[SciFi]Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

[SciFi]Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Räubertochter » 27.08.2014, 17:16

Auf zu neuen Ufern (im wahrsten Sinne des Wortes).
Ich habe mich daran gemacht, und meine alte Einführungsszene für Lem, meinen Hauptcharakter, überarbeitet. Okay. Eigentlich nach bestehender Vorlage neu geschrieben. Wie auch immer. Allererste Version.
Es ist nur eine Szene, der Prolog vorher fehlt noch und eventuell fühlt sich auch der geneigte Leser ein wenig zu schnell in die Situation hineingeworfen, daher als Hintergrund-Information gerne diesen Thread durchstöbern.

Na, dann mal Mut zusammen genommen, und hereinkopiert, den Spaß.

Arbeitstitel: Eridlan, Szene 1: Laute Stille
Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte. Nach all den Jahren verfolgte es ihn noch immer. Es krallte sich in sein Trommelfell und verursachte diese leisen Kopfschmerzen hinter seinem linken Ohr.
Er hatte fast sein ganzes Leben in diesem Raum geschlafen, fast 19 Jahre lang. Manchmal fragte er sich, ob ihn dieses Geräusch auch schon als kleinen Jungen gequält hatte, in einer Zeit vor seiner Erinnerung. Meistens war er überzeugt, dass es so sein musste.
Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre, dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten. Für ihn war es immer da, das Geplapper einer Technik, die er nicht verstand. Er war nicht einmal in der Lage, herauszufinden, woher genau der Ton kam. Sobald er sich darauf konzentrierte, schien er von überall zu kommen, brach über ihn herein, bis sein Kopf vom Wiederhall dieses leisen Fiepens dröhnte. Sein Vater sah das als eindeutiges Zeichen dafür, dass es sich um Einbildung handelte.
Lem hielt sich erschöpft die Ohren zu. Egal wo er schlief, das Geräusch war immer da. In guten Nächten konnte er einschlafen, wenn er sich vorstellte, dass es der ruhige, unermüdliche Herzschlag des Schiffes war, dass ihn durch den stillen Raum trug. In schlechten Nächten kämpfte er erfolglos gegen diese laute Stille, bis ihm übel wurde und die Kopfschmerzen so schlimm wurden, dass er aufstand um einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen, die ihm Dok Aulus gegeben hatte.
Viele auf dem Schiff sprachen von Raumkälte, die sie Nachts in den temperierten Schlafräumen wach hielt. Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab. Andere litten unter der Raumstille, dem Gefühl, dass die Vakuumstille des Weltraumes bis in die sorgsam schallgedämmten Kabinen hineinreichte. Lem war der Einzige, der andauernd irgend etwas hörte. Er hätte gerne darauf verzichtet. Überall war Information, die sich ihm geräuschvoll mitteilte, sich gegenseitig übertönte und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schien.
Der Gedanke an einen kalten, stillen Weltraum voll unentdeckten Wissens dass alles andere tat, als sich ihm aufzudrängen, beruhigte Lem. Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können. Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes war? Andererseits traf das ja auch auf sein Geräuschmartyrium zu.
Stöhnend entschied er aufzustehen ohne nach der Uhrzeit zu sehen. Vermutlich war es zwei oder drei Uhr Nachts. Er wunderte sich immer wieder, wie fest alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit hielten, die hier doch nur künstlich durch die Beleuchtung der Gänge und Gemeinschaftsräume erzeugt wurde. Tag und Nacht brachten einen seltsam vertrauten Rhythmus in ihr Leben. Dok Aulus meinte, ein grundlegendes Gefühl von Zeit als Abwechslung von Schlaf und Wachen sei genetisch verankert. Im Prinzip meinte Dok Aulus immer, etwas sei genetisch verankert, wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.
Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte griff Lem unter sein Bett und zog ein recht altes Buch hervor. Niemand wusste, dass es dort lag. Zugegeben, seine Mutter hatte es damals, kurz nachdem er es aus der Bibliothek entwendet hatte, sofort gefunden. Sie hatte es ihm gelassen ohne eine große Predigt über das Stehlen zu halten. Manchmal erstaunte ihn, wie gut sie ihn verstand wenn er am wenigsten damit rechnete. Er strich langsam, fast liebevoll über den dicken Einband mit dem eingeprägten Titel.
"Herodotus - Historien". Dieses Buch war viel älter, als er sich damals als 13jähriger vorstellen konnte. Er hatte es verschlungen obwohl er das Meiste nicht ansatzweise verstand. Seither hatte er es wieder und wieder gelesen, ein Buch, dass laut der Listung der Bibliothek nie jemand vor ihm hervorgeholt hatte. Jedes Mal wenn er es hervorholte verstummte plötzlich die Geräuschkulisse um ihn und er konnte einfach nur lesen. Es war sein Lebensretter und sein Ziel. Nicht mehr lange.
Wenn alles so funktioniert hatte, wie es geplant worden war, wäre der nächste Sprung der Flotte ihr letzter. Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie, dass die Schiffe auf ihrer Flugbahn vorankatapultierte und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen. Und dann konnte er endlich das tun, das werden zu was er sich berufen fühlte. Endlich eine eigene Historie protokollieren, die sich von dem alltäglichen, systematisierten Leben auf der Wiara unterschied. Die Historie eines neuen Volkes auf einem sagenhaften Planeten, ihrer Heimat Eridlan. 200 Jahre waren er und seine Vorfahren Reisende gewesen, Heimatlose, mit diesem einzigen Ziel. Ein Kribbeln löste endlich seinen Kopfschmerz, während er das Buch sorgsam aufklappte und zu lesen begann.
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Maggi1417 » 27.08.2014, 18:52

Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte

Den Satz verstehe ich nicht richtig. Erstens: Ich kann mir nichts unter "dem Rand seiner Schlaflosigkeit" vorstellen. Was genau meinst du damit? Den rand seines Bewusstseins? Also das er gerade noch so wahrnimmt? Zweitens "ankämpfen"? Meinst du nicht eher heran kämpfen? Ankämpfen hat eine ganz andere Bedeutung. Drittens: Wenn du wirklich herankämpfen meinst, macht es ebenfalls nicht so viel Sinn. Der ganze Satz scheint zu impliziert, dass das Geräusch vorher kaum für Lem wahrnehmbar war und gerade intensiver wird. Aber warum liegt er dann schon seit so vielen Stunden wach?

Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab

Es heißt "vorgaukeln" nicht "hervor gaukeln".

Überall war Information waren Informationen, die sich ihm geräuschvoll mitteilte mitteilten, sich gegenseitig übertönte übertönten und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schien schienen.

"Information" ist Singular, müsste aber Plural sein (alle Verben danach auch). Wenn du den Einschub raus nimmst, siehst du es: "Da war eine Information, die sich gegenseitig übertönte."

Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können. Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes war?

Das Frage ich mich auch? Würden Menschen, die auf einem Raumschiff geboren sind, wirklich behaupten, sie könnten sich nicht an das All gewöhnen. Ich habe jedenfalls noch nie einen Europäer erlebt, der behauptet hätte, er könne sich nicht an Europa gewöhnen. Doof finden ja, sich nicht gewöhnen können, nein. Würde ich streichen.

Er wunderte sich immer wieder, wie fest alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit hielten, die hier doch nur künstlich durch die Beleuchtung der Gänge und Gemeinschaftsräume erzeugt wurde.

Warum wundert ihn das denn? Er kennt es doch nicht anders und außerdem hat es sehr viel Sinn, sich auf einem Schiff an einen festen Tagesrythmus zu halten. Verstehe nicht, woher da seine Verwunderung kommt. Würde ich auch streichen.

Zugegeben, seine Mutter hatte es damals, kurz nachdem er es aus der Bibliothek entwendet hatte, sofort gefunden

Wann denn nun? Hat sie es kurz nachdem Diebstahl oder sofort nach dem Diebstahl gefunden? Das sind widersprüchliche Zeitangaben.

Er strich langsam, fast liebevoll über den dicken Einband mit dem eingeprägten Titel.

