Einer oder Viele? - Perspektive

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Wieviele Perspektiven verwendest du?

Ich hab's lieber wenn es nur eine Sichtweise gibt
23
14%
Ich mag es eher, wenn die Sichtweise wechselt
50
30%
Ich finde beides hat seinen Reiz
95
57%
Ich mag keins von Beidem, sondern ...
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 168

Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Lykos » 03.11.2013, 12:28

Hi :D
Ich finde beides nicht schlecht. Ich kenne sehr gute Bücher für beide Varianten.
Aber die spannendsten Bücher - nicht die besten, die spannendsten -, kennen nur eine einzige Sichtweise. Aus Cliffhangern kann zwar auch Spannung entstehen, aber erstmal reißt es einen raus.
Es ist ungleich schwerer, die Spannung mit einer einzigen Figur zu halten. Aber bei Thrillern lohnt es sich.

Beispiele ein Erzähler: Erebos, der Name des Windes, die Stadt der träumenden Bücher

Alles meiner Meinung nach sehr spannende Bücher.

Aus mehreren Perspektiven zu schreiben ist leichter, weil man die Spannung nicht dauerhaft aufrecht erhalten muss. Das kenn ich noch vom ungeplanten Schreiben: Wenn mir nichts eingefallen ist, wie der Prota jetzt aus der Situation rauskommt, bin ich gesprungen. Ist mir bei keiner Figur was eingefallen, hab ich mir eine neue ausgedacht :mrgreen:
Aber auch mehrperspektivische Bücher haben ihren Reiz: Das Lied von Eis und Feuer (musste ja kommen^^), Bartimäus, Herr der Ringe.

Mein Fazit: Wenige Perspektiven ermöglicht eine durchgehendere Spannung und damit eine höhere Spannung als ein ständiger wechsel, ist aber ungleich schwieriger zu Schreiben.
Dennoch gibt es sehr gute mehrperspektivische Bücher; die sind dann halt in der Regel charakterbasiert. Durch mehrere Perspektiven kann man leichter Suspense erzeugen (da man verschiedene Hinweise einstreuen kann = Vorauswissen des Lesers), durch eine einzige Perspektive eher Actionsspannung (Cliffhanger sind tötdlich für diese Art von Spannung).
Lg,
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon JillianSelainge » 03.11.2013, 15:42

So ein altes Thema und trotzdem wieder aktuell :)

Mich würde ja mal interessieren was aus Jackys Plänen geworden sind, die ursprünglich zu dem Thema führten.
Für was hast du dich letztlich entschieden, Jacky?

Bevor ich zur Anzahl der Perspektiven komme, erst einmal ein paar Worte meinerseits zur Erzählform:

Natürlich habe ich schon einige Bücher gelesen, die aus der Ich-Perspektive geschrieben wurden, und es waren auch einige gute dabei, aber zumeißt kommt bei mir irgendwann der Punkt an dem sich meine Haltung von der des Protagonisten unterscheidet.
Das ging mir beispielsweise sowohl bei der Biss-Reihe (ob diese nun gut oder schlecht war ist Ansichtssache, erfolgreich war sie allemahl), als auch bei den Tributen von Panem so. Habe ich ein Buch mit der Ich-Perspektive beendet, habe ich außerdem häufig das Gefühl durch die Geschichte "gehetzt" worden zu sein. Es gibt hier eben nur die subjektive Ansicht des Erzählers und mir fehlt der Konflikt zwischen den Charakteren. Ist das Empfinden des Ich-Erzählers eigentlich begründet?

Häufig kann ich mich eben nicht in den Ich-Erzähler hineinversetzen, da ich, ohne die ganze Geschichte zu kennen, nicht nachvollziehen kann, ob ich wirklich genauso gehandelt hätte. Da ich eher nachdenklich bin, würde ich zum Beispiel häufig mehr Zeit damit verbringen Informationen in Erfahrung zu bringen, bevor ich ins Getümmel stürze. Wenn der Protagonist dann auf Seite 240 zufällig auf entsprechende Information stößt, die erklärt warum sein ursprüngliches Vorhaben nicht funktioniert, bin ich häufig gelangweilt und denke "na das hätte ich dir gleich sagen können.".

