[Humor]Engel und Hund (2) - Weihnachtswettbewerb

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Engel und Hund (2) - Weihnachtswettbewerb

Beitragvon tiggelitops » 18.12.2014, 17:47

Hund und Engel (Teil 2)

Also: Ich renne barfuß und mit nackten Beinen durch den Schnee, der Hund rast vorneweg. Fußgänger und Fahrradfahrer beteiligen sich an der Jagd. Der Hund hängt uns alle ab. Ich halte ein Auto an. Der Fahrer schaut verängstigt.
„Ich bin nicht aus einer Anstalt entkommen!“, keuche ich. „Mein Hund ist entlaufen! Fahren Sie! Fahren Sie!“
Der arme Mann gibt Gas. Vom Hund keine Spur mehr.
An der nächsten Kreuzung zwinge ich den armen Mann, das Auto anzuhalten. „Haben Sie einen kleinen Hund gesehen?“, rufe ich Passanten zu.
„In der Richtung!“ kommt es mit entsprechender Geste zurück. Unisono. „Los! Fahren Sie!“, kommandiere ich.
Vom Hund keine Spur.
„Ich muss nach Hause“, sagt der arme Autofahrer. „Meine Frau wartet!“
Ich bedanke mich und steige aus. Da stehe ich im Dorf. Nein, es ist kein richtiges Dorf. Es ist ein Vorort einer großen Stadt. Aber der Vorort sieht nach wie vor wie ein Dorf aus, und jeder kennt hier jeden. In der Regel. Mich kennen die Menschen zum Glück wohl nicht. Aber ich errege viel Interesse. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich halb nackt bin und mitten auf der befahrenen Hauptstraße stehe. Ich gehe zurück. Und nun merke ich, wie weh mir die Füße tun. Kalt sind sie, und sie bluten.

Noch mehr weh tut mir die Sorge um das kleine Wesen, für das ich keine 15 Stunden zuvor die Verantwortung übernommen habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ihre Flucht überlebt. Die Straße ist befahren, es gibt nicht nur Autos, sondern auch noch die Straßenbahn. Ich gehe langsam zurück, weil die Füße so schmerzen.
Ein Auto hält an. „Kann ich Sie mitnehmen?“ fragt ein junger Mann und kann sich das Grinsen nicht verkneifen.
Ich sitze im Auto und heule und erzähle unter Schluchzern, warum ich so durch die Straßen laufe.
„Ach,“ sagt der Autofahrer, „meine Katze ist auch immer abgehauen, aber bis heute ist sie immer wieder gekommen!“
Er fährt mich bis nach Hause. Ich danke ihm und gehe ins Haus.
Meine Eltern sind völlig aus dem Häuschen. „Bist Du so nach draußen gegangen?“, fragt meine Mutter.
„Ja“, sage ich.
„Aber Kind!“ ruft sie.
Ich winke ab. Und gehe in mein Zimmer und ziehe mich erst einmal warm an.
Und dann gehe ich wieder los und gehe auf Suche.

Von der Kirche höre ich das Mittagsläuten, und von diesem Klang, der meine ganze Kindheit begleitet hat, geht Trost aus.
Ich rufe meinen Mann an. „Sie ist fortgelaufen“, sage ich und muss schon wieder weinen. Trotz des Kirchenglocken-Trostes.
„Die kommt wieder“, sagt er.
„Woher weißt Du das?“, heule ich.
„Dieser Hund ist nicht dumm“, sagt er. Und dann sagt er noch, dass er sofort nach Hause kommt.

Ich ging durch die Straßen, die ich als Kind gelaufen war. Ich streifte durch Gassen und stieg Treppen hinauf und hinab und hörte Hunde bellen und spürte immer mehr eine Ruhe in mir, die es so wohl nur an einem Tag im Jahr geben kann. Ich fand den Hund nicht, aber die Ruhe in mir wurde immer stärker und endlich ging ich lächelnd den Weg nach Hause. Ich bog um die letzte Ecke und erreichte die Straße, in der ich als Kind wohnte. Da hielt ein Auto neben mir.
„Suchen Sie einen Hund?“ fragte mich ein junger Mann, der mit Frau, drei Kindern und ebenfalls einem Hund unterwegs war.
„Ja!“, rief ich.
„So einen kleinen, struppigen Hund?“
„Ja!“
„Wir waren in der Gegenrichtung unterwegs, aber dann haben wir den Hund auf der Straße laufen sehen“, sagt die junge Frau. „Mein Mann hat das Auto gewendet und ist langsam hinter ihm hergefahren, er hat Lichthupe gemacht, alle Autofahrer zum Ausweichen gebracht und sogar die Straßenbahn angehalten!“ Sie lächelt. Und die Kinder hopsen auf den Rücksitzen und strahlen.
„Wo ist der Hund jetzt?“ flüstere ich
„Gerade noch war er vor uns, aber eben ist er in die Einbahnstraße da vorn eingebogen.“

