[SciFi]Extinktion (Teil 4)

[SciFi]Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Feindesland » 22.01.2014, 15:45

Teil 3 http://www.schreibwerkstatt.de/extinktion-teil3-t48287.html Teil 3


»Ich habe dem Täter die Zähne eingeschlagen.« Er holte Luft. »War das der Vater?«
»Du warst das? Herzlichen Glückwunsch!« Das klang ehrlich. »Ja, das war der leibliche Vater beider Kinder. Völlig durchgedrehtes Arschloch. Wenn ihr nicht gekommen währt, dann hätte er die kleine Anna sicher auch getötet. Walter Dolor heißt der Wichser. Der Teufel soll ihn fressen! Und die Schlampe von Mutter gleich mit.«
Der Mordermittler betrieb Psychohygiene in eigener Sache, übergab sich verbal.
»Was ist mit der Mutter?« Stellers Stimme wackelte.
Kollege Schreiber in Rage schien für solche Feinheiten nicht empfänglich. »Wir haben sie in Dortmund ermittelt. Dort war sie bei ihrer Mutter untergekrochen. Ich telefonierte vor fünf Minuten mit den Dortmunder Kollegen. Es gab bereits eine erste Befragung. Und weißt du, warum sie ihrem angetrauten Ehemann den Rücken gekehrt hat? Na, was glaubst du?« In der Stimme Wut. »Weil sie nicht mehr mit ansehen konnte, wie ihre Töchter von ihrem Vater sexuell missbraucht werden! Aber auf die Idee, ihre Kinder mitzunehmen, ist sie nicht gekommen. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie den Kollegen für eine Scheiße aufgetischt hat.« Kurze Pause. Schnaufen. »Sie ist mit dem Zug nach Dortmund gefahren und hatte nicht genug Geld für die Tickets der Kleinen gehabt! Da sie als gesetzestreue Bürgerin nicht schwarzfahren wollte, konnte sie die Mädchen nicht mitnehmen. Glückwunsch. Der Teufel soll sie fressen!«
»Mein Gott.«
»Du hättest das Schwein totschlagen sollen. Und sie gleich mit. Ich wiederhole mich.«
»Was ist mit dem anderen Mädchen passiert?«
»Die kleine Anna? Die ist in der Uni. Sie wird da in der Kinderpsychiatrie untergebracht. Der Herr schütze sie.« Schreiber machte eine kurze Pause.

Ein Feuerzeug klickte. »Kollege, darf ich dich was fragen?«
Steller hielt den Atem an. »Ja.«
»Hast du dich krankgemeldet?«
»Ja.« Sein Magen entkrampfte sich.
»Ich gebe dir einen Rat. Ruf dir ein Taxi und fahr in die Psychiatrie. Lass dich einweisen. Erzähl denen, du bist selbstmordgefährdet. Dass dich der Scheiß kaputtmacht. Wenn Anklage gegen dich erhoben wird, errichtet dein Verteidiger eine Mauer aus Attesten. Schütze dich!«
»Ja, ich denke, das ist eine gute Idee.«
»Natürlich ist sie das.«
Einige Sekunden hörte man nur das Knistern der Telefonleitung.
»Was kann ich noch für dich tun?« Schreibers Stimme klang sanft.
Steller zögerte. »Konntet ihr die Tatzeit ermitteln? Ich meine, die genaue Tatzeit.«
Stille.
»Willst du das wirklich wissen?«
Steller hielt den Atem an. »Ja«, presste er hervor.
»Wie du meinst.« Papier raschelte. »Die Kamera hat die Tat aufgezeichnet. Jedenfalls den Ansatz dazu. Dann war das Band voll. Das Menü der Kamera war so eingestellt, dass sie sich nach einem automatischen Rücklauf auf Wiedergabe schaltete.« Das Feuerzeug klickte erneut. »Nach Abgleich der Menüzeit der Videokamera mit der Echtzeit wurde Sarah Dolor die tödliche Verletzung um 12:05 Uhr zugefügt.«

Steller konnte nicht sprechen. Sarah. In seinem Kopf echote der Schrei, den Ben und er im Treppenhaus gehört hatten.
»Ich bin jetzt 58 Jahre alt und so wie ich rauche, werde ich auch nicht mehr viel älter. Ich bin kein Anfänger, ich weiß, was los ist.«
Steller verkrampfte sich. Der Hörer knackte in seiner Hand.
»Das Schicksal hat einen beschissenen rechten Haken. Von mir hast du nichts zu befürchten.« Er hustete trocken. »Gott schütze dich.« Das Gespräch wurde beendet. Eine kurze Zeit passierte nichts, dann übergab sich Steller in den Papierkorb.

Minutenlang saß er da, ohne sich zu bewegen.
Wie viel Zeit hatte er an der Tankstelle verplempert? Er war pinkeln gegangen und hatte sich im Anschluss eine Packung Kippen gekauft. Wie lange? Fünf Minuten? Sechs Minuten?
Wie viel früher wären sie angekommen? Zwischen dem Auftrag und ihrem Eintreffen im Cheruskerweg lagen acht Minuten. Die Fahrt dauerte keine zwei Minuten. Sechs Minuten hatte er verbummelt.

Er versuchte klar zu denken.

Was wäre geschehen, wenn er sich beeilt hätte? Darauf gab es keine Antwort. Man mochte sich noch so sehr bemühen. Die Kausalkette einer alternativen Zeitlinie bestand nur aus Unbekannten. Ihre Berechnung verlor sich augenblicklich im Nebel der Unschärfe.
Aber er musste gar nicht ins Detail gehen.
Sein Handeln hatte zwangsläufig zum Tod des Mädchens geführt. Darin lag seine Schuld. Ob sein früheres Erscheinen sie gerettet hätte oder nicht, spielte keine Rolle. Er hatte ihr die einzige Chance auf eine Rettung genommen. Er hatte dafür gesorgt, dass diese hoffnungsvolle Weltenlinie niemals Wirklichkeit werden konnte.
Mit Fug und Recht konnte er von sich behaupten, dass er im Dienst noch nie versagt hatte. Seine Entscheidungen waren immer durchdacht, sein Tun planvoll. Aber jetzt, wo es das erste Mal wirklich darauf ankam, da hatte er versagt.
Er hatte das Kind getötet. Sarah. Er hatte Sarah getötet.

Die Pistole lag auf dem Schreibtisch. Er legte die Hand auf das Metall, hob hob die Waffe an. Der Zeigefinger drückte einen kleinen Hebel. Das Magazin polterte auf die Schreibtischplatte.
Die Rechte umklammerte das Griffstück, mit der Linken zog er den Schlitten der Automatik zurück. Die Patrone aus dem Lauf flog in einem Bogen durch die Luft, rollte auf den Dielen umher. Steller wog die Pistole abschätzend in der Hand wie ein Stück Obst auf dem Wochenmarkt. Dann setzte er sich die Mündung an die Schläfe. Nur mal testen. Sein Zeigefinger fand den Druckpunkt des Abzugs. Noch ein paar Gramm mehr Zugkraft. Dann ...
Die Waffe klickte.
War das so schlimm gewesen?
Er hob die Patrone vom Boden auf und steckte sie zurück in das Magazin. Sollte er etwas schreiben? Wozu?
Das Magazin klickte, als er es in die Pistole einführte. Er lud die Automatik durch und hob sie an den Kopf. Nur ein Wimpernschlag. Nichts weiter. Ein längst überfälliger Schritt.

Teil 5 http://www.schreibwerkstatt.de/extinktion-teil-5-t48321.html Teil 5
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Siba » 23.01.2014, 16:48

»Ich habe dem Täter die Zähne eingeschlagen.« Er holte Luft. »War das der Vater?«
»Du warst das? Herzlichen Glückwunsch!« Das klang ehrlich. »Ja, das war der leibliche Vater beider Kinder. Völlig durchgedrehtes Arschloch. Wenn ihr nicht gekommen währt, dann hätte er die kleine Anna sicher auch getötet. Walter Dolor heißt der Wichser. Der Teufel soll ihn fressen! Und die Schlampe von Mutter gleich mit.«


Am Ende deines dritten Teils, erwähntest du, dass Steller den Kollegen nicht weiter kennt, nur vom Namen her. Warum duzte Schreiber dann Steller sofort? Der Dialog wirkt eher so, als würden die beiden sich schon lange gut kennen.

»Du hättest das Schwein totschlagen sollen. Und sie gleich mit. Ich wiederhole mich.«


Blaue Markierung: Schreiber ist Mordermittler. Vielleicht besitzt er wenig Moral, dass er nicht mit der Wimper zucken würde, um selbst einen Mord zu begehen, um damit einen anderen Mord zu rechtfertigen, doch würde er das tatsächlich Steller so deutlich unter die Nase reiben, zumal die beiden sich doch eigentlich gar nicht näher kennen? Finde ich etwas fragwürdig, dass er so unüberlegt zu einer fremden Person so etwas äußert, auch wenn er in Rage ist.

Er legte die Hand auf das Metall, hob hob die Waffe an.


Einmal "hob" zu viel.

Er lud die Automatik durch und hob sie an den Kopf. Nur ein Wimpernschlag. Nichts weiter. Ein längst überfälliger Schritt.


Selbstmordgedanken, weil er einmal in seiner langen Laufbahn - aus seiner Sicht - versagt hatte? Er düfte schon mehrmals in seinem Beruf damit konfrontiert worden sein, dass jede Hilfe manches Mal zu spät kam. Auch wenn es ihm selbst bisher nicht betraf, doch sicherlich anderen Kollegen schon.
Schuldgefühle ja, doch so schnell plötzlich Gedanken in diese gravierende Richtung?
Du erwähnst zwar im letzten Satz, dass es ein längst überfälliger Schritt wäre, jedoch wird der für mich als Leser bisher nicht deutlich. Oder folgt dazu noch näheres im weiteren Teil?

Fazit:
Bisher fand ich deine Geschichte spannend erzählt. Ich mag deinen Schreibstil. An deiner Schreibe gibt es rein nichts zu meckern, sie ist sehr ausgereift. Zumindest empfinde ich das so.
Auch mochte ich grundlegend das Tempo, dennoch solltest du aufpassen, dass du den Leser nicht stetig durch die Geschichte hetzt.
Was ich bisher vermisse (und ich bin jetzt beim vierten Teil angelangt): die Science Fiction - Elemente. Bisher lese ich einen Krimi. Du hattest in deiner Erklärung im ersten Teil angeführt, dass dein Science Fiction in der Endzeit spielt. Das konnte ich nirgends nachempfinden.
Wir haben es mit einem nicht recht ungewöhnlichen Mordfall zu tun, doch wo bleibt die Endzeitstimmung, wenigstens erste Andeutungen hierzu? Der Mordfall könnte sich auch in der Jetztzeit abgespielt haben. Die Hintergrundkulisse bietet keinen Unterschied zu unserer Gegenwart.
Ich persönlich bin nicht versteift auf ein bestimmtes Genre, mich interessiert breitgefächert alles Mögliche, weshalb ich erst einmal weiter lesen würde, in der Hoffnung, dass ich hier bald rundherum etwas mehr erfahren würde. Nur wie wird es Science Fiction-Liebhaber ergehen, die einen Science Fiction Roman lesen möchten und keinen reinen Krimi?
Ich habe die Teile sehr gerne gelesen. Dankeschön, dass du uns in deinen Roman reinschnuppern lässt.

Liebe Grüße
Siba
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Feindesland » 23.01.2014, 23:23

Hallo Siba,

Am Ende deines dritten Teils, erwähntest du, dass Steller den Kollegen nicht weiter kennt, nur vom Namen her. Warum duzte Schreiber dann Steller sofort? Der Dialog wirkt eher so, als würden die beiden sich schon lange gut kennen.


Das ist das Problem eines Insiders. Für mich ist es nichts besonderes, das Polizisten mitunter auf diese Art miteinander reden, auch wenn sie sich nicht näher kennen. In Frankfurt z. B. duzten sich alle. Erst ab bestimmten Dienstgraden lässt man das bleiben. Aber selbst dann nicht immer. Ich selber bin Kriminalhauptkommissar. Wenn ein junger Kollege mich siezen würde, dann würde ich den ziemlich schräg anschauen und ihm sagen, das er den Scheiß lassen soll. Der Umgang untereinander hat mit dem Tatort der Öffentlich-Rechtlichen nicht zu tun.

Blaue Markierung: Schreiber ist Mordermittler. Vielleicht besitzt er wenig Moral, dass er nicht mit der Wimper zucken würde, um selbst einen Mord zu begehen, um damit einen anderen Mord zu rechtfertigen, doch würde er das tatsächlich Steller so deutlich unter die Nase reiben, zumal die beiden sich doch eigentlich gar nicht näher kennen? Finde ich etwas fragwürdig, dass er so unüberlegt zu einer fremden Person so etwas äußert, auch wenn er in Rage ist.

Das ist nicht ungewöhnlich. Zynismus und Sarkasmus ist ein absolut notwendiges Ventil (man muss seine eigene Psyche schützen). Aber hier liegt das Problem für mich. Nur weil ich bestimmte Dinge weiß, muss das dem Leser nicht klar sein. Das muss ich also anders vermitteln. Aber ich hoffe, das ich das mit relativen wenigen Änderungen auf die Reihe bekomme.

Nur wie wird es Science Fiction-Liebhaber ergehen, die einen Science Fiction Roman lesen möchten und keinen reinen Krimi?

Ich habe es anderer Stelle bereits geschrieben. Das wird kein Krimi. Es gibt aber sicher auch Horror Filme die wie ein Liebesfilm beginnen.

Mein Plan ist, das gesamte Kapitel einzustellen. Das sind dann noch ein der zwei Teile. Danach werde ich es überarbeiten. Sollte das dann noch irgendjemand interessieren werde ich auch das 2. Kapitel einstellen. Es sei denn mir schreibt einer, dass ich hier nicht alles vollmüllen soll :wink:
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Siba » 24.01.2014, 12:06

Das ist das Problem eines Insiders. Für mich ist es nichts besonderes, das Polizisten mitunter auf diese Art miteinander reden, auch wenn sie sich nicht näher kennen. In Frankfurt z. B. duzten sich alle. Erst ab bestimmten Dienstgraden lässt man das bleiben. Aber selbst dann nicht immer. Ich selber bin Kriminalhauptkommissar. Wenn ein junger Kollege mich siezen würde, dann würde ich den ziemlich schräg anschauen und ihm sagen, das er den Scheiß lassen soll. Der Umgang untereinander hat mit dem Tatort der Öffentlich-Rechtlichen nicht zu tun.
...
Das ist nicht ungewöhnlich. Zynismus und Sarkasmus ist ein absolut notwendiges Ventil (man muss seine eigene Psyche schützen). Aber hier liegt das Problem für mich. Nur weil ich bestimmte Dinge weiß, muss das dem Leser nicht klar sein. Das muss ich also anders vermitteln. Aber ich hoffe, das ich das mit relativen wenigen Änderungen auf die Reihe bekomme.



Wenn das so üblich ist, dann vergiss meinen Einwand, es sei denn, es würde anderen Lesern ebenfalls aufstoßen. Dann könntest du immer noch einen weiteren Satz hinzufügen, der auf den manchmal durchaus üblichen rauen Umgang der Kollegen untereinander aufmerksam macht.

Ich habe es anderer Stelle bereits geschrieben. Das wird kein Krimi. Es gibt aber sicher auch Horror Filme die wie ein Liebesfilm beginnen.


Das stimmt, dieses Mal gebe ich mich geschlagen. :D

Mein Plan ist, das gesamte Kapitel einzustellen. Das sind dann noch ein der zwei Teile. Danach werde ich es überarbeiten. Sollte das dann noch irgendjemand interessieren werde ich auch das 2. Kapitel einstellen. Es sei denn mir schreibt einer, dass ich hier nicht alles vollmüllen soll :wink:


Ich bin gespannt darauf und freue mich aufs Lesen.

Liebe Grüße
Siba
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon CraX » 05.02.2014, 17:32

Hallo nochmal,

Teil 3+4 fasse ich hier einfachheitshalber zusammen:

als wäre er ein feindlicher Quarterback.

Ich würde hier kein Fachbegriff aus dem amerikanischen Football verwenden, wenn die Story in Deutschland spielt.

Die Panik trieb ihn, bis er mit einem Gegenstand kollidierte, der seinem Gewicht nachgab.

Wogegen rumpelt er denn jetzt eigentlich? Weiter oben klang es so. als ob er sich mitten im Zimmer auf den Boden legte und dort einschlief. Befindet er sich jetzt plötzlich unter dem Wohnzimmertisch?

Die Flasche fiel, zerplatzte auf den Fliesen.

Ziemlich übertrieben, wie ich finde. Es wird mir auch im anschließendem Telefonat nicht klar, welcher Gedankengang ihn jetzt so erschreckt hatte (selbst wenn er alles Geschehene vom Vortag vergessen und ihm das jetzt mit einem Schlag alles wieder eingefallen sein sollte, ist es übertrieben).

Darum riss er sich zusammen, versuchte sich an die entscheidende Frage heranzutasten.

Tut er nicht, er kommt gleich zur Sache.
---------------------------
Teil 4:

»Du hättest das Schwein totschlagen sollen. Und sie gleich mit. Ich wiederhole mich.«

Die Wut – auch gegen die Mutter - ist verständlich, trotzdem steckt hier
1.) der Logikfehler drin, dass sich die Mutter ja in Dortmund befindet und er folglich nicht beide in einem Rundumschlag hätte umbringen können.
2.) Ein Polizeikollege, den Steller nicht näher kennt (und umgekehrt) – trotz aller Wut - kaum solche „Empfehlungen“ von sich geben würde.
Wenn ich mir das Gespräch und dessen weiteren Verlauf ansehe, gewinne ich eher den Eindruck, dass sich die beiden mehr als nur flüchtig kennen. Lass Schreiber und Steller etwas näher freundschaftlich oder kollegial zusammenrücken, dann wirkt das Gespräch glaubwürdiger und du musst dann auch kaum was daran ändern.

Steller konnte nicht sprechen. Sarah. In seinem Kopf echote der Schrei, den Ben und er im Treppenhaus gehört hatten.

Der Name Ben taucht hier erstmalig auf. Anfangs hieß der Kollege noch Wilczek. Wenn der Kollege Ben Wilczek keine größere Bedeutung in der weiteren Geschichte hat, würde ich mich entweder für den Vor- oder Nachnahme entscheiden.
»Ich bin jetzt 58 Jahre alt und so wie ich rauche, werde ich auch nicht mehr viel älter. Ich bin kein Anfänger, ich weiß, was los ist.«

Und wer sagt das jetzt eigentlich und warum? Wie passt das Thema Rauchen hierhin?

Der Hörer knackte in seiner Hand.

Wenn so ein Plastikteil knackt, ist es eigentlich schon zersprungen, würde ich sagen. Das Gespräch geht aber noch weiter ...

Eine kurze Zeit passierte nichts, dann übergab sich Steller in den Papierkorb.

Auch das kommt nicht richtig glaubwürdig und etwas unvermittelt bei mir an. Wenn er doch nicht so ein harter Kerl ist (wie man anfangs noch vermutet), dann hätte er sich doch bereits am Tatort übergeben.
Aber du willst vermutlich damit die seelische Erschütterung vorwegnehmen, die nun folgt. Und hier kommen wir zum größten Knackpunkt der Geschichte.
Betrachte alles vorhergesagte als Lapallien, aber hier stimmt etwas ganz und gar nicht.
Aber das haben (hatten?) dir auch bereits andere bereits geschrieben. Die Selbstmordszene, bzw. hier die Absichtserklärung ist vollkommen unglaubwürdig.

Sein Handeln hatte zwangsläufig zum Tod des Mädchens geführt. Darin lag seine Schuld.
...
Er hatte das Kind getötet. Sarah. Er hatte Sarah getötet.

Vielleicht liegt es an deinem Schreibstil, aber ich habe Steller bis hierher als eher als routinierten Profi empfunden, den so eine Sache nicht so einfach umwerfen würde. Wenn er zuvor schon ein schwermütiger Typ gewesen war, kam’s nicht an bei mir.
Gut, so eine Szene würde wohl auch einen abgebrühten Polizisten ganz schön mitnehmen, aber sich selbst dafür die Schuld zu geben?
Da muss schon eine ganze Welle Weltschmerz noch mit hinzukommen, und andere schreckliche Dinge, die er erlebt hatte. Sarah kann bestenfalls als Tropfen dienen, der sein Fass zum überlaufen bringt, aber nicht als Auslöser.
Selbst, wenn diese Selbstmordgedanken etwas mit der angekündigten Seuche zu tun haben sollten, müsste es glaubwürdiger herüberkommen.


Abgesehen davon finde ich die Geschichte weiterhin sehr spannend, und würde mich freuen, wenn du sie hier fortsetzen würdest.
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Azareon29 » 29.05.2014, 00:28

Dann mal zu Teil Vier.


Der Mordermittler betrieb Psychohygiene in eigener Sache, übergab sich verbal.
Das klingt sehr schön hartgesotten-realistisch. Mehr davon. :D

Der Teufel soll ihn/sie fressen!

Der Kollege hat eine sehr seltsame Fixierung auf diesen Fluch. Klingt für meine Ohren etwas gekünstelt. Besonders so kurz zweimal hintereinander.


Kollege Schreiber in Rage schien für solche Feinheiten nicht empfänglich. »Wir haben sie in Dortmund ermittelt. Dort war sie bei ihrer Mutter untergekrochen. Ich telefonierte vor fünf Minuten mit den Dortmunder Kollegen. Es gab bereits eine erste Befragung. Und weißt du, warum sie ihrem angetrauten Ehemann den Rücken gekehrt hat? Na, was glaubst du?« In der Stimme Wut. »Weil sie nicht mehr mit ansehen konnte, wie ihre Töchter von ihrem Vater sexuell missbraucht werden! Aber auf die Idee, ihre Kinder mitzunehmen, ist sie nicht gekommen. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie den Kollegen für eine Scheiße aufgetischt hat.« Kurze Pause. Schnaufen. »Sie ist mit dem Zug nach Dortmund gefahren und hatte nicht genug Geld für die Tickets der Kleinen gehabt! Da sie als gesetzestreue Bürgerin nicht schwarzfahren wollte, konnte sie die Mädchen nicht mitnehmen. Glückwunsch. Der Teufel soll sie fressen!«

Erstens, das ist sehr viel Hintergrundexposition, auch für einen Dialog.
Zweitens, fällt niemandem in der Station dieses Geschrei des Kollegen auf? So etwas würde ich eher in einer Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht erwarten, aber nicht über das Telefon.

»Du hättest das Schwein totschlagen sollen. Und sie gleich mit. Ich wiederhole mich.«

Die Meinung des Kollegen ist zwar nachvollziehbar, aber auch sowas wird normalerweise nicht über das Telefon mitgeteilt. Man weiß nie, wer mithört, und sei es nur der Vorgesetzte, der gerade hinter dem Kollegen in der Tür steht.

Das sind soweit die einzigen Macken, die mir aufgefallen sind. Ist natürlich nur meine Meinung, nimm dir, was du davon gebrauchen kannst.

Puh. Der Text ist ganz schön harter Tobak. Aber bis auf die Macken sehr gut geschrieben. Bin mal auf Teil Fünf gespannt. Weiter so!
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Feindesland » 25.06.2014, 12:39

@Azareon29

Vielen dank für deine Kritik. Habe nicht damit gerechnet, dass sich noch jemand meldet. :D
Mein Roman befindet sich gerade im Lektorat. Falls du ihn jemals lesen solltest, wirst du auf jedenfalls merken, warum er unter sci-fi steht. Hier ist eben nur die Einleitung eingestellt. Das Chaos kommt erst. :twisted:

Ich nehme jetzt nicht im einzelnen Stellung auf deine Anmerkungen. Allerdings sind einige Dinge dabei die ich genau so sehe und die bereits abgeändert sind.

Was ich wirklich interessant finde ist, dass mir keiner glaubt das Polizisten (jedenfalls in Frankfurt) auf diese Art miteinander reden (wenn die Umstände entsprechend sind). Ich kann dir versichern, dass das so ist. Irgendwie muss man den Frust loswerden. Verbale Entgleisungen bieten sich an. Aber das nur am Rande.

Ende August wird mein Roman bei Amazon erscheinen. Das hoffe ich jedenfalls.
Der Titel wird allerdings ein anderer sein. Statt Extinktion heißt er dann reset.

Mfg

Jens
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Re: Extinktion (Teil 4)

Beitragvon Azareon29 » 25.06.2014, 15:08

Hallo,
Ende August wird mein Roman bei Amazon erscheinen. Das hoffe ich jedenfalls.
Der Titel wird allerdings ein anderer sein. Statt Extinktion heißt er dann reset.


dann schick mir nochmal eine Nachricht, wenn es soweit ist. Mein Interesse ist geweckt. Jetzt will ich die ganze Geschichte hören.

MfG
Azareon
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