Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Hier können Weltenbastler ihre eigene Welt erschaffen. Wenn du beim Welten bauen Unterstützung brauchst z.B. Namen für Charaktere, Orte, Wesen etc. suchst, ist hier der richtige Ort.

Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Jacky » 23.05.2008, 08:13

Hallo Schreibwerkstattler,

in der Hauptsache richtet sich die Frage an alle, die eine Fantasy Geschichte schreiben, und dazu eine eigene Welt entwickeln. Aber auch alle anderen sind herzlich zu dieser Diskussion eingeladen.

Du kannst gerne einfach, frei von der Leber weg, drauf los erzählen, wie du deine eigene Welt entwickelst. Oder, wenn dir das hilft, kannst du auf eine (oder alle) der folgenden Fragen eingehen:
  1. Was ist zuerst da? Die Welt, die Charaktere oder die Geschichte?
  2. Womit beginnst du die Welterschaffung, bzw. wie verläuft deine "Schöpfungsgeschichte"?
  3. Was sind deiner Meinung nach die gröbsten Fehler die man machen kann?
  4. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich zum ersten Mal an eine Weltenschaffung macht?
  5. Was ist das wichtigste bei einer eigenen Welt? Welche Dinge musst du als "Gott" auf jeden Fall wissen und was ist nicht so wichtig?
  6. Wie kommst du auf die Ideen für die neue Welt?
  7. Was ist für dich einfacher: Eine eigene Welt zu erschaffen, oder einfach über "die wirkliche Welt" zu recherchieren?
  8. Lohnt es sich? Wenn die Welt am Ende fertig ist und die Geschichte geschrieben: Lohnt es sich dass du dir die Arbeit gemacht hast?
  9. Wie lange brauchst du um eine komplette Welt zu erschaffen?
  10. Würdest du auch die Welt eines anderen benutzen, wenn er sie dir anbietet? Würdest du die Welt aus einer berühmten Geschichte verwenden (z.B. Herr der Ringe, Harry Potter, Fluch der Karibik, Der goldene Kompass ...), wenn du dürftest?
Diese Fragen sind nur Denkanstöße, keine Dogmen ;)

Die Frage ergab sich teilweise aus dem Thema "Die Macht deines Namens", wo Drachenreiter erzählte, dass er gerade eine eigene Welt für seine Geschichte entwickelt, und der Diskussion über "Fantasy", wo wir unter anderem darauf gekommen sind, dass Fantasy manchmal so schlecht ist, weil die Autoren (unter der fälschlichen Annahme, dass sie, bei einer erfundenen Welt, nicht recherchieren müssen) inkonsistente Weltmodelle entwickeln.

Ich bin sehr gespannt auf deine Antwort
Jacky ;)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Beitragvon BlackRider » 23.05.2008, 12:11

Projiziere SF tausend Jahre in die Zukunft, und Du kannst es Dank Clarkes Gesetz nicht mehr von Fantasy unterscheiden :)

Magie sollte in Fantasy wie Technik in SF gesehen werden. Loesungen sollten nicht durch einen idiotischen Zauberspruch kommen, an den sich der Zauberer gerade mal wieder erinnert, genauswenig wie der Ingenieur in der SF im Angesicht des Untergangs kurz einen Hypergeradenkruemmer erfindet, an den vor ihm noch nie jemand gedacht hat und der allen den Arsch rettet.
Man konfrontiere den Leser nicht mit Loesungen, die dermasen stupide sind, sondern mit Loesungen, die das Ergebnis irgendwelcher Strategien sind. Welten in denen das funktioniert, die funktionieren nicht.

Der groebste Fehler den man machen kann ist, sich fuer kreativ zu halten. Aus irgendeinen unerfindlichen Grund scheint das immer in die Stereotypen zu muenden :)
Einfach ne Welt bauen, die die Story braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn sie mal steht, kann man bei der Ueberarbeitung noch dieses und jenes Zierbaendchen mit einbauen.

Tipps fuer Weltenerschaffer? Sei nicht zu ehrgeizig. So nein bisschen wie der Klospruch: Tritt naeher. Er ist kuerzer als Du denkst :)


Eine eigene Welt zu schaffen ist definitiv einfacher. Zumindest in der Fantasy. Nur wer es zu Herr der Ringe Hoehen treibt, wird da ins straucheln kommen.

9. ist Schmuh :) Die Welt zu erschaffen dauert so lange, bis der Roman fertig ist. Wer sich alle Details zurechtlegt, der schreibt nicht. Eine grobe Vision tut es for a start.

6. Kommt die Geschichte, dann kommt sie mit den Bedingungen fuer die Welt. Der Rest ist Arbeit.

10. Nur fuer einen Gag.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Drachenreiter » 23.05.2008, 12:57

JackiePTB hat geschrieben:Hallo Schreibwerkstattler,

in der Hauptsache richtet sich die Frage an alle, die eine Fantasy Geschichte schreiben, und dazu eine eigene Welt entwickeln. Aber auch alle anderen sind herzlich zu dieser Diskussion eingeladen.

Du kannst gerne einfach, frei von der Leber weg, drauf los erzählen, wie du deine eigene Welt entwickelst. Oder, wenn dir das hilft, kannst du auf eine (oder alle) der folgenden Fragen eingehen:
  1. Was ist zuerst da? Die Welt, die Charaktere oder die Geschichte?
  2. Womit beginnst du die Welterschaffung, bzw. wie verläuft deine "Schöpfungsgeschichte"?
  3. Was sind deiner Meinung nach die gröbsten Fehler die man machen kann?
  4. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich zum ersten Mal an eine Weltenschaffung macht?
  5. Was ist das wichtigste bei einer eigenen Welt? Welche Dinge musst du als "Gott" auf jeden Fall wissen und was ist nicht so wichtig?
  6. Wie kommst du auf die Ideen für die neue Welt?
  7. Was ist für dich einfacher: Eine eigene Welt zu erschaffen, oder einfach über "die wirkliche Welt" zu recherchieren?
  8. Lohnt es sich? Wenn die Welt am Ende fertig ist und die Geschichte geschrieben: Lohnt es sich dass du dir die Arbeit gemacht hast?
  9. Wie lange brauchst du um eine komplette Welt zu erschaffen?
  10. Würdest du auch die Welt eines anderen benutzen, wenn er sie dir anbietet? Würdest du die Welt aus einer berühmten Geschichte verwenden (z.B. Herr der Ringe, Harry Potter, Fluch der Karibik, Der goldene Kompass ...), wenn du dürftest?
Diese Fragen sind nur Denkanstöße, keine Dogmen ;)

