aber einem Frankfurter könnte das natürlich sehr gut gefallen. (Bin aus Nähe München.)

Die Fahrstuhltür öffnete sich und Lasker ließ sich rumpelnd in den neunten Stock bringen.
Das klingt als würde Lasker rumpeln und nicht der Fahrstuhl. Vielleicht "von dem rumpelnden Ding" Dort angekommen wurde er von einem Kollegen von K 11 begrüßt. Er reichte Lasker die Hand. Das klingt als ob Lasker einem Lasker die Hand reicht. Vielleicht "dieser reichte Lasker die Hand"»Hallo Jo. Lange nicht gesehen. Peter ist in der Wohnung.«
»Okay.«
»Pass auf. Das ist ziemlich übel da drinnen.«
Die Wohnungstür der Familie Brinkmann stand offen. Er sah in den Flur. Überall am Boden standen kleine nummerierte Aufsteller herum. In einem der Zimmer blitzte es. Die Spurensicherung war im vollen Gange. »Peter?«, rief Lasker in die Wohnung hinein. Keine Antwort. »Kollege Leifert!«
»Ja!?« Das kam aus dem hintern Teil der Wohnung.
»Hol mich mal an der Tür ab. Ich will hier keine Unordnung machen.«
»Ist kein Problem, geh den Flur bis zum Ende durch. Im Flur ist alles cool. Nur ein paar Blutspritzer. Ungemütlich wird es erst hier hinten«, rief der Ermittlungsleiter.
Eine flüssige und für mich sehr interessante Beschreibung der Ermittlungsvorgänge!
Lasker bahnte sich seinen Weg. Versuchte zwischen die Schildchen und Blutflecken zu treten. Schließlich stand er im Türrahmen des Wohnzimmers. Leifert trug blaue Einweghandschuhe. In dem Bemühen nicht in die große Blutlache zu treten, stand er breitbeinig über einer männlichen Leiche gebeugt und fingerte in deren Gesäßtasche herum. Mit dem rechten Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn. »Hier drinnen ist es heißer als in der Hölle.« Er warf Lasker einen kurzen Blick zu. »Ich bin gleich bei dir.« Dann wendete er sich an seinen Kollegen, der in der Ecke stand und nicht wusste, wo er hintreten sollte.
Der Teil ließt sich etwas umständlich. Leider komme ich nicht drauf, woran das liegen könnte. Das Problem, dass die Leute nicht wissen, wohin sie treten sollen, sollte man nicht zu oft wiederholen. Man könnte die Phrase ersetzen durch "vorsichtig steigen", "manöfrieren" etc. Oder es einfach nicht ein drittes Mal erwähnen.»Thomas, komm her. Wir drehen ihn jetzt auf den Rücken.«
Lasker sah sich um. Er hatte schon häufiger Tatorte von Tötungsdelikten gesehen, das hier war einer der schlimmeren. Abgesehen von der riesigen Blutlache auf dem Boden, waren nahezu alle Möbel und Wände rot gesprenkelt. An der Einrichtung war zu erkennen, dass hier ältere Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten gelebt hatten. Ikea-Produktpalette aus den Neunzigern. Die beiden Mordermittler fassten den Toten an Hüfte und Schulter, versuchten ihn umzudrehen. Auf halbem Weg gab es ein platschendes Geräusch. Die Gedärme des Toten waren aus dem Unterbauch gerutscht. Die Männer ließen den Körper los. »Gottverdammt! Was soll denn das? Lass gut sein, ich habe jetzt keinen Bock mehr. Darum kümmern wir uns später.«
Wenn du den Leser schocken wolltest: Gut gemacht. Mich schockt das Bild und das kaltschnäuzige Verhalten des Ermittlers. Ein gelungener Effekt, finde ich.
Lasker hatte genug gesehen und drehte sich weg.
»Jo. Sei froh das du nicht meinen Job hast.«
»Das bin ich.«
Leifert machte drei große Schritte und stellte sich zu Lasker. »Ich gebe dir jetzt mal nicht die Hand. Also. Folgende Sachlage. Unser erstes Opfer heißt Harald Brinkmann. 57 Jahre alt. In früheren Jahren war er Dachdecker, jetzt, zum Ende hin, Hartz-IV Empfänger. Der Täter hat ihn mit einem Fleischermesser getötet. Und wir alle durften gerade Zeugen sein, dass er sich dabei Mühe gegeben hat. Was sagt das über unseren Täter aus?«
Bis hierher haben mir die Dialoge sehr gut gefallen und sie haben einen sehr authentischen Eindruck gemacht. Ab jetzt werden sie etwas übertrieben und/oder so, als ob sich viel jüngere Laien unterhalten.
»Dass der Kerl ein riesiges Arschloch ist?«
Ein bisschen Privatunterhaltung im Dienstalltag ist cool und in Ordnung. Aber das ist zu banal und nichtssagend.
»Sehr gut. Noch etwas?«
»Er war außer sich vor Wut.«
»Genau.«
Warum das der einzig in Frage kommende Schluss sein soll, leuchtet mir nicht ein.
Leifert machte mit jedem diese Frage- und Antwortspielchen. Er hatte mal gesagt, dass ihm das beim Denken helfen würde. Eine andere Theorie war, dass er andere gerne nervte. Der K 11-Mann stakste mit geplanten Schritten durch den Flur in Richtung Wohnungstür. »Wer glaubst du, ist unser zweites Opfer?«
»Seine Ehefrau.«
»Richtig. Die liegt übrigens hier im Bad.« Leifert drückte mit der Fußspitze eine angelehnte Tür auf. »Erna Brinkmann. 55 Jahre. Hausfrau.«
Der Teil hat mir wieder sehr gut gefallen.
Die Frau lag auf dem Rand der Badewanne. Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt. Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert. »Frau Brinkmann wurde durch die halbe Wohnung gejagt. Der Täter hat sie mit einer gusseisernen Pfanne totgeklopft.
Jap. Schockeffekt wieder gelungen.
So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden.
Das ist ein bisschen arg. Vor allem weil ich mir bei allem Grübeln nicht vorstellen soll, wie ein Schlag ausgeführt werden muss, damit ihre gesamten Zähne im Kühlschrank landen. Vielleicht "einige Zähne von ihr" oder "ihre vorderen Schneidezähne"
Vermutlich hat der Täter sie überrascht, als sie sich einen Joghurt gönnen wollte.
Das verstehe ich auch wieder gar nicht. Sie müsste also das erste Opfer gewesen sein. Warum ist dann ihr Mann weder weggelaufen noch hat er den Täter bekämpft? Oder sie war das zweite Opfer, aber wie wahrscheinlich ist es, dass sie in Ruhe einen Joghurt ist, während neben an ihr Mann auf diese Weise getötet wird?
Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Sie geben noch mal Vollgas. Das Opfer ist ins Bad geflüchtet. Sackgasse.«
Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen.
Den Satz nochmal zu wiederholen, damit wir wissen, dass Lasker ihn gehört hat, finde ich nicht nötig und eher langweilig. Für mich wäre es besser und völlig verständlich, wenn er einfach direkt auf die direkte Rede reagiert.
Für einen Moment hatte er nicht daran gedacht. Jetzt wusste er es wieder. Der heitere Augenblick war vorbei. Leifert redete weiter, aber Lasker hörte ihm nicht mehr zu.
»Jo?«
»Ja.«
»Alles klar?«
»Natürlich.«
»Und was für ein Motiv hatte der Täter?«
»Ein Persönliches. Zu holen ist hier ja nichts.«
»Prima, Mister Watson. Und dann kannst du mir vielleicht auch sagen, wer es war.«
Das ist mir unter Erwachsenen auch zu albern. Entweder es ist sehr herablassend oder einfach nicht lustig genug. Ich würde das sachlicher schreiben. Zumindest ich war gedanklich noch mit dem sterbenden Lasker beschäftigt und ob er sich wohl aus Schwäche etwas anmerken lässt. Da hätte ich den Gag eh nicht gebraucht.
»Haben die einen Sohn?«
»Yes.«
Warum der jetzt plötzlich "Yes" statt "Ja" sagt, leuchtet mir auch nicht ein. Nicht besonders kreativ und auch nicht sehr natürlich für einen deutschen Muttersprachler.
»Dann war er es.«
Leifert lachte auf. »Ist es nicht geradezu lächerlich, wie einfach meine Arbeit ist?« Er wurde ernst. »Das Drama hier war nicht leise. Nebenan wohnt eine türkische Familie. Die haben sich Sorgen gemacht und geklingelt. Da guckst du. So etwas gibt es auch. Jedenfalls hat der Sohn der Familie Brinkmann die Tür aufgerissen und ist über das Treppenhaus geflohen. Kein Irrtum möglich. Die Wahrscheinlichkeit, das er der Täter ist liegen bei 99,9 Prozent. Unser Mann heißt Richard Brinkmann. 33 Jahre. Von Beruf Penner. Ist polizeilich hinreichend in Erscheinung getreten. Erkennungsdienstliche Bilder liegen vor. Und jetzt kommt der Traum eines jeden Fahnders. Der Mann ist praktisch mittellos und drogenabhängig. Hält sich vermutlich noch in der Stadt auf. Der Kerl ist kein Hardcore-Junkie der Tag und Nacht im Gebiet herumhängt. Aber die sollten ihn dort kennen. Habe ich etwas vergessen?«
»Atmen.«
Das würde man zu jemandem sagen, der übereifrig und hastig spricht. Aber das sind zwei gestandene Männer. Die haben genug Selbstbewusstsein um in Ruhe fertig zu sprechen. Auch wenn es ein längerer Monolog ist.
»Na wenigstens hast du deinen Humor nicht verloren. Willst du dir das nicht aufschreiben?«
»Denkst du, ich verfasse deine Memoiren?«
Finde ich mehr patzig als lustig.
»Ich meine ja nur.«
Einer, der den andern rüffeln kann, weil er keine Notizen macht, würde nicht ganz so unterwürfig beschwichtigen, sondern vielleicht einfach nichts drauf sagen.
»Richard Brinkmann. Penner. Drogenabhängig. Festnehmen. Habe ich etwas vergessen?«
»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«
Grundsätzlich finde ich es sehr sympatisch, wenn auch routinierten Ermittlern mal das Grausen kommt und sie Parallelen zu ihrem eigenen Leben ziehen. Aber es ist etwas weit hergeholt, dass jetzt Kinder spontan ihre Eltern niedermetzeln.


