[Nachdenk]Ein Jahr

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]Ein Jahr

Beitragvon Janabanana » 16.03.2015, 02:33

Hey :) ist noch nicht wirklich bearbeitet, nur korrekturgelesen. Kritik bitte! :)
Jana

Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr. Und ich habe damit abgeschlossen.
Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen. Da, mein Magen krampf sich schon wieder zusammen. Ich wimmere, ganz leise, niemand hört mich. Mein Körper bebt, ich keuche. Morgen weniger Kaffee. Und nie wieder dran denken, Verdrängung ist besser als darüber zu reden, auch wenn ich dauernd Rückfälle bekomme, ich schaffe das.
Ich weine nicht? Kontrolle... ich weine nicht. Nur das schwere Atmen und Zittern. Alles gut. Aua...Ich schlucke heftig, mein Bauch sticht erneut fürchterlich. Es ist ein Jahr her, ein Jahr. Auf den Tag genau. Sie hat vor einem Jahr die Mail geschrieben, sie saß eine Woche vorher mit dir auf dem Boden und hat geredet, wir haben geredet. Sie war da... vor einem Jahr.
Das reimt sich.
Ich muss auf die Toilette, aber ich kann mich nicht bewegen. Vor einem Jahr war es ganz schlimm. damals habe ich die Welt in Grautönen wahrgenommen. 50 shades of gray. Ich muss kurz lachen, leicht hysterisch. Ja, das passt. Alles grau, schwer, öde, traurig. Aber jetzt ist alles bunt. Oder? Ich bin jetzt wieder glücklich. Oder??? Damals, vor einem Jahr, hat sie mich gerettet. Ich war so schwach, so verletzlich, so bedürftig. Und sie hat sich neben mich gesetzt, um Mitternacht, ihren Arm um meine Schulter gelegt und gehalten. Und dann haben wir geredet, zwei Stunden lang. Über alles. Aua...
Das war geplant. Mein totaler Zusammenbruch nicht, aber dass SIE mich finden sollte, das war geplant. Ich habe gewusst, wo sie war, mich praktisch heulend genau da auf den Boden gesetzt, wo sie zwingend vorbeigehen musste, es ging gar nicht anders. Sie ist auch vorbeigekommen und sie hat mich gefunden. Ich war so alleine. Und sie war auch allein. Und dann waren wir zusammen allein, einfach nur da. Es war arschkalt.
Das Zittern ist zu heftig. ich gehe nachher eine rauchen, ich pack das nicht. Vielleicht sollte ich doch schlafen? Geht nicht. Zu viel Kaffee. Zu viel Zittern. Ich muss schlafen, dringend, ich muss um fünf aufstehen! Ich hab damit jetzt abgeschlossen. Ich wimmere. Es ist okay, dass sie den Kontakt abgebrochen hat, jeder ist mal überfordert. Sie muss für sich sorgen und wenn sie sagt, sie kann nicht für mich da sein, es ist ihr zu viel, dann verstehe ich das. Ich muss es verstehen. Ich kann es nicht. Ich zittere.
Die Straßenlaterne nervt, es ist einfach zu hell. Mein Magen krampft sich zusammen, nun stärker als die Male davor. Ich fahre hoch und übergebe mich über dem Bettrand.
Zuletzt geändert von Janabanana am 18.03.2015, 22:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Sasskia » 16.03.2015, 18:03

Huhu Janabanana!

Du willst Kritik?
Du bekommst Kritik! :XD:

Ich hab mir deinen Text mehrmals durchgelesen.
Allerdings konnte ich nicht herausfinden, nach welchen Kriterien du deine Absätze gewählt hast.
Mir ist auch unklar, weshalb du Bauchschmerzen hast.
Den Schilderungen nach hätte ich eine Panik-Attacke vermutet, doch da passen die Bauchschmerzen nicht dazu. :thinking:

Na schön, nun zu deinem Text:

Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr. Und ich habe damit abgeschlossen.


