[Humor]Engel und Hund (1) - Weihnachts-Wettbewerb

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Engel und Hund (1) - Weihnachts-Wettbewerb

Beitragvon tiggelitops » 17.12.2014, 22:33

Hund und Engel (Teil 1)

Wann beginnt diese Weihnachtsgeschichte der Wunder? Im November, denke ich. Ich nahm Abschied von meiner Gefährtin auf vier Pfoten, die vierzehn Jahre lang mein Leben begleitet und mit zärtlicher Liebe verschönt hatte.
Ich begrub sie im Garten und weinte. Aber ich war auch dankbar. Sie hatte nicht gelitten. Sie war sanft eingeschlafen. In meinem Arm. Ihr Köpfchen auf meiner Schulter.
Und so konnte ich sie gehen lassen.

„Ich will nie wieder einen Hund“, sagte ich.
„Aha“, sagte er.
„Ich meine es ernst!“, sagte ich.
„Aha“, sagte er und schob mir den Computer uber den Tisch, so dass ich das Bild sehen konnte.
Ach, war das ein verlorenes kleines Tierchen. Sie saß auf einem verbrannten Stück Rasen in Griechenland.
„Was soll ich mit einem Hund aus Griechenland?“, fragte ich.
„Lieb haben“, sagte er.
Ich füllte das Formular aus.
Zwei Tage spater kam der Anruf.
„Sie ist unterwegs nach Deutschland“, erfuhr ich.
Der Tierschutz kam, sah und ich siegte.
„Wir geben Ihnen gern das Tierchen“, sagte die reizende junge Dame, die mich begutachtet hatte.
Ich meldete mich bei den Hunde-Eltern auf Zeit, die den kleinen Zottelhund nach der Ankunft aus Griechenland bei sich aufgenommen hatten.
„Kommen Sie doch zu uns“, sagte die männliche Stimme am Telefon.
Ich buchte die Fahrkarten.

Ich wohne so weit im Norden, dass der Ort kaum noch zu Deutschland gehört. Der Hund wartete weit im Süden in einem Ort, der kaum noch zu Deutschland gehört. Meine Eltern wohnen genau in der Mitte.
Mein Mann fuhr mich in im Auto zu meinen Eltern. Es war der 23. Dezember. Zuhause rief ich „hallo!“, schnappte meine Tasche und lief im Dauerlauf zum Bahnhof. Noch ein paar Stunden Zugfahrt nach der langen Autofahrt am Morgen ... aber dann war ich dort, und der liebevolle Hunde-Pflegevater holte mich vom Bahnhof ab. Und dann kamen wir in sein Zuhause (und das seiner Ehefrau) und fünf Hunde in der Größe zwischen Kalb und Meerschweinchen kläfften, knurrten, fiepten und hüpften um mich herum.
Wo war das magere kleine Hundewesen von dem Photo im Internet? Ich sah sie nicht. Aber kaum saß ich auf dem Sofa saß ein strammer, fetter kleiner Hund auf meinem Schoß.
„Das ist sie aber nicht, oder?“, fragte ich.
„Oh doch!“, sagte die Dame des Hauses. „Sie hat ein bisschen zugenommen in den letzten drei Tagen. Essen ist ihre Leidenschaft!“
Ich schaute den Hund genauer an. Ein strahlendes Hundegesichtchen schaute zurück. Ich lächelte. Und mir schien, sie lächelte zuruck.
Ohne eine Spur von Angst lief sie neben mir, stieg in den Zug, schlief auf meinem Schoß ein und lag entspannt in meinen Armen. Wir verpassten den ersten Anschlusszug. Und der zweite Anschlusszug war natürlich auch schon weg. Ich nahm einfach den IC, den ich nicht gebucht hatte. Bei der Fahrkartenkontrolle erzählte ich die Lebensgeschichte der kleinen Griechin und hörte vom Schaffner die Lebensgeschichte seines Hundes. Einen Zuschlag musste ich nicht zahlen.
Mein Mann holte mich vom Bahnhof in meiner Heimatstadt ab.
Der Hund suchte und fand in Sekunden in der Küche meiner Mutter den Napf mit Hühnchen und Reis. Er rollte sich auf dem Körbchen vor meinem Bett zusammen und schlief die ganze Nacht.

