[Fanty] Eisige Vergangenheit

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[Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon IPatricia » 13.09.2015, 17:50

Hey ihr Lieben,

mal wieder etwas Kleines von mir, das mir zwischendurch beim Arbeiten an meinem Hauptprojekt eingefallen ist. Es ist eine Idee in ihren Startlöchern, aber vielleicht gefällt dem ein oder anderen von euch der Anfang dieser Geschichte. Kritik ist natürlich wie immer in jeglicher Form erwünscht. Aber jetzt genug geredet, ich wünsche euch viel Spaß mit diesem kleinen Auszug. :girl:

_____

Kapitel 1

„Auf gar keinen Fall“, sage ich zu Johan und vergrabe mein Gesicht noch tiefer im Kragen meines Fellmantels. Unglaublich, dass er mir das gerade vorschlägt. Schon wieder.
„Ach komm' schon, Svea!“
„Nein“, widerspreche ich mit Nachdruck. Wenn es um diese Sache geht, diskutiere ich nicht mit ihm. Er weiß genau, was ich davon halte, aber trotzdem versucht er es jedes Mal erneut.
„Du tust gerade so, als ob ich dich darum bitte, nackt im Eismeer schwimmen zu gehen.“ Ein schelmisches Grinsen huscht über seine Lippen, das ich besser ignoriere.
Der kalte Wind peitscht mir einzelne Haarsträhnen ins Gesicht und ich muss meine Augen zusammenkneifen. Johan steht mit einem breiten Grinsen vor mir, als ob ihm das eisige Wetter absolut nichts ausmacht. Er tritt unruhig auf der Stelle und zieht seine Mütze tiefer in die Stirn, die offensichtlich zu klein für seinen großen Dickschädel ist. Wie immer ist er Feuer und Flamme für seinen Plan, den ich ihm unbedingt ausreden muss. Aber ich kenne ihn nach all den Jahren zu gut. Johan wird es wieder und wieder versuchen, bis ich eines Tages zustimme. Ein solcher Tag wird allerdings niemals kommen. Leider will er das einfach nicht begreifen.
„Ich würde mich wirklich eher ins Eismeer stürzen, bevor ich das tue“, antworte ich und strecke ihm frech die Zunge heraus. Jetzt sieht er aus wie ein kleines Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Er verschränkt die Arme vor der Brust und funkelt mich mit seinen blauen Augen an.
„Was ist so schlimm daran, es zu betreten? Die tun ja gerade, als ob ein großes Unheil über die Welt kommt, wenn man es doch tut.“
Johan fuchtelt mit seinen Armen wild in der Gegend herum und sieht dabei unglaublich lächerlich aus. Ich wende mich kichernd ab und lasse meinen Blick zu dem kleinen Berg schweifen, auf dem das Heiligtum erbaut worden ist. Es stammt aus einer längst vergangenen Zeit, an die sich niemand mehr erinnert, weil alles Wissen aus diesen Tagen verloren ist. Seichte Nebelschwaden hängen ringsherum und umgeben das Gebäude wie ein schützender Mantel. Das Heiligtum mündet in eine massive Felswand, die aussieht, als würde sie es auffressen. Schon seit ich denken kann, ist es verboten, diesen Ort zu betreten. Ein heiliger Platz der alten, in Vergessenheit geratenen Götter.
„Ich habe die Regeln nicht gemacht, Johan“, sage ich schulterzuckend und drehe mich wieder zu ihm. „Die Dorfältesten haben sich sicher etwas dabei gedacht.“ Versprich' mir, dass du niemals einen Fuß an diesen Ort setzt. Man hat es aus gutem Grund verboten. Du musst es mir versprechen. Ich blinzle mehrmals hintereinander und versuche, das Bild von meinem Vater vor meinem geistigen Auge verschwinden zu lassen. Seine Stimme hallt in meinem Kopf wider. Versprich es mir.
„Das ist doch Schwachsinn“, zischt Johan und bückt sich. Er greift mit seiner Hand, die in einem Fellhandschuh steckt, nach einem flachen Stein auf dem Boden. Einige Male wirft er ihn in die Luft und fängt ihn wieder. Dann kehrt er mir den Rücken zu und steuert das Eismeer an. Seine Schritte knirschen im Kies des Strandes. Die Wellen brechen sich am Ufer und ein Wasserfilm gleitet über den Boden hinweg.
„Du wirst dich noch erkälten“, warne ich ihn, als ich sehe, dass seine Stiefel nass werden. Doch ihn kümmern meine Worte nicht. Das haben sie nie. Manchmal frage ich mich, warum wir überhaupt miteinander befreundet sind.
„Ich werde niemals krank.“ Er holt mit dem Arm weit aus und schmettert den Stein über das Wasser. Wie ein Fisch springt der über die Wasseroberfläche, bis er nach dem fünften Mal in den Tiefen des Ozeans verschwindet. Johan dreht sich zu mir um und stemmt stolz die Arme in die Seiten.
„Daran erinnere ich dich, wenn du jammernd in deinem Bett liegst“, lache ich. Jetzt fällt mir wieder ein, warum ich jede freie Minute mit ihm verbringe. Wenn wir zusammen sind, fühlt sich alles einfach nur unbeschwert an. Egal wie kalt es draußen ist, mir wird immer warm ums Herz. Johan kommt auf mich zu und sein Blick wird ein wenig düsterer.
„Nein, wirklich. Ich verstehe nicht, warum sie nicht wollen, dass man hineingeht. Da drin ist absolut nichts Interessantes. Oder Gefährliches. Früher habe ich geglaubt, die verstecken da drin ein Monster. Jetzt weiß ich es besser.“
„Johan!“, tadele ich ihn. Natürlich weiß ich, dass er das Heiligtum schon betreten hat. Er prahlt mir gegenüber immerzu damit, und jedes Mal habe ich ihn gebeten, es nicht wieder zu tun. Mir ist klar, dass er es nur mir erzählt, weil er weiß, dass ich ihn nicht verrate. Das würde ich niemals tun, egal wie sehr es mir missfällt, dass er nicht auf meine Warnungen hört. Wenn man ihn dabei erwischt, bekommt er richtig Ärger. Es wäre nicht das erste Mal, dass man eine zu neugierige Person aus dem Dorf verbannt. Ich möchte nicht, dass er weggehen muss, aber bisher ist es mir nicht gelungen, ihm diese Neugier auszutreiben.
„Keine Sorge, ich bin immer vorsichtig“, beruhigt er mich. „Aber es gibt wirklich keinen Grund, warum man nicht in dieses blöde Heiligtum gehen sollte.“
„Wenn es so blöd ist, warum tust du es dann immer wieder?“ Jetzt habe ich ihn. Er schaut mich an wie mein Hund Sturmpfote, wenn ich ihm das Essen vor der Schnauze wegziehe.
„Weil ich glaube, dass da irgendetwas sein muss. Ehrlich, es ist wunderschön und alles, aber deswegen verbietet man den Leuten doch nicht, zu sehen, was da drin ist.“ Johan liebt Geheimnisse. Schon früher hat er nicht eher Ruhe gegeben, bis er alles erfahren hat, was er wollte. Damit treibt er seine Eltern regelmäßig in den Wahnsinn, und mich auch.
„Klingt einleuchtend“, gebe ich zu, in der Hoffnung, dass er endlich locker lässt. Aber auch dafür kenne ich ihn zu gut. Ein wenig bewundere ich ihn für seinen unbändigen Wissensdurst und seinen Mut, selbst wenn ihm ein bisschen weniger davon gut täte.
„Ich will es dir unbedingt zeigen.“
„Du kennst meine Meinung dazu.“ Und die ändere ich auch nicht, will ich hinzufügen, doch das wäre verschwendeter Atem.
„Seit wann bist du so feige?“ Er boxt mir sanft in den Arm.
„Das bin ich nicht“, knurre ich und schaue ihn grimmig an. Johan provoziert mich einfach zu gerne. Seit Monaten versucht er, mich dazu zu überreden, gemeinsam mit ihm ins Heiligtum zu schleichen. Ich weiß wirklich nicht, warum er es sich in den Kopf gesetzt hat, die heiligsten Regeln unseres Dorfes zu brechen.
„Von deinem Vater hast du das bestimmt nicht.“ Nur Augenblicke später, nachdem er das gesagt hat, hält er sich die Hand vor den Mund. Dass ihm das gerade wirklich über die Lippen gekommen ist, macht mich sprachlos. Johan weiß genau, dass er nicht darüber sprechen soll. Auch ohne seine Bemerkungen denke ich oft genug daran. Er realisiert seinen Fehler und versucht mich zu beschwichtigen. „Entschuldige, das hätte ich nicht sagen sollen.“
„Schon gut“, antworte ich, obwohl ich mich plötzlich seltsam zerknirscht fühle. „Es ist ja nicht deine Schuld, dass er meine Mutter und mich damals verlassen hat, um wissen die Götter was da draußen zu tun.“

