[Tragik]Eine Blume

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Eine Blume

Beitragvon Lysien » 31.05.2014, 00:04

Hallo alle zusammen! :)
Nachdem ich ein bisschen durchs Internet gesurft bin, habe ich ein inspirierendes Bild gefunden und versucht mal eine kurze Kurzgeschichte darüber zu schreiben. Gerade neu geboren, also vermutlich noch nicht vollends ausgeformt. Aber ich hoffe mal das beste. :mrgreen: Ich würde mich über Kommentare freuen, wie ich das Kleine noch verbessern kann, vielleicht kann man es ja irgendwo einbauen. :wink:
LG
Lysien


Eine Blume

Er starrte auf sein Handy. Keine neue Nachricht. Die letzte war von ihm. Antworte schon! Wieso antwortest du nicht? Er sah auf das Datum. Vor zwei Wochen hatte er sie ihm das letzte Mal geschrieben. An dem Tag war sie bei ihm gewesen. Die Wörter auf dem Display verschwammen. Jetzt bloß nicht weinen. Reiß dich zusammen!, befahl er sich selbst und richtete sich auf. Zögernd legte er das Handy auf den Couchtisch und lehnte sich zurück. Er versuchte sich zu beherrschen und es nicht gleich wieder in die Hände zu nehmen. Wie lange war es her, dass sie neben ihm auf dem Sofa gelegen hatte. Ihren Rücken an seine Seite gelehnt. Manchmal wenn er in ihre blauen Augen gesehen hatte, meinte er, ein ganzes Universum sehen zu können. Sein Universum. Seine Welt.
Daniel kam ins Wohnzimmer. »Gehen wir?«
Ben schaute auf. »Wohin?«
»Ins Kino? Das haben wir jetzt seit über einer Woche geplant.«
Eine Woche. Was war vor einer Woche gewesen? Welcher Tag war heute? Irritiert sah Ben seinen Freund an. Wie war Daniel überhaupt herein gekommen?
»Was ist los?«, fragte Daniel und ließ sich auf das Sofa fallen. Er schaltete den Fernseher aus. Stille. Diese drückende Stille. Mit ihr war es nie still gewesen. Sie hatte immer etwas zu erzählen. Immer einen Witz auf den Lippen. Ihre wunderschönen Lippen.
»Ben!«, riss Daniel ihn aus seinen Gedanken.
»Lia hat heute Geburtstag.« Ein Lächeln huschte über Bens Gesicht. »Ich habe ihr Blumen geschenkt. Also eigentlich nur eine. Ich hatte kein Geld für mehr.«
Er spürte Daniels Hand auf seiner Schulter. »Sie freut sich bestimmt darüber.«
Ben nickte. Sie mochte Blumen schon immer.
Sie standen gleichzeitig auf. Er wollte gar nicht ins Kino. Er konnte sich sowieso auf nichts konzentrieren. Seine Gedanken waren ganz bei ihr. Bei seiner Lia.

