Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

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Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon DerNachfrager » 18.09.2015, 23:56

Guten Abend!

Ich möchte hier ein Thema aufgreifen, das ich so, in dieser Form, noch nicht gefunden habe, nämlich das was uns dazu gebracht hat das zu schreiben was wir gerade schreiben.

Ich bin einfach mal so dreist und behaupte das jeder ihr ein Projekt hat an dem er arbeitet, oder vielleicht schon eines fertiggestellt hat.
Doch wie ist man überhaupt, auf diese Idee gekommen?

Was habt ihr gesehen / gehört / getan? um auf das zu kommen, von dem ihr schlussendlich sagtet:
"Darüber möchte ich wohl gerne als Buch schreiben!"

Bei mir is das eine relativ einfache, aber verdammt lange, Geschichte.
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Es fing alles an das sich im Internet über ein paar Artikel zum ersten Raumflug stolperte. Es war ein Jubiläum! Der Flug des ersten Menschen im All, Juri Gagarin, jährte sich wieder einmal und überall sah ich Bilder von dem Mann im knallorangen Raumanzug und Bilder von der Wostock Rakete, die ihn ins All schoss.

Da wurde mir klar, dass sich sehr gerne eine Geschichte darüber schreiben würde.
Ich war schon immer absolut fasziniert vom Wettlauf ins All, doch sieht man diesen Wettlauf fast ausschließlich auf Sicht der Amerikaner. Was auch kein Wunder is, wenn man bedenkt wie Geheimniskrämerisch, die Russen bis heute sind.

Aber bis dahin hatte ich schon mal was beschlossen!
In meiner Geschichte würde es diesmal um die unbesungene Seite des kalten Krieges gehen, die Welt von der anderen Seite des eiserenen Vorhanges und sie würde Juri Gagarin und die russische Raumfahrt beinhalten und oder zumindest, das wofür die Kosmonauten stehen sollten, den Vorbildlichen, ungetrübten Drang der Menschheit sich durch Technik und kühne Wissenschaft gesund zu stoßen.
Obwohl mir bewusst, war, dass ganz besonders letzteres nur großes Propaganda gelabbert war.
Doch dafür gibt es ja Geschichten. Wo Helden noch Helden seien können, ohne tieferen Hintergedanken.


Dann folgten aber direkt die ersten Probleme, die diese Idee zu einem jähen Ende bringen sollten.

-Erstens ist fast alles, selbst nach über 70 Jahren, immer noch geheim. Also Bauzeichnungen, Fotos, Akten von Kosmonauten, Technik und Eigenschaften dieser
-Zweitens habe ich persönlich zwar ein bisschen Ahnung von der Raumfahrt, doch nicht auch nur annährend genug um darüber ein Buch zu schreiben, geschweige denn etwas zu schreiben, dass jemanden der Ahnung davon hat zufrieden stellen würde.
-Drittens ich spreche nicht auch nur ein Wort russisch.


Also wieder zurück an das Zeichenbrett!
Irgendwie musste ich diese Begrenzungen doch umgehen können!?
Und da kam mir der geniale Einfall: "Lass es doch einfach eine bewusst fiktive Geschichte sein!"
Was ich damit meine ist, dass der Teil des Romans der im Weltraum spielt und sich mit dem Kosmonauten auseinandersetzt, aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt wird, der sich Weltraumabenteuer vorstellt und schlecht aufgelöste schwarzweiß aufnahmen, auf dem kleinen Robotron Fernsehbildschirm verfolgt.

Somit wäre zum einem geklärt warum, so viel Fakten nicht stimmen, oder grob beschönigt sind.
Hollywood Pseudowissenschaft, würde man heute wahrscheinlich dazu sagen und warum die Kosmonauten ein fehlerfreies Bild des perfekten Menschen sind.

