[KG Tragik] Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Tragödien, Tragisches

[KG Tragik] Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Joleen » 07.09.2011, 18:06

Teil 1. Teil 2 und 3 werden sofort kommen. Ich möchte einfach schauen, was eure Reaktionen zu dieser Geschichte sind. Allfällige Erklärungen zu einem Begriff werden mit der Zeit sicher aufgeklärt werden :D. Viel Spass beim Lesen. Lg Joleen

----------------------------------
Der Bus kam. Ein Mann stieg aus und blieb auf dem Trottoir stehen. Die Leute die hinter ihm ungeduldig warteten, ignorierte er. Irgendwann, als der Busfahrer ihm auf die Schulter tippte, merkte der Mann, dass er alle Passanten blockierte und so machte er lächelnd Platz. Er sah sich um.
Die Busstation war noch dieselbe, wie vor fünfzehn Jahren. Nur ein wenig grösser war sie geworden. Der Mann setzte sich auf eine alte Bank und wartete anscheinend auf einen Anschlussbus. Aber als schon mehrere Busse gekommen und gegangen waren, sass der Mann immer noch dort.
„Hallo“, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich. Er drehte den Kopf und sah ein Mädchen. Die blauen Augen leuchteten hell und voller Lebensfreude. Es war etwa sieben Jahre alt und hatte blonde Zöpfchen.
„Hallo“, wiederholte es. „Wie heisst du?“
Der Mann blickte dem Mädchen in die Augen.
„Marc André Philippe Monico“, brummte er. Das Mädchen lachte vergnügt. Der Mann sagte nichts. Er lachte auch nicht. Er blickte in die Ferne. Schweifte mit seinen Gedanken durch unbekannte und dennoch bekannte Wälder.
„Und welchen Namen von denen magst du am liebsten?“, fragte das Mädchen weiter.
„Keinen“, sagte der Mann.
Dieses Mal schwieg das Kind. Es blickte den Mann nachdenklich an. Doch dann lächelte es.
„Ich bin Hannah! Ich wohne mit meiner Mama zwei Strassen von hier entfernt. Und ich nenne dich Finn!“, meinte das Mädchen bestimmt.
„Finn?“ Er war noch nie so genannt worden. Er war immer der Spinner. Der, der nichts konnte. Ein Kind, das nicht bei den Eltern wohnte.
Aber der Name gefiel ihm. Vielleicht auch, weil ihm das Kind Eindruck machte. Er hätte sich als Kind niemals so etwas getraut. Daran war seine Kindheit schuld. Das dunkle Kapitel seines Lebens.
„Warum sitzt du hier so lange?“, fragte Hannah.
„Ich warte auf mein Schicksal“ Wie immer, fügte er in Gedanken hinzu. Er blickte wieder auf den gelben Bus, der anhielt. Der Busfahrer lächelte ihm zu. Er hatte dasselbe Lächeln wie Max Huber. Sein Pflegevater. Finn drehte den Kopf weg. Ihm war schlecht. Dieses Lächeln erinnerte ihn an einen Stall.
Dunkelheit umgab ihn. Er konnte ihn hören. Seinen Pflegevater. Er hantierte mit einem Stück Leder. Er war ein Gurt. An dessen Ende die Schnalle war. Ein hartes Eisen. Sehr hart. Er hatte keine Angst. Es war Alltag.
Die Scheune. Der Geruch nach Blut, Schweiss und Stroh. Das Gefühl, nicht zu sein. Gehasst zu werden. Luft zu sein. Aber er war nicht Luft. Er war die schwüle Hitze, die kam und ging. Und dann, wenn es zu heiss war, wurde er geschlagen. Mit dem Gürtel. Jeden Tag.
Es war Alltag.

