[Fanty]Eine kleine Geistergeschichte

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[Fanty]Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon Luftmensch » 29.05.2015, 22:45

Eine Geistergeschichte

Wie jede Nacht stand sie am Fußende meines Bettes. Ihre helle Haut leuchtete dumpf in der Dunkelheit, schwächer als ein Nachtlicht, aber dennoch nicht menschlich. Den Kopf zur Seite gebeugt, sodass ihr zierlicher Hals entblößt wurde, sah sie mich an, als hätte sie alle Zeit der Welt.
Natürlich hatte sie so viel Zeit, sie wollte, schließlich war sie tot.
Sie machte einen Schritt auf mich zu, wobei der Träger ihres Nachtgewands von ihrer Schulter rutschte.
Ich blinzelte verwirrt. Das war neu. Normalerweise stand sie immer nur still da, blickte mich mit ihren großen dunklen Augen an.
»Lorie«, sprach ich ihren Namen aus. Sie reagierte nicht. »Ich vermisse dich.« Meine Stimme hörte sich fremdartig in meinen Ohren an.
Ihre Lieder flatterten, als würde sie Tränen wegblinzeln oder aus einem Traum erwachen.
Ermutigt von der Reaktion, setzte ich mich langsam auf, um sie nicht zu verschrecken. Dann stieg ich aus dem Bett, spürte die kalten Fliesen auf dem Boden nur zu deutlich und bewegte mich auf sie zu. Beinahe war mir, als röche ich den sauberen Duft ihrer Haut.
Das ist eine Halluzination, machte ich mir klar, damit die Enttäuschung mich nach ihrem Verschwinden nicht zu sehr traf, was sicherlich der Fall sein würde. Dennoch konnte ich nicht umhin, als zu bemerken, wie seidig ihre Haare aussahen und dass sich ihr Brustkorb hob und senkte.
Fast mache ich einen Schritt rückwärts, als sie näher zu mir trat. Ich zwang mich, stehen zu bleiben. Dieses Mal lief die Wahnvorstellung ganz anders ab, als die Male zuvor. Ich wusste nicht, ob mich das freute oder ängstigte.
Lorrie hob die Hand und lenkte mich von meinen Gedanken ab. Einige Sekunden schwebte ihre Hand unschlüssig in der Luft, bevor sie auf meiner Brust landete.
Das Herz raste mir, als mir der sanfte Druck ihrer Hand auf meiner nackten Haut bewusst wurde. Instinktiv legte ich meine eigene auf ihre und spürte die schwache Wärme, die von ihr ausging. Das kann nicht sein, das ist unmöglich. Aber ich verstärkte nur meinen Griff auf ihrer Hand, um sie noch stärker zu fühlen.
»Ich bin zwar tot, aber ich vermisse dich auch.« Lorrie lächelte mich an, ihre Stimme hing wie ein vergessener Zauberspruch in der Luft.
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon PrinzessinSelenia » 30.05.2015, 18:07

Lieber Luftmensch, deine Geschichte hat mir wirklich gefallen. Vor allem der Anfang, denn der macht einen neugierig, sodass man gerne weiterlesen möchte.
Anders als in anderen Geistergeschichten, mit nächtlichen Besuchern, scheint der Protagonist keine Angst vor dem Gespenst zu haben. Stattdessen beschreibt er sie ganz sachlich. Was eher ungewöhnlich ist. Sollte er nicht Angst vor ihr haben? Das macht den Anfang interessant.
Du beschreibst auch die Emotionen des Protagonisten gut und verständlich. Der Geist bleibt eher geheimnisvoll, trotzdem hat er etwas menschliches an sich.
Der Text ist eigentlich gut formuliert und flüssig zum lesen, aber einige Dinge sind mir trotzdem aufgefallen:

Ihre helle Haut leuchtete dumpf in der Dunkelheit


Ich würde hier nicht das Wort "dumpf" benutzten. Es passt nicht als Beschreibung für leuchten.
Vielleicht eher zart, sanft oder matt?

Natürlich hatte sie so viel Zeit, sie wollte, schließlich war sie tot.


Hier fehlt ein wie: ...so viel Zeit, wie sie wollte...

