Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

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Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Callida » 13.09.2015, 20:58

Hallo,

Ich plotte gerade meine neue Idee und stehe vor einem Problem. Aber von vorne.

Der Vater meiner Prota wurde verflucht und wird in einem Monat sterben. Um ihn zu retten muss meine Prota einen ganz bestimmten Ort erreichen (ein Archipel) bevor er stirbt. Die Reise dahin dauert realistisch gesehen selbst mit einem schnellen Segelschiff (was sie haben) mindestens 14 Tage. Auf dem Schiff sind außer meiner Prota ihr Vater (der Kapitän), ihr Jugendfreund in den sie sich im Laufe der Reise verliebt, und eine Crew von etwa 20 Männern. Ihre Mutter ist eine Nixe und bleibt immer in der Nähe des Schiffes.

Außer der Liebesgeschichte habe ich keinerlei Plot, der während dieser 14 Tage stattfinden könnte...
Wie soll ich das interessant gestalten?
Bitte tobt euch aus, ich bin froh über jedes Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellen könnte, denn ich bin momentan total ideenlos... :(
Ach ja, ich hab noch nicht wirklich einen Nebenplot, also falls jemandem da was einfällt wäre das großartig :wink:

Liebe Grüße,
Callida
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon anby77 » 13.09.2015, 21:13

Du könntest Deine Protagonistin wegen Seekrankheit ein paar Tage flach liegen oder (falls sie als Halbnixe dagegen immun ist) den wegen Seekrankheit flach liegenden Jugendfreund pflegen lassen. Außerdem könnte sich zwischen dem Jugendfreund und dem Vater der Protagonistin ein Konflikt anbahnen, weil Väter die Verehrer ihrer Töchter eigentlich immer für unwürdig halten. Deine Protagonistin könnte mit dem von ihrer Mutter stammenden Nixenerbe konfrontiert werden und deshalb versucht sein, im Meer zu bleiben und ihre mit dem Land (und ihrem Vater) verbundenen Verpflichtungen vergessen.
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Ankh » 13.09.2015, 21:14

Na, alles was das Schiff irgendwie aufhält und das Zeitpolster dahinschmelzen lässt: Ein Sturm, der das Schiff beschädigt oder vom Kurs abkommen lässt. Ein Piratenüberfall. Ein Seeungeheuer, das die Nixenmutter entführt, so dass sie umkehren und sie retten müssen. Ein Saboteur an Bord. Die Krankheit ist offenbar ansteckend, woraufhin die Crew meutert und die Familie in einem Beiboot aussetzt.

Such dir 2-3 Dinge von der Liste aus, so dass die Protas auf die letzte Sekunde das Archipel erreichen. Und dann steht da ein Rivale des Vaters, der das Heilmittel vor ihm erreicht hat und es gerade vernichten will :wink:
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Callida » 13.09.2015, 21:22

Das sind ja schonmal super Ideen, danke! Vor allem die Meuterei und den Streit mit dem Vater finde ich cool :D

Irgendwie habe ich das Gefühl, eine Chance zu verpassen, wenn ich einfach "irgendwas" passieren lasse. So viel Zeit wie zu füllen ist - da könnte man sich so gut mit einem Nebenplot beschäftigen... Wenn mir denn einer einfallen würde :|

Achso, und nur kurz zur Klärung: Die Mutter ist zur Nixe geworden, nachdem die Prota geboren wurde. Meine Prota ist also ein ganzer Mensch :D
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon FrozenBambi » 14.09.2015, 12:57

Jaja das leidige Thema von langen Reisen, darum ist meine Welt auch so klein... :mrgreen:

Der schlimmste Fehler, den du machen kannst, ist, diese 14 Tage szenisch zu schreiben. Danach hast du keinen Leser mehr, egal was für tolle Ideen du dafür hast, um es zu "füllen".

Ich nutzte solche Reisen gerne, um Charakterisierungen vorzunehmen. Wie verhält sich der Charakter auf der Schiffsreise? Was quatscht er so mit seinem Kumpanen? Vielleicht lüftet sich das ein oder andere Geheimnis, um den Charakter.

Mach dir zwei, drei szenische Punkte mit dir selbst aus. Vllt die Abreise, so nach 7 Tagen und die Ankunft. Dafür findest du Füllmaterial. Die Abreise durch die Vorbereitungen des Schiffes, die Beschreibung des Gefühls, plötzlich auf See zu sein etc. Dann machst du eine Beschreibung, nach dem Motto "Die Tage vergingen nur schleppend. Zunächst hatte sich XYZ damit beschäftigt, jedes Mitglied der Crew kennenzulernen, bis sie feststellte, dass das alles notgeile Typen waren. Dann hatte sie ein Wettstarren mit sich selbst in ihrer Kajüte gestartet, blablabla"
Evtl. deutest du in der Beschreibung an, dass sich A und B näher kommen, aber doch sehr schüchtern sind kA, wie deine Protas halt sind.
Tag 7 nimmst dann als Schlüsserlebnis für die Liebesgeschichte, was dir wieder Material gibt, um die Tage bis zur Ankunft gerafft wiederzugeben, in Bezug auf die weitere Entwicklung ebendieser.