Ich habe mich noch nicht einmal bedankt.
Ich raste. Und raste noch schneller. Und ich bog in die Straße ein – und da war er. Da war der kleine Hund. Völlig verschmutzt.
Ich rief ihn mit ganz sanfter Stimme.
Ich rief sie mit einem Namen, den ich zuvor noch nie benutzt hatte. Sie hörte mich. Und heute noch hört sie auf diesen Namen. Und sie raste ebenso wie ich zuvor und stürzte sich in meine Arme.
Sie hatte den Weg allein zurückgefunden. Einen Weg, den sie nicht kannte. Sie hatte ihren Weg allein zurückgefunden zu mir. Und ein junger Mann und seine Frau hatten ihre Fahrt unterbrochen, um den Hund sicher zu eskortieren.

Und da stand ich mit meinem Weihnachtswunder im Arm und konnte mich nicht bedanken, weil die Menschen im Auto, die über meinen Hund gewacht hatten, verschwunden waren. Ich habe Tage und Wochen und Monate gefragt und gesucht. Ich habe sie weder gefunden noch irgend etwas über sie erfahren.
Ich glaube, es waren Engel.
Und mein Hund glaubt das auch. Sagt sie.

Nun ist wieder Weihnachten. Und ich denke zurück an das Geschenk dieser vergangenen Weihnacht.
In diesem Jahr verbringe ich das Fest wieder bei meinen Eltern. Mit meinem Mann. Und meinem Hund.
Vielleicht sehe ich die Engel in diesem Jahr wieder? Ich wünsche es mir so sehr.
tiggelitops
 
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Re: Engel und Hund (2) - Weihnachtswettbewerb

Beitragvon magico » 22.12.2014, 16:33

So ... mal sehen, ob Teil 2 das versprochene Wunder bringt. :mrgreen:

Also: Ich renne barfuß und mit nackten Beinen durch den Schnee, der Hund rast vorneweg.


Mir fällt sofort auf, dass du plötzlich in der Gegenwart und nicht mehr in der Vergangenheit schreibst.
Irgendwo im Text wechselst du wieder zurück und dann wieder in die Gegenwart usw.

Ist das beabsichtigt? :|

Noch mehr weh tut mir die Sorge um das kleine Wesen, für das ich keine 15 Stunden zuvor die Verantwortung übernommen habe.


Selbst, wenn du nun im Präsens schreibst, müsste für mich das letzte Wort "hatte" lauten, da du selbst schreibst, dass es 15 Stunden zuvor passierte.

Ich winke ab. Und gehe in mein Zimmer und ziehe mich erst einmal warm an.


Hier würde ich einen Satz draus machen: Ich winke ab, gehe in mein Zimmer und ziehe mich erst einmal warm an.

Ich winke ab. Und gehe in mein Zimmer und ziehe mich erst einmal warm an.
Und dann gehe ich wieder los und gehe auf Suche.


Mit "und" am Satzanfang kann ich ohnehin nicht viel anfangen, aber hier ist es extrem.

Ich ging durch die Straßen ...


Plötzlich wieder Vergangenheit.

Ich streifte durch Gassen und stieg Treppen hinauf und hinab und hörte Hunde bellen und spürte immer mehr eine Ruhe in mir ...


... aber dann haben wir den Hund auf der Straße laufen sehen“, sagt die junge Frau.


Nun wieder Präsens.

... er hat Lichthupe gemacht ...


Gemacht? :wary: Wie wäre es mit "gegeben"?

„Wo ist der Hund jetzt?“ flüstere ich


Hier fehlt ein Punkt.

Ich raste. Und raste noch schneller.


Ein Satz.
Außerdem ist es nun wieder Vergangenheit.

Und raste noch schneller. Und ich bog in die Straße ein – und da war er.


Sie hatte den Weg allein zurückgefunden. Einen Weg, den sie nicht kannte. Sie hatte ihren Weg allein zurückgefunden zu mir.


Das verstehe ich nicht. Ist sie/du jetzt wieder daheim angekommen und der Hund war dort?

Und ich denke zurück an das Geschenk dieser vergangenen Weihnacht.


"Dieser" und "vergangenen" beißt sich irgendwie. Ich würde eher "der vergangenen Weihnacht" schreiben.


Fazit:

Das Weihnachtswunder ist eingetreten. Gut. Die letzten zwei Absätze waren wirklich rührselig geschrieben. Dabei kann ich mit Hunden (und deren Vergötterung) gar nichts anfangen. Dennoch eine schöne Weihnachtsepisode.

Am meisten muss ich die ständig wechselnden Zeitformen sowie die übermäßig genutzten "und" bemängeln. (vor allem ständig am Satzanfang)


Grüße - magico
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