Ich glaube, darüber wurde im anderen Thread schon diskutiert, aber hier fällt es mir jetzt ins Auge: Welcher Vollidiot packt echte Bücher auf ein Raumschiff? Das nimmt nicht nur sau viel Platz weg sondern verbraucht auch noch richtig viel Treibstoff. Mal davon abgesehen, würde sich ein Buch aus Papier zersetzten, wenn es 200 Jahre lang von Hand zu Hand geht.
Die Idee echter Bücher auf einem Raumschiff mag romantisch sein, sie ist aber unrealistisch. Jeder vernünftige Mensch würde eine digitale Datenbank (und damit Tausend mal mehr Bücher) mitnehmen.

Dieses Buch war viel älter, als er sich damals als 13jähriger vorstellen konnte.

Warum konnte er sich das mit 13 nicht vorstellen? 13 Jährige sind genauso gut dazu in der Lage Zeiträume zu erfassen und zu bewerten wie 19 Jährige.

Seither hatte er es wieder und wieder gelesen, ein Buch, dass laut der Listung der Bibliothek nie jemand vor ihm hervorgeholt hatte. Jedes Mal wenn er es hervorholte verstummte plötzlich die Geräuschkulisse um ihn

Wortdopplung stört.

Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie, dass die Schiffe auf ihrer Flugbahn vorankatapultierte und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen

Den Satz finde ich holprig. Sowohl den Teil mit dem Aufbäumen der Energie (Energie die sich aufbäumt?) als auch das mit dem Ziel vor Augen ("Ein Ziel vor Augen haben" wird in einem ganz bestimmten Kontext verwendet. Hier wirkt es unpassend.)

Und dann konnte er endlich das tun würde er das tun können, das werden zu was wozu er sich berufen fühlte

Ich glaube, da muss trotz Konjunktiv Futur I hin.
"Zu was" ist Umgangssprache.

Es sind noch etwa ein Dutzend Komma Fehler drin, die ich nicht einzeln markiert habe. Bitte noch mal Komma-Regeln angucken.

Ansonsten gefällt es mir ganz gut, auch wenn ich es für eine allererste Szene etwas nichtssagend finde. Mir fehlt da ein bisschen der Konflikt und die Spannung.
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Räubertochter » 27.08.2014, 19:22

Hallo Maggi,

danke, dass du das gelesen hast, obwohl du meinen Plot ja irgendwie nicht magst.
Einige deiner Kommentare sind aber aus meiner Sicht einfach Geschmacksache. Oder Stilfrage.
Auf meinen Schiffen gibt es Bücher. Ich finde das nicht weniger romantisch, als eine Schallplatte in einer Kapsel einzugraben um sie für zukünftige Generationen zu sichern. Wenn man ein Buch richtig lagert kann es auch eine ganze Weile halten. Und es hat ja auch noch niemand behauptet, dass es auf normalem Papier wie wir es kennen gedruckt wurde. Der 13jährige Lem hatte es nicht so mit einer Vorstellung von einer Zeit "vor Christus", da ihm nicht bewusst war, dass unsere Zeitrechnung nun mal mit der Geburt dieses Christus anfängt.

Es sind noch etwa ein Dutzend Komma Fehler drin

Sicher mehr. :wink: Ich übertreibe es gerne mit den Kommata. Im Englischen habe ich es im Griff, aber im Deutschen ist es furchtbar. Ich glaube, die letzten Kommata werden erst nach der letzten Überarbeitung rausfallen.

"Information" ist Singular, müsste aber Plural sein

Ich komme aus der Informatik. Bei uns ist Information, genau wie "information" im Englischen per se eine Vielheit (von Wissen, im Prinzip). Bei mir ist Information daher Singular. Es sei denn, sie wird in Datenpaketen verschickt. Kompliziert. Aber eigentlich auch wieder eine Stilfrage.
Eigentlich ist das für mich so: Sind die Informationen abzählbar, also gibt es genau vier Zettel mit irgendwelchen Dingen darauf, die zusammen gerade die Information sind, die ich nutze dann sind es vier Informationen. Ist Information die erdrückende Gesamtheit des Wissens, des bereits bekannten und noch unbekannten oder wieder vergessenen, dann ist Information eine Vielheit und somit Singular.

Würden Menschen, die auf einem Raumschiff geboren sind, wirklich behaupten, sie könnten sich nicht an das All gewöhnen. Ich habe jedenfalls noch nie einen Europäer erlebt, der behauptet hätte, er könne sich nicht an Europa gewöhnen.

Ich habe schon Menschen getroffen, die sich fremd im eigenen Land fühlen. Der Weltraum ist eine gigantische Sache, eine große Leere und auf die Dauer sicher psychologisch nicht so ganz einfach. Ich kann mir das vorstellen. Sonst hätte ich es ja nicht geschrieben.

Warum wundert ihn das denn? Er kennt es doch nicht anders und außerdem hat es sehr viel Sinn, sich auf einem Schiff an einen festen Tagesrythmus zu halten.

Lem hinterfragt Dinge. Manchmal auf eine sehr eigentümliche Weise, oft gerade die Dinge, die für andere Menschen völlig außer Frage stehen. So ist er. Es macht sicher Sinn, sich an einen festen Rhythmus zu halten , aber ich zum Beispiel würde versuchen, mich schon einmal an den Eridlan-Rhythmus zu gewöhnen, anstatt den Erdrhythmus, den sie so nie erlebt haben und auch nie erleben werden, beizubehalten.

Wortdopplung stört.

Stimmt. Ist mir in dem Moment aufgefallen, als ich auf "Absenden" geklickt hatte. Da musste ich aber ans Telefon und dann ist es vorerst geblieben.
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Lesezeichen » 27.08.2014, 20:38

Hallo Räubertochter,

dann will ich etwas zu deinem Text beitragen. Ich habe die vorherigen Kommentare nicht gelesen und kann leider auch keine begründenden Regeln für meine Verbesserungsvorschläge liefern, da ich Grammatik schon immer vom Gefühl her angewendet habe. Ich hoffe trotzdem, dir damit helfen zu können.

Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte.

Meiner Meinung nach kommt nach "versuchte" ein Komma, und das "das" nach dem zweiten Komma braucht nur ein S.

Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre,

Ich meine, es müsste heißen "...dass da nichts sei", oder nicht?

dass ihn durch den stillen Raum trug.

Wieder nur ein S

dass er aufstand um einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen, die ihm Dok Aulus gegeben hatte.

Hier fehlt ein Komma vor dem "um". Und für mich hört sich "Schmerzlinderer" ziemlich komisch an. Da Science Fiction hier eine Rolle spielt, die Menschheit und deren Technik schon weit fortgeschritten zu sein scheint, denke ich, dass du hier ruhig allgemein bekannte Wörter wie "Schmerzmittel" nehmen kannst. Ich denke, deine Charaktere wissen, worum es sich handelt;)
Und die Abkürzung "Doc" funktioniert meines Wissens nach nur im Englischen, also musst du es auch mit c schreiben. Den Namen mag ich allerdings;)

Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab.

Der Satz klingt für mich etwas umständlich, was an der "äußeren Kälte" liegt, die "von innen kommt". Man versteht, was du meinst, aber vielleicht lässt du das weg oder dir fällt noch etwas besseres ein. Im Moment habe ich leider keinen Verbesserungsvorschlag, aber ich melde mich, falls mir dazu etwas einfallen sollte.
Außerdem kommt nach "Raumes" ein Komma.

schallgedämmten

Heißt es nicht "schallgedämpft"?

stillen Weltraum voll unentdeckten Wissens dass alles andere tat,

Hier fehlt ein Komma nach "Wissens", und das "das" hat wieder nur ein S.

behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können.

Komma nach "behaupteten"

Stöhnend entschied er aufzustehen ohne nach der Uhrzeit zu sehen.

Nach "er" und "aufzustehen" fehlt auch ein Komma.

wie fest alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit hielten,

Grammatikfehler:
festhalten lässt sich nicht auf diese Weise trennen, wie du es gemacht hast.
Es müsste heißen: "...wie alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit festhielten..."
Das Gleiche gilt z.B. für "dafür". Deshalb kann man auch nicht sagen "Da kann ich nix für". :roll:

Im Prinzip meinte Dok Aulus immer, etwas sei genetisch verankert, wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.

Verbesserungsvorschlag:
"Im Prinzip meinte Doc Aulus aber immer..."
Das hebt die Tatsache, die du ansprechen willst, nämlich dass das typisch für ihn ist und es keiner mehr so richtig ernst nimmt, meiner Meinung nach besser hervor.

Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte

Komma nach "hatte"

Sie hatte es ihm gelassen ohne eine große Predigt über das Stehlen zu halten

Dasselbe nach "gelassen";)

Manchmal erstaunte ihn, wie gut sie ihn verstand wenn er am wenigsten damit rechnete.

Hier würde ich Folgendes schreiben:"Manchmal erstaunte es ihn..."
Und nach "verstand" fehlt ebenfalls ein Komma.

Er hatte es verschlungen obwohl er das Meiste nicht ansatzweise verstand.

Fehlendes Komma nach "verschlungen"

Seither hatte er es wieder und wieder gelesen, ein Buch, dass laut der Listung der Bibliothek nie jemand vor ihm hervorgeholt hatte.

"...ein Buch, das (nur ein S)..."

Jedes Mal wenn er es hervorholte verstummte plötzlich die Geräuschkulisse um ihn und er konnte einfach nur lesen.

Komma nach "Mal" und "hervorholte". Das letzte Wort müsste meiner Meinung nach auch getrennt geschrieben werden.

Wenn alles so funktioniert hatte,

Ich glaube, hier hast du eine Zeit zu viel genommen. Ich glaube, es würde reichen, wenn du sagst "Wenn alles so funktionierte", da dieser Fall ja noch nicht eingetroffen ist.

Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie, dass die Schiffe auf ihrer Flugbahn vorankatapultierte und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen.

Der erste Teil des Satzes gefällt mir sehr gut. Allerdings gehört das zweite S beim "das" wieder weg;) Und nach voran katapultierte (wieder auseinander?) fehlt ein Komma;)

Und dann konnte er endlich das tun, das werden zu was er sich berufen fühlte

Nach "werden" ebenfalls noch ein Komma, dann versteht man besser, was du meinst.

200 Jahre waren er und seine Vorfahren Reisende gewesen, Heimatlose, mit diesem einzigen Ziel.

Hier würde ich nach "gewesen" einfach einen Punkt machen und den nächsten Satz neu beginnen. "Heimatlose (in diesem Fall kommt das erste Komma aber weg) mit diesem einzigen Ziel..."
Das betont die Verlorenheit des Volkes meiner Meinung nach besser.

Die Idee, dass das Buch das einzige ist, was Lem (sehr schöner Vorname;)) von dem Geräusch ablenkt, gefällt mir sehr, sehr gut.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Weiterschreiben.

Liebe Grüße,

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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Maggi1417 » 27.08.2014, 20:43

1. Feedback-Regel: Es wird sich nicht gerechtfertigt. Du möchtest eine Meinung und die bekommst du. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern wie das, was du geschrieben hast, auf fremde Menschen wirkt.
Ich glaube, du musst noch ein bisschen üben, bei Kritik nicht gleich in den Verteidigungs-Modus zu wechseln.
(http://www.focus.de/finanzen/karriere/management/techniken/tid-13102/kritikgespraech-tipps-fuer-das-richtige-annehmen-von-feedback_aid_362216.html)

Aber zu den grammatischen Aspekten:

Zur "Information" Frage. Darum geht es gar nicht. Es ist ein rein grammatisches Problem. Du kannst kein singuläres (grammatikalisch, nicht tatsächlich) Objekt eine Tätigkeit ausführen lassen, bei der es zwangsweise mehrere Objekte geben muss (sich gegenseitig übertönen). Ein Volk kann sich nicht gegenseitig töten, eine Information kann sich nicht gegenseitig übertönen. Das musst du mir jetzt einfach mal so glauben, auch wenn du aus der Informatik kommst.

Kommas: Es sind nicht zu viele sondern zu wenige.
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Räubertochter » 28.08.2014, 08:00

Meiner Meinung nach kommt nach "versuchte" ein Komma, und das "das" nach dem zweiten Komma braucht nur ein S.


Okay, ich bin wohl in "Stufe 2 " angekommen mit meinen Kommata. Das war im Englischen auch so. Erst zu viele und dann, weil ich so damit rechne, dass es zu viele sind, natürlich zu wenige. Na super.
Das "dass und das". Meine rechte Gehirnhälfte weiß, dass "Ein das, das man mit 'welches' ersetzen kann nur ein S braucht." Meine linke scheint das zu ignorieren.

Da Science Fiction hier eine Rolle spielt, die Menschheit und deren Technik schon weit fortgeschritten zu sein scheint, denke ich, dass du hier ruhig allgemein bekannte Wörter wie "Schmerzmittel" nehmen kannst.

Die Idee dahinter war, dass sich eine Sprache innerhalb von 200 Jahren, besonders wenn sie von ihrem Ursprung abgetrennt wird, ja doch sehr verändert. Man sieht es ja schon an den ganzen neuen Worten und der sogenannten "Jugendsprache", dass sich mit jeder Generation etwas verändert. Vielleicht bin ich damit aber auch übers Ziel hinausgeschossen.

Feedback-Regel: Es wird sich nicht gerechtfertigt.

Ich kenne diese Feedback-Regeln. Bei uns versteht man das so, dass man alle Leute ausreden lässt, sie ihr Feedback zu Ende bringen lässt. Aber nicht so, dass man danach sein Handeln nicht freundlich und sachlich begründen darf um eine sachliche Diskussion darüber zu initiieren. Bei manchen Dingen muss man drüber reden dürfen, in einem Austausch, damit man am meisten davon hat.
Ich tue etwas, ich bekomme das Feedback, dass ich das nicht tun sollte. Lässt man das so stehen, kann es sein, dass ich es beim nächsten Mal nicht tue, obwohl ich meine Gründe dafür habe. Oder verstehe, dass es falsch war, aber nicht, wie ich es für mich und andere zufriedenstellend besser machen kann. Ich finde es im Übrigen als Feedback-Geber deswegen meistens schade, wenn gar keine Reaktion, außer "ja, okay, danke" kommt und versuche das als Feedback-Nehmer deshalb zu vermeiden.
Also erkläre ich, warum ich es getan habe, in der Hoffnung, dass ich dann spezifischere Tipps bekomme. Oder dass man eine nicht lösbare Uneinigkeit anerkennen, gegenseitig verstehen und damit zukünftig ruhen lassen kann. Auch die gibt es ja.
Das heißt nicht, dass ich mir dein Feedback nicht zu Herzen nehme. Ist alles in Kommentaren zum Text schon notiert, als Gedankenstütze fürs Überarbeiten.
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon magico » 28.08.2014, 09:46

Hallo Ronja,

schön, dass du uns gleich eine Kostprobe deiner Sci-Fi-Geschichte gibst. Mal sehen, was mir so auffällt. Ich hoffe, ich merke nichts an, worauf meine Vorredner schon hingewiesen haben.

Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass ...


Tinnitus Aurium :mrgreen:

... dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten.


"konnten" würde ich durch "würden" ersetzen, damit die (beinahe) Wiederholung wegfällt.

... bis sein Kopf vom Wiederhall ...


... unermüdliche Herzschlag des Schiffes war, dass ihn durch den stillen Raum trug.


Ich würde "das" sogar durch "welches" ersetzen, aber ich glaube das würde in einem Science Fiction zu antiquiert klingen. Obwohl mir Lem schon jemand zu sein scheint, der irgendwie an der Vergangenheit bzw. der Geschichte hängt. So ein richtig melancholischer Romantiker. :mrgreen:

... laute Stille ...


Gefällt mir.

... dass er aufstand um einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen ...


Ich hätte geschrieben: ... dass er aufstehen musste ...
Das würde seine Situation mehr hervorheben.

... hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab.


Gibt es "hervor gegaukelt"? Ich kenne nur "vorgekaukelt" (ohne "her" und zusammen).
Meinst du tatsächlich das "Bewusstsein des Raumes" oder dass sich die Bewohner des Schiffs des Raumes bewusst sind?

der andauernd irgend etwas hörte.


* irgendetwas (zusammen)

... stillen Weltraum voll unentdeckten Wissens>>Komma<< dass alles andere tat ...


Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes >>gewesen<<war?


Ich glaube, hier musst du in der Vorvergangenheit schreiben, da du sonst in der Vergangenheit schreibst und du in diesem Fall von noch früheren "Ereignissen" erzählst.

Andererseits traf das ja auch auf sein Geräuschmartyrium zu.