Ich bin nicht das Maß aller Dinge, deswegen nimm dir meine Kritik nicht zu sehr zu Herzen.
Aber ich hoffe, dass ich dir mit dem einen oder anderen Vorschlag etwas weiterhelfen konnte.

Stellenweise hat es mir sehr gut gefallen.

Viel Freude und Erfolg weiterhin beim Schreiben!
Unki
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Re: Doppelmord

Beitragvon Feindesland » 11.01.2015, 00:17

Hallo Unki,

1. Ich nehme mir sachliche Kritik niemals zu Herzen. Ganz im Gegenteil.

2. Es ist immer ein Problem, eine isolierte Szene einzustellen. Natürlich wird Lasker in den vorhergehenden Kapiteln ausführlicher gezeichnet.

3. Der Fall hat keine tiefere Bedeutung. Der eigentliche Fall kommt erst später. Aber das ist wieder das Problem der einzelnen Szene. Der Sohn war es tatsächlich.

4. Du bemängelst den kausalen Ablauf der Tat. Ich habe die Tat nicht näher ausgeleuchtet, weil sie nicht wichtig ist. Wenn ich aber merke, dass das den Leser stört, dann werde ich es erklären.

5. Die Dialoge werde ich überarbeiten. Lasker ist patzig, weil er nur zwei Stunden zuvor erfahren hat, dass sein Krebs inoperabel ist. Wenn ein Teil der Dialoge zu albern wirken, dann muss ich das auf jeden Fall ändern.

6. Schön das dir der letzte Satz aufgefallen ist. Natürlich denkt Leifert nicht, dass ihn seine Kinder umbringen werden. Aber die Bemerkung ist so schön kaputt.

7. Nein. Ich bin nicht im Erfolge Thread. Bisher habe ich auch noch keinen Erfolg mir meinem Buch gehabt. :-)

8. Ich finde deine Kritik sehr gut. Danke, das du dir die Zeit genommen hast.

Mfg
Zuletzt geändert von Feindesland am 17.01.2015, 13:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Doppelmord

Beitragvon inmutanka » 11.01.2015, 14:29

Hallo Feindesland,

herzlichen Glückwunsch zu deinem Buch. Als alter Krimifan bitte ich dich, mir den Titel mitzuteilen.

