[Humor]Efie und Berta

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Efie und Berta

Beitragvon DrJones » 29.05.2014, 00:35

Hallo! Wollte hier eine meiner ersten Geschichten mal vorstellen:
Efie und Berta. Ich habe die Szene zu Teilen tatsächlich im Chinarestaurant
selbst erlebt; der Rest ist reine Dichtung. Welcher Rest das ist, das verrate ich nicht. :lol:
Die Geschichte ist unbearbeitet.


Efie und Berta

Efie und Berta sitzen im Chinarestaurant und warten auf ihr Essen; ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.
»Erwin wollte eine WG gründen«, erzählt Efie. »Doch dann sagte er, er kennt ja keinen!«
»Hab‘ mit Elke telefoniert.«, entgegnet Berta.
»Ach ja?«
»Der geht’s nich‘ jut. Sie lässt Dich schön jrüßen. Elke ist schon wieder besser druff, nimmt am Leben teil. Hat jetz am elften Oktober Jeburtstach. Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«

Die Bedienung bringt den Tee.

»Jaa, danke. Danke. Danke«
»Danke. Danke«
»Bitte sehr!«, sagt die Bedienung lächelnd und rückt zwei Teekannen und Teetassen auf dem Tisch zurecht.
»Danke, danke, danke!«

»Schöner Tee, ist dit schöön!«, sagt Berta.
»Jaaaa!«, antwortet Efie leise hauchend.
»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.
»Ja. Ja...Ja. Ja.«

Nach einigen Minuten wird Ihr Essen serviert: Ente kross auf Reis.

»Oooh! Danke, danke, danke.«
»Ja, Danke. Danke«
»Bitte schön. Dann einen guten Appetit «, sagt die Bedienung und geht.

Efie beugt sich über ihren Teller: »Ach, da ist schön viel Reis, was? Ist immer schön saftig! Hhmmm!«
»Jaaa!«, entgegnet Berta.
Efie beugt sich noch weiter vor; ihre Goldkette baumelt schon über dem dampfenden Reis: »Extrem hat es Elke nicht gehabt?«
»Doch, doch zwischendurch. Imma noch ... kommt druff an, wat se isst.«, antwortet Berta lakonisch.
»Aber du verträgst es doch? ... ich meine das Essen.«
»Jaa-«, antwortet Berta und kaut eifrig auf dem Geflügel in ihrer linken Backe herum. »Kommt hinterher gleich der Nachtisch?«, fragt sie schmatzend.
»Ja. Ja.«, antwortet Efie langsam kauend. »Hat sich eigentlich Michael schon gekümmert um die Stange und den Rahmen?«
»Möcht‘ mich nich unterhalten über sowat.«, gibt Berta barsch zurück.
»Na is‘ gut!«, sagt Efie. »Wenn er dich anruft, hat er sowieso keinen Anschluss mehr.«
Berta wird sehr ernst: »Vielleicht sollten wa nich mehr zum andren Chinesen jehn ... Die machen immer so viel mit Jemüse, dat janze Fleisch ist da immer so durchjeweicht!«,
»Nee, nicht mehr dahin!«, antwortet Efie. »Gut, dass wir die gefragt haben, ob sie uns einen guten Chinesen in der Nähe empfehlen können! Haben aber dann so komisch geguckt! Komisch...!«
»Ick wollt so’n Allzweckmesser. Da ist de Klinge so schmal und so. Dit wollt ick unbedingt.«, sagt Berta, schnäuzt sich die Nase und setzt sich noch gerader auf: »Die Elke hat’s ooch nich‘ einfach! Die Mutter ist krebskrank. Der Vater, der hat Alzheimer. Sein Pfleger wurde jetzt pensioniert.«
Berta schiebt sich noch einen Bissen rein: »Sie schafft et nich‘ allein. Der Mann hat die janze Nacht in der Wanne jelegen. Und sie hat sich nich‘ jetraut anzurufen. Hat sich immer so, niemanden zu belästijen. Hat immer schlechtet Jewissen.«
»Hätt‘ste denn helfen können?«, fragt Efie brav.
»Nee, ick doch nich‘! Um die Zeit lieg‘ ick ja im Bett!«, antwortet Berta.
»Wenn du ne große Familie hast, ist so’n Reiskocher schön!«, sagt Efie.
Berta schlürft an ihrem Tee: »Ja, ja ...«