Weil sie nur eine idealisierte Vorstellung eines kleinen Jungen sind der Weltraumentdecker spielt!
Und dieser keine andere Quelle für seine Vorstellung hat, als schlechte Science fiction Romane und die Propaganda Blättchen die die Partei überall verteilte.

Da klopfte ich mir schon wohlwollend selbst die Schulter, doch blieben da immer noch Fragen:
-Was is die Geschichte vom jungen? Was will er?
-Inwiefern ist das vorstellen dieser wilden Abenteuergeschichten in seinem Plot wichtig?
-Was für eine Weltraumgeschichte könnte sich ein Kind ausdenken, der für einen Erwachsenen, immer noch spannend ist?


Man erkennte schon bald, dass auch dies nicht die Lösung meines Problems war.
Dann allerdings hatte ich eine Eingebung der ehr ungewöhnlichen Art. Ich hatte einen langen und sehr verwirrenden Traum.
Wer mich kennt weiß, dass ich nur selten von etwas träume das wert wäre erzählt zu werden und wenn, dann aber is es der seltsamste zusammenschnitt von Story Bruchstücken und zufällig eingeworfenen Fakten seit ... der Baron von Münchhausen.

Ich erspare euch die Einzelheiten, aber im in der groben Fassung ging es darum, das ich, weil ich zu geizig war ein Straßenbahnticket zu kaufen, im Keller meines Hauses eine Treppe finde die in die Unterwelt führt. Dort wo tote Menschen leben.
Durch dieses Wurmloch zwischen Zeit, Raum und unsere Realität gelang es mir aber meine erstmals
2 stündige strecke auf 5min. zu verkürzen.
Anstatt Zug zu fahren musste ich einfach mal in eine andre Dimension reisen, somit auch durch die Zeit, am Ort der verdammten zweimal links und ich kam in der Innenstadt wieder raus, nur 5min. nachdem ich mein Haus verlassen hatte.

Cool!

Wie immer in meinem Träumen war die spannende frage nicht, wie ich in eine andere Dimension kam, oder was die Welt der Toten alles an geheimnisse birgt, sondern wie ich aus der neue Art der Transportation entdeckt hatte Geld machen konnte. (Ich hab da meine Prioritäten nicht ganz richtig, das is mir bewusst)
Aber bald darauf begann ich Touristen und Pendler durch das Land der Toten zu schicken.
Innenstadt - Keller : 5 Mark

Leider Gottes, fanden das die Ordnungshüte,r der Welt der toten ... eine seltsame Mischung aus Römischen Legionär und Zombie, gar nicht so cool wie ich und haben mich zu Sozialdienst verdonnert, was bedeutet, dass ich dreimal in der Woche in der Welt der toten Glassschreben aufsammeln musste und die Scherben dann in eine Vulkan zu werfen hatte.

Ich erzählte bereits, dass ich ziemlichen Stuss zusammenträume, wenn man mich nur lässt.


An und für sich ziemlich nichtssagend, doch die Welt der toten die ich mir im Traum vorgestellt hatte, fand ich dermaßen interessant und "schön" auf eine bizarre Art, das ich meinte, dass man das doch irgendwie verwenden müsste. Bis jetzt gab es ja nicht mehr als die bloße Idee.

Und so kam ich auf die Idee das eine Person, gewollt oder ungewollt in die Welt der toten reist, dort auf bekannte Persönlichkeiten wie Juri Gagarin und andere Helden des Ostens trifft, sind ja alle schon tot.

Blieb nur die Frage, wieso erzählt diese Person, wenn ihm das passiert, nicht einfach jeden das er mit toten sprechen kann?
Und wird reich und berühmt???
oder würde ihn dann jeder für wahnsinnig halten?
Wahnsinnig sagtest du?!

Und da hatte ich es!
Eine Person wird eingesperrt und mundtot gemacht, das ihm keiner glaubt und von der Zelle aus, kommt er in die Welt der toten und trifft dort bekannte Persönlichkeiten aus seiner Jugendzeit. Woanders hin kann er ja nicht, er is in ner Zelle.