Normalerweise stand sie immer nur still da, blickte mich mit ihren großen dunklen Augen an.


Ich würde hier ein und statt eines Kommas schreiben, aber das ist vielleicht auch Geschmacksache.

hre Lieder flatterten


Die Augenlider schreibt man ohne e. Sie singt schliesslich nicht oder?

Dann stieg ich aus dem Bett, spürte die kalten Fliesen auf dem Boden...


Das ist vielleicht ein Detail, aber wäre es nicht realistischer wenn er im Schlafzimmer einen Holz- oder Teppichboden hätte? Ich habe noch nie ein Schlafzimmer mit Steinboden gesehen.

Beinahe war mir, als röche ich den sauberen Duft ihrer Haut.


Ich würde den Geruch von Haut nicht als sauber bezeichnen. Vielleicht eher süssen, verführerischen, vertrauten?

Das ist eine Halluzination, machte ich mir klar, damit die Enttäuschung mich nach ihrem Verschwinden nicht zu sehr traf, was sicherlich der Fall sein würde.


Das war eine Halluzination...
Ich würde diesen Satz anders formulieren.
Das war eine Halluzination, versuchte ich mir klar zu machen, um nach ihrem Verschwinden nicht zu enttäuscht zu sein, was ich sicherlich sein würde.

Fast mache ich einen Schritt rückwärts, als sie näher zu mir trat.


Fast
machte
ich einen Schritt rückwärts...

Ich zwang mich, stehen zu bleiben


Hat er jetzt einen Schritt zurück gemacht? Denn vorher hast du geschrieben "fast", was darauf schliessen lässt, dass er keinen gemacht hat. Und wieso sollte er dann stehen bleiben?

Lorrie hob die Hand und lenkte mich von meinen Gedanken ab


...und lenkte mich damit von meinen Gedanken ab?

Das Herz raste mir


Entweder: Das Herz raste in mir oder Mein Herz raste...

Das kann nicht sein, das ist unmöglich


Das konnte nicht sein, das war unmöglich.
oder du schreibst noch ein "dachte ich" dazu.

Aber ich verstärkte nur meinen Griff auf ihrer Hand, um sie noch stärker zu fühlen


Ich würde hier ein Trotzdem oder Doch anstelle eines Abers schreiben

Das war eigentlich alles, sind auch nur Kleinigkeiten.
Auch das Ende gefällt mir sehr gut, ich mag offene Enden bzw. Geschichten die noch Fragen offen lassen. War es nun eine Einbildung oder ein echter Geist?
Trotzdem würde ich vielleicht noch einen letzten Satz schreiben, à la "dann war sie verschwunden" oder "ich war wieder glücklich"

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen,

Liebe Grüsse
Selenia
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon MarkD » 30.05.2015, 18:17

Hallo Luftmensch,

dein erstes Werk in diesem Forum ist ganz offensichtlich nicht die erste Geschichte die du schreibst. :) Du nimmst mich als Leser vom ersten Satz an mit, deine Sprache gefällt mir.
Den Aufbau finde ich gut, von daher gehe ich direkt auf die Dinge ein, die ich persönlich überarbeiten würde.

Ihre helle Haut leuchtete dumpf in der Dunkelheit, schwächer als ein Nachtlicht, aber dennoch nicht menschlich.

Dumpfes Leuchten empfinde ich als seltsam. Vielleicht würde ich hier schimmern schreiben. Beschreiben möchtest du ja ein schwaches Licht.
Nachtlicht assoziiere ich mit einer Steckdosenleuchte. Liegt vielleicht daran, dass ich Kinder habe und andere Leser sehen das anders. Daher passt der Ausdruck für mich nicht in das Bild, das ich mir von der Szene mache. Da fände ich einen Vergleich mit einer Kerze angebrachter.

Den Kopf zur Seite gebeugt, sodass ihr zierlicher Hals entblößt wurde ...

Der erste Satzteil ist statisch, der zweite deutet eine Bewebung an. Also entweder: "Sie bog ihren Kopf zur Seite, sodass ..." Oder: "Den Kopf mit ihrem zierlichen, entblößten Hals zur Seite gebeugt ..."

Natürlich hatte sie so viel Zeit, sie wollte, schließlich war sie tot.

Das ist mir zu schlicht. Vorschlag: "Natürlich hatte sie keine Eile, schließlich war sie vor vielen Jahren gestorben."
Zeit würde ich hier mit Eile ersetzen, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Ich blinzelte verwirrt. Das war neu.

Vorschlag: "Das tat sie zum ersten Mal."

»Lorie«, sprach ich ihren Namen aus.

Ich denke, dem Leser ist klar, dass Lorie ihr Name ist. Vorschlag: "sprach ich sie an."

Ihre Lieder flatterten, als würde sie Tränen wegblinzeln oder aus einem Traum erwachen.
Ermutigt von der Reaktion, setzte ich mich langsam auf, um sie nicht zu verschrecken.

Flatternde Lieder ermutigen mich nicht nachvollziehbar zu einer Reaktion. Vielleicht kannst du hier noch glaubwürdiger darstellen, was den Erzähler zu einer Reaktion ermutigt.

Beinahe war mir, als röche ich den sauberen Duft ihrer Haut.

Röche mag grammatikalisch richtig sein, liest sich aber ungewohnt. Vielleicht strömt stattdessen dem Erzähler der Duft entgegen. - Ja, ich weiß: hört sich klischeehaft an. :wink:

Das ist eine Halluzination, machte ich mir klar,

Finde ich stark.

Dennoch konnte ich nicht umhin, als zu bemerken, wie seidig ihre Haare aussahen und dass sich ihr Brustkorb hob und senkte.

Das ist grammatikalisch nicht korrekt und holt zudem den Leser aus der Geschichte. Vorschlag: "Dennoch berührte es mich, wie seidig ihre Haare ..."

Fast mache ich einen Schritt rückwärts, als sie näher zu mir trat. Ich zwang mich, stehen zu bleiben.

Tippfehler: machte.
Die Sätze könnte man verbinden: "... als sie näher zu mir trat, doch ich zwang ..."

Dieses Mal lief die Wahnvorstellung ganz anders ab, als die Male zuvor. Ich wusste nicht, ob mich das freute oder ängstigte.

Wahnvorstellung vermeidet die Wiederholung von Halluzination, klingt mir aber zu negativ. Zumal der Erzähler unschlüssig ist, ob er das Erlebnis positiv oder negativ bewerten soll. Vielleicht passt hier 'Vision' besser.
'Freute oder ängstigte" hört sich etwas kalt an. Vielleicht: "Mein Herz klopfte, doch ich wusste nicht, ob aus Angst oder aus Freude."

Lorrie hob die Hand

Oben stand Lorie mit einem 'r'.

Einige Sekunden schwebte ihre Hand unschlüssig in der Luft, bevor sie auf meiner Brust landete.

Unschlüssig kannst du nur aus Lories Perspektive schreiben, nicht aus der des Erzählers. Vielleicht würde ich hier 'verharrte' schreiben.
Auf der Brust landen finde ich unpassend. Vorschlag: "... bevor sie meine Brust berührte." Aufpassen wegen Wortwiederholungen, falls du das 'berührte' oben schon verwenden möchtest.

Das Herz raste mir, als mir der sanfte Druck ihrer Hand auf meiner nackten Haut bewusst wurde.

Liest sich etwas sperrig. Vorschlag: "Der sanfte Druck ihrer Hand auf meiner nackten Haut, brachte mein Herz zum Rasen." Das klingt für mich dynamischer und intensiver.

Das kann nicht sein, das ist unmöglich. Aber ich verstärkte nur meinen Griff auf ihrer Hand, um sie noch stärker zu fühlen.

Das 'aber' würde ich hier weglassen oder mit einem 'trotzdem' ersetzen.

»Ich bin zwar tot, aber ich vermisse dich auch.« Lorrie lächelte mich an, ihre Stimme hing wie ein vergessener Zauberspruch in der Luft.

Lorrie wieder mit 'rr'.
Hier fände ich es etwas leidenschaftlicher besser. Vorschlag: "»Auch wenn ich tot bin, vermisse ich dich ebenfalls.« Lorrie lächelte. Ihre ..."
Der "vergessene Zauberspruch" weckt bei mir keine Bilder, die ich mit der Szene verbinde. Was möchtest du ausdrücken? Spricht sie sanft? Mystisch?

Zum Schluss noch einmal der Hinweis, dass mir deine Geschichte gefallen hat und ich kein geübter Kritiker bin. Meine Anmerkungen sind größtenteils Geschmacksache. :dasheye:

Vielen Dank für deine Geschichte!

LG,
Mark
"Every sentence must do one of two things: reveal character or advance the action."
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon Rainflower » 03.06.2015, 15:34

Hallo Luftmensch,

deine Geschichte fand ich ansprechend und interessant. Dein Schreibstil wirkt auf mich, als hättest du schon viel Übung darin. Er ist so flüssig und packend. Eigentlich mag ich keine Gespenstergeschichten. Aber weil deine kleine Geistergeschichte so gefühlvoll und rührend geschrieben ist, mag ich sie trotzdem.

Man erfährt zwar kaum etwas über die Charakter oder die Personen an sich, aber meiner Meinung nach ist das hier auch nicht unbedingt notwendig. Es scheint so als ginge es um ein Liebespaar, welches durch den Tod getrennt wurde. Du bringst die Gefühle der beiden zueinander tiefgründig und realistisch rüber. Das hat mir besonders gut gefallen. Was ich auch noch gut fand war dass du den Namen der Frau in deine Geschichte eingebaut hast. So erhält man einen besseren Bezug zu den beiden Figuren.

Jetzt ein paar Kleinigkeiten, die mir beim Lesen aufgefallen sind und meinen Lesefluss gestört haben:

Fast mache ich einen Schritt rückwärts, als sie näher zu mir trat.


machte, anstatt mache. Achte bitte beim Korrekturlesen immer auf deine Zeitformen. Das bringt deine Leser aus dem Lesefluss und das willst du ja nicht.

Einige Sekunden schwebte ihre Hand unschlüssig in der Luft, bevor sie auf meiner Brust landete.
Das Wort landete finde ich passt hier nicht richtig rein. Du könntest zum Beispiel schreiben: "[...] Luft, bevor sie sanft mit ihren Fingerspitzen meine Brust berührte."

Aber ich verstärkte nur meinen Griff auf ihrer Hand, um sie noch stärker zu fühlen.


Das mag vielleicht Geschmackssache sein, aber ich finde hier würde es besser klingen, wenn du schreibst: "Aber ich verstärkte nur meinen Griff um ihre Hand, um sie noch stärker zu fühlen."
Drückt dein Protagonist Lorries Hand fester an seine Brust oder greift er nach ihrer Hand. Denn wenn er ihre Hand greifft, dann umschließt er diese auch.

Fazit:

Ich habe deine Geschichte an einem Zug durchgelesen und bin nur zwei, dreimal gestolppert. Selbst nachdem ich sie mehrere Male gelesen und versucht hatte sie zu zerteilen, um so besser Rechtschreib- und Grammatikfehler zu finden, hat sie immer noch Gefühle in mir ausgelöst und mich traurig und mitleidig gemacht. Alles in Allem eine sehr tiefgründige Geschichte. Hab mich gefreut sie zu lesen.

Freundliche Grüße

Rainflower

P.S.: Das war mein erster, hoffentlich auch konstruktiver, Kommentar. Ich hoffe ich konnte dir mit meinem Laiewissen weiterhelfen.
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon MaxineStuart » 15.06.2015, 15:46

Hi Luftmensch,

du hast einen wirklich schönen Schreibstil ^^
Mir sind nur ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, an denen man feilen könnte, wenn man wollte.

Den Kopf zur Seite gebeugt, sodass ihr zierlicher Hals entblößt wurde, sah sie mich an, als hätte sie alle Zeit der Welt.
Natürlich hatte sie so viel Zeit, sie wollte, schließlich war sie tot.

Dazu wollte ich nur sagen dass es mir richtig gut gefällt! Wie der Protagonist auf ihren Tod hindeutet wirkt ziemlich ironisch, jedenfalls in meiner Vorstellung. Finde ich gelungen. Allerdings hast du nach "Zeit" ein Komma eingesetzt das gar nicht da sein müsste.

»Lorie«, sprach ich ihren Namen aus. Sie reagierte nicht. »Ich vermisse dich.«

Nach "Ich vermisse dich" sollte meiner Meinung nach eine Zeilenschaltung gemacht werden, aber das kann natürlich auch vom kopieren in die Maske des Forums kommen.

Dann stieg ich aus dem Bett, spürte die kalten Fliesen auf dem Boden nur zu deutlich und bewegte mich auf sie zu.

Das ist vielleicht ein blöder Einwand, aber ich würde dazuschreiben, dass er die Fliesen unter seinen Füßen spürt. Denn beim Lesen hatte ich das merkwürdige Bild eines Mannes vor Augen, der sich der Länge nach auf den Boden wirft.

Dennoch konnte ich nicht umhin, als zu bemerken, wie seidig ihre Haare aussahen und dass sich ihr Brustkorb hob und senkte.

"Dennoch kam ich nicht umhin, zu bemerken, wie seidig ..." Ist glaube ich die korrekte Formulierung.
Und statt "aussehen" was doch ein wenig umgangssprachlich daherkommt, würde ich "schimmerte" vorschlagen.

Aber ich verstärkte nur meinen Griff auf ihrer Hand, um sie noch stärker zu fühlen.

Der Satz ist etwas kantig und ein Baustein scheint mir nicht recht zum Nächsten zu passen. Zuerst würde ich sagen, dass er den Griff "um" ihre Hand verstärkt. Obwohl ich verstehe, was du mit "stärker fühlen" meinst, stört mich diese Formulierung. Eventuell könntest du etwas nehmen wie "um mir ihre Berührung nicht wieder zu verlieren/um mir die Weichheit ihrer Haut bewusst zu machen/um ihre Nähe noch deutlicher wahrzunehmen."
Hilft dir irgendwas davon?

Mehr zum Meckern habe ich bei deiner Szene nicht gefunden. ;)
Wie auch immer, jedenfalls sind das alles nur Vorschläge. Was du davon annehmen willst, bleibt selbstverständlich dir überlassen.
Betrachte mich auf alle Fälle als Fan :D

Herzliche Grüße
Max

So
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon Heribertpolta » 16.06.2015, 18:19

Hallo Luftmensch,

deine Geschichte hat mir unter den Nägeln gebrannt; ich muss sie unbedingt kommentieren - zerpflücken. Juhu!

Alles, was ich selbst als überflüssig sehen würde, streiche ich dir rot an. Vorschläge mache ich blau:

Wie jede Nacht stand sie am Fußende meines Bettes. Ihre helle Haut leuchtete dumpf (schimmerte fahl) in der Dunkelheit, schwächer als ein Nachtlicht, aber dennoch nicht menschlich. Den Kopf zur Seite gebeugt, sodass ihr zierlicher Hals entblößt wurde, sah sie mich an, als hätte sie alle Zeit der Welt.
Natürlich hatte sie so viel Zeit, sie wollte, schließlich war sie tot
.


Nun ja, ich habe hier ziemlich radikal zusammengestrichen, aber es blieb nichts anderes übrig. Du hast in der Szene Stimmung erzeugt, sie aber dann selbst wieder zerstört. Am schlimmsten war der letzte Satz; er verkauft den Leser für dumm. Man schiebt keine Erklärungssätze unter. Schauen wir also mal, was man vom Rest noch richtig verwenden kann:

Eine halbe Stunde nach Mitternacht bin ich aufgewacht und sie war wieder da. Mit geneigtem Kopf stand sie am Fußende meines Bettes, sah mich an, lähmte mich, bedrückte mich, nahm mir den Atem. Auf ihr lag ein fahler Schimmer, bleich wie das Mondlicht im Abend-Dunst. Sie wartete.


Sie machte einen Schritt auf mich zu, wobei der Träger ihres Nachtgewands von ihrer Schulter rutschte.Ich blinzelte verwirrt. Das war neu. Normalerweise Sonst stand sie immer nur still da und blickte mich mit ihren großen dunklen Augen an.
»Lorie«, sprach ich ihren Namen aus. Sie reagierte nicht. »Ich vermisse dich.« Meine Stimme hörte sich fremdartig in meinen Ohren an.Ihre Lieder flatterten, als würde sie Tränen wegblinzeln oder aus einem Traum erwachen.


Mir kamen das Nachtgewand, insofern Gespenster so etwas tragen sollten, ezwas unwichtig vor; auch, dass sich deine Stimme fremd anhört. Sind aber nur Vorschläge.

Ermutigt von der Reaktion, setzte ich mich langsam auf, um sie nicht zu verschrecken.. Ich stieg aus dem Bett. Ein eigentümlicher Duft ging von ihr aus; ich folgte ihm.
Das ist Eine Halluzination, machte ich mir klar, damit die Enttäuschung mich nach ihrem Verschwinden nicht zu sehr traf, was sicherlich der Fall sein würde. Dennoch konnte ich nicht umhin, als zu bemerken, wie seidig ihre Haare aussahen und dass sich ihr Brustkorb hob und senkte.


Den Satz mit dem Verschwinden und der Enttäuschung uns so weiter, verstehe ich nicht. Er stört den Schreibfluss, erklärt zu viel und stellt Vermutungen an. Er wirkt sogar etwas geschwafelt. Du stellst etwas zu viel deiner Sicht der Dinge in den Text. Der Text muss aus sich selbst heraus sprechen. Du lässt ihn nicht gewähren. Schade...

Fast mache ich einen Schritt rückwärts, als sie näher zu mir trat.


Hier glaube ich, stimmt etwas mit der Zeitform nicht.

»Ich bin zwar tot, aber ich vermisse dich auch.« Lorrie lächelte mich an, ihre Stimme hing wie ein vergessener Zauberspruch in der Luft.


Der letzte Satz ist gelungen. Er macht einen beträchtlichen Teil des Textes aus.

Fazit:

Die Geschichte hat mich gereizt, weil einiges in ihr steckt. Ihr Erscheinen am Fußende des Bettes... - Gänsehaut! Allerdings erzeugt man Grusel, auch wenn es ein milder Grusel in deinem Text ist, mit weniger Worten. Wie ich schon erwähnte, erklärst du zuviel. Das bekommt den Text nicht.

Eine Frage bleibt mir noch. Du spürst und riechst das Gespennst so oft. Wenn ein Geist spürbar ist, dann ist er doch eher ein wandelnder Toter, ein Zombie, oder?

Dass man in deiner Geschichte nicht so recht erfahren darf, um wen es sich handelt, und dass du mit Aussehen und Gestik der Personen recht sparsam umgehst, stört nicht weiter. Vielleicht soll hier bloß eine kurze Sequenz erzählt werden. In eine solche Stimmung kommt man meist, wenn man nachts aufwacht.

Gern gelesen!
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon Luftmensch » 23.06.2015, 15:12

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank, für die viele Kritik (die, zum Teil an mir vorbeigegangen ist :oops: )!

Freut mich, dass die kleine Fingerübung, hier und da, gelobt wurde ;)

Auf einige Anmerkungen gehe ich etwas näher ein. Nicht, um mich zu erklären, sondern einfach, weil es hier eine Art Dialog sein soll und nur Kritik aufnehmen, ohne diese auch zu verarbeiten, finde ich nicht so super-duper.

@ Prinzessin Selenia:

Ich würde den Geruch von Haut nicht als sauber bezeichnen. Vielleicht eher süssen, verführerischen, vertrauten?


Tatsächlich habe ich schon oft gelesen, dass Haut "sauber" riechen kann und ich denke auch, dass das geht :D Was man als "sauberen Geruch" sich vorstellt, ist dem Leser selbst überlassen.

Das war eine Halluzination...
Ich würde diesen Satz anders formulieren.
Das war eine Halluzination, versuchte ich mir klar zu machen, um nach ihrem Verschwinden nicht zu enttäuscht zu sein, was ich sicherlich sein würde.


Ich verstehe nicht so recht, wieso ich den Gedanken, der im Präsens formuliert ist, da er ihn ja jetzt denkt, ins Präteritum verfrachten soll? :| Ich hätte den Gedanken kursiv darstellen sollen, aber ansonsten stimmt die Zeit.

Das konnte nicht sein, das war unmöglich.
oder du schreibst noch ein "dachte ich" dazu.


Wie bereits oben geschrieben, das hätte ich kursiv dastellen sollen.

Auch das Ende gefällt mir sehr gut, ich mag offene Enden bzw. Geschichten die noch Fragen offen lassen. War es nun eine Einbildung oder ein echter Geist?
Trotzdem würde ich vielleicht noch einen letzten Satz schreiben, à la "dann war sie verschwunden" oder "ich war wieder glücklich"


Es soll auch ein offenes Ende bleiben und daher kommt kein erklärender Schlusssatz dazu ;)

@Heribertpolta:

deine Geschichte hat mir unter den Nägeln gebrannt; ich muss sie unbedingt kommentieren - zerpflücken. Juhu!


Juhu ;) Freut mich.

Wie ich schon erwähnte, erklärst du zuviel. Das bekommt den Text nicht.


Hm, an einigen Stellen kann ich dir zustimmen. An deren nicht ;) Ich denke, dass ein guter Mittelweg gefunden werden könnte.

Eine Frage bleibt mir noch. Du spürst und riechst das Gespennst so oft. Wenn ein Geist spürbar ist, dann ist er doch eher ein wandelnder Toter, ein Zombie, oder?


Da man nicht weiß, ob es nun wirklich ein Geist ist oder nur eine Halluzination, kann er schon denken, dass er den Geist / Erscheinung / was auch immer, fühlt / spürt / usw.
Aber um einen Zombie handelt es sich hierbei nicht :D


Vielen Dank nochmal, ich weiß eure Mühe wirklich zu schätzen :flowers:

Liebe Grüße
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Re: [Fanty]Eine kleine Geistergeschichte

Beitragvon Arya007 » 21.08.2015, 13:22

Lieber Luftmensch,
ich habe sehr genossen deine Geschichte zu lesen und fand sie echt toll. Nur ein paar kleine Punkte:

Luftmensch hat geschrieben:Wie jede Nacht stand sie am Fußende meines Bettes.

Das "wie jede Nacht" klingt mir zu gewöhnlich. Es wird der Stimmung irgendwie nicht gerecht.
Ich würde: "Sie stand wieder am Fußende meines Bettes"

Luftmensch hat geschrieben: aber dennoch nicht menschlich.

unmenschlich

Luftmensch hat geschrieben:Meine Stimme hörte sich fremdartig in meinen Ohren an.

Meine Stimme klang seltsam fremd.
Hier stolpert man sonst etwas über das "in meinen Ohren"

Luftmensch hat geschrieben:Ihre Lieder flatterten, als würde sie Tränen wegblinzeln oder aus einem Traum erwachen.

Diesen Satz liebe ich einfach! Total super gelungen!

Luftmensch hat geschrieben:die kalten Fliesen auf dem Boden nur zu deutlich

spürte ich die kalten Fliesen unter meinen Füßen deutlich.
Das "nur zu" ergibt für mich keinen Sinn

Luftmensch hat geschrieben:Lorrie hob die Hand und lenkte mich von meinen Gedanken ab. Einige Sekunden schwebte ihre Hand unschlüssig in der Luft, bevor sie auf meiner Brust landete.

und riss mich aus meinen Gedanken. Das "landete" klingt mir zu plump. WIe wäre es mit "bevor sie sich auf meine Brust legte"

Luftmensch hat geschrieben:Ich wusste nicht, ob mich das freute oder ängstigte.

ob ich mich freuen oder wegrennen sollte

Luftmensch hat geschrieben:Ich bin zwar tot, aber ich vermisse dich auch.

Das erwähnen vom Tod finde ich nicht notwendig
"Ich vermisse dich auch." reicht völlig

Luftmensch hat geschrieben: wie ein vergessener Zauberspruch

wie ein mystischer Zauberspruch

Aber das sind nur kleine Verbesserungsvorschläge. Ich hoffe ich konnte dir helfen

Deine Arya
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