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Re: [Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon RebeccaMaria » 13.09.2015, 23:42

RebeccaMaria hat geschrieben:Hallo IPatricia,

ich mach mal den Anfang. :)

Mir hat dein Kapitel gefallen! Du schreibst mMn echt gut, schöne, einfache, klare Sätze, interessante Dialoge. Deine Vergleiche sind gut gewählt (zB der Vergleich mit dem Hund) und machen den text anschaulich.

Was mir noch nicht ganz klar geworden ist: in welcher Zeit spielt die Geschichte denn? Die Anspielung auf Götter klingt eher nach einer früheren Zeit, die Sprache, die du in den Dialogen verwendest, mehr nach jetziger Zeit. Empfand ich jetzt nicht unbedingt als störend, dass das so unklar ist, aber ich habs mich halt gefragt.

Was mich gestört hat, ist, dass das Kapitel sich irgendwie etwas zieht. Im Grunde geht es immer um das Gleiche:
„Auf gar keinen Fall“, sage ich zu Johan und vergrabe mein Gesicht noch tiefer im Kragen meines Fellmantels. Unglaublich, dass er mir das gerade vorschlägt. Schon wieder.
„Ach komm' schon, Svea!“
„Nein“, widerspreche ich mit Nachdruck. Wenn es um diese Sache geht, diskutiere ich nicht mit ihm. Er weiß genau, was ich davon halte, aber trotzdem versucht er es jedes Mal erneut.

Ich will es dir unbedingt zeigen.“
„Du kennst meine Meinung dazu.“ Und die ändere ich auch nicht,will ich hinzufügen, doch das wäre verschwendeter Atem.
„Seit wann bist du so feige?“ Er boxt mir sanft in den Arm.
„Das bin ich nicht“, knurre ich und schaue ihn grimmig an. Johan provoziert mich einfach zu gerne. Seit Monaten versucht er, mich dazu zu überreden, gemeinsam mit ihm ins Heiligtum zu schleichen. I

verstehst du, was ich meine? Gerade beim letzten Absatz dachte ich mir: "Jaaa, okaaay.... ich habs verstanden." :mrgreen:

Er greift mit seiner Hand, die in einem Fellhandschuh steckt, nach einem flachen Stein auf dem Boden.

durch das Eingeschobene wirkt der Satz mMn etwas umständlich. Ist das mit dem Handschuh wichtig? Und dass er mit seiner Hand greift, is doch eigentlich klar, oder?