Viele Leute waren auf der Straße unterwegs. Sie eilten an den beiden Jungen vorbei, würdigten sie nicht eines Blickes. Gesichtslose Menschen, die den Wert des Lebens nicht kannten. Kannte er selbst ihn? Wenn er mit Lia zusammen war, dann ja. Dann schien alles Sinn zu machen. Ein paar Herren in schwarzen Mänteln liefen an ihnen vorbei. Wo sie wohl hinwollten?
Daniel erzählte irgendetwas. Bens Blick glitt über die Passanten. Und plötzlich ... sah er sie. Ihre glatten braunen Haare wehten im kühlen Wind und ihre Augen waren so lebendig und voller Lebensfreude. Neben ihr liefen zwei weitere Mädchen. Er kannte sie nicht.
»Daniel!« Er blieb abrupt stehen und hielt seinen Freund am Arm fest. »Da ist sie!«
Daniel starrte ihn an. »Wer?«, fragte er langsam.
»Na Lia! Da drüben!« Er deutete mit dem Finger auf sie und wollte loslaufen. Doch Daniel hielt ihn zurück.
»Du hast doch selbst gesagt, sie würde nie einen Minirock anziehen. Auf deiner Party letztes Jahr.«
»Doch, das ist sie!«, überging Ben ihn und ging einen Schritt auf sie zu. Er wollte ihren Namen rufen, doch diesmal zog Daniel ihn heftig am Arm zurück.
»Ben!« Eine gequälte Grimasse legte sich auf Daniels Gesicht. »Sie ist es nicht!«
»Doch sie ist es!« Zitterte seine Stimme? Wieso fühlte er sich so gefangen? Mit ihr zusammen war er frei! »Sie ist es! Ich bin seit zwei Jahren mit ihr zusammen! Ich weiß doch, wie sie aussieht!«
»Ben«, wiederholte Daniel diesmal etwas weicher.
Lia ignorierte die beiden Jungen und lief mit ihren Freundinnen weiter. Nicht einen flüchtigen Blick warf sie Ben zu. Er starrte ihr nach. »Sie kann mich doch nicht verlassen! Sie ist alles für mich!«
»Das Mädchen da ist nicht Lia.«
»Doch! Sie muss es sein!« Ben stürzte auf den Boden. Seine Knie schmerzten beim Aufprall auf den Asphalt. Die Leute starrten ihn amüsiert an, liefen aber weiter. Daniel hockte sich neben ihn und hielt ihn fest.
Bens Hände zitterten und sein Herz raste. Wieso wurde er festgehalten? Er spürte seinen Puls noch einmal beschleunigen. Ihm war so heiß und seine Sicht verschwamm schon wieder. Dann begann er zu weinen. Mitten auf der Straße, doch er konnte es nicht mehr zurückhalten. »Ich brauche sie doch!«, wimmerte er und starrte wieder zu dem Mädchen. Sie hatte ihn endlich bemerkt und starrte ihn an. Ihre Freundinnen lachten.
»Sie ist tot, Ben. Sie ist tot«, murmelte Daniel.
Zuletzt geändert von Lysien am 02.06.2014, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eine Blume

Beitragvon kaline » 31.05.2014, 01:24

Liebe Lysien,

es ist ziemlich spät und eigentlich dachte ich, ich würde heute keinen Text mehr kommentieren. Deiner hat mich allerdings so angesprochen, dass ich es nun doch tue. :mrgreen:

Zu Stil und Ausdruck: ich konnte dem Text gut folgen, auch die Dialoge waren angenehm zu lesen.

Einiges ist mir aufgefallen:

Lysien hat geschrieben:Eine Blume

Er starrte auf sein Handy. Keine neue Nachricht. Die letzte war von ihm. Antworte schon! Wieso antwortest du nicht? Er sah auf das Datum. Vor zwei Wochen hatte er sie ihm das letzte Mal geschrieben. An dem Tag war sie bei ihm gewesen. Die Wörter auf dem Display verschwammen. Jetzt bloß nicht weinen. Reiß dich zusammen!, befahl er sich selbst und richtete sich auf. Mit gespielter Gleichgültigkeit legte er das Handy auf den Couchtisch und lehnte sich zurück. Wie lange war es her, dass sie neben ihm auf dem Sofa gelegen hatte. Ihren Rücken an seine Seite gelehnt. Manchmal wenn er in ihre blauen Augen gesehen hatte, meinte er, ein ganzes Universum sehen zu können. Sein Universum. Seine Welt.


Den markierten Satz brauchst du meiner Meinung nach nicht, mich hat er eher verwirrt (weil "letzter" so unterschiedlich verstanden werden kann, wenn du weißt, was ich meine).
Die gespielte Gleichgültigkeit hat mich gestört, weil ich nicht wusste, vor wem er sie spielt. Vor sich selbst vermutlich nicht und dass Daniel da ist, weiß er ja offenbar gar nicht.
Im drittletzten Satz fehlt ein Beistrich.

Lysien hat geschrieben:Daniel kam ins Wohnzimmer. »Gehen wir?«
Ben schaute auf. »Wohin?«
»Ins Kino? Das haben wir jetzt seit über einer Woche geplant.«
Eine Woche. Was war vor einer Woche gewesen? Welcher Tag war heute? Irritiert sah Ben seinen Freund an. Wie war er überhaupt herein gekommen?


Ich glaube, du brauchst noch ein Wort, damit die Frage Sinn ergibt (rot markiert). Die letzte Frage in diesem Absatz kann sich übrigens sowohl auf Daniel als auch auf Ben beziehen. Wenn du Klarheit schaffen willst, schreib "Wie war Daniel überhaupt herein gekommen?".

