Ich muss wegen des kantigen und abstrakten Titel um Entschuldig bitten.
Ich hatte große Schwierigkeiten, den Text, den ich gleich präsentiere richtig in die Struktur des Fiktionbereiches einzusortieren. Die Idee, die hinter dem Text steht, fällt in die Kategorie "Science Fiction". Aber das sieht man der Passage, die gleich folgt, noch nicht an. Außerdem ist das eine ganz frische Idee, für die ich noch nicht einmal einen Arbeitstitel habe. Die Grundidee führt dahin, dass "ich" aus einem heute üblichen Alltag in verantwortlicher Position in den Weltraum befördert wird; zunächst ohne selbst recht zu begreifen, was da eigentlich abgeht.
Außerdem bin ich nicht unbedingt an einem science-fiction-bezogenen Urteil von Euch interessiert. Ich möchte vor allem wissen, ob der Einstieg auch für Menschen interessant und verständlich ist, die nicht gedient haben, und denen deshalb vielleicht einige Nuancen in den Dialogen entgehen könnten.
Trotzdem habe ich den Text hier einsortiert, weil die anderen Kategorien unter 'Fiktion' für diese Passage noch schlechter passen.
@Mods: Abenteuer könnte vielleicht auch passen, aber wenn man bedenkt, wie die Grundidee weitergeht, scheint das irgendwie falsch. Wenn ihr den Text aber dorthin verschieben wollt, habe ich nichts dagegen.
Eine letzte Vorabbemerkung noch. Natürlich weiß ich, dass Bundeswehrsoldaten Namensschilder tragen. Ich erwähne die Namen aber bewusst nicht, weil die beiden Soldaten, die in dieser Passage auftreten, im weiteren Verlauf der Idee keine Rolle spielen. Sie sind Handlanger, die keine Ahnung von dem haben, was auf den Ich-Erzähler zukommt.
Nun aber zum eigentlichen Text:
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Es war eigentlich einfach nur surreal. Ich hatte einen toten Punkt in meinem Studium erreicht, als ein Leutnant und ein Feldwebel mit den orangenen Litzen der Feldjäger, aber ohne die Armbinden, vor meiner Tür warteten, als ich von der Uni kam. Die beiden Soldaten standen nicht militärisch, wie man es von ihnen erwartet hätte, sondern sie lümmelten an die Wand gelehnt vor der Tür meines Appartements herum. Sie hatten offensichtlich schon länger gewartet, denn ich hatte schon meine Tür aufgeschlossen, als der Leutnant sich nach meinem Namen erkundigte. „Der steht an der Tür; was wollen sie von mir, Herr Leutnant?“
„Ah, sie haben also gedient Herr Millier. Das erleichtert meine Arbeit erheblich. Sie sind mit sofortiger Wirkung dienstverpflichtet.“
„Was?“ antwortete ich entgeistert, „ich habe meine zehn Monate abgeleistet, lassen sie mich bitte in Ruhe!“ „Sie sehen nicht aus, als seien sie älter als fünfunddreißig. Ihre Wehrpflicht ist noch nicht beendet. Sie können jederzeit einberufen werden. Sie kommen mit.“
Während der Leutnant das sagte, baute sich der Feldwebel demonstrativ so vor mir auf, dass ich die Pistole, die er trug, unmöglich übersehen konnte.
Trotzdem hatte ich meinen Widerstand noch nicht aufgegeben: „Meines Wissen wurde der V-Fall nicht erklärt. Außerdem: Ohne irgendetwas schriftliches zu sehen, werde ich ihnen keine Folge leisten. Schon gar nicht, wenn sie sich nicht ausweisen. Also: Her den Wischen.“ Mir wurde ein Blatt Papier unter die Nase gehalten, auf dem stand, dass ich mich unverzüglich in der Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne in Immendingen einzufinden hätte. Der Schrieb sah echt aus. Die Ausweise der Männer auch.
„Immendingen? Das ist doch am Arsch der Welt! Was zum Geier soll ich da?“
„Ich bin im Moment nicht befugt, darüber zu sprechen,“ antwortete der Leutnant tonlos. „Sie haben fünf Minuten, das Notwendige zu packen.“
„Woher soll ich wissen, was notwendig ist, wenn ich nicht weiß, was der Zweck meiner Reise ist? Wie soll ich das Notwendige packen, wenn ich nicht weiß, wie lange ich weg sein werde?“ Der Leutnant schwieg.
„Außerdem wäre es nett, wenn sie mir sagen würden, wozu ich dienstverpflichtet werde. Ich habe nicht die Figur Adonis, eher als hätte ich hin verputzt. Für den Hindukusch tauge ich nicht. Zumindest nicht die nächsten Monate. Wieso sollte das Militär mich haben wollen?“
Der Leutnant schwieg weiter, bis er nach einer zu langen Pause bellte: „Feldwebel, Badezimmer.“
„Sie haben keine Ahnung, weshalb sie mich holen. Das muss ja extrem frustrierend sein, als Offizier Botengänge erledigen müssen, die Aufgabe von Unteroffizieren sind.“
„Schnauze, fangen sie an zu packen. Sie haben noch drei Minuten.“ Ich ging in mein Appartment und fing an, Unterwäsche in meine Reisetasche zu schaufeln, ein T-Shirt, einen Pullover, eine Paar Jeans, außerdem Stifte, Papier und ein paar Bücher. Als ich mein Handy nehmen wollte, hinderte er mich jedoch daran. „Das nicht.“ Ich legte es grummelnd auf den Tisch zurück, aber nur, um es gleich darauf doch in meine Hosentasche zu bugsieren. Eine schnelle Bewegung, ein gedrehtes Handgelenk, eine leichte Übung für jemanden, der gelegentlich an Kindergeburtstagen als Zauberer auftritt.