Wie ein Fisch springt der über die Wasseroberfläche, bis er nach dem fünften Mal in den Tiefen des Ozeans verschwindet.

das ist jetzt keine Kritik sondern eine ernstgemeinte Frage aus Interesse: kann ein Stein auch bei Wellengang über das Wasser hüpfen? Ich hab das bisher nur auf glatten Oberflächen gesehen.

„Schon gut“, antworte ich, obwohl ich mich plötzlich seltsam zerknirscht fühle.

wieso zerknirscht? Ist man nicht zerknirscht, wenn man ein schlechtes Gewissen hat? Wieso hat sie ein schlechtes Gewissen?

Trotz der Dinge, die ich angemerkt habe - guter Einstieg, finde ich! Schön, wie du die Freundschaft zwischen den beiden darstellst und wie du Spannung aufbaust, indem du Fragen aufwirfst (Was für ein Geheimnis? Was ist mit dem Vater?). Hast du gut gemacht :)

Liebe Grüße
RebeccaMaria

P.S. Das mit den Dorfältesten erinnert mich irgendwie an einen Horrorfilm, den ich mal gesehen hab. Weiß aber nicht mehr, wie er hieß.
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Re: [Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon FrozenBambi » 14.09.2015, 11:42

Hallo,

dann wollen wir doch mal sehen, wie produktiv dein spontaner Einfall so war ... ;)

„Auf gar keinen Fall“, sage ich zu Johan und vergrabe mein Gesicht noch tiefer im Kragen meines Fellmantels. Unglaublich, dass er mir das gerade vorschlägt. Schon wieder.


Diese Konstruktion finde ich ja nett, ist mir irgendwie beim Lesen richtig ins Auge gestochen, nachdem die Satzlängen Stück für Stück gekürzt werden.


„Ach komm' schon, Svea!“


Das ' muss weg. Da wird ja nichts ausgelassen. Es würde ja nicht normal heißen "ach komme schon"


„Nein“, widerspreche ich mit Nachdruck. Wenn es um diese Sache geht, diskutiere ich nicht mit ihm. Er weiß genau, was ich davon halte, aber trotzdem versucht er es jedes Mal erneut.


Dieses hier gefällt mir nicht. Erstens bauscht es das Gefüge zu sehr auf, zweitens hast du oben schon erwähnt, dass es ne "besondere" Sache ist, die ihr nicht taugt. Das ist nicht mehr ein Wink mit dem Zaunpfahl, (Achtung! Hier ist ein Geheimnis begraben!) sondern einer, mit einem ganzen Lattenzaun.


„Du tust gerade so, als ob ich dich darum bitte, nackt im Eismeer schwimmen zu gehen.“


Beim Dialog gilt: In der Kürze liegt die Würze.
Mein Vorschlag: Ich bitte dich ja nicht, nackt im Eismeer zu schwimmen. (oder verwende das hübsche Wort "planschen", um seinen Sarkasmus/ seine Ironie, sodenn gewünscht, besser zum Ausdruck zu bringen)


Ein schelmisches Grinsen huscht über seine Lippen, das ich besser ignoriere.


Bitte leg dich fest. Ignoriert sie es oder überlegt sie nur es zu tun?


Der kalte Wind peitscht mir einzelne Haarsträhnen ins Gesicht und ich muss meine Augen zusammenkneifen. Johan steht mit einem breiten Grinsen vor mir, als ob ihm das eisige Wetter absolut nichts ausmacht. Er tritt unruhig auf der Stelle und zieht seine Mütze tiefer in die Stirn, die offensichtlich zu klein für seinen großen Dickschädel ist.


Diese Beschreibung passt so besser an den Anfang, finde ich. Für mich wirkt es wie ein Nachschub des Autors nach dem Motto: Achja da weht ein Wind, der Typ grinst und tappt herum.
Mein Tipp: Mach es chronologisch. Das was du hier beschreibst, ist eine Folge des Dialogs von vornedran:

Eine kalte Böe peitscht mir einzelne Haarsträhnen ins Gesicht und ich muss meine Augen zusammenkneifen. Johan grinst über meine Wetterfühligkeit, als ob ihm die Kälteabsolut nichts ausmacht. Er wird langsam unruhig und tritt auf der Stelle. Nervös zieht er seine Mütze tiefer in die Stirn, die offensichtlich zu klein für seinen Dickschädel ist.


„Was ist so schlimm daran, es zu betreten? Die tun ja gerade, als ob ein großes Unheil über die Welt kommt, wenn man es doch tut.“


Zu lang. Ich würde den zweiten Teil einfach streichen und sie die Erklärung bringen lassen, dass es ein Unheil bringt, wenn man 'es' betritt.


Versprich' mir, dass du niemals einen Fuß an diesen Ort setzt. Man hat es aus gutem Grund verboten. Du musst es mir versprechen.


Too long. Die letzten zwei Sätze könntest echt streichen. ;)


„Das ist doch Schwachsinn“, zischt Johan und bückt sich.


Ich merke es mal an dieser Stelle an, weil es mir langsam auffällt. Diese stäääändigen Beifügungen hinter den Sätzen sind manches mal wirklich unnötig. Den Sprecher zu erkennen ist bei zwei Personen nicht schwer. Du reißt den Leser aber ständig aus dem Dialog raus, indem du
a) diese Beifügungen machst
b) nach fast _jedem_ Dialogfetzen beschreibst, wie die Charaktere da herumstehen, ohne dass sie irgendetwas Besonderes tun.

Mal in Extrema würde es mir vom Konfliktpotenzial mehr so gefallen:

"Jetzt komm schon", sagte er zum wiederholten Mal.
"Nein!"
"Als ob du ins Eiswasser hüpfen müsstest."
"Das täte ich noch lieber, als dort hineinzugehen."
"Was ist so schlimm daran?"
"Dieser Ort ist heilig!"
Ich sah hinauf zu dem verdammten Ding, dass da oben auf dem Berg steht und mein Vadda fängt an mir in Gedanken aufzutauchen. Als mich mein Tagtraum verlässt, grinst der Blödmann mich noch immer schief an. Eine saukalte Böe lässt mich frösteln. Ich verliere langsam meinen letzten Nerv und hab keinen Bock mehr, hier zu diskutieren, während mir der Arsch gefriert. :mrgreen:

Was du so tust:

"Jetzt komm schon", sagte er zum wiederholten Mal.
"Nein!", brülle ich in den Wind, der mir um die Ohren peitscht und meine Haare flattern lässt und außerdem tritt er auf der Stelle herum und er weiß genau, warum ich das nicht will und trotzdem fragt er mich immer wieder.
"Als ob du ins Eiswasser hüpfen müsstest", sagt er schelmisch, dabei rückt er seine blöde Kappe zurecht, passt ihm eh nicht auf seinen fetten Schädel.
"Das täte ich noch lieber, als dort hineinzugehen", erwidere ich erbost, derweil werfe ich nen Blick zum Berg und mein Vadda spukt mir im Schädel herum.
"Was ist so schlimm daran?", hakt er nach. Boah, lernt der nicht mal aus? Hab ich ihm schon x-Mal erzählt.
"Dieser Ort ist heilig!", beharre ich auf meiner schon zum zehntausendsten Mal getätigten Aussage.


So... okay ich schweife ab, manchmal geht der Kritiker mit mir durch xD


Er greift mit seiner Hand, die in einem Fellhandschuh steckt, nach einem flachen Stein auf dem Boden.


Das geht gar nicht, nein.
Also zunächst ist klar, dass er mit _seiner_ Hand greift, zweiteres ist klar, dass er nicht mit seinem Fuß greifen wird. Ein Fellhandschuh ist eine unnötige Info. Man kann auf jeden Fall bei eisiger Kälte und nachdem sie einen Fellmantel trägt davon ausgehen, dass er warm angezogen ist.


Einige Male wirft er ihn in die Luft und fängt ihn wieder. Dann kehrt er mir den Rücken zu und steuert das Eismeer an. Seine Schritte knirschen im Kies des Strandes. Die Wellen brechen sich am Ufer und ein Wasserfilm gleitet über den Boden hinweg.


Das ist mir zu viel leblose Beschreibung. Wenn du schon genau beschreiben willst, wie dieser Strand aussieht, dann lass ihn mit dem Charakter interagieren. Z.b. zieht der Wasserfilm an seinen Füßen vorbei o.ä.
Aber seien wir ehrlich, der werte Leser kann sich ein Bild zu einem Kiesstrand machen ;)

„Du wirst dich noch erkälten“, warne ich ihn, als ich sehe, dass seine Stiefel nass werden. Doch ihn kümmern meine Worte nicht. Das haben sie nie. Manchmal frage ich mich, warum wir überhaupt miteinander befreundet sind.


Ein weiteres wunderschönes Beispiel (die restlichen darfst du dann selber finden).
Es ist klar, dass es eine Warnung ist und dass Wasser seine Stiefel nass macht auch. Streichen!

Und der letzte Satz klingt ein bisserl melodramatisch. Die ersten zwei Sätze lassen den Leser wohl schon schwer genug am Band ihrer Freundschaft zweifeln.


Er holt mit dem Arm weit aus und schmettert den Stein über das Wasser.


Also schmettern weckt in mir nicht das Bild eines über die Wasseroberfläche hüpfenden Steins... :)'

Johan dreht sich zu mir um und stemmt stolz die Arme in die Seiten.


überflüssiges Adjektiv mMn


„Daran erinnere ich dich, wenn du jammernd in deinem Bett liegst“, lache ich.


Ein außergewöhnlicher Mensch ist das, der etwas "lachen" kann. Ich schlage vor, sie sagt es mit einem Lachen oder zynisch oder kA.



Den Rest des Textes lasse ich mal unkommentiert, da sich prinzipiell dieselben Kritikpunkte wiederholen.


Eine Geschichte im Präsens. Hast du gut gemacht, normalerweise stört mich das total beim Lesen, aber bei dir fällt es nur ganz kurz auf.

Was bringst du uns hier rüber?
Zwei Freunde, ein Heiligtum, einer mutig und liberal, die andere feig und konservativ. Was fehlt uns? Die Portion Spannung, die du vernichtest, indem du den Konflikt zu schwach hältst.

Was würde _ich_ ändern - Betonung liegt darauf, dass das meine persönliche Meinung, abhängig von meinem subjektiven Geschmack ist:

Fang es an, wie gehabt. Lass ihn aber aktiv werden, nach dem Motto "dann geh ich halt allein"
Lass sie aktiv werden und ihn körperlich aufhalten. Mach Spannung "die bringen dich um" <- vllt übertrieben, dass ihn die Dorfbewohner dafür killen, aber als Jugendliche übertreibt man ständig.
Eine kalte Böe kommt auf, wie ein Zeichen der Götter, dass selbst ihn kurz erstarren lässt.
Er überwindet sich und geht weiter, sie löst sich verspätet aus der Erstarrung und hechtet hinterher. JETZT kommt die Beschreibung, wohin er eigentlich will, weil sie nah dran sind und sich der Bau majestätisch vor ihnen erhebt.
Jetzt muss deine Protagonistin ihre Bemühungen verdoppeln. Lass sie sich gegen ihn werfen, vllt purzeln sie herum, bis sie an dem vermaledeiten Strand ankommen.
Jetzt gibt's ordentlich Zoff, weil er sich wehgetan hat, sich fragt, ob sie irre ist. Dabei rutscht es ihm meinetwegen heraus, dass er eh schon mal drinnen war, sie soll sich nicht anscheißen. Lass sie schockiert sein! Nicht nach dem Motto: "Ja war eh klar..." Dann ist es irrelevant, dass sie mit ihm diskutiert, wenn sie davon ausgeht, dass er schon x-mal drin war.

Und jetzt fehlt noch die Argumentation, warum er überhaupt _MIT_ ihr rein will. Weil sie schon immer nen gutes Auge für Details hat, zwei Augenpaare sehen mehr als eines. Er glaubt, da ist was Besonderes drin. Vllt braucht er ne Räuberleiter, um auf irgendein Podest hochzukommen keine Ahnung!

Was mir auffällt ist einfach, dass du total den Konflikt scheust und solche Charaktere öden mich an. Dein Dialog tröpfelt dahin, keiner wagt so richtig, aus sich rauszukommen und es ist eine endlose Wiederholung aus "Ach komm schon" und "Nein".

Vom Storyaufbau ist das natürlich ein guter Anfang insofern, als dass du ein Rätsel aufgibst, um was es geht. Danach lüftest du, wohin er will, lässt aber offen, was dadrin ist. Das ist gut, halte den Leser damit an der Stange.

Sodale, Zeit selber mal wieder was zu schreiben. Viel Spaß beim Weiterschreiben, nimm was ich sage nur halb ernst, denn ich bin ein böser Mensch ;)

Lg

Bambi
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Re: [Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon IPatricia » 14.09.2015, 12:36

Hey, ihr beiden!

Vielen lieben Dank für eure Kritiken! :)

@RebeccaMaria

durch das Eingeschobene wirkt der Satz mMn etwas umständlich. Ist das mit dem Handschuh wichtig? Und dass er mit seiner Hand greift, is doch eigentlich klar, oder?


Recht hast du! Ehrlich gesagt ist mir das beim Drüberlesen auch ins Auge gesprungen, da hat mich meine Vermutung nicht getäuscht. Haha, und manchmal habe ich einen Hang dazu, das Offensichtliche zu schreiben, weil ich denke, man kann sich Handlungen so besser vorstellen. :D

das ist jetzt keine Kritik sondern eine ernstgemeinte Frage aus Interesse: kann ein Stein auch bei Wellengang über das Wasser hüpfen? Ich hab das bisher nur auf glatten Oberflächen gesehen.


Auch das habe ich mich gestern noch gefragt. :D Ich kann nur sagen: Ich weiß es nicht. Es war mehr ein Element, um Johan noch ein bisschen besser zu zeichnen. Wahrscheinlich würde es aber bei Wellengang nicht funktionieren. Vielleicht lasse ich ihn also einfach einen Stein richtig weit werfen, damit er sich männlich vorkommt. :D

wieso zerknirscht? Ist man nicht zerknirscht, wenn man ein schlechtes Gewissen hat? Wieso hat sie ein schlechtes Gewissen?


Yes, das ist richtig von dir. Ist tatsächlich ein falsches Wort. Ich hatte da eine etwas andere Bedeutung im Kopf, etwa im Sinne von niedergeschlagen, zerknautscht etc. Muss ich abändern.

Vielen Dank für deine Kritik, hat mich natürlich gefreut, dass es dir gefallen hat. Natürlich erfährt man noch nicht allzu viel, weil es auch nur etwa 1/4 vom ersten Kapitel ist, aber schön, wenn es gleich ein wenig neugierig macht. :)

@FrozenBambi

Viel Spaß beim Weiterschreiben, nimm was ich sage nur halb ernst, denn ich bin ein böser Mensch ;)


Ach wat, du machst das gut. :D Du kannst es nicht wissen, aber ich liiiiebe Kritiken wie deine. Schön ehrlich und geradeheraus, was nicht so gefallen hat. Das hilft mir einfach ungemein, mich zu verbessern. Das hier mag zwar nur eine spontane Idee zu einer Geschichte sein, aber vieles, das du angemerkt hast, lässt sich vermutlich auf mein Hauptprojekt übertragen, im stilistischen Sinne.

Das ' muss weg. Da wird ja nichts ausgelassen. Es würde ja nicht normal heißen "ach komme schon"


Und wieder was gelernt! Ich dachte immer, da müsste eines hin, weil man eben das "e" bei "komme" abkürzt. Muss ich mir unbedingt merken. :D

Beim Dialog gilt: In der Kürze liegt die Würze.


True. Auch daran sollte ich mich hin und wieder erinnern. Das gelingt mir nicht immer, obwohl ich eigentlich am liebsten Dialoge schreibe. :D

Bitte leg dich fest. Ignoriert sie es oder überlegt sie nur es zu tun?


Ups, da habe ich die falsche Wortwahl getroffen. Es war so ein wenig nach dem Motto: Darauf gehe ich jetzt besser nicht ein, sonst reg' ich mich nur auf.

Diese Beschreibung passt so besser an den Anfang, finde ich. Für mich wirkt es wie ein Nachschub des Autors nach dem Motto: Achja da weht ein Wind, der Typ grinst und tappt herum.
Mein Tipp: Mach es chronologisch. Das was du hier beschreibst, ist eine Folge des Dialogs von vornedran:


Da hast du sicher Recht, aber ich hasse es sooo sehr, wenn eine Geschichte mit dem Wetter oder einer Beschreibung der Umgebung beginnt. Ich möchte den Konflikt ganz am Anfang haben. Etwas, das mich in die Story hinein zieht. Das tut der Wind bei mir einfach nicht. Deshalb habe ich den Einstieg nach dem Motto gewählt: Vergiss' es, mach ich nicht. Was du mir da schon wieder vorschlägst, ist echt das Dümmste überhaupt.
Einfach, damit der Leser sich fragt: Okay, worum geht's?
Aus dem Grund würde ich diesen Anfang immer wieder so wählen und den Nachtrag in Kauf nehmen, aber nur, weil es mir persönlich als Leser auch besser gefällt.

ch merke es mal an dieser Stelle an, weil es mir langsam auffällt. Diese stäääändigen Beifügungen hinter den Sätzen sind manches mal wirklich unnötig. Den Sprecher zu erkennen ist bei zwei Personen nicht schwer. Du reißt den Leser aber ständig aus dem Dialog raus, indem du
a) diese Beifügungen machst
b) nach fast _jedem_ Dialogfetzen beschreibst, wie die Charaktere da herumstehen, ohne dass sie irgendetwas Besonderes tun.


Yeeeees, du hast vollkommen Recht. Und ich weiß, dass es ein Dilemma von mir ist, für das ich einfach nicht die passende Lösung finde. Auch bei meinem Hauptprojekt nicht. Ich habe davon ein bisschen was Probelesen lassen und unterschiedliche Meinungen dazu bekommen. Manche sagen: Ich würde gerne wissen, wer das sagt, mir ist das unklar und ich möchte gerne eine Reaktion der Figur sehen. Wäre besser, wenn du den Dialog auszeichnest und mehr beschreibst. Andere sagen: Zu viele Dialogauszeichnungen, das unterbricht den Lesefluss der Unterhaltung.
Ja, wat denn nun? :D
Es ist immer der gleiche Text gewesen und es unterhalten sich auch immer nur zwei Personen miteinander, trotzdem sind die Meinungen gespalten. Jedem recht machen kann man es also scheinbar nicht. Ich tendiere zu dieser Methode, lieber eine Auszeichnung und Beschreibung zu viel als zu wenig. Ich muss auch sagen, ich finde Dialoge ohne Einschübe manchmal komisch, weil sie sich wie ein Drehbuch lesen. Wahrscheinlich wird es helfen, noch hier und da eine Beifügung zu streichen, damit es insgesamt weniger wird.

"Jetzt komm schon", sagte er zum wiederholten Mal.
"Nein!", brülle ich in den Wind, der mir um die Ohren peitscht und meine Haare flattern lässt und außerdem tritt er auf der Stelle herum und er weiß genau, warum ich das nicht will und trotzdem fragt er mich immer wieder.
"Als ob du ins Eiswasser hüpfen müsstest", sagt er schelmisch, dabei rückt er seine blöde Kappe zurecht, passt ihm eh nicht auf seinen fetten Schädel.
"Das täte ich noch lieber, als dort hineinzugehen", erwidere ich erbost, derweil werfe ich nen Blick zum Berg und mein Vadda spukt mir im Schädel herum.
"Was ist so schlimm daran?", hakt er nach. Boah, lernt der nicht mal aus? Hab ich ihm schon x-Mal erzählt.
"Dieser Ort ist heilig!", beharre ich auf meiner schon zum zehntausendsten Mal getätigten Aussage.


:XD: :XD: :XD:
Das hat mich sehr gut unterhalten. :D Kann ich natürlich nicht so schreiben, war aber nett zu lesen. :wink:

Aber seien wir ehrlich, der werte Leser kann sich ein Bild zu einem Kiesstrand machen ;)


Wer weiß, wer weiß. :lol:

Ein außergewöhnlicher Mensch ist das, der etwas "lachen" kann. Ich schlage vor, sie sagt es mit einem Lachen oder zynisch oder kA.


Oh Gott, ja. :D Das hätte ich bei einem fremden Text genauso bemängelt, wie komme ich dazu, das zu benutzen? :D

Eine Geschichte im Präsens. Hast du gut gemacht, normalerweise stört mich das total beim Lesen, aber bei dir fällt es nur ganz kurz auf.


