[Humor]Eine unangenehm unlesbare Geschichte [DÜ]

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Eine unangenehm unlesbare Geschichte [DÜ]

Beitragvon brehb » 17.08.2014, 20:09

„Kollegen, es ist an der Zeit, ihr Paroli zu zeigen und die Stirn. Dieser vermaledeiten
multiparanoiden 'Ich-bin-der-Hans-Dampf-und-Herr-im-Haus'-Verlagschefin und ebenso ihrem angelsächsischen Ange- und Vertrauten anglophilem Fachfremdfiesling aus Outenburry-Bristalbine, Chester, diesem, wie der Name schon sagt: Käse. Oder ist jemand hier eigener Meinung?“
„Ich versteh gar nicht, worum es geht, dieses Palaver.“
„Dann denk mal nach. Noch gestern, als wir, nichts ahnend von Damokles' Schwert, und beschwingt von den stetig hochbeamenden Auflagezahlen, im Maharja mit Arrak, Toddy und Lassi gefeiert haben und, obwohl ohne jeden realen Arg, uns schon dräute, dass etwas drohte, da glaubten zumindest die Simplizissimusse unter uns - die Unbedarften eben - es könne, wenn auch nur allmählich, so doch sicher, endlich Ruhe eintreten, wenn man bedenkt, was wir und ich schon alles geleistet haben, sowohl intellektuell als auch manuell. Aber dann?“
„Na was denn, dann?“
„Mit einem Wort: Die Kacke ist am Dampfen. Oder exakter: Die Hans-Dampfe kackt auf uns. Vorbei mit und von wegen: 'Es bedarf nur des Schnatterns einer Gans, oder Zweier, um ganze elektronische Hofüberwachungsalarmanlagen dem Orkus der Zeit ins Angesicht zu schleudern!' Jetzt tritt arbeitstechnische und -inhaltliche Komplexität an die Stelle von „Nur-Kompliziertheit“ Basta! Seit heute Morgen kein 'was bäckt Ex-München-Bürgermeister Vogel oder wen vögelt Ex-Leimen-Tennismeister Becker' mehr.
„Schade, ich hätte da noch etwas in der Schublade. Ich sage nur: Loddar“
„Nullo-Nixo Loddar. 'Monströs seriös' steht als Forderung wie Hannibal ante Portas und verlangt, wenn man es penetrant interpretiert, und hineinpenetriert: Wir müssen tiefer schlürfen. Investigativer Journalismus. Per Dekret! Oder, und da zitiere ich mich gerne, wie sagte schon Peter der Große, Scholl-Latour? 'Per aspera ad astra funzt eben nicht wie eine gerade Parallele zwischen zwei Punkten, sondern ist gepflastert mit des Sisyphus' Mühsalen.'
„Aber der ist doch tot?“
„Sisyphus?“
„Nein, Scholl-Latour.“
„Da siehst du, was investigativem Journalismus blüht. Und deshalb sage ich: Verehret den Anfängen. Hatten wir das, und ich erinnere an vor siebeneinhalb Jahren, nicht schon mal, nachdem alle Pros und Cons penibel von Chester & Co. verifiziert und für Null und Nichtig verdammt worden waren, nicht schon mal? Wir haben damals, und die, die wollen, können sich sicher erinnern, Auflageneinbrüche produziert, dass sich die Balken biegen taten, die statistischen, in Power-Point. Deshalb sollten wir ein Exempel eskulpieren, und – nicht mea culpa – ihr zeigen, wo beim Bartel der Hammer hängt! Gehen wir da Konsens?
„Murmel, murmel“
„Also Zustimmung. Ich schlage als Leitartikel vor: 'Rafael van der Vaart stößt bei Big-Brother (auf) Silvie Meis.'
„Wirklich? Sind die beiden bei...?“
„Quatsch nicht. Oder möchte wirklich jemand den von der Chefin vorgeschlagenen Text schreiben zu:
'Eine unangenehm unlesbare Geschichte?'
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Re: Eine unangenehm unlesbare Geschichte [DÜ]

Beitragvon Felynja » 17.08.2014, 21:19

Hallo brehb!
Dann werde ich dir mal einen Kommentar zu deiner ach so schön sehr gut nicht-lesbaren Werksgeschichte dalassen :)

Sie hat mir wirklich sehr gut gefallen.
Mein Lieblingssatzt ist folgender:
Noch gestern, als wir, nichts ahnend von Damokles' Schwert, und beschwingt von den stetig hochbeamenden Auflagezahlen, im Maharja mit Arrak, Toddy und Lassi gefeiert haben und, obwohl ohne jeden realen Arg, uns schon dräute, dass etwas drohte, da glaubten zumindest die Simplizissimusse unter uns - die Unbedarften eben - es könne, wenn auch nur allmählich, so doch sicher, endlich Ruhe eintreten, wenn man bedenkt, was wir und ich schon alles geleistet haben, sowohl intellektuell als auch manuell.

Er ist wirklich wundervoll kompliziert zu lesen! Besonders gut finde ich, wie du mit Kommata und Gedankenstrichen um dich schmeißt, die den Leser gerade dazu drängen, sich weit weg vom Bildschirm zu fesseln. Ebenso gefällt mir die Mischung zwischen eher umgangssprachlichen und Fachwörtern. :2thumbs:
Wir haben damals, und die, die wollen, können sich sicher erinnern, Auflageneinbrüche produziert, dass sich die Balken biegen taten, die statistischen, in Power-Point. Deshalb sollten wir ein Exempel eskulpieren, und – nicht mea culpa – ihr zeigen, wo beim Bartel der Hammer hängt! Gehen wir da Konsens?

Auch diese Stelle finde ich sehr gut, den Einwurf mit Power-Point und das Eskulpieren des Exempels in Verbindung mit mea culpa, bei dem ich jetzt erst mal nachsehen muss, was das eigentlich heißt. :wink:
Ich mag auch deine Wechsel zwischen den kurzen Einwürfen eines Kollegens und den langen Erläuterungen des anderen, das einzige, was ich anmerken würde, wäre dass du mMn die Antwort des anderen hier noch bedeutend verlängern und verkomplizieren könntest:
„Sisyphus?“

Wo känmen wir denn da hin, wenn Antworten auf einmal kurz und schnell verständlich werden :wink: . Das gleiche gilt für mich für den folgenden Satz, auch der war so schön einfach zu lesen.
„Quatsch nicht. Oder möchte wirklich jemand den von der Chefin vorgeschlagenen Text schreiben zu:

Das allerletze Stück des Endes gefällt mir wiederum sehr gut, auch wenn es gut lesbar war. :)

LG Felynja
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Re: Eine unangenehm unlesbare Geschichte [DÜ]

Beitragvon brehb » 19.08.2014, 11:28

Hallo Felynja,

danke, dass du meinen Text gelesen und kommentiert hast. Und wenn du Freude daran hattest, im so besser.

Über deine Anregungen denke ich gerne nach.

LG brehb
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