Um das herum, habe ich mir natürlich, noch ein paar andere Storystrenge ausgedacht, doch ich will ja jetzt auch nicht erzählen wie ich zu jedem einzelnen punkt gekommen bin, nur die große Idee.

Das war jetzt ein ganzes stück, aber ich hoffe ich konnte einigermaßen klar machen, wie ich auf diesen Blödsinn gekommen bin an dem ich gerade arbeite.


Wie ihr sehen könnt, ist von der ursprünglichen Idee nicht ganz viel übrig geblieben, doch ich bin trotzdem ganz zufrieden mit meinem Konzept und das is immer noch am wichtigsten.

Was war eure Quelle der Inspiration?
Welche Geschichte liegt hinter eurem Schaffensprozess?

Ich bin gespannt es zu hören
Zuletzt geändert von Julestrel am 19.09.2015, 07:33, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel angepasst. Rechtschreibfehler.
Das Risiko war kalkuliert! ... Doch verdammt bin ich schlecht in Mathe!
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Re: Euer Projekt - Wie seit ihr drauf gekommen?

Beitragvon Arynah » 19.09.2015, 00:56

Ich arbeite gerade an 2 Projekten (Korrektur und erster Entwurf).

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Das erste basiert tatsächlich auf einen Traum. Es war einer der Art Träume, die mich noch nach dem Aufwachen tagelang beschäftigten und ich sofort Papier und Stift nahm, um das geträumte aufzuschreiben.

In kurz: Eine Frau dringt auf einen Hof ein und tötet die Familie bis auf das jüngste Mädchen. Sie scheint mehr eine Marionette zu sein als eine Persönlichkeit und spricht davon, die Verderbnis auszulöschen. Zwei Männer nehmen sie gefangen, wobei sie verwundet wird.
Sie wacht in einem Tempel auf und statt sie hinzurichten, will man sie vor ein Gericht stellen. Ihre Wunde heilt warum auch immer nicht. Der Mann, der sie verwundet hatte, will sie unbedingt tot sehen, weil sie es verdient hat.

Die Atmosphäre in dem Traum hat mich so beeindruckt, dass ich jetzt nach ca 4 Jahren - immer noch beeindruckt - mich an den ersten Entwurf gesetzt habe und die Story in 2 Monaten herunter tippte. Was geblieben ist? Person ohne Ich (Protagonistin), Verderbnis und der Mann. Es gibt jetzt weder diesen Tempel, noch das Gericht, dafür eine nette Heldenreise. Ich bin glücklich mit der Abwandlung.


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Geschichte 2, an der ich gerade schreibe, greift einen Charakter aus Geschichte 1 wieder auf, den ich sehr gerne mochte (so gerne, dass ich ihn vom Antagonisten zu einer Hauptfigur machte. Im Nachhinein sogar eine gute Entscheidung, weil es ne nette Wendung brachte, die nicht vorherzusehen war ^^). Diese Geschichte war ursprünglich anders geplant.
Ironischer Weise baut diese auf einer "Was-wäre-wenn"-Frage auf. "Was wäre wenn eine Frau, die niemanden töten darf, unbedingt jemanden umbringen will, er aber unsterblich ist?" Inspriert hatte mich der Manga "Immortal Rain", dessen Atmosphäre mich nicht mehr losgelassen hat und ich darauf losgeschrieben habe (in Rom, war ne super Ablenkung, denn es war ne Klassenfahrt und ich fand sie schrecklich ^^). Ich habe per Hand nen halben Block gelehrt und es jetzt 2 Jahre ruhen lassen.

Nun schreibe ich wieder daran. Was ist geblieben? Frau darf niemanden töten und ist der Kerl ist unsterblich. Die Atmosphäre und Beziehung sind total anders und auch besser, will ich mal behaupten. Ich bin gespannt, wo mich die Geschichte hinführen wird.