Umgangssprachliche Füllwörter raus! :wink: (ich neige leider selbst dazu)

... wie fest alle Bewohner der Wiara ...


:| Ich les' immer Viagra.

... wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.


Würde ich durch "sich anderweitig" ersetzen. Obwohl das dann einen etwas religiösen Touch bekommt. Nach dem Motto: Wir können es uns nicht erklären, also kommt es von Gott.

Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte>>Komma<<griff Lem unter sein Bett und zog ein recht altes Buch hervor.


Heraufdimmen? Gibt's das Wort?
Dieses "recht" gefällt mir nicht so "recht". Entweder würde ich es weglassen, denn alt ist alt - oder ich würde stattdessen "ziemlich" schreiben.

Manchmal erstaunte >>es<< ihn ...


Dieses Buch war viel älter, als er sich damals als 13jähriger vorstellen konnte.


... hatte vorstellen können. (Vorvergangenheit/Plusquamperfekt)

... vor ihm hervorgeholt hatte. Jedes Mal wenn er es hervorholte ...


... und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen.


Sagt man das so? Vor Augen stehen? Ich kenne nur vor Augen liegen. Beides wäre im Hinblick auf einen Planeten aber unkorrekt. Wahrscheinlich wäre "schweben" am ehesten der Begriff, welchen man wählen könnte. Wobei ... ach ... jedenfalls liest sich "stehen" für mich seltsam. :|

200 Jahre waren er und seine Vorfahren Reisende gewesen, Heimatlose, mit diesem einzigen Ziel.


Da würde ich zwei Sätze draus machen. Quasi ab "Heimatlose" wieder beginnen. Somit wäre es für mich eine größere (wichtige) Pause im Lesefluss.


Fazit:

Mir ist der Anfang nicht zu langsam oder unspektakulär, da du den Charakter einführst. Zumal du ja geschrieben hast, dass es vorher noch einen Prolog gibt. Lem ist eben kein Action-Charakter und ich finde ihn sehr sympathisch.


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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Räubertochter » 28.08.2014, 10:22

Tinnitus Aurium :mrgreen:

Vielleicht. Eher Hyperakusis.

Obwohl mir Lem schon jemand zu sein scheint, der irgendwie an der Vergangenheit bzw. der Geschichte hängt.

Hm. Ein bisschen. Aber eigentlich hängt er an der Gegenwart. Er lebt sie aber tatsächlich etwas antiquiert und will sie auf eine Art unbedingt zu einer Vergangenheit machen.

Gibt es "hervor gegaukelt"? Ich kenne nur "vorgekaukelt" (ohne "her" und zusammen).

Gibt es nicht, hat Maggi auch schon gesagt und sollte in der aktuellen Version auch schon verbessert sein. Ich hatte es zusammen geschrieben, das wurde mir vom Rechtschreibdings angekreidet und irgendwie dachte ich, das liegt daran, dass man es auseinander schreibt. Dann merkt das Rechtschreibdings nicht mehr, dass es Quatsch ist. :roll:

:| Ich les' immer Viagra.

Oh. Schlecht! Vielleicht muss ich das Schiffchen doch noch mal umbenennen.

Obwohl das dann einen etwas religiösen Touch bekommt.

Religiös ist Lem eigentlich gar nicht, wie fast alle auf der Wiara. Das wäre dann was für Schiff 3. Wobei, so richtig religiös im eigentlichen Sinn sind die da auch nicht.

Heraufdimmen? Gibt's das Wort?

Das habe ich mich beim Schreiben tatsächlich auch gefragt. Das Problem ist, "dimmen" wäre ja "langsam die Lichtstärke verringern". Wie sagt man, wenn man es anders herum macht?

Sagt man das so? Vor Augen stehen?

Okay, das hat Maggi auch angekreidet. Scheint bei mir so eine Art Dialekt-Idiom zu sein. Es ist manchmal richtig schwierig, von denen loszukommen, wenn einem nicht bewusst gemacht wird, dass das so ist.

Lem ist eben kein Action-Charakter und ich finde ihn sehr sympathisch.

Wenn das so rübergekommen ist, hat schon mal etwas funktioniert. :D
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon magico » 28.08.2014, 11:03

Religiös ist Lem eigentlich gar nicht, wie fast alle auf der Wiara.


Das Religiöse würde sich in diesem Kontext auch eher auf den Dok beziehen.

Das habe ich mich beim Schreiben tatsächlich auch gefragt. Das Problem ist, "dimmen" wäre ja "langsam die Lichtstärke verringern". Wie sagt man, wenn man es anders herum macht?


Ich habe auch hin und her überlegt. Wahrscheinlich wirst du nur über den Dimmer an den Sinn herankommen. Irgendwie, dass er den Dimmer betätigt, um das Licht sanft/langsam heller zu machen/stellen/drehen. :fool:

Scheint bei mir so eine Art Dialekt-Idiom zu sein. Es ist manchmal richtig schwierig, von denen loszukommen, wenn einem nicht bewusst gemacht wird, dass das so ist.


Dafür sind wir ja da. :wink: (Ging mir aber auch schon oft so. In meinem ersten Buch bemängelten viele das Wort "aufrupfen" :mrgreen: )

Wenn das so rübergekommen ist, hat schon mal etwas funktioniert.


:2thumbs:
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon CraX » 28.08.2014, 23:38

Hallo Räubertochter,

Das Thema „auf zu anderen Sternen“ finde ich hochinteressant und versuche mich hin und wieder am selben Thema, du bist also nicht alleine unterwegs! Was bei deinen Beginn der Geschichte hervorsticht, ist, dass du nicht mit Käpt’n auf der Brücke und allerlei Infodump beginnst, sondern mit dem Prota, der irgendwelche Geräusche hört. Das finde ich gut.

Im letzten Drittel war ich etwas entäuscht, dass es sich (mal wieder) um einen Jugendlichen handelt – aber das hat nichts mit deiner Geschichte zu tun, sondern mit mir - weil du als Jugendliche eben für Jugendliche über Jugendliche schreibst und ich mich da als alter Grufti schwer begeistern kann. :ill:

Noch weiß man nicht, was Lem und die Siedler in deiner Geschichte erwartet, um sich von den vielen anderen Kolonieschiffen anderer Geschichten zu unterscheiden, sollte es schon etwas Außergewöhnliches sein.

Die Geräusche in Lems Kopf deuten auf seine Außergewöhnlichkeit hin, aber irgend ein Hinweis, dass sich bald etwas ereignet, was mich fesseln könnte, fehlt noch.


Nun zu den Details:

Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte.

An den Rand seiner Schlaflosigkeit ? Was ist das für ein Rand, frage ich mich? Die Begriffe stimmen nicht zueinander, denke ich.

Es krallte sich in sein Trommelfell und verursachte diese leisen Kopfschmerzen hinter seinem dem linken Ohr.

Um die Wiederholung von sein/seinem zu vermeiden, kannst du „seinem“ durch „dem“ ersetzen.

Er hatte fast sein ganzes Leben in diesem Raum geschlafen, fast 19 Jahre lang.

Nochmal eine Wiederholung.

Meistens war er überzeugt, dass es so sein musste.

Als Anfänger benutzt man immer gerne Begriffe, die alles noch im Ungewissen halten wie:
Meißtens, fast, vermutlich, möglich ...
Die kann man in der Regel alle wegnehmen, auch wenn du das Gefühl hast, damit nicht ganz korrekt zu sein und etwas zu übertreiben. Aber z.B. ein Charakter, der überzeugend klingt, überzeugt auch mich eher. Ich würde es auch mit dem vorherigen Satz verbinden, so in etwa:
Er war davon überzeugt, dass ihn dieses Geräusch bereits gequält hatte, als er noch ein kleiner Junge war, er jedoch keine Erinnerung mehr daran besaß.

Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre, dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten.

Der letzte Teil widerspricht dem ersten. Entweder ist/war für die anderen da was zu hören oder nicht.

Für ihn war es immer da, das Geplapper einer Technik, die er nicht verstand.

Das Geplapper einer Technik klingt gut – das hört sich wie ein Mischmasch aus (unverständlichen) Stimmen an. Das wäre ausbaufähig und in der Richtung könntest du es etwas detaillierter beschreiben (machst du ja auch weiter unten, wenn du von den „Informationen, die sich mitteilen“ sprichst. Wenn du nur von einem unbestimmten Fiepsen sprichst (was sich für mich auch ganz anders anhört) denke ich, er leidet einfach nur an Tinitus.

Sobald er sich darauf konzentrierte, schien er von überall zu kommen, brach über ihn herein, bis sein Kopf vom Wiederhall dieses leisen Fiepens dröhnte.

Oben hattest du es etwas anders beschrieben:
Es krallte sich in sein Trommelfell und verursachte diese leisen Kopfschmerzen hinter seinem linken Ohr.

Lem

Ich hoffe dir ist klar, dass du hier den Namen eines der bekanntesten und besten SciFi-Autoren benutzt!

Egal wo er schlief, das Geräusch war immer da.

Er schläft doch (fast) immer im selben Raum - steht oben?

In schlechten Nächten kämpfte er erfolglos gegen diese laute Stille,

Als Titel „Laute Stille“ hat etwas, aber hier stimmt es nicht, denn es ist zwar Laut in der Stille, aber die Stille selber ist nicht Laut.
einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen

man wünscht sich zu erfahren, was das ist. Zylinder klingt nach etwas größerem, vielleicht stülpt er es sich über den Kopf –wäre lustig.

Viele auf dem Schiff sprachen von Raumkälte, die sie Nachts in den temperierten Schlafräumen wach hielt. Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab.

Eine interessante Hypothese, ebenso wie die folgende Raumstille entwickelst du da. Etwas gewagt, aber für mich in Ordnung.
Den ersten Satz würde ich umformulieren und ein „obwohl“ einfügen:
Viele auf dem Schiff sprachen von Raumkälte, die sie Nachts in den Schlafräumen wach hielt, obwohl diese wohl temperiert waren.
Da man an dieser Stelle noch nicht weiß, dass es ein Generationenschiff ist, würde ich „Heimat“ in „Zu Hause“ ändern.

Andere litten unter der Raumstille, dem Gefühl, dass die Vakuumstille des Weltraumes bis in die sorgsam schallgedämmten Kabinen hineinreichte.

Trotz der netten Diagnose wiederholt sich hier die „stille“.

Lem war der Einzige, der andauernd irgend etwas hörte. Er hätte gerne darauf verzichtet.

Letzteres ist klar.

Überall war Information, die sich ihm geräuschvoll mitteilte, sich gegenseitig übertönte und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schien buhlte.

Hier hast du die Geräusche schön umschrieben.

Der Gedanke an einen kalten, stillen Weltraum voll unentdeckten Wissens dass alles andere tat, als sich ihm aufzudrängen, beruhigte Lem.

Den Satz verstehe ich nur schwer, vielleicht auch gar nicht, ich weiß nicht, was du hier sagen willst. Dass es nicht der Weltraum ist, der zu ihm spricht?

Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können. Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes war?

Eine weitere, gewagte Hypothese, aber gut, kann schon so sein. Ich würde nur nicht „an die Nähe des Raumes“ schreiben, sondern „an das Leben im Raum“. Der zweite Satz stimmt logisch in sich nicht. Lies ihn noch mal langsam durch.

der Wiara

dem Raumschiffsnamen würde ich ein Kürzel voranstellen, damit man es hier und immerdar sofort als Raumschiffsnamen erkennt, z.B. „die E.K. Wiara“ oder auch großgeschrieben: „ die T.G. WIARA“. Klingt auch viel imposanter.

Im Prinzip meinte Dok Aulus immer, etwas sei genetisch verankert, wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.

Der Doc hat es doch mit Genetik erklärt, von daher ist der Zusatz hier unsinnig.

Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte griff Lem unter sein Bett und zog ein recht altes Buch hervor.

Statt „recht altes Buch“ könntest du es etwas besser umschreiben: ein Buch, dessen eingerissener Lederumschlag und vergilbte Seiten von einem hohen Alter zeugte. -oder so.

Niemand wusste, dass es dort lag. Zugegeben, seine Mutter hatte es damals, kurz nachdem er es aus der Bibliothek entwendet hatte, sofort gefunden.

Erst niemand, dann doch jemand. Fass es zusammen:
Niemand außer seiner Mutter wusste, dass es dort lag. Sie hatte es damals, kurz nachdem er es aus der Bibliothek entwendet hatte, gefunden.

Manchmal erstaunte es ihn, wie gut sie ihn verstand (komma) wenn er am wenigsten damit rechnete.


Er strich langsam, fast liebevoll über den dicken Einband mit dem eingeprägten Titel.

„fast“ ist wieder eines dieser beliebten Füllwörter. „langsam“ könnte man ev. auch rausnehmen.

"Herodotus - Historien".

Bei Wikipedia taucht hierbei die holländische Variante von „Historien des Herodot“ auf. Meinst du diese griechischen Erzählungen damit, oder soll es ein Fantasiebuch sein?
Wenn es holländisch ist, dann müsste Lem ein Holländer sein?
Wenn es ein Fantasiebuch ist, solltest du es etwas anders benennen.

Dieses Buch war viel älter, als er es sich damals als 13jähriger vorstellen konnte.


Seither hatte er es wieder und wieder gelesen, ein Buch, dass laut der Listung der Bibliothek nie jemand vor ihm hervorgeholt hatte.

Statt „vor ihm“ würde ich „außer ihm“ einsetzen – und 2 Sätze daraus machen.

Es war sein Lebensretter und sein Ziel.

Sein Lebensretter ok (und ich hoffe, dass es dafür eine gute Erklärung gibt), aber das mit dem Ziel ist hier für mich unverständlich.

Nicht mehr lange.

Vermutlich willst du hier Spannung erzeugen, aber so wirkt das plump und aufgesetzt.

Wenn alles so funktioniert hatte, wie es geplant worden war, wäre der nächste Sprung der Flotte ihr letzter.

Hier solltest du dich für eine Zeit entscheiden. Ist der Sprung bereits passiert oder steht er bevor?

Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie, dass die Schiffe auf ihrer Flugbahn vorankatapultierte und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen.

... und das Ziel sollte vor ihnen sein.

Und dann konnte er endlich das tun, das werden zu was er sich berufen fühlte.

Noch mal durchlesen und dann kommst du schon drauf, was hier nicht stimmt.

Die Historie eines neuen Volkes auf einem sagenhaften Planeten, ihrer Heimat Eridlan.

Warum kann er behaupten, der Planet wäre sagenhaft? Gibt es da Geschichten um ihn?
Zum Zweiten ist da ja nicht ihre Heimat, bestenfalls ihre zukünftige Heimat.

Gegen Ende ist dir anscheinend die Geduld ausgegangen, die unschönen und fehrelhaften Formulierungen häufen sich. Die Stil ist typisch jugendhaft und meiner Meinung nach verbesserungswürdig. Die Story reizt mich bis jetzt leider nicht sonderlich. Das ist jemand, der hört was und während er ein altes Buch list, ist es wundersamerweise weg.
Gibt es noch eine Fortsetzung? Ein wenig würde es mich doch interessieren, ob noch was außergewöhnliches passiert?

Ich hoffe, ich war nicht zu hart!

Liebe Grüße
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Räubertochter » 29.08.2014, 07:14

Das Thema „auf zu anderen Sternen“ finde ich hochinteressant und versuche mich hin und wieder am selben Thema, du bist also nicht alleine unterwegs!

Solche Leute brauche ich als Kommentatoren! Ich wollte ja auch schon wissen, ob sich meine Idee ausreichend von anderen unterscheidet.

weil du als Jugendliche eben für Jugendliche über Jugendliche schreibst

Okay. Ich bin 27. In meinem Alter gründet man Familien. Ich würde das jetzt nicht als Jugendliche bezeichnen und die sind auch nicht meine Zielgruppe. Lem ist natürlich erst 19, aber er muss das auch sein, damit er mit meinem späteren Zeitsprung von 25 Jahren im Buch noch plausibel die Dinge leisten kann, die er wird leisten müssen. Es wird auch zwei Teenager geben, genau wie einen, der bereits vor dem Zeitsprung Mittvierziger ist. Älter ging nicht, sonst ist es zu unglaubhaft, dass sie später noch in der Art aktiv sind, die ich für sie vorhabe.

Meistens war er überzeugt, dass es so sein musste.

Als Anfänger benutzt man immer gerne Begriffe, die alles noch im Ungewissen halten wie:
Meißtens, fast, vermutlich, möglich ...

Manchmal :wink: benutzt man sie auch als Stilmittel um das vorhergehende "manchmal" zu kontrastieren.

Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre, dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten.

Der letzte Teil widerspricht dem ersten. Entweder ist/war für die anderen da was zu hören oder nicht.

Es gibt ja mehrere andere Leute, die eben alle andere Dinge sagen und trotzdem für ihn das gleiche.
Ist nicht so rausgekommen, wie ich das wollte.

Wenn du nur von einem unbestimmten Fiepsen sprichst (was sich für mich auch ganz anders anhört) denke ich, er leidet einfach nur an Tinitus.

Diese Unklarheit soll auch bleiben. Es ist ja zunächst nur Lem, der die Technik beschuldigt. Vielleicht hat er ja einen Tinnitus. Oder er bildet sich das ein.

Als Titel „Laute Stille“ hat etwas, aber hier stimmt es nicht, denn es ist zwar Laut in der Stille, aber die Stille selber ist nicht Laut.

Es gibt diese Situation wenn man in absoluter Stille ist und da ist nur dieses eine, relativ leise Geräusch, dass einen wahnsinnig macht. Die Stille scheint das Geräusch zu verstärken, aber das Geräusch scheint auch die Stille zu verstärken. Das nenne ich laute Stille. Ich mag Oxymora. :wink:

Da man an dieser Stelle noch nicht weiß, dass es ein Generationenschiff ist, würde ich „Heimat“ in „Zu Hause“ ändern.

Ich muss Heimat dort auf jeden Fall ändern, denn Heimat ist ja schon Eridlan.

Der Doc hat es doch mit Genetik erklärt, von daher ist der Zusatz hier unsinnig.

Der Dok hat einfach nur "genetisch" als neues Wort für "idiopatisch" eingeführt. Da beweist ihm (auf der Wiara) so schnell keiner das Gegenteil.

"Herodotus - Historien".

Die 1957 oder 1956 Ausgabe von Herodots Historien in der deutschen Gesamtausgabe ist auch so betitelt. Ich meine das echte Buch. Die Historien des (für Lem) ersten großen Geschichtsschreibers.

Warum kann er behaupten, der Planet wäre sagenhaft? Gibt es da Geschichten um ihn?
Zum Zweiten ist da ja nicht ihre Heimat, bestenfalls ihre zukünftige Heimat.

Diese Leute sind seit Generationen unterwegs um diesen Planeten zu besiedeln. Ich bin mir sicher, dass es inzwischen unzählige Geschichten darüber gibt. Und für die Pioniergeneration, die immer wusste, dass sie es sein würden, die ihn erreichen ist es auch die Heimat. Wie für ein Auswandererkind, dass zwar nie im Heimatland der Eltern war, aber das immer so märchenhaft beschrieben bekommt, dass es sich wie die richtige Heimat anfühlt.

Gibt es noch eine Fortsetzung?

Es soll ja ein ganzes Buch geben!

Ich hoffe dir ist klar, dass du hier den Namen eines der bekanntesten und besten SciFi-Autoren benutzt!

Genau des Autoren, der schuld an meiner Begeisterung für SciFi ist. Lem hieß vor ein paar Jahren, als das ganze weniger ausgereift war, wirklich nur Lem. Inzwischen ist das nur eine Kurzform von Philemon. Es ist aber immer noch reine Absicht.

Ich hoffe, ich war nicht zu hart!

Ich hatte in meiner Vorstellung extra um ehrliche Kritik gebeten. Also: Ganz und gar nicht! Danke!
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Shepkey » 30.08.2014, 21:02

Tach, Räubertochter,

dein erstes Werk, meine erste Kritik. Scheint fair.

Die obigen Kommentare habe ich eher überflogen als gelesen, aber ich glaube, auf Grammatikfehler muss ich nicht weiter eingehen, jemand ist ja schon mit Machete und Sprühdose durch die Interpunktionsbotanik marschiert. Blahblah, ich fange an:

Erst einmal: Jaaa, der Lem; ein toller Name. :D

Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte.


Der Rand seiner Schlaflosigkeit? Was ist das? An den Rand seines Schlafes, wenn er denn geschlafen hätte, oder an den Rand seines Bewusstseins würde ich verstehen. (Ich weiß, ich bin die zigste Person, die das sagt. Die Formulierung an sich finde ich aber schön.)

Es krallte sich in sein Trommelfell und verursachte diese leisen Kopfschmerzen hinter seinem linken Ohr.
Er hatte fast sein ganzes Leben in diesem Raum geschlafen, fast 19 Jahre lang. Manchmal fragte er sich, ob ihn dieses Geräusch auch schon als kleinen Jungen gequält hatte, in einer Zeit vor seiner Erinnerung. Meistens war er überzeugt, dass es so sein musste.
Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre, dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten. Für ihn war es immer da, das Geplapper einer Technik, die er nicht verstand. Er war nicht einmal in der Lage, herauszufinden, woher genau der Ton kam. Sobald er sich darauf konzentrierte, schien er von überall zu kommen, brach über ihn herein, bis sein Kopf vom Wiederhall dieses leisen Fiepens dröhnte.


Okay, zwischen dieser Zwei-Drittel-Dopplung liegt gehörig viel Platz und es ist vielleicht Korinthenkackerei, aber es ist mir aufgefallen. Wenn du das auch so siehst: streich diese Anmerkung einfach ;)
Und es müsste "sei" statt "wäre" heißen, glaube ich.

In schlechten Nächten kämpfte er erfolglos gegen diese laute Stille, bis ihm übel wurde und die Kopfschmerzen so schlimm wurden, dass er aufstand um einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen, die ihm Dok Aulus gegeben hatte.

Schmerzlinderer statt Schmerzmittel passt meiner Meinung nach, insbesondere weil eine Art Wortneuschöpfung nach "wertvoll" etwas plausibler ist als common: "Schmerzmittel". Während der Reise so vom Gewöhnlichen ins Ungewöhnliche gedriftet, dass man ihre urpsrüngliche Bezeichnung vergessen hat. Natürlich sind sie wertvoll.

Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes der ihre Heimat umgab.


Auch darunter kann ich mir leider nicht viel vorstellen. Man weiß, was diese spezifische Kälte auslöst, aber man kann sie nicht beschreiben. Sie brauchen einen Schriftsteller! Augenblick, sie brauchen dich! Beschreibe es! :D Meiner Meinung nach. Musst ja nicht kitschig werden (würde auch nicht zum Text passen). Aber für ein so interessantes Gefühl findet man sicherlich eine passende Metapher oder einen passenden Vergleich? :D

Überall war Information, die sich ihm geräuschvoll mitteilte, sich gegenseitig übertönte und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schien.


Ja, deine Erklärung dazu habe ich gelesen. Erst wollte ich anmerken, dass es plausibler sei, doch zu Informationen zu wechseln, damit sie sich überhaupt "gegenseitig übertön[en]" können. Allerdings stelle ich mir bei "Information" eine Art Masse (Informationsgallert? XD) vor, die sich als Einheit, aber polyphon quäkend, über Lem ergießt. Wesentlich überwältigender also als ein paar verstreute Informatiönchen, die sich gegenseitig ins Wort fallen.

Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können. Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes war? Andererseits traf das ja auch auf sein Geräuschmartyrium zu.


Also versteht er sie doch (ein wenig)?

Im Prinzip meinte Dok Aulus immer, etwas sei genetisch verankert, wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.


Hähä :D

Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte griff Lem unter sein Bett und zog ein recht altes Buch hervor.


Dieses Buch ist wichtig! Warum ist es nicht präzis alt? Zumal du später ja sagst, dass es VIEL älter sei, als er es sich als 13 Jähriger hatte vorstellen können (schau noch mal bei dem Satz nach dem Tempus). Von wann? 1950er? 1890er? 2003? Wenn es ein Nebendarsteller-Buch wäre und nicht DAS ihn prägende Buch, wär's okay, denke ich.

Es war sein Lebensretter und sein Ziel. Nicht mehr lange.


Inwiefern ist das Buch denn sein Ziel? Weil er daraus ableitet, dass er selbst Geschichte aufzeichnen möchte? Wenn das zutrifft, ist es ja weiterhin sein Ziel und nur ein Lebensretter nicht mehr lange. Vielleicht umstellen? Aber, wie gesagt, da weiß ich nicht, was du meinst.

Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie[...]


Mag ich.

Insgesamt ein, äh, sehr atmosphärischer Einstieg (und das in einem Raumschiff!). Ich hoffe, ich konnte zumindest etwas helfen. :D
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Er ist neugierig wie ein Fisch" - Random Goethe Faust II
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Re: Eridlan - Szene: Laute Stille (Einführung Lem)

Beitragvon Veniya » 30.08.2014, 23:15

Hallo Räubertochter,

dann wage ich mich auch mal an deinen Text, weil ich Science Fiction mag und in einem anderen Thread über deine Grundidee gelesen habe, die ich auch recht ansprechend fand. Auch der Titel Laute Stille macht durchaus neugierig. :D

Ich lese die anderen Kommentare nicht, deshalb verzeih mir, wenn ich Aussagen treffe, die bereits der ein oder andere bereits zum Besten gegeben hat. Aber ich denke, man lernt am besten daraus, wenn man mehrere Meinungen unabhängig voneinander bekommt und wenn ein Punkt mehrfach angesprochen wird, dann ist womöglich auch etwas dran :wink:

Ich werde zunächst allgemein auf einige Punkte eingehen und dann, im zweiten Teile, einige Textpassagen herausgreifen.

Schreibstil, Ausdruck, Sprache

Generell liest sich die Szene flüssig. Du erzeugst ein stimmiges Bild, während du teils interessante Informationen einstreust, ohne dabei zu dick aufzutragen.

Allerdings konstruierst du immer wieder sehr ähnliche Sätze, teilweise mit denselben Hilfswörtern bzw. Anfängen, was eine gewisse Monotonie in den Text bringt. Das mag beabsichtigt sein, passt ja auch irgendwie zur Situation, aber es wirkt auch auf mich als Leser einschläfernd, was du mit Sicherheit nicht beabsichtigst. Ein wenig Tempo durch unterschiedlich lange Sätze bzw. durch andere Satzkonstruktionen könnte an mancher Stelle nicht schaden.

Außerdem wiederholst du dich sehr oft. Du wiederholst Inhaltliches mit anderen, aber auch zum Teil mit denselben Worten. Und du wiederholst das Wörtchen dass sehr sehr häufig. Ich werde es im Folgenden mal hervorheben. Da solltest du dir im zweiten Nachgang andere Nebensatzkonstruktionen überlegen. Manchmal hilft es auch, wenn du bei anderen Autoren schaust, wie die Sätze bilden, und versuchst, das in deinen Stil mit einzubauen. Dann kommt die Abwechslung mit der Zeit wie von selbst.

Am Ende rutschst du etwas mit den Zeiten durcheinander. Das werde ich später noch anmerken.

Inhalt: Charaktere, Handlung, Logik

Der Leser erhält Einblick in das Leben von Lem, der auf einem Raumschiff aufgewachsen ist, das in wenigen Tagen (?) sein Ziel erreichen wird. Interessante Grundlage. Handelt es sich um den Anfang des Buches oder stellst du noch etwas voran? Denn für einen Anfang erscheint mir die Szene zu wenig mitreißend. Du beschreibst über mehrere Absätze hinweg ein Geräusch, das er hört oder sich einbildet, wirst dabei aber zu wenig konkret. Könnte man das nicht in einem Absatz tun? Ich habe mich beim lesen kurzzeitig ausgeklinkt, bis die Sprache auf das Ziel der Mission kam. Damit hast du mich – zum Glück – kurz vor Schluss wieder eingefangen, aber ich hätte mir zum Weiterlesen etwas mehr Spannung erhofft. Vielleicht bereits die Andeutung auf einen Konflikt ... :mrgreen:

Lem erscheint mir interessant. Vielleicht aufgrund seines Namens oder Alters, obwohl man nicht viel über ihn erfährt. Das Buch scheint auch eine Rolle zu spielen. Und die Beziehung zu seiner Mutter. Das, was ihn nach der Landung erwartet, macht neugierig, ist aber auch der einzige Lichtblick, den du mir gewährst.

Dafür, dass er erst neunzehn ist, erscheint mir sein Erzählstil recht geschwollen. Natürlich kenne ich ihn noch nicht und vielleicht ist genau das ein Punkt, der ihn charakterisiert. Es ist mir nur aufgefallen.

Rechtschreibung

Rechtschreibefehler habe ich, soweit sie mir aufgefallen sind, angemerkt. So auch Kommafehler oder falsch eingesetzte Zeiten, was aber nicht so häufig vorkam. Gegen Rechtschreibefehler hilft eine kurze Korrektur in Word, wenn du in deinem Schreibprogramm keine hast, und bezüglich der Kommata solltest du dir die Regeln bewusst machen, denn die Szene liest sich in dieser Hinsicht recht holprig. Ein Umstand, der leicht geändert werden kann, wenn man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt.

Zitate, Beispiele und Vorschläge

Räubertochter hat geschrieben:Müde versuchte er das leise Fiepen zu ignorieren, dass sich wieder einmal an den Rand seiner Schlaflosigkeit kämpfte. Nach all den Jahren verfolgte es ihn noch immer. Es krallte sich in sein Trommelfell und verursachte diese leisen Kopfschmerzen hinter seinem linken Ohr.


Fiepen lässt mich an einen Tierlaut denken, eine Maus oder ein anderes eher kleines Geschöpf.

… ignorieren, das sich … (das das bezieht sich hier auf das Fiepen, also nur ein s)

an den Rand seiner Schlaflosigkeit
Hier würde ich eher schreiben: in seine Schlaflosigkeit oder: an den Rand seines Bewusstseins

diese leisen Kopfschmerzen
hier besser: dieser Kopfschmerz; leise erscheint mir hier unsinnig. Wie kann ein Kopfschmerz leise sein?

Räubertochter hat geschrieben:Er hatte fast sein ganzes Leben in diesem Raum geschlafen, fast 19 Jahre lang. Manchmal fragte er sich, ob ihn dieses Geräusch auch schon als kleinen Jungen gequält hatte, in einer Zeit vor seiner Erinnerung. Meistens war er überzeugt, dass es so sein musste.
Die anderen behaupteten, dass da nichts wäre, dass da nichts sein könne oder zumindest, dass sie es längst nicht mehr hören konnten. Für ihn war es immer da, das Geplapper einer Technik, die er nicht verstand. Er war nicht einmal in der Lage, herauszufinden, woher genau der Ton kam. Sobald er sich darauf konzentrierte, schien er von überall zu kommen, brach über ihn herein, bis sein Kopf vom Wiederhall dieses leisen Fiepens dröhnte. Sein Vater sah das als eindeutiges Zeichen dafür, dass es sich um Einbildung handelte.


Hier habe ich spaßeshalber mal das Wörtchen dass markiert. Ganze fünfmal in diesem kurzem Absatz.

19: Zahlen würde ich grundsätzlich ausschreiben

Warum war er nur meistens überzeugt?

Technik und Geplapper passt nicht zusammen. Vielleicht ein Summen oder ein leises Rattern, aber Geplapper ist etwas Unstetes, allzu Menschliches (Kinder plappern), das mit Technik wenig zu tun hat.

Räubertochter hat geschrieben:Lem hielt sich erschöpft die Ohren zu. Egal wo er schlief, das Geräusch war immer da. In guten Nächten konnte er einschlafen, wenn er sich vorstellte, dass es der ruhige, unermüdliche Herzschlag des Schiffes war, dass ihn durch den stillen Raum trug. In schlechten Nächten kämpfte er erfolglos gegen diese laute Stille, bis ihm übel wurde und die Kopfschmerzen so schlimm wurden, dass er aufstand (Komma) um einen der wertvollen Schmerzlinderer zu nehmen, die ihm Dok Aulus gegeben hatte.


Warum kommst du erst jetzt mit seinem Namen um die Ecke? So kannst du dir den ersten Absatz eigentlich auch sparen, denn es bleibt beim Leser nicht wirklich etwas hängen, zumal du dich inhaltlich nicht weiterbewegst.