Ich stimme zu, dass man bei einem Ich-Erzähler schnell in das Geschehen gebracht wird, doch schnell ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit gut. ;)

Daher bevorzuge ich die Er/Sie-Erzählweise.
Mir wird geschildert wie sich der Protagonist fühlt und was er denkt, ohne mir seine Sicht der Dinge aufzudrängen. So stellt sich bei mir viel eher die Frage, ist das nachvollziehbar? Und vor allem, wie hätte Ich in dieser Situation gehandelt?

Da fällt mir gerade noch etwas ein was ich am Ich-Erzähler nicht leiden kann. Beschreibungen wie:
"mein Geschicht wurde ganz rot" - "Ich wurde ganz rot im Gesicht"
Ich frage mich dann immer, was für geniale Augen diese Menschen doch haben müssen - oder was für eine seltsame Gesichtsstruktur. Also ich kann zwar spüren ob meine Wangen heiß werden, aber um zu sehen ob sie auch sichtbar rot werden, dazu bräuchte zumindest ich einen Spiegel. (Jaja, die Korinthenkacker unter uns...)

Mein absoluter Favorit ist übrigends der Er/Sie Erzähler, der dem Protagonisten immer ganz genau über die Schulter schaut und möglichst eine Flatrate zu den Gedanken des besagten besitzt. Da er beschreibt "was er sieht", finde ich mich schnell in die Geschichte ein, so als stünde ich selbst mitten im Geschehen und kann mir selbst mein Urteil bilden. Ja, wenn es gut geschrieben ist, dann gibt es manchmal sogar gar keinen Erzähler mehr, der mir erzählt was er sieht, sondern nur noch mich und das was dort in Worten niedergeschrieben steht, das ist das was Ich sehe.

Ganz in der Tasche hat man mich dann, wenn der Protagonist zum Beispiel bei einem Gespräch in seinem Übereifer oder seiner Wut hinausstürmt und der Erzähler - nämlich (wirklich) ich - noch eine weile zurückbleibt, zuhört und so wichtige Informationen erhält.

DAS steigert bei mir die Spannung! Im Zuge der Geschichte habe ich das Bedürfnis, den nichtsahnenden Protagonisten zu schütteln, ihn aufzuhalten, zu warnen und DANN bin ich mitten drin in der Geschichte :D

Und wenn ich schon in der Geschichte drin stecke, dann reicht es mir nicht nur einem Charakter über die Schulter zu schauen, also fiel meine Wahl hier ganz klar auf "Ich mag es eher, wenn die Sichtweise wechselt" auch wenn es vielleicht nur für einen kurzen Augenblick ist.

____________
Edit:

Huch da hab ich mich verschwatzt und ganz vergessen auf die Frage "Welche Variante benutzt du selbst?" einzugehen.

Da ich wie gesagt die Er/Sie-Erzählweise mit mehreren Perspektiven bevorzuge, versuche ich auch in dieser Konstellation zu schreiben. Versuche, weil das gar nicht so einfach ist, im Gegensatz zu Lykos finde ich es nämlich schwieriger mit mehreren Perspektiven zu hantieren. Sinnlücken und Logikfehler, auch kleinere, werden einem schneller und unbarmherziger angekreidet. Die Ausrede "aber das weiß ja der Charakter noch gar nicht" oder "das erfährt er selbst nie" greift hier nämlich nicht.

-fin
Ein ausgeprägtes Kopfkino kann etwas Wunderbares und gleichzeitig etwas Grausames sein.
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Kelpie » 09.03.2014, 14:22

Ich lese beides ganz gerne. Zum einen sind Bücher, in denen es nur einen Charakter sicherlich häufiger anzutreffen (vermute ich mal). Man lernt den Charakter besser kennen, man schlüpft richtig in ihn rein ... das ist einfach ein Vorteil.
Andererseits gefällt es mir, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Wenn aus der Sicht von zwei Feinden berichtet wird - das ist einfach herrlich. Damit kann man Zwietracht, Misstrauen und vieles andere noch weitaus besser zum Einsatz bringen.

Ich schreibe lieber aus Sicht mehrerer Charaktere - allerdings kommt es auch sehr auf die Geschichte an. In meinem Hauptprojekt liegt der Schwerpunkt auf politischen Intrigen und da bietet es sich einfach an.
In einem Nebenprojekt hatte ich anfangs auch 5 Perspektiven, kürzte sie runter auf 3, 2 und jetzt gibt es nur mehr eine. Die Geschichte wird einen ausreichenden Umfang haben, wenn es nur diesen einen Menschen gibt und da es auch nicht wirklich um irgendwelche Späße geht, die man besser aus zwei Sichtweisen erzählen kann, macht sich das auch ganz gut. Auch für mich als Autor ist es eine interessante Erfahrung, mal völlig in EINER Figur aufzugehen.