Lysien hat geschrieben:»Was ist los?«, fragte Daniel und ließ sich auf das Sofa fallen. Er schaltete den Fernseher aus. Stille. Diese drückende Stille. Mit ihr war es nie still gewesen. Sie hatte immer etwas zu erzählen. Immer einen Witz auf den Lippen. Ihre wunderschönen Lippen.
»Ben!«, riss Daniel ihn aus seinen Gedanken.
»Lia hat heute Geburtstag.« Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. »Ich habe ihr Blumen geschenkt. Also eigentlich nur eine. Ich hatte kein Geld für mehr.«


Hier würde ich wieder "Bens Gesicht" schreiben, damit klar ist, wen du meinst.
Lysien hat geschrieben:
Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. Daniels Hand. »Sie freut sich bestimmt darüber.«
Ben nickte. Sie mochte Blumen. Immer schon.
Sie standen gleichzeitig auf. Er wollte gar nicht ins Kino. Er konnte sich sowieso auf nichts konzentrieren. Seine Gedanken waren ganz bei ihr. Bei seiner Lia.


Wessen Hand sollte es sonst sein? ;) Den Zusatz brauchst du nicht, finde ich, man versteht es so auch.
"Immer schon" passt hier irgendwie grammatikalisch nicht...Sie mochte Blumen, aber sie HATTE Blumen immer schon gemocht. Der Halbsatz hört sich so irgendwie falsch an...

Lysien hat geschrieben:Viele Leute waren auf der Straße unterwegs. Sie eilten an den beiden Jungen vorbei, würdigten sie nicht eines Blickes. Gesichtslose Menschen, die den Wert des Lebens nicht kannten. Kannte er selbst ihn? Wenn er mit Lia zusammen war, dann ja. Dann schien alles Sinn zu machen. Ein paar Herren in schwarzen Mänteln liefen an ihnen vorbei. Wo sie wohl hinwollten.


Mich persönlich stören die Fragen ohne Fragezeichen ein bisschen, weil du sie recht oft verwendest. Zumindest "Wo sie wohl hinwollten" würde ich mit einem Fragezeichen ausstatten, bei den anderen fand ich es nicht ganz so störend. Ist aber sicher subjektiv. ;)

Lysien hat geschrieben:Daniel erzählte irgendetwas. Aber Ben hörte nicht zu. Sein Blick glitt über die Passanten. Und plötzlich ... sah er sie. Ihre glatten braunen Haare wehten im seichten Wind und ihre Augen waren so lebendig und voller Lebensfreude. Neben ihr liefen zwei weitere Mädchen. Er kannte sie nicht.


"Daniel erzählte irgendetwas" impliziert bereits, dass Ben nicht zuhört - da würde ich den blau markierten Satz streichen und im Satz danach "Bens Blick" schreiben.
"Seichter Wind" klingt für mich unpassend. Ist er nicht eher leicht? Oder nur Wind?

Lysien hat geschrieben:»Daniel!« Er blieb abrupt stehen und hielt seinen Freund am Arm fest. »Da ist sie!«
Daniel starrte ihn an. »Wer?«, fragte er langsam. Was hatte er bloß?
»Na Lia! Da drüben!« Er deutete mit dem Finger auf sie und wollte loslaufen. Doch Daniel hielt ihn zurück.
»Das ist sie nicht. Siehst du den Minirock? Den würde Lia nie anziehen.«
»Doch das ist sie!«, bestand Ben und ging einen Schritt auf sie zu. Er wollte ihren Namen rufen, doch diesmal zog Daniel ihn heftig am Arm zurück.


Die Frage finde ich ein bisschen zu auffällig. Dass Daniel Ben anstarrt und so langsam fragt, heißt eh, dass er etwas komisch findet, da brauche ich als Leser die Frage nicht dazu.
Daniels Reaktion finde ich irgendwie seltsam: wenn sie tot ist, wieso erwähnt er den Minirock überhaupt? Hier scheint es, als wüsste Daniel mehr über Lia als Ben und das lässt Ben - der ja anscheinend mit ihr zusammen ist/war - wie einen (entschuldige bitte) Idioten aussehen. Wenn das so sein soll, hast du dein Ziel erreicht, aber wenn nicht, ist der Minirock-Satz ja vielleicht gar nicht notwendig. ;)

