[Märch] : Gut Ding will Weile haben

Werke, die älter als 2 Jahre sind.
nur noch lesender Zugriff

[Märch] : Gut Ding will Weile haben

Beitragvon Tina Antosch » 08.04.2008, 17:06

Gut Ding will Weile haben

Der alte Schmetterling landete lautlos auf dem Ast des Baumes, auf dem er seinen Sohn ausmachen konnte.
„Du wirst jetzt endlich fliegen! Du musst deinen inneren Schweinehund überwinden, deine Angst, deine Bequemlichkeit!“, herrschte der alte Schmetterling seinen Sohn an.
„Ich weiß Vater, aber ich kann noch nicht, verstehst du?". Der Junge wünschte sich fliegen zu können, aber noch war sein unersättlicher Hunger nach Ruhe und Geborgenheit, den er mit unentwegtem Essen zu stillen versuchte, stärker.
„Du bist eine Schande für uns alle! Schau dich an, du bist fett und unbeweglich!“ Der Schmetterling sah verachtend auf seinen Sohn herab.
„ Ich bin müde“, jammerte der Junge, „ Ich möchte mich irgendwo verkriechen und nur noch schlafen. Es tut mir leid, deinen Erwartungen nicht zu entsprechen.“ Die letzten Worte hätten den Alten fast dazu gebracht, den Jungen in Ruhe zu lassen. Jetzt nur nicht sentimental werden, mahnte der Schmetterling sich selbst.
„Weißt du was wir machen? Ich helfe dir. Ich begleite dich an eine Stelle, die ideal ist um das Fliegen endlich zu wagen, und wo dir der letzte Mut fehlt, gebe ich dir einen leichten Schubs, ja?“
Der Junge war unendlich erschöpft. Er ergab sich einfach. Er hatte nicht mehr die Kraft etwas zu entgegnen. Und während er sich mühselig zu ihrem Ziel plagte, dachte er an einen Traum, der ihn immer wieder heimsuchte: Er lag endlich einmal satt und geborgen in einem warmen, ihn umhüllenden Versteck und schlief. Schlief, bis er nicht mehr müde war. Dann schlug er in seinem Traum die Augen auf und flog! Er flog, und es war die natürlichste Sache der Welt.
Der Junge stöhnte leise, als er an diesen Traum dachte. Der Schmetterling verlangsamte sein Tempo. Unfassbar wie träge und wehleidig sein Sohn war!
Als sie an die Stelle gekommen waren, die tatsächlich ideal war, um endlich abzuheben, verließ den Jungen jeder Mut. Er war einer Ohnmacht nahe. Ihm war schwindlig. Er schloss die Augen und der vertraute Traum stellte sich ein. Er flog.

Der Vater hatte seinem Sohn die Hilfe gegeben, die er offensichtlich brauchte. Ein kleiner Schubs, das war alles. Wie könnte der Junge anders, als jetzt endlich fliegen?
Voll Erstaunen musste er aber beobachten, wie sein Sohn fiel und fiel und fiel.
Als er unten aufschlug, gab es kaum ein Geräusch, dazu war er zu fett gewesen.
Sein Vater brauchte sich nicht einmal Sorgen um die Leiche zu machen, denn in Windeseile war eine Amsel herbeigekommen und hatte die Raupe mit einem hap! verschluckt.
Der Alte breitete seine Flügel aus und flog davon. „Ich habe es ja nur gut gemeint. Aus dem wäre sowieso nie ein ordentlicher Schmetterling geworden!“

Moral: Wenn du den Eindruck hast, aus deinem Kind wird nie etwas, hast du bestimmt recht.
Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
Benutzeravatar
Tina Antosch
 
Beiträge: 339
Registriert: 18.03.2008, 18:31
Wohnort: Freilassing

Beitragvon Kröte » 08.04.2008, 19:08

Hallo Tina,

ich darf doch beim Vornamen bleiben, oder?^^

Deine kleine Fabel hat mir sehr gut gefallen, sowohl von der Länge, als auch von ihrem Inhalt her.

Zuerst mal was Kleines:

„Ich weiß, Vater, aber ich kann noch nicht, verstehst du?"


Da hat sich ganz frech ein Komma verkrümelt.

Noch während ich las verstand ich wohl die Anspielung auf das Problem des Sohnemanns - dass er sich nocht nicht verpuppt und verwandelt hatte -, musste mich aber doch fragen, wie die Geschichte nun ausgehen würde. Ich schwankte also unwillkürlich zwischen dem Hoffen, es möge vor dem Unausweichlichen doch noch irgendwie zur Verwandlung kommen, und der Ahnung, dass eben dies nicht geschehen würde.


Der Alte breitete seine Flügel aus und flog davon. „Ich habe es ja nur gut gemeint. Aus dem wäre sowieso nie ein ordentlicher Schmetterling geworden!“


Dass ein Schmetterling kaum intensiv um den Tod irgendeines Artgenossen trauern wird - und sei es der eigene Sohn -, wird hier noch einmal schön verdeutlicht. Dazu müssen sich Herr (und Frau) Schmetterling einfach mit zu vielen Blagen herumärgern.

Ich persönlich fühle mich durch das Verhalten des Alten auch wieder mehr an tatsächliche Schmetterlinge in der Natur erinnert. Es bleibt das Gefühl der Fabel - sprechende Tiere und ihre (oder vielmehr unsere) Alltagssorgen, hach! -, zeitgleich werde ich jedoch auch wieder an die Realität herangewunken.
Wo Schmetterlinge nicht sprechen können. Aber auch nicht sehr mitfühlend reagieren.
Denke ich.


Der Junge war unendlich erschöpft. Er ergab sich einfach. Er hatte nicht mehr die Kraft etwas zu entgegnen.


Kurz und treffend. Beinahe hatte ich Mitleid mit dem armen Kerl.


Sein Vater brauchte sich nicht einmal Sorgen um die Leiche zu machen, denn in Windeseile war eine Amsel herbeigekommen und hatte die Raupe mit einem hap! verschluckt.


Für meine Auffassung auch ein äußerst wichtiger Punkt in Sachen Ökologie. Kreislauf des Lebens. Und auch, wenn der Raupe kein glückliches Ende beschieden war, so zog wenigstens ein anderer seinen Nutzen daraus.^^


Moral: Wenn du den Eindruck hast, aus deinem Kind wird nie etwas, hast du bestimmt recht.


Ich musste wirklich grinsen. Furchtbar böse, jedoch allzu oft traurige Wahrheit.

Eine sehr unterhaltsame Fabel also, wie ich finde. :D In jedem Fall regt sie zum Nachdenken an, ob denn alles Hoffen bei dem lieben Nachwuchs nicht doch vergebliche Müh' ist, oder am Ende vielleicht alles gut wird - AWG, alle werden glücklich?

Gruß Kröte
Benutzeravatar
Kröte
 
Beiträge: 9
Registriert: 01.04.2008, 20:38
Wohnort: Billigheim

Beitragvon Jorenn » 09.04.2008, 06:28

Hallo Tina (ich benutze jetzt auch ganz frech einfach mal den Vornamen),

Deine Fabel hat mir sehr gut gefallen. Die Moral ist ziemlich zynisch und bewirkt genau die richtige Mischung aus Ärger über den alten Schmetterling und Wunsch, es nicht ebenso zu machen, die eine gelungene Fabel vermitteln sollte.

Manchmal wünsche ich mir aber noch ein wenig mehr Details und Tiefe. Zum Beispiel gehst Du recht wenig auf die Beweggründe des alten Schmetterlings ein. Eigenes Denken an der ein oder anderen Stelle wäre vielleicht nicht schlecht, sowas in der Art: "Jetzt nur nicht sentimental werden, mahnte der Schmetterling sich selbst. Ich tue das ja nur zu seinem Besten, er muss früher oder später fliegen, also ist es meine Aufgabe ihm dabei zu helfen, auch wenn es weh tut." (Das sind jetzt verschiedene Vorschläge in einen Satz gepresst, ich will schließlich nicht in Deinen Text reinschreiben.)

Tina Antosch hat geschrieben:Es tut mir leid, deinen Erwartungen nicht zu entsprechen

Das wirkt etwas zu gekünstelt für ein Kind / einen Jugendlichen. Du kannst es vielleicht einfach anders formulieren, z.B.: "Es tut mir leid, wenn ich nicht so bin, wie du mich haben willst."

Ansonsten bin ich wie gesagt begeistert von Deiner Fabel. Sehr schöne Ideen und Umsetzung.
LG Jorenn
"There's one terrifying word in the world of thermonuclear physics - Oops." (MST3000)

Das offilzielle Schreibwerkstatt-Anthologie-Projekt. Macht mit!
Benutzeravatar
Jorenn
 
Beiträge: 409
Registriert: 30.01.2008, 17:55
Wohnort: früher mal Peking, jetzt Freiburg (Brsg.)
Blog: Blog ansehen (7)

Beitragvon Tina Antosch » 09.04.2008, 15:24

Hallo Kröte und Jorenn!

Danke für eure positive Resonanz auf meine Fabel.

Die Gedanken des alten Schmetterling wollte ich eigentlich besser dargelegt haben, doch dann empfand ich es als zu langatmig und habe es wieder gestrichen. :? Sollte mehr Vertrauen in meine Inspiration haben! :)

Der Satz der Raupe, so wie du ihn beschreibst, Jorenn, ist wirklich besser.
Werde das ändern.

Danke noch mal
Tina
P.S. Klar, nennt ihr mich Tina! Ich bitte darum! 8)
Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
Benutzeravatar
Tina Antosch
 
Beiträge: 339
Registriert: 18.03.2008, 18:31
Wohnort: Freilassing

Beitragvon Vincent » 19.04.2008, 18:33

Wow, wirklich gute Geschichte.
Anfangs dachte ich eine kleine Kindergeschichte zu lesen. Das hat sich dann zum Schluß hin auf eine böse Art und Weise geändert, die mir sehr sehr gut gefallen hat!
Hier fällt wieder genau das positiv auf, was ich schon einigen anderen Autoren des Forums schreiben durfte:
Die Geschichte ist nachvollziehbar, weil der Konflikt und die Figurenmotivation nachvollziehbar sind.

An der Erzählweise habe ich ebenfalls nichts auszusetzen.

Der einzige Punkt, den ich zu bemängeln hätte, ist einer, den ich nur ungern anspreche (Wer im Glashaus sitzt...):
Wie meine Vorsprecher schon andeuteten wirkt der Dialog stellenweise noch ein wenig hölzern. Er ist irgendwie nicht lebensnah.
Meiner Meinung nach liegt das vor allem daran, dass niemand je wirklich genau das sagt, was er empfindet. Jeder verschlüsselt seine Botschaften auf die eine oder andere Weise.
Wir wissenm jedoch meistens (oder denken es zu wissen), was unser Gegenüber meint.
Wenn der Mann als Beifahrer seine Frau mit teilnahmsloser Stimme informiert: "Es ist grün, Schatz!", können wir das Spektrum der möglichen Reaktion förmlich vor uns sehen.
Die Wirkung wäre nicht so groß, wenn der Mann in der Erzählung stattdessen "Jetzt fahr endlich los, ich hasse es, wenn du Stundenlang wartest, bis du dich genehmst mal endlich loszufahren!", sagen würde. Wir wüssten ja gleich, ob er seine Bemerkung meint, wie wir sie verstehen.

Der Vater könnte so z.B. anfangen mit:
"Sohn! Was meinst du? Gehen wir mal ein wenig Fliegen üben?"
"Papa-"
"Keine Widerrede. Irgendwann musst du doch mal anfangen."
"Ich kann (noch) nicht!" ("noch" hat ja einen Sinn)
"Sag nicht immer >Ich kann nicht<, bevor du es nicht probiert hast!"
"Ich bin müde"
usw...