„Finn?“
Die blauen Augen schauten in die seinen. Er zwang sich zu einem Lächeln.
„Finn? Kann ich auch auf das Schicksal warten?“, fragte das Mädchen. Hannah machte einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Finn nickte gezwungen. So einem kleinen Mädchen konnte man nicht erzählen, was er in Wirklichkeit tat.
Sie sassen da. Schweigend nebeneinander. Hannah war nicht mehr ängstlich. Jetzt war ja jemand bei ihr, der ebenfalls auf das Schicksal wartete. Das Mädchen pfiff fröhlich vor sich hin und schaukelte mit den Füssen.
„Wo ist deine Mutter, Hannah?“, fragte Finn irgendwann.
Hannah zuckte mit den Schultern. Dann zeigte sie mit der Hand um sich.
„Arbeiten. Irgendwo eben.“
Finn sagte nichts mehr. Dafür blickte Hannah ihn interessiert an.
„Wo ist denn deine Mama?“
Finn sagte nichts. Sollte er dem kleinen Mädchen sagen, dass sie an Krebs gestorben ist? Hannah würde das nicht verstehen.
„Sie ist tot“, brummte er. „Und nun lebt sie in der Hölle!“
Hannah wich erschrocken zurück. Sie schüttelte energisch den Kopf. Doch im Moment sagte sie nichts. Sie sahen zu, wie der Bus mit dem Max-Huber-lächelnden Busfahrer verschwand. Dann traute sich Hannah wieder zu sprechen.
„Wer tot ist kommt in den Himmel. Nicht in die Hölle“, meinte sie leise.
„Nicht alle“, brummte Finn. Max Huber nicht. Wenn der in den Himmel kommt, werde ich ein Hühnchen mit Gott zu rupfen haben.
„Warum denkst du, dass nicht alle in den Himmel kommen?“, fragte Hannah.
Finn zuckte mit den Schultern. Die Behörde dürfte nicht in den Himmel kommen. Die Pflegeeltern. Der Typ vom Amt, die Pflegegeschwister.
„Leute eben.“
„Aber jeder hat es verdient in den Himmel zu kommen!“, widersprach Hannah. Finn sprang auf die Füsse und lief dem nahenden Bus entgegen.
„He Sie, gehört dieses Mädchen zu Ihnen?“, fragte der Busfahrer, als Finn bezahlt hatte. Finns Blick wanderte zu Hannah. Doch Hannah zückte ihr Abo. Der Busfahrer lächelte und liess sie durch. Hannah sprang neben Finn auf den Sitz.
„Wer darf nicht in den Himmel? Petrus lässt doch alle durch, oder nicht?“
Hannah schien nachdenklich und ängstlich zu sein. Finn hätte am liebsten ‚Nein‘ gesagt. Aber diesem Blick konnte er nicht widerstehen.
„Natürlich kommen alle in den Himmel“, lächelte er. Sein Atem wurde kürzer und schneller. Er hatte einen Knoten unter dem Magen und der drückte ständig nach oben. Seine Augen waren feucht. An seine Brust hämmerte das Herz und wollte ihn dazu zwingen, diese Aussage wieder zurück zu nehmen.
Max Huber kann nicht in den Himmel kommen! Das muss sogar Petrus einsehen!
„Wohin gehst du?“, fragte Hannah.
Finn schaute auf den Fahrplan.
„Am nächsten Halt muss ich aussteigen“, murmelte er. Eher zu sich selbst.
„Ich komme mit!“, rief Hannah aus. Finn schüttelte nur den Kopf. Er hielt die Augen gesenkt. Was, wenn jemand im Bus sitzen würde, der ihn kannte? Er und dieses laute, kleine Mädchen.
„Warum darf ich nicht mit?“, fragte Hannah nach einer Weile. Sie fuhren über das Land. Es würde noch etwa fünf Minuten gehen, bis der nächste Halt kam.
„Ich muss was klären.“
Hannah zuckte mit den Schultern. Finn wusste, dass sie nicht verstand. Aber es war nur zu ihrem Besten. Wie konnte man das verstehen, wenn man nicht selbst ein ‚Ding‘ war.
„Was ist mit Ding?“, fragte Hannah plötzlich.
Finn fuhr aus den Gedanken. Innerlich fluchte er. Weshalb musste er auch immer in Gedanken sprechen. Er würde Hannah niemals etwas über seine Kindheit als Verdingkind erzählen. Sie würde nicht begreifen.
Nächster
Letzter
Zuletzt geändert von Joleen am 19.03.2014, 14:23, insgesamt 1-mal geändert.
Life is the most difficult exam. Many people fail, because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper.
Straight Roads do not make skillful drivers! Paulo Coelho

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Joleen
 
Beiträge: 6157
Registriert: 09.05.2011, 20:44
Wohnort: Mostindien ^.^
Blog: Blog ansehen (31)

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Aranka » 08.09.2011, 00:54

Hallo Joleen,

Ich habe deine Geschichte, das heißt den ersten Teil heute Nachmittag entdeckt und bin von deiner Geschichte sehr angetan.
Machst mich neugierig wie sie weiter geht. Sie lässt sich gut lesen, du nimmst den Leser gut mit, baust Spannung auf, lässt Dinge im Dunkeln, ohne Verwirrung zu schaffen. Deine Sprache und dein Stil gefallen mir wie schon bei der ersten Geschichte.

