Einer oder Viele? - Perspektive

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Wieviele Perspektiven verwendest du?

Ich hab's lieber wenn es nur eine Sichtweise gibt
23
14%
Ich mag es eher, wenn die Sichtweise wechselt
50
30%
Ich finde beides hat seinen Reiz
95
57%
Ich mag keins von Beidem, sondern ...
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 168

Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Jacky » 22.12.2008, 14:06

Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Einer oder Viele? - Perspektive

Bei der Umfrage geht es darum, ob du lieber nur aus der Sicht von einer Person schreibst, oder mal aus der Einen, mal aus der anderen Perspektive schreibst. Gib oben deine Stimme zur Umfrage ab, einfach aus dem Bauch heraus, so wie du es empfindest.

Falls du es begründen kannst, warum bevorzugst du dann eine, bzw. viele Perpektiven?

Welche Variante benutzt du selbst?
Was sind für dich die Vor- und Nachteile?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Beitragvon jghh » 26.12.2008, 15:08

Mit dem Thema der Erzählperspektive http://de.wikipedia.org/wiki/Typologisches_Modell_der_Erz%C3%A4hlsituationenhabe ich mich sehr beschäftigt. Im Prinzip reizt mich die Ich-Erzählung mehr, sie ist meines Wissens im Literaturbetrieb heutzutage auch erfolgreicher, weil die Verlage fordern, dass sich der Leser möglichst schnell in das Buch hineinidentifiziert.

In meiner eigenen Verschwörungsgeschichte musste ich aus technischen gründen, d.h. um die Handlung wirklich erzählen zu können, darauf verzichten und wählte eine übergeordnete Erzählperspektive. Allerdings muss man dann sehr darauf aufpassen, dass der Leser beim Ball bleibt. Auch besteht hierbei die Gefahr, dass sich der Leser gegängelt bzw. bevormundet fühlt. In http://www.schreibwerkstatt.de/kuruls-schlacht-2-2-t6919-s15.html#44893 beschrieb ich dies einmal näher. Es war die durchgängige Erzählform des 18ten Jahrhundert. Der Autor ist geneigt, in dieser Form dem Leser seine Wertvorstellungen überzustülpen, sich gottgleich zu machen und herablassend auf seine kleine, selbst geschaffene Welt hinabzublicken.

Vollkommen ausgeschlossen sind bei der Icherzählung natürlich Spannung erzeigende Parallelmontagen http://de.wikipedia.org/wiki/Parallelmontage, es sein denn, man baut sie in die wörtliche Rede oder den inneren Dialog des Erzählers ein.

Ganz wunderbar finde ich die Kombination vom Ich-Perspektive mit "All"- Perspektive gelöst in "Madame Bovary" von "'Gustave Flaubert", wo der Autor innere Dialoge verschiedenster Protagonisten verarbeitet. Flaubert beschrieb damals in Briefen seine Qualen, zwölf Stunden am Tag oder mehr und die Nacht hindurch jeden Satz laut gebrüllt zu haben, bis er stimmte, immer wieder umschrieb für eine Seite, Monate für ein Kapitel. Es hat sich gelohnt. Auch 150 Jahre nach seinem Erscheinen fesselt es den Leser!
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Beitragvon freakingmuse » 26.12.2008, 17:39

Es kommt absolut auf die Geschichte/das Buch an, ich kann mich mit allem anfreunden und habe keine speziellen Vorlieben.
Das geht mir so beim Lesen und beim Schreiben.
In Büchern nehme ich es einfach als gegeben hin, was ich bekomme.

Bei Geschichten, die ich selbst schreibe... ich kann nicht einmal sagen warum ich mich wann für welche Perspektive entscheide. Ich wechsle da jedes Mal, weil beides für mich seine Reize hat.
Ich habe sogar eine Geschichte(n Reihe) da wechselt es von Kapitel zu Kapitel (oder eher von Kurzgeschichte zu Kurzgeschichte). Ich springe zwischen verschiedenen ersten und dritten Personen hin und her. Es passt einfach zum Gesamtkonzept und die Leser schien und scheint es nicht zu stören, denn die Reihe ist online recht beliebt und ich bekomme, obwohl ich schon lange keinen Teil mehr veröffentlicht habe, noch immer positive Kommentare. Also scheint es nicht zu stören.



Und mit vielen Worten will ich eigentlich nur sagen:
Ich denke alles ist okay, solange es dem Inhalt und der Struktur dienlich ist ;)
If the doctor told me I had six minutes to live, I'd type a little faster. -Isaac Asimov
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Beitragvon Melvyn » 26.12.2008, 18:35

Auch ich bin der Meinung, dass es auf das Buch ankommt. Und ehrlich gesagt, kann ich mich nicht entsinnen jemals schon ein Buch gelesen zu hjaben, wo wirklich nur die ganze Zeit aus der Sicht des Protagonisten erzählt wird. Selbst bei Harry Potter hat es Stellen gegeben an denen die Autorin die Sicht geweschelt hat, wenn z.B. gezeigt wurde was nun die Todesser alles treiben, dann war das ja auch aus einer anderen Perspektive.
Also ich finde Sichtwechsel gut, wenn es aber übertrieben wird kann es deutlich dne Lesespaß mindern. Also weniger ist da mehr. Aber wenn es zu wenig wird ist es mit der Zeit langweilig, ich denke man muss da so den Mittelweg finden.

@ Jackie:
Stimmt das hat mich an manchen Stellen auch tierisch genervt als bei "Elfenwinter" man sich mit den Trollen rumschlagen musste. Naja, einen Vorteil hatte es ja, wenn dann wirklich wieder die Elfen dran kamen, freut man sich umso mehr. =)

Mfg Melvyn
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Beitragvon Tiny » 26.12.2008, 20:36

Ich finde ebenfalls, dass es auf die Geschichte ankommt. Wenn ich z.B. einen Thriller lese, in dem ein geistesgestörter Mörder sein Unwesen treibt, finde ich es interessant, seine Beweggründe zu kennen und gleichzeitig hat man meist einen anderen Hauptcharakter dessen Geschichte im Vordergrund steht. Ich habe auch schon mal ein Buch gelesen (Titel fällt mir im Moment nicht ein), in dem aus ca. 4 Perspektiven geschrieben wurde - jeweils aus Perspektive von 4 Freundinnen. Hat mir auch wirklich gut gefallen. Aber ich mag auch Bücher, in denen nur aus einer Perspektive geschriben wird....
Das alles hilft dir nicht sehr viel weiter, oder?

LG
Tiny
Sobald wir lernen uns selbst zu vertrauen fangen wir an zu LEBEN.
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Beitragvon Holly » 26.12.2008, 21:16

Also mir gefällt beides, allerdings habe ich meine Geschichte aus mehreren Perspektivesn geschrieben.
Als Hauptstrang verläuft die Geschichte um meine Protagonistin, als Nebenstränge laufen Personen, denen sie noch begegnen wird oder deren Schicksal durch ihre Handlungen stark beeinflusst werden.
So kann der Leser das Geschehen auch aus der Sicht des Bösen erleben, damit es seine Beweggründe versteht.
Sonst heißt es oft: "Ich reiße die Welt an mich! Wieso weiß ich eigentlich gar nicht, ich tu´s einfach, weil ich so böse und verrückt bin und fast jede Geschichte einen Antagonisten braucht." :evil: :roll:
Das war mir zu platt.
Aber ich hatte noch andere Gründe:

1. Abwechslung
Ich liebe es einfach in die verrücktesten Personen zu schlüpfen und somit Schreibstil und Wahrnehmung zu ändern.

2. Ein großes Ganzes
Ich denke, meine Geschichte erlangt dadurch an Plastizität. Ich habe eine Handvoll wichtiger Figuren, die, bevor sie meine Protagonistin treffen, dem Leser einen Eindruck von sich vermitteln. Wenn sich ihre Wege wieder trennen, kann der Leser hautnah erfahren, wie es mit diesen Figuren weitergeht.
Natürlich nicht von allen, man soll ja nicht zu viel verraten. :wink:

3. Reibung und Konflikte
Dadurch, dass der Leser eigentlich die Motive jeder Person aus deren Sicht ich schreibe, verstehen kann (oder zumindest sollte :wink: ) , verschwimmen die Ränder von Gut und Böse. Man weiß nicht genau, auf wessen Seite man eigentlich sein soll und das erzeugt Spannung.
Z.B. der Junge, in den sich meine Protagonistin verliebt. Er scheint soweit ganz toll, etwas sturr vielleicht, aber sympathisch. Allerdings wird er von jemandem verfolgt, dem er den Arm abgeschlagen hat und dessen Hass der Leser in jeder Zeile aus seiner Sicht eingehämmert bekommt.
Nun muss der Leser hilflos mitansehen, wie die Begegnung der beiden immer näher rückt. Doch wem soll er den Sieg wünschen?

Klar kann es auch sein, dass es manch einen Leser verwirrt, weil er nicht so schnell von einer Person in die andere springen kann, aber meine Testleser fanden gerade das gut.

LG Holly
Die traurige Nachricht zuerst: Ich bin tot.
Henry - Das Buch mit Biss
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Beitragvon Jacky » 28.12.2008, 22:51

Halli hallo alle miteinander.

Erst einmal danke, für eure vielen Kommentare (ich würde mich freuen wenn es noch mehr werden denn) jeder einzelne hat mir ein kleines Fenster geöffnet, um die Dinge aus eurer Perspektive zu sehen. Und wenn es nicht schon eure Argumente getan hätten, oder das Buch (Die Gilde der schwarzen Magier) das ich gerade lese, dann wäre es sicher diese Tatsache gewesen, die mich davon überzeugt hätte, dass ich mir wegen mehr-als-eine-Perspektive keine Sorgen machen muss.

Wie einige von euch schon gesagt haben, es kommt immer auf das Buch an, und wenn man dem Leser mit einem Perspektivenwechsel einen Mehrwert bieten kann, dann solltel man das meines Erachtens nach tun.

Hier zu sehen, wie das Thema aus verschiedenen Sichtweisen beleuchtet wird, hat mir gezeigt, dass diese Methode schon bei einer so "theoretischen" Sache interessant ist, dann auch sicher in einer Geschichte, wo es immer darum geht Gefühle zu transportieren.

Man stelle sich eine Geschichte vor, in der Tatsächlich nur eine einzige Sichtweise dargestellt wir, ... sicher kennt jeder "Scrooge", hätten wir in dieser Geschichte nur Scrooges Sichtweise kennen gelernt, hätten die drei Geister ihm nicht aufgezeigt, wie es für Andere aussieht, dann hätte die ganze Geschichte nicht funktioniert. Ganz ohne einen Einblick in andere Personen, kann es kein Mitgefühl geben, und ohne Mitgefühl keine Spannung.

Insbesondere Hollys drittem Punkt möchte ich hier zustimmen, obwohl sie Alle durchaus zutreffen.

Jetzt stellt sich noch die Frage, wie viel ist zu viel? Wie viel sollte man verraten (sollte der Leser alles vorher wissen und nur noch fiebern ob der Protagonist es herausfindet)? Und schreibst du lieber "ich" oder "er", "geht" oder "ging"?

Noch einmal danke für eure bisherigen Anregungen (ich warte gespannt auf mehr).
lg
Jacky ;)
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Beitragvon Ayleen » 29.12.2008, 13:36

Ich finde, es kommt auch darauf an, ob man den Charakter aus dessen Sichtweise geschrieben wird, auch mag oder gut/interessant findet.
Das Buch das ich zuletzt gelesen habe war Gegen das Sommerlicht von Melissa Marr.
Puh.
In diesem Buch wechselt die Perspektive in regelmäßigen Abständen, aber ich fand den Charakter von Donia oder der Winterkönig einfach nur grässlich. Leider bin ich ein sehr ungeduldiger Leser. Mir wird beim Lesen leider sehr schnell langweillig. Typisch für mich, habe ich die Seiten einfach überblättert (Ein sträfliches Vergehen, ich weiß, aber es ist nunmal die Wahrheit...). Mir gingen die Perpektivenwechsel nicht deswegen auf die Nerven, weil sie an einer spannenden Stellen wechselten, sondern weil ich mich mit einem ungeliebten Charakter abfinden musste.

Also:
Ich habe kein Problem mit Perspektivenwechseln. Selbst wenn sie an einer spannenden Stelle wechseln, solange ich etwas genauso gutes oder Besseres vorgesetz bekomme (z.B einen anderen Charakter, den ich auch mag).

Natürlich ist das etwas schwer umzusetzen, schließlich kann man nie den Geschmack von allen treffen. Die einen mochten Donia, und lasen ihre Kapitel gerne, anderen ging Donia auf die Nerven.
Ich hoffe trotzdem, dass es dir ein wenig hilfreich war.
:wink: [/i]
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon blutigeranfänger » 11.01.2012, 14:42

Ich finde nicht nur, dass es eine Frage des Geschmacks ist, sondern dass es zur Geschichte passen muss. Zum Beispiel könnte ich mir Harry Potter (um mal Jackys Beitrag aufzugreifen) nicht aus mehreren Perspektiven vorstellen. Nein, ich will nicht wissen, wie Hermine, Ron oder Hagrid denken. Als Gegenbeispiel kann ich die Black Magician Trilogy von Trudi Canavan anführen. Die hat einige so dislozierte Handlungsstränge, dass es unmöglich gewesen wäre, alles aus der Sicht der Protagonistin zu schreiben. Obwohl der Leser viel mehr weiß als die einzelnen Figuren, wird es nicht langweilig.

Für mein derzeitiges (erstes) Romanprojekt habe ich mehrere Perspektiven gewählt, d.h. aber nicht, dass ich das in Zukunft immer so halten werde. Wie gesagt, das wichtigste Kriterium ist, dass es der Geschichte gerecht wird. Anfangs hatte ich nur die Perspektive des Protagonisten geplant. Nach den ersten 10000 Wörtern bin ich in einer Szene stecken geblieben, die sich als unglaublich zäh erwies. Also hab ich sie versuchsweise aus einer anderen Perspektive geschrieben. Voilà - durch die zusätzlichen Informationen, die der Leser dadurch erhielt, wurde die Szene erstklassig (für meine Verhältnisse :mrgreen: ).

Hier noch zwei Argumente für mehrere Perspektiven:
  • wenn der Leser den Protagonisten nicht leiden kann, kann er sich mit einer der anderen Figuren identifizieren (mir geht es oft so, dass mein Lieblingscharakter in einem Buch nicht der Protagonist ist).
  • stark emotionale Szenen können aus der Perspektive eines weniger betroffenen Charakters geschrieben werden. Es ist nicht nur einfacher die körperlichen Anzeichen eines anderen zu zeigen als seinen inneren Aufruhr zu beschreiben. Persönlich finde ich es auch reizvoller, jemandem dabei zuzusehen, wie er einen Nervenzusammenbruch erleidet, als ihn von innen heraus mitzuerleben. Und noch wichtiger - es gibt etwas von der Beziehung zwischen den Figuren preis. Wie reagiert die beobachtende Figur auf den Gefühlsausbruch der anderen? Fühlt sie mit? Zeigt sie Unverständnis? Suhlt sie sich vielleicht regelrecht im Leid der anderen? Schreibt man dieselbe Szene aus der Perspektive des Betroffenen, gehen solche Informationen unter, weil er emotional so mitgenommen ist, dass er keine Augen mehr für die Reaktion seines Gegenübers hat. Wie im Real Life :D .

Aus einer einzelnen Perspektive zu schreiben und gleichzeitig ein spannendes Buch damit zu schaffen, halte ich für die Königsdisziplin. Das setzt voraus, dass die perspektivische Einschränkung zur Geschichte passt. Jetzt wiederhole ich mich :wink: ...
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon LadyOfTigers » 12.01.2012, 20:20

Hallo! :D

Welche Variante benutzt du selbst?
Das variiert je nach Geschichte. Ich bevorzuge jetzt keine Variante und hasse auch keine. Was ich selbst nicht so mag, ist die allwissende Perspektive, weil ich mich dann im Beschreiben der Charaktere (vorallem auch in dem, was in ihnen vorgeht) etwas eingeschränkt fühle, aber na ja... :wink:
Allerdings muss ich immer darauf achten, dass die Perspektive auch zur Geschichte passt bzw. ich keine Einschränkungen durch diese Perspektive haben muss. Das ist für mich persönlich die grösste Herausforderung und z.T. muss ich dann die ganze Geschichte neu anpassen, damit es wieder stimmt...

Was sind für dich die Vor- und Nachteile?
Die Er-Perspektive finde ich sehr praktisch, wenn man mehrer Protas hat. Das macht es einfacher, die Geschichte zu erzählen, vorallem wenn sie einen recht komplexe Hintergrund hat. Allerdings hat man auch niemals diese "Nähe" der Ich-Perspektive und kann vielleicht die Handlungen der Protagonisten weniger nachvollziehen. Ich auf jeden Fall finde, dass beide Perspektiven etwas Reizvolles haben - man muss sie nur richtig einzusetzen wissen. :wink:


Ach ja, @Jacky: Welche Perspektive bevorzugst du denn eigentlich?


Grüsse,
Lady
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Zauberzunge » 14.04.2012, 19:12

Ok, der Beitrag ist von 2008 und vielleicht nicht mehr superaktuell. Hoffentlich kann ich trotzdem etwas sinnvolles beitragen oder selber daraus lernen (am Besten beides, hehe)
Von Anfang an wusste ich, dass es etwa 5 bis 6 Hauptcharaktere geben wird, davon ein bis zwei Protagonisten. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Ich kann ausschließlich aus der Sicht eines Protagonisten schreiben.
2. Ich kann die Sichtweise aller Hauptcharaktere aufgreifen.
Aber was von Beidem kommt am besten an?


Ich weiß ja gar nichts über die Geschichte, aber so kann ich mich auch ganz objektiv fragen: Warum nicht eine Mischung aus 1. und 2.? Könnte man nicht die Perspektiven der Protagonisten abwechseln. Dabei könnte sich der Leser vermutlich recht gut mit beiden identifizieren, da bei einer Zweiteilung ja beide ziemlich oft drankommen; gleichzeitig kann der Leser auch auf das Wissen von gleich zwei – anstatt nur einem – Charakteren zugreifen. Um Konflikt aufzubauen/den Leser beide Seiten besser verstehen zu lassen/etc., könnte man nicht einfach die Perspektive des Antagonisten einbauen? Wer weiß, durch drei Perspektiven bringt man vielleicht noch mehr Motive zur Geltung. (Wie man die „Anteile“ aufteilt, um noch nahe am/an dem/den Protagonist(en) zu bleiben, ist sicher noch Mal eine andere Sache.) Es erinnert mich an den Blogartikel „Der Kampf: Gut gegen Böse“ in der Kategorie Charakterentwicklung*: Würde man die Geschichte ausschließlich aus der Sicht besagten jungen Mannes, der seine Familie verloren hat, erzählen, würde man die Räuberbande für absolut böse halten, ohne dass der Leser von dem Konflikt der Räuber – wenn ich nicht genug Essen zusammenstehlen kann, stirbt meine Familie – erfährt. Was wäre, wenn man z.B. die Perspektive eines Armeesoldaten oder sogar die des Königs hinzufügt?

Das alles soll jetzt aber nicht so klingen, als würde ich als Neuling erfahrenen Schreibern Rat geben wollen (wär ja lächerlich). Aber vielleicht bringt es neue Denkanstöße? Falls das alles eben aber nicht hinkommen kann, keinen Sinn ergibt oder sonst einen Fehler enthält – bitte korrigiert mich.


*Leider weiß ich nicht wie man verlinkt. Falls ich das herausfinde, ändere ich diesen Beitrag. Wisst ihr, wie das geht?

P.S.:
stark emotionale Szenen können aus der Perspektive eines weniger betroffenen Charakters geschrieben werden. Es ist nicht nur einfacher die körperlichen Anzeichen eines anderen zu zeigen als seinen inneren Aufruhr zu beschreiben. Persönlich finde ich es auch reizvoller, jemandem dabei zuzusehen, wie er einen Nervenzusammenbruch erleidet, als ihn von innen heraus mitzuerleben.


Damit hat blutigeranfänger meiner Meinung nach Recht. Zudem kann eine Perspektive einer unbeteiligten Person auch Distanz erzeugen. Ich kann kein Beispiel nennen, aber ich stelle mir das so vor, als ob man einen heftigen Gefühlsausbruch nur im Halbschlaf oder durch eine dicke Schicht Wasser mitbekommt.


P.P.S.:

Denn ich finde es unfair, dass ich mich z.B. mit Trollen rumschlagen muss, wenn das Buch doch “Elfenwinter” heißt …


Eindeutig Ansichtssache. Mir haben die Einblicke in das Volk der Trolle ganz gut gefallen, da so die Vorurteile der Elfen in Richtung dumm, grundlos brutal, etc. zum Teil widerlegt werden konnten.
Aber ich stimme vollkommen zu – auch Melvin, der das ebenfalls kommentiert hat – dass mir die Geschichte über die Elfen besser gefiel.
Jung genug, um an Magie zu glauben und alt genug, um zu verstehen, wie sie funktioniert. (Artemis Fowl, Eoin Colfer)
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon LunaLunaeLumen » 01.05.2012, 16:56

An sich mag ich beide Perpektiven, die Ich- Form ist gut und die Er/Sie- Form ebenfalls. Doch ich bevorzuge beim schreiben die Er/Sie- Perpspektive(eigentlich auch beim lesen), ich komm mit ihr einfach besser klar und man kann mit ihr einfach mehr wechseln.^^
Die Ich- Form schreibe ich selten bis gar nicht, viele Bücher in der Ich- Form habe ich nicht. Denn eines finde ich in dieser Form sehr schwer, nämlich die Spannung zu halten. In der Ich- Form kannst du nicht eben mal schnell nach Walter(es sei denn er ist auch ein Prota... aber in dieser Form finde ich zwei Protas bissl verwirrend...) wechseln und hüpfst danach wieder nach Inge, nur weil bei ihr gerade nichts spannendes passiert oder dir nichts einfällt. Auch muss man in der Ich- Form aufpassen das der Prota nicht zu egoistisch rüber kommt oder unsympathisch. Bei der Bis(s)- Reihe zum Beispiel hatte ich nach einer Weile das Problem das ich den Prota einfach nicht mehr leiden konnte, sie wurde mir einfach zu nervig(Edward hier, Edward da, Edward ist der Geilste, alle anderen sind mir egal- blablabla). Deshalb hab ich mit Mühe und Not den zweiten Band dieser Reihe durchgelsen, aber danach kein weiteres in die Hand genommen. Ich meine, das Buch bzw. die Story kann noch so gut sein, auch die Hauptnebencharaktere oder nur Nebencharaktere können noch so gut sein, ist das Buch in der Ich- Form und du kannst den Charakter nicht leiden, liest du dann weiter? Ich glaube nicht, es sei denn deine sadistische Ader kommt heraus und du freust dich jedes mal wenn der Prota leidet.
Lange Rede kurzer Sinn: ich mag die Ich- Perpesktive, aber nur wenn sie gut geschrieben ist und mir der Prota sympathisch ist(und es auch bleibt)- ich selbst kann diese Form nicht schreiben, jedenfalls nicht gut. Ist hier aber jemand anderer Meinung und schreibt selbst oft in der Ich- Perspektive, kann er mich mit seinem Werk gern vom Gegenteil überzeugen. :) Vielleicht habe ich bis jetzt einfach nur schlecht geschriebene Ich- Formbücher gelesen. Obwohl ich Darren Shans 'Dämonicon' recht gut fand und die Betsy- Reihe von Mary Janice Davidson auch, obwohl mir langsam der Prota mit seinen Schuhtick extrem auf die Nerven geht... :roll: :XD:

PS: Mein Geschriebenes ist ein bissl chaotisch, ich weiß, aber: That's me. ;)

LG,
Luna.^^
Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken schmecken!^^
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon zickzack » 02.05.2012, 14:57

Hm, also ich habe mich für eine Perspektive entschieden. Ich finde es zwar auch reizvoll aus mehreren Perspektiven zu lesen, aber ich habe bei mir festgestellt, dass mir das einfach nicht liegt. Für mich ist es einfacher, mich auf einen Charakter intensiv zu konzentrieren.
Früher habe ich gern aus verschiedenen Sichtweisen geschrieben... *räusper* Na ja, nichts gutes dabei raus gekommen. Sprünge mitten im Absatz in einen anderen Kopf können sehr verwirrend sein. Teilweise klang es auch sehr distanziert.
Also ich mag beides gern lesen, aber selber mag ich es aus einer Sicht zu schreiben. Ist einfach einfacher und passt bei meinen Geschichten auch besser.

LG
zickzack
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Neniel » 13.10.2013, 21:28

Jacky hat geschrieben: Falls du es begründen kannst, warum bevorzugst du dann eine, bzw. viele Perpektiven?

Jacky hat geschrieben:Welche Variante benutzt du selbst?

Jacky hat geschrieben:Was sind für dich die Vor- und Nachteile?


Generell sage ich zum Thema Perspektive: Ich schreibe es so, wie ich es auch gerne lesen würde.
Zum Beispiel käme es mir nie in den Sinn, jedes zweite/dritte Kapitel an einem anderen Punkt weiterzumachen. Ich denke da ganz speziell and Eragon. Ich hab das erste Buch gern gelesen, das zweite war okay, das dritte habe ich nicht mehr geschafft. Ich meine, das Buch heißt "Eragon" - und dann ist nur ein Drittel des Buches aus seiner Sicht geschrieben oder wie? Nein, ohne mich. Immer gab es diese dämlichen Cliffhänger, immer ging es mit einem anderen Charakter weiter. Da spür ich jetzt schon wieder die Frustration, dabei ist es sicher schon 4 Jahre her, dass ich es in der Hand hatte.

Ich finde es okay, wenn es mehrere Perspektiven gibt, aber: Die Perspektive darf meinetwegen in jedem Kapitel wechseln, aber nicht immer sollte sich Ort und Situation mitwechseln. Nicht jedes Kapitel sollte dann als Cliffhänger enden, da man ja dann ewig warten muss, bis sich die Situation auflöst. In der Zwischenzeit findet man schwer in die zweite Perspektive, nur damit das dann wieder unterbrochen wird.
Ich hatte bei meinem Fantasyroman folgende Perspektiven verwendet: Anfänglich nur aus der Perspektive der Protagonistin. Ca. 20 Kapitel lang. Und erst dann, als sich die mittlerweile größere Gruppe teilen musste, gab es Perspektivenwechsel, so dass es chronologisch gepasst hat und man die Situationen der Nebencharaktere, die z.B. vieles, was zuvor geschehen ist, erklärt haben, miterleben konnte. Das letzte Kapitel ist aus der Sicht eines mittlerweile sehr wütenden Kerls, der ein Racheversprechen an die Protagonistin abgibt.

Ich selber würde das eben mögen, weil ich mit der Protagonistin mitfiebern und mitfühlen kann, ohne ständig unterbrochen zu werden.
Bei Eragon hätte man ja z.B. Briefe als Mittel verwenden können, in denen er von seinen Freunden erfährt, was bei ihnen geschieht.

Spannung ist wichtig, ja - aber es darf den Leser nicht frustrieren. Und ich persönlich mag es als Leser, mich mit der Figur identifizieren zu können. Eine Bindung zum Prota aufzubauen, so dass er ein Freund wird. Wie bei Harry Potter eben. :dasheye:

Für das Projekt, das ich derzeit plane, werde ich zwei Perspektiven haben.
Wenn der Protagonist im Fokus steht wird es die 3. Person Singular, eben personal Erzählverhalten, sein.
Die Protagonistin darf die 1. Person Singular für sich beanspruchen, da sie viel mehr Gedanken hat, die sie nicht wiedergibt, und da sie viel emotionaler ist als der Protagonist. Natürlich wird diese Ich-Form seltener Vorkommen und vermutlich werden die Kapitel mit der Ich-Form wesentlich kürzer sein als die Erzählperspektive des Protagonisten.

LG, Neniel
Nicht Hass ist die Bestimmung eines Engels. Sondern Vergebung, Güte und Mitgefühl.. und manchmal vielleicht auch Traurigkeit.
Neniel
 
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Re: Einer oder Viele? - Perspektive

Beitragvon Jaspin » 23.10.2013, 17:13

Also ich finde auch, dass es auf die Bücher ankommt. Bei manchen finde ich einfach, dass es sehr empfehlenswert ist, wenn er aus zwei Sichten geschrieben wird. Aber bei manchen, denke ich mir auch, dass eine Sicht reicht.
Ich finde es vollkommen in Ordnung wenn sich die Sichten fast jedes zweite oder dritte Kapitek wechselt. Aber wenn es nach jedem Kapitel wechselt, find ichs schon nervig. Am besten, jedoch auch am nervigstens, finde ich immer, wenn eine Sicht vorbei ist, wenn etwas richtig spannendes passiert und dann eine andere sicht so über drei oder vier Kapitel geht und dann erst wieder die andere Sicht. Da ist die spannung einfach am höchsten und ich will die seiten schnell durchkriegen.
Aber ich finde, man sollte höchstens drei verschiedene perspektiven haben, da ich mich sonst nicht in die Charakter wirklick einfühle. Generell sollte der hauptcharakter die meisten kapitel zugeschrieben bekommen, weil er ja sozusagen durch die geschichte führt, weik es seine geschichte ist. Wenn der hauptcharakter eher so einer ist, der zum schluss ein problem lösen soll, find ichs auch gut, wenn dieser eher so in den hintergrund rückt.
lg
Jaspin
 
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