Den Gedanken mit Nebenquests o.ä. find ich semioptimal. Manchen gefällt das. Aber so wie Tolkien das z.B. gemacht hat, wo du jede Reise scheinbar in erzählte Zeit = Erzählzeit miterleben darfst, ne sowas schreckt mich ab.
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Vaerson » 14.09.2015, 23:10

(
FrozenBambi hat geschrieben: Aber so wie Tolkien das z.B. gemacht hat, wo du jede Reise scheinbar in erzählte Zeit = Erzählzeit miterleben darfst, ne sowas schreckt mich ab.

Das ist ein verständlicher Vorstellungs-Fehler: Wir können an einem Tag mit dem Auto Deutschland durchqueren, innerhalb eines Tages nach Indonesien fliegen - Bloß drei Tage auf dem Rücken eines Ponys zu reisen kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Ein halbes Jahr dagegen zu wandern, oder ein ganzes... Die wahre Größe Mittelerdes ist erst zu begreifen, wenn man die Schritte einrechnet, die nicht genau beschrieben sind. )




Aber jetzt zum Plot:
Du musst die Tage nicht füllen, es würde vielleicht mehr schaden als nützen: Das Meer ist weit und wüst und leer - Würde man es mit allerlei Unwahrscheinlichkeiten füllen, verliert es seinen wahren Schrecken. Die Reise muss auch kein eigenes Kapitel sein, eine kurze Zusammenfassung reicht aus: 1-10 Seiten und darin hast du Platz für alle zentralen Themen, sowie Ehrfurcht vor dem Meer. Was sollte hinein?:
- Die Furcht vor Sturm und Flaute. Segelschiffe sind nicht dafür bekannt, ihre Geschwindigkeit zu halten...
-> Die Antriebsgründe des Vaters: Verzweiflung und Furcht vor dem Tod.
- Die Liebesgeschichte (vielleicht in ein zwei kleinen Szenen/ Taten - Das "Kümmern" wegen Seekrankheit gefällt mir dafür sehr als Idee. Ähnlich gut wäre allerdings auch einfach Trost, wenn man die Außergewöhnlichkeit der Situation bedenkt: So wären die Gefühle unmerklich, aber existent und scheinbar unterbewusst in der Erzählung - Wie in jenen Wochen wo man verliebt ist, es aber noch nicht ganz gemerkt hat. Bis irgendwann irgendjemand fragt: "Was grinst du eigentlich die ganze Zeit so blöd?"
- Was die Mutter angeht: Von Flüchen verdammt, den Fischen nun nahe, folgt sie den Fahrern, durchs finstere Meer. So oder so ähnlich (vielleicht weniger lyrisch) würde ich es formulieren: Denn es bliebe der einfache aber tiefe Charakterzug der liebenden Treue ausgedrückt in einem oder wenigen Sätzen.
- Die Erlösung des Landes, wo der Menschen Füße scheinbar selbst Richtung und Geschwindigkeit wählen können.

So würde ich zumindest die Tage mit Inhalt füllen; Durch die Kürze bleibt sie ein Teil der Haupthandlung und wird nicht separiert vom Rest des Textes. Aber das bleibt Geschmackssache, ebenso wie die Anzahl der Seiten. Alleine mit den Motiven die ich aufgezählt habe könnte man (wenn man dem Vater genug Platz darin gibt) eine ganze Geschichte für sich schreiben.

Aber eine Sache ist mir noch in den Vorschlägen aufgefallen: Die human-pessimistische Darstellung der Besatzung. Auch das ist natürlich Geschmackssache, aber ich würde vor allem darauf verzichten. Wenn man ihnen schon Raum geben möchte, dann sollten sie nicht nur Statisten auf See sein: Sie sollten auch ein Leben an Land haben, als liebende und geliebte Väter, Ehemänner, Brüder und Söhne. Und alleine aus dem Grund wäre eine Darstellung als reine Feiglinge, Perverse oder Meuterer nicht nur recht unpassend, sondern auch unzweckmäßig. Wenn sie Erwähnung finden, dann vielleicht als recht gute und anständige Leute -Wenn man nicht zu viel erwartet.
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Callida » 15.09.2015, 00:38

Danke, danke, danke, Vaerson!

Du hast genau ausgedrückt, wieso ich mich mit meinen bisherigen Ideen noch nicht wohlgefühlt habe: Ich will nicht einfach irgendwelche Unwahrscheinlichkeiten einstreuen. Und ich glaube du hast mich jetzt überzeugt, dass die Situation an sich schon genug Material bietet, um interessante Szenen zu schreiben, die einen tieferen Einblick in die Charaktere liefern.