Wenn ich über deinen Text so lese, merke ich, dass du dich ja auch hast von einem Traum beeinflussen, bzw führen lassen. Scheinbar kommen gute Ideen gerne daher :D
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon IPatricia » 19.09.2015, 11:02

Also bei mir war es eher klassisch, die erste Idee war einfach da. Meistens kommen mir Ideen zu den denkbar ungünstigsten Zeitpunkten, immer genau dann wenn ich gerade nichts zum Aufschreiben parat habe. :D
Ich setze das Ganze jetzt mal nicht in den Spoiler, weil ich nicht auf den Inhalt eingehen werde, dazu bin ich gerade ein bisschen unmotiviert, um es genauer auszubreiten. :D

Eigentlich fing alles mit meiner Protagonistin an, die ich sofort klar im Kopf hatte. Ich wusste, wer sie ist, was ihre Tätigkeit ist und was genau sie erreichen möchte. Eine eher untypische Heldin, die sich mit einer bestimmten Charaktereigenschaft in Schwierigkeiten bringt und die nicht mit ihrer Vergangenheit abschließen kann. Dazu hatte ich dann die Bruchstücke ihrer Vergangenheit im Kopf und wie einzelne Personen damit verknüpft sind. Ja, und so hat das Ganze angefangen. Ich habe die Geschichte um diese Protagonistin herum langsam aufgebaut. Mit immer wieder neuen Ideen zum Setting, zu den Charakteren und der Handlung. Letztendlich ist dann eine Fantasygeschichte daraus entstanden - mit einer Heldin, die absolut keine sein möchte, aber aufgrund von sehr unglücklichen Ereignissen irgendwie doch zu einer wird. Als ich angefangen habe, mit ihr zu schreiben (In der Ich-Perspektive und in der Vergangenheit) wurde ich einfach nicht mit ihr warm als Erzählerin. Da war zuviel Distanz und ihr hat irgendetwas gefehlt. Inzwischen ist sie mir wirklich ans Herz gewachsen und ich habe auf Präsens umgestellt, wodurch man ihr als Leser wesentlich näher ist.
Bei mir fangen Ideen tatsächlich meistens mit Charakteren an, weil die eine Geschichte tragen, wenn sie denn authentisch sind. Ich wollte nicht irgendeine groß angelegte Fantasygeschichte schreiben, sondern einfach die Geschichte dieser einen Figur erzählen.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon lucarius » 21.09.2015, 16:40

meine Idee setzte sich aus mehreren Inspirationen zusammen. Zunächst einmal war das der Schlafanzug meines Bruders. Auf dem stand der Nachname O'Leary drauf. Damit war mein Irischer Charakter geboren. Des weiteren las, nein verschlang ich die John Sinclair Groschenromane. Ich hab dem Hauptcharakter in der Geschichte einfach mal nen Sohn an die Backe gedichtet und auf einmal machte sich meine Idee selbständig. Ich änderte den Namen des Hauptcharakters von John Sinclair zu Iain O'Leary und tat alles mögliche, um die Parallelen zu verwischen, damit keener auf die Idee kommt, dass meine Idee dort geboren wurde. Ich packet noch eine Priese Charmed und Buffy mit rein und schon war mein eigenes Projekt aus dem Säuglingsalter in die Kleinkindzeit gewachsen und entwickelte sich prächtig.
Mein Bruder verkauft einen Gedichtesammelband "Die besten Gedichte 2009/2010", wo auch eins seiner Gedichte mit drin ist. Den Band gibt es zwar auch woanders zu kaufen, aber mein Bruder hat selbst auch einige Exemplare zum Verkaufen erhalten
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Paisley » 23.09.2015, 20:09