Kommentiere jetzt mal der Reihe nach, wobei ich Dinge, von denen ich denke, dass sie sich in den nächsten Teilen noch klären einfach stehen lasse. Lese die Geschichte bestimmt zu Ende.

Joleen hat geschrieben: Der Bus kam. Ein Mann stieg aus und blieb auf dem Trottoir stehen. (Die Leute die hinter ihm ungeduldig warteten, ignorierte er. Irgendwann, als der Busfahrer ihm auf die Schulter tippte, merkte der Mann, dass er alle Passanten blockierte und so machte er lächelnd Platz.) Er sah sich um.
Du willst dem Leser vermitteln, dass der Mann in Gedanken ist und lässt es den Leser an der Art des Aussteigens miterleben. Die Idee ist gut, so zeigst du es, statt es zu nennen. Allerdings stimmt da für mich was nicht so ganz und da es nur eine Eingangsszene ist, könnte sie auch knapper sein. Ich denke, dass die Leute, die ungeduldig hinter ihm stehen sich bemerkbar machen, drängeln, ihn selbst ansprechen und keinen Busfahrer brauchen. Und dieses „lächelnd“, ich weiß nicht? Vielleicht verwirrt. Ich würde die eingeklammerte Stelle neu formulieren und lass es geschehen. Lass die Leute ihn auf die Schulter tippen, oder drängeln.
Dann würde ich den neuen Abschnitt mit dem Satz beginnen: Er schaute sich auf der Busstation um. Sie war noch dieselbe …..


Die Busstation war noch dieselbe, wie vor fünfzehn Jahren. Nur ein wenig grösser (größer) war sie geworden. Der Mann setzte sich auf eine (alte) ist es wichtig, dass sie alt ist? Bank und (wartete anscheinend auf einen Anschlussbus. Aber als schon mehrere Busse gekommen und gegangen waren, sass der Mann immer noch dort.) Hier ist der Erzähler mit seinen Gedanken störend. Als Leser sitzt man gerade mit dem Mann auf der Bank und da erzählt einer, was man so denken soll. Vorschlag: Der Mann setzte sich auf eine Bank. Ein Bus kam und fuhr wieder ab und der nächste auch. Der Mann saß immer noch dort.

„Hallo“, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich. Er drehte den Kopf und sah ein Mädchen. Die blauen Augen leuchteten (hell und) voller Lebensfreude. Es war etwa sieben Jahre alt und hatte blonde Zöpfchen.
„Hallo“, wiederholte es. „Wie heisst du?“
Der Mann blickte dem Mädchen in die Augen.
„Marc André Philippe Monico“, brummte er. Das Mädchen lachte vergnügt. Der Mann sagte nichts. Er lachte auch nicht. Er blickte in die Ferne. Schweifte mit seinen Gedanken durch unbekannte und dennoch bekannte Wälder.


Leuchten ist immer hell. Jetzt bist du drin und hast deinen Stil gefunden. Die Unterhaltung ist lebendig und man hat die beiden als Leser gut im Blick.

Joleen hat geschrieben: „Und welchen Namen von denen magst du am liebsten?“, fragte das Mädchen weiter.
„Keinen“, sagte der Mann.
Dieses Mal schwieg das Kind. Es blickte den Mann nachdenklich an. Doch dann lächelte es.
„Ich bin Hannah! Ich wohne mit meiner Mama zwei Strassen von hier entfernt. Und ich nenne dich Finn!“, meinte das Mädchen bestimmt.
„Finn?“ Er war noch nie so genannt worden. Er war immer der Spinner. Der, der nichts konnte. Ein Kind, das nicht bei den Eltern wohnte.
Aber der Name gefiel ihm. Vielleicht auch, weil ihm das Kind Eindruck machte. Er hätte sich als Kind niemals so etwas getraut. Daran war seine Kindheit schuld.( Das dunkle Kapitel seines Lebens.)


Das ist eine geniale Idee mit dem Namen. Hast dich gut in eine 7 jährige reingedacht. Klasse. Das dunkle Kapitel seines Lebens ließ ich weg. Das vermittelst du in der Geschichte auf viel bessere Weise ein wenig später. Außerdem ist das so eine Floskel.

