Eine U-Bahn Geschichte

Eine U-Bahn Geschichte

 
Neulich, in einer U-Bahn in Berlin


Haste jehört, Kalle is tot.
Nee, Kalle? Woran issa den jestorm?
De Lunge, hat zu ville jerocht.
Oh man, wie alt war er denn?
Kene fufzig.
Kene fufzig? Ick gloobe, ick muss och ufhörn damit. Rochst du och?
Nee!
Haste mal jerocht?
Ja!
Wie lange iss’n det her?
Een Jahr.
Een Jahr? Na dann biste ja noch jarnich entwöhnt.
Wiso?
Na, der Körpa brauch siem Jahre, bissa sich rejeneriert hat.
Siem Jahre?
Ja!
Na dann brauchste och nich mehr uffhörn mit dem Rochn.
Wat willst’n damit sajen?
Menste det du noch so lange machst?
Sehr liebenswürdig, danke. Mensch, ick bin och noch keene fufzig.
Keene fufzig?
Keene fufzig!!
Schmeiss dein Ausweis wech.
Wieso soll ick meen Ausweis wechwerf’n?
Lass da schätzen, kannste morjen uf Rente jehn.
Sach mal, hat deene Zahnbürste morjens schon mal ins leere jejriffen?
Watt biste so ajressiv? De Wahrheit kannste nich vatragn, wa?
Det schon. Kannste aba och freundlicha sagn.Wo sind wa jetzte eijentlich?
Am Zoo.
Oh man, ick muss jetzte umsteijen. Machs jut. Jrüs Kalle von mir.
Mensch, der is doch tot!
Ick wees!

von © carl

 
Habe mich selten so gut amüsiert. Die Berliner Schnauze perfekt rüber gebracht.
Chablis

von © Chablis

 
Hallo Carl,

Zuerst einmal: :lol: :lol: :lol:

Wirklich witzig geschrieben, ich hatte sofort Bilder von den Personen die da sprechen im Kopf, obwohl du sie ja gar nicht wirklich beschrieben hast, was meiner Meinung nach vom guten erzählerischen Stil abhängt.
Muss aber gestehen, dass es für mich als Österreicherin sehr schwer zu lesen war :lol:

Liebe Grüsse, Lisa

von © Sonnenscheinchen

 
Sehr schöner Dialog :lol: .... als echte Berlinerin natürlich ein leckeres Häppchen für mich. Wobei ich immer wieder finde, dass es kaum Berliner jibt, die so sehr berlinern wie dieses Dialog-Pärchen. :lol:

Das Thema ist leider in meiner Familie sehr aktuell und das macht deine Geschichte für mich irgendwie greifbarer ...

von © divana

U-Bahn-Geschichte

 
Hallo divana, Sonnenscheinchen und Chablis

Ich bin überrascht, dass ich für diese Zeilen so ein nettes feedback erhielt.
Ich muss leider eine kleine Sünde eingestehen. Es war für mich ein Test. Bisher habe ich mich noch nicht mit Geschichten schreiben beschäftigt und ich wollte mal sehen, welche Resonanz ich mit meiner Wortgestalltung haben werde. Den Anstoss, diese Geschichte in dieser Form zu schreiben war ein Gedicht auf das ich in diesem Forum stiess, wo man sich fragte"Hallooo, was ist das denn. Sinnloses Kauderwelsch, mehr Grunzlaute als Worte,ich fühlte mich in einem schlechten Comic versetzt. Aber siehe da, es waren doch sehr viele, die sich mit diesen Zeilen auseinander setzten. Sie fragten, welche Sprache das sei, ob es vielleicht ein Dialekt ist,versuchten den Sinn zu verstehen. Ich dachte also, es ist das Aussergewöhliche, aus dem Rahmen fallende, was den Mensch neugierig macht. Deshalb entschied ich mich, meine Geschichte in diesem Stil zu schreiben, wo der Leser mitarbeiten muss. Wo er die Worte zweimal lesen muss um sie zu verstehen und die Fantasie spielen lassen musste um den Dialog der beiden nachvollziehen zu können.Bitte verzeiht mir. Ich gelobe auch Besserung

von © carl

 
Wehe Carl, Du besserst Dich. Dann bin ich Dir mächtig böse.