Ich hatte meine Idee, als ich mich abends schlafen legte. In dem Moment, begann in meinem Kopf die Kurzfassung des gesamten erste Buches runterzurattern. Euphorisch sprang ich aus dem Bett, fuhr meinen Laptop hoch und schrieb in einer halben Stunden zehn Seiten - das erste Kapitel. Außerdem schrieb ich den Verlauf der Geschichte, bis zum Ende so genau wie möglich auf.
Geduld, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, erzählerisches Talent und Sprachgefühl - die Heilige Fünffaltigkeit der Schriftstellerei. Andreas Eschbach
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Vaerson » 23.09.2015, 22:06

Da muss ich ein bisschen ausholen und es könnte etwas... Etwas ausfallend, vielleicht sogar kränkend wirken. Aber es ist meine Meinung, ein tiefsitzender Gedanke, ein in mir liegendes Gefühl und neben den Motiven alter Sagen eine sehr wichtige Grundlage für den Inhalt meiner Erzählungen und sogar für meinen Stil. Das Folgende könnte also auf Zehen treten, der Gedankengang unfertig wirken: Aber es ist vor allem eines - Ehrlich:

Spoiler: Anzeigen
Die erste Erzählung, an deren Überarbeitung ich sitze, begann ich aus reinem Eskapismus. Ich wollte der Welt etwas fernes, exotisches, mystisches entgegen stellen (/dorthin fliehen): Und so nahm ich alte Motive und schrieb alles hinein, was mir menschlich vorkommt: Im Gutem, wie im Schlechtem. Doch vor allem im Gutem, denn ich glaube an die Menschheit, auch wenn sie einem oft als graue Masse auf der Straße begegnet.

Die zweite Erzählung, mit der ich vor kurzem begonnen habe, ist dagegen angriffslustiger. Sie beinhaltet im Kern dasselbe Gefühl gegenüber der Informations-Gesellschaft, dem modernen Westen, dem gesellschafts-lähmenden unaussprechbarem Selbsthaß und seiner kaum konstruktivem Kritik allem gegenüber, der gelernten Hilflosigkeit im Westen, sowie die Gefängnis-haftigkeit der Ablenkungs-Kultur. Gleichzeitig entspringt sie dem Wunsch nach einer Renaissance, einem neuem Selbstverständnis , einem neuem Ideal: Aus der Kultur geboren. Doch dazu bräuchte es eine Erneuerung in der Kultur, müsste diese eine neue Richtung einschlagen: Fort vom Trivialem (Der triviale 3000-Seiten Roman wird in Zukunft nicht viel besser dastehen als ARD und ZDF: Denn er ist lang, verlangt Ausdauer und bietet wenig, was Filme und Spiele nicht auch hätten - Wie sollte er in meiner Generation oder den folgenden noch so Fuß fassen, wie im letztem Jahrhundert?). Allerdings auch fort vom gewollt elitärem: Wo vor hunderten Zuschauern ausgebildete Schauspieler sich im Theater nackt angrunzen und das ganze Macbeth nennen. Und letztendlich fort von der Übermacht des Kommerzes, wo ein schönes Gemälde weniger Aufmerksamkeit bekommt, als eine Leinwand, auf die ein Insasse einer Psychiatrie nieste - "120.000 Dollar zum Erstem, 120.000 Dollar zum zweitem und verkauft!"
- Und als ich, nach dem Lesen einiger interessanter (zusammengefasster) Abhandlungen, Meinungen und Artikel von mehreren Literatur-Wissenschaftlern, dieses tiefe Gefühl in mir selbst entdeckte und es beinahe wirklich in Worte fassen konnte, da spannte sich in meinem Kopf eine Geschichte wie ein Mantel darum.
Die eigentliche Geschichte ist letztendlich natürlich nicht voll von so unverhohlener Kritik, denn auch dieser Erzählung liegt letztendlich Eskapismus zugrunde. Und bloße Meinungen sind eindimensionale, hässliche Fratzen :wink:
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon grit » 25.09.2015, 13:54

Wie ich auf die Idee zu meinem Romanprojekt gekommen bin - durch Lesen.