Ein alter Mann betritt das Restaurant und gibt am Tresen seine Bestellung auf: »Die neunundfuffzig.«, sagt er heiser. »Wie immer ohne Jeschmacksverstärker! ... und nen Magentee.«
»Ohne Glutamat! Magentee« , antwortet die Bedienung und nickt. »Wie immer. Alles klar.«

Der Mann schlurft auf den Tisch von Efie und Berta zu, bleibt vor den beiden stehen: »Naa? Ihr junget Jemüse?«, sagt er und lacht röchelnd.
»Kenns‘de den?«, fragt Efie Berta und schielt unbehaglich zur Seite.
»Nee, nie jesehen!«

Er tattert noch einen Schritt auf sie zu: »Habt doch nichts dajegen, wenn ick mich zu Euch ran setze, oder?«
»Hau‘ ab, du! Verschwinde!«, faucht Berta ihn an. »Du störst!«
Der alte Mann zuckt mit den Schultern: »Atmet tief ein; die Luft is‘ selten!« und setzt sich an den Nebentisch.

Sein Tee kommt. Er beugt sich auf den Ellbogen vor und bläst auf den Tee. Seine Brille beschlägt.

»Ob der auch in der Wanne schläft?«, fragt Efie völlig ernst.
»Irgendwie is‘ der völlich benebelt ...«, sagt Berta.
»Jaaa ... ganz schön neblig heute ...«, antwortete Efie während sie durch das mit Bratfett beschlagene Fenster ein Stück des herbstgrauen Himmels erspäht.
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Re: Efie und Berta

Beitragvon Heribertpolta » 30.05.2014, 17:00

Hallo Dr.Jones,

das is' ja ne lustige Jeschite, die du hier rinjesetzt hast!
Ich mag die Art Geschichten und dein Dialog ist prachtvoll geworden. Ham ja einige Schreiber so ihre Problemchen damit, gute Dialoge zu zaubern.

Efie und Berta sitzen im Chinarestaurant und warten auf ihr Essen; ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.
»Erwin wollte eine WG gründen«, erzählt Efie. »Doch dann sagte er, er kennt ja keinen!«
»Hab‘ mit Elke telefoniert.«, entgegnet Berta.
»Ach ja?«
»Der geht’s nich‘ jut. Sie lässt Dich schön jrüßen. Elke ist schon wieder besser druff, nimmt am Leben teil. Hat jetz' am elften Oktober Jeburtstach. Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«


Ich bin nicht sicher, ob es eher "durchscheint" heißen müsste. Um so genauer ich drüber nachdenke, umso mehr verschwimmt richtig und falsch. Wahrscheinlich hast du recht.

Mit Dialekt geschrieben gefällt mir immer.

»Jaa, danke. Danke. Danke«
»Danke. Danke«
»Bitte sehr!«, sagt die Bedienung lächelnd und rückt zwei Teekannen und Teetassen auf dem Tisch zurecht.
»Danke, danke, danke!«


Hier hätte ich lediglich nur "die Tassen" geschrieben. Sonst hast du zu viel Tee im Satz.
Die Szene mit dem vielen Jaja jedoch gefällt mir gut.

»Schöner Tee, ist dit schöön!«, sagt Berta.
»Jaaaa!«, antwortet Efie leise hauchend.
»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.
»Ja. Ja...Ja. Ja.«


Hätte lieber schlürft ihr Getränk geschrieben. Ist schon wieder zu viel Tee da.

Nach einigen Minuten wird Ihr Essen serviert: Ente kross auf Reis.


Hätte lediglich geschrieben: "Das Essen wird serviert"

»Ick wollt so’n Allzweckmesser. Da ist de Klinge so schmal und so. Dit wollt ick unbedingt.«, sagt Berta, schnäuzt sich die Nase und setzt sich noch gerader auf: »Die Elke hat’s ooch nich‘ einfach! Die Mutter ist krebskrank. Der Vater, der hat Alzheimer. Sein Pfleger wurde jetzt pensioniert.«


Ein schöner Dialog. Bin mitten drin.

»Kenns‘de den?«, fragt Efie Berta und schielt unbehaglich zur Seite.
»Nee, nie jesehen!«


Hier habe ich schwer jelacht. Köstliche Szene!

Er tattert noch einen Schritt auf sie zu: »Habt doch nichts dajegen, wenn ick mich zu Euch ran setze, oder?«
»Hau‘ ab, du! Verschwinde!«, faucht Berta ihn an. »Du störst!«


Auch geil. Aber den Schlusssatz hätte ich weggelassen.