Auch die Schilderung der Gedanken an die Misshandlungen durch den Pflegevater ist gut und eindruckvoll und auch der Auslöser in dem Lächeln des Busfahrers. Hast wirklich gute Ideen und machst das stilistisch geschickt. Die beiden Personen werden immer greifbarer.

Joleen hat geschrieben: Die Scheune. Der Geruch nach Blut, Schweiss (Schweiß) und Stroh. Das Gefühl, nicht (zu sein). Gehasst zu werden.Luft zu sein. Aber er war nicht Luft. Er war die schwüle Hitze, die kam und ging. Und dann, wenn es zu heiss (heiß) war, wurde er geschlagen. Mit dem Gürtel. Jeden Tag.
Es war Alltag.
„Finn?“
Die blauen Augen schauten in die seinen. Er zwang sich zu einem Lächeln.
„Finn? Kann ich auch auf das Schicksal warten?“, fragte das Mädchen. Hannah (machte) einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Finn nickte gezwungen. So einem kleinen Mädchen konnte (man) nicht erzählen, was er in Wirklichkeit tat.
Sie sassen (saßen) da. Schweigend nebeneinander. Hannah war nicht mehr ängstlich.


Auch diese ganze Passage ist eindrucksvoll geschrieben. Es sind nur Kleinigkeiten: Das Gefühl, nicht „zu existieren“. „Die schwüle Hitze“ ist ein wenig kryptisch. Wenn das wichtig ist für den Fortgang der Geschichte ist es in Ordnung. Werde ich ja dann noch lesen. „man“ würde ich durch „er“ ersetzen. „machte“ einen Gesichtsausdruck ist nicht so prickelnd formuliert.

Auch die nun folgende Passage ist ein Genuss zu lesen. So feine Beobachtungen wie das Baumeln der Füße und dies Gespräch über das in den Himmel kommen. Deine Ideen sind wirklich gut und Hannah reagiert wirklich wie eine 7 jährige. Auch die Wortwahl triffst du gut.

Joleen hat geschrieben:
„Aber jeder (hat es verdient) in den Himmel zu kommen!“, widersprach Hannah. Finn sprang auf die Füsse (Füße) und lief dem nahenden Bus entgegen.
„He Sie, gehört dieses Mädchen zu Ihnen?“, fragte der Busfahrer, als Finn bezahlt hatte. Finns Blick wanderte zu Hannah. Doch Hannah zückte ihr Abo. Der Busfahrer lächelte und liess (ließ) sie durch. Hannah sprang neben Finn auf den Sitz.


Hier gebe ich nur die Formulierung „hat es verdient“ zu bedenken. Das glaube ich ist eher die Ausdrucksweise von Erwachsenen. Ein Kind würde vielleicht sagen: Jeder soll (oder muss) in den Himmel kommen.

Joleen hat geschrieben: „Warum darf ich nicht mit?“, fragte Hannah nach einer Weile. Sie fuhren über das Land. Es würde noch etwa fünf Minuten (gehen), bis der nächste Halt kam.


„gehen“ nur Ausdruck: vielleicht „dauern“

Fazit: Eine spannende gut aufgebaute und gut erzählte Geschichte, die auf mehr warten lässt. Gute Beobachtungen lebendige Protagonisten und der Inhalt schürt Erwartungen. Lediglich der Anfang holpert ein wenig.

Vielleicht konnte mein Kommentar ein wenig helfen. Werde weiter lesen Gruß Aranka
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" Peter Handke
Benutzeravatar
Aranka
 
Beiträge: 943
Registriert: 10.12.2010, 17:13
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Sternenmaus » 10.10.2011, 17:13

Hallo!

Also erst mal, deine Geschichte ist einfach WUNDERSCHÖN!
Die anderen Teile habe ich noch nicht gelesen, werde ich aber noch nachholen :)

Joleen hat geschrieben:Der Bus kam. Ein Mann stieg aus und blieb auf dem Trottoir stehen. Die Leute die hinter ihm ungeduldig warteten, ignorierte er. Irgendwann, als der Busfahrer ihm auf die Schulter tippte, merkte der Mann, dass er alle Passanten blockierte und so machte er lächelnd Platz.