… Herzschlag des Schiffes war, das ihn durch den …

Wortwiederholung wurde

Räubertochter hat geschrieben:Viele auf dem Schiff sprachen von Raumkälte, die sie Nachts in den temperierten Schlafräumen wach hielt. Eine Art äußere Kälte, die von innen kam, hervor gegaukelt durch das Bewusstsein des unendlichen Raumes (Komma) der ihre Heimat umgab. Andere litten unter der Raumstille, dem Gefühl, dass die Vakuumstille des Weltraumes bis in die sorgsam schallgedämmten Kabinen hineinreichte. Lem war der Einzige, der andauernd irgend etwas hörte. Er hätte gerne darauf verzichtet. Überall war Information, die sich ihm geräuschvoll mitteilte, sich gegenseitig übertönte und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schien.


nachts klein

Wortwiederholung: Kälte

Irgendetwas zusammen

Überall waren Informationen, die sich ihm geräuschvoll mitteilten, sich gegenseitig zu übertönen und um seine Aufmerksamkeit zu buhlen schienen.

Da würde ich den Plural verwenden, rein intuitiv, aber verstehen tue ich den Satz nicht. Bildet er sich dieses Geräusch ein oder hat er eine spezielle Fähigkeit? Wenn dem so ist, würde ich es etwas deutlicher machen, denn es würde den Leser (mich) neugierig machen.

Räubertochter hat geschrieben:Der Gedanke an einen kalten, stillen Weltraum voll unentdeckten Wissens (Komma) dass alles andere tat, als sich ihm aufzudrängen, beruhigte Lem. Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können.


voll von unentdecktem Wissen, das (bezieht sich auf Wissen) alles andere tat, als ...

Würde ich in den Dativ stellen ( voll von wem (personifiziert) - voll von Wissen), rein intuitiv (kann auch falsch sein :wink: ) Aber Wissen, das sich nicht aufdrängt. Interessant.


Er konnte die Menschen nicht verstehen, die, obwohl auf einem Raumschiff geboren, behaupteten sich nicht an die Nähe des Raumes gewöhnen zu können.


Sehr umständliche Satzkonstruktion.



Räubertochter hat geschrieben:Was gab es denn zu gewöhnen, wenn da nie etwas anderes war? Andererseits traf das ja auch auf sein Geräuschmartyrium zu.


Erscheint mir unlogisch. Gewöhnt man sich nicht gerade an Dinge, die ständig da sind, sich regelmäßig wiederholen?

Räubertochter hat geschrieben:Stöhnend entschied er aufzustehen (Komma) ohne nach der Uhrzeit zu sehen. Vermutlich war es zwei oder drei Uhr Nachts. Er wunderte sich immer wieder, wie fest alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit hielten, die hier doch nur künstlich durch die Beleuchtung der Gänge und Gemeinschaftsräume erzeugt wurde. Tag und Nacht brachten einen seltsam vertrauten Rhythmus in ihr Leben. Dok Aulus meinte, ein grundlegendes Gefühl von Zeit als Abwechslung von Schlaf und Wachen sei genetisch verankert. Im Prinzip meinte Dok Aulus immer, etwas sei genetisch verankert, wenn er es eigentlich nicht erklären konnte.


Er wunderte sich immer wieder, wie fest alle Bewohner der Wiara an dieser Erdenzeit hielten, die …

An etwas festhalten. Klar, wie du das meinst, aber so auseinandergerissen wirkt es extrem holprig. Würde ich anders formulieren.

Das Wörtchen doch würde ich streichen.

Von Schlaf und Wachsein

Eigentlich
ebenfalls streichen. Befreie deinen Text von unnötigem Ballast und fange mit den Füllwörtern an :mrgreen:

Räubertochter hat geschrieben:Nachdem er das Licht angenehm langsam heraufgedimmt hatte (Komma) griff Lem unter sein Bett und zog ein recht altes Buch hervor. Niemand wusste, dass es dort lag. Zugegeben, seine Mutter hatte es damals, kurz nachdem er es aus der Bibliothek entwendet hatte, sofort gefunden. Sie hatte es ihm gelassen (Komma) ohne eine große Predigt über das Stehlen zu halten. Manchmal erstaunte ihn, wie gut sie ihn verstand (Komma) wenn er am wenigsten damit rechnete. Er strich langsam, fast liebevoll über den dicken Einband mit dem eingeprägten Titel.
"Herodotus - Historien". Dieses Buch war viel älter, als er sich damals als 13jähriger vorstellen konnte. Er hatte es verschlungen (Komma) obwohl er das Meiste nicht ansatzweise verstand verstanden hatte. Seither hatte er es wieder und wieder gelesen, ein Buch, dass laut der Listung der Bibliothek nie jemand vor ihm hervorgeholt hatte. Jedes Mal (Komma) wenn er es hervorholte (Komma) verstummte plötzlich die Geräuschkulisse um ihn und er konnte einfach nur lesen. Es war sein Lebensretter und sein Ziel. Nicht mehr lange.


recht = Füllwort = streichen

Ohne eine große Predigt? Meinst du: Ohne groß zu predigen? Ansonsten würde ich das groß ebenfalls streichen

... wenn er am wenigsten damit rechnete Diesen Satzteil kannst du auch weglassen. Versteht sich auch so und wirkt ohne flüssiger.

viel = Füllwort = weg :mrgreen:

... als er sich damals als 13jähriger vorstellen konnte Erscheint mir zeitlich kritisch und auch extrem holprig formuliert. Ist es wichtig, dass er dreizehn war, als er das Buch gestohlen hat?

Wie kann eine Geräuschkulisse verstummen? Er nimmt sie vielmehr nicht mehr wahr, oder? So würde ich das dann auch formulieren.

Es war sein Lebensretter und sein Ziel. Wer? Das Buch? Wieso Ziel? Lebensretter in Hinblick auf den Summton, den er beim Lesen nicht mehr hört. Erscheint mir etwas hoch gegriffen, wenn nicht mehr dahintersteckr. Wenn doch, dann bitte mehr Hinweise. Mach mich neugierig! :girl:

Räubertochter hat geschrieben:Wenn alles so (funktioniert hatte) funktionierte, wie (es) geplant (worden war), wäre der nächste Sprung der Flotte ihr letzter. Noch ein letztes Aufbäumen purer Energie, dass die Schiffe auf ihrer Flugbahn vorankatapultierte (Komma) und ihr Ziel sollte ihnen vor Augen stehen. Und dann konnte er endlich das tun, das werden (Komma) zu was er sich berufen fühlte. Endlich eine eigene Historie protokollieren, die sich von dem alltäglichen, systematisierten Leben auf der Wiara unterschied. Die Historie eines neuen Volkes auf einem sagenhaften Planeten, ihrer Heimat Eridlan. 200 Jahre waren er und seine Vorfahren Reisende gewesen, Heimatlose, mit diesem einzigen Ziel. Ein Kribbeln löste endlich seinen Kopfschmerz, während er das Buch sorgsam aufklappte und zu lesen begann.


Im ersten Satz sind die Zeiten falsch. Der Sprung liegt noch in der Zukunft, nicht in der abgeschlossenen Vergangenheit. Schönes Spiel mit dem Konjunktiv.

Voran katapultieren auseinander.

Fazit

Mir gefällt die Aussicht auf Eridlan. Aber ehrlich: Wenn ich nicht schon ein wenig über den Hintergrund wüsste, würde ich wahrscheinlich nicht weiterlesen. Dazu zerrst du zu wenig an mir. Ich hätte Angst, dass es so weiter vor sich hindümpelt und das wäre wirklich schade. :wink:

Und ich würde gerne etwas mehr über Lem erfahren. Du machst schöne Andeutungen. Feile noch etwas daran, sprich an den richtigen Stellen meine Gefühle an. Bringe mich gerade soweit auf den Weg, damit ich ihn verstehe. So bleibt er für mich ein Schatten. Fülle ihn mehr mit Leben. Dazu musst du nicht ausufernder werden, sondern mehr auf den Punkt kommen. Streiche die ersten Absätze zusammen und präzisiere an anderen Stellen. Deute einen Konflikt an.

Warum ist das Buch wichtig. Gib einen Hinweis, der es interessant macht.

Was hat Lem, was andere nicht haben? Was bedeutet dieses Fiepen?

Weißt du, was ich meine?

Ich hoffe, dass dir dieser Kommentar hilft und wünsche dir für dein Projekt viel Erfolg. :D

Liebe Grüße
Veniya
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