So, anbei meinen Senf zu deiner Story. Viel gibt es (für mich!) nicht zu bekritteln. Eine Frage stellt sich mir jedoch: Wenn die Szene nicht relevant für die Story ist, warum gibt es sie dann? Nicht falsch verstehen, sie ist gut geschrieben. Aber Szenen, die die Story nicht vorantreiben, sind nicht nur unnötig, sondern können auch den Lesegenuss mindern.

LG
Inmutanka

Alles sah gleich aus.


Hier hätte ich mir ein: Alle Häuser/Gebäude sahen gleich aus - gewünscht.

Aber heute war das kein Problem. Auf der Straße vor der Hausnummer 64 standen ein halbes Dutzend Streifen- und Zivilwagen.


- Aber heute war das kein Problem. - könnte für mich raus. Damit behautest du etwas, was im nächsten Satz gezeigt wird.

Das Hochhaus lag leicht nach hinten versetzt und war von der Straße über einen schmalen Fußweg zu erreichen.


Geschmackssache, aber *leicht* und *schmal* würde ich streichen. *leicht* sagt nichts aus, sind es 5 m, 10 m, 20 m? Das Hochhaus lag nach hinten versetzt - genügt, um ein Bild entstehen zu lassen. Ein *Fußweg* ist für mich schmal.

Bereits von weitem war zu erkennen, das sich die halbe Bürgerschaft des Blocks vor dem Hauseingang versammelt hatte.


Das würde ich ich nicht *neutral* erzählen, sondern aus Laskers Sicht: Bereits von weitem sah Lasker, dass sich ...

Genauer gesagt war es deren Nachwuchs. Fast vierzig Kinder und Jugendliche standen auf einer angrenzenden Wiese herum.


Das ist wieder wie oben. Du behauptest etwas und zeigst es danach.

Am Eingang standen zwei Streifenbeamte.


Na ja, sie werden nicht am Eingang herumstehen und die wunderschöne Aussicht bewundern, sondern wohl eher den Eingang versperren, oder?

Im Foyer sah es aus wie erwartet.


Wie wer es erwartete? Vllt.: Im Foyer sah es aus, wie er/wie es Lasker (in dieser Umgebung?) erwartet (hatte).

In den Halbkugeln der Deckenbeleuchtung hatten sich tote Insekten gesammelt. Jemand hatte sich in dem Lack der Fahrstuhltür verewigt. Warlord was here.


Mich stört hier dieses *hatte*, zumal es mit Satzumstellung nicht notwendig wäre, Bsp.: In den Halbkugeln der Deckenbeleuchtung sammelten sich tote Insekten/Insektenleichen. Mit 'Warlord was here' verewigte sich jemand im Lack der Fahrstuhltür.

Warlord stand vermutlich gerade mit den anderen Flachschippen auf der Wiese herum.


*Flachschippen* gefällt mir ;)

Die Fahrstuhltür öffnete sich und Lasker ließ sich rumpelnd in den neunten Stock bringen.


Da fehlt ein Zwischenschritt: Die Fahrstuhltür öffnete sich, Lasker trat ein und ließ sich rumpelnd in den neunten Stock bringen. - *bringen* gefällt mir nicht. Ein Fahrstuhl *bringt* niemanden wohin, sondern *befördert* oder *fährt*.

Dort angekommen wurde er von einem Kollegen von K 11 begrüßt. Er reichte Lasker die Hand. »Hallo Jo. Lange nicht gesehen. Peter ist in der Wohnung.«


*angekommen* würde ich streichen. *Dort* beinhaltet schon das ankommen. Auch hier wieder: Mit *wurde er von einem Kollegen von K 11 begrüßt.* behauptest du etwas, was du gleich darauf zeigst. *Dort reichte ihm ein Kollege von K11 die Hand. "Hallo Jo ..."* - würde genügen

Lasker bahnte sich seinen Weg. Versuchte zwischen die Schildchen und Blutflecken zu treten.


Hier ebenfalls. Du bringst 2 x das gleiche. Einmal *oberflächlich* betrachtet (bahnte sich seinen Weg) und dann detailliert. 1 x genügt *Lasker versuchte, zwischen Schildchen und Bluflecken zu treten.

In dem Bemühen nicht in die große Blutlache zu treten, stand er breitbeinig über einer männlichen Leiche gebeugt und fingerte in deren Gesäßtasche herum.


*In dem Bemühen* würde ich streichen. Du kennst sicherlich die Floskeln im Arbeitszeugnis: Er/Sie bemühte sich stets ... übersetzt: Er/Sie war willig, aber schaffte es nicht.

Mit dem rechten Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn.


Auch Geschmackssache, aber wenn es keine Rolle spielt, dass der genau dafür den *rechten* Unterarm benutzt, würde ich *rechten* streichen.

Er warf Lasker einen kurzen Blick zu.


Mit *Er warf Lasker einen Blick zu.* implizierst du (für mich!), dass es kein langer Blick ist, sondern eher etwas flüchtiger/kurzer halt.

Dann wendete er sich an seinen Kollegen, der in der Ecke stand und nicht wusste, wo er hintreten sollte.


Warum weiß er das nicht?

Er hatte schon häufiger Tatorte von Tötungsdelikten gesehen, das hier war einer der schlimmeren.


*Tatorte von Tötungsdelikten* hört sich an/liest sich wie ein Gesetzestext. Das mag zwar die amtlich korrekte Bezeichnung sein, aber würde ein Polizist das so einem Kumpel erzählen?

Abgesehen von der riesigen Blutlache auf dem Boden, waren nahezu alle Möbel und Wände rot gesprenkelt.


Die große/riesige Blutlache hast du oben schon erwähnt. 1 x würde genügen. Noch etwas anderes: wenn du zeigen würdest, wie groß die Blutlache ist, dann wird auch klar, warum sich der Gehilfe nicht zu rühren wagt.

An der Einrichtung war zu erkennen, dass hier ältere Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten gelebt hatten.


Lass es Lasker erkennen: An der Einrichtung erkannte Lasker, ...

Ikea-Produktpalette aus den Neunzigern. Die beiden Mordermittler fassten den Toten an Hüfte und Schulter, versuchten ihn umzudrehen.


Mir geht das zu abrupt. Eben bin ich noch beim Begutachten der Wohnung/des Zimmer und werde ohne Übergang wieder zu den Ermittlern geschleudert.
*versuchten* ihn umzudrehen - mit *versuchten* lässt du offen, ob es ihnen gelingt oder nicht. Besser fände ich: um ihn umzudrehen/auf den Rücken zu drehen.