Lysien hat geschrieben:»Ben!« Eine gequälte Grimasse legte sich auf Daniels Gesicht. »Sie ist es nicht!«
»Doch, sie ist es!« Zitterte seine Stimme? Es gab doch keinen Grund dazu. Wieso fühlte er sich so gefangen? Mit ihr zusammen war er frei! »Sie ist es! Ich bin seit zwei Jahren mit ihr zusammen! Ich weiß doch, wie sie aussieht!«
»Ben«, wiederholte Daniel, diesmal etwas weicher.
»Sie kann mich doch nicht verlassen! Sie ist alles für mich!«
»Das Mädchen da ist nicht Lia.«
»Sie muss es sein.«


Hab dir drei fehlende Beistriche eingefügt.
Den blau markierten Satz würde ich streichen. Erstens gibt es sehr wohl einen Grund, eine zitternde Stimme zu haben, und zweitens wird die Frage davor dadurch stärker.
Ich verstehe nicht, wieso Ben davon ausgeht, dass Lia ihn verlassen will. Weil sie ihm seit zwei Wochen nicht zurückschreibt? Mir fehlt der Auslöser für diesen Gedanken in der Szene, als er das Mädchen sieht.

Lysien hat geschrieben:Ben stürzte auf den Boden. Seine Knie schmerzten beim Aufprall auf den Asphalt. Die Leute starrten ihn amüsiert an, liefen aber weiter. Daniel hockte sich neben ihn und hielt ihn fest.
Bens Hände zitterten und sein Herz raste. Wieso wurde er festgehalten? Er spürte seinen Puls noch einmal beschleunigen. Ihm war so heiß und seine Sicht verschwamm schon wieder. Dann begann er zu weinen. Mitten auf der Straße, doch er konnte es nicht mehr zurückhalten. Bittere Tränen rannen sein Gesicht herunter. »Ich brauche sie doch!«, wimmerte er und starrte auf die Straße. Die Leute die vorbeiliefen, sich selbst aber als wichtiger empfanden.
»Sie ist tot, Ben. Sie ist tot«, murmelte Daniel.


Bittere Tränen sind für mich so ein Klischee...Tränen sind nicht bitter, sondern höchstens salzig oder nass oder heiß oder kalt. Jedenfalls nicht bitter. :wink:
Der Satz mit den Leuten reißt mich irgendwie heraus...grammatikalisch passt er nicht ganz zum Vorgänger (außer, du setzt ein "Auf" vorne dran) und außerdem interessieren mich in dem Moment nicht die Leute und wen sie als wichtig empfinden, sondern was Ben empfindet!

Toller Schlusssatz!
Insgesamt hätte ich gern noch gewusst, was das Mädchen, das nicht Lia ist, macht, während Ben ihr nachschaut und redet und schließlich stürzt. Wenn er sie dauernd beobachtet, tut sie auch etwas und irgendwann verschwindet sie vermutlich. Das hat mir noch gefehlt, aber ansonsten finde ich den Text toll! Berührend, ein bisschen rätselhaft, manchmal bildhaft, aber nicht zu abstrakt.
Danke, dass ich ihn lesen durfte! :D
Liebe Grüße,
kaline

PS: Ich hoffe, du kannst mit meinen Vorschlägen etwas anfangen. ;)
Meine Kinder- und Jugendbücher: http://www.kaihula.at
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Re: Eine Blume

Beitragvon Lysien » 02.06.2014, 15:19

Danke kaline! :flowers:

Ich habe versucht alles zu verbessern. Gerade die Kommata gehen mir manchmal irgendwie ein bisschen durch die Lappen.
Danke für deinen Kommentar! :D
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Re: Eine Blume

Beitragvon FrozenBambi » 05.06.2014, 13:28

Hallo,

ich mach mich mal ran. Bitte nichts persönlich nehmen ich kritisiere immer mit dem Vorschlaghammer. :mrgreen:


Reiß dich zusammen!, befahl er sich selbst und richtete sich auf.


Das Komma gehört da weg, oder Anführungszeichen für ‚wörtliche Rede‘ her. Bei ersterer Möglichkeit, würde ich den zweiten erklärenden Teilsatz ‚befahl er sich selbst‘ streichen.


Er versuchte sich zu beherrschen und es nicht gleich wieder in die Hände zu nehmen.