Man war in der Jeschichte drin und man konnte sich die beiden Damen lebhaft vorstellen. Zu viele Füllwörter gab es auch nicht und mit Information wurde man gut versorgt. Ich habe schwer gelacht und habe die Geschichte gern gelesen.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Efie und Berta

Beitragvon DrJones » 30.05.2014, 17:23

Hallo Heribert,

Vielen Dank für diese tolle Rückmeldung! Wat bin ick froh, dat de Jeschichte Dia
jefallen hat, wa!

Das mit dem Tee war mir bis jetzt nie aufgefallen. Mit Deinen Vorschlägen
kann ich das Ganze noch ein Stück nach vorn bringen.

Habe deren Dialog damals im Restaurant 1:1 versucht mitzuschreiben. Da war es aber
später recht laut. Am Ende habe ich nur noch das geschrieben, was ich zu verstehen glaubte.
Da kam dann auch dieser Kauderwelsch mit dem Messer und dem Rahmen. Ich musste
mir da schon das Lachen verkneifen. Die beiden waren so drollig. Den alten Mann hat es
in der Form nie gegeben. Okay, ihn gab es schon, der saß aber etwas woanders. Obwohl ...
komme jetzt ins Grübeln ... Gab es den, oder nur in meiner Fantasie? Habe ich vergessen.
Den Dialog mit dem Geschmacksverstärker, den hatte ich immer selbst mit der Bedienung.
Zuletzt geändert von DrJones am 30.05.2014, 22:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Efie und Berta

Beitragvon magico » 02.06.2014, 14:57

Hallo Dr. Jones,

mal wieder ich:

Efie und Berta sitzen im Chinarestaurant und warten auf ihr Essen; ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.


Chinarestaurant klingt irgendwie abwertend. Ich fände "chinesisches Restaurant" besser.
Statt "von schummrigem" hätte ich wohl "vom schummrigen" geschrieben, ist aber sicher dem individuellen Schreibstil geschuldet.

Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«


Hier stolpere ich über das "t". Hätte ich weggelassen: "...im Moment is' et nich' so jut..."

»Schöner Tee, ist dit schöön!«


Wieder das störende "t". Ich glaube, wenn jemand so einen Dialekt hat, spricht er/sie das Wörtchen "ist" auch nicht komplett aus.

»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.


Hier hat Berta plötzlich keinen Dialekt mehr? Müsste sie nicht "Det Leben is' so!" sagen?

»Bitte schön. Dann einen guten Appetit «, sagt die Bedienung und geht.


Spricht die Bedienung in einem chinesischen Restaurant so korrektes Deutsch? (habe ich noch nie erlebt)

»Hätt‘ste denn helfen können?«, fragt Efie brav.


Eine brave Frage kann ich mir schwer vorstellen? Meinst du, sie fragt nur, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt? Eventuell kann man es dann darauf bezogen formulieren?

Fazit:

Eine ganz nette Unterhaltung zweier, älterer Damen. Ich fühlte mich streckenweise ziemlich an diese Helge Schneider-Sketche erinnert, in denen er alle Stimmen selbst spricht. Da gibt's auch so einen, wo sich ein paar ältere Damen zu Kaffee und Kuchen treffen, nebeneinander herreden bzw. übereinander herziehen. Einige Stellen waren ganz amüsant. Besonders, wenn Efie mit ihren Haushaltsgeräten anfing.
Eine kurzweilige Lektüre.


Grüße, magico
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Re: Efie und Berta

Beitragvon DrJones » 02.06.2014, 16:34

Hey magico!



Chinarestaurant klingt irgendwie abwertend. Ich fände "chinesisches Restaurant" besser.
Statt "von schummrigem" hätte ich wohl "vom schummrigen" geschrieben, ist aber sicher dem individuellen Schreibstil geschuldet.


Die nennen sich selbst oft so. Ja, vielleicht eine Spur zu abwertend. Ich gebe dem Erzähler ja auch
eine eigene Stimme. Er beurteilt die beiden Frauen auch ironisch und teils abwertend.
Mit "vom" hätte ich zuviel vorausgesetzt. Es soll so sein, als beobachte der Erzähler just in
diesem Moment die alten Damen.

Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«



Hier stolpere ich über das "t". Hätte ich weggelassen: "...im Moment is' et nich' so jut..."