Auf halbem Weg gab es ein platschendes Geräusch. Die Gedärme des Toten waren aus dem Unterbauch gerutscht.


Ich würde beide Sätze verbinden. Statt *platschendes Geräusch* würde ich nur *platschte es* schreiben. Das *Platschen* ist an sich schon ein Geräusch, wäre daher (für mich!) doppelt gemoppelt.

Die Männer ließen den Körper los. »Gottverdammt! Was soll denn das? Lass gut sein, ich habe jetzt keinen Bock mehr. Darum kümmern wir uns später.«


2 Männer drehen ihn um, wer von beiden sagt das?

Lasker hatte genug gesehen und drehte sich weg.


*drehte sich weg* - liest sich für die Bewegung eines Menschen (für mich) seltsam, vllt.: wandte sich ab.

Leifert machte drei große Schritte und stellte sich zu Lasker.


Wenn du *drei große Schritte* schreibst, müssen sie eine Bedeutung haben, die mir hier fehlt. Vllt.: Mit drei großen Schritten stieg Leifert über Leiche und Blutlache zu Lasker.

»Ich gebe dir jetzt mal nicht die Hand. Also. Folgende Sachlage. Unser erstes Opfer heißt Harald Brinkmann.


... Also, folgende Sachlage: Unser erstes Opfer ...

In früheren Jahren war er Dachdecker, jetzt, zum Ende hin, Hartz-IV Empfänger. Der Täter hat ihn mit einem Fleischermesser getötet. Und wir alle durften gerade Zeugen sein, dass er sich dabei Mühe gegeben hat.


Ich schreibe ungern bei wörtlichen Reden herum, aber würdest du tatsächlich so zu einem Kollegen sprechen? Vor Gericht oder bei Rapport bei einem Vorgesetzten könnte ich es mir vorstellen, aber nicht zu einem gleichgestellten (?) Kollegen.
Früher war er Dachdecker, die letzten Jahre Hartz-IV Empfänger. Der Täter hat ihn mit einem Fleischermesser getötet/abgestochen/abgeschlachtet.

Er hatte mal gesagt, dass ihm das beim Denken helfen würde. Eine andere Theorie war, dass er andere gerne nervte.


2 x dass hintereinander, - mich würde es stören. Vllt. Angeblich half ihm das beim Denken. Laskers Theorie war, Leifer liebte es, andere zu nerven.

Der K 11-Mann stakste mit geplanten Schritten durch den Flur in Richtung Wohnungstür.


*mit geplanten Schritten* würde ich streichen.

Die Frau lag auf dem Rand der Badewanne. Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt. Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert


*Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt.* - würde ich zusammenfassen: Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen, als hätte sie ein böser Geist zum Trocknen aufgehängt.

*Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert* - wat nu? Hat es sich gesammelt oder ist es versickert? Nee, ist mir schon klar, was du zeigen willst, vllt.: Das Blut am Wannenboden versickerte im Abfluss.

Der Täter hat sie mit einer gusseisernen Pfanne totgeklopft.


*totgeklopft* klingt nicht gut. *totgeschlagen* oder vllt. ein Vergleich: plattgeklopft wie ein Wiener Schnitzel.

So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden. Vermutlich hat der Täter sie überrascht, als sie sich einen Joghurt gönnen wollte. Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Sie geben noch mal Vollgas. Das Opfer ist ins Bad geflüchtet. Sackgasse.
«

Hm, da habe ich ein Logikproblem: Wenn der Täter zuerst den Mann absticht, dann wird die Frau nicht seelenruhig am Kühlschrank Joghurt löffeln. Und wenn der Täter zuerst auf die Frau einschlägt und sie (vermutlich) schreiend (zumind. nicht geräuschlos) ins Bad flüchtet, wird der Mann nicht seelenruhig im WZ der Dinge harren. Falls es dafür später eine vernünftige Lösung gibt, würde ich mir hier wünschen, dass sich Lasker entweder darüber Gedanken macht oder es ggü. Leifert anspricht a la: Wie soll das funktionieren? Wenn etc. pp. - (Leifert) Also bitte - das ist dein Job. Ich bin nur für die Spuren zuständig.

*Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen.* - woher weiß er das? M. M. n. kann er es nicht wissen, weil er nie dabei ist.

Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Für einen Moment hatte er nicht daran gedacht. Jetzt wusste er es wieder.


Hm, gut, du sagst, Lasker hat eben erfahren, dass er todkrank ist. Ich habe viele Menschen inzwischen kennengelernt, die mit so einer Tatsache konfrontiert wurden. Die Einen ignorieren die Tatsache, wie ein Kind, das sich die Augen zu hebt in der Meinung: wenn ich den anderen nicht sehe, sieht er mich auch nicht - und leben ihr Leben bis zuletzt weiter, als wenn nichts wäre. Andere versinken in tiefe Depressionen und wieder andere verfallen in hektische Betriebsamkeit, weil sie für die verbleibende Zeit noch einmal aus dem Vollen schöpfen wollen. - Daher passt für mich dieser Satz nicht, weil Menschen eben unterschiedlich mit diesem Wissen umgehen und nicht über einen Kamm zu scheren sind.

»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«


Ist für mich zu verstückelt, vllt.: »Perfekt.« Leifert betrachtete erst die Tote in der Wanne dann Lasker. »Ist eine schöne Scheiße. Ich habe auch Kinder.«
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Re: Doppelmord

Beitragvon LoriPecuretho » 16.01.2015, 14:39

Hallo Feindesland,

erstmal Glückwunsch zur Veröffentlichung und viel Erfolg für den Roman :)

Ich lese gerne Krimis, eigentlich besonders gern whodunit, aber zwischendurch natürlich auch ähnliches wie dein neues Projekt. Und vorab kann ich schonmal sagen, dem Ausschnitt nach zu urteilen, würde ich deine Krimi wohl gerne lesen. Der Klappentext müsste natürlich auch entsprechend gut sein, damit ich ihn erstmal überhaupt entdecken und kaufen würde. ;)

So, dann fang ich mal von vorne an.

> Peter Leifert: Kommt nur in dieser Szene vor, leitender Beamter bei K 11 (Fachkommissariat für Tötungsdelikte)

och, der ist doch eigentlich ganz witzig. Schade, dass er nur den einen Auftritt hat.