Die Frage ergab sich teilweise aus dem Thema "Die Macht deines Namens", wo Drachenreiter erzählte, dass er gerade eine eigene Welt für seine Geschichte entwickelt, und der Diskussion über "Fantasy", wo wir unter anderem darauf gekommen sind, dass Fantasy manchmal so schlecht ist, weil die Autoren (unter der fälschlichen Annahme, dass sie, bei einer erfundenen Welt, nicht recherchieren müssen) inkonsistente Weltmodelle entwickeln.

Ich bin sehr gespannt auf deine Antwort
Jacky ;)


Hallo.

Da ich nun netterweise schon in der Einleitung erwähnt wurde, will ich mal versuchen, den Hauptteil zu bereichern.
Also bei mir war zuerst der Name des Protagonisten da. Aus heiterem Himmel auf mich eingestürzt und er hat geschrien: "Schreib mich!"

Ne Quatsch, ich habe so meine immer länger werdenden Kurzgeschichten geschrieben und bin dort über einen Namen gestolpert, der mir gefallen hat.

Dann war klar: Da muss eine Fantasygeschichte her!
Naja und als Drachenfreak war klar, die müssen auch rein und außerdem wollte ich ne eigene humanoide Rasse entwickeln, denn Elben, Zwerge, Orks und Co. waren mir zu "normal".
Dann kam erschwerend hinzu, dass ich mich für geografische Karten interessiere. (auszuprobieren in der Schule. Der Spanischlehrer lässt seine Spanienkarte im Zimmer hängen, während ich von anderem Unterricht reinkomm und sofort kleb ich vor der Karte fest. :roll: )

So hab ich dann erstmal eine grobe Karte skizziert von der Welt.
Auf so ein Din A4 Blatt passte der Kontinet leider nicht ganz drauf, also erstmal nur die Osthälfte, reicht auch fürs erste. Also rechts das große Meer.

Ich hab dann überlegt, was so an geografischen Elementen rein sollte.
Großer Fluss, Wüste, Riesiges Gebirge, ein kleineres, Seen, Nadelwald, Urwald, Steppe, fruchtbare Böden, große und kleine Inseln..
Hab dann so drauf los gezeichnet und dann später auch ne "heilige" Urkarte gezeichnet, die heute immer noch nicht fertig ist.
Dabei hab ich versucht, das ganze erdkundlich korrekt zu machen. Der Nadelwald in den Norden, der Urwald in den Süden. Der große Fluss fließt vom großen Gebirge in das große Meer, nördlich davon Steppen , südlich eine Wüste, da ein kleines Gebirge den Wolken vom Meer den Weg versperrt.
Im Norden noch ein paar Seen, von denen ein Fluss nach Süden zum großen Fluss strömt, welcher wiederum in einem sumpfigen Delta im Meer mündet.

So weit die Karte. Nun musste die kulturelle Ebene drauf. Sprich Staaten, Völker, Rassen, Städte, Gemeinschaften.
Also hab ich kurzerhand das Land nördlich des großen Flusses für Menschen und das südliche für die andere Rasse reserviert.
Im Osten das Meer, im Süden auch, im Norden Wälder und Eis, im Westen Gebirge und dahinter eine zentrale Wüste (so wie Ghobi).
Naja, dann gings weiter. Staaten, Orden, Menschen entwickelt.
Die neue Rasse ist besonders schwierig, da mir der ehemals schöne Name nicht mehr gefällt.
Dann hab ich mir noch Gedanken über Drachen gemacht. Der Körperbau, verschiedene Drachenunterarten, Farbgebung, Größe und Reitbarkeit sowie Feuerspucken.
Naja, das Feuer hab ich verbannt, weil mir das zu sonderlich vorkommt....
Die Größe ist recht beeindruckend und durch die Farben und ihr Gemüt sind sie recht schöne, stolze Wesen.
Dazu kommen noch Langlebigkeit, Geistkommunikation mit ihrem Reiter aufgrund des besonderen Verhältnisses zwischen beiden.
Naja, dann kamen da noch drei Drachenreiterorden hinzu, eine Drachenfobie bei der anderen Rasse, Götter samt Religion und Schöpfungsgeschichte, einen Krieg der Götter, der göttliche Ursprung der Drachen und die damit verwobene Identität meines Protagonisten.
Dann werden noch Zeitalter eingeführt, um die enorme Dauer und Größe zu verdeutlichen.....
Die Grundrisse der Story kamen mir etwa eine Woche nach "Projektbeginn" sehr spontan innerhalb von fünf Minuten.
Naja, für den ersten Teil der Geschichte ist die Story relativ klar, muss noch die Kapitel und deren Handlung konzipieren, aber sonst recht gut.
Danach wirds verwaschener...

Achja, was ich noch wichtig erachte: Religion. Die Menschen der Fantasy entspringen doch recht häufig der Vorstellung eines Mittelalters.. Da ist Religion wichtig. Auch das man verschiedene Systeme in Erwägung zieht.
Meine Menschen sind polytheistisch mit typischer Aufgabenteilung auf sieben Götter (achtung! magische Zahl) so haben sie oben genannten großen Fluss einfach nach ihrem Gott für Wasser, Meere und Seefahrt benannt.

Naja, und jetzt bin ich in einem Stadium, in dem noch recht viel auffällt, was man noch alles einbauen kann. Zum Beispiel widerstrebt mir, dort Schafe und Kühe leben zu lassen. Deshalb wird ein großes, Steppentaugliches Rinder-ersatz-Vieh erfunden.
Über die Kriegsführung der beiden Rassen (vorallem gegeneinander) macht man sich auch einige Gedanken. Und was für besondere Pflanzen gibt es neben den normalen?
Wie baut diese Rasse ihre Städte, wie huldigt sie ihrem Gott? (Monotheismus)
Sind Götter eine menschliche Fantasie oder sind sie reale, uralte Wesen, an die keiner rankommt?
Halten die Menschen ihre eigene Schöpfungsgeschichte für wahr oder für eine theologische Legende?