»Schöner Tee, ist dit schöön!«


Bin selbst Berlina! Ooch Ick sprech dit "t" oft noch mit, weste?



Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.



Hier hat Berta plötzlich keinen Dialekt mehr? Müsste sie nicht "Det Leben is' so!" sagen?


Yepp, Du hast Recht!

»Bitte schön. Dann einen guten Appetit «, sagt die Bedienung und geht.

Spricht die Bedienung in einem chinesischen Restaurant so korrektes Deutsch? (habe ich noch nie erlebt)


Die sprechen da deutlicher als die meisten Gäste. Sind einstudierte Sätze, die sie immer bringen.
Überakzentuiert deutlich sogar!

»Hätt‘ste denn helfen können?«, fragt Efie brav.

Eine brave Frage kann ich mir schwer vorstellen? Meinst du, sie fragt nur, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt? Eventuell kann man es dann darauf bezogen formulieren?


Ich war dabei. Die hat sowas von brav gefragt. Diese Formulierung passt am besten dazu,
wie sie das gefragt hat. So zurückhaltend. Vorsichtig. Wie ein altes Mädchen. Brav halt.

Fazit:

Eine ganz nette Unterhaltung zweier, älterer Damen. Ich fühlte mich streckenweise ziemlich an diese Helge Schneider-Sketche erinnert, in denen er alle Stimmen selbst spricht. Da gibt's auch so einen, wo sich ein paar ältere Damen zu Kaffee und Kuchen treffen, nebeneinander herreden bzw. übereinander herziehen. Einige Stellen waren ganz amüsant. Besonders, wenn Efie mit ihren Haushaltsgeräten anfing.
Eine kurzweilige Lektüre.


Ja, diese Hörspiele habe ich auch gerne gehört. Vor allem die beim Arzt ...

Grüße,

DrJones
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Re: Efie und Berta

Beitragvon dadazinga » 02.06.2014, 20:24

Jefällt ma ;)

»Jaa, danke. Danke. Danke«
»Danke. Danke«
»Bitte sehr!«, sagt die Bedienung lächelnd und rückt zwei Teekannen und Teetassen auf dem Tisch zurecht.
»Danke, danke, danke!«

»Schöner Tee, ist dit schöön!«, sagt Berta.
»Jaaaa!«, antwortet Efie leise hauchend.
»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.
»Ja. Ja...Ja. Ja.«


Der Stil erinnert mich hier besonders an Kurt Tucholsky und auch ein bisschen Loriot. Dass die Geschichte so viel Dialog und so wenig Beschreibung hat, macht das ganze noch unmittelbarer und echter. Sicherlich kennt jeder von uns solche Leute. Man belauscht ja schon mal ganz gerne das ein oder andere Zug (oder in deinem Fall Restaurantgespräch).

ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.


Durchschienen macht für mich den Eindruck, dass die Haare irgendwie transparent sind. Komisches Bild. Vielleicht von schummrigen Licht angestrahlt oder erleuchtet. Obwohl die Assoziazion von "schummrig" auch nichts mit leuten, strahlen oder scheinen zu tun hat. Vielleicht braucht man die Qualität der Haare auch gar nicht beschreiben.

jrüßen


Für mich als brandenburgerin, ergibt das Wort keinen Sinn. Wie sollte man das aussprechen? Andererseits hat das Tucholsky auch so geschrieben und mich damit genauso verwirrt. :)

Efie beugt sich noch weiter vor; ihre Goldkette baumelt schon über dem dampfenden Reis


Ich stell mir hier eine schwere Goldkette vor, wie sie genau solche alten Weiber tragen würden. Hilft bei der Charakterisierung der beiden Damen. Gefällt mir.

»Gut, dass wir die gefragt haben, ob sie uns einen guten Chinesen in der Nähe empfehlen können! Haben aber dann so komisch geguckt! Komisch...!«


Ich war kurz verwirrt, wen sie gefragt haben. Aber offensichtlich ist damit der andere Chinese gemein? Wenn ja, sehr lustig. "Haben aber so komisch geguckt." Perfekt Pointe.

»Ick wollt so’n Allzweckmesser. Da ist de Klinge so schmal und so.