Ah, danke! Das ist das beste Kompliment, das du mir machen kannst. Ich muss ehrlich sagen, ich habe Geschichten im Präsens immer gehasst. Wirklich gehasst. Es war extrem komisch zu lesen, weil man es überhaupt nicht so gewohnt ist und irgendwie klang es immer so hölzern. Deshalb habe ich all meine Geschichten im Präteritum geschrieben. Dann habe ich ein Buch in die Finger bekommen, das im Präsens geschrieben war und es hat mich wirklich begeistert. Plötzlich fand ich die Zeitform wesentlich angenehmer und habe es mal selbst ausgetestet. Und siehe da, Präsens ist genau meine Zeitform. Das hat unglaublich viel für Spannung und Emotionen getan, dass ich es jetzt immer verwende. Freut mich, wenn dich mein Umgang damit überzeugt hat, das ist mir sehr viel wert. :D


Also wie gesagt, vielen Dank für deine ehrliche Kritik! Natürlich ist das hier längst keine so ausgereifte Idee wie die meines Hauptprojekts, aber sie gefiel mir und ich werde mal sehen, was ich in Zukunft daraus mache. Wichtig ist einfach, dass es sich gut lesen lässt und der Stil angenehm ist. Am Rest wird man wohl besser arbeiten können. :D
Und Nein, deine Kritik ist kein bisschen böse, genauso muss sie doch sein. :wink:

Nochmal Danke, ihr beiden! :girl:
IPatricia
 
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Re: [Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon parallaxe » 19.09.2015, 00:14

Hallo du Liebe,

viel Neues kann ich nicht beitragen und Vieles würde auch nur in Geschmacksfragen enden. Darüber kann man ewig streiten, deshalb fasse ich meine Meinung dazu kurz zusammen: ich stimme den Vorrednerinnen in den meisten Punkten zu.

Und hier die Differenzen.
IPatricia hat geschrieben:
Diese Beschreibung passt so besser an den Anfang, finde ich. Für mich wirkt es wie ein Nachschub des Autors nach dem Motto: Achja da weht ein Wind, der Typ grinst und tappt herum.
Mein Tipp: Mach es chronologisch. Das was du hier beschreibst, ist eine Folge des Dialogs von vornedran:



Da hast du sicher Recht, aber ich hasse es sooo sehr, wenn eine Geschichte mit dem Wetter oder einer Beschreibung der Umgebung beginnt. Ich möchte den Konflikt ganz am Anfang haben. Etwas, das mich in die Story hinein zieht. Das tut der Wind bei mir einfach nicht. Deshalb habe ich den Einstieg nach dem Motto gewählt: Vergiss' es, mach ich nicht. Was du mir da schon wieder vorschlägst, ist echt das Dümmste überhaupt.
Einfach, damit der Leser sich fragt: Okay, worum geht's?
Aus dem Grund würde ich diesen Anfang immer wieder so wählen und den Nachtrag in Kauf nehmen, aber nur, weil es mir persönlich als Leser auch besser gefällt.


Du hast den ersten Satz deiner Geschichte sehr gut formuliert. Er beginnt mit einer Aktion (direkte Rede), es werden beide Personen eingeführt (ich[später: Svea] und Johan) und du setzt das Wetter (kalt genug um Fell zu tragen und windig, so dass man sein Gesicht bedeckt). Deshalb ist die Frage, ob der Einschub nötig ist? Klar ist das Wetter auch einer gewissen Dynamik unterzogen.

Leider führt der Einschub in der jetzigen Form zu einer logischen Inkonsistenz, denn Johan macht das Wetter nichts aus, also warum muss er die Mütze tiefer ziehen?

Wenn du hervorheben möchtest, wie hart Johan ist, würde ich nur den ersten Teil stehen lassen: Der kalte Wind peitscht mir einzelne Haarsträhnen ins Gesicht und ich muss meine Augen zusammenkneifen. Johan steht mit einem breiten Grinsen vor mir, als ob ihm das eisige Wetter absolut nichts ausmacht. (Anm: ich würde hier den Konjunktiv bevorzugen, wenn Svea das Verhalten/Empfinden bloß vermutet statt es zu wissen).

IPatricia hat geschrieben:Yeeeees, du hast vollkommen Recht. Und ich weiß, dass es ein Dilemma von mir ist, für das ich einfach nicht die passende Lösung finde. Auch bei meinem Hauptprojekt nicht. Ich habe davon ein bisschen was Probelesen lassen und unterschiedliche Meinungen dazu bekommen. Manche sagen: Ich würde gerne wissen, wer das sagt, mir ist das unklar und ich möchte gerne eine Reaktion der Figur sehen. Wäre besser, wenn du den Dialog auszeichnest und mehr beschreibst. Andere sagen: Zu viele Dialogauszeichnungen, das unterbricht den Lesefluss der Unterhaltung.
Ja, wat denn nun?
Es ist immer der gleiche Text gewesen und es unterhalten sich auch immer nur zwei Personen miteinander, trotzdem sind die Meinungen gespalten. Jedem recht machen kann man es also scheinbar nicht. Ich tendiere zu dieser Methode, lieber eine Auszeichnung und Beschreibung zu viel als zu wenig. Ich muss auch sagen, ich finde Dialoge ohne Einschübe manchmal komisch, weil sie sich wie ein Drehbuch lesen. Wahrscheinlich wird es helfen, noch hier und da eine Beifügung zu streichen, damit es insgesamt weniger wird.


Hierzu habe ich eine ziemliche starke Meinung: wenn es eindeutig ist weglassen. In dieser Szene ist es eindeutig, da es nur ein Dialog zwischen zwei Personen, wobei eine Person der Erzähler ist. D.h. 'sage ich', 'sagt er' sind eindeutig den Rednern zuordenbar. Deshalb würde ich dem Leser genügend kognitives Vermögen zuschreiben, die Redner zu erkennen und dem Dialog zu folgen.