>> Lasker hat erfahren, dass er unheilbar krank ist. Trotzdem geht er weiter zur Arbeit, um sich abzulenken. Er wird zu einem Doppelmord gerufen.

Dass Lasker todrank ist, scheint ja ein zentraler Part der Geschichte zu sein und sicher hast du dir das gut überlegt. Ich als Leser finde es allerdings ziemlich schade, schon zu Beginn zu wissen, dass die Hauptperson das Buch womöglich nicht überlebt. Gerade bei Krimis lese ich gerne mehrere Fälle eines Ermittlers, wenn mir der Stil und die Figur gefallen. Falls dein Buch Erfolg haben sollte, beraubst du dich damit also möglicher gewinnbringender Fortsetzungen. Außer du lässt die Krankheit sich noch lange hinziehen und/oder eine Wunderheilung eintreten...

»Hier drinnen ist es heißer als in der Hölle.«

Das Bild passt irgendwie nicht richtig. Hört sich so an, als wäre er schon ein paarmal in der Hölle gewesen...
Vielleicht eher "In der Hölle könnte es nicht heißer sein als hier drin."

Dann wendete er sich an seinen Kollegen,

Das hört sich für mich einfach nur falsch an. Ist es zwar glaube ich nicht, aber hinter "wendete" gehört für mich entweder ein Spiegelei oder ein Auto ;) Hier würde ich "wandte" schreiben.

ältere Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten gelebt hatten. Ikea-Produktpalette aus den Neunzigern.

auch wenn es in der Realität vielleicht so vorkommen mag, Ikea-Produkte (auch die aus den 90ern) sind kein typisches Erkennungsmerkmal für die Wohnungen von älteren Menschen. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass Lasker der Typ ist, der erkennt welche Generation Billy-Regal er da vor sich stehen hat.
Ich würde das Alter da einfach raus lassen. Dann kannst du z.B. nur von "abgewohnten Ikea-Möbeln" schreiben.

In früheren Jahren war er Dachdecker, jetzt, zum Ende hin, Hartz-IV Empfänger.

Hört sich irgendwie gestelzt an. Geht nicht einfach "Früher Dachdecker, heute Hartz-IV"?

Was sagt das über unseren Täter aus?«
»Dass der Kerl ein riesiges Arschloch ist?«

Stellen wie diese haben mir persönlich sehr gefallen. Überhaupt der Humor der beiden. Man muss sich das Leben auch in so einem Job ja nicht schwerer machen als nötig ;)

So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden.

ok, das mit der Verfolgung, wer als erstes getötet wurde etc., wurde ja schon erwähnt. Darüber hatte ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken gemacht. :lol: was ich viel merkwürdiger fand: man kann Zähne verlieren, wenn einem von hinten jemand auf den Kopf schlägt? :shock: Gruselig! Aber scheint ja zu funktionieren, wenn du das schonmal erlebt hast.

»Haben die einen Sohn?«
»Yes.«
»Dann war er es.«
Leifert lachte auf. »Ist es nicht geradezu lächerlich, wie einfach meine Arbeit ist?«

Hatte auch sofort einen Sohn im Verdacht :lol: Da steht der Karriere bei der Kripo wohl nichts mehr im Wege 8)

»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«

Den letzten Satz finde ich super! Kann ich mir genau vorstellen, wie er das sagt.

Insgesamt ziemlich gut geschrieben, wie ich finde. Liest sich so, als schreibst du nicht erst seit gestern.
Die Sprache in der Szene hat mir auch gut gefallen, immer mit einem leicht humorigen Unterton, sodass der recht unschönen Tatortuntersuchung etwas die Schärfe genommen wird.
Etwas unglaubwürdig kam mir das ganze vor, als ich in deinem Kommentar gelesen habe, dass Lasker erst zwei Stunden zuvor von seiner Krankheit erfahren hat. Dafür ist er mir eindeutig zu locker und zu normal (bis auf die eine Stelle merkt man da überhaupt nichts von). Da müsstest du im Vorfeld sehr gut erläutern, warum genau er das so verdrängt. Bzw. er verdrängen tut er es nicht einmal, er versucht sich nur abzulenken. Ein paar Tage oder zumindest eine Nacht später würde ich das akzeptieren, aber nur zwei Stunden nach seinem Todesurteil? :?

Ich hoffe, du konntest mit meiner Kritik etwas anfangen und wünsche ein schönes Wochenenende. :)

VG
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Re: Doppelmord

Beitragvon George2307 » 24.01.2015, 22:54

Hallo Feindesland,

insgesamt ist das ein prima Text: Recht flüssig zu lesen, nachvollziehbarer Handlungsstrang und interessante Charaktere. Meine Anregungen dazu im Folgenden:

    Sowohl Lasker als auch Leifert wirken stellenweise, vor allem aber während ihrer Dialoge ziemlich teilnahmslos. Der Fall scheint sie regelrecht zu langweilen. Ich habe das an einigen Stellen in blauer Schrift hervorgehoben. Ist das wirklich deine Absicht?
    Die Tatsache, dass der Sohn der Opfer bei seiner (angeblichen) Flucht von Zeugen gesehen wurde, nimmt der Szene ein gutes Stück Spannung, die du aus meiner Sicht besser aufrechterhalten könntest, indem du davon schreibst, dass lediglich "ein Mann um die dreißig" gesichtet wurde. Außerdem wird vor allem beim Lesen der Dialoge der Eindruck erweckt, dass eine Handvoll schlauer Kriposprüche ausreichen, um vom Opfer auf den Täter zu schließen. Sorry, aber für mich kommt das nicht ganz überzeugend rüber ...
    Du neigst dazu, deine Dialoge recht "pur" zu servieren :wink: . Ein wenig Drumherum würde sie weniger abehakt wirken lassen und es dem Leser erleichtern, das Gesprochene einer Figur zuzuordnen. Ich habe versucht, dies mal an ein paar Beispielen im Text zu verdeutlichen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Schreiben!