Hier finde ich es unpassend, dass der Busfahrer ihn antippt, da der doch schön auf seinem Platz sitzt. Auch das Lächeln des Mannes passt nicht ganz zu seiner später mürrischeren Art.
Ansonsten finde ich diesen Satz sehr schön, ein hübscher Anfang!

Joleen hat geschrieben:Schweifte mit seinen Gedanken durch unbekannte und dennoch bekannte Wälder.

Hier verstehe ich nicht ganz, warum Wälder. Wegen dem Geheimnsivollen? Klingt gut, ist aber für mich schwer vorstellbar wie er an Wälder denkt.

Joleen hat geschrieben:Die blauen Augen schauten in die seinen. Er zwang sich zu einem Lächeln.
„Finn? Kann ich auch auf das Schicksal warten?“, fragte das Mädchen. Hannah machte einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Finn nickte gezwungen. So einem kleinen Mädchen konnte man nicht erzählen, was er in Wirklichkeit tat.

Eine sehr schöne Stelle! Hier kann man das kleine ängstliche Mädchen gut verstehen und ich würde es am liebsten trösten und in den Arm nehmen. :mrgreen:

Joleen hat geschrieben: Finn schüttelte nur den Kopf. Er hielt die Augen gesenkt. Was, wenn jemand im Bus sitzen würde, der ihn kannte? Er und dieses laute, kleine Mädchen.

Ich finde es sehr schön, dass du hier nicht schreibst "er schämte sich" oder sowas, sondern, dass du ihn lieber weggucken lässt, damit ihn niemand erkennt. Sehr hübsch!

Joleen hat geschrieben:Weshalb musste er auch immer in Gedanken sprechen.

Ich glaube, du meintest, laut denken, andersherum macht es weniger Sinn.


Joleen hat geschrieben: Ich möchte einfach schauen, was eure Reaktionen zu dieser Geschichte sind.

Ich fand besonders das kleine Mädchen sehr überzeugend und finde deine Geschichte sowohl berührend, als auch, naja "süß", eben wegen diesen kleinen Unterhaltungen zwischen den beiden. Die waren echt genial!

Alles in allem bin ich echt begeistert!

Und hier zum Schluss nochmal meine Lieblingsstellen:

Joleen hat geschrieben:Sie sassen da. Schweigend nebeneinander. Hannah war nicht mehr ängstlich. Jetzt war ja jemand bei ihr, der ebenfalls auf das Schicksal wartete. Das Mädchen pfiff fröhlich vor sich hin und schaukelte mit den Füssen.


Joleen hat geschrieben:„Aber jeder hat es verdient in den Himmel zu kommen!“, widersprach Hannah.


Joleen hat geschrieben:„Ich bin Hannah! Ich wohne mit meiner Mama zwei Strassen von hier entfernt. Und ich nenne dich Finn!“, meinte das Mädchen bestimmt.


Liebe Grüße
Sternenmaus
Happiness can be found, even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.
Benutzeravatar
Sternenmaus
 
Beiträge: 1171
Registriert: 22.06.2011, 19:33
Wohnort: Wunderland
Blog: Blog ansehen (1)

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Joleen » 10.10.2011, 20:10

Hallo ihr beiden,

Aranka hat geschrieben:Ich habe deine Geschichte, das heißt den ersten Teil heute Nachmittag entdeckt und bin von deiner Geschichte sehr angetan.
Machst mich neugierig wie sie weiter geht. Sie lässt sich gut lesen, du nimmst den Leser gut mit, baust Spannung auf, lässt Dinge im Dunkeln, ohne Verwirrung zu schaffen. Deine Sprache und dein Stil gefallen mir wie schon bei der ersten Geschichte.

Kommentiere jetzt mal der Reihe nach, wobei ich Dinge, von denen ich denke, dass sie sich in den nächsten Teilen noch klären einfach stehen lasse. Lese die Geschichte bestimmt zu Ende.

vielen Dank, Aranka. Ich wollte in dieser Geschichte auch etwas sanfter an ein Thema heran gehen, das nicht so erfreulich ist. Ich denke, es ist mir auch ein bisschen gelungen.