Jeder kennt das doch, dass einem manchmal eine Melodie im Kopf herumschwirrt, ein Ohrwurm sozusagen. Genau das passiert bei mir des öfteren mit Sätzen aus Büchern. In meinem Fall waren es diese:

"Verraten Sie mir noch ein Letztes: Ist das hier wirklich - oder passiert es nur in meinem Kopf?"
"Aber natürlich passiert es in deinem Kopf, Harry, doch warum um alles in der Welt sollte das bedeuten, dass es nicht wirklich ist?"

"Der Mensch ist von Natur aus ein animal fabulator."

"Ich wusste noch nicht, dass er der Mörder ist, als ich Jorge in die Bibliothek gesetzt habe. Er hat es sozusagen von selbst getan."

Das erste Zitat stammt, wie unschwer zu erkennen, aus Harry Potter, die anderen beiden aus der Nachschrift zum Namen der Rose von Umberto Eco.

Da war auch schon die Idee geboren:
Es kann wirklich werden - unter bestimmten Bedingungen.
Was aber passiert, wenn der Romanautor sich nicht mehr um seine Welt kümmert, wenn dadurch das Böse eine ungeheure Macht bekommt - wie agieren die Figuren weiter - und wie sieht das Ganze aus, wenn genug Zeit verstrichen ist?
Kann der richtige Leser die vom Autor verratene Welt retten?

Das jedenfalls waren die ersten Grundzüge, aus denen sich nach und nach alles entwickelt hat.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Schnuddel » 25.09.2015, 14:11

Lustigerweise war es bei mir ebenfalls Harry Potter, aber nicht im postitiven Sinn.

Es gibt, ich meine im dritten Band, die Passage, in der Harry unter der Bettdecke seine Hausaufgaben macht. Und zwar geht es da um Hexenverbrennungen.
Bei allem britischen Humor, den ich normalerweise wirklich liebe, fand ich diese Passage alles andere als komisch. In der steht, das Hexe XY es in der Tat so lustig fand, verbrannt zu werden, dass sie sich gleich dreimal verhaften und verbrennen ließ. Oder so ähnlich.
Ich fand angesichts der Abertausenden Menschen, und vor allem Frauen, die auf grausamste Art und Weise ihr Leben lassen mussten, diese Passage einfach unerträglich.
Da dachte ich mir, wenn eine junge Lesergeneration nichts anderes kennt als Harry Potter, welches Bild bekommen sie dann von den düsteren Zeiten der Hexenverfolgung? Da muss etwas getan werden.

Tja, und das ist der Tenor meines ersten Projekts. Es muss unterhalten, es muss spannend sein, aber auch stimmen. Wünscht mir Glück. :roll:
Was sich leicht liest, war harte Arbeit.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Jalira1910 » 25.09.2015, 20:28

Mich haben die Thor Filme inspiriert. Meine bereits fertig gestellten Projekte: "Um der Liebe Willen" & "Um die Liebe zu ändern" haben zwar rein gar nix mit den Filmen zu tun, aber die Liebesgeschichte zwischen Thor und Jane (welche mir viel zu kurz kam) haben mich so fasziniert, dass ich Thor (Chris Hemsworth, lecker, schmatz, sabber) nicht aus meinem Hirn bekam und er daher für meinen Helden Lorius erhalten musste :XD:

Daraus entstanden zwei schöne Urban Romantasy Projekte.
"Die Fantasie soll uns jeden Tag begleiten & uns immer Freude bereiten"
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Siria » 26.09.2015, 15:14

Auf mein Projekt bin ich schon vor einiger Zeit gekommen, hab mich aber nicht dran getraut. Der Blog von Jacky und das Forum hier hat mir Mut gemacht und ich hab angefangen, die Idee weiter auszubauen.

Ich hab mal gelesen das in China Zwillinge getötet wurden weil sie Unglück bringen sollen. Dies habe ich als Legende in meine Geschichte übertragen. Dort haben alle Angst vor dieser Legende/Prophezeiung und als der König des Landes Zwillinge bekommt, sieht er keine andere Wahl als eines der Kinder zu töten. Aber es kommt alles anders als man denkt.

Die meisten Ideen bekomme ich aber auch durch das Träumen oder schauen von Filmen die mich irgendwie bewegen.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Kelpie » 02.10.2015, 12:13

Mein Herzensprojekt entstand mit acht beim Playmobilspielen. Ich wollte nicht, dass immer die Guten gewinnen und machte die edlen Ritter zu Raubritter, die den König aus der Hochzeitskutsche in den Kerker werfen und die Weltherrschaft (hust) an sich reißen.
Irgendwann begann ich ein paar Seiten zu schreiben, ließ das Ganze reifen und entwickeln und heute hat es damit eigentlich kaum noch etwas zu tun. Aber wenn ich die alten Playmobilfiguren ab und zu noch raushole, dann erinnere ich mich gerne an die Wurzeln. Hilft mir mitunter, mich ihres Charakters zu besinnen. Da, der ohne Sommersprossen ist noch heute mein Protagonist :XD:
http://images.allyouneed.com/medias/sys ... -2017-.jpg
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Davebones » 12.10.2015, 21:00

Ich schreibe um ein Universum zu erschaffen. Um genau zu sein das perfekte Universum. Es ist für mich die Erfüllung meines Lebens mich mit fiktiven Universen, auf fast schon akademischem Niveau zu beschäftigen. Angefangene hat das mit dem Videospielreihe The Elder Scrolls. Ich habe so unendlich viele Stunden in den Spielen mit dem Lesen von ingame Büchern verbracht. Alleine schon mit so "Simple" Konzepten wie Magie lässt sich so viel machen. Es gibt so viele Variablen. Die meisten großen Lores, also Universen entstanden eher "Nebensächlich". Die The Elder Scrolls Spiele entstanden aus der Not heraus. Arda von Tolkien gab es nur damit seine erfundene Sprache eine Welt hatte und so weiter. Die faszinierendsten Lores reifen mit der Zeit. Die richtige The Elder Scrolls Lore entstand erst 2002 mit dem dritten Teil. Da gabs die Serie bereits seit 8 Jahren. Und mein aktuelles Projekt wird von Anfang bis Ende seinen Fokus auf die Lore richten. Der Leser wird mit vielen Informationen über das Universum versorgt.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Maggi1417 » 13.10.2015, 16:47

Bei mir ist das jetzt eigentlich auch nicht so, dass mir plötzlich eine Idee in den Sinn kommt und ich daraus dann ein Projekt mache.
Mir geht's eher wie Jalira, mich inspirieren andere Medien. Ein Buch/Film/Serie die mich so begeistert, dass ich denke "so etwas möchte ich auch machen" und dann läuft es eher so, dass ich aktiv Ideen für dieses Projekt sammle.
Häufig ist es so, dass ich mehrere Inspirationsquellen fusioniere. Das Setting von dort, die Figuren von da und da, dieser Plotpoint aus diesem Film, ein anderer Plotpoint auch diesem Buch.

Für meinen Science-Fiction Roman waren die Hauptquellen die Vorkosigan-Saga und Battlestar Galactica. Die ersten beiden Figuren, die existierten, stammten aber aus Game of Thrones, die nächsten zwei aus Downton Abbey.

Bei meinem Fantasy-Projekt war meine Hauptinspiration definitiv Game of Thrones, die Protagonisten stammen aber aus "Die Tudors", einer sehr guten FanFiction-Geschichte zu den Tudors und Hilary Mantels Cromwell-Romanen. Große Plotbausteine habe ich mir aus der englischen Geschichte geklaut, insbesondere aus aus den Rosenkriegen.