Wo bleibt das Weihnachtswunder, fragen Sie vielleicht.
Das begab sich am 24. Dezember, als der Hund die Nachlässigkeit des Briefträgers ausnutze, und .... Aber halt! Erst wachte ich auf, winkte meinem Mann hinterher, der noch einen Termin hatte, kuschelte ein wenig mit dem Hund, ging spazieren, bereitete das Weihnachtsessen vor und beschloss, nach dem Kochen und den Küchen-Vorbereitungen am späten Vormittag zu duschen. Es hatte begonnen zu schneien. Ich öffnete nach dem Duschen das Fenster und schaute in den leicht verschneiten Garten. Da sah ich den Hund. Er war meiner Mutter in den Garten gefolgt, als sie im Schnee nach den letzten frischen Kräutern suchte. Die Gartentür stand offen. Und der Hund fiel in einen leichten Trab und bog um die Ecke.
Ich schnappte mir ein Schlafanzug-Oberteil meines Vaters, das im Bad lag und schlüpfte in ein Unterhöschen. Und so – barfuß und mit nackten Beinen und nassen Haaren – raste ich die Treppe hinunter und in den Garten und dem Hund hinterher. Der sah mich und beschleunigte. Und dann begann die Hetzjagd durch das Dorf, die meine Mutter bis zum heutigen Tag die Verwandtschaft zu mir leugnen lässt!
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Re: Engel und Hund (1) - Weihnachts-Wettbewerb

Beitragvon magico » 18.12.2014, 10:47

Hallo tiggelitops,

anbei meine Anmerkungen zu deinem Text.

„Aha“, sagte er und schob mir den Computer uber den Tisch


Da es noch mehrfach vorkommt, dass du keine Umlaute schreibst, gehe ich davon aus, dass du den Text auf einer Tastatur (bzw. in einem Land) geschrieben hast, wo es kein ü, ä, ö gibt. (zumindest nicht ohne Weiteres)
Sollte das nicht der Fall sein (aber eigentlich auch so), müsstest du es natürlich ersetzen.

Obwohl ... hier gibt's ja plötzlich ein "ü":

Sie saß auf einem verbrannten Stück Rasen in Griechenland.


„Was soll ich mit einem Hund aus Griechenland?“, fragte ich.
„Lieb haben“, sagte er.


:lol:
Sehr schöner Dialog. Eigentlich gegen viele Schreibregeln, aber in diesem Abschnitt mag ich besonders das "sagte ich / sagte er / sagte ich / sagte er".

Mein Mann fuhr mich in im Auto zu meinen Eltern.


Entweder das "in" streichen oder noch schöner: Mein Mann fuhr mich mit dem Auto zu meinen Eltern.

... aber dann war ich dort, und der liebevolle Hunde-Pflegevater holte mich vom Bahnhof ab. Und dann kamen wir in sein Zuhause ...


... und fünf Hunde in der Größe zwischen Kalb und Meerschweinchen ...


Schöner Vergleich.

Aber kaum saß ich auf dem Sofa saß ein strammer, fetter kleiner Hund auf meinem Schoß.


Zweimal "saß". Eventuell das zweite durch "hopste" oder "sprang" ersetzen.

Und mir schien, sie lächelte zuruck.


Der Hund suchte und fand in Sekunden in der Küche ...


So kurz hintereinander, zweimal "in" - das erste würde ich durch "binnen" oder "innerhalb" ersetzen.

Und der Hund fiel in einen leichten Trab und bog um die Ecke.


... raste ich die Treppe hinunter und in den Garten und dem Hund hinterher.


Vielleicht: ... raste ich die Treppe hinunter, stolperte durch die Tür in den Garten und dem Hund hinterher. (Obwohl :thinking: Man denkt dann, du würdest die ganze Zeit dem Hund hinterherstolpern. Aber mit zweimal "und" ist es auch unschön.)

Und dann begann die Hetzjagd durch das Dorf, die meine Mutter bis zum heutigen Tag die Verwandtschaft zu mir leugnen lässt!


:|
Ende?
Wo bleibt das Weihnachtswunder? (jetzt frage ich mich das wirklich)
Dass der Hund doch keine Lust auf dich (bzw. die Protagonistin) hatte, kann ja wohl nicht das Wunder sein.
Das Verleugnen durch die eigene Mutter ist bestimmt auch nicht das Weihnachtswunder.
Fehlt da ein Stück oder verstehe ich die Komik bzw. Tragik nicht?

Wie auch immer.
Mir gefallen die Passagen mit den kurzen Sätzen am besten.
Du hast eine schöne kleine Episode geschrieben, die durch die etwas flapsige Art wie aus dem Leben gegriffen scheint und somit authentisch wirkt.


Viele Grüße - magico


EDIT: Mir ist gerade erst die (1) im Titel bewusst geworden. Dies erklärt natürlich das Ende. :mrgreen:
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Re: Engel und Hund (1) - Weihnachts-Wettbewerb

Beitragvon tiggelitops » 18.12.2014, 17:53

Hej, magico!
Danke, dass Du den ersten Teil meiner Geschichte gelesen hast! Der Hinweis mit den Umlauten ist wichtig - ich glaubte, ich hätte alle Fehler beseitigt. War aber nicht so. Beim Übertragen der Geschichte aus meinem Schreibprogramm waren Leerstellen vor jedem Umlaut. Beim Schließen der Leerstellen wurden automatisch aus jedem Umlaut der einfache Vokal. Und das habe ich zu Teilen überehen. Also Danke, dass Du so sorgfältig gelesen hast.
Auch Deine Hinweise auf überflüssige Worte sind hilfreich.
Liebe Grüße! tiggelitops
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