Vielen Dank also, du hast mir das Gefühl genommen, dass da ein klaffendes Loch in meiner Geschichte ist :2thumbs: :flowers:
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon EmmaR » 17.09.2015, 16:39

Hallole, meine Idee dazu.
Wenn du nicht schreiben willst, die Segel gehisst und hui sind sie schon da, dann bau doch eine Geschichte IN die Geschichte ein. Z.B. Was ist das mit dem Archipel, dazu gibt es vielleicht etwas zu schreiben, wird es von bösen versiegelt, dass der Vater nicht hin kann. Oder es wird, während deine Prota auf hoher See ist bedroht, von einem Sturm, der es zu vernichten droht, von finsteren Mächten, die verhindern wollen, dass ihr Vater dort ankommt. Oder ein finsteres Geheimnis des Vaters, der Grund, weswegen er verflucht wurde, was die Prota erst auf hoher See erfährt. Vielleicht werden auf hoher See von dieser dunklen Macht die Gedanken des Vaters oder der Prota vergiftet. Die Idee eingegeben, es sei alles die Schuld der Nixe. Sie müssen einen Weg finden, diese dunklen Einflüsterungen aus den Gedanken zu bekommen. Sowas wie Sirenen, die das Schiff auf Abwege locken wollen.
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Mefla » 23.09.2015, 08:53

Ich würde mich FrozenBambi anschließen. Wenn du diese 14 Tage spannend und interessant machen willst, verliert die Geschichte irgendwie ein wenig an Realität. Schiffsreisen sind nunmal langweilig. sich die Bis auf Zwischenmenschliches oder Naturgewalten würde ich sonst auf möglichst viel Handlung verzichten. Der Leser soll die Langeweite der Prota schon ein wenig spüren. Nutze die Zeit am Besten für eine nachvollziehbare Charakterisierung. Schreibe etwa, dass sie sich über das Essen aufregt (das war ja an Bord nicht immer so gut, wnn ich mich recht erinnere) oder dass sie nach den ersten 3 Tagen schon kein Wasser mehr sehen kann, auch wenn sie vorher begeistert davon war oder dass sie es satt hat, nur an Bord eines Schiffes zu sitzen während ihr Vater im Sterben liegt.
Du kannst sie ja auch einen emotionalen Tiefpunkt erreichen lassen, damit sie von ihrem Verehrer getröstet wird und sie sich annähern. Du kannst sie aber genauso gut auch heftig streiten lassen, da sie sehr eng beieinander sind und das scon mal zu Auseinandersetzungen führt.

Noch eine Idee: Erfinde etwas, womit sie sich die Zeit vertreibt. Beispielsweise hat sie an Bord Schach gelernt und ist nach etwa 4 Tagen exzessivem Training so gut, dass keiner mehr mit ihr Spielen will, weshalb sie sich nun wieder langweilt. Das hat kaum Handlung, aber es macht das Schiffsleben irgendwie dreidimensionaler.

LG Mefla
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon Desperado » 23.09.2015, 09:54

Hast du TITANIC mit Leo DiCaprio gesehen?
Die ganze Zeit nur auf dem Schiff und die Hälfte des Filmes gibt es auch noch keine Katastrophe. Trotzdem gibt es einiges zu erzählen.
... natürlich muss es für die folgende Handlung auch wichtig sein. Aber du kannst es doch super zur Figurenentwicklung nutzen. Pick dir ein paar Szenen raus und erzähle sie spannend, romantisch oder einfach nur intensiv. Selbst ein einfaches Essen kann dadurch einen Aha-Effekt bringen.
"Heartbeatclub: 17 heiße Rhythmen" 2015 - "Erwarte mich in Paris" 2013 - "Engelsgesang" 2011 - "Einmal Sinti und zurück" 2010
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Re: Ewig lange Schiffsreisen sind laaaangweilig

Beitragvon grit » 23.09.2015, 21:36

Blickt man nach vorn - Wasser. Schaut man nach hinten - Wasser. Wendet man den Kopf zur Seite - Wasser. Überall nichts als Wasser - und der Horizont verschwimmt und lässt einen nicht mal erkennen, wo der Himmel beginnt. Tagein, tagaus nichts als diese Eintönigkeit. Wenn nichts weiter passiert, sind die paar Leute in dieser Zeit zurückgeworfen auf sich selbst. Das kann man sehr interessant und spannend schildern. Die Größe und Weite des Meeres und mitten drin, in einem lächerlichen Stück Holz mit ein bisschen Stoff ein paar Winzlinge. Menschen, die so vermessen sind, sich zu messen mit einer Gewalt, die sie jederzeit zermalmen kann. Seekrankheit, Sonnenstich, Angst, Langeweile - genug Stoff für Spannung.
Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dass immer etwas passieren muss. Oft findet das Interessanteste im Inneren der Figuren statt.
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