Es übrigens bisher noch keinem meiner Beta-Leser gelungen, meine Quellen zurück zu verfolgen. Wenn man erst mal angefangen hat, dann bekommen die ganzen geklauten Elemente schnell ein Eigenleben und verschmelzen zu etwas Neuem.
"50 Shades of Grey" begann ja auch als Twilight-Fanfiction und die "Chroniken der Unterwelt" als Harry Potter Fanfiction.
Firefly enstand, weil Joss Whedon gerne eine Serie mit Han Solo als Protagonisten haben wollte.

Überhaupt begegne ich manchmal Alternative Universe Fanfiction, die verdammte gute "eigene" Romane abgeben würden, wenn man nur die Namen ändern würde.
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Blackspot » 13.10.2015, 17:14

Paisley hat geschrieben:Ich hatte meine Idee, als ich mich abends schlafen legte. In dem Moment, begann in meinem Kopf die Kurzfassung des gesamten erste Buches runterzurattern.


Ist bei mir eigentlich immer so. man dreht sich schlaflos und gelangweilt, des Weiteren schon nicht mehr ganz in der Realität verankert von links nach rechts..... und schwupps ist sie da... die erste Idee. Ausgebaut wird so was bei mir bevorzugt während langweiliger Schulstunden. Nichts ist inspirierender als Mitschüler und Lehrer beobachten. Ich würde sagen, 80% meiner Charas rennen regelmäßig auf den Schulfluren in mich rein :wink:
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Re: Euer Projekt - Wie seid ihr drauf gekommen?

Beitragvon Ankh » 16.10.2015, 19:16

Bei mir hat sich das ganz hinterhältig eingeschlichen. Manchmal glaube ich, meine Geschichten wollen einfach geschrieben werden ...

Das meiste, was ich geschrieben habe, war schon immer von diversen Rollenspielrunden inspiriert, hauptsächlich Fantasy. Da es bei neuen Runden oft ein Problem ist, wie sich die Helden am Anfang zu einer Gruppe zusammenfinden, haben wir bei einer Shadowrunrunde beschlossen, einfach als zwangsweise zusammengestellte Truppe zu beginnen. Und da ich ein Fan von den Wachen! - Büchern von Terry Pratchett bin, kam ich auf die Idee, mal die "andere Seite" zu spielen. Und deswegen kreierten wir ein DocWagon -Team (das sind die Sanitäter, die normalerweise die Helden von der Straße kratzen). Die Runde bestand nur etwa 3 Abende, aber der Charakter hat mir gefallen, und irgendwann hab ich ihn dann in einer anderen Runde weitergespielt. Und da fing ich dann parallel an, Kurzgeschichten über ihn zu schreiben. Und dann wurden daraus Ideen für lange Geschichten. Obwohl das eigentlich gar nicht mein Genre ist, blubberten die Ideen, und ich machte mit Notizen zu einem halben Dutzend Buchideen über den Charakter und seine Arbeit.
Da das ganze eine Reihe werden würde, dachte ich mir, jetzt brauch ich irgendwie einen ersten Band, wo die sich alle Kennenlernen, und deshalb fing ich an, eine "Origins"-Geschichte zu schreiben. Womit wir wieder beim Anfangsproblem waren :XD: Ich hab an dem Ding die letzten paar Jahre mehr oder weniger inspiriert rumgeschrieben, bis ich mich endlich auf den Hosenboden gesetzt habe und gezwungen, das ganze zu einer ordentlichen Geschichte zu machen. Ich hab Szenen drauflosgeschrieben, die sich in meinen Kopf gedrängt haben und versucht, den Sinn dazwischen zu finden, hab die Lücken gefüllt und Ursprünglichens gestrichen, oft nächtelang geschrieben und Notizen gemacht, von denen ich die Hälfte nie wieder gelesen habe. Daraus ist am Ende eine überraschend durchdachte und logische Geschichte geworden, die nun gerade ihrer Überarbeitung harrt :XD:
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