Schönen Gruß
George


Hinter der Adresse Im Mainfeld 64 verbarg sich ein zwanzigstöckiges Hochhaus, das mit braunen Waschbetonplatten verkleidet war. Unter normalen Umständen waren die Anschriften hier nicht leicht zu finden. Alles sah gleich aus. Aber heute war das kein Problem. Auf der Straße vor der Hausnummer 64 standen ein halbes Dutzend Streifen- und Zivilwagen. Kriminalhauptkomissar Jo Lasker stellte seinen dazu.
Das Hochhaus lag leicht nach hinten versetzt und war von der Straße über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Bereits von weitem war zu erkennen, das sich die halbe Bürgerschaft des Blocks vor dem Hauseingang versammelt hatte. Genauer gesagt war es deren Nachwuchs. Fast vierzig Kinder und Jugendliche standen auf einer angrenzenden Wiese herum. Sie bemerkten Lasker und fingen an zu johlen. »Bist du Kripo?« »Hallo. Herr Polizist. Was ist denn da passiert?« »Alter. Ich sehe sofort, dass du Krip bist.« Am Eingang standen zwei Streifenbeamte. Lasker kramte seinen Ausweis hervor und die Kollegen ließen ihn durch. Im Foyer sah es aus wie erwartet. Die Wände waren mit Tags vollgeschmiert. In den Halbkugeln der Deckenbeleuchtung hatten sich tote Insekten gesammelt. Jemand hatte sich in dem Lack der Fahrstuhltür verewigt. Warlord was here. Warlord stand vermutlich gerade mit den anderen Flachschippen auf der Wiese herum. Die Fahrstuhltür öffnete sich und Lasker ließ sich rumpelnd in den neunten Stock bringen. Dort angekommen wurde er von einem Kollegen von K 11 begrüßt. Er reichte Lasker die Hand. »Hallo Jo. Lange nicht gesehen. Peter ist in der Wohnung.«
»Okay.«
»Pass auf. Das ist ziemlich übel da drinnen.«
Die Wohnungstür stand offen und gab den Blick in den Flur frei (den Namen 'Brinkmann' würde ich jetzt noch nicht nennen, denn er folgt ja noch später). Überall am Boden standen kleine nummerierte Aufsteller herum. In einem der Zimmer blitzte es. Die Spurensicherung war im vollen Gange. »Peter?«, rief Lasker in die Wohnung hinein. Keine Antwort. »Kollege Leifert!«
»Ja!?« Das kam aus dem hintern Teil der Wohnung.
»Hol mich mal an der Tür ab. Ich will hier keine Unordnung machen.«
»Ist kein Problem, geh den Flur bis zum Ende durch. Im Flur ist alles cool. Nur ein paar Blutspritzer. Ungemütlich wird es erst hier hinten«, rief der Ermittlungsleiter.
Lasker bahnte sich seinen Weg. Versuchte zwischen die Schildchen und Blutflecken zu treten. Schließlich stand er im Türrahmen des Wohnzimmers. Leifert trug blaue Einweghandschuhe. In dem Bemühen nicht in die große Blutlache zu treten, stand er breitbeinig über einer männlichen Leiche gebeugt und fingerte in deren Gesäßtasche herum. Mit dem rechten Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn. »Hier drinnen ist es heißer als in der Hölle.« Er warf Lasker einen kurzen Blick zu. »Ich bin gleich bei dir.« Dann wendete er sich an seinen Kollegen, der in der Ecke stand und nicht wusste, wo er hintreten sollte. »Thomas, komm her. Wir drehen ihn jetzt auf den Rücken.«
Lasker sah sich um. Er hatte schon häufiger Tatorte von Tötungsdelikten gesehen, das hier war einer der schlimmeren. Abgesehen von der riesigen Blutlache auf dem Boden, waren nahezu alle Möbel und Wände rot gesprenkelt. An der Einrichtung war zu erkennen, dass hier ältere Menschen ohne finanzielle Möglichkeiten gelebt hatten. Ikea-Produktpalette aus den Neunzigern. Die beiden Mordermittler fassten den Toten an Hüfte und Schulter, versuchten ihn umzudrehen. Auf halbem Weg gab es ein platschendes Geräusch. Die Gedärme des Toten waren aus dem Unterbauch gerutscht. Die Männer ließen den Körper los. »Gottverdammt! Was soll denn das? Lass gut sein, ich habe jetzt keinen Bock mehr. Darum kümmern wir uns später.«
Lasker hatte genug gesehen und drehte sich weg.
»Jo. Sei froh das du nicht meinen Job hast.« Sagt wer?
»Das bin ich.« Sagt wer?
Leifert machte drei große Schritte und stellte sich zu Lasker. »Ich gebe dir jetzt mal nicht die Hand. Also. Folgende Sachlage. Unser erstes Opfer heißt Harald Brinkmann. 57 Jahre alt. In früheren Jahren war er Dachdecker, jetzt, zum Ende hin, Hartz-IV Empfänger. Der Täter hat ihn mit einem Fleischermesser getötet. Und wir alle durften gerade Zeugen sein, dass er sich dabei Mühe gegeben hat. Was sagt das über unseren Täter aus?«
»Dass der Kerl ein riesiges Arschloch ist?«
»Sehr gut. Noch etwas?«
»Er war außer sich vor Wut.«
»Genau.«
Leifert machte mit jedem diese Frage- und Antwortspielchen. Er hatte mal gesagt, dass ihm das beim Denken helfen würde. Eine andere Theorie war, dass er andere gerne nervte. Der K 11-Mann stakste mit geplanten Schritten durch den Flur in Richtung Wohnungstür. »Wer glaubst du, ist unser zweites Opfer?«, fragte er.
»Seine Ehefrau.«, kam es von Lasker zurück.
»Richtig. Die liegt übrigens hier im Bad.« Leifert drückte mit der Fußspitze eine angelehnte Tür auf. »Erna Brinkmann. 55 Jahre. Hausfrau.« Die Frau lag auf dem Rand der Badewanne. Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt. Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert. »Frau Brinkmann wurde durch die halbe Wohnung gejagt. Der Täter hat sie mit einer gusseisernen Pfanne totgeklopft. So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden. Vermutlich hat der Täter sie überrascht, als sie sich einen Joghurt gönnen wollte. Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Sie geben noch mal Vollgas. Das Opfer ist ins Bad geflüchtet. Sackgasse.«
Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. (Wiederholung!) Für einen Moment hatte er nicht daran gedacht. Jetzt wusste er es wieder. Der heitere Augenblick war vorbei. Leifert redete weiter, aber Lasker hörte ihm nicht mehr zu.
»Jo?«
»Ja.«
»Alles klar?«
»Natürlich.«
»Und was für ein Motiv hatte der Täter?«
»Ein Persönliches. Zu holen ist hier ja nichts.«
»Prima, Mister Watson. Und dann kannst du mir vielleicht auch sagen, wer es war.«
»Haben die einen Sohn?«
»Yes.«
»Dann war er es.«
Leifert lachte auf. »Ist es nicht geradezu lächerlich, wie einfach meine Arbeit ist?« Er wurde ernst. »Das Drama hier war nicht leise. Nebenan wohnt eine türkische Familie. Die haben sich Sorgen gemacht und geklingelt. Da guckst du. So etwas gibt es auch. Jedenfalls hat der Sohn der Familie Brinkmann die Tür aufgerissen und ist über das Treppenhaus geflohen. Kein Irrtum möglich. Die Wahrscheinlichkeit, das er der Täter ist liegen bei 99,9 Prozent. Unser Mann heißt Richard Brinkmann. 33 Jahre. Von Beruf Penner. Ist polizeilich hinreichend in Erscheinung getreten. Erkennungsdienstliche Bilder liegen vor. Und jetzt kommt der Traum eines jeden Fahnders. Der Mann ist praktisch mittellos und drogenabhängig. Hält sich vermutlich noch in der Stadt auf. Der Kerl ist kein Hardcore-Junkie der Tag und Nacht im Gebiet herumhängt. Aber die sollten ihn dort kennen. Habe ich etwas vergessen?«
»Atmen.«
»Na wenigstens hast du deinen Humor nicht verloren. Willst du dir das nicht aufschreiben?«
»Denkst du, ich verfasse deine Memoiren?«
»Ich meine ja nur.«
»Richard Brinkmann. Penner. Drogenabhängig. Festnehmen. Habe ich etwas vergessen?«
»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«[/quote]
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Re: Doppelmord