Ich mag kurze, prägnante Sätze.
Aber ich hätte mit:
Ich kann nicht schlafen. keine Punkte Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Das zweite "ist" halte ich hier für überflüssig. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen. Da, mein Magen krampf sich schon wieder zusammen. Ich wimmere, ganz leise, niemand hört mich. Mein Körper bebt, ich keuche. wieder keine Punkte. Morgen weniger Kaffee und nie wieder dran denken. Verdrängung ist besser als darüber zu reden, auch wenn ich dauernd Rückfälle bekomme: Ich schaffe das.
begonnen.

Und jetzt: Es ist mittlerweile ein Jahr her.

Ich finde, dann passt auch die "Fortsetzung" mit der Tränenkontrolle besser.
Allerdings ohne die Punkte, die du so sehr liebst. Dann kann ich das "Au" als Schmerzlaut erkennen. :XD:

Ich muss auf die Toilette. Kann mich nicht bewegen.


Diesen Satz würde ich mit "aber" verbinden.

Damals habe ich die Welt in grau-Tönen wahrgenommen.


Grautöne, möchte ich vorschlagen.

Der Duden wäre auch für "arschkalt".

Fazit:

Lebendig geschriebener Text, der mir gut gefallen hat. Bis auf deine geliebten Punkte :wink: .
Warum du am Ende plötzlich hochschreckst kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht fällt dir dazu noch etwas ein.

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Janabanana » 18.03.2015, 22:09

Hallo liebe Saskia aus Wien.
Hier ist Jana aus Kärnten ;)

Danke für deine ausführliche Kritik! Hab fast alles umgesetzt, ein paar von den Punkten hab ich allerdings stehen lassen, weil sie mir ja echt gefallen.. :P

Zum Thema Bauchschmerzen: mein LI hat keine Bauchschmerzen. Sondern die Schmerzen sind psychosch zu verstehen, das Mädel ist so angespannt, dass sich ihr Magen zusammenkrampft und sie sich schwindlig und schlecht fühlt... darum die Bauchschmerzen.

Den Anfang hab ich jetzt geändert, würde es aber vielleicht wieder umänden, weil es mir persönlich besser gefällt, wenn der Leser zu Beginn keine Ahnung hat, was los ist. Und "ich kann nicht schlafen" verrät so viel...

Ich danke dir sehr für deine Antwort! Ich werde ein paar Sachen so lassen, vieles hab ich übenommen :)

I wünsch da wos ;)
Jana
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Heribertpolta » 22.03.2015, 17:53

Hallo Jana,

Ich habe gewusst, wo sie war, mich praktisch heulend genau da auf den Boden gesetzt, wo sie zwingend vorbeigehen musste, es ging gar nicht anders.


Ich glaube, das ist der längste Satz in deinem Text. Es sei denn, ich habe einen anderen übersehen.

Ich muss sagen, dass mir dein Text nicht besonders gefällt, da ich ein Kritiker zu kurzer Sätze bin. Ich finde, dass, wenn man solche Texte laut ließt, ein schrecklich abgehacktes Gestolper dabei herauskommt.

Ich schätze, dass diese Art des Schreibens gerade ziemlich angesagt ist; warum, weiß ich allerdings selbst nicht. Ich persönlich habe mich in die Literatur verliebt, weil es Satzkünstler wie Bernhard gibt, die uns mit einer ganzen Menge von Satzzeichen erfreuen. Ich finde bei dir vorwiegend Punkte, manchmal Kommas. Erst kürzlich hat man in einer Radiosendung befürchtet, dass unsere Sprache auf ein KInderdeutsch à la "Die Sendung mit der Maus" verkommen wird und ich schätze, dass das die tatsächliche Wahrheit ist.

Was mir an deinem Text auch fehlt - ich vermute, das wird auch an der Kurz-Satz-Schreiberei liegen - sind die Bilder. Nichts wird greifbar; das Bauchweh nicht, die Stimmung nicht, die Protagonistin nicht - nichts. Das einzige, was man wahrnimmt, ist eine scheinbar Unglückliche, die in schlechtem Deutsch ihren Kummer rauskotzt.

Zur Zeit lese ich gerade gesammelte Werke von Thomas Mann. Solche Schreiber gibt es heute nicht mehr. Seine Sätze leben durch gute Zeichensetzung und seine Geschichten leben durch jene Sätze. Unvergleichlich! Der Mann zaubert mir ein Kopfkino hinter die Augen, dass man es gar nicht wahrhaben will.

Du hast schon bessere Geschichten geliefert, Janabanana, und ich bin sicher, dass das hier nicht alles gewesen sein kann.
Ich hoffe, dass du dich nicht allzusehr von meiner Kritik hast ärgern lassen und ich hoffe auch, dass du nicht so sprichst, wie du schreibst, sonst könnte es sein, dass du keine Zuhörer findest.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Janabanana » 22.03.2015, 22:59

Lieber Heribertpolta,

Danke für deine Ehrlichkeit! Es ist nicht jedermanns Geschmack und eigentlich bin ich selbst nicht so der große Freund von dieser Schreibweise, aber es passte für mich zu dem Gefühl der Protagonistin sehr gut.
Diese Protagonistin war nämlich ich und der Text beruht auf einer realen Situation, die genau in diesem Moment so stattfand. Klar, ich könnte anders ;)
Dass diese Unglückliche da ihren Kummer auskotzt, da hastdu natürlich Recht! Und da es sich bei diesem Text um eine reine Gedankenkette handelt, ist es auch sehr kurz und knapp gehalten. Beim Denken entstehen selten sehr lange Sätze und perfekt formulierte Strukturen, zumindest bei mir... aber ja, ch verstehe sehr, was du meinst, finde es für mein gedachtes Setting aber passend.
Deswegen werde ich das hier nicht ändern, es aber in zukünftigen Werken beherzigen und umsetzen -mir ist es ja wichtig, dass die Leser nicht sterben.

Danke!

Jana
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Einhorngirl » 07.05.2015, 21:42

Hallo, Ich bin neu. Aber ich muss sagen, dass mich dieser Text, sehr getroffen hat. Er stammt wahrscheinlich aus einem Verzweifelten Herzen. Er berührt einen, besonders wenn man selbst nur alzu gut weiß, wie dass ist. Darf ich die Vermutung anstellen, dass ....sagen wir der Ich. ( Es kann ja auch sein, dass Ich nicht die Autorin selber ist.) von einem geliebten Menschen verlassen wurde?

Bei manchen Stellen, kommen einem Wirklich die Tränen. Besondern wenn man selbst eigenes durchs schreiben verarbeitet. Ich weiß, also, wie man einen Text so schreiben kann.

Deine Prota leidet und man sieht wie er leidet.

Dein Satz

Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr. Und ich habe damit abgeschlossen.

stehen im Wiederspruch mit dem was dein Ich vermittelt.

Ich stehe in der selben Sitiation.

Jedes Jahr wiederholt sich diese Situatuion. Man kann nicht damit Abschließen. Seine Vergangenheit Gehört zu einem.

Das stellst du sehr gut dar. Dein Chara versucht alles zu verdrängen und weiß nicht wie sie es schaffen soll.

Du triffst diese Gefühls Welt genau. Ich habe das bereits Gefühlt.

Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen. Da, mein Magen krampf sich schon wieder zusammen. Ich wimmere, ganz leise, niemand hört mich. Mein Körper bebt, ich keuche.




Diese Stelle finde ich wunderschön. So fühle ich mich jede Nacht. Und das dich niemand hört, kenne ich ebenfalls. Ich finde sie wirklich wunderschön. Du machst mich ganz neugierig, was für eine Geschichte dahinter steckt.

Mein Körper bebt, ich keuche. Morgen weniger Kaffee. Und nie wieder dran denken, Verdrängung ist besser als darüber zu reden, auch wenn ich dauernd Rückfälle bekomme, ich schaffe das.


Verdrängung ist Schlecht. Sehr Schlecht. Die Rückfälle kenne ich nur zu Gut. Hatte selbst erst vor Wochen einen. Reden ist in so einen Fall Gold. Reden befreit es hilft und es erstickt den Schmerz.

Schreiben erstickt es auch, aber nicht so gut, jedenfalls bei mir nicht.

Ich weine nicht? Kontrolle... ich weine nicht. Nur das schwere Atmen und Zittern. Alles gut. Aua...Ich schlucke heftig, mein Bauch sticht erneut fürchterlich. Es ist ein Jahr her, ein Jahr. Auf den Tag genau.


Auch diese Sätze sind sehr Gut. Und Sprechen mir wieder aus der Seele. Dein Prota unterdrückt die Tränen, ich kann gar nicht mehr heulen.

Lass Sie weinen. Denn weinen befreit. Weinen lässt dich alles in Strömen raus lassen. Ja es tut weh, aber es ist befreiend. Was ist vor einem Jahr passiert?

Ich muss jetztz leider Schluss machen.

Aber ich werde mich noch mit dem Beschäftigen, was du noch so Geschrieben hast.

Ich hoffe, das Kommentar ist nicht zu genau und lässt zu viel über mich hier.

Ich freue mich auf eine Antwort.
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Re: Ein Jahr

Beitragvon Hark » 16.05.2015, 12:01

Hallo Janabanana,
ich habe Deinen Text gelesen und es hat mir nicht gefallen dies zu tun.
Das könnte durchaus daran gelegen haben:

Janabanana hat geschrieben:ist noch nicht wirklich bearbeitet, nur korrekturgelesen.


Zum Text:

Janabanana hat geschrieben:Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr.


Zum Auftakt ein Klischee. Klar, das große Ereignis vor genau einem Jahr. 365 Tage lang war dann nichts, aber heute wieder...

Janabanana hat geschrieben:Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen.


Was soll das? Soll der Leser jetzt herausfinden, welche der Antwortmöglichkeiten richtig ist? Üblicherweise überstrahlt Schmerz alle anderen Empfindungen. Also solltest Du darauf eingehen. Er/Sie/Es hat Schmerzen.
Warum? Wegen der Sache vor einem Jahr?

Janabanana hat geschrieben:Sie hat vor einem Jahr die Mail geschrieben, sie saß eine Woche vorher mit dir auf dem Boden und hat geredet, wir haben geredet. Sie war da.


Was?! Die Reihenfolge ist doch irgendwie verdreht hier, nicht wahr?
1. Sie ist da
2. "Ich" und "Sie" sitzen auf einem Boden (was für ein Boden? Dachboden, Hosenboden?) und reden
3. Eine Woche vergeht und Sie hat eine Mail geschrieben.

Frage: Auf welches Ereignis zielt nun das "auf den Tag genau" , auf das Gespräch oder den E-Mail-Versand?

Janabanana hat geschrieben:Oder???


So ein Holzhammer ist hier nicht nötig. Jeder einigermaßen klar denkende Leser versteht sofort, dass Er/Sie/Es ein unerfreuliches Ereignis verdrängt hat, das sich nun wieder in Erinnerung bringt. Versuche den Gedanken zu ordnen und schreibe es genau so, wie es sich anfühlt, und nicht, wie es sich anfühlen sollte, damit der Leser es kapieren muss.

Janabanana hat geschrieben:Damals, vor einem Jahr, hat sie mich gerettet. Ich war so schwach, so verletzlich, so bedürftig. Und sie hat sich neben mich gesetzt, um Mitternacht, ihren Arm um meine Schulter gelegt und gehalten. Und dann haben wir geredet, zwei Stunden lang. Über alles.


Wer ist sie? Die Mutter des erzählenden Ich?

Janabanana hat geschrieben:Aua


Offenbar wurden Themen berührt, die schmerzhaft sind. Als Autor darf man dann auch so ein bisschen mehr ins Detail gehen.

Janabanana hat geschrieben:Das war geplant. Mein totaler Zusammenbruch nicht, aber dass SIE mich finden sollte, das war geplant. Ich habe gewusst, wo sie war, mich praktisch heulend genau da auf den Boden gesetzt, wo sie zwingend vorbeigehen musste, es ging gar nicht anders. Sie ist auch vorbeigekommen und sie hat mich gefunden. Ich war so alleine. Und sie war auch allein. Und dann waren wir zusammen allein, einfach nur da.


Wenn die Erzählerfigur ein Junge sein soll, dann ist die Figur nicht wirklich gelungen. Lass ihn wenigstens betrunken sein, dann lässt sich so ein infantiles Verhalten noch einigermaßen begründen.

Also:

- Handlung: Erzähler-Ich liegt im Bett, 5-6 Möglichkeiten, keinen Schlaf zu finden
- Hintergrund: Ein vorjähriges 2-Stunden-Gespräch, in dem er ihr seine Liebe gesteht, aber nicht die erhoffte Erwiderung erhält. Die Erinnerung kehrt zurück und führt zu einer heftigen körperlichen Reaktion.

Damit diese Geschichte funktionieren soll, muss sie um Klassen glaubwürdiger werden. Tipps:

- lege das Ereignis nicht ein ganzes jahr zurück. Ein paar Wochen reichen, vor allem kann man sich da noch Hoffnungen machen
- Entscheide dich, was dem Jungen fehlt (Tee, Kaffee, Straßenlaternen, Bauchweh....too much)
- Gib dem Leser auch etwas: Was war Inhalt des Gesprächs? War der einzige nennenswerte Kontakt der Arm über der Schulter? Was stand in der Mail?

Janabanana hat geschrieben:Es war arschkalt.


So hab ich das auch empfunden, sorry.

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Re: Ein Jahr

Beitragvon Erich » 16.05.2015, 18:44

Hallo Janabanana,

ich möchte dir gerne einen Kommentar zu deiner Geschichte schreiben. :dasheye:

Offen gesagt, habe ich die anderen Kommentare nicht gelesen, aber wenn sich etwas wiederholt, weißt du ja, dass auch andere es so empfunden haben.

Du schilderst die Situation eines Menschen, der sich am Ende einer Beziehung befindet und lässt es eigentlich ziemlich offen, was da genau gelaufen ist. Scheinbar war dein Protagonist in einer emotionalen Notsituation und ist es erneut. Ein labiler Mensch. :|

Was mir auf gefallen ist:

Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr. Und ich habe damit abgeschlossen. 
Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee.


Hier wirfst du viele Fragen auf, was für einen Einstieg sehr gut ist, da es bei dem Leser das Bedürfnis erzeugt herauszufinden, was es damit auf sich hat. Sprich er wird zum Weiterlesen animiert.


 Ich wimmere, ganz leise, niemand hört mich. Mein Körper bebt, ich keuche. 


Hier wechselst du (meiner Meinung nach) die Erzählperspektive. Das machst du in der ganzen Geschichte des Öfteren. Hier verwendest du einen auktorialen Ich-Erzähler, sprich du schilderst das Empfinden des Protagonist von außen (z. B. Wenn man sich an etwas erinnert). Dann wechselst du wieder in den personalen Ich-Erzähler hinüber und schilderst sein Erleben von innen (wie als würde es in dem Moment passieren).

Morgen weniger Kaffee. Und nie wieder dran denken, Verdrängung ist besser als darüber zu reden, auch wenn ich dauernd Rückfälle bekomme, ich schaffe das


Ich weiß nicht, ob dir der Unterschied auffällt, aber wenn du die personale Ich-Form wählst, würde er sich nicht denken „niemand hört mich“, sondern „wahrscheinlich hört mich niemand“.
Es wirkt auf jeden Fall nicht wirklich rund.

Ich weine nicht? Kontrolle... ich weine nicht. Nur das schwere Atmen und Zittern. Alles gut.


Das passt für mich nicht mit seinen Eingeständnissen am Schluss zusammen, bei denen er kein Problem hat, seine Gefühle anzusprechen. „Ich war so schwach, so verletzlich, so bedürftig."

Sie hat vor einem Jahr die Mail geschrieben


Wenn du das mit der Mail verwendest, dann würde ich am Schluss zumindest in einem kurzen Nebensatz darauf eingehen, da du es sonst auch streichen kannst.

Die Straßenlaterne nervt, es ist einfach zu hell. Mein Magen krampft sich zusammen, nun stärker als die Male davor. Ich fahre hoch und übergebe mich über dem Bettrand.


Hier ist wieder das, was ich mit den Sprüngen in der Erzählperspektive meine.

Generell gefällt mir die Geschichte aber, sie ist wirklich eine Kurzgeschichte und zeigt einen Moment im Leben des Protagonisten. Wie es weitergeht, ist hier nicht so wichtig. Du erzeugst eine Stimmung und das finde ich eigentlich gut gemacht, aber ich denke man könnte noch einiges aus der Geschichte rausholen.

LG Erich :D
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Re: Ein Jahr

Beitragvon BlinkyBill » 16.05.2015, 22:21

Janabanana hat geschrieben:Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen


Das blau markierte hier im Text gefällt mir nicht. Von der Wortwahl und dem Satzbau passt es nicht so gut.
Hier werden ja Möglichkeiten aufgezählt, die für die Schlaflosigkeit verantwortlich sein könnten. Sätze mit mit Könnte anfangen gefallen mir allgemein nicht hier finde ich es besonders unpassend. Vom Klang und der Formulieren würde mir es anders formuliert besser gefallen. Dazu kommt noch, dass Sätze die mit Und oder mit Oder anfangen generell eher ablehnent wirken. Auf mich das das den Eindruck als hättest du gar nicht wirklich nachgedacht.

Vorschlag: Es könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen und an dem grünen Tee. Oder vielleicht lag es auch an den Schmerzen.

Damit wäre das Und/Oder Problem schon mal weg und der anderen Satz hört sich meiner Meinung an mit dem Wort Es besser an.

Janabanana hat geschrieben:ch wimmere, ganz leise, niemand hört mich. Mein Körper bebt, ich keuche.


Keuchen tut man doch gewöhnlicherweise wenn sich zu sehr angestrengt hat. Ich habe es noch nie erlebt, dass man vom weinen/wimmern anfängt zu keuchen. Ich würde dir empfehlen das Keuchen rauszunehmen und ihn stattdessen noch ein wenig mehr wimmern zu lassen. Dann ist mehr dramatik im Spiel und der Protagonist bekommt noch mehr Mitgefühl.

Janabanana hat geschrieben:Mein Körper bebt, ich keuche. Morgen weniger Kaffee. Und nie wieder dran denken, Verdrängung ist besser als darüber zu reden, auch wenn ich dauernd Rückfälle bekomme, ich schaffe das.
Ich weine nicht? Kontrolle... ich weine nicht. Nur das schwere Atmen und Zittern. Alles gut. Aua...Ich schlucke heftig, mein Bauch sticht erneut fürchterlich. Es ist ein Jahr her, ein Jahr. Auf den Tag genau. Sie hat vor einem Jahr die Mail geschrieben, sie saß eine Woche vorher mit dir auf dem Boden und hat geredet, wir haben geredet. Sie war da... vor einem Jahr.


In diesem Abschnitt, kann ich richtig Mitfühlen, es ist gut beschrieben und ich kann mich wirklich in den Protagonisten hineinversetzten. Jedoch hat dieser Satz mit dem Kaffee das alles kaputt gemacht :cry: .
Damit wird es in meinen Augen sogar ins lächerliche gezogen. Der heult sich gerade die Seele aus dem Leib (Soory für den Unfreundlichen Ausdruck) denkt aber daran nicht so viel Kaffee zu trinken. Ich kann dir nur raten den Kaffee aus dem Spiel zu lassen. Das er 5 Tassen getrunken hat, hast du zuanfang erwähnt, das reicht.

Janabanana hat geschrieben: 50 shades of gray. Ich muss kurz lachen, leicht hysterisch. Ja, das passt. Alles grau, schwer, öde, traurig. Aber jetzt ist alles bunt. Oder? Ich bin jetzt wieder glücklich. Oder???


Also ich weiß echt nicht was ich davon jetzt halten soll. Vielleicht verstehe ich das auch nur deshalbt nicht, weil ich den Film nicht gesehen habe. Es gibt aber bestimmt mehrer die ihn nicht kennen. Ich würde daher darauf achten, dass es nicht zu Missverständissen kommt und einige Leser denken, dass es um Du weißt schon was geht. Wenn dieser Vergleich also nichts mit dem Film zu tun hat, würde ich es weglassen. Für mich wäre so ein Vergleich nämlich der Grund das Buch zurzeite zu legen.

Janabanana hat geschrieben:Damals, vor einem Jahr, hat sie mich gerettet. Ich war so schwach, so verletzlich, so bedürftig. Und sie hat sich neben mich gesetzt, um Mitternacht, ihren Arm um meine Schulter gelegt und gehalten. Und dann haben wir geredet, zwei Stunden lang. Über alles. Aua...


Ich heul gleich mit :cry: :cry: :cry: . Ich kann mir das richtig gut vorstellen. Aber was macht das Aua da?

Janabanana hat geschrieben:Und dann waren wir zusammen allein, einfach nur da. Es war arschkalt.


Den Vergleich würde ich rausnehmen. Der macht die ganze Dramatik und das Mitgefühl kaputt. Das Mitleid, dass ich für den Protagonisten empfunden habe ist jetzt weg. Arschkalt :roll: :roll:.
Ich würde dir empfehlen ein weniger vulgäres Wort zu nehmen. Bitter kalt würde mir 1.000 mal besser gefallen.

Janabanana hat geschrieben:Vielleicht sollte ich doch schlafen? Geht nicht. Zu viel Kaffee.


Schon wieder der Kaffee :roll: Ich rate dir noch einmal den Kaffee weg zu lassen. Er ist totunglücklich denkt aber an Kaffee. Ziemlich unrealitsch. Wenn ich unglücklich bin denken ich an alles, nur nicht daran zu viel Kaffee getrunken zu haben.

Janabanana hat geschrieben:Ich fahre hoch und übergebe mich über dem Bettrand.


Übergibt er sich jetzt wegen dem Kaffee? Der wurde so oft erwähnt, dass ich wirklich die Vermutung habe er würde deswegen k***** und nicht weil er tot unglücklich ist.


Fazit: Die Geschichte gefällt mir gut. Nur wird zu oft von Kaffee geredet. Worum es direkt geht weiß ich nicht. Er vermisst also jemanden. So wie ich dem Text entnehme ist der Protagonist verliebt und vermisst sie. Sie hat ihm beigestanden aber jetzt ist sie weg? Wissen wie es weiter geht will ich schon. Aber tu mir bitte einen Gefallen und lass den Kaffee weg.
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Re: Ein Jahr

Beitragvon beatrice » 05.06.2015, 17:01

Liebe Janabanana,

eben habe ich deine Geschichte gelesen und mich ein bisschen durch die Kommentare geklickt, um herauszufinden, was denn schon gesagt wurde, damit ich nicht nochmal alles wiederkaue. Anscheinend polarisiert deine Geschichte, was ja kein Zeichen dafür ist, dass sie schlecht ist, im Gegenteil. Das fand ich sehr spannend.

Mich persönlich spricht dein Stil an. Ich kann mich in deine Prota hineinversetzen, insbesondere finde ich es gut, dass du von psychosomatischen Schmerzen sprichst, das habe ich in Texten noch nicht so oft wiedergefunden, kenne es aber von mir selbst und es ist ein Graus. Ich kann also gut nachvollziehen, dass sich ihr Bauch zusammenkrampft, obwohl sie "nur" traurig ist.