Chablis

von © Chablis

U-Bahn-Geschichte

 
Danke Chablis

Es darf nie langweilig werden!

von © carl

 
Tach Carl,

also, ick konnte jenau vastehn, watte damit sajn wolltest. Ick gloob, in der U-Bahn hab ick neulich och jestand'n und jehört, wat die beeden sich da azählt ham'... :-)


Und der Schluss gefällt mir besonders gut - der hat so einen gewissen "Nachbrenner-Effekt"...
Jrüs Kalle von mir.
Mensch, der is doch tot!
Ick wees!

Klasse!

von © Baer

 
Hallo Baer.
Ja, du hast es mitbekommen. Das ist nun mal die berliner Schnauze. Jemanden "uff de Schippe nehm' "und der merkt es erst später.

von © carl

 
Da ich neu in diesem Forum bin, Carl, hatte ich mir Konstruktivität eigentlich ganz groß auf die Fahne geschrieben. Aber vor lauter Lachen krieg' ich's diesmal nicht hin. Ich hoff' du verzeihst's mir. Zum Ausgleich werde ich (wohl als einziger) kein Lob formulieren ;-)

von © Ernuwieder

 
Auch ich hatte viel Spaß beim Lesen deines Dialoges, der wirklich außergewöhnlich ist. Ich muss gestehen, dass ich auch einige Teile zweimal lesen musste, da ich (aus NRW) noch so gut wie nie dem Berliner Dialekt begegnet bin.
Und auch ich hatte, wie Sonnenscheinchen, die Bilder der Beiden vor Augen. Ist dir wirklich gut gelungen! :wink:

Liebe Grüße
Tiny

von © Tiny

 
Es freut mich wirklich riesig, dass diese Geschichte so gefällt. Ich glaube, ich werde Morgen mal mit der U Bahn fahren um eine Fortstzung aufzuschnappen.

von © carl

 
carl, wo bleibt die versprochene Fortsetzung!! Oder fährst Du nicht mehr mit der U-Bahn? Mach nicht so viel Gedichte, mach lieber mal wieder in Dialog! Gefällt mir nämlich und lies nur mal wieder, was das übrige Lespublikum dazu gesagt hat. Wenn's noch philosophischer werden soll (muß nicht, könnte aber, wer weiß) bieten sich nonverbale Abgänge an oder deus-ex-machina-Episoden (Episodesken lieber, ok, gibt's nicht, also was Klitzkleines).
lg
t a w i l

von © tawil

 
Hallo Carl,

auch ich als Ex-Berlinerin finde deinen Text ganz toll! Sehr amüsant, gut getroffen und herrlich erfrischend. Endlich mal wieder Berlina Schnauze. Ich wohne nämlich in Hessen, da tut das mal wieder ganz gut. Das einzige, wo ich in Gedanken immer "verbessert" habe, war "gloobe". Das kann man nämlich auch "jloobe" "jloobst" schreiben. Ist dann nochmal einen Tick verwirrender für alle Nich-Berlina^^.

Haste mal deinen Text laut gesprochen? Da kriegt man echt Knoten in der Zunge *g* Sogar ich als Ex-Berlina. Sehr toll! Werd jleich ma üben jehn.

lg Steffi

von © Alessa

 
Hallo Carl,
auch ich (aus dem hohen Norden) mußte einige Worte zweimal lesen, aber ich fand es sehr abwechslungsreich, mal einen Beitrag mit Dialekt zu lesen.

Den Inhalt ist recht witzig, aber auch mit einem kleinen Seitenhieb auf die rauchende Bevölkerung versehen.

Das einzige, was mir fehlte, war der Bezug zum Titel. Die Konversation hätte auch an jedem anderen Ort stattfinden können. :?

Da hätten vielleicht einige Sätze zur Umgebung/Fahrt der U-Bahn gut getan und dem Nicht-Berliner eine kleine Atempause gegönnt. Aber das ist wohl auch Geschmackssache.

Viele Grüße
DeKey

von © DeKey

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