Man sieht, ich hab bergeweise zu tun...

Aber wenn mein Protagonist fertig entwickelt ist, was ich hoffentlich bis Sonntag vorläufig schaffe, dann schreib ich ersteinmal den Prolog in groben Zügen. Hab dann ja alles: Den Ort, die Handlung, die Leute, den Feind.

Naja, ansonsten biet ich mal an, dass mich jeder, der ebenfalls mit Fantasywelten arbeitet, anschreibt.


Achja, was mir noch einfällt als Tipp:
Man sollte nicht alles so ungewöhnlich erfinden. Wenn einige Schemen aus anderen Büchern stammen oder einige Muster, ist das ok.
Natürlic sollte man keien großen Brocken nehmen, aber da einen Fitzel und dort einen und dann mixen, das geht schon.
Wie Hohlbein sagte, er hat immer dann versagt, wenn er besonders kreativ sein wollte. :wink:

Wenn man meine Welt kennen würde und kramt, findet man genug Ideen, die irgendwie so ähnlich in Büchern vorkommen, die zufällig bei mir im Schrank stehen. :D Was aber nicht heißt, das ich klau, nur wenn man die alle liest, bleibt unbewusst was hängen und man kramt es aus und denkt, es wäre ne eigene, neue Idee... :roll:

Also in dem Sinne

Mit freundlichen Grüßen,

Drachenreiter
"Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden." - Mark Twain
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Beitragvon Holly » 23.05.2008, 15:08

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. :wink:

Es ist ein recht aufwändiger und langwiriger Prozess eine eigenen Welt zu schaffen, aber gerade in der Fantasy ist das unumgänglich.
Ich versuch mal, mich kurz zu fassen.

Ich mache das meist so:
>grobe Idee existiert (meist erträumt oder Intressehalber entstanden)
>Nachforschung (über bestimmte Kultur, Zeit etc.)
>Klärung des Settings (evtl. Karte anlegen, Flora & Fauna aufbauen)
>Charakterentwicklung, Gesellschaftsstrucktur
>Zusammenhänge klar machen
>Geschichte entwickeln und ab die Post :wink:

Ohne eine lange - oft etwas leidige - Recherche gehts nun einmal nicht.
Dann wirkt die Geschichte schnell abstrus und küstlich kontruiert.
Auf irgendwas muss man ja schließlich aufbauen. Ich nehme da meist alte Kulturen zum Vorbild. Ich lese über ihre Geschichte, ihren Untergang aber vorallem über ihre Lebensweise.
Das Mittelalter gefällt mir da weniger. Zu Fantasy-typisch für meinen Geschmack. Ich mag es da etwas spezieller (z.B. Inka, Maya und Azteken als Völker oder Russland zur Zeit der Zaren, fremde Kulturen und Zeiten eben.)
Da diese mich sowieso sehr interessieren, ist auch das Infos sammeln nicht allzu langweilig. :wink:

Mit der Grundlage biege ich mir andere Dinge zurrecht, ändere Sachen, mische sie mit anderen Kulturen, entwerfe Neues und werfe das Ganze dann in einen Topf um eine möglichst homogene Masse zu erhalten.
Mit etwas Magie, skurilen und liebenswürdigen Charakteren und einer möglichst interessanten Geschichte.

Im Moment plane ich eine Geschichte über ein Inuit-Mädchen. Ich werde ihren Stamm nicht "Inuit" nennen, werde sie aber als lebendiges Vorbild nehmen, damit es glaubwürdig wirkt.
Ich habe noch kein Wort zu ihrer Geschichte geschrieben, doch mit dem Wissen was ich mir in den letzten Wochen angeeignet habe (und es werden sicher noch viele Woche wenn nicht Monate folgen), wird das Bild der Geschichte immer klarer in meinem Kopf.

Natürlich wäre es leichter, über die Welt von HP oder HdR zu schreiben. Die kennt man, weiß wie sie funktionieren, aber mir fehlt da irgendwie der Nervenkitzel. Ich will nicht eine sondern meine Geschichte. Meine eigene, die ich erschaffen habe.

Klar schreibe ich auch manchmal einfach drauflos, lasse spontane Änderungen in meine Welt hineinfließen, aber ohne Vorarbeit wird das Ganze zu einem unübersichtlichen Klumpen, in dem sich weder der Leser noch ich selbst mich zurrecht finde.

Es muss gewisse Regeln geben, Grenzen (die man später überschreiben kann :wink: ), Dinge, woran man sich halten kann. Sonst endet alles im Chaos.

Ich habe auch schon den Fehler gemacht, einfach drauflos zu schreiben, doch im Nachhinein eine Ordnung hinzubiegen, ist gelinde gesagt sau anstregend. :roll:

Na ja, zumindest hab ich dabei was gelernt.

LG Holly
Die traurige Nachricht zuerst: Ich bin tot.
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Beitragvon Bubblefish » 23.05.2008, 15:51

Hm, ich gehe hier scheinbar inzwischen vollkommen anders vor. Man erkennt aber mit einem geuebten Auge Mathematik dahinter ;)


Ich bin inzwischen da angekommen, dass ich mir fuer meine Welt (in der im Zweifelsfalle mehrere Geschichten spielen werden, da da einfach zuviel Arbeit drinsteckt) einfache Axiome definiere und dann gucke, was aus diesen Basisaxiomen schlussfolgern kann.

Beispielsweise sind ein Paar derartige Axiome:
"Das Chaos zu benutzen bedeutet, dass man seine aktuelle Handlung durch Nutzung der eigenen Lebenskraft auf eine handlungsspezifische Art positiv beeinflussen kann".
"Die eigene Lebenskraft wird nicht regeneriert, jedoch kann sie durch rassenspezifische Aktionen aus der Lebenskraft anderer lebender Wesen aufgefuellt werden"
"Magie bedeutet, aus Energiequellen Energie zu beziehen und diese Energie zu formen, um einen Zauber zu wirken."

