endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

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endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon Ankh » 05.09.2015, 12:37

Oft wird ja der Oberböse am Schluss von den Helden vernichtet, was ich immer ein bisschen schade finde, denn schließlich sind die Helden ja die Guten, und trotzdem fällt ihnen selten was besseres ein als den Gegner ein für alle Mal zu erledigen. Wenn sie trotzdem am Ende gut und unschuldig dastehen sollen, fällt der Oberbösewicht auch mal gerne ganz zufällig in eine Lavagrube oder so - Thema erledigt, sehr praktisch. Dieses Gefühl, dass das Schicksal aktiv an der Problemlösung beteiligt ist, möchte ich gerne vermeiden.

Bei mir geht es jetzt nicht um den Oberbösewicht (für den hab ich ein Ende, und bis dahin ist er erstmal aus dem Weg), sondern um seine "leitenden Angestellten". Sie sind ihrem Chef mehr oder weniger treu, und daher natürlich ein Problem für die Helden. Und jetzt stehe ich vor dem Problem, wie ich die loswerde.

Zwei sterben beim großen Endkampf. Mit einem weiteren schließen die Helden einen Handel ab und trennen sich freundschaftlich. Bleiben noch zwei. Einer davon bringt sich entweder selbst um (tragische Liebesgeschichte) oder entkommt, um seine Rache auf später zu verschieben. Momentan tendiere ich zu letzterem, auch weil ich nicht so viele Leichen haben will.
Der andere ist mein größtes Problem; er wird schwer verwundet, aber ich fände es halt arg praktisch für die Helden wenn der einfach an seinen Verletzungen stirbt. Ermorden mag ich ihn nicht, auch wenn ich da eine interessante Idee hätte. Lebenslangen Koma? Auch irgendwie doof, zumal man das ja nie so voraussagen kann. Hirnschaden und kann sich an nichts erinnern? Ich steh grad voll auf dem Schlauch.

Weiß jemand eine schöne Möglichkeit, wie der letzte abgehandelt werden kann, sodass nur noch der Oberbösewicht als Problem übrigbleibt?
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon anby77 » 05.09.2015, 14:32

Wie wäre es, wenn die schwere Verwundung dauerhafte körperliche und/oder psychische Schäden hinterlässt, derentwegen er niemanden mehr ernsthaft bedrohen kann? Ich weiß ja nicht, in was für einen Rahmen Deine Geschichte fällt, aber eine Querschnittslähmung mit entsprechendem psychologischem Trauma, während die Figur in einem Kloster versorgt wird, ist eine recht effektive Art, sie kalt zu stellen und gleichzeitig gnädig zu wirken.
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon grit » 05.09.2015, 14:35

Ich finde es gar nicht schlecht, wenn man jemanden entkommen lässt. Die andere Seite könnte denken, allein sei derjenige keine große Gefahr - nicht so groß, dass es sich lohnt, dafür noch weitere Leben zu riskieren. Vielleicht ist er auch läuterbar ( zumindest könnten sie das denken ).
Dann hat man, wenn man später doch eine Fortsetzung schreiben will, einen Ansatzpunkt, warum das Böse noch nicht ganz tot ist.
Muss man diese Leute denn eigentlich wirklich töten? Kann man sie nicht einsperren? Verbannen?
Irgend etwas, das die Guten nicht so brutal aussehen lässt?
Ich kenne ja deine Geschichte nicht, aber es würde mir als Leser schon realistischer erscheinen, wenn man jemanden auch entkommen lässt.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon schreiberling » 05.09.2015, 17:18

Ankh hat geschrieben:Und jetzt stehe ich vor dem Problem, wie ich die loswerde.

Zwei sterben beim großen Endkampf. Mit einem weiteren schließen die Helden einen Handel ab und trennen sich freundschaftlich. Bleiben noch zwei. Einer davon bringt sich entweder selbst um (tragische Liebesgeschichte) oder entkommt, um seine Rache auf später zu verschieben. Momentan tendiere ich zu letzterem, auch weil ich nicht so viele Leichen haben will.
Der andere ist mein größtes Problem; er wird schwer verwundet, aber ich fände es halt arg praktisch für die Helden wenn der einfach an seinen Verletzungen stirbt. Ermorden mag ich ihn nicht, auch wenn ich da eine interessante Idee hätte.



Er wendet sich aus eigenen Gründen auch gegen den Hauptantagonisten.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon Ankh » 05.09.2015, 21:00

Danke schonmal für die Ideen!

anby77 hat geschrieben:Wie wäre es, wenn die schwere Verwundung dauerhafte körperliche und/oder psychische Schäden hinterlässt, derentwegen er niemanden mehr ernsthaft bedrohen kann? Ich weiß ja nicht, in was für einen Rahmen Deine Geschichte fällt, aber eine Querschnittslähmung mit entsprechendem psychologischem Trauma, während die Figur in einem Kloster versorgt wird, ist eine recht effektive Art, sie kalt zu stellen und gleichzeitig gnädig zu wirken.

Ja, das hatte ich schon angedacht. Mein Setting ist futuristisch, der Charakter würde also auf einer Pflegestation enden. Es geht um eine Rauchvergiftung, das würde wohl auf einen Hirnschaden hinauslaufen, keine adäquate Möglichkeit sich zu artikulieren, lebenslang von Robotern gepflegt. Ziemlich grausam, aber die Helden wären das Problem definitiv los. Mir passt daran nur nicht, dass er dann praktisch das dritte Opfer des Kampfes wäre.

grit hat geschrieben:Ich finde es gar nicht schlecht, wenn man jemanden entkommen lässt. Die andere Seite könnte denken, allein sei derjenige keine große Gefahr - nicht so groß, dass es sich lohnt, dafür noch weitere Leben zu riskieren. Vielleicht ist er auch läuterbar ( zumindest könnten sie das denken ).


Einen lassen sie ja entkommen. Mir würden für die anderen vielleicht auch irgendwelche Deals oder Druckmittel einfallen, aber leider soll das Ganze nach Möglichkeit im Off abgewickelt werden, ohne eine extra Szene, wo ich beschreibe, wie die Helden mit denen Gegnern zu einer Einigung kommen. Bei dem einen, der geht, funktioniert das prima, da der schon vorher sichtlich geschwankt hat, auf welcher Seite er steht. Da kann ich in einem Nebensatz erwähnen, sie haben sich geeinigt, und das ist glaubwürdig. Bei den anderen müsste ich vermutlich mehrere Szenen einfügen, dann zieht sich aber das Ende so zäh dahin.

Dann hat man, wenn man später doch eine Fortsetzung schreiben will, einen Ansatzpunkt, warum das Böse noch nicht ganz tot ist.

Das habe ich mir bei Nummer vier überlegt. Mein größeres Sorgenkind ist 5.
Muss man diese Leute denn eigentlich wirklich töten?

Nummer 1+2? Einer davon muss sterben, das ist plotrelevant. Der andere, hmm, dann müsste ich nochmal was umstellen, wenn der überlebt, aber dann habe ich ja noch einen den ich irgendwie "versorgen" muss.

Hmm, vielleicht anby's Lösung für Nummer 2? Dann hab ich schon einen Toten weniger :thinking:

Kann man sie nicht einsperren? Verbannen?

Das Problem ist, dass die "Bösen", wenn auch nicht im Recht, dann doch an der Macht sind. Wenn die ohne Probleme aus der Sache hervorkommen, landen am Ende die Protagonisten hinter Gittern.
Irgend etwas, das die Guten nicht so brutal aussehen lässt?

Sie retten im Prinzip die paar, die den Kampf überleben, auch wenn sie das in Schwierigkeiten bringt.

schreiberling hat geschrieben:Er wendet sich aus eigenen Gründen auch gegen den Hauptantagonisten.


Das ist eine interessante Idee! :D Da müsste ich allerdings einiges umstellen. Mal durch den Kopf gehen lassen... :thinking:
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon schreiberling » 05.09.2015, 22:54

Ankh hat geschrieben:Ja, das hatte ich schon angedacht. Mein Setting ist futuristisch, der Charakter würde also auf einer Pflegestation enden. Es geht um eine Rauchvergiftung, das würde wohl auf einen Hirnschaden hinauslaufen, :



Ne, von einer Rauchvergiftung hätte er einen massiven Lungenschaden. Hab mal einen Feuerwehrmann getroffen, dessen Athemschutzgerät beim Einsatz ausgefallen ist. Der hatte mit Glück überlebt, noch eine sehr geringe verbleibende Lungenleistung die jede körperliche Aktivität fast völlig unmöglich gemacht hat aber keinerlei Gehirnschaden. Wenn du in einem Feuer so weit geschädigt bist dass das Gehirn länger keinen Sauerstoff hatte, dann bist du in so einer Feuersituation tot, da du erstickt bist, weil die Lunge den Geist aufgegeben hat.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon Maggi1417 » 05.09.2015, 23:08

Ne, von einer Rauchvergiftung hätte er einen massiven Lungenschaden. Hab mal einen Feuerwehrmann getroffen, dessen Athemschutzgerät beim Einsatz ausgefallen ist. Der hatte mit Glück überlebt, noch eine sehr geringe verbleibende Lungenleistung die jede körperliche Aktivität fast völlig unmöglich gemacht hat aber keinerlei Gehirnschaden. Wenn du in einem Feuer so weit geschädigt bist dass das Gehirn länger keinen Sauerstoff hatte, dann bist du in so einer Feuersituation tot, da du erstickt bist, weil die Lunge den Geist aufgegeben hat.

Würde ich so unterschreiben. Für einen Hirnschaden muss das Herz-Kreislauf-System schon für mehrere MInuten völlig stillstehen.

Sag mal, wenn es nur darum geht, denn Kerl als Feind los zu werden, warum hilft dein Protagonist ihm nicht einfach und rettet ihm das Leben? Treue zum Chef hin oder her, aber jemandem, der einem das Leben gerettet hat, wird man doch wohl nicht mehr an den Pelz wollen, oder?
Dann hättest du zwei Tote, einen Entkommenen und zwei, die Frieden schließen.

Btw: Warum hast du überhaupt so viele Neben-Antagonisten? Fünf kommt mir reichlich viel vor. Brauchst du dir wirklich alle für den Plot oder kann man da nicht vielleicht welche einschmelzen?
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon Ankh » 06.09.2015, 11:09

Maggi1417 hat geschrieben:
Ne, von einer Rauchvergiftung hätte er einen massiven Lungenschaden. Hab mal einen Feuerwehrmann getroffen, dessen Athemschutzgerät beim Einsatz ausgefallen ist. Der hatte mit Glück überlebt, noch eine sehr geringe verbleibende Lungenleistung die jede körperliche Aktivität fast völlig unmöglich gemacht hat aber keinerlei Gehirnschaden. Wenn du in einem Feuer so weit geschädigt bist dass das Gehirn länger keinen Sauerstoff hatte, dann bist du in so einer Feuersituation tot, da du erstickt bist, weil die Lunge den Geist aufgegeben hat.

Würde ich so unterschreiben. Für einen Hirnschaden muss das Herz-Kreislauf-System schon für mehrere MInuten völlig stillstehen.


Okay, habt ihr dafür eine Quelle? Meinen Recherchen nach führt eine Kohlenmonoxidvergiftung hauptächlich sehr schnell zu Sauerstoffmangelversorgung und Bewusstlosigkeit. Wikipedia schreibt "bei 10-40 % der Opfer bleibende Schäden an Herz und Nervensystem wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Psychosen, Bewegungsstörungen (Parkinsonoid), Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen." Nix von Lungenschäden?


Sag mal, wenn es nur darum geht, denn Kerl als Feind los zu werden, warum hilft dein Protagonist ihm nicht einfach und rettet ihm das Leben? Treue zum Chef hin oder her, aber jemandem, der einem das Leben gerettet hat, wird man doch wohl nicht mehr an den Pelz wollen, oder?
Dann hättest du zwei Tote, einen Entkommenen und zwei, die Frieden schließen.


Ja, ich denke, ich sortiere das nochmal um. Vor allem der zweite Tote passt mir bei näherer Betrachtung nicht ganz.

Btw: Warum hast du überhaupt so viele Neben-Antagonisten? Fünf kommt mir reichlich viel vor. Brauchst du dir wirklich alle für den Plot oder kann man da nicht vielleicht welche einschmelzen?


Ich denke, auch ein Antagonist hat Freunde und Verbündete (und Verwandte und Liebhaber, die ihn nicht so schnell fallen lassen, wenn die Zeichen auf Sturm stehen :wink: ) Die genaue Anzahl hat sich ursprünglich durch einen Gag ergeben (den ich vielleicht sogar noch streichen werde), hat sich aber als ganz passend erwiesen, nachdem ich diverse Figuren zusammengeschmolzen habe. Außerdem finde ich 5 Antagonisten : 5 Protagonisten eine schöne Gelegenheit, diverse Sachen zu spiegeln.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon Maggi1417 » 06.09.2015, 11:19

Okay, habt ihr dafür eine Quelle? Meinen Recherchen nach führt eine Kohlenmonoxidvergiftung hauptächlich sehr schnell zu Sauerstoffmangelversorgung und Bewusstlosigkeit. Wikipedia schreibt "bei 10-40 % der Opfer bleibende Schäden an Herz und Nervensystem wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Psychosen, Bewegungsstörungen (Parkinsonoid), Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen." Nix von Lungenschäden?

Haste natürlich recht. Das bei Bränden CO freigesetzt wird, war mir jetzt gar nicht mal so bewusst.
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Re: endgültige Lösungen ohne praktische Zufälle

Beitragvon anby77 » 06.09.2015, 12:30

Man muss da ein bisschen aufpassen. Rauch- und Kohlenmonoxidvergiftungen sind nicht dasselbe. Reine Kohlenmonxidvergiften hat man - zumindest soweit ich weiß - eigentlich nur bei sehr kontrollierten Verbrennungen mit sauberen Brennstoffen, wie man sie z.B. in Öfen oder Motoren hat (wobei mir da bei Motoren ohne Abgasfilterung und Kat auch nicht sicher bin). Aber ich kann mir nur sehr bedingt vorstellen, dass das auf Dein Szenario zutrifft. Vor allem, wenn da Kunststoffe brennen, enthält der Rauch eine ganze Menge anderen Mist (Schwefeloxide, Stickoxide, Chlorwasserstoff, Cyanide um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen), der Kohlenmoxid beinahe harmlos erscheinen lässt und die Lunge schädigt oder einen direkt vergiften und ziemlich schnell umbringen kann.
Von daher würde ich Maggi zustimmen und eher Lungen- als Hirnschäden erwarten. Oder eine Kombination aus beidem, aber keine Hirnschäden bei intakter Lunge.
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