Irgendwas in der Art vielleicht. Halt so, dass nicht zu schnell offenbar wird, was die Figuren voneinander wollen. Ist glaube ich spannender :wink:
„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“
- Henry Ford

"Der Klügere gibt nach. Eine traurige Wahrheit, denn sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
- Marie von Ebner-Eschenbach
Benutzeravatar
Vincent
 
Beiträge: 48
Registriert: 16.04.2008, 22:11
Wohnort: Gießen

Beitragvon Jorenn » 20.04.2008, 01:06

Holldrio Vincent,
Du hast mit dem, was Du sagst schon Recht, aber ich befürchte, ich muss Dir widersprechen: In einem anderen Text würde ich Dir zustimmen, aber hier handelt es sich um eine Fabel. Was bei anderen Texten hölzern klingt, ist bei einer Fabel grundsätzlich erwünscht, da Fabeln keine realistischen Dialoge benutzen, sondern allgemeine sprachliche Aussagen.

Der Grund dafür ist einfach die allgemeine Moral, die von einer Fabel gewollt wird. Aus diesem Grund werden ja auch sprechende Tiere eingesetzt, mit Menschen wäre die entsprechende Moral schließlich auch darstellbar. Aber durch die Tiere und allgemein gehaltenen Dialoge wird eine allgemeine Gültigkeit erzeugt, die ansonsten nicht erreichbar wäre.

Folgenschwer :wink:
Jorenn
"There's one terrifying word in the world of thermonuclear physics - Oops." (MST3000)

Das offilzielle Schreibwerkstatt-Anthologie-Projekt. Macht mit!
Benutzeravatar
Jorenn
 
Beiträge: 409
Registriert: 30.01.2008, 17:55
Wohnort: früher mal Peking, jetzt Freiburg (Brsg.)
Blog: Blog ansehen (7)

Beitragvon Tina Antosch » 20.04.2008, 07:40

Hallo Jorenn!

Vöööööllig uneigennützig habe ich deinen Kommentar mit der Höchstpunktezahl bewertet! 8)

Hallo Vicent!

Danke dir für deinen Kommentar. Freue mich, dass dir die Geschichte insgesamt gefallen hat. Wegen des Dialoges, wollte ich dir so ähnlich wie Jorenn antworten, aber dafür fehlte mir der Glauben in mein eigenes Werk. :wink:

Alles Liebe
Tina
Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
Benutzeravatar
Tina Antosch
 
Beiträge: 339
Registriert: 18.03.2008, 18:31
Wohnort: Freilassing

Beitragvon Vincent » 20.04.2008, 12:48

Kann ich durchaus nachvollziehen. Klingt in diesem Zusammenhang auch durchaus plausibel für mich. :wink:
Das mit dem Glauben ins eigene Werk ist immer so eine Sache. Dieser fiese innere Lektor! *gg* (Nebenbei brauchst du dich aber nun echt nicht zu schämen...)
„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“
- Henry Ford

"Der Klügere gibt nach. Eine traurige Wahrheit, denn sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit."
- Marie von Ebner-Eschenbach
Benutzeravatar
Vincent
 
Beiträge: 48
Registriert: 16.04.2008, 22:11
Wohnort: Gießen

Beitragvon Glutauge » 21.04.2008, 20:41

Ganz tolle Fabel. Sozusagen eine Fabel so wie sie sein sollte.
Die ganze Vater-Sohn-Geschichte hat mich wirklich angesprochen. Du hast dieser Situation, die wohl jeder Jugendliche in irgendeiner Form erlebt wirklich den perfekten Spiegel vorgehalten... Höchstpunktzahl von mir.^^
Let reason, not religion be our guide.
Glutauge
 
Beiträge: 102
Registriert: 04.04.2008, 23:35
Wohnort: Berlin

Beitragvon Tina Antosch » 22.04.2008, 07:56

Hallo Glutauge!

Vielen Dank! Ich freue mich, dass dir meine Fabