[Krimi]Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

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[Krimi]Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon rental » 16.12.2014, 04:04

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Ralph steht hinter dem Tresen.
Vor ihm kauert Pete in seiner eigenen Pisse. Neun weitere Personen liegen auf dem staubigen Boden des Diners, Ralph kennt die meisten von ihnen nicht. Es sind nur Durchreisende. Die Hand mit der Pistole zittert unablässig. Adrenalin und Panik versetzen ihm Peitschenhiebe.
„Rachel, bist du noch da?“, fragt er in die beklemmende Stille des Hörers hinein. Draußen schreit der Beamte mit dem Megafon, er solle seine Waffe fallen lassen und sich flach auf den Boden legen. Das Licht der Sirenen verwandelt den Raum in einen flackernden Alptraum. Schnee fällt vom pechschwarzen Himmel.
„Rachel, antworte mir“, fleht er. „Bitte sag etwas. Du bist meine einzige Hoffnung.“
„Er ist hier!“, ihre Stimme schrillt wie eine Alarmglocke. „Er ist in meinem Zimmer! Oh Gott, Ralphie! Er ist hier …“
Die Worte explodieren wie Bomben in seinen Ohren. Jedes Haar an seinem Körper sträubt sich. Er kann nichts tun, außer zuzuhören. Ein spitzer Schrei erklingt, etwas poltert und fällt zu Boden. Wieder ein Schrei, diesmal voller Schmerzen. Schwere Schritte. Ein Grunzen.
„Wer dich!“, schreit Ralph hilflos in das Telefon. „Wehr dich, Rachel. Schlag ihn! Renn fort!“
Doch sie antwortet ihm nicht mehr. Noch ein Schrei dringt gellend aus dem Hörer. Der Letzte. Ein nasses Geräusch, als ließe jemand ein Stück Fleisch auf den Boden fallen, folgt ihm. Ein Schnaufen, das Klicken, als aufgelegt wird. Dann nichts mehr. Das Schwein hat sie aufgeschlitzt!, schießt es Ralph durch den Kopf.
„Es tut mir leid, Rachel“, flüstert er und heiße Tränen rinnen über sein Gesicht. „Es tut mir so leid …“
Er macht einen Schritt nach vorne, senkt die Pistole, lässt das Telefon fallen, macht noch einen Schritt. Wankt an dem knienden Pete vorbei. Geht um den Tresen herum, während sein Gesicht das nackte Grauen widerspiegelt. Er fuchtelt mit der Pistole herum, ist sich nicht bewusst, was diese Geste für die Polizisten bedeuten muss, die überzeugt sind, den Täter vor sich zu haben. Die Leute im Diner wagen es nicht zu atmen. In der Mitte des Raumes, getaucht in das Licht der Sirenen, breitet er seine Arme aus und schreit den Polizisten entgegen: „In diesem Moment tötet der Killer eine weitere Frau! Ihr blöden Wichser! Ich bin es nicht! Ich bin nicht euer Sexkiller! Rachel Sabo! Er ist in ihrem Haus, um sein Werk zu vollenden! Sie wird in diesem Augenblick von ihm abgeschlachtet und ihr steht hier rum und verdächtigt mich! Ihr seid …“
Weiter kommt er nicht. Eine Kugel lässt die Glasfront des Diners zerbersten und durchschlägt seinen Nacken. Gurgelnd geht er zu Boden, lässt die Pistole fallen. Sie poltert auf die Dielen. Er spürt die Kälte des hereinwehenden Windes auf seiner Haut und fragt sich, wieso sein Hals so warm ist.
Dann verschluckt ihn die Finsternis.
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Re: Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon Hark » 16.12.2014, 15:28

Finde die Idee grundsätzlich spannend und finde, sie hätte es verdient, sauber ausgearbeitet zu werden.
Sehe da etwas Probleme im Spannungsaufbau.

[quote="rental"]„Ich bin’s, Ralphie.“
Ihr Blut gefriert zu Eis, die Hand verkrampft sich am Plastik des Hörers.


Ralphie hat gerade mal seinen Namen genannt und Rachels Blut erstarrt zu Eis? Warum denn?

Wenn sie schon in den ersten Zeilen reif für die Intensivstation ist, lässt sich das nicht mehr steigern, was Dir ja dann auch nicht mehr gelingt. Warum nicht etwas subtiler an die Sache rangehen, richtig schön psycho:

- Sie erschrickt
- Sie beginnt nervös mit dem Telefonkabel zu spielen
- Sie verschluckt sich
- Eine Träne rinnt ihr über die Wange
- Sie spürt wie ihre Muskulatur verkrampft
- Sie zittert, haspelt ins Telefon oder ihre Stimme versagt

Aber: Sie hat ihn ja gar nicht verraten, sondern lediglich im Verdacht. Deswegen muss sie ja nicht gleich einen Herzkasper kriegen, wenn Klein-Ralphie anruft.

Apropos: Soll die Geschichte in den Staaten spielen? Falls nein, empfehle ich, den Namen Ralphie auszutauschen, er liest sich bescheiden.

Ansonsten würde ich die Szene, wie der Killer einsteigt, noch etwas ausarbeiten. Warum steigt er ausgerechnet bei Rachel ein, kennen sie sich?

Und: Die kleine Splattersequenz ist eigentlich überflüssig. Ein Schrei, der aprubt erstirbt, würde doch reichen.

Mein Fazit: Spannende Story, Potential zur Verfeinerung vorhanden.

Gruß,
Hark
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Re: Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon rental » 16.12.2014, 22:28

Hallo Hark,

danke für deine Rückmeldung. Freut mich, dass du meine Geschichte spannend findest. Deine Bemerkung bezüglich des Spannungsaufbaus leuchtet mir ein, ich werde das bei der Überarbeitung berücksichtigen. Danke für diesen wertvollen Hinweis.

Apropos: Soll die Geschichte in den Staaten spielen? Falls nein, empfehle ich, den Namen Ralphie auszutauschen, er liest sich bescheiden.

Es war so gedacht, dass die Geschichte in den Staaten spielt, ja. Deshalb habe ich den Imbiss auch Diner genannt.

Ansonsten würde ich die Szene, wie der Killer einsteigt, noch etwas ausarbeiten. Warum steigt er ausgerechnet bei Rachel ein, kennen sie sich?

Das wird vielleicht zu wenig ersichtlich. Rachel ist dem Killer schon einmal begegnet und entkommen. Eigentlich wird das nur in diesem Satz behandelt, den Ralph sagt: "Er ist in ihrem Haus, um sein Werk zu vollenden!" Ich wollte das damit andeuten. Aber ich erkenne nun, dass das vielleicht etwas zu vage ist und ich diese Information noch irgendwo genauer einbauen muss. :wink:

Und: Die kleine Splattersequenz ist eigentlich überflüssig. Ein Schrei, der aprubt erstirbt, würde doch reichen.

Ich neigte in meinen (Schreib-)Anfangstagen sehr zu solchen Szenen. Eigentlich schrieb ich damals nur Geschichten, in denen es um Gewalt ging :roll: Ist vielleicht ein Überbleibsel aus jener Zeit ... Obwohl ich das wahrscheinlich nicht gross umändern werde, so schlimm ist es ja auch wieder nicht :wink:

Besten Dank nochmal!

LG,
rental
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Re: Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon Greyswan » 09.01.2015, 22:53

Hallo rental! Tolle Geschichte, gute Wortwahl! Aber was du besser machen könntest wäre nicht immer diese abgehackten Satzformen zu verwenden, Beispiel :

Stumm schüttelt sie den Kopf, will auflegen, aber der Schrecken lähmt sie. Nackte Angst lässt ihr Herz schneller pumpen. Unfähig etwas anderes zu tun, lauscht sie.

Stumm schüttelt sie den Kopf, will auflegen, aber der Schrecken, der ihr Herz schneller Pumpen lässt, lähmt sie, so lauscht sie, unfähig etwas anderes zu tun.

Natürlich ist das eine Stilfrage, da ,wenn du wie oben die Punkte regelmäßiger ansetzt, es dramatischer wirken kann. Aber das würde ich mir für Besondere Stellen aufheben.

Dann noch ein bisschen was Konstruktives zu diesen Sachen:

„Du hast ihnen gesagt, ich wäre der Sexkiller!“, schreit er fassungslos. „Wie könnte ich drei Frauen umbringen?! Du kennst mich! Ich kann das nicht! Ich bin kein Vergewaltiger! Komm her und sag es ihnen! Das alles ist ein Alptraum, ein schrecklicher Irrtum!“

1. Woher weiss er, dass Rachel es der Polizei erzählt hat? Normalerweise ist es ja so dass neue erkenntnisse erst nach Aufklärung einer straftat bzw. bei Gericht bekannt gegeben werden. Das hat den Grund, dass der Täter nicht wissen soll wie weit die Polizei bei ihren Ermittlungen ist.
2. Am anfang schreibst du (Zitat: „Leg nicht auf!“, plappert er hysterisch drauflos. „Leg nicht auf, oder jemand stirbt! Vor mir kniet ein Mann, ich halte eine Pistole an seinen Hinterkopf! Leg auf und ich erschieße ihn!“) und Später steht (wie oben) da "Wie könnte ich drei Frauen Umbringen?!"
3. "Ich bin kein Vergewaltiger!" hat einen fehlerhaften Bezug. Treffender wäre "Ich bin kein Mörder und Vergewaltiger.

Und zu guter letzt noch eine Bemerkund zu diesem Satz:

Draußen schreit der Beamte mit dem Megafon, er solle seine Waffe fallen lassen und sich flach auf den Boden legen. Das Licht der Sirenen verwandelt den Raum in einen flackernden Alptraum. Schnee fällt vom pechschwarzen Himmel.

Du springst im dritten Satz nach draußen. Das ganze reimt sich dann nicht mehr bzw. der Zusammenhang der ersten beiden Sätze und des dritten ist nicht da. Vielleicht platzierst du den Satz einfach woanderst? Oder man kann es auch so machen: Das Licht der Sirenen verwandelt den Raum in einen flackernden Alptraum. Schnee fällt vom pechschwarzen Himmel und die Flocken schmelzen langsam an der Fensterscheibe.

Ansonsten wie gesagt, Kreative Wortwahl, guter Inhalt und spannend erzählt.

Grüße, Greyswan aka Valorian Pike
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Re: Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon Sasskia » 11.02.2015, 23:57

Grüß dich rental!

Obwohl Krimis nicht so "meins" sind, hab ich deine Geschichte in einem Rutsch durchgelesen.
Wenn ich den Zeitrahmen bedenke, in welchem deine Story gebastelt wurde, muss ich sagen:

Respekt!

Ich kann auch die Reaktion deiner Heldin durchaus nachvollziehen, fand den Spannungsbogen gut aufgebaut, wie gesagt, in Relation zum vorhandenen Zeitrahmen!

Natürlich kannst du an einigen Formulierungen etwas verbessern (wie ... das Herz schneller pumpen, klingt ein wenig plump. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, Herzrasen ... so was in der Art vielleicht), aber das ist klar! Es gibt immer irgend etwas zu verbessern :wink:
Ihr grausames Ende fand ich auch angemessen :twisted:

Deshalb möchte ich gar nicht die einzelnen Sätze "zerpflücken", sondern dir zu deiner, meiner Meinung nach, sehr gelungenen Fingerübung gratulieren!

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Ein Killer auf freiem Fuß [2/2]

Beitragvon rental » 13.02.2015, 19:22

Hallo Greyswan,

ich hatte deinen Kommi schon vor längerer Zeit gelesen, aber leider noch nicht geantwortet. Das möchte ich nun tun.

Natürlich ist das eine Stilfrage, da ,wenn du wie oben die Punkte regelmäßiger ansetzt, es dramatischer wirken kann. Aber das würde ich mir für Besondere Stellen aufheben.

Guter Einwand. Ich werde sehen, inwiefern ich das einbauen werde, denn ich habe schon noch vor, die Verbesserungen in den Text einzuarbeiten. :wink:

1. Woher weiss er, dass Rachel es der Polizei erzählt hat? Normalerweise ist es ja so dass neue erkenntnisse erst nach Aufklärung einer straftat bzw. bei Gericht bekannt gegeben werden. Das hat den Grund, dass der Täter nicht wissen soll wie weit die Polizei bei ihren Ermittlungen ist.
2. Am anfang schreibst du (Zitat: „Leg nicht auf!“, plappert er hysterisch drauflos. „Leg nicht auf, oder jemand stirbt! Vor mir kniet ein Mann, ich halte eine Pistole an seinen Hinterkopf! Leg auf und ich erschieße ihn!“) und Später steht (wie oben) da "Wie könnte ich drei Frauen Umbringen?!"
3. "Ich bin kein Vergewaltiger!" hat einen fehlerhaften Bezug. Treffender wäre "Ich bin kein Mörder und Vergewaltiger.

Danke dafür. Werde ich mir noch mal genauer überlegen und sehen, wie ich das eventuell noch einbauen bzw. besser schreiben kann, damit es klarer wird.

Du springst im dritten Satz nach draußen. Das ganze reimt sich dann nicht mehr bzw. der Zusammenhang der ersten beiden Sätze und des dritten ist nicht da. Vielleicht platzierst du den Satz einfach woanderst? Oder man kann es auch so machen: Das Licht der Sirenen verwandelt den Raum in einen flackernden Alptraum. Schnee fällt vom pechschwarzen Himmel und die Flocken schmelzen langsam an der Fensterscheibe.

Finde ich eine gute Anmerkung und zeigt mir, dass du den Text sehr aufmerksam gelesen hast. Thx! 8)

Vielen Dank, Greyswan, auch für deine lobenden Worte!

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Hallo Sasskia,

besten Dank! Das freut mich sehr, dass dir meine kleine Geschichte so gut gefallen hat!

LG und bis demnächst,
rental
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