Fazit: Insgesamt gut gemacht und meine vorgebrachten Details kannst du ja selbst bewerten und behandeln. Ich stelle mir jetzt natürlich folgende Fragen:
  1. Was ist das Geheimnis? Hier liegt schon ein großes Potenzial. :)
  2. Wie wird sich das Verhältnis von Johan und Svea entwickeln? Bleibt die Freundschaft bestehen? Tragisches Schicksal (Johan wäre ein guter Kandidat unter irgendwas begraben zu werden :twisted: )? Oder werden Sie gar ein Liebespaar (das würde ich gerne interessant ausgestaltet wissen, denn dieser Weg ist meines Erachtens zu offensichtlich)?

Meine bescheidene Meinung zu deiner Arbeit.

Lieben Gruß.
parallaxe
 
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Re: [Fanty] Eisige Vergangenheit

Beitragvon Ikna » 29.09.2015, 10:12

Ich möchte meinen Vorgängern beipflichten, vor allem, was den DIalog der beiden angeht. Und wenn du schon dabei bist ihn zu kürzen - natürlich kannst du ihn mithilfe von Adverbien dabei immer noch sehr lebendig gestalten und an der einen oder anderen stelle, finde ich es auch passend, wenn du beschreibst, wie die Person es sagt, da es einer Figur Charakter verleiht, wenn der Leser sich bildhaft vorstellen kann, wie die Figur spricht.

Ich möchte dir gerne zeigen, wie es dir zum Beispiel am Anfang sehr gut gelingt, Svea vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen:

„Auf gar keinen Fall“, sage ich zu Johan und vergrabe mein Gesicht noch tiefer im Kragen meines Fellmantels. Unglaublich, dass er mir das gerade vorschlägt. Schon wieder.
„Ach komm' schon, Svea!“
„Nein“, widerspreche ich mit Nachdruck. Wenn es um diese Sache geht, diskutiere ich nicht mit ihm. Er weiß genau, was ich davon halte, aber trotzdem versucht er es jedes Mal erneut.


Fellmantel ->Ich selbst spüre schon die Kälte.
Unglaublich, dass er es mir jetzt Vorschlägt -> Allein durch diesen Nachsatz, weiss ich bereits, warum sie ihr Gesicht in den Fellmantel vergräbt und muss schon selbst ächzen und seufzen. Das "Schon wieder!" untermalt das ganze noch.

Wenn du jetzt noch das komm' korrigierst erzeugen die nächsten Sätzte darüber hinaus Spannung und ich möchte eines nur noch wissen: Von welcher Sache spricht.

Und jetzt komme ich mit meiner konstruktiven Kritik also zur Sache. Nicht nur dein Dialog lenkt diesbezüglich von der eigentlichen Sache, der Handlugn ab. Wenn du schon dabei bist den Dialog nach den Motto wenige-ist-mehr zu kürzen kannst du dir dann als nächsten diesen Absatz vornehmen, denn im DIalog kommt die Eigentliche Sache viel zu kurz:

Seichte Nebelschwaden hängen ringsherum und umgeben das Gebäude wie ein schützender Mantel. Das Heiligtum mündet in eine massive Felswand, die aussieht, als würde sie es auffressen. Schon seit ich denken kann, ist es verboten, diesen Ort zu betreten. Ein heiliger Platz der alten, in Vergessenheit geratenen Götter.


Ich möchte anmerken: Du beschreibst gerade das Heiligtum, das worum es in diesem gesamten Text geht. Du schriebst Fantasy, die Welt die du beschreibst kennt der Leser nicht. Dein phantastische Welt braucht eine phantastische Landschaft. Das Eismeer erklärt sich von alleine aber dieses Heiligtum, es muss in den Köpfen des Lesers manifestiert werden.

Wie oft beschreibt George RR Martin die Mauer in seinem Lied von Eis und Feuer?
Wie ausführlich beschreibt JK Rowling die Grosse Halle in Hogwarts?
Über wie viele Seiten umschreibt JRR Tolkien allein die Landschaft des Auenlandes und die Höhle Bilbos?

Um dir bekannte Beispiele zu nennen.

Während also ein zu langer Dialog die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, worum es im Fantasy nicht geht, nimmst du dem Leser die Chance es sich in deiner Gewühlt gemütlich zu machen, sich mit deiner Heldin in dickem Pelz einzuhüllen und diesen mysteriösen, geheimnisumwobenen Ort durch die Augen deiner Heldin mit eigenen Augen zu sehen!

Ich würde mich sehr freuen, die überarbeitete Version zu lesen, wenn du den Text gekürzt hast und vor allem würde ich mich dann über folgenden Abschnitt freuen:
Einem Text nach einem kleinen aber feinen Dialog, der mit Legenden, Gerüchten und EIndrücken die man über diesen Ort als Erzähler schreiben kann zu lesen, dass ich als Leser nachempfinden kann, warum ihr Freund so fasziniert ist und auch warum die Hedin solch eine Angst hat.

Es bei der Erwähnung der Regeln ihrer Kultur zu belassen, finde ich an dieser Stelle schade, auch wenn das Thema "Regeln blind befolgen - Grenzen austesten" natürlich sehr wichtig ist und auf keinem Fall fehlen darf!

Hoffe du kannst die Kommentare für dich nutzen und einen Text schreiben, bei den du die Welt siehst, die du mit Worten geschaffen hast und siehst, dass es gut ist... Wie Götter es eben so tun :D
Ikna
 
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