Aranka hat geschrieben:Du willst dem Leser vermitteln, dass der Mann in Gedanken ist und lässt es den Leser an der Art des Aussteigens miterleben. Die Idee ist gut, so zeigst du es, statt es zu nennen. Allerdings stimmt da für mich was nicht so ganz und da es nur eine Eingangsszene ist, könnte sie auch knapper sein. Ich denke, dass die Leute, die ungeduldig hinter ihm stehen sich bemerkbar machen, drängeln, ihn selbst ansprechen und keinen Busfahrer brauchen. Und dieses „lächelnd“, ich weiß nicht? Vielleicht verwirrt. Ich würde die eingeklammerte Stelle neu formulieren und lass es geschehen. Lass die Leute ihn auf die Schulter tippen, oder drängeln.
Dann würde ich den neuen Abschnitt mit dem Satz beginnen: Er schaute sich auf der Busstation um. Sie war noch dieselbe …..

Okay, mal sehen, was sich da machen lässt. Danke für das Aufmerksam machen.

Aranka hat geschrieben:Hier ist der Erzähler mit seinen Gedanken störend. Als Leser sitzt man gerade mit dem Mann auf der Bank und da erzählt einer, was man so denken soll. Vorschlag: Der Mann setzte sich auf eine Bank. Ein Bus kam und fuhr wieder ab und der nächste auch. Der Mann saß immer noch dort.

Ich habe es so ähnlich formuliert, bei der Überarbeitung. Nur hier ist es nicht mitgekommen :roll:.

Aranka hat geschrieben:Leuchten ist immer hell. Jetzt bist du drin und hast deinen Stil gefunden. Die Unterhaltung ist lebendig und man hat die beiden als Leser gut im Blick.

Okay, ich schreibe immer "leuchtende Augen" :roll:.

Aranka hat geschrieben:Das ist eine geniale Idee mit dem Namen. Hast dich gut in eine 7 jährige reingedacht. Klasse. Das dunkle Kapitel seines Lebens ließ ich weg. Das vermittelst du in der Geschichte auf viel bessere Weise ein wenig später. Außerdem ist das so eine Floskel.

Auch die Schilderung der Gedanken an die Misshandlungen durch den Pflegevater ist gut und eindruckvoll und auch der Auslöser in dem Lächeln des Busfahrers. Hast wirklich gute Ideen und machst das stilistisch geschickt. Die beiden Personen werden immer greifbarer.

:oops:, ich werd ja direkt rot...

Aranka hat geschrieben:Auch diese ganze Passage ist eindrucksvoll geschrieben. Es sind nur Kleinigkeiten: Das Gefühl, nicht „zu existieren“. „Die schwüle Hitze“ ist ein wenig kryptisch. Wenn das wichtig ist für den Fortgang der Geschichte ist es in Ordnung. Werde ich ja dann noch lesen. „man“ würde ich durch „er“ ersetzen. „machte“ einen Gesichtsausdruck ist nicht so prickelnd formuliert.

Auch die nun folgende Passage ist ein Genuss zu lesen. So feine Beobachtungen wie das Baumeln der Füße und dies Gespräch über das in den Himmel kommen. Deine Ideen sind wirklich gut und Hannah reagiert wirklich wie eine 7 jährige. Auch die Wortwahl triffst du gut.

Mensch, ich werde ja immer röter (oder Roter....?) ... :oops:

Aranka hat geschrieben:Hier gebe ich nur die Formulierung „hat es verdient“ zu bedenken. Das glaube ich ist eher die Ausdrucksweise von Erwachsenen. Ein Kind würde vielleicht sagen: Jeder soll (oder muss) in den Himmel kommen.

:roll:, ja natürlich. Danke, dass du mich darauf hinweist :D.

Aranka hat geschrieben:Fazit: Eine spannende gut aufgebaute und gut erzählte Geschichte, die auf mehr warten lässt. Gute Beobachtungen lebendige Protagonisten und der Inhalt schürt Erwartungen. Lediglich der Anfang holpert ein wenig.

Vielleicht konnte mein Kommentar ein wenig helfen. Werde weiter lesen Gruß Aranka

Jeder Kommi hilft :D. Und der Anfang wird noch überarbeitet :mrgreen:.

Sternenmaus hat geschrieben:Also erst mal, deine Geschichte ist einfach WUNDERSCHÖN!
Die anderen Teile habe ich noch nicht gelesen, werde ich aber noch nachholen :)

:oops: :oops:. Danke dir.

Sternenmaus hat geschrieben:Hier finde ich es unpassend, dass der Busfahrer ihn antippt, da der doch schön auf seinem Platz sitzt. Auch das Lächeln des Mannes passt nicht ganz zu seiner später mürrischeren Art.
Ansonsten finde ich diesen Satz sehr schön, ein hübscher Anfang!