IdR nimmt man ein neumodisches Handy in eine Hand. Singular wäre also passender.

Wie lange war es her, dass sie neben ihm auf dem Sofa gelegen hatte.


Das ist doch eine Frage, also würde ich ein ? ans Ende tun.


Manchmal wenn er in ihre blauen Augen gesehen hatte, meinte er, ein ganzes Universum sehen zu können. Sein Universum. Seine Welt.


Das klingt auf gleich zwei Art und Weisen seltsam. Erstens einmal gibt es nur ein Universum. Eine kleinere Einheit wäre eine Galaxie. Dann der Vergleich von Universum und Welt (in der der Durchschnittsmensch einen Planeten sieht) – das hinkt einfach.

Ich habe meiner Frau schon oft sehr tief in die Augen gesehen. Und auch bei aller lyrischen Verklärtheit sieht man da kein Universum. Leider sind diese ‚Sachen‘, die man angeblich in den Augen des anderen sieht schon derartig ausgelutscht und abgedroschen, dass ich es nicht wage, dir eine Alternative vorzuschlagen.
Dir fallen sicher kreativere Bilder ein, die nicht schon dermaßen bekannt sind, dass man drüberlesen mag.


Ihre glatten braunen Haare wehten im kühlen Wind und ihre Augen waren so lebendig und voller Lebensfreude.


Das ist over the edge. Ist es für die KG (!) relevant, dass die Haare braun und glatt sind? Ne? Ist es interessant, ob der Wind kühl ist? Erst recht nicht. Einzig ihre Lebensfreude mag von Interesse sein. Denn dadurch wäre ich ziemlich pissed. Die meldet sich nicht bei mir und läuft fröhlich durch die Straßen.


Neben ihr liefen zwei weitere Mädchen. Er kannte sie nicht.


Der zweite Satz ist unnötig – schließt man aus dem ersten.


»Sie ist tot, Ben. Sie ist tot«, murmelte Daniel.


Leider sehr vorhersehbar das Ende.


Fazit:


Joar …
Also du stellst das Ganze okay dar. Man weiß worum es geht. Der Typ hat Depressionen, ist scheinbar bisschen in der Zeit hängen geblieben. Sein Kumpel versucht wohl halbwegs normal mit ihm umzugehen. Er sieht in anderen Mädchen seine tote Freundin. An dieser Stelle ist einem das Ende dann schon klar, weswegen der letzteSatz (der leider schon viel zu oft genau in der Art und Weise verwendet wurde) nicht mehr wirklich zieht.

Leider wurde bei mir hier kein Gefühl der Wehmut transportiert, dass zu so einer KG gehört. (Könnte natürlich auch an mir liegen – Männer und so nech)

Mir war der Typ einfach ein zu großer Jammerlappen. Der hockt die ganze Geschichte entweder depressiv herum, hängt in Gedanken, ist ganz woanders. Solche Tränensäcke werfe ich als Autor gerne in die Tonne, setze mich drauf und lasse es nie wieder zu, dass sie es wagen, eine Geschichte zu besudeln.

Und dadurch kommt (bei mir) schon das nächste Problem auf: Man darf sich die halbe Geschichte lang an Erinnerungen ergötzen. Ihre tollen Augen, die gemeinsamen Stunden etc. Da fühle ich wirklich Bedauern. Diese arme Frau hat wahrscheinlich Selbstmord begannen, nach x Jahren Beziehung mit diesem Weichei.

Dann kommt die Kinonummer. Warum gerade ins Kino? Da hätte man soviel rausholen können. Der Protagonist will zu ihrem Haus gehen, sturmläuten und verdammt nochmal, dass sie ihm Rede und Antwort steht. (Das würde ihm vllt mal ein wenig Charakter verpassen und ihn nicht NUR verachtenswert machen) Und dann kommt die Mutter raus, faucht ihn total an, was er hier will. Es reicht ihr schon. Die ganze Sache belastet sie schon so sehr.

DANN denkt der Leser. Na geh, was ist da bitte vorgefallen? Muss ja ne eklige Trennung gewesen sein. Und DANN kannst du mit deinem Sätzchen kommen, der noch mal ne Überraschung reinbringt.

Das Motiv der Blume wurde auch praktisch gar nicht behandelt. Mach doch was Mitreißendes draus. Er will sie ihr geben, ihr ne Freude machen und am Ende legt er sie auf ihr Grab, als er endlich aufwacht und realisiert, dass sie tot ist.

