[Tragik]Ein letzter Morgen...

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Ein letzter Morgen...

Beitragvon M-W-L » 19.06.2012, 23:38

Titel abgeändert........
Noch einmal überarbeitet. Die Dramatik sollte hier im Vordergrund stehen. Poetische Bilder und "hölzerne Dialoge" wurden weggelassen.
Probleme habe ich bei der Perspektive.

Edit: Die Zugriffszahlen sprengen ja nun die durchschnittliche Grenze. Liebe Leser, dies Projekt steht noch. Über Tipps, Meinungen oder Verbesserungsvorschläge zu diesem Thema sind wünschenswert. Bei über 500 Zugriffen, wurden gerade mal von einer handvoll Leser Kritik geübt.
Was mich antreibt, weiter an diesem Projekt zu arbeiten sind wirklich diese ausschlaggebenden Zugriffszahlen, welche mir zeigen, das ein Interesse ja an dieser Geschichte besteht.


_____________________________________
Überarbeitet:

Ein letzter Morgen
Mit zerschlissenem Schuhwerk, stapfte das junge Mädchen durch den matschigen Schnee. An den spärlichen Lumpen, welche sie auf ihren zerfurchten Leib trug, leuchtete der Davidsstern, durch die sich langsam lichtenden Nebelschwaden.
Es war kalt an diesem einen Morgen.
Das Mädchen sah die Silhouetten der steinernen Lagermauern, um sich herum. Sie vernahm das Summen des Stacheldrahtes. Wie oft endeten hier die Fluchtversuche ihrer Leidensgenossen, erschlagen von der tödlichen Spannung, welche durch das geflochtene Netz aus Stacheln und Draht floss. Sie erinnerte sich, bei diesem Anblick.
Der Begleiter an ihrer Seite, zwang sie mit einem kräftigen Stoss, zu einem schnelleren Schritt.
Das Gebell der Wachhunde hallte durch die Baracken und ließ sie zusammenzucken.
Hektisches Treiben, wildes Gekläffe und knappe Anweisungen der Soldaten, wurden herüber geweht. Der Wind verstreute die Reste der Asche.

Wieder ein Zug eingetroffen.
Wieder eine Selektion.
Wieder zerstörte Hoffnungen.
Warum beendet das Niemand?
Nur zu gut wusste das Mädchen, was dies für die meisten Ankömmlinge bedeutet, wenn sie das Tor mit der Inschrift "Arbeit macht frei" passierten.
Tränen stiegen in ihr empor, kullerten über das angegraute Gesicht. Ihr ganzer Körper zitterte vor Wut, Hass und der Verzweiflung. Eine neue Welle der Angst breitete sich aus. Angst über die Machtlosigkeit. Doch sie wird nicht aufgeben. Sie wird stark sein.
Tapfer wischte sie sich die Tränen aus ihrem Gesicht.
Ihr Begleiter stieß sie erneut in den Rücken, nur noch härter. Das Mädchen strauchelte, fing sich aber gleich wieder. Mutig und mit erhobenem Haupt, setzte sie, unbeirrt von der Pein, ihren Weg fort. Vorbei an Block 11, weiter zu einer kleinen hölzernen Mauer.
Sie wusste was das bedeutet.
Immer wieder hatte sie es sehen müssen. Immer wieder wurde hier die Exekutive tätig, sobald das Standgericht Kattowitz in Block 11 tagte. Und heute war wieder so einer dieser Tage.
Wieder Angst.
Eine militärisch klingende Stimme befahl ihr, sich hinzuknien. Sie zögerte. Noch einmal der Befehl. Sie wurde zu Boden getreten.
Als sie sich aufraffte, fiel ihr Blick auf ihren, bis dahin anonymen, Peiniger.
Ein junger Soldat stand weit über sie gebeugt. Schussbereit hielt er eine Luger in seiner rechten Hand. Er sah ihr voller Hass entgegen. Dieser Hass verzog sein Antlitz so sehr zum Grotesken, das sie nichts Menschliches mehr in ihm erkennen konnte.
So sieht also mein Tod aus, dachte sie diesen Moment.
Angewidert von dem was sie sah, wendete sie ihren Blick ab.
- Stille -
Kein hektisches Treiben mehr, kein Gebell, nur das leise, lodernde Brennen der Öfen und das schwere Atmen des Soldaten.
Ein Schuss - Ihr zierlicher Körper wurde nach vorn gerissen und sank zu Boden.
Keine Schmerzen mehr.
Keine Gedanken mehr.
Keine Hoffnung mehr.
Langsam schlossen sich die, mit Tränen gefüllten, Augen. Tiefrot tränkte sich der Schnee um ihren toten Körper, während ein Windhauch, erneut feine Asche auf sie hinab rieseln ließ.
Aktenvermerk: Auschwitz I Stammlager, 1943 - Februar
Name: Isabelle Scherbaum / Jüdisch
Alter beim Eintritt des Todes: 15 Jahre.
Art: Standgericht Kattowitz.