Natürlich. Ich habe vor, die Leute etwas aungeduldiger zu machen. Aber nicht viel. Denn in diesem Dörflein hat man es nicht eilig. Dort ist das Motto Zeit ist Geld noch nciht angekommen.

Sternenmaus hat geschrieben:Hier verstehe ich nicht ganz, warum Wälder. Wegen dem Geheimnsivollen? Klingt gut, ist aber für mich schwer vorstellbar wie er an Wälder denkt.

Wälder sollte nur so ein Metapher sein. Gedankenwälder, wo sich bekannte Gedanken und unbeakannte Ansichten schlängeln.

Sternenmaus hat geschrieben:Eine sehr schöne Stelle! Hier kann man das kleine ängstliche Mädchen gut verstehen und ich würde es am liebsten trösten und in den Arm nehmen. :mrgreen:

Ebenfalls meine Lieblingsstelle. Auf das Schicksal warten... Ich liebe diese Vorstellung! :mrgreen:.

Sternenmaus hat geschrieben:Ich finde es sehr schön, dass du hier nicht schreibst "er schämte sich" oder sowas, sondern, dass du ihn lieber weggucken lässt, damit ihn niemand erkennt. Sehr hübsch!

Mir ist dieses er schämte sich gar nicht eingefallen. Sonst hätte ich es wahrscheinlich geschrieben :wink:.

Sternenmaus hat geschrieben:Ich glaube, du meintest, laut denken, andersherum macht es weniger Sinn.

Richtig, wo war ich nur mit meinen Gedanken :wink:.

Sternenmaus hat geschrieben:Ich fand besonders das kleine Mädchen sehr überzeugend und finde deine Geschichte sowohl berührend, als auch, naja "süß", eben wegen diesen kleinen Unterhaltungen zwischen den beiden. Die waren echt genial!

Alles in allem bin ich echt begeistert!

Danke sehr... :oops:.

Vielen Dank euch beiden für die Kommentare. Ich freue mich darüber.

Lg Jolly
Life is the most difficult exam. Many people fail, because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper.
Straight Roads do not make skillful drivers! Paulo Coelho

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Joleen
 
Beiträge: 6157
Registriert: 09.05.2011, 20:44
Wohnort: Mostindien ^.^
Blog: Blog ansehen (31)

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Joleen » 14.10.2011, 18:42

hallo Ami-chan,

Ami-Chan hat geschrieben:Hallo,
also:
ich hab jetzt alle 3 teile gelesen, und liebe diesen text :3
die story ist traurig und gefühlsreich, aber nicht übertrieben gehalten.
auch finde ich es toll das du hannah gut beschrieben hast ;3
aber schade find ich jetzt, das finn/marc nicht äuserlich beschrieben wurde...
hat er locken oder eine glatze?
hat er grüne oder blaue augen?
Sowas hast du vergessen...
sonst ist das schön erzählt

gruß
ami haki

Vielen Dank dafür. Und: du hast Recht. Vor lauter Handlung und überlegen, was Hannah sagts etc. habe ich das Aussehen von Finn vernachlässigt. Naja, soll sich jeder selbst was unter ihm vorstellen. Ich denke, das geht so auch, nicht?
Danke für deinen Kommentar :mrgreen:.

Lg Jolly
Life is the most difficult exam. Many people fail, because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper.
Straight Roads do not make skillful drivers! Paulo Coelho

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Joleen
 
Beiträge: 6157
Registriert: 09.05.2011, 20:44
Wohnort: Mostindien ^.^
Blog: Blog ansehen (31)

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon wayne » 26.01.2014, 15:48

Hey,

Ich glaub ich hab schon mehrmals ein paar Geschichten von dir kommentiert. Ich mag deinen Schreibstil und deine Themen, die du dir aussuchst. Schauen wir mal was mir so auffällt:

Die Leute die hinter ihm ungeduldig warteten, ignorierte er. Irgendwann, als der Busfahrer ihm auf die Schulter tippte, merkte der Mann, dass er alle Passanten blockierte und so machte er lächelnd Platz.


Wenn ich etwas ignoriere, dann merk ich es, aber will es nicht wahrhaben. Der markierte Teil widerspricht sich meiner Meinung nach.


Die Busstation war noch dieselbe, wie vor fünfzehn Jahren. Nur ein wenig grösser war sie geworden.