Beitragvon Feindesland » 25.01.2015, 11:37

Hallo George2307,

- Du fragst, ob es Absicht ist, dass meine Figuren gelangweilt sind.

Ja, das ist es. Wenn man in einem Beruf arbeitet, der mit menschlichem Leid zu tun hat, dann geschieht das fast automatisch. Sarkasmus und Zynismus schützen die eigene Seele. Betroffenheit behindert professionelle Arbeit. Wenn der Notarzt kommt, dann hilft es wenig, wenn er sich weinend neben das Opfer setzt. Er muss funktionieren. Aber natürlich hat jeder seinen schwachen Punkt. Bei mir sind es z. B. Kinder. Damit habe ich zum Glück aber nur wenig zu tun.
Das ist also durchaus authentisch. Eine berechtigte Frage muss aber lauten, ob der Leser das ohne große Erklärung nachvollziehen kann. Wenn nicht, dann ist zu viel Authentizität schädlich.

- Die Sache mit dem Täter

Das ist wieder ein Problem der einzelnen Szene, die aus dem Kontext gerissen ist. Das werde ich in dieser Form nicht noch einmal machen, weil es den Kritiker verwirrt.
Dazu nur Folgendes. Der Fall ist nur ein Nebenprodukt. Er dient im weiteren Verlauf dazu meinen Helden (Lasker) zu zeichnen. Der eigentliche Hauptplot fängt erst noch an.
Dass die Kollegen so schnell darauf kommen, hat zwei Gründe. Leifert weiß ja schon das es der Sohn war. Zumindest ist die Beweislage sehr eindeutig. Außerdem ist es in der Tat so, das über 90 % alle Tötungsdelikte Beziehungstaten sind. Das ist auch der Grund warum die Aufklärungsquote so hoch ist. Aber ich gebe zu, dass das alles doch etwas überzeichnet ist. Da werde ich nacharbeiten und das Ganze nachvollziehbarer machen.

Ich danke dir, das du dir die Zeit genommen hast meinen Text zu kritisieren. Ich schreibe ja nicht für mich, sondern für die Leser. Da ist sehr wichtig, zu erfahren, wie der Text auf andere wirkt.

Alles Gute
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Re: Doppelmord

Beitragvon Anderkawwa » 23.02.2015, 19:28

Ich finde den Text vor allem deshalb gut, weil er trocken humorvoll ist. Ob etwas ein guter Krimi ist, entscheidet sich für mich immer im Grunde nach dem Ende, abhängig davon ob die Story einen anfangs in gespannte Erwartungshaltung versetzt und alles zum Schluß mit ein paar unvorhergesehen, dennoch logischen Winkelzügen schlüssig aufgelöst wird. Ein unlogisches Ende versaut mir immer alles, egal ob Film oder Buch.

Das wissen wir hier nun noch nicht bei deiner Geschichte.
Gut zu lesen war es aber, und das lag daran, dass ich einige Male gelacht habe!

"Jemand hatte sich in dem Lack der Fahrstuhltür verewigt. Warlord was here. Warlord stand vermutlich gerade mit den anderen Flachschippen auf der Wiese herum"
Die Verbindung, die von dem cool und respektheischenden Alias "Warlord" zu einem kindlichen Bengel draussen in der aufgeregten Menge gezogen wird, ist witzig, und die Bezeichnung "Flachschippe" ist geil. Hatte ich so noch nicht in meinem Wortschatz.

"Er hatte mal gesagt, dass ihm das beim Denken helfen würde. Eine andere Theorie war, dass er andere gerne nervte"
Die andere Theorie... kommt trocken und prägnant und lustig, und konterkariert die Aussage, dass ess beim Denken helfe.

"Habe ich etwas vergessen?«
»Atmen.«"
Kam vielleicht schon mal irgendwo vor, macht Lasker aber sympathisch und ist ein plötzlicher Lacher. Ich liebe solche Figuren, die schlagfertig und einsilbig mit einem netten Seitehieb den "wunden Punkt" ihres Gegenübers treffen.

"»Na wenigstens hast du deinen Humor nicht verloren. Willst du dir das nicht aufschreiben?«
»Denkst du, ich verfasse deine Memoiren?«"
Lasker hat immer einen Spruch parat, und Deine Sprüche wirken nicht abgedroschen

Das Lesen ist unterhaltsam. Wenn jetzt der Inhalt bzw. der Plot noch stimmt, ist das eine attraktive Geschichte!
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Re: Doppelmord

Beitragvon Mondenkind » 14.07.2015, 22:35

Hallo!

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir dein Schreibstil außerordentlich gut gefällt. Man kann sich die Atmosphäre am Tatort durch die detailreichen Beschreibungen sehr gut vorstellen. Wie die Ermittler miteinander reden, finde ich auch gar nicht teilnahmslos, wie das glaube ich vor mir jemand geschrieben hat. (Ich hab die Kommentare der Anderen aber allenfalls überflogen.) Ich kann mir vorstellen, dass Ermittler extra Scherze machen, um das Leid nicht zu nah an sich heranzulassen.

An einigen Stellen fand ich es aber auch ein bisschen zu viel. Im Folgenden z.B.:
Feindesland hat geschrieben:Die Männer ließen den Körper los. »Gottverdammt! Was soll denn das? Lass gut sein, ich habe jetzt keinen Bock mehr. Darum kümmern wir uns später.«


Das würde ich streichen. Das Fluchen reicht hier, finde ich, aus. Außerdem würde ich schreiben: "Lasst gut sein.." Leifert spricht ja hier mit den Männern. Und ich würde generell bei der Rede kenntlich machen, dass Leifert spricht. Denn vorher folgt ja die Sequenz, in der Lasker den Blick von Leifert abgewandt hat und sich umsieht. Da kommt die wörtliche Rede ohne Kennzeichnung, wer eigentlich spricht, etwas unvermittelt.

Ok, ich geh mal weiter durch im Text. Ich hoffe, der Kommentar hier ist jetzt nicht zu chaotisch.

Feindesland hat geschrieben:»Ich gebe dir jetzt mal nicht die Hand.
Hier würde ich auch noch einmal schreiben : ...", sagte Leifert. "Also. ...

Feindesland hat geschrieben:Der K 11-Mann stakste mit geplanten Schritten

Lieber: Der K 11-Ermittler. Und was sind "geplante" Schritte?

Feindesland hat geschrieben:»Richtig. Die liegt übrigens hier im Bad.« Leifert drückte mit der Fußspitze eine angelehnte Tür auf. »Erna Brinkmann. 55 Jahre. Hausfrau.« Die Frau lag auf dem Rand der Badewanne. Oberkörper drinnen, Unterkörper draußen. Es sah aus, als hätte sie ein böser Geist zum trocknen aufgehängt. Blut hatte sich am Wannenboden gesammelt und war im Abfluss versickert. »Frau Brinkmann wurde durch die halbe Wohnung gejagt. Der Täter hat sie mit einer gusseisernen Pfanne totgeklopft. So muss man es wohl nennen. Angefangen hat es in der Küche. Dort haben wir Zähne von ihr im Kühlschrank gefunden. Vermutlich hat der Täter sie überrascht, als sie sich einen Joghurt gönnen wollte. Aber du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Sie geben noch mal Vollgas. Das Opfer ist ins Bad geflüchtet. Sackgasse.«


Für die rotmarkierte Rede würde ich auch nochmal kenntlich machen, wer redet. Eigentlich immer, wenn der Fokus von dem Dialog auf die Szenerie umschwengt. Natürlich ist irgendwie klar, dass Leifert reden muss, da er Lasker ja immer noch aufklärt. Aber dem Leser kann so vielleicht schneller auf die Sprünge geholfen werden.

Feindesland hat geschrieben:als sie sich einen Joghurt gönnen wollte.


Irgendwie hab ich mich an dem Wort arg gestoßen. Ich würde es dabei belassen, dass der Täter sie dabei überrascht hat, als sie gerade etwas aus dem Kühlschrank holen wollte.

Feindesland hat geschrieben:Jo?«
»Ja.«
»Alles klar?«
»Natürlich.«
»Und was für ein Motiv hatte der Täter?«
»Ein Persönliches. Zu holen ist hier ja nichts.«
»Prima, Mister Watson. Und dann kannst du mir vielleicht auch sagen, wer es war.«
»Haben die einen Sohn?«
»Yes.«
»Dann war er es.«


In diesem Teil würde ich auch noch mal ein "fragte er/sagte er" etc. einbauen.

Feindesland hat geschrieben:er Kerl ist kein Hardcore-Junkie der Tag und Nacht im Gebiet herumhängt. Aber die sollten ihn dort kennen. Habe ich etwas vergessen?«
»Atmen.«
»Na wenigstens hast du deinen Humor nicht verloren. Willst du dir das nicht aufschreiben?«


Den Abschlag hier fand ich besonders klasse.

Feindesland hat geschrieben:»Perfekt.« Leifert betrachtete die Tote in der Wanne. »Ist eine schöne Scheiße.« Er sah Lasker an. »Ich habe auch Kinder.«


Das Ende finde ich auch sehr gelungen. Allerdings würde ich nach "Ist eine schöne Scheiße." einen Absatz machen.

Ansonsten sind mir beim Lesen ein paar Grammatik-Fehler und Komma-Fehler aufgefallen, z.B. "dass.."

Feindesland hat geschrieben:Bereits von Weitem war zu erkennen, das sich die halbe Bürgerschaft des Blocks vor dem Hauseingang versammelt hatte.


oder:
Feindesland hat geschrieben: zum trocknen


Hier wird es "zum Trocknen" geschrieben.

Und ich habe eine Frage: Muss der Lasker nicht auch diese Schuhbezüge anziehen und einen Kittel, um keine eigenen Spuren zu hinterlassen?


Inhaltlich kann ich nur sagen, dass mich die Geschichte um den Doppelmord und die Hintergründe noch nicht vollständig in den Bann gezogen hat.
Und was das persönliche Schicksal des Ermittlers angeht:

Anderkawwa hat geschrieben:Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Für einen Moment hatte er nicht daran gedacht. Jetzt wusste er es wieder. Der heitere Augenblick war vorbei.


Du planst ja ein Großprojekt mit deinem Roman. Ich denke, dieses Thema wird ihn immer wieder beschäftigen. Sein drohender Tod ist ja ein durchgehendes Motiv. In dieser Szene reicht es dann vielleicht auch aus einfach zu schreiben: Du weißt, wie Menschen sind, wenn sie wissen, dass sie sterben müssen. Er erstarrte. Leifert redete, aber Lasker hörte nicht mehr zu."

Sonst wirkt es irgendwie ein bisschen platt, finde ich. Nichts für ungut, bitte! Bei einer Szene kann man aber auch noch nicht sagen, ob einem die Charaktere mit ihren Problemen ans Herz wachsen, vor allem, wenn das wie hier so eine buchstäbliche "Bestandsaufnahme" ist.

Beste Grüße!
Let the sun shine in your heart.
Mondenkind
 
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Registriert: 06.06.2010, 14:35


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