Der erste Effekt war, dass man anhand dieser drei Axiome erst einmal eine Stunde lang diskutiert hat, ob es unbesiegbare Chaosmagier gibt oder nicht (man koennte sich ja einfach ein Schutzschild aufbauen und dann durch einen Haufen Feinde durchrennen und dabei ihre Lebensenergie aufnimmt, um das Schutzschild aufrechtzuerhalten. Das funktioniert aber nicht, da man mit dem Chaos durch die Lebensmagie das Schutzschild nur verstaerken kann, wenn aber die Energiequellen leer sind, ist es egal, dass man genug Lebensenergie hat, man kriegt keinen Zauber).

Nimmt man nun beispielsweise die Invariante (erklaer ich gleich mehr zu) der Monsterjaeger hinzu - "Monsterjaeger vernichten das, was Leben nimmt, obwohl sie auch ohne diesen Mord weitergelebt haetten" - bedeutet dass sofort, dass Monsterjaeger Feinde von allen sind, die freiwillig dem Chaos zugetreten sind, da diese Leute freiwillig in Kauf nehmen, dass sie andere toeten werden. Auf der anderen Seite, wenn eine wie meine Zelain aus purer Verzweiflung das Chaos ergriffen hat, um zu Ueberleben, dann ist das idR in Ordnung, zumindest solange sie versuchen, das Chaos nicht zu nutzen und keine Lebenskraft zu rauben.

Damit kommt man dann auch dahin, dass man Voelker so recht gut beschreiben kann. Es ist beispielsweise immer eine gute Idee, erstmal die grobe Umgebiug eines Volkes zu definieren ("Trolle leben in den Bergen"), sowie eine Invariante dieses Volkes zu definieren. Eine Invariante eines Volkes ist im Endeffekt etwas, was fuer alle Wesen dieses Volkes und damit auch fuer Ansammlungen von Wesen dieser Rasse gilt. Bei meinen Trollen ist das beispielsweise ein Schlussfolgerung aus der Umgebung, in der das Volk lebt ("Trolle leben in Bergen, somit ist fuer alle Trolle Nahrung knapp und wertvoll"). Davon ausgehend kann man dann bereits Weltanschauungen und evtl sogar bereits Sozialstrukturen ableiten.
Desweiteren kann man die oben angesprochenen abstrakten Modelle wie die Magie dann fuer das neue Volk ziemlich gut ausfuellen. Im Falle der Trolle sagt man einfach, dass Trollmagier Energie aus den Bergen freisetzen, indem sie mit geweihten Steinen gegen diese Berge schlagen. Die Formung der Magie geschieht bei Trollmagiern mithilfe der Trollgesaenge. (Beispielsweise bedeutet dass sofort auch wieder, dass ein Trollmagier mitten im Wald ein Problem hat, weil da kein Berg ist.)

So,, kommen wir zu den Fragen

Was ist zuerst da? Die Welt, die Charaktere oder die Geschichte?


Teils/Teils. Die ersten Skizzen fuer sowohl die Charaktere als auch die Geschichte und die Welt kamen ziemlich simultan auf und wurden dann ohne Koordination zwischeneinander weiterentwickelt.
Aktuell wurde ich jedoch von der Diskussion im Fantasy-topic genug motiviert, um den ganzen unlogischen Rassen-krams aus dem Tolkien-universum ueber Bord zu werfen und selber vernuenftig ueber Dinge nachzudenken (Hochgewachsene Leute im Wald mit kA-wie-dichtem Unterholz :roll: ).

Was sind deiner Meinung nach die gröbsten Fehler die man machen kann?

Ich denke, es wird problematisch, sobald man alles auf der Welt explizit und haar klein aufschreiben will, da dass einfach zuviel wird. Deswegen habe ich inzwischen auch den oben angesprochenen axiomenbasierten Ansatz gewaehlt, da man dann, wenn man ein Detail braucht, aus der Axiomenmenge heraus Schlussfolgerungen ueber dieses Detail treffen muss. Falls man aus dem Axiomen nichts ueber das Detail herleiten kann, muss man anbauen ;)

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich zum ersten Mal an eine Weltenschaffung macht?

Er sollte sich klarmachen, dass er entweder Jahre brauchen wird, wenn er etwas wirklich gutes haben will (insbesondere, wenn man das Ding in mehreren Geschichten verwenden will), oder aber dass er es bleiben lassen soll.

Was ist das wichtigste bei einer eigenen Welt? Welche Dinge musst du als "Gott" auf jeden Fall wissen und was ist nicht so wichtig?

Duh. Ich muss alles wissen. Oder zumindest muss ich ungefaehr wissen, aus wem ich das gesuchte Wissen herleiten kann.

Wie kommst du auf die Ideen für die neue Welt?

Edda. Mythologie. Logisches Nachdenken. Evolutionstheorie. Mathematik. Physik. Biologie. allgemein Wissenschaft. andere Leute. andere Geschichten. mein Unterbewusstsein, welches zwischendurch einfach etwas sagt.


# Was ist für dich einfacher: Eine eigene Welt zu erschaffen, oder einfach über "die wirkliche Welt" zu recherchieren?

Das kommt ganz darauf an, in welchem Bereich der realen Welt du recherchierst. Hast du schonmal versucht, etwas reelles ueber mittelalterliche Fechtkunst zu finden? oder vernunenftige Dinge ueber den Nahkampf. Da wird es extrem schwer, etwas zu finden.
Beispielsweise Dinge ueber die heutige Zeit zu recherchieren ist dagegen massiv einfacher.

Insgesamt denke ich aber, ist es schwer, das zu vergleichen. Das eine ist Recherche-arbeit, die potentiell schwer ist, weil das Material verschwunden ist, das andere - das Welten erschaffen - ist dagegen ein grosser kreativer Aufwand, bei dem man auf Konsistenz und aehnliches denken muss.

Lohnt es sich? Wenn die Welt am Ende fertig ist und die Geschichte geschrieben: Lohnt es sich dass du dir die Arbeit gemacht hast?

Das hier, was ich hier mache, wird sich lohnen, da es ein Ding ergibt, mti dem man verdammt viel weiter anstellen kann. Bereits jetzt wird mir mehr oder weniger schwindelig, wieviel ich in der reflexiv-transitiven Huelle der Axiome ueber die Welt (die aktuell aus Trollen, skizzierten Jaegern und dem Chaos besteht) weiss.

Wie lange brauchst du um eine komplette Welt zu erschaffen?

Die Zeit ist divergent. Es ist unmoeglich fuer mich, das anzugeben.


Würdest du auch die Welt eines anderen benutzen, wenn er sie dir anbietet? Würdest du die Welt aus einer berühmten Geschichte verwenden (z.B. Herr der Ringe, Harry Potter, Fluch der Karibik, Der goldene Kompass ...), wenn du dürftest?


Wenn sie ausreichen dokumentiert ist, ja. Deswegen finde ich gut gemachte Fanfictions gut. :)
Das Problem ist nur, dass das Wenn da ein grosses Problem ist - mitunter ist die entsprechende Welt nicht wirklich toll dokumentiert, sodass man dann im schlimmsten Falle ein Buch 3x lesen darf und dann in einem Prosawerk nachschlagen darf, was denn nu die Elfen wie wo anziehen.

So. Hier ist eine grosse Muer aus Text, somit ist hier Berlin.
MfG,
Bubble
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon naemi » 12.05.2009, 20:15

1. Die Atmosphäre.
2. Ich erstelle eine Mind Map mit dem Hauptknoten "die Welt", mache Äste zu Knoten mit Titeln wie "Geographisches", "Völker" u.A. und schreibe einfach alles hinein, was mir über die Welt einfällt bzw was mir schon vorher klar war. Das ist so inspirierend, dass mir dabei noch unzählige andere Ideen kommen. Und dann ordne ich es in verschiedene Mind Maps.
3. Sich wenig Mühe geben und es schnell-schnell machen.
4. Kann ich nicht sagen, da ich selbst zum ersten Mal eine Welterschaffung mache.
5. Hm. Ich muss eine ganz genaue Landkarte haben (ob sie schön aussieht, ist für die Weltenerschaffung egal). Und ich muss über die Völker, ihre Kultur, Geschichte, andere charakteristische Dinge, Handelsbeziehungen, Religion, den Stand der Technik und die Mode Bescheid wissen. Außerdem muss ich andere Lebensformen (z.B. Fabelwesen, Dämonen), die es in unserer Welt nicht gibt, entwickeln. Und ich brauchen einen Kalender (am besten einen eigenen für jedes Volk). Wichtig sind für mich auch Klima und Landschaft.
6. Naja, also dieses (erste, aber hoffentlich nicht letzte) Mal war einfach eine bestimmte Stimmung da, ein paar Bilder, eine Prota... und ich wusste, ich brauche diese Welt. Außerdem konnte ich dann mit ein paar anderen flüchtigen Ideen, die ich mir irgendwann mal notiert hatte, was anfangen.
7. Eine eigene Welt zu erschaffen. Ich hasse recherchieren.
8. Hab ich noch nicht rausgefunden.
9. Hab ich auch noch nicht rausgefunden.
10. Ich denke nicht. Elemente daraus vielleicht, aber eine komplette Welt? Nein.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon P3lztier » 12.05.2009, 21:10

1. Eine bestimmte Szene, in die ich dann die Charaktere hinein gebäre
2. Hab mir darüber noch keine Gedanken gemacht
3. Eindeutig eine symmetrische Landschaftsform, zu eng aneinander liegende Landschaften
4. Erst die Grundzüge der Geschichte überlegen, dann die Welt erfinden
5. Beachtung des Stadt-Land Verhältnisses betreffend die Erfahrungen
6. Gute Frage. Wie komm ich auf die Ideen? Eigentlich in dem ich mir die Landschaften vorstelle und versuche sie an einer passenden Stelle in die Karte einzusetzen.
7. Kann ich nicht trennen. Ich schreibe grundsätzlich nur Fantasy, recherchiere aber auch immer echte Begebenheiten. Eine eigene Welt zu erfinden ist aber nicht so einfach wie es scheint, wenn sie gut werden soll-
8. Lohnt es sich eine Geschichte zu schreiben? Es gehört einfach dazu und daher lohnt es sich
9. Ich erschaff sie immer Stück für Stück
10. Fluch der Karibik ist echte Welt^^, genau wie Harry Potter
Ich würde es vielleicht machen, aber nicht zwanghaft so begierig
Flieg, flieg, flieg wie der Wind empor...
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon HappyMephisto » 12.05.2009, 22:32

Nachdem mein ellenlanger Post gelöscht wurde, weil ich abgemeldet war...jetzt die Kurzfassung -.-"
1. Was ist zuerst da? Die Welt, die Charaktere oder die Geschichte?
Zu einem guten Teil die Charaktere, zu einem etwas kleineren Teil die These hinter dem, was ich machen will und zum restlichen Fitzelchen eine mögliche Entwicklung...die nur sehr grob feststeht, ich sehe mich selbst als Puppenspieler, der seine kleinen Hampelmännchen tanzen lässt, wie es ihm passt. :D
2. Womit beginnst du?
Öh...mit der Situation, die mir vorschwebt. Mich küsst die Muse, dann ist es da. (okay, manchmal macht sie auch abartigere Sachen mit mir :twisted: )
3. Die gröbsten Fehler?
-denken, dass man ein Genie wäre und special, nur weil man eine Fantasywelt bastelt...Oder überhaupt eine Welt...allein das deutsche Forum hat 9 Seiten mit je 30 registrierten Bastlern...nicht mitgerechnet sind Leute wie zB Markus Heitz.
-versuchen das Rad neu zu erfinden. Für die Leute die Shakespeare mögen: Romeo und Julia ist zu ca. 90% von einer römischen Aitiologie abgekupfert. Für alle anderen: das "Rad neu erfinden" führt meiner ERfahrung nach zu noch hanebücheneren und klischeehafteren Konstrukten, als die ursprüngliche.
4. Ein Tipp:
Tolkien ist ein schlechtes Weltenbastleridol.
5.Was ich wissen muss?
Alles. Tod's Lieblingskakaosorte bis hin zu der Anzahl an Stichen, mit der die Puppe von Winter genäht wurde. Alles.
6.Musik, Filme, Gedankenspiele, manchmal küsst einen auch einfach die Muse. Oder sie erscheint in Farbe, boxt einen und ein Synapsenkoller spuckt ne neue Idee aus.
7. Beides gleich schwer. Bei der eigenen Welt kennt man die Prinzipien nur leichter, weil man sie selbst gemacht hat. An die Grundprinzipien halten muss man sich aber immer.
8. Es lohnt sich. Ich bin nichtmal fertig und es macht schon jetzt unheimlichen Spaß :mrgreen:
9. Mein Leben lang. Eine Welt ist niemals fertig.
10. Auf gar keinen Fall. Welten sind Kunstwerke. Ich würde mir genauso wenig anmaßen "Faust - der Tragödie dritter Teil" zu schreiben, oder Bilder im Stil von William Blake zu malen...:p

Plödes Forum...schluckt einfach meinen schönen Post :(
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Foxy » 14.05.2009, 13:09

Huhu

Also sieht man mal davon ab, dass bei mir alles unterbewusst mit der richtigen Gesamtstimmung beginnt, glaube ich fest daran, dass eine Welt eine Geschichte braucht. Das ist nicht nur beim Schreiben meine Überzeugung, sondern allgemein im Leben. Das hat nicht nur mit "Ursache und Wirkung" zu tun, sondern die Geschichte formt auch unseren Charakter. Das merkt man besonders in Ländern, in denen massive Konflikte herrschen. Die Feindschaften bleiben oft über Generationen hinweg bestehen, obwohl die eigentlichen Auslöser längst nichtmehr existieren. Und trotzdem nehmen die Menschen das nach wie vor sehr persönlich, obwohl sie vermutlich nichteinmal alt genug sind, um den Ursprung miterlebt zu haben.

Natürlich formen vergangene Ereignisse auch die Oberfläche; sowohl beim Menschen, als auch in der Umgebung. Wieso haben Asiaten so schmale Augen? Warum befindet sich der Fluss X genau an der Stelle Y? Und warum ist eine Kultur nur so weit entwickelt, wie sie es ist?
Wer sich mit Geschichte beschäftigt, wird feststellen, dass für all diese Fragen (und unzählige mehr) plausible Antworten gibt. Natürlich hat man beim Schreiben von fiktionalen Werken immer die Möglichkeit, ein beliebiges Maß an künstlerischer Freiheit mit einfließen zu lassen. Doch selbst das schönste und außergewöhnlichste Bauwerk braucht ein festes Fundament, auf dem es stehen kann.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Elia » 14.05.2009, 14:41

Hallo!

Beim Weltenerschaffen bastele ich die Welt um die Geschichte herum. In der Geschichte soll es Krieg geben? Ok, dann muss ein Land her, das dem Hauptschauplatz ebenbürtig ist. Außerdem muss ein Kriegsgrund her. Dann muss ich noch wissen, wie sich das Heer aufbaut, wer das bezahlt, ist es ein stehendes Heer (teuer) oder ein Söldnerheer (wo kommen die her?) Wer bildet die Soldaten aus etc. Das mache ich für beide Länder. Mein Kriegsgrund ist jetzt vielleicht ein Metallreicher Grenzstreifen, um den sich die Länder streiten. Ergo müssen sie nebeneinander liegen.
So geht das die ganze Zeit weiter: Die Geschichte erfordert etwas und ich regle die Außenpolitik des Ausgangslandes, suche Verbündete und Feinde. Ich suche also nach Ursachen, Wirkungen und Vorgehensweise, wie die Länder ihre Ziele erreichen wollen. Die Kulturen entstehen so nebenher, wie ich es halt gebrauchen kann.
Ich geh mal einfach die Fragenliste entlang:
1. Was ist zuerst da? Die Welt, die Charaktere oder die Geschichte?
Ganz klar die Charaktere und die Geschichte. Die Welt ist das Mittel zum Zweck.
2. Womit beginnst du die Welterschaffung, bzw. wie verläuft deine "Schöpfungsgeschichte"?
Die erste Frage ist: Was erfordert meine Geschichte? Einen Krieg? Eine lange Wanderung? Ein abgeschottetes Dorf umgeben von Feinden? Je nachdem würde die Welt anders ausfallen.
Die zweite Frage ist: Warum?
Warum sind diese Völker da, wo kommen sie her? Warum leben sie nicht woanders? (Die Frage nach den Ursachen)
Dritte Frage: Wer kann mit wem und warum?
(Hier kommt also die komplette Außenpolitik rein, dabei wird auch hier nach den Ursachen von Symphatien und Antiphatien gefragt.)
Vierte Frage: Wie?
Wie sehen die Völker aus? Wie funktionieren sie, wie sind sie aufgebaut? (also Staatsform, Gesellschaftsform, Kultur)
3. Was sind deiner Meinung nach die gröbsten Fehler die man machen kann?
Man sollte sich im klaren darüber sein, dass alles eine Ursache hat. Jeder Mensch hat Motivationen, jeder Mensch hat ein Ziel. Auch in Geschichten. Darüber und über jede einzelne Motivation sollte man sich im klaren sein, alles muss eine Begründung haben und nichts darf einfach so passieren. Immer die Frage: Ok, er will die Welt retten. Schön. Und warum? Was verspricht er sich davon? Meiner Meinung nach rennt nicht einfach jemand los und hält seinen Kopf hin, weil er so ein reines Herz hat. Jede Handlung muss eine persönliche Motivation haben. Niemand würde für das Gemeinwohl sterben aber jeder für sein wichtigstes Ziel im Leben.
4. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich zum ersten Mal an eine Weltenschaffung macht?
Erst die Geschichte im groben kennen, dann erst die Welt drumherum stricken. Sonst verrennt man sich in Details, die später nicht einmal mehr erwähnt werden. Man kann noch so viel über seine Welt wissen: wenn man es nicht gebrauchen kann, hat man nur einen vollen Kopf und ein leeres Blatt, aber nichts gewonnen.
5. Was ist das wichtigste bei einer eigenen Welt? Welche Dinge musst du als "Gott" auf jeden Fall wissen und was ist nicht so wichtig?
Man muss alles wissen, was unmittelbar mit der Geschichte zu tun hat. Und wenn es wichtig für die Geschichte ist, dass in China ein Sack Reis umfällt, dann muss man das wissen. Bzw. erschaffen.
6. Wie kommst du auf die Ideen für die neue Welt?
Wieder dieselbe Antwort: Die Geschcihte gibt mir die Welt vor. Ein Beispiel: Meine Protagonistin Andrea soll mit ihrem Volk lala in den Bergen leben und darf nicht gefunden werden. Wo würde so ein Volk also wohnen? In Höhlen. Diese Höhlen sollten möglichst schwer erreichbar sein, also an einem Hang. Aber trotzdem müssen die lala untereinander problemlos erreichbar sein. Also verbinde ich die Höhlen mit Stegen. Dazu kommt, dass die lala schnell vor ihren Feinden fliehen können müssen. Also erschaffe ich eine Art Seilbahn zwischen den Bergspitzen. Et Voila, die ersten Ableitungen kommen hereingepurzelt: In den Bergen hat man kein Feuerholz aber dafür Schnee. Was werden sie essen? Vögel. Was würde sie total verunsichern? Eine weite Ebene. Was machen sie, wenn ein Gewitter kommt? sich verkriechen, weil man in den Bergen nie weiß. Und jetzt muss man schauen, inwieweit unsere Andrea von diesen kulturell bedingten Ängsten auch beeinflusst ist. Wenn es in die Geschichte passt, gut. Wenn nicht, muss die Welt nochmal geändert werden. Oder die Geschichte. (ich persönlich würde aber eher die Welt so modifizieren, dass Andrea bleibt, wie sie ist)
7. Was ist für dich einfacher: Eine eigene Welt zu erschaffen, oder einfach über "die wirkliche Welt" zu recherchieren?
Kommt darauf an, was man wissen will. Habe schon ewig und drei Tage in der Unibibliothek zugebracht und nichts gefunden, habe aber auch schon in fünf Minuten gewusst, was ich wissen wollte. Aber in dem Punkt muss ich Holly zustimmen: Auch Fantasywelten sind Menschenwelten und von Menschen geschaffen. Also muss man, um sie glaubwürdiger zu machen, Anlehnungen in der Realität finden.
8. Lohnt es sich? Wenn die Welt am Ende fertig ist und die Geschichte geschrieben: Lohnt es sich dass du dir die Arbeit gemacht hast?
Klar, wenn die Welt der Geschichte zugute kommt und Zusammenhänge erfolgreich klären kann? Auch die Fantasymenschen sind Kinder ihrer Welt und von deren Maßstäben beeinflusst. Daher ist es nicht einfach nur lohnend sondern absolut notwendig.
9. Wie lange brauchst du um eine komplette Welt zu erschaffen?
Bis das Buch fertig ist.
10.Würdest du auch die Welt eines anderen benutzen, wenn er sie dir anbietet? Würdest du die Welt aus einer berühmten Geschichte verwenden (z.B. Herr der Ringe, Harry Potter, Fluch der Karibik, Der goldene Kompass ...), wenn du dürftest?
Puuuhhh. Wie Langweilig. Fanfiction denke ich mir aus, schaue es in meinem Kopfkino an und habe dabei das größte Vergnügen. Aber aufschreiben? Niemals. Ich würde auch keine Geschichte schreiben, in der Orks/Hobbits/Elben vorkommen. Das ist sowas von stereotyp.
Ein Buch ist wie ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon naemi » 14.05.2009, 14:56

HappyMephisto hat geschrieben:4. Ein Tipp:
Tolkien ist ein schlechtes Weltenbastleridol.


Warum?
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Zitkalasa » 14.05.2009, 15:08

naemi hat geschrieben:
HappyMephisto hat geschrieben:4. Ein Tipp:
Tolkien ist ein schlechtes Weltenbastleridol.


Warum?


Weil er wahrscheinlich zu komplex ist als dass wir Grünschnäbel es mit ihm aufnehmen könnten. Tolkien saß ewig an seinem Mittelerde. So ein Projekt sollten heut zu Tage nur Leute angehen, die viel Zeit, Nerven und Erfahrung in solchen Dingen haben.

Oder irre ich, Mephisto? O.o
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Foxy » 14.05.2009, 15:49

Ich würde sagen, Tolkien hat es schlichtweg übertrieben.
Es ist schön, eine Welt im Detail zu erschaffen, aber ab einem gewissen Punkt braucht man nicht nur Geduld, um sie zu kreieren, sondern auch, um sie zu erleben. Zumindest geht es mir so.
Natürlich gibt es Leute, die sich gerade in solche Details verlieben, doch ich denke, der durchschnittlicher Leser möchte auch ein wenig Übersicht.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon cassie » 14.05.2009, 19:00

Also da ich vorhin meinen Beitrag weggedrückt habe (aus Versehen :oops: ) und dann mein Internet rumgesponnen hat und ich frustriert aufgegeben habe, versuch ich es noch einmal.

Ich hatte einmal eine Idee, das ist schon ein paar Jahre her, habe viel um sie herum geträumt und vor zwei Jahren glaub ich angefangen zu schreiben. Naja da waren auch schon Teile für eine Welt da, seeehr und ausgeprägt.
Ich habe immer noch keine Ahnung, wie sie aussehen soll (von der Geografie her). Aber ich weiß, dass Menschen und ein menschenähnliches Volk dort leben soll. Und vier Überlebende von einem gaaaaaanz altem menschenähnlichem Volk. Ich habe mir mal aufgeschrieben, was für ein Volk so alles wichtig sein kann, wie man es am besten komplett beschreibt. Also eine Charakterentwicklung für ein ganzes Volk. Das habe ich aber noch nirgendswo angewendet und es existiert nur eine Mindmap mit allen Stickpunkten.
Ich habe mich zwischen meinem ersten (fehlgeschlagenem) und zweiten Beitrag hier daran versucht eine Karte zu zeichnen. Habe das aber frustriert auf später verschoben, weil das Papier zu klein ist, und so weiter.
Soweit sie existiert ist die ganze Welt auf die Geschichte abgestimmt, aber ich habe auch schon ein paar Einfälle gehabt, die die Geschichte beeinflussen. Also werde ich mit der Welt auch erst fertig, wenn die Geschichte fertig ist.
Die Welt von jemand anderem würde ich nicht benutzen, da kenne ich mich viel zu schlecht aus, außerdem wären sie den Bedürfnissen meiner Geschichte nicht angepasst und es ist halt nicht meine Welt, also kann meine Geschichte da nicht spielen.
@ naemi: ich hasse recherschieren auch, ich finde so gut wie nie etwas, was mir wirklich hilft und das ganze hält mich nur vom Schreiben ab.
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Re: Eigene Welten erschaffen - Wie machst du das?

Beitragvon Zytra » 14.05.2009, 20:16

Foxy hat geschrieben:Ich würde sagen, Tolkien hat es schlichtweg übertrieben.
Es ist schön, eine Welt im Detail zu erschaffen, aber ab einem gewissen Punkt braucht man nicht nur Geduld, um sie zu kreieren, sondern auch, um sie zu erleben. Zumindest geht es mir so.
Natürlich gibt es Leute, die sich gerade in solche Details verlieben, doch ich denke, der durchschnittlicher Leser möchte auch ein wenig Übersicht.


Tolkien war Philologe. In erster Linie hat er Sprachen entwickelt und dann für diese Kunstsprachen eine Welt erschaffen. Ich habe immer den Eindruck, viele denken, dass er die Sprachen für seine Geschichten gemacht hat, aber das stimmt nicht. Und das erklärt auch die Liebe im Detail an Stellen, die an einigen Ecken und Kanten unwichtig sind - Sprachabwandlungen, Sprachentwicklungen (und selbst die hat er dargestellt und beschrieben) gehören zusammen mit historischer Entwicklung. Also musste eine Story her, für die das passt.

Ob ihm das jetzt gelungen ist, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass er seine Sprachen niemals so weit ausgefeilt hat, dass man sie wirklich flüssig reden könnte.

Deshalb muss ich aber auch immer so herzlich lachen, wenn ich höre oder lese, dass jemand sagt, er arbeite daran für seine Fantasy-Welt eine eigene Sprache zu entwickeln. Klar ist das möglich, aber puh........ Das ist glaub ich der Gipfel des kreativen Wahnsinns. ;)

Zu den Fragen:

1. Es ist die Geschichte, um die sich die Welt spinnt. (bei mir).

2. Die Welterschaffung beginnt mit dem eigenen Charakter der Story. Von ihr aus entwickelt sich alles, denn man muss ihr ja eine Biographie geben, einen Hintergrund. Die Frage der Schöpfungsgeschichte halte ich für die schwerste von allen. Ich denke, dass der größte Fehler beim Erschaffen einer Schöpfungsgeschichte der ist, den Glauben der Kreaturen der Welt mit der Realität gleichzusetzen. Damit glauben die Wesen nicht mehr, sie WISSEN. Ich denke, dass viele Autoren beides miteinander vermischen und am Ende kommt ein unglaubwürdiger Wust heraus, der die gesamte Welt in Frage stellt.
Und was sich die wenigsten wirklich beantworten können ist das WARUM? Warum sollte ein Gott eine Welt erschaffen und Menschen kreieren? Entweder man geht bei real existierenden Religionen klauen oder man denkt sich selbst etwas aus, aber meist bleibt es bei den Anworten: aus Spaß, Neugier (also Experiment) oder zufälliger Entstehung der Welt. Alles irgendwie unbefriedigend (für mich jedenfalls).
Deshalb lasse ich die Finger von Schöpfungsgeschichten.

3. Unsere Welt ist unser Vorbild. Der gröbste Fehler ist, so zwanghaft alles anders machen zu wollen als es bei uns ist, dass man jegliche Logik verliert. Dies beinhaltet sowohl Kreaturen (da gibts so eine wunderbare Abhandlung von Pratchett, warum es eigentlich keine Drachen geben kann) als auch Handlungen bzw. Verhaltensweisen.

5.Ich finde als "Gott" muss man nicht mehr wissen als als Autor eines Non-Fantasy-Romans auch.

6. Alle Ideen stammen aus der Realität.Ich lese mir immer in Wikipedia die Artikel zu "schon gewusst?" durch. Manchmal Biographien von Verstorbenen. Man glaubt gar nicht, wie viel Spannung in so einem Leben existiert hat und was man alles daraus machen kann, auch ohne etwas zu kopieren. Das Leben schreibt die Verrücktesten Sachen. Man muss sie nur nehmen und für sich verarbeiten.

7. Eine eigene Welt zu erschaffen ist einfacher. Aber das liegt NUR daran, dass es mir mehr Spaß macht und ich recherchiere ja trotzdem. Ich fühle mich nicht in der Lage ein komplett eigenes Gesellschaftssystem bzw. Regierungssystem zu erschaffen. Ich glaube, das können die wenigsten,w eshalb am Ende alles in schlichter Monarchie endet, da diese am einfachsten umzusetzen ist. Aber wenn man das nicht möchte, MUSS man sich unsere Welt ansehen und eventuell übernehmen (an diesen komplexen Stellen).

8. ja ^^ - weil es mir Freude macht.

9. sie wird niemals fertig. Sie wächst mit jedem Satz an der eigentlichen Story.

10. ja. In diesem Fall Herr der Ringe - weil es die komplexeste und logischste Welt ist, die mir bisher begegnet ist. Logisch sind auch andere Welten, aber das sind sie meistens nur deshalb, weil wenig erklärt und gezeigt wird und je weniger ein Autor von seiner Welt berichtet desto weniger Widersprüche kann es geben.
Warnung vor der Fliege! Sie ist grausam und killt euren Monitor, wenn ihr sie erschlagen wollt!
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