Ich liebe das Alltägliche und die zusammenhanglos eingestreuten Dialoge. Das sagt so viel über die beiden aus und zeigt. Die Scheinheiligkeit der Damen, die sich das Maul zerreißen, Mitgefühl heucheln, dabei aber nur sensationsgeil sind. Das ist herrlich entlarvend und zeigt, dass gute Dialoge keiner Erklärung bedürfen.
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Re: Efie und Berta

Beitragvon DrJones » 03.06.2014, 08:10

Hallo dadazinga!

Jefällt ma ;)


ja ja, is juut! :lol:


ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.

Durchschienen macht für mich den Eindruck, dass die Haare irgendwie transparent sind. Komisches Bild. Vielleicht von schummrigen Licht angestrahlt oder erleuchtet. Obwohl die Assoziazion von "schummrig" auch nichts mit leuten, strahlen oder scheinen zu tun hat. Vielleicht braucht man die Qualität der Haare auch gar nicht beschreiben.


Ich habe beim Schreiben der Geschichte gerade an dieser Stelle lange überlegt, wie man das
am besten sagen kann. Es war so, dass deren Haare schon recht schütter waren. Ältere Frauen
topieren diese wenigen Haare gerne Mal bis zum maximal Machbaren. Deswegen werden die
Frisuren durchschienen. Es war dort schummrig. Auf ihren Haaren und durch ihre Haare
ging dieses seltsam schummrige Licht. Besser kann ich es nicht ausdrücken.

»Gut, dass wir die gefragt haben, ob sie uns einen guten Chinesen in der Nähe empfehlen können! Haben aber dann so komisch geguckt! Komisch...!«

Ich war kurz verwirrt, wen sie gefragt haben. Aber offensichtlich ist damit der andere Chinese gemein? Wenn ja, sehr lustig. "Haben aber so komisch geguckt." Perfekt Pointe.


Ja, genau so war es gemeint. Ist aber trotzdem etwas unlogisch, da man sich fragt, wieso ein Restaurant
eine Empfehlung für ein anderes ausspricht. Werde über diese Stelle nochmal nachdenken müssen.
Danke für den Hinweis ...

»Ick wollt so’n Allzweckmesser. Da ist de Klinge so schmal und so.

Ich liebe das Alltägliche und die zusammenhanglos eingestreuten Dialoge. Das sagt so viel über die beiden aus und zeigt. Die Scheinheiligkeit der Damen, die sich das Maul zerreißen, Mitgefühl heucheln, dabei aber nur sensationsgeil sind.


Die haben so einen Müll erzählt, dass mir ganz schwindelig wurde. Ich habe versucht, aus diesen
verbalen Müllberg das passende für die Geschichte herauszufischen.

Danke für Deine konstruktive Kritik! Bin auf Deine nächste Geschichte gespannt ...
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Re: Efie und Berta

Beitragvon humankapitel » 23.08.2014, 14:30

Hallo DrJones,

vielen Dank für den "Mitschnitt". Ich musste ein paarmal ordentlich grinsen. Solche Unterhaltungen sind gar nicht mal selten: Eine redet, die andere lässt sie freundlich ausreden. Sobald Zweitere an der Reihe ist, spricht sie aus, was ihr gerade durch den Kopf geht, ohne auf das vorher Gesagte einzugehen.

Am Anfang würde ich die Reihenfolge ändern, weil der erste Satz so unangemessen öde bei mir ankommt. Also erst der erste Dialogteil:

»Erwin wollte eine WG gründen«, erzählt Efie. »Doch dann sagte er, er kennt ja keinen!«
»Hab‘ mit Elke telefoniert.«, entgegnet Berta.
»Ach ja?«
»Der geht’s nich‘ jut. Sie lässt Dich schön jrüßen. Elke ist schon wieder besser druff, nimmt am Leben teil. Hat jetz am elften Oktober Jeburtstach. Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«

Und dann erst das Setting:
Efie und Berta sitzen im Chinarestaurant und warten auf ihr Essen; ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.

Von schummrigem Licht durchschienene Haare finde ich auch nicht glaubhaft. Mir ist es als Leserin (eines fiktiven Textes) ganz egal, ob es wirklich so gewesen ist. Es muss mich beim Lesen überzeugen. Manchmal sind Abwandlungen der Realität nicht nur dichterische Freiheit, sondern auch dichterische Pflicht, finde ich.

Die Bedienung bringt den Tee.