Die Busstation ist folglich nicht mehr dieselbe. schreib einfach fast dieselbe und ich mecker nicht mehr. :lol:

Der Mann setzte sich auf eine alte Bank und wartete anscheinend auf einen Anschlussbus.


Ich bin darüber gestoplert. Schreib es doch lieber so: Passanten, die ihn auf der alten Bank sitzen sahen, könnten denken, dass er auf einen Anschlussbus wartete. (...).


Aber als schon mehrere Busse gekommen und gegangen waren


Busse kommen und gehen nicht. Es sind die Menschen, die kommen und gehen. Busse halten und fahren weiter.

„Hallo“, wiederholte es. „Wie heisst du?“


Ein Mädchen von sieben fragt meiner Meinung nach immer "Wer bist du?" Das Wie heißt du ist mir zu spezialisiert. Auf die Frage "Wer bist du" könnte der Mann viel mehr antworten und würde auch den Leser neugierig auf die Antwort machen.


Der Mann blickte dem Mädchen in die Augen.


Würde ich weglassen. Ich finds unwichtig ob er ihr in die Augen schaut oder nicht.

Er war ein Gurt.


Er? Meinse das Leder? Dann heißt es doch "Es"?

Er hatte keine Angst. Es war Alltag.


Nur weil etwas Alltag ist, heißt es nicht dass er keine Angst haben muss. Jeder Mensch hat Angst.

Das Gefühl, nicht zu sein.


nicht, oder nichts?


„Finn? Kann ich auch auf das Schicksal warten?“, fragte das Mädchen.



Wunderbare Stelle!
Doch stellt sich mir die Frage: Weiß ein Mädchen von Sieben oder so was das Schicksal ist? Oder ist es irrelevant dass das Kind das weiß?

Doch im Moment sagte sie nichts.


"Im Moment" würde ich weg lassen.

„Wer tot ist kommt in den Himmel. Nicht in die Hölle“, meinte sie leise.
„Nicht alle“, brummte Finn.


Eine passende Stelle in deiner Geschichte, aber sollte ich live hören, dass ein anderer Mensch einem Kind solche Träume wegnimmt, der kriegts mit mir zu tun :D.

Das erstmal dazu.
_____________________________

Inhaltlich:

Interessant. Man liest raus, dass es ein Mann ist, dass er viel erlebt hat, die Mutter verloren hat, an Krebs. Es ist ganz gut zum Lesen. Der Kontrast mit einem Mann, der ein hartes Leben hatte bzw vllt auch noch hat und ein kleines Mädchen, dass noch alles vor sich hat, finde ich gut.
Ich weiß nicht, ob ich auch den zweiten Teil lesen will, wenn ich ehrlich bin. Mir fehlt nämlich was. Mir fehlt mehr Information zu dem Mann, mehr Gefühle. Es ist von der Idee klasse. Aber es fehlt da einfach was. Wenn ich weiß, was es ist, sag ichs dir.

Die anderen Kritiker sind begeistert von deiner Geschichte. Man kann jedoch viel mehr daraus machen, weil die idee einfach toll ist.

Hm, wenn ich weiß, was ich meine meld ich mich. Ansonsten wenn du irgendwie Probleme mit meinen Korrekturvorschlägen hast, dann meld dich doch einfach bei mir.

Lg
Wayne
... denk dran, dass jeder Tag eine Möglichkeit ist, die Welt zu verändern.
wayne
 
Beiträge: 50
Registriert: 18.12.2012, 17:10

Re: Erzähl mir deine Vergangenheit (1/3)

Beitragvon Joleen » 26.01.2014, 16:34

Hi wayne,

danke für deinen Kommentar, auch wenn ich nicht mehr an dieser Geschichte arbeite, finde ich es trotzdem schön, dass sie immer noch gelesen (und auch noch kommentiert) wird :dasheye:

wayne hat geschrieben:Ich glaub ich hab schon mehrmals ein paar Geschichten von dir kommentiert. Ich mag deinen Schreibstil und deine Themen, die du dir aussuchst.

Danke dir! Das freut mich sehr!! :dasheye:

Lg Jolly
Life is the most difficult exam. Many people fail, because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper.
Straight Roads do not make skillful drivers! Paulo Coelho

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Joleen
 
Beiträge: 6157
Registriert: 09.05.2011, 20:44
Wohnort: Mostindien ^.^
Blog: Blog ansehen (31)


Zurück zu Trauriges

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast