[Lyrik | Liebe]Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Liebe, Hoffnung, Romanzen

[Lyrik | Liebe]Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Beitragvon truluc » 10.02.2015, 23:00

Hallo ihr Liebenden...

Dieses Gedicht widme ich meiner Tochter. Es ist wie sie, klein aber (sowas von) fein.
Durch das ehrliche Feedback von Justin inspiriert, habe ich es leicht verändert und eine zweite Version ergänzt.
Was sagt ihr?

Wenn etwas schön ist

Wenn etwas schön ist,
Dann Du.

Hab ich was du brauchst,
Greif zu.

Machst du dir Sorgen,
Find ich keine Ruh.

Deine Glück ist der Motor,
Für das was ich tu’.

Auch wenn du schon schläfst,
Flüster' ich dir noch zu,

Das ich dich liebe,
denn Du bist Du.

Wenn etwas schön ist (Version 2)

Würde mich jemand fragen,
„Was findest du schön?“
Öffnete ich meinen Mund
Und so blieb’ er stehen.
Ein Machtkampf der Bilder,
Würde in mir entfacht.
Ein jedes voll Anmut,
Voll Größe und Pracht.
Es wären da Dinge,
Die ich wohl begehr,
Der Regen, die Sonne,
Der Wind und das Meer.
Orte, von mir einst bereist
Und bestaunt in der Ferne.
Ich sähe Tiere und Pflanzen,
Den Wald und die Sterne.
Jedes Bild schrie mir zu,
„Mich findest du schön!“
Sie kämen und gingen,
Nur eins bliebe stehen.

Denn das was der Mund
Vorschnell als schön würd' bezeichnen,
Sortiert gleich das Herz aus,
Es muss dem Bild weichen,
das für mich der wahren Schönheit entspricht.
Es sehe es vor mir,
es ist dein Gesicht.
Zuletzt geändert von truluc am 12.02.2015, 22:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Etwas Schönes

Beitragvon Justin » 12.02.2015, 01:01

Ein hübsches Gedicht.

Da es sich hier um Kritik geht, bleibt dann dir wohl den Kritik nicht erspart...

Obwohl ich mir das Gedicht für ein Kind gut vorstellen kann, ist es für mein Geschmack nicht "blumig" genug in der Ausführung. Gedichte sollen Bilder im Kopf hervorrufen, Emotionen wecken. Mir bleibt die Sätze irgendwie zu flach und weniger tiefschöpfend.

Durch die Kürze der Sätze. schränkst du dich selber ein.

Wenn etwas schön ist,
Dann Du.

Mit längeren Sätzen, kannst du mehr Emotionen ausdrucken. Je kürzer der Sätze, desto besser muss man Dichten können - jedes Wort zählt und musst 1000 mal überlegt sein.

Es bleibt wohl unbestritten, dass Schönheit in den Augen des Betrachters liegen,
Dass ich Partei ergreife, wird mir verzeiht - oder zur Last aufwiegen.

So (als Beispiel) hättest du mehr Spielraum.

Formal gesehen, fehlt Komma und Punkt.

Bleibt nur noch zu sagen(,)
Ich liebe dich(.)
(I love u). - Das tut weh . Ich hätte was anders gefunden oder weg gelassen.
Zuletzt geändert von Justin am 13.02.2015, 12:48, insgesamt 1-mal geändert.
You can observe a lot just by watching.
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Re: Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Beitragvon truluc » 12.02.2015, 23:08

Hey Justin,

Ein hübsches Gedicht.

Dafür danke ich dir schon einmal. :) Und auch für die Zeit, die du für ein Kommentar zu meinem "Werk" investiert hast.

Obwohl ich mir das Gedicht für ein Kind gut vorstellen kann, ist es für mein Geschmack nicht "blumig" genug in der Ausführung. Gedichte sollen Bilder im Kopf hervorrufen, Emotionen wecken. Mir bleibt die Sätze irgendwie zu flach und weniger tiefschöpfend.

Durch die Kürze der Sätze. schränkst du dich selber ein.

Mit längeren Sätzen, kannst du mehr Emotionen ausdrucken. Je kürzer der Sätze, desto besser muss man Dichten können - jedes Wort zählt und musst 1000 mal überlegt sein.

Okay, vielleicht kann ich (noch) nicht so gut dichten, aber dieses Gedicht war einfach genau der Versuch, ohne blumig große Ausführungen, meine Emotionen in Bezug auf den Menschen zu beschreiben, den ich sehr lieb habe. Und das so knapp und klar wie möglich.

Bleibt nur noch zu sagen(,)
Ich liebe dich(.)
(I love u). - Das tut weh . Ich hätte was anders gefunden oder weg gelassen.

Danke für die Satzzeichen - alte Schwäche :wink:
Ja, du hast Recht, das war ein etwas blödes Ende. Ich dachte damit besonders clever zu sein... :oops:

Danke Justin

Lieben Gruß!

truluc
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Re: Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Beitragvon Fina_P » 10.03.2015, 14:40

Hallo truluc,

auch ich möchte einen Kommentar zu deinem Gedicht verfassen. Gerade bei Gedichten gehen die Meinungen auseinander und deshalb möchte ich betonen, dass er meine subjektive Meinung spiegelt.

Titel
"Etwas Schönes"- Der Titel spricht mich an, er ist schlicht und dennoch liebevoll, er bemüht sich nicht, außerordentlich kitschig zu sein.

Die zwei Versionen
Mich spricht, ehrlich gesagt, die erste Version mehr als die zweite an. Warum das so ist, klärt sich vielleicht im weiteren Verlauf, wobei ich mehr auf die erste Version eingehen möchte.

Die erste Version
Was mir auffällt, ist, dass der Titel anders ist. "Wenn etwas schön ist", drückt durch das "wenn" bereits einen Charakterzug des Gedichts aus: die vielen Bedingungen, wenn-dann-Entwürfe. Insofern sagen mir beide Titel zu, wobei "Etwas Schönes" noch schlichter ist und eher einen Allgemeinheitsanspruch hat, nach dem Motto, hier wird Schönheit beschrieben. "Wenn etwas schön ist" ist persönlicher und mehr auf das Ende hin ausgelegt, hat in diesem Sinne eine leicht andere Richtung, die aber auch nett ist.


Wenn etwas schön ist,
Dann Du.

Was mir hier auffällt, ist das "etwas", es ist sächlich und klingt mehr nach Objekt oder nach etwas Abstraktem. Wenn es einer Person gewidmet ist, vielleicht eher:
Wenn jemand schön ist, (...) ?


Hab ich was du brauchst,
Greif zu.

Machst du dir Sorgen,
Find ich keine Ruh.

Diese beiden Strophen gefallen mir am besten. Die Strophen oder Abschnitte sind mir nicht zu kurz, auch mit wenigen Worten erzeugen sie stimmige Bilder für mich, die mir hier besonders gefallen. Warum? Es zeigt die Liebe mit mehr als einer losen Phrase wie "Ich sorge mich um dich", indem es konkret eine Handlung beschreibt. Dieses Teilen von Besitz ist für mich eine sehr liebevolle Geste, die kurz und bündig in Worte gefasst wurde.

Überhaupt finde ich das Reimschema schön, dass sich jeweils die letzte Zeile mit den der anderen reimt. Dadurch ist man nicht in eine starre Reimstruktur gezwungen und hat dennoch eine Verbundenheit.


Das ich dich liebe,
denn Du bist Du.

"dass" in diesem Fall mit zwei "s", da es eine Nebensatz einleitende Konjunktion ist.

Insgesamt zeichnet das Gedicht eine für mich sehr angenehme Stimmung von Liebe und lässt dabei offen, an wen es gerichtet ist. Es hat eine persönliche Note durch das "du" und gleichzeitig etwas Allgemeingültiges durch die Bedingungen.


Die zweite Version
Da ich den Vergleich zur ersten Version habe, liest sich das Gedicht für mich schwerer. Ein großer Absatz verheißt keine Lesepause, kein Innehalten und ruhig nachdenken, sondern eine Aneinanderreihung von Dingen.

Denn das was der Mund
Vorschnell als schön würd' bezeichnen,
Sortiert gleich das Herz aus,
Es muss dem Bild weichen,
das für mich der wahren Schönheit entspricht.
Es sehe es vor mir,
es ist dein Gesicht.

Dadurch, dass viele Verse zu einer Strophe geordnet und durch ein Reimschema miteinander verbunden sind, erwarte ich auf eine Weise eine Übereinstimmung, die sich aber nicht im Metrum findet. Wenn man das Gedicht laut liest und die betonten Stellen klopft, kommt für mich ein unregelmäßiger Rhythmus heraus, der mich durch seine Unregelmäßigkeit eher unruhig macht.
Regelmäßiger wäre zum Beispiel:
Denn was der Mund,
als schön würd' bezeichnen,
wird aussortiert,
es weicht dem Bild,
das Schönheit ist,
ich seh's vor mir,
es ist dein Gesicht.

Dadurch hat man für jede Zeile etwa zwei betonte Schläge, aber das ist nur eine Anregung.

Jedes Bild schrie mir zu,
„Mich findest du schön!“
Sie kämen und gingen,
Nur eins bliebe stehen.

Diese Stelle hat mich in dieser Version am meisten angesprochen, da mir Inhalt und Form zusagt. Hier gibt es eine Regelmäßigkeit im Rhythmus, als auch ein schönes Bild im Kopf von der Einzigartigkeit der Liebe inmitten vieler Angebote.


Das war's auch schon, vielleicht kannst du was davon mitnehmen,

dir viel Schreibinspiration,

Fina
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh 1, 1)
Fina_P
 
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Re: Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Beitragvon OklahomaJaybird » 04.04.2015, 13:59

Hallo truluc

Zu Version 1:
Die erste Version gefällt mir als, ich sage mal, "privates" Gedicht.
Sprich: ich kann mir vorstellen wie du auf dem Bettrand deiner Tochter sitzt und es ihr vorliest. Wie du selbst schreibst ist dieses Gedicht ihr gewidmet und so liest es sich auch.
Die einzelnen Strophen an sich klingen gut, erzeugen sie jedoch in meinem Kopf keinerlei Bilder.
Deine Glück ist der Motor,
Für das was ich tu’.
Diese Zeile ist wirklich schön geschrieben und verdeutlich die Liebe zu deiner Tochter!

Zu Version 2:
Version 2 hat mir sehr viel besser gefallen als die erste ;)
So beschreibst du das du viel von der Welt gesehen hast und trotzdem das schönste was du gesehen hast und sehen wirst, immer noch deine Tochter sein wird.
Ein Machtkampf der Bilder,
Würde in mir entfacht.
Ein jedes voll Anmut,
Voll Größe und Pracht.
Absolut schön geschrieben und trotz dieses kopfinternen Bildermachtkampfes ist es eine süße Aufklärung am Ende des Texts, dass deine Tochter all dies noch zu toppen vermag.

das für mich der wahren Schönheit entspricht.
Hier bin ich etwas ins Stocken geraten beim Lesen.
Mein Verbesserungs(?)vorschlag wäre folgender:

Denn das was der Mund,
vorschnell als schön würd' bezeichnen,
sortiert das Herz aus,
es muss dem einen Bild weichen.
Dies' Bild ist für mich jeden Tag neu,
und der wahren Schönheit es entspricht.
Ich sehe es jeden Tag vor mir,
es ist dein Gesicht.

Okay, es ist nicht soviel besser :D
aber da dein letzter Absatz 7 zeilen enthällt, kam ich etwas ins Stocken.
Aber ansonsten ein wirklich wundervolles Gedicht!

Mir gefällt einfach sehr die Idee eines Menschen/Vaters der viel in der Welt herumgekommen ist und unzählig schöne Dinge gesehen hat - die schönste "Sache" die er gesehen hat (und sehen wird) aber immer seine kleine Tochter bleiben wird!

Beide Versionen haben eine tolle Aussage, auch wenn (für mich!) Version 2 hier ganz klar die Nase vorn hat!
Weiter so! :)
Das Leben kann so schön sein,
wenn man sich nicht stressen lässt.
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Re: Etwas Schönes (Überarbeitet + Ergänzt)

Beitragvon FriedaK » 17.04.2015, 21:17

Hallo truluc,

vielen Dank für die schönen Gedichte. Ich kann absolut nachvollziehen, was du da schreibst und warum. Aber ich muss ehrlich zugeben, dass die erste Version mir persönlich besser gefällt. Das zweite Gedicht ist gut geschrieben, keine Frage, mit vielen starken Beschreibungen, aber das erste besticht durch seine Schlichtheit, seine Klarheit. Du schreibst "Wenn etwas schön ist...". Für mich ist dieses "etwas" viel umfassender, als wenn du "jemand" geschrieben hättest, denn es geht ja nicht nur um eine Person in ihrer Erscheinung, sondern zugleich auch um das innige Gefühl des Zueinandergehörens.

Hab ich was du brauchst,
Greif zu.

Der Wunsch, dem eigenen Kind das zu geben, was es braucht, dem Kind das Nötige geben zu können, ist wirklich übermächtig. Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes wird dieser Wunsch zu einem "Motor", der einen antreibt, Müdigkeit und eigene Belange in den Hintergrund drängt. So ist es, anstrengend (oder?), aber einfach schön.

Auch wenn du schon schläfst,
Flüster' ich dir noch zu,

Das ich dich liebe,
denn Du bist Du.

In diesen vier Zeilen drückst du meines Erachtens alles aus, was diese besondere Liebe zu einem Kind ausmacht. Es reicht, dass es "ist". Zu deinen beiden Gedichten passt meines Erachtens der Spruch "weniger ist mehr". Das erste Gedicht ist sehr privat und intim, es klingt wirklich wie ein geflüstertes Lied am Kinderbett. Du hast so einfache Sätze gewählt, dass sie an einen Abzählreim erinnern (natürlich meine ich damit nur die Form, die du gewählt hast, nicht Inhalt oder Wortwahl!!!) und gerade dadurch wirken sie so ehrlich, ungeschminkt und unverschnörkelt. Gerade durch diese Form wird es so glaubhaft, dass du wirklich deine (kleine?) Tochter im Blick hast, nichts anderes. Du selber trittst als Person völlig hinter dem Gefühl, das du für deine Tochter empfindest, zurück.
In deinem zweiten Gesicht wird deine eigene Person viel sichtbarer. Sie tritt fast in den Vordergrund. Natürlich ist es ein gelungener Kunstgriff, all das Schöne zu beschreiben, um dann deine Tochter dies alles übertrumpfen zu lassen, aber es bleibt ein Kunstgriff. Es ist dennoch sehr schön, gerade die erste Strophe wirkt in sich rund, tolle Bilder! Die sehr langen Zeilen im zweiten Abschnitt irritieren im Lesefluss, finde ich. Die Direktheit und Intensität, die ich in der ersten Fassung spüre, fehlen mir in der zweiten, aber das ist sicher auch Geschmackssache. Auf jeden Fall sind beide Gedichte beeindruckend - auch wenn ich - das muss ich zugeben - eine klare Vorliebe habe!
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