»Jaa, danke. Danke. Danke«
»Danke. Danke«
»Bitte sehr!«, sagt die Bedienung lächelnd und rückt zwei Teekannen und Teetassen auf dem Tisch zurecht.
»Danke, danke, danke!«

»Schöner Tee, ist dit schöön!«, sagt Berta.
»Jaaaa!«, antwortet Efie leise hauchend.
»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.
»Ja. Ja...Ja. Ja.«

Nach einigen Minuten wird Ihr Essen serviert: Ente kross auf Reis.

»Oooh! Danke, danke, danke.«
»Ja, Danke. Danke«
»Bitte schön. Dann einen guten Appetit «, sagt die Bedienung und geht.

Efie beugt sich über ihren Teller: »Ach, da ist schön viel Reis, was? Ist immer schön saftig! Hhmmm!«
»Jaaa!«, entgegnet Berta.

Hier gefällt es mir gerade gut, dass die chinesische Bedienung im Gegensatz zu Berta so präzises Deutsch spricht. Auch die Begeisterungsfähigkeit der Damen für Tee und Reis macht mir die Damen sehr sympathisch. Allerdings muss es meines Wissens "Mmmmmh" heißen, wenn es den Genuss und die Vorfreude aufs Essen ausdrücken soll. "Hhmmm" ist das kritische oder nachdenkliche M.

Ich werde nicht auf weitere Einzelheiten eingehen. Mir gefällt der Dialog. Ohne Beschreibung der Frauen, habe ich ruckzuck ein Bild von ihnen im Kopf. Vielleicht wäre es einen Versuch wert, die 'Gesprächs'themen der Damen auf je ein bis zwei zu beschränken. Wenn jede immer wieder konsequent bei ihren eigenen Gedanken anknüpft, ohne auf die andere einzugehen, wird die Absurdität vielleicht noch deutlicher. Bei Berta und ihrer Elke kommt das zum Teil schon heraus. Beenden würde ich es dann damit, dass die beiden einander bestätigen, wie großartig sie sich heute wieder unterhalten haben.

Zum Schluss noch einmal, was ich oben schon angedeutet habe: So dicht wie möglich an der wahrgenommenen Realität zu bleiben, halte ich für einen Fehler. Nur bei fiktiven Texten, natürlich. Alles, was meiner Erzählabsicht im Wege steht oder meine Probeleser nicht überzeugt, fliegt raus, wird geändert oder erläutert. "So war es aber" ist deshalb für mich in diesem Zusammenhang kein Argument.

Viel Spaß weiterhin beim Mithören und Abwandeln!
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Re: Efie und Berta

Beitragvon DrJones » 23.08.2014, 18:44


Hallo humankapital,

Danke für Deinen Kommentar!


humankapitel hat geschrieben:Hallo DrJones,

vielen Dank für den "Mitschnitt". Ich musste ein paarmal ordentlich grinsen. Solche Unterhaltungen sind gar nicht mal selten: Eine redet, die andere lässt sie freundlich ausreden. Sobald Zweitere an der Reihe ist, spricht sie aus, was ihr gerade durch den Kopf geht, ohne auf das vorher Gesagte einzugehen.

Wem sagst Du das! Die haben sich sogar noch dämlicher "unterhalten", als ich das hier widergeben
konnte.



Am Anfang würde ich die Reihenfolge ändern, weil der erste Satz so unangemessen öde bei mir ankommt.

Das dann eher nicht. Das soll in dem Text alles seine Ordnung haben. Die gepflegten Frisuren, ihre - zugegebener-
maßen chaotische - Unterhaltung, die Bedienung, bis dann der Urberliner Opi da einbricht und alles
durcheinanderbringt. Daher ist das so. :)


Also erst der erste Dialogteil:

»Erwin wollte eine WG gründen«, erzählt Efie. »Doch dann sagte er, er kennt ja keinen!«
»Hab‘ mit Elke telefoniert.«, entgegnet Berta.
»Ach ja?«
»Der geht’s nich‘ jut. Sie lässt Dich schön jrüßen. Elke ist schon wieder besser druff, nimmt am Leben teil. Hat jetz am elften Oktober Jeburtstach. Aber im Moment ist et nich‘ so jut, dat et jut wäre, dass ich hingehe ...«

Und dann erst das Setting:
Efie und Berta sitzen im Chinarestaurant und warten auf ihr Essen; ihre grauen und sehr gepflegten Frisuren werden von schummrigem Licht durchschienen.

Von schummrigem Licht durchschienene Haare finde ich auch nicht glaubhaft. Mir ist es als Leserin (eines fiktiven Textes) ganz egal, ob es wirklich so gewesen ist. Es muss mich beim Lesen überzeugen.

Das Adjekiv schummrig kontrastiert schön das Wort/Bild "durchschienen".
Ich wollte da genau so. Die Stimmung sollte etwas düster/todig rüberkommen.


Manchmal sind Abwandlungen der Realität nicht nur dichterische Freiheit, sondern auch dichterische Pflicht, finde ich.

Da gibt es für mich keine Pflichten, außer jener, dass ich niemanden langweilen möchte,
außer, das ist genau die beabsichtigte Wirkung. Also letztendlich wirklich keine Pflichten.


Die Bedienung bringt den Tee.

»Jaa, danke. Danke. Danke«
»Danke. Danke«
»Bitte sehr!«, sagt die Bedienung lächelnd und rückt zwei Teekannen und Teetassen auf dem Tisch zurecht.
»Danke, danke, danke!«

»Schöner Tee, ist dit schöön!«, sagt Berta.
»Jaaaa!«, antwortet Efie leise hauchend.
»Das Leben ist so!«, meint Berta und schlürft ihren Tee.
»Ja. Ja...Ja. Ja.«

Nach einigen Minuten wird Ihr Essen serviert: Ente kross auf Reis.

»Oooh! Danke, danke, danke.«
»Ja, Danke. Danke«
»Bitte schön. Dann einen guten Appetit «, sagt die Bedienung und geht.

Efie beugt sich über ihren Teller: »Ach, da ist schön viel Reis, was? Ist immer schön saftig! Hhmmm!«
»Jaaa!«, entgegnet Berta.

Hier gefällt es mir gerade gut, dass die chinesische Bedienung im Gegensatz zu Berta so präzises Deutsch spricht.

Ja, das ist aber dieses auswenig gelernte "Roboterdeutsch". Die haben da immer ihre vier, fünf Phrasen.

Auch die Begeisterungsfähigkeit der Damen für Tee und Reis macht mir die Damen sehr sympathisch.

Ja, ne? :wink:

Allerdings muss es meines Wissens "Mmmmmh" heißen, wenn es den Genuss und die Vorfreude aufs Essen ausdrücken soll. "Hhmmm" ist das kritische oder nachdenkliche M.

Ach ja! Danke!

Ich werde nicht auf weitere Einzelheiten eingehen.

Schade eigentlich. Hätte mich doch seeehr interessiert! :)

Mir gefällt der Dialog.

Das freut mich! Die Frage war: Bleibt der Dialog authentisch bzw. literarisch, wenn ich genau das schreibe,
was sie gesagt haben? Die Antwort lautet - zumindest hier - ja!


Ohne Beschreibung der Frauen, habe ich ruckzuck ein Bild von ihnen im Kopf.

Hmm. Ich habe sie doch beschrieben.

Vielleicht wäre es einen Versuch wert, die 'Gesprächs'themen der Damen auf je ein bis zwei zu beschränken. Wenn jede immer wieder konsequent bei ihren eigenen Gedanken anknüpft, ohne auf die andere einzugehen, wird die Absurdität vielleicht noch deutlicher. Bei Berta und ihrer Elke kommt das zum Teil schon heraus.

Na ja, das Springen der eigenen Gedanken ist auch wichtig. Die hatten weder ein Dialog- noch
eine Monologkultur. Fast das reine Chaos.


Beenden würde ich es dann damit, dass die beiden einander bestätigen, wie großartig sie sich heute wieder unterhalten haben.

Das wäre zu plakativ und würde so klingen, wie denen vom Autoren auf den Mund geschrieben.
Also nein.


Zum Schluss noch einmal, was ich oben schon angedeutet habe: So dicht wie möglich an der wahrgenommenen Realität zu bleiben, halte ich für einen Fehler.

Aha.

Nur bei fiktiven Texten, natürlich.

Ich bin kein Gerichtsschreiber. So weit so klar... :)

Alles, was meiner Erzählabsicht im Wege steht oder meine Probeleser nicht überzeugt, fliegt raus, wird geändert oder erläutert.

Das ist ja wohl klar. :roll:

"So war es aber" ist deshalb für mich in diesem Zusammenhang kein Argument.


:shock: Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht argumentieren.
Seltsam Dein Kommentar hier ist. :yoda:


Viel Spaß weiterhin beim Mithören und Abwandeln!


Ja, Danke!

Viele Grüße,

Der Doc.
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