Alte Version:
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Es war kalt. Isabelle Scherbaum, von ihrer Familie liebevoll Isa genannt, fror unter ihren spärlichen Lumpen. Am ganzen Körper zitternt, schaute sie zum Himmel hinauf. Schwarze Rauchschwaden bedeckten die Wolken. Schnee, gemischt mit kalter, weißer Asche senkte sich zu ihrem Haupt herab. Isa hatte keine Angst mehr, schon zu lange wartete sie auf diesen Augenblick.
"Hinknien, mit den Gesicht zur Wand", befahl ihr eine militärische Stimme. Ein Junger Soldat kam auf sie zu. In seiner Hand sah Isa eine Luger P08, welche er schussbereit, mit seinen drahtigen Finger, umklammerte. Isa blickte in das Gesicht des jungen SS-Soldaten, sie wollte sehen, wer ihren Leben ein Ende bereiten würde. Der junge Mann hatte hübsche, blaue Augen und blonde kurze Haare. Er war sehr gepflegt. Seine Stiefel glänzten vor Politur, seine Uniform saß prächtig auf seinen groß gewachsenen Körper. Zu einer anderen Zeit hätte ihr dieser junge Mann womöglich gefallen.
"Warum tust du das?", stotterte Isabelle, bevor sie ihren Blick der steinernen Mauer zuwandte.
Isabelle hörte wie dem jungen Soldaten die Luft weg blieb.
Empört schrie er sie an: "Was? - Umdrehen und hinknien, aber ein bisschen zügig."
"Warum tust du das?", fragte sie den jungen Soldaten noch einmal, diesmal ruhiger. Isabelle ahnte, das sie ihn damit überforderte.
"Das ist mein Befehl, Jüdin.", entgegnete er ihr eiskalt und stellte sich hinter sie auf.
Isabelles Gedanken entfernten sich von dem Ort ihres Schicksals. Wie der Tod wohl sein wird? Würde sie wirklich in den Himmel kommen?
Als sie mit dem Zug in das Lager kam, konnte sie die Inschrift über dem Eingangstor deutlich erkennen - Arbeit macht frei, stand dort in schönen, geschwungenen Wörtern.
Doch sie war nicht frei. Nur der junge SS-Soldat konnte sie erlösen, das wusste Isabelle.
Während sie so darüber grübelte, wurde ihr zierlicher Körper nach vorne gerissen. Eine gewaltige Kraft bahnte sich einen kleinen Weg durch ihre Gedanken.
Keine Schmerzen mehr.
Keine Gedanken mehr.
Keine Hoffnung mehr.
Langsam schlossen sich die Augenlieder der 15 Jährigen Isabelle Scherrbaum. Ihr Kopf bettete sich auf dem samtigen Schnee. Purpurn breitete sich ein Teppich mit Blut, um ihren toten Körper, während die feine Asche auf sie hinab rieselte.

______________________________________________

Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es (extra für das Forum hier "zensierte" Fassung) so einstellen darf.
Falls dies nicht der Fall sein sollte, bitte um sofortige Löschung.
Der Roman spielt im Jahre 1943 und beschreibt die schlimmste Verbrechen der Deutschen. Den Holocaust.


Wie weit dürfte man bei einem solchen Projekt mit grausamer Handlungen gehen?
Wie detailiert darf man diese Beschreiben?

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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon jajanikka » 20.06.2012, 14:20

Hallo M-W-L,

ich denke schon, dass diese Geschichte hier, vor allem in wie du es nanntest zensierter Form eingestellt werden darf, denn so schrecklich und blutrünstig es auch ist, man darf dennoch nicht die Augen davor verschließen.
Ich finde es sehr schön, wie du mit deinen Worten Bilder kreiert hast, du kannst zweifelsohne gut damit umgehen.
Auch inhaltlich habe ich nichts einzuwenden. Obwohl sich schon Unmassen an Schriftstellern dem Holocaust gewidmet haben, verliert das Thema nie seinen Schrecken und durch die persönliche Einsicht in die Protagonistin zeigt sich nochmal eine ganz neue Facette.

Zur Rechtschreibung, Grammatik und so weiter:

senkte sich zu ihrem Haupt hinab
Hier wäre sprachlich vielleicht auf ihr Haupt schöner.

Ein Junger Soldat kam auf sie zu
junger

Und noch eine kleine Sache: am Anfang hast du Scherbaum geschrieben, später Scherrbaum.
Sicher ein Tippfehler, trotzdem wollte ich dich darauf hinweisen.

Besonders der letzte Teil gefällt mir sehr gut. Du beschreibst nicht klar und deutlich, was passiert, dennoch weiß der Leser es.
Eine gewaltige Kraft bahnte sich einen kleinen Weg durch ihre Gedanken.
Eine sehr gut gelungene Umschreibung für die Kugel, die der Soldat in ihren Kopf schießt.
Auch die Stelle, wo du auf die Unsicherheit des Soldaten anspielst, hat mir sehr gut gefallen.
Sie zeigt, dass er selbst nicht wusste, aus welchem Grund er ein unschuldiges, gerade einmal 15-Jähriges Mädchen umbringen sollte. Wie ein Hündchen folgte er nur dem, was andere ihm eintrichterten.

Natürlich interessiert mich nun auch der Rest der Geschichte: War Isabell die Protagonistin? Wie soll es dann weitergehen? Oder wardas bereits das Ende?

Es würde mich freuen, noch mehr davon zu lesen.

LG jajanikka
Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich sein kann,
die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.

-Soren Kierkegaard
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon Johnny Sacrifice » 20.06.2012, 15:38

Hallo,

alter Schwede - da geht aber einer mit dem Holocaust schön hausieren...

Zum Text:

Es war kalt. Isabelle Scherbaum, von ihrer Familie liebevoll Isa genannt, fror unter ihren spärlichen Lumpen.

Man sollte einen Protagonisten nicht so einführen, das klingt definitiv ungelenk und auch unelegant. Sprache und Lesen, das soll dem Leser doch auch Spass machen. Guter Stil ist das nicht. Sorry.

Am ganzen Körper zitternt, schaute sie zum Himmel hinauf. Schwarze Rauchschwaden bedeckten die Wolken. Schnee, gemischt mit kalter, weißer Asche senkte sich zu ihrem Haupt herab. Isa hatte keine Angst mehr, schon zu lange wartete sie auf diesen Augenblick.

Das klingt alles völlig abgedroschen, wie aus "Schindlers Liste" mitgeschrieben. Vielleicht mal reduzieren, auf das EIGENTLICHE Erzählmoment.


"Hinknien, mit den Gesicht zur Wand", befahl ihr eine militärische Stimme.

Die Stimme KLINGT militärisch, sie ist es nicht.

Ein Junger Soldat kam auf sie zu. In seiner Hand sah Isa eine Luger P08, welche er schussbereit, mit seinen drahtigen Finger, umklammerte. Isa blickte in das Gesicht des jungen SS-Soldaten, sie wollte sehen, wer ihren Leben ein Ende bereiten würde.

Wie kann sie sein Gesicht sehen, wenn sie doch zur Wand sieht? Widersetzt sie sich hier dem bösen SS Schergen etwa? Und der sagt nichts, tritt sie nicht nieder, schlägt sie nicht? Kaum vorstellbar, waren die Juden doch nicht mehr wert als Ratten.

Der junge Mann hatte hübsche, blaue Augen und blonde kurze Haare. Er war sehr gepflegt. Seine Stiefel glänzten vor Politur, seine Uniform saß prächtig auf seinen groß gewachsenen Körper. Zu einer anderen Zeit hätte ihr dieser junge Mann womöglich gefallen.

Das ist wirklich harter Tobak. Blaue Augen, die natürlich hübsch sein müssen, und blonde kurze Haare. Der Prototyp des Germanen. Also, ich weiß nicht, was diese Infos hier zu suchen hat. Denkt man das, wenn man weiß, wann wird gleich erschossen? Sieht man sich dann ein Gesicht an und denkt: Boah, den finde ich eigentlich ganz heiß?

"Warum tust du das?", stotterte Isabelle, bevor sie ihren Blick der steinernen Mauer zuwandte.
Isabelle hörte wie dem jungen Soldaten die Luft weg blieb.
Empört schrie er sie an: "Was? - Umdrehen und hinknien, aber ein bisschen zügig."
"Warum tust du das?", fragte sie den jungen Soldaten noch einmal, diesmal ruhiger.
Isabelle ahnte, das sie ihn damit überforderte.
"Das ist mein Befehl, Jüdin.", entgegnete er ihr eiskalt und stellte sich hinter sie auf.

Moment! Eben noch überfordert doch dann wieder eiskalt? Was denn nun?

Isabelles Gedanken entfernten sich von dem Ort ihres Schicksals. Wie der Tod wohl sein wird? Würde sie wirklich in den Himmel kommen?
Als sie mit dem Zug in das Lager kam, konnte sie die Inschrift über dem Eingangstor deutlich erkennen - Arbeit macht frei, stand dort in schönen, geschwungenen Wörtern.
Doch sie war nicht frei. Nur der junge SS-Soldat konnte sie erlösen, das wusste Isabelle.
Während sie so darüber grübelte, wurde ihr zierlicher Körper nach vorne gerissen. Eine gewaltige Kraft bahnte sich einen kleinen Weg durch ihre Gedanken.
Keine Schmerzen mehr.
Keine Gedanken mehr.
Keine Hoffnung mehr.
Langsam schlossen sich die Augenlieder der 15 Jährigen Isabelle Scherrbaum. Ihr Kopf bettete sich auf dem samtigen Schnee. Purpurn breitete sich ein Teppich mit Blut, um ihren toten Körper, während die feine Asche auf sie hinab rieselte.

Also, ganz ehrlich: Die Moral der Geschichte: Überforderter, hübscher SS Mann "erlöst" junge Jüdin, die sich fragt, ob sie in den Himmel kommt, aus ihrer "Unfreiheit". Mir wird gleich schlecht. Diese Geschichte trieft vor Klischees, und da blitzt irgendwie auch etwas durch, was mir leicht den Magen umdreht. Hast du dich jemals näher mit dem Holocaust beschäftigt, ich meine ernsthaft, nicht nur durch die Populärkultur?

Ich frage dich ganz ehrlich: Was möchtest du mit dieser Geschichte ausdrücken? Was möchtest du erzählen? Das SS Männer doch auch ganz hübsch sein konnten und eigentlich keine schlechten Kerle waren? Das die "Juden" den Spruch "Arbeit macht frei" nicht so ganz nachvollziehen konnten? Und was soll da zensiert worden sein? Wie die Kugel ihr Hirn zerfetzt, damit es am Ende schon gorig und blutig wird? Ich weiß nicht, was du mit dieser Sache hier bezwecken willst.

Wenn du Leiden und Schicksal darstellen möchtest, so dass man es nachvollziehen, Empathie aufbringen muss, dann ist es dir hier nicht gelungen. Das ist wirklich ein einziger billiger Effekt, und ich finde, wenn man sich so heißen Themen wie dem Holocaust auseinandersetzt, sollte man sich GRÜNDLICH überlegen, was man wie und wo sagen will.

Sorry.

Gruss, Johnny.
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon anell » 20.06.2012, 16:13

Hallo

eigentlich gar nicht mein Thema.
Aber dann hab ich doch drauf geklickt und habe es gelesen und dann natürlich auch die Kommentare darunter.
Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich in vielem der selbem Meinung bin wie Johnny (auch wenn sich mir vielleicht nicht so sehr der Magen umdreht wie ihm. Aber ein merkwürdiger Eindruck von diesem Stück blieb auch bei mir hängen)

Schwarze Rauchschwaden bedeckten die Wolken. Schnee, gemischt mit kalter, weißer Asche senkte sich zu ihrem Haupt herab.
#

Mir geht es hier wie Johnny. Mein erster Gedanke war auch "pfff. Aus "Schindlers Liste geklaut". Gut, es mag so gewesen sein. Aber dieses Bild. Dieses eine Bild blieb bei mir von diesem Film hängen. Und ich scheine wohl nicht die einzige gewesen zu sein.

Auch die Formulierung ist hier krude. Schnee senkt sich ja nicht herab. Er fällt oder regnet.
Und die Rauchschwaden bedecken die Wolken auch nicht. Sie verdecken sie.

Ich persönlich finde das auch SEHR dick aufgetragen. Alles für den Effekt, aber mir ist das schon zu viel.
Es ist fast schon ... ja wie inszeniert. Und ich als Leser fühle mich auch so. Wie in so einem vor Patriotismus strotzdenden Film. Wo dem Elend das perfekte Tableau geboten wird.

befahl ihr eine militärische Stimme.


Wie mein Vorschreiber sagte: eine Stimme kann so klingen. Oder der Tonfall kann militärisch sein.

Isa blickte in das Gesicht des jungen SS-Soldaten, sie wollte sehen, wer ihren Leben ein Ende bereiten würde.


Auch das finde ich furchtbar schwülstig formuliert.
Einfach ZU VIEL gewollt.
Sowas erwarte ich in einem dieser Nackenbeißer, wo die Lady in Not von einem gutaussehenden Piraten bedroht wird.
Die reckt dann keck das Kinn vor und will wissen, welcher Schuft denn nun ihr Leben beenden will.
Hier wirkt die Formulierung wieder deplaziert.

Der junge Mann hatte hübsche, blaue Augen und blonde kurze Haare. Er war sehr gepflegt. Seine Stiefel glänzten vor Politur, seine Uniform saß prächtig auf seinen groß gewachsenen Körper. Zu einer anderen Zeit hätte ihr dieser junge Mann womöglich gefallen.


Auch hier teile ich die Ansicht meines Vorschreibers.
Noch tiefer ins Klischee-Glas hättest du glaube ich nicht greifen können. Gut, ja die Nazis standen auf diesen "nordischen Typ".
Schon verstanden. Wissen wir alle.
Aber es ist schon gewollt phatetisch diesen Kerl den Mörder sein zu lassen, oder?
Als wolltest du noch den dümmsten aller Leser draufschubsen.
Ich als Leser frage mich: Wieso bedient sich ein Autor, immer dieser ausgenutzten Klischee-Charaktere? Hält er MICH für so blöde, dass wenn der kerl jetzt dunkle Haare hätte ich nicht kapieren würde, was hier läuft. Oder benutzt ER das alles, weil ER das eben so nur kennt, weil er sich nicht richtig infromiert hat und auf eben jene Klischees zurückgreifen MUSS, weil ihm sonst das zu vermittelnde Bild fehlt.

Auch die Tatsache, dass das Opfer ihren Mörder schön findet. Denkst du wirklich, dass sich ein Kind von 15 Jahren, das seit längerer Zeit interniert ist, und diese Hölle hat durchmachen müssen, wirklich noch den Kopf darüber macht, wie schön der Kerl ist?

Isabelle ahnte, das sie ihn damit überforderte.
"Das ist mein Befehl, Jüdin.", entgegnete er ihr eiskalt und stellte sich hinter sie auf.


Und auch das hier. :roll:
Ich kann es nicht verstehen.
Du haschst wirklich überall nach dem Effekt. Wo es nur geht.

Doch sie war nicht frei. Nur der junge SS-Soldat konnte sie erlösen, das wusste Isabelle.


Auch der Satz hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
Und der Bezug zu den Schriftzeichen über dem Tor. :nosad:

Purpurn breitete sich ein Teppich mit Blut, um ihren toten Körper, während die feine Asche auf sie hinab rieselte.


Auch das: Zu Viel und zu dick aufgetragen.

Fazit:
0815-Klischee-Nazi der ja eigentlich nicht will, erschießt eine minderjährige Jüdin.
Außer großen, sehr abgedroschenen, zu phatetischen Floskeln und Beschreibungen gibt der Text sehr wenig her.

Emphatie empfinde ich nicht.
Der Schrecken, bleibt in weiter Ferne, weil du ihn mit so viel poetischen Farbadjektiven überschüttest, dass es fast wie ein gezuckertes Gemälde wirkt.

Du benutzt zu viele längst abgegriffene Klischees.
Zu wenig was einem ans Herz geht.

lg
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon M-W-L » 20.06.2012, 16:57

Vielen Dank für eure Meinungen.

Letzte Kommentar fand ich schon ganz gut, da hier auch erklärt wurde, warum man so denkt.

Das Thema Holocaust, lässt allerdings nur Klischees zu, da die Deutschen zu der Zeit ihre Macht auf Klischees (von Propagandaministerium so gewollt) aufgebaut wurde/war.

Da muss man als Autor solchen im Kopf befindenen Bilder bedienen, damit wirklich gleich jeder daran erinnert wird, was damals war.
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon Johnny Sacrifice » 20.06.2012, 17:43

Moi MWS,


Letzte Kommentar fand ich schon ganz gut, da hier auch erklärt wurde, warum man so denkt.

Ich habe ausdrücklich geschrieben, was ich denke: Das deine Geschichte eine Anhäufung von Klischees ist und ich mich, bzw dich frage, was sie denn nun genau ausdrücken möchte?
Darauf habe ich keine Antwort erhalten.

Das Thema Holocaust, lässt allerdings nur Klischees zu, da die Deutschen zu der Zeit ihre Macht auf Klischees (von Propagandaministerium so gewollt) aufgebaut wurde/war.

Das ist ja echt krude und auch ein wenig wirr. Nur weil die Nazis die Propagandemaschine angeschmissen haben, müssen Autoren ihre Distanz flöten lassen? Das ist ja mal eine herbe Meinung.

Da muss man als Autor solchen im Kopf befindenen Bilder bedienen, damit wirklich gleich jeder daran erinnert wird, was damals war.

Bei mir befinden sich diese Bilder nicht um Kopf. Willst du den Leser leimen? Bedienst du ihn dann mit denselben Bildern, welche die Nazis evoziert und erfunden haben? Langsam frage ich mich, was du erreichen möchtest: Ein Geschichtsbild transportieren, was verquere Völkler zwischen 1933-45 ganz geil fanden? Ist es nicht die Aufgabe eines Autoren, Historie mit einer gewissen Distanz zu beschreiben? Und auch nachvollziehbar und korrekt?

Noch einmal wiederhole ich gerne meine Frage: Was möchtest du uns als Autor mit dieser Story sagen? Welchen Sinn hat diese? Möchtest du gerne provozieren, dann muss ich dir sagen, da gähnen die Hühner. Da hat jeder Nazisploitation-Film mehr Charme. Was willst du dann? Aufklären? Und das mit dem Bild des blauäugigen SS Schergen? Oder einfach nur ein wenig Gewaltszenen aneinanderreihen?

Mich überzeugst du nicht, sorry.

Gruss, J.
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon M-W-L » 20.06.2012, 21:20

Hallo Johnny,

ich bedanke mich bei dir, das du hier weiter am Ball bleibst und auch weitere Kommentare mitliest.

Ok, nun zu der Kernaussage dieses Auszuges:

Ihr habt recht, das jenes Klischee von blauäugigen, blonden, hochgewachsenen Arier, wohl abgedroschen ist.
Das übertriebene (fast poetische) Bildmaterial, ist hier als Stilmittel zu verstehen.
Was wollte ich damit bezwecken?

Eigendlich sollte der Leser das Gefühl bekommen, das einem jungen Mädchen im Jahre 1943, die Weltanschauung fehlt. Sie nimmt ihr Umfeld und ihr eigenes Leben in einer Surrealität wahr. Sie hat sich schon vor der "Szene" mit dem Tod auseinandergesetzt. Das sollte durch ihre nicht direkte Angst und den untypischen Denken zum Ausdruck kommen.
Dennoch sollte hier das Unverständnis über die Aktionen der Deutschen bleiben. Deshalb dieser kurze Dialog zwischen dem Mädchen und dem Soldaten.

Kurzum, junge Jüdin hat sich durch ihre Erlebnisse, dem Moloch Nazi gefügt. Selbstmord kommt nicht in Frage, aber der Wunsch, lieber Tod zu sein, als so weiter zu leben, bleibt. Der Wunsch ist genauso groß, wie der Wunsch eine Antwort auf all das, was ihr zugestoßen ist, zu bekommen. Leider bekommt sie diese nicht. (Genauso wie wir heute. Nach 70 Jahren gibt es immer noch keine klare Antwort zu dem WARUM. Ahnungen, wie und wo und weshalb, die haben wir. Aber nicht die Antwort zu der Frage WARUM)

Bei mir befinden sich diese Bilder nicht um Kopf. Willst du den Leser leimen? Bedienst du ihn dann mit denselben Bildern, welche die Nazis evoziert und erfunden haben?

Du hattest doch direkt gleich an "Schindlers Liste" gedacht, obwohl es bei "Schindlers Liste" keine einzige Szene gibt, wo eine junge Jüdin vor der Todesmauer in Auschwitz kniet.
Du hast das, was durch die Klischees assozuierte Filme erfolgreich auf die Mattscheibe projezierten, direkt mit meiner Geschichte in Verbindung gebracht. Einzigste was hier zusammenpasst, sind die Juden und evtl. die Zeit, in der die Geschehnisse spielten.

Erläuterung:

Schnee sollten nur als Sinnbild für die Jahreszeit sein (Januar oder Februar)
Asche = Sinnbild dafür, das jenes junge Mädchen zu der Zeit nicht allein gerichtet wurde. (Vergasung und anschliessende Verbrennung)
Asche die ihren Körper zum Schluss bedeckte = Sinnbild für die Stärke der Juden und die Schwäche der Deutschen. Selbst nach den Tod finden die Juden zueinander, auch wenn es nur ihre sterblichen Überreste sind, die ich als bildliches Werkzeug nutze.

Provozieren möchte ich nicht, aber bekomme nicht das Gefühl los, das du dich, durch meine Geschichte provoziert fühlst. Sei versichert, dies ist nicht meine Absicht.

So nun meine Anfrage an Kritiker, die etwas zu meiner Schreibe was sagen möchten.
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon Johnny Sacrifice » 20.06.2012, 21:33

Lieber MWL,

für mich bleibt dein historisches Bild über "Juden" und "Arier" weiterhin absolut finster, krude, wirr und latent anti-semitisch. Der Absatz mit "Asche, die zueinander findet", da braucht man viel, viel Liebe zur Poesie, um da was anderes reinzulesen. Egal.

Du wolltest was zu deiner Schreibe: Unterdurchschnittlich, um ganz ehrlich zu sein. Ich hätte nach dem ersten Absatz normalerweise aufgehört, da ich aber so von der Schwere des Titels und dem pathetischen Geschwafel negativ fasziniert war, habe ich dann weitergelesen.

Du kannst keine Szene eröffnen, der Leser wird nicht in das Geschehen reingezogen. Deine Dialoge klingen hölzern. Du hast keinen Protagonisten aufgebaut, für den man Empathie empfinden kann (oder ihn hassen!). Deine Handlung ist minimal, und stilistisch ist das irgendwie auch nicht so der Bringer. Poesie kann ich da beim allerbesten Willen nicht erkennen. Poesie ist Baudelaire. Vielleicht solltest du dir mal einen Stil-Ratgeber besorgen, wenn du es ernst mit dem Schreiben meinst, wenn du dich mit Text auseinandersetzt. Du sagst, dein Lieblingsschriftsteller ist King - dann analysiere den doch mal, wie der dich innerhalb von drei Sätzen dazu bringt, weiterlesen zu wollen.

Noch was: Ich halte Schindlers Liste für einen gefährlichen Film, und alle Klischees, die wir gerne um die Nazis bemühen, ebenso. Sie sorgen dafür, ob gewollt oder ungewollt, dass ein unmenschliches Bild entsteht. Leider ist das falsch.

Ich fühle mich von deinem Text nicht provoziert, dafür ist er eben viel zu platt und pathetisch. Ich frage mich halt nur, was du mit einem solchen Text nun wirklich willst???
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon M-W-L » 20.06.2012, 21:58

Wieder einmal ein Hallo an Johnny,

danke für deine, wenn auch nicht erfreuliche, Meinung zu meinem Text.
Ich bitte hier um Verständnis, das ich noch weitere Kritiken abwarte, um mich dann Mithilfe eurer Kommentare, noch einmal selbst analysiere. Sicher möchte ich das Schreiben weiterhin ernsthaft betreiben. Wie aus meinem Vorstellungsthread ersichtlich, ist der Grund meiner Mitgliedschaft hier, um von anderen zu lernen. Auch mit der Hilfe von euch an meinem Schreibstil zu arbeiten.
Vielleicht bemerke ich ja auch, das mir die Verpackung "Roman" ja doch nicht liegt. In diesem Falle bin ich auch so fair, mir das dann selber eingestehen zu können.

Warten wir es ab, was ich hier noch alles zum besten geben werde.

lg
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon CharlySemmel » 20.06.2012, 22:38

Hallo MWL!

Mein lieber Herr Gesangsverein, da hast du dir aber ein Thema ausgesucht. In die empfindlichste Stelle des deutschen Nationskörpers hinein gepiekst, sozusagen. Hab mir eine Weile hin und her überlegt, ob ich dazu was sagen soll. Da mir in deinem Text aber ein paar Sachen aufgefallen sind (überwiegend dramaturgischer Art), will ich dazu Stellung nehmen:

Es war kalt. Isabelle Scherbaum, von ihrer Familie liebevoll Isa genannt, fror unter ihren spärlichen Lumpen. Am ganzen Körper zitternt, schaute sie zum Himmel hinauf. Schwarze Rauchschwaden bedeckten die Wolken. Schnee, gemischt mit kalter, weißer Asche senkte sich zu ihrem Haupt herab. Isa hatte keine Angst mehr, schon zu lange wartete sie auf diesen Augenblick.


Ich würde diesen ersten Absatz anders schreiben, um am Anfang die dramatische Situation besser darzustellen (dramatischer einfach) Der zweite Satz (das mit der Isa) bremst die Dramatik gleich volle Kanne aus (woran das Wort "liebevoll" nicht unschuldig ist)
Ich würde es so schreiben:
Isabelle Scherbaum fror unter ihren spärlichen Lumpen. Am ganzen Körper zitternd, schaute sie zum Himmel auf. Schwarze Rauchschwaden waren dort zu sehen, wie sooft. Schnee, gemischt mit kalter, weißer Asche rieselte herunter. Und jeder im Lager wusste natürlich, was das zu bedeuten hat. Und man wusste auch, dass es nach und nach jeden treffen würde, nur eine Frage der Zeit. Jeder Tag, den sie einem noch am Leben ließen, war ein Geschenk. Lisa hatte oft darüber nachgedacht. Ja, selbst in dieser Vorhölle war das so. Aber jetzt schien der Augenblick gekommen zu sein, an dem das letzte Geschenk dieser Art aufgebraucht war. Nein, sie hatte keine Angst mehr. Am Anfang noch, als man sie hier einlieferte, dachte sie an Flucht. Dachte daran, dass es ihr irgendwie gelingen müsste, hier wieder raus zu kommen. Aber es kommt hier niemand raus, Endstation. Dafür sorgen schon die hohen Mauern, der Stacheldraht, die Wachposten mit ihren Gewehren und vor allem die Hunde.

"Hinknien, mit den Gesicht zur Wand", befahl ihr eine militärische Stimme. Ein Junger Soldat kam auf sie zu. In seiner Hand sah Isa eine Luger P08, welche er schussbereit, mit seinen drahtigen Finger, umklammerte. Isa blickte in das Gesicht des jungen SS-Soldaten, sie wollte sehen, wer ihren Leben ein Ende bereiten würde. Der junge Mann hatte hübsche, blaue Augen und blonde kurze Haare. Er war sehr gepflegt. Seine Stiefel glänzten vor Politur, seine Uniform saß prächtig auf seinen groß gewachsenen Körper. Zu einer anderen Zeit hätte ihr dieser junge Mann womöglich gefallen.


Hier könnte man auch mehr heraus holen. Weiß nicht, was du von der Idee hältst, den Soldaten aus der Sicht von Isa zu beschreiben. Die blauen Augen hab ich gelassen; das Klischee aber ein wenig mit brunetten Haaren durchbrochen.

"Hinknien, Gesicht zur Wand!", befahl eine militärische Stimme. Ein Junger Soldat kam auf sie zu. Seine rechte Hand hielt eine schussbereite Luger P08 umklammert. Isa blickte in das Gesicht des jungen Soldaten. So sieht also der Tod aus, dachte sie. Hübsche, blaue Augen hat er. Wirkt sehr gepflegt und ordentlich. Die Stiefel blitzsauber. Die prächtige Uniform kleidet seinen groß gewachsenen Körper. Nur die Haare sind brunett und nicht blond - ist das nicht unarisch?

"Warum tust du das?", stotterte Isabelle, bevor sie ihren Blick der steinernen Mauer zuwandte. Isabelle hörte wie dem jungen Soldaten die Luft weg blieb.
Empört schrie er sie an: "Was? - Umdrehen und hinknien, aber ein bisschen zügig."
"Warum tust du das?", fragte sie den jungen Soldaten noch einmal, diesmal ruhiger. Isabelle ahnte, das sie ihn damit überforderte.


Hier könnte man es so schreiben, dass der junge Mann durch diese Frage aus der Fassung gerät und zögert. Er ist vielleicht gar nicht einverstanden mit dem, was im Lager passiert. Wurde aber auf Gedeih und Verderb dahin abkommandiert. Wenn er den Befehlen nicht folgt, muss er mit seiner Erschießung rechnen. Und seine Familie müsste am Hungertuch nagen, weil ihr Ernährer tot wäre.

"Das ist mein Befehl, Jüdin.", entgegnete er ihr eiskalt und stellte sich hinter sie auf.
Isabelles Gedanken entfernten sich von dem Ort ihres Schicksals.


An der Stelle könnte man einen anderen Soldaten dazu kommen lassen. Er bemerkt das Zögern seines Kameraden und fragt: "Was ist hier los?" Der Angesprochene gibt keine Antwort. "Du sollst die Judenschlampe doch erschießen!" Der andere nickt und richtet die Pistole auf Lisa, doch er kann nicht abdrücken. "Warum tust du das!" hallt es in seinem Kopf nach "Warum tust du das?"
Isa, die das natürlich mit bekommt, hat für einen Moment Hoffnung, dass sie vielleicht nicht erschossen wird (zumindest nicht heute) Doch der andere zieht seine Luger, befördert sie mit einem Tritt an die Wand und drückt ab. Danach fragt er seinen Kameraden: "Was ist denn los mit dir?" Auf die Art könnte man in diesen Abschnitt mehr Spannung und Realismus (im Sinne von Lagerwirklichkeit) rein bringen.

Fazit: Wie gesagt, thematisch ein heikles Thema. Ich denke mal du weißt, dass du hier ein heißes Eisen anfasst (oder?) Wenn es aber schon sein muss, dann hüte dich vor allzu vielen Klischees und versuche es dramatisch abzuhandeln (denn es ist ja dramatisch, wie jeder weiß) Ich hoffe, ich konnte dir auf dem Weg dorthin den ein oder anderen Tipp geben. Meine Textbeispiele sollen lediglich Anregungen sein. Im besten Sinn ...

HGruß, CS
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon M-W-L » 20.06.2012, 23:02

Ich grüße dich Charly,

auch bei dir bedanke ich mich herzlichst. Für mich ist es als Neuling sehr Hilfreich, wie du mir auch Beispiele zum besseren schreiben nennst.
Gerade die Stelle wo Ilsa den Soldaten ansieht, und sichdenkt, so sieht also der Tod aus. Das fand ich wirklich richtig klasse und würde dies auch gern mit einbringen.

Auch das ich ruhig die Umgebung nutzen sollte, um hier eine Dramaturgie aufzubauen, kam als wichtiger Denkanstoss bei mir an. (Stacheldraht, hohe Mauer, sowie das noch keiner flüchten konnte. Wobei es wenige Hunderte Insassen es tatsächlich geschafft haben. Die meisten aber den Krieg selber nicht überlebten. Könnte man an dieser Stelle wohl auch noch mit einbringen)

Das dies ein heikles Thema ist, das ist mir durchaus bewußt.

Für den Denkanstoß zu einem zweiten Soldaten, bin ich auch zu Dank verpflichtet. Somit habe ich die Möglichkeit, auf die innere Zerissenheit des Soldaten Nr.1 näher einzugehen.
Zudem könnte Soldat Nr. 2 den Befehl zu Ende führen und ein Standgericht verurteilt Soldat Nr.1 wegen Befehlsverweigerung und richtet diesen direkt daneben. Dadurch wird das Bild noch authentischer.

Ein sehr inspirierender Kommentar. Danke dafür.

lg
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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon flushbox » 21.06.2012, 09:29

Hi M-W-L,

über die Qualität deines Textes kann man geteilter Meinung sein. Einerseits finde ich es wichtig und gut, dass du dich als deutscher Autor mit dem Thema "Holocaust" auseinandersetzt. Andererseits finde ich die Art und Weise, wie du es getan hast, ziemlich respektlos. Ich möchte auch im Detail erklären, warum das so ist.

Die Todesmauer Auschwitz


Ob der Titel absichtlich so gewählt wurde, weiß ich nicht. Allerdings steckt hier schon der erste grammatikalische Fehler. Der Titel suggeriert, der Begriff "Todesmauer" würde sinnbildlich für das KZ Auschwitz stehen. Das ist falsch. Die Todesmauer befand sich in Auschwitz, zwischen den Blöcken 10 und 11. Richtig wäre beispielsweise: "Die Todesmauer in Auschwitz" oder "Die Todesmauer von Auschwitz".

Isa hatte keine Angst mehr, schon zu lange wartete sie auf diesen Augenblick.


Das liest sich ja fast wie "in freudiger Erwartung des nahenden Todes".

Der junge Mann hatte hübsche, blaue Augen und blonde kurze Haare. Er war sehr gepflegt. Seine Stiefel glänzten vor Politur, seine Uniform saß prächtig auf seinen groß gewachsenen Körper. Zu einer anderen Zeit hätte ihr dieser junge Mann womöglich gefallen.


:? Ich spare mir jeden Kommentar. Völlig deplatziert.

Isabelles Gedanken entfernten sich von dem Ort ihres Schicksals. Wie der Tod wohl sein wird? Würde sie wirklich in den Himmel kommen?


Hast du dich auch nur eine Sekunde lang mit den Grundsätzen des jüdischen Glaubens beschäftigt? Woher stammt diese Idee von einem "jüdischen Himmel"?

Als sie mit dem Zug in das Lager kam, konnte sie die Inschrift über dem Eingangstor deutlich erkennen - Arbeit macht frei, stand dort in schönen, geschwungenen Wörtern.
Doch sie war nicht frei. Nur der junge SS-Soldat konnte sie erlösen, das wusste Isabelle.


Das ist ein echter Schlag ins Gesicht. Du siehst den Tod als Erlösung für einen KZ-Häftling? Und erhebst mit dem letzten Satz den SS-Soldaten sogar noch zum Erlöser! Da bleibt mir echt die Spucke weg. Soll sie ihm vielleicht noch dankbar sein, dass er ihr gleich einen Kopfschuss verpasst?

Während sie so darüber grübelte, wurde ihr zierlicher Körper nach vorne gerissen.


Während sie so vor sich hin grübelte? Ich zitiere mal den Duden: "seinen oft quälenden, unnützen oder fruchtlosen Gedanken nachhängen". :?

Ihr Kopf bettete sich auf dem samtigen Schnee. Purpurn breitete sich ein Teppich mit Blut, um ihren toten Körper, während die feine Asche auf sie hinab rieselte.


Endlich wurde sie von diesem adrett gekleideten Herrn erlöst und kann nun friedlich schlafen. Ende gut, alles gut, oder wie? Deiner Auffassung nach konnte einem Häftling also nicht besser passieren, als von der SS erschossen zu werden? Oh Mann ...

Die Art und Weise, wie du diesen Herrn von der SS zum Erlöser stilisierst und sein Handeln gleichzeitig durch den Passus "Das ist mein Befehl, Jüdin" relativierst, das ist schon unglaublich frech.

Ich möchte dir nicht unterstellen, dass du mit Absicht in diese Richtung gehen wolltest. Und weil es sich um eines deiner ersten Werke handelt, sollte man diesen Text nicht auf die Waagschale legen.



Grüße

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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon M-W-L » 21.06.2012, 11:19

Hallo flushbox,

vielen Dank für deinen Kommentar.
Die übertreibung mit dem ach so Arischen Soldaten, ist mir nun durchaus bewußt und WIRD bei der Überarbeitung berücksichtigt.

Jüdischer Himmel. Auch wieder zu Oberflächlich gewählt von mir. Die Juden glauben an einer Schattenwelt "Scheol", bzw. an ein ewigen Leben. Zumeist liegt der Glaube, das man in seine Nachkommen weiterlebt. Das mit der Schattenwelt hatte ich Absichtlich aussen vor gelassen, das würde hier wirklich eine Hoffnungslosigkeit bewirken. (Dies war ja nicht meine Absicht)

Titelwahl, wurde nur für dieses Projekt hier gewählt, da dies ja ein Auszug aus einer komplexen Geschichte ist.
Mann könnte ihn auch "Stammlager Auschwitz I - Block 11 / Todesmauer" nennen.

Freudige Erwartung auf den Tod, war nicht meine Absicht. Eher Erleichterung, diesem Alptraum entfliehen zu können, auch wenn als Ausweg nur ein schneller Tod bleibt.

Ich bedanke mich bei jedem, der hier den Mut hat, seine Meinung zu so einem schwierigen Thema, zu äußern. Vieles ist mir durch eure Hilfe aufgefallen.
Sicher ist dies mein erstes größeres Werk, deswegen stell ich es hier auch rein, damit ich mir ein Bild über meine Schreibe machen kann. In meinem Bekanntenkreis findet sich kein Unvoreingenommener Kritiker. (Dies wird wohl bei den meisten der Fall sein)

Das Thema ist sehr schwerlastig, das ist mir bewußt. Es gibt selbst Juden, welche überlebt haben und ihre Biographie über diesen Lebensabschnitt schrieben. Selbst hier wurde laut und stark kritisiert, obwohl diese es am eigenen Leib so erlebt haben.

Ich werde mir vieles zu Herzen nehmen und meine Geschichte noch einmal überarbeiten, bis ich ein halbwegs annehmbares Bild abliefere. Denn das ist der Grund, warum ich und auch andere hier als Mitglied im Forum aggieren.

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Re: Die Todesmauer Auschwitz

Beitragvon Bonaventura » 21.06.2012, 12:06

Interessant: Die Kritik fällt hier (wenn auch berechtigt und gut begründet) ganz ungewöhnlich herb aus. Ich denke, das solltest Du als Hinweis dafür nehmen, dass Holocaust/Auschwitz vielleicht insgesamt keinen brauchbaren Hintergrund für einen offensichtlichen Anfänger (was keine Schande ist) darstellen. Gerade dieser Hintergrund strotzt halt vor wohlbekannten Klischees, inhaltlichen Fallstricken, erhöhter Sensibilität beim Publikum und schlicht mangelnder Eignung für viele Themen. Der Mörder als Erlöser mit allen Ambivalenzen, die das mit sich bringt, kann funktionieren, sogar mit extrem poetischer Sprache (z.B. eine der m.E.n. genialsten Szenen der Filmgeschichte: http://www.youtube.com/watch?v=Ol8pmQJC6_g ).

Aber nicht in Auschwitz!
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Re: Die Todesmauer Auschwitz ...überarbeitet I

Beitragvon M-W-L » 22.06.2012, 01:13

Ich habe alles neu geschrieben und nun versucht die Dramatik zu steigern und das Poetische wegzulassen. Auch die hölzernen Dialoge sind weg.
Jetzt bin ich mir aber mit der/den Perspektiven nicht ganz sicher.
Und der Titel wurde geändert, dadurch ist die schwere des Textes nun für sich allein.
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