[Lyrik Tragik] Einsamkeit, was tust Du hier?

Trauer, Angst, Einsamkeit

[Lyrik Tragik] Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon Joleen » 17.09.2011, 15:08

Einsamkeit,
was tust Du hier?
Wie stark es schneit,
so tief in mir.

Einsamkeit,
so leis‘ Du scheinst,
Dein Schmerz, der schreit.
Siehst du: Du weinst.

Einsamkeit,
so lass mich los.
Stille deiner Jahreszeit,
alles ist so hoffnungslos.

Einsamkeit,
versuch‘ es nicht,
verschwunden die Vergangenheit.
Und fühlst Du: Sie zerbricht.

Einsamkeit,
was tust du hier?
Hast Du keine Sicherheit?
Lass ab, lass bitte ab, von mir.


[alteversion=]Einsamkeit,
was tust Du hier?
Wie stark es schneit,
so tief in mir.

Einsamkeit,
so leise Du scheinst,
Dein Schmerz, der schreit.
Siehst du: Du weinst.

Einsamkeit,
lass mich los.
So still in dieser Jahreszeit,
alles ist so ausdruckslos.

Einsamkeit,
versuch‘ es nicht,
verschwunden die Vergangenheit.
Und dennoch, sie zerbricht.

Einsamkeit,
was tust Du hier?
Hast Du keine Tätigkeit?
Lass ab, lass ab, bitte, von mir.[/alteversion]

-------------------------------------------------
Also, das war mein erstes Gedicht... Ich hoffe natürlich, es hat euch gefallen. Danke für's Lesen. Lg Joly
Zuletzt geändert von Joleen am 19.03.2014, 14:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon folklover73 » 17.09.2011, 18:41

Hallo Joleen, hallo Forum,

Danke fürs Einstellen, dies ist mein erster Versuch eines Kommentars, ich
lerne also noch :) ...

Insgesamt finde ich die Idee eines Dialogs mit der Einsamkeit hochspannend,
was sie wohl anworten würde? Es ließ mich gleich an das Stück "Solitude
Standing" von Suzanne Vega aus den Achtzigern denken.

Mir gefällt, dass Du die Eingangsfrage "Einsamkeit, was tust Du hier?"
gegen Ende noch einmal aufnimmst, das gibt dem Ganzen meiner Meinung nach
einen Abschluß.

Ich persönlich verbinde Schnee nicht mit Einsamkeit, daher spricht die
Metapher
Wie stark es schneit,
so tief in mir.
mich gefühlsmäßig nicht an. Als Alternativvorschlag vielleicht so etwas wie
Wie still es ist,
so tief in mir.

Was ich mich beim Lesen des Gedichtes frage: Die ersten beden Strophen
haben einen einheitlichen Rhythmus. Den gibst Du dann später auf: Ist das
Absicht?

Dann noch zur letzten Zeile:
Lass ab, lass ab, bitte, von mir.
"Bitte würde ich hier näher zum Verb stellen, also so etwas wie "Lass ab,
lass bitte ab von mir.

Insgesamt bringt dieses Gedicht für mich zwei Stimmungen zum Ausdruck: die
troslose Einsamkeit auf der einen Seite und die Sehnsucht, dass sie
verschwinden möge auf der anderen. Die letzte Zeile drückt für mich Machtlosigkeit aus.

Hoffe, Du kannst mit meinen Gedankensprüngen etwas anfangen.
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon Joleen » 03.10.2011, 14:22

Hey,

folklover73 hat geschrieben:Dann noch zur letzten Zeile:
Lass ab, lass ab, bitte, von mir.
"Bitte würde ich hier näher zum Verb stellen, also so etwas wie "Lass ab,
lass bitte ab von mir.

Danke sehr, so hört es sich wirklich besser an.

folklover73 hat geschrieben:Insgesamt bringt dieses Gedicht für mich zwei Stimmungen zum Ausdruck: die
troslose Einsamkeit auf der einen Seite und die Sehnsucht, dass sie
verschwinden möge auf der anderen. Die letzte Zeile drückt für mich Machtlosigkeit aus.

Sollte es auch.

Vielen Dank für deinen Kommentar! Er hat mir sehr geholfen über das Gedicht nachzudenken. Und den Schnee werde ich lassen :wink:.
Schnee => Kälte auf der Haut etc.
Einsamkeit => Kälte im Herzen

Lg Jolly
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon Cayenne3 » 05.12.2011, 18:56

Guten Tag! Ich möchte gerne auf die Dinge eingehen, die mir noch aufgefallen sind.

1. Strophe: Die Reime sind gut gelungen. Ich finde, dass sich Schnee durchaus mit Einsamkeit verbinden lässt, da ich wenn ich an kalte Gegenden stets auch an einsame, ältere Menschen denken muss. Der Schnee - Einsamkeit Zusammenhang ist also eigentlich nicht an den Haaren herbeigezogen. Aber, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn es schneit, die Welt immer etwas ruhiger zu sein scheint, als sonnst. Und da Einsamkeit und Ruhe gut zueinander passen, finde ich schneien recht gut.

Was mich etwas an der zweiten Strophe irritiert ist, dass der Schmerz der Einsamkeit zuerst schreit und dann die Einsamkeit etwas bewusst tut, nämlich weinen. Ich habe über die Wendung nachgedacht, aber mir sind keine konstruktiven Vorschläge zur Verbesserung eingefallen.

In der dritten Strophe hört sich der Ausdruck las mich los gereimt auf alles ist so ausdruckslos nicht so schön. Das klingt etwas holprig.

Fazit: Ich finde das Gedicht sehr schön, die kleineren Stellen, die - vermutlich nur ich - verbesserungsfähig finde, sind nicht gravierend. Die Stimmung kommt auch sehr gut rüber, es wirkt alles irgendwie sanft und friedlich und zugleich innerlich so zerrissen. Dieses Gedicht hat mich nach dem lesen sehr nachdenklich gemacht. Ich hoffe, ich konnte dich noch auf ein paar Stellen aufmerksam machen an denen du vielleicht bessere Formulierungen findest. Liebe Grüße Cayenne
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon Joleen » 06.12.2011, 14:46

Hallo Cayenne,

Cayenne3 hat geschrieben:Was mich etwas an der zweiten Strophe irritiert ist, dass der Schmerz der Einsamkeit zuerst schreit und dann die Einsamkeit etwas bewusst tut, nämlich weinen. Ich habe über die Wendung nachgedacht, aber mir sind keine konstruktiven Vorschläge zur Verbesserung eingefallen.

Naja, gedacht ist es, dass der Schmerz der Einsamkeit diese zum Schreien bringt und dadurch weint sie dann... ich weiss, dass es nicht ganz so ausgedrückt ist...

Cayenne3 hat geschrieben:In der dritten Strophe hört sich der Ausdruck las mich los gereimt auf alles ist so ausdruckslos nicht so schön. Das klingt etwas holprig.

Stimmt, ich schaue auch einmal, was ich da machen kann...

Cayenne3 hat geschrieben:Fazit: Ich finde das Gedicht sehr schön, die kleineren Stellen, die - vermutlich nur ich - verbesserungsfähig finde, sind nicht gravierend. Die Stimmung kommt auch sehr gut rüber, es wirkt alles irgendwie sanft und friedlich und zugleich innerlich so zerrissen. Dieses Gedicht hat mich nach dem lesen sehr nachdenklich gemacht. Ich hoffe, ich konnte dich noch auf ein paar Stellen aufmerksam machen an denen du vielleicht bessere Formulierungen findest.

Natürlich und danke für deine Vorschläge!! :mrgreen:.

Lg Jolly
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon ahnungslos » 11.12.2011, 19:30

Hallo Joleen,

mir hat Dein Gedicht auf Anhieb gefallen.
So gut, dass ich jetzt auch meinen Senf dazugebe, obwohl ich wirklich Null-Tau von Gedichten habe. Mit Hilfe der Anleitung habe ich also versucht, drauf zu kommen, was mir nun eigentlich gefällt und was ich weniger toll finde oder mich "beim Lesen stolpern" lässt:

Das Bild von endloser Weite in einer kältestarren Umgebung kommt mir als Erstes in den Sinn. Die Luft ist grau und weich und schluckt alle Töne. Du, die Dichterin, findest Dich mit dieser Ödnis konfrontiert. Soweit zur Einstiegsszene - die erste Strophe. (Ich kann die Schneeflocken richtig auf meiner Haut fühlen.)

Und in der zweiten Zeile der zweiten Strophe stolpere ich schon über das "e" vom "leise", das bringt mich aus dem Rhythmus. Besser würde ich finden: So leise scheinst oder So leis' du scheinst...
ABER: Die Tatsache, dass die Einsamkeit einen solch großen Schmerz verspürt, dass sie es noch nicht einmal verspürt, dass sie weint, und Du sie erst darauf aufmerksam machen musst, hat mich glatt vom Hocker gehauen. Finde ich SUPER!

Die dritte Strophe hat mich ganz aus dem Konzept gebracht, ich habe sie x-Mal gelesen, bis ich auf folgenden Verbesserungsvorschlag gekommen bin:
Einsamkeit,
so lass' mich los!
Stille deiner Jahreszeit;
alles ist hier ausdruckslos.
(weil mir persönlich auch noch ein Rufezeichen abgegangen ist...)

Die vierte Strophe habe ich ganz flüssig gelesen, bloß da musste ich wegen dem Inhalt wiederholen. Sie ist schlüssig und auch wieder nicht, weiß nicht, wie ich das Gefühl besser beschreiben soll. Mein Verbesserungsvorschlag:
und fühlst du: Sie zerbricht. (ja, 2.2 hat mich noch im Griff...)
Und zur 5. Strophe: Mein erstes Gefühl war "NEIN, bitte nicht!" Mit dem Kommentar von folklover73 finde ich das auch schon gleich viel besser. Mein Total-Umbau-Vorschlag wäre gewesen:

"Einsamkeit,
noch immer hier?"
Brauchst Du nicht anders Deine Zeit
und lässt dafür dann ab von mir?
(folklores Vorschlag finde ich aber viel besser.)

Ich hoffe, ich bin nicht zu weit gegangen mit meinen ganzen Vorschlägen, sie sind aber dafür von ganzem Herzen.

lg
ahnungslos
Die Reduktion auf das Wesentliche gibt Klarheit, aber erst Ausschmückungen erlauben ein Schwelgen in der Fülle der Möglichkeiten.
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Re: Einsamkeit, was tust Du hier?

Beitragvon Joleen » 11.12.2011, 20:21

Hallo ahnungslos,

ahnungslos hat geschrieben:Und in der zweiten Zeile der zweiten Strophe stolpere ich schon über das "e" vom "leise", das bringt mich aus dem Rhythmus. Besser würde ich finden: So leise scheinst oder So leis' du scheinst...
ABER: Die Tatsache, dass die Einsamkeit einen solch großen Schmerz verspürt, dass sie es noch nicht einmal verspürt, dass sie weint, und Du sie erst darauf aufmerksam machen musst, hat mich glatt vom Hocker gehauen. Finde ich SUPER!

Danke für das Bild, in der ersten Szene, bei der zweiten finde ich dieses leis' eigentlich gut, muss nur noch schnell überrpüfen und dann werde ich mein gedicht mal überarbeiten :mrgreen:.

ahnungslos hat geschrieben:Die dritte Strophe hat mich ganz aus dem Konzept gebracht, ich habe sie x-Mal gelesen, bis ich auf folgenden Verbesserungsvorschlag gekommen bin:
Einsamkeit,
so lass' mich los!
Stille deiner Jahreszeit;
alles ist hier ausdruckslos.
(weil mir persönlich auch noch ein Rufezeichen abgegangen ist...)

Dein Vorschlag finde ich gut. Allerdings möchte ich dieses ausdruckslos noch verändern. Aber dein Stille deiner Jahreszeit finde ich sehr gut!

ahnungslos hat geschrieben:Die vierte Strophe habe ich ganz flüssig gelesen, bloß da musste ich wegen dem Inhalt wiederholen. Sie ist schlüssig und auch wieder nicht, weiß nicht, wie ich das Gefühl besser beschreiben soll. Mein Verbesserungsvorschlag:
und fühlst du: Sie zerbricht. (ja, 2.2 hat mich noch im Griff...)

:thinking:, eigentlich ein guter Vorschlag. Ich werde mal schauen, was sich da machen lässt.

ahnungslos hat geschrieben:Und zur 5. Strophe: Mein erstes Gefühl war "NEIN, bitte nicht!" Mit dem Kommentar von folklover73 finde ich das auch schon gleich viel besser. Mein Total-Umbau-Vorschlag wäre gewesen:

"Einsamkeit,
noch immer hier?"
Brauchst Du nicht anders Deine Zeit
und lässt dafür dann ab von mir?
(folklores Vorschlag finde ich aber viel besser.)

Ganz ehrlich? Ich musste zuerst einmal kurz folklores Vorschlag ansehen, bevor ich urteilen konnte :mrgreen:.
Mir gefällt dein Anfang. Jedoch der Schluss gefällt mir nicht wirklich. Da muss ich mir auch noch Gedanken darüber machen.

ahnungslos hat geschrieben:Ich hoffe, ich bin nicht zu weit gegangen mit meinen ganzen Vorschlägen, sie sind aber dafür von ganzem Herzen.

Quatsch, ich freue mich über jeden Kommentar. Ich habe gelernt Kommentare hinzunehmen und zu schauen, was mir gefällt und was nicht :). Also, mach dir da keinen Kopf.

Also, in wenigen Sekunden, Minuten, Stunden wird das überarbeitete Werk da stehen :mrgreen:.

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