Also alles in allem holst du ein schon x-mal bearbeitetes Thema raus. Das kann man tun, aber dann darf man nicht all seine Ressourcen verschleudern. Erzeug mehr Gefühl, mehr Sympathie für den Protagonisten und mach es nicht so durchschaubar.
Ich denke du arbeitest hier sehr betriebsblind, weil dich das Thema berührt. Du darfst nie vergessen, dass der Leser nicht telepathisch deine Gedanken übertragen bekommt. Du musst ihm die Chance geben, dasselbe zu fühlen, wie du, als du dieses Bild (eine Blume ? ) gesehen hast.

Also hau entweder meine Meinung in den Wind, oder hau in die Tasten! ;)

Noch ein happy writing,

Bambi
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Re: Eine Blume

Beitragvon x Patty x » 08.07.2014, 20:22

Hey Lysien,
ich hab hier schon lange nichts mehr kommentiert, also könnte es sein, dass ich etwas eingerostet bin. Ich versuche, meine Kritik so konstruktiv wie möglich zu gestalten.

Vorweg zunächst: Mich würde interessieren, welches Bild dich inspiriert hat.

Die Überschrift:
Ich nehme an, dass das besagte Bild eine Blume abbildet, oder wieso hast du diese Überschrift gewählt? Weil der Protagonist eine Blume geschenkt hat? Aber welche größere Bedeutung spielt sie?

Zum Inhalt:
Lysien hat geschrieben:Er starrte auf sein Handy. Keine neue Nachricht. Die letzte war von ihm.

"Die letzte war von ihm" hat mich irritiert. Ich musste den Satz dreimal lesen. Vermutlich ist es eine Art Chat-Gespräch oder Whats App Nachricht. Allerdings würde ich es umformulieren:
"Zuletzt hatte er sich bei ihr gemeldet." Oder Ähnliches.
Lysien hat geschrieben:Antworte schon! Wieso antwortest du nicht? Er sah auf das Datum.

Hier stört mich das Format. Gedankengänge würde ich kursiv schreiben, aber nicht in einem Atemzug mit den tatsächlichen Abläufen der Geschichte.

Schön finde ich es, wie du immer wieder einfließen lässt, dass den Protagonisten alles in der Umgebung an sie erinnert.
Lysien hat geschrieben:Ihren Rücken an seine Seite gelehnt. Manchmal wenn er in ihre blauen Augen gesehen hatte, meinte er, ein ganzes Universum sehen zu können. Sein Universum. Seine Welt.

Lysien hat geschrieben:Mit ihr war es nie still gewesen. Sie hatte immer etwas zu erzählen. Immer einen Witz auf den Lippen. Ihre wunderschönen Lippen.


Lysien hat geschrieben:Gesichtslose Menschen, die den Wert des Lebens nicht kannten. Kannte er selbst ihn? Wenn er mit Lia zusammen war, dann ja. Dann schien alles Sinn zu machen.

Diese Szene hat mir besonders gefallen. Es drückt die grenzenlose Liebe aus.

Lysien hat geschrieben:Ein paar Herren in schwarzen Mänteln liefen an ihnen vorbei. Wo sie wohl hinwollten?

Der Satz ist ein Fremdkörper. Wenn er nichts wahrnimmt, wieso dann diese Herren? Wieso interessiert es ihn, wo sie hin wollen, wenn ihn sonst nichts interessiert?

Lysien hat geschrieben:Daniel starrte ihn an. »Wer?«, fragte er langsam.

Ich weiß, was du mit dem "langsam" ausdrücken möchtest, aber ein kurzes "wer" kann nur schwer langsam ausgesprochen werden. Vielleicht besser "zögerlich" oder "mit gerunzelter Stirn".

Lysien hat geschrieben:»Du hast doch selbst gesagt, sie würde nie einen Minirock anziehen. Auf deiner Party letztes Jahr.«

Auch dieser Satz macht wenig Sinn. Der Freund weiß bescheid, dass Lia tot ist. Er würde niemals mit dem Minirock argumentieren, außer, der Protagonist verhält sich schon seit längerer Zeit merkwürdig und kann den Tod seiner Freundin nicht verarbeiten.

Lysien hat geschrieben:»Sie kann mich doch nicht verlassen! Sie ist alles für mich!«

Geht man von verlassen aus? Wenn die Freundin wortlos an einem vorbei läuft, würde man sich dann nicht andere Fragen stellen?

Lysien hat geschrieben:Die Leute starrten ihn amüsiert an, liefen aber weiter.

Dein Protagonist bricht verzweifelt zusammen. Ich glaube, die Passanten würden schockiert, erschrocken, neugierig gucken. Aber amüsiert?

Lysien hat geschrieben:Bens Hände zitterten und sein Herz raste. Wieso wurde er festgehalten? Er spürte seinen Puls noch einmal beschleunigen. Ihm war so heiß und seine Sicht verschwamm schon wieder.

Das gefällt mir wiederum sehr gut. Die Verzweiflung und Ratlosigkeit kommt gut rüber.

Lysien hat geschrieben:Ihre Freundinnen lachten.

Auch hier glaube ich, dass die Reaktion anders wäre.

Lysien hat geschrieben:»Sie ist tot, Ben. Sie ist tot«, murmelte Daniel.

Das Ende gefällt mir, jedoch war es für mich persönlich nicht sehr überraschend. Ich kann dir leider nicht genau sagen, wieso. Vielleicht waren die Hinweise zu deutlich.

Fazit:
Bei deiner Geschichte hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass du dich selbst nicht entscheiden konntest, ob dein Protagonist den Tod nur nicht richt verarbeitet hat oder wirklich in einer anderen Welt lebt und den Tod seiner Freundin nicht "wahrgenommen" hat.
Je nach dem, welchen Weg du einschlagen möchtest, würde ich die Geschichte umschreiben.
Vielleicht von Anfang an mehr Ratlosigkeit und weniger Trauer...
Zu deinem Schreibstil: Ich finde, du kannst Gefühle sehr gut beschreiben. Du kannst die Stimmung der Protagonisten gut rüberbringen. Aber vielleicht bindest du die Umgebung etwas mehr ein, beschreibst nicht nur das Innenleben der beiden, sondern auch ihr Äußeres (beispielsweise Mimik, Gestik, Stimmlage.)

Zum Schluss:
Deine Geschichte hat mir gefallen. Allerdings glaube ich, dass du sie selbst besser gestalten kannst, wenn du sie überarbeitest. Die Idee ist gut, mach was draus :wink:

Liebe Grüße,
x Patty x
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Re: Eine Blume

Beitragvon Träumerin25 » 12.07.2014, 17:40

Hallo Lysien :)

Ich finde deine Geschichte wunderschön. Sie drückt so viel Verzweiflung aus, auch wenn du vielleicht viele Klischees benutzt hast, wie die anderen schon angemerkt haben.
Ich finde diese Klischees aber sehr wichtig, da sie genau das Bild erzeugen, das man in solch einer Situation vor Augen haben sollte.

Auch hat mir in dieser Geschichte die Wehmut nicht gefehlt. Im Gegenteil. Auch wenn dieses Thema schon oft bearbeitet wurde, finde ich es doch immer wieder traurig und inspirierend zugleich. Außerdem bin ich auch nicht der Meinung, dass der Prota einen anderen Charakter haben sollte. Du hast dich für diesen Weg entschieden, basta. Na gut, mit einem aggressiven Chara wäre vielleicht ein bisschen mehr Tempo reingekommen, aber ich finde, das ist sehr geschmacksabhängig, deshalb solltest du dir darum nicht allzu viele Sorgen machen.

Manchmal wenn er in ihre blauen Augen gesehen hatte, meinte er, ein ganzes Universum sehen zu können. Sein Universum. Seine Welt.

Auch wenn dieser Satz sehr kitchig daher kommt, finde ich ihn doch angebracht, weil es die depressive und verzweifelte Stimmung des Protas sehr gut wiedergibt. Ich würde ihn so lassen.

Das Ende war zwar bei mir ebenfalls voraussehbar, aber ich finde, das gehört zu einer solchen Geschichte dazu. Man ahnt die ganze Zeit, dass seine Freundin tot ist, aber erst am Ende wird Klartext gesprochen. Finde ich gut.

Alles in allem hat mir deine Geschichte richtig gut gefallen. Zu den sprachlichen Sachen haben meine Vorgänger schon genug gesagt.

Lg Träumerin25 :)
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