„Darf ich wenigstens mein Portemonnaie und meine Schlüssel mitnehmen?“
„Solange sie damit nicht kommunizieren können, ja.“
„Ich spreche manchmal mit meinem Geldbeutel, vor allem wenn er viel zu früh leer ist.“
„Sie haben nicht Adonis gefressen, sondern ein Clown. Und er ist ihnen nicht bekommen. Sie sind nicht witzig.“
‚Na toll,‘ dachte ich mir. ‚Ein Leutnant, der verbissen ist, wie ein Neckermann-Stuffz, der den Lehrgang nicht geschafft hat.‘ Als ich meine Reisetasche zu machte, und der Feldwebel nach ihr griff, konnte ich mir aber ein Grinsen nicht verkneifen.
„Wir machen hier keine Witze,“ fuhr mich der Leutnant an. „Stellen sie das blöde Grinsen ab.“
„Ach, ich hätte mir nur nie vorstellen, können, dass mal ein Feldwebel mir, einem Obergefreiten a.D. das Gepäck trägt. Die Welt hat Humor!“
Der Feldwebel ließ meine Reisetasche fallen. „Sie haben Recht Obergefreiter, sie tragen selber,“ sagte der Feldwebel.
Als ich nach Hause gekommen war, hatte ich dem uralten, matt-oliv lackierten Golf keine Beachtung geschenkt. Verschlissene Militärfahrzeuge werden versteigert und kosten dann nicht viel. Einiger meiner Kommilitonen haben sich so einen fahrbaren Untersatz beschafft, und eine Neulackierung wäre teuerer gewesen als das Auto. Aber die Rostlaube hatte einen taktischen Vorteil. Sie war ein Dreitürer. Nachdem ich meine Tasche in den Kofferraum gelegt hatte, schlug der Felwebel meinen Kopf an den Türrahmen und beförderte mich dann unsanft auf die Rückbank. Dann setzte er sich ans Steuer, und der Leutnant auf den Beifahrersitz. Ich konnte nicht entkommen. Mir blieb nichts anderes übrig, als es mir auf der Rückbank unbequem zu machen und mich auf eine gute Stunde Autofahrt einzustellen. Wenigstens war das Auto eng genug, dass der Leutnant meine Knie im Kreuz hatte.
Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, wurde der Leutnant plötzlich gesprächig: „Jetzt, da niemand mithören kann, bin ich befugt, ihnen zu sagen, wieso sie uns begleiten.“
„Na, da bin ich gespannt!“
„Unterbrechen sie mich nicht!“ er atmete durch und sprach ruhiger weiter, „Sie sind Soziologe, sie haben ein Paper über interkulturelle Kommunikationsschranken geschrieben. Damit haben sie Qualifikationen bewiesen, die im Rahmen eines geheimen Projektes nützlich wären. Ich kenne selbst keine Details, aber wenn die Gerüchte, die ich gehört habe, nur zu einem Bruchteil wahr sind, würde ich alles tun, um dabei zu sein. Erinnern sie sich noch an die Umgangsformen für Generäle?“
„Der Rang, den ich in meiner Dienstzeit tatsächlich gesehen habe, war ein Major; aber wenn ich mich recht erinnere, werden alle Generäle mit ‚Herr General‘ angesprochen, auch wenn es nur ein Brigadegeneral ist. Außerdem werden sie mit Marineoffizieren konfrontiert werden. Sind sie mit den Rangabzeichen der Marine vertraut?“
„Wieso haben die ihnen nicht meine Akte gegeben? Ich habe beim Heer gedient, und nur im Film ‚Das Boot‘ Marineabzeichen gesehen. Die dürften aber heute nicht mehr verwendet werden, und außerdem ist die Bandbreite in dem Film recht gering. In der Schicksalsgemeinschaft, die im Film dargestellt wird...“
„Schnauze,“ unterbrach mich der Leutnant. „Ein einfaches ‚nein ,Herr Leutnant‘ hätte genügt.“
Er kramte im Handschuhfach des Wagens. „Hier haben sie eine Tabelle. Studieren sie sie während der Fahrt. Und nehmen ihre Knie aus meinem Kreuz.“ Ich beäugte den kurz den Fahrersitz. Er stand noch weiter hinten, als der des Leutnants.
„Das kann ich nur, wenn sie ihren Sitz nach vorne stellen,“ ich ließ eine Sekunde verstreichen, ehe ich hinzufügte, „Herr Leutnant.“