Viele Grüße,
Kelpie
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon zickzack » 09.03.2014, 14:54

Ich habe es am liebsten aus einer Sicht, sich einfach auf eine Person ganz und gar einzulassen, alles zu fühlen, was sie fühlt. Das fehlt mir manchmal bei mehreren Sichten, dass man da einfach nicht so nah an die Person herankommt, wie man es vielleicht möchte und zudem habe ich bei mehreren Sichten meistens das Problem, dass ich einen Prota mehr mag als den anderen und eigentlich nur von dem einen seine Geschichte aus seiner Sicht wissen möchte und dann die zweite Sicht schnell hinter mich bringen mag.
Aber wie immer gibt es auch Ausnahmen, wo mir die mehrern Sichten sehr gefallen und wo es wohl aus einer Sicht wohl ziemlich einseitig geworden wäre und die mehreren Sichten eine große Spannung und den gewissen Reiz bringen. Bei mir aber wie gesagt mehr die Ausnahme.

Selber schreibe ich auch am liebsten aus einer Sicht, da ich mich wie gesagt, dann in den Prota am besten einfühlen kann. Wenn ich mehre Sichten benutze, dann höchsten zwei Sichten. Mit mehr komme ich selber nur sehr schlecht zurecht und beim Schreiben fehlt mir dann auch der Reiz, weil mir auch da der eine Chara besser gefällt als der andere und ich dann am liebsten nur den einen seine Geschichte schreiben möchte. Wenn ich das dann nicht kann... bricht schlimmstenfalls eine Blockade aus und das will man ja nun auch nicht.
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon JASGRE » 12.03.2014, 21:28

Hallo

Also zum lesen finde ich beides sehr gut.
Ich persöhnlich schreibe in dem Buch an dem ich mich versuche in der sicht aus mehreren mehr als erzähler,
einfach aus dem grund weil es bei mir mehrere Hauptcharaktere giebt und ich dem Leser die sicht aller Charakter geben möchte. Ich selber finde es auch immer gut in mehrere Personen hineinzublicken auch teilweise in die Bösen. Es liegt mir allerding auch sehr viel besser aus der sich von mehreren zu schreiben als immer nur bei einer Person zu bleiben von daher schreibe ich immer aus der sicht von mehreren.
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Fredda1002 » 03.05.2014, 12:02

Ich habe es lieber, wenn nur aus einer Perpektive erzählt wird, weil man sich dann besser mit dem Charakter identifizieren kann. Allerdings kommt es auch immer auf das Buch und Genre drauf an. In einem Thriller den ich gelesen habe, werden auch die Erzählperpektiven gewechselt, und dort ist es sher, sehr gut gelungen. Trotzdem oder gerade deswegen ist die Spannung immer sehr hoch.
Allerdings stört es mich auch, wenn es in einem Buch an einer Stelle plötzlich abbricht und dann aus der Sicht eines anderen Protas erzählt wird, der eigentlich völlig uninteressant ist. Manchmal muss ich mich wirklich zwingen, weiterzulesenoder den Teil nicht einfach zu überspringen.
Im Grunde aber ist das Ansichtssache. Manche haben es lieber so, andere lieber so. Und es kommt darauf an, wie gut der Autor auch bei Perpektivwechsel die Gefühle und Gedanken der einzelnen Protas vermitteln kann.
Ich bin nicht die, von der du denkst, dass ich denke, ich sei sie.
Nichts ist umsonst, weil du dir den Sinn schaffen kannst.
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Theodora » 04.08.2014, 20:55

Hallo zusammen,

in der Geschichte, an der ich aktuell arbeite, macht der ständige Wechsel der Perspektiven die Würze aus. Ich bin sogar so weit gegangen, in einer Szene, wo verschiedene Protagonisten aufeinander treffen, die Szene abwechselnd aus jeweils unterschiedlicher Sicht zu schreiben, so als würde der Leser abwechselnd die Gedanken einer jeder Figur lesen können. Überhaupt, ist der ständige Wechsel der Perspektive der Clue von der gesamten Story. Ich habe die Gedanken der Hauptfigur von denen der anderen Figuren abgehoben, indem ich sie stellenweise als direkte Rede zwischen Dialoge oder Beschreibungen eingefügt habe, wie so eine Art inneren Kommentar. Das macht Spaß!

Allgemein finde ich, gibt es auch wunderbare Bücher, die aus der Perspektive einer Figur geschrieben sind. Das schönste Beispiel ist "Die Schatzinsel" von Stevenson oder die Geschichten über Sherlock Holmes. Ich liebe es! Ich finde, es ist viel anstrengender, die Perspektive NICHT zu wechseln und dabei frisch und interessant zu bleiben.

GLG
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon lydias_teddybaer » 05.08.2014, 14:51

Ich persönliche lese lieber aus verschiedenen Perspektive, darum schreibe ich bei meinem jetzigen Buch aus 4 verschiedenen Sichten, da ich es spannend finde, verschiedene Sichtweisen zu lesen. Eines meiner Lieblingsbücher hätte ich gerne auch aus der Sicht vom männlichen Prota gelesen, da ich finde, dass es um so spannender macht.
Mag sein, dass es genauso gut ist, aus nur einer Sichtweise zu lesen, aber mir fehlt dann irgendwie die Würze, der Pep. Ich neige leider dazu, Seiten einfach zu überspringen, weil ich diese Stellen als "nicht wichtig" abhacke. Schlussendlich muss ich es dann trotzdem lesen, sonst fehlen mir dann informationen und ich komme bei der Handlung nicht mehr nach, was jetzt nun läuft und wer wieso auf eine Weise reagiert hat.
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No matter what sort of difficulties, how painful experience is, if we lose our hope, that's our real disaster."
- Dalai Lama
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Yllen07 » 06.08.2014, 22:45

Ich denke, dass man nicht pauschal für alle Bücher sagen kann, diese oder jene Perspektive ist die bessere. Das liegt, wie so ziemlich alles, im Auge des Betrachters. Natürlich kann es auch verwirren, wenn zu oft oder zu schnell die Perspektive gewechselt wird. Aber es kann durchaus auch einen gewissen Reiz haben, wenn man gewisse Dinge aus verschiedenen Blickwinkel vermittelt bekommt. Außerdem ist es, wie ich persönlich finde, eine tolle Methode, um Gefühle und Gedanken verschiedener Charaktäre rüber zu bringen und Geheimnisse häppchenweise zu lüften. In der Ich-Perspektive einer einzelnen Person sind es immer nur Vermutungen, was das gegenüber denkt/fühlt. In der Perspektive eines stummen Erzählers ist man oftmals für meinen Geschmack zu weit weg von den Hintergründen, Gedanken und Gefühlen.

Ich bin immer gern mitten drin statt nur dabei. Ich will, dass es bei mir prickelt, wenn er sie zum ersten Mal küsst. Ich will die Angst spüren, die der Charakter spürt, wenn er verfolgt oder überfallen wird. Aber ich will das eben bei Allen, nicht nur bei einem einzelnen Charakter. Wobei es natürlich auch eine Menge gute Bücher gibt, in denen die Ich-Perspektive die richtige Wahl war. Dennoch favorisiere ich wechselnde Sichtweisen.

Ein übrigens äußerst individuelles Beispiel, wie ich finde, ist die Biss-Reihe. Nicht, dass ich die Bücher nicht gut fand. Im Gegenteil, ich hab sie verschlungen. ABER: Es sind dennoch Fragen offen geblieben, die aus anderer Perspektive einfach zu beantworten gewesen wären. Gerade deshalb fand ich die Idee von Meyer verdammt gut, dass sie den ersten Band nochmal aus seiner Perspektive erzählt. Endlich hatte auch Edward Emotionen, Gedanken, spürbare Konflikte. Zu schade, dass das Projekt nie vollständig veröffentlich wurde. Dennoch eine gute Idee, die man sich aber hätte sparen können, wenn man einfach zwischendurch immer mal die Sichtweise geändert hätte.

Welche Perspektive man wählt, ist sicher auch abhängig davon, ob es das Projekt anbietet und ob man persönlich damit klar kommt. Aber das liegt ja am Ende bei jedem selbst. Wie gesagt, man kann das, meiner Meinung nach, nicht pauschalisieren. Dass es grundsätzlich schwieriger ist, damit die Spannung zu halten, würde ich jedenfalls nicht behaupten. Ich denke, man hat einfach nur mit anderen Problemen zu kämpfen. Ich persönliche favourisere jedenfalls die wechselnden Blickwinkel.
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Re:

Beitragvon RocketJo » 09.08.2014, 12:45

Ich persönlich finde, dass es sehr auf die Geschichte ankommt und mindestens ebenso sehr auf den jeweiligen Autor. Viele Autoren, die ich bisher gelesen habe, sind auf einen Erzählstil festgefahren, was aber in der Regel dazu führt, dass sie genau diesen Stil beherrschen. Allerdings fällt mir gerade auf, dass ich nur sehr wenige Bücher gelesen habe, die mehr als zwei Protagonisten und meist auch nicht viel mehr Hauptcharaktere hatten, die noch dazu häufig gemeinsam agieren.

Allerdings kann man gerade aus einem Personen- und Perspektivenwechsel unglaublich tolle Erzählungen machen. Ich müchte hier vor allem David Mitchell erwähnen, der diese Art Perspektivenwechsel in drei seiner fünf Romane (Wolkenatlas, Number9dream und Chaos) hervorragend eingebunden hat. Der Roman "Chaos" würde in einer anderen Weise vermutlich nicht funktionieren.

@jghh:
jghh hat geschrieben:Vollkommen ausgeschlossen sind bei der Icherzählung natürlich Spannung erzeigende Parallelmontagen http://de.wikipedia.org/wiki/Parallelmontage, es sein denn, man baut sie in die wörtliche Rede oder den inneren Dialog des Erzählers ein.


Völlig ausgeschlossen ist es nicht. Ich habe allein zwei Werke im Regal stehen, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind und dennoch Sprünge zwischen den Charakteren erlauben:

"Es kamen drei Damen im Abendrot" (Org. The Innkeeper's Song) von Peter S. Beagle
"Dracula" von Bram Stoker

Beide Bücher besitzen mehrere Protagonisten, beide Bücher sind in Ich-Perspektive geschrieben worden. Allerdings wechselt mit jedem Kapitel der Erzähler (kenntlich gemacht durch den Titel). Für mich persönlich übrigens der großartigste Stil überhaupt. Diese Erzählweise zu beherrschen ist eines meiner ausgesuchten Ziele, allerdings gestaltet es sich als sehr schwierig zu erreichen.
"Der Herzog heißt Herzog, weil er vor dem Heer herzog." - Stefan Herber
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Freakonomic » 09.08.2014, 23:33

Ich gebe zu, dass meine Antwort nun sehr stark davon beeinflusst ist, was ich gerade lese. Aber das ist ja wahrscheinlich immer so: Gerade lese ich dir Harry Hole Krimi-Reihe von Jo Nesbo. Ich verschlinge die Werke geradezu und ein Hauptgrund dafür ist, glaube ich, die Tatsache wie großartig der Autor bei dem Erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven ist. Einzelne Szenen werden z.B. aus der Sicht einer völlig unbeteiligten Person geschrieben, was eingang neues un spannendes Bild auf die Situation gibt. Zusätzlich daz bin ich ein Fan davon, wenn auch der/die "Böse" die Chance bekommt sich zu "präsentieren" - solange durch solche Szenen nicht zu viel verraten wird, somdern mur immer genug, um neugierig zu bleiben.
So genug der lobenden Worte: ich bin für "Viele" und habe auch so gevotet :) ...solange es ein Autor schafft, alle Perspektiven spannend zu halten (das ist auch sicher die Kunst!)

Liebe Grüße
Feeakonomic
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon GabrielaS » 20.04.2015, 18:21

Darf man hier noch antworten? Seitdem ich "Gone" gelesen habe, bin ich total verliebt in P.O.V. Wechsel. Deswegen kommt für meine eigene Schreiberei kaum ein anderer Schreibstil in Frage. Nur zwei Dinge machen auch mich aggressiv in dem Zusammenhang:

- Loads and Loads of Characters
- im Spannungsmoment den P.O.V. wechseln

Aber so bei max. 10 P.O.V.-Charakteren finde ich es völlig super. Ich finde nur, man sollte nicht gleich am Anfang zig Charaktere weltweit vorstellen. Das langweilt mich dann auch richtig. Es sollte gemächlich sein, dass man erst einmal einen Charakter kennenlernen kann. Und die Handlung sollte auch erzählt werden. Nicht "Er schoss auf sie." und dann P.O.V. Wechsel. :roll: Hat mich bei Fitzek total genervt.
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