An dem Anfang könntest du tatsächlich feilen, sicher würde es mehr Spannung aufbauen, wenn sie erst von ihren Empfindungen spricht und später dann auf das "ein Jahr her " eingeht, so in etwa wie das sasskia schon vorgeschlagen hat.

Kurze Sätze passen zu deiner Prota, auch zu ihrem Gefühlszustand, ich finde es also die richtige Entscheidung sie in diesem Text so zu lassen, denn es zeigt ihren Gedankenstrom und auch, dass sie ihre Gefühle, ihre Empfindungen herauslassen will, dass sie sich alleine fühlt. Wer hält dann schon einen verschachtelten Monolog? Es erinnert mich ein wenig an einen Tagebucheintrag, insbesondere dein Anfang

Es ist mittlerweile ein Jahr her. Auf den Tag genau ein Jahr. Und ich habe damit abgeschlossen.
Ich kann nicht schlafen. Die Straßenlaterne ist zu hell und die Jalousie kaputt. Könnte aber auch an den fünf Tassen Kaffee liegen. Und dem grünen Tee. Oder den Schmerzen.


Auf der anderen Seite finden sich auch einige beschreibende Elemente in deinem Text wieder, die genau nicht zur Tagebuchform passen, also dann ein Erlebnisbericht oder vielleicht auch einfach ihr Gedankenstrom.

Ich finde aber, dass du eigentlich wenig über den eigentlichen Hintergrund sagt, weshalb der Text irgendwie eher an der Oberfläche kratzt. Du beschreibst ihre Schmerzen, ihre Angst, ihr Gefühl alleine zu sein. Warum fühlt sie sich so? Sie versucht nicht daran zu denken. Aber ist es nicht in genau diesen Momenten so, dass man dann erst recht daran denkt? Beschreibe doch ein paar Eindrücke von "ihrem" (ich meine nicht deine Prota) Wesen, was hat sie noch gemacht, außer die Prota am Boden aufzufinden. Vielleicht könntest du ein paar Details aus der Nacht erzählen, damit könnte ich mir die Situation besser vorstellen. Es war arschkalt, okay, aber wieso? Hat es gefroren? Lag Schnee? Oder war es eine stürmische Nacht? Beschreibe Eindrücke, wenn Menschen sich erinnern, dann erinnern sie sich mit allen Sinnen. Ich finde es gut, dass du von dem Arm, den "sie" um die Schulter deiner Prota gelegt hast, geschrieben hast. Das geht schon in die Richtung, die ich meine. Wie wär's wenn du das ein wenig ausbaust und dann von der Wärme erzählst, die in diesem Moment auf deine Prota übergegangen ist, dass sie sich zum ersten Mal nicht mehr alleine gefühlt hat. Über den Trost, der von dieser Berührung ausgegangen ist, über die schönen Dinge, die sie dann mit der Person erlebt hat.

Und dann kommt der Cut: Irgendwas lief anscheinend schon länger schief. Die Prota hat, wenn ich das richtig verstanden habe, über längere Zeit Hilfe benötigt und das wurde "ihr" zu viel. Deine Prota ist traurig und versucht das zu verstehen. Ist sie vielleicht aber auch wütend? Vielleicht nicht nur auf "sie", sondern gar auch auf sich selbst? Gehe doch vielleicht noch näher auf ihre Gefühle ein. Das würde deinem Text vielleicht noch mehr Tiefe verleihen und ihn auch von den reinen Beschreibungen wegholen, wie zu viel Kaffee. Um den Leser mitzureißen, glaube ich, braucht es doch noch ein wenig mehr Story!

Trotzdem finde ich den Text gut, die Form, die du gewählt hast passend. Lass dich nicht unterkriegen, auch wenn Leute deinen Text nicht mögen, die beste Antwort darauf, ist einfach zu lächeln und mit dem Schreiben weiterzumachen!

Liebe Grüße und ich hoffe ich konnte dir noch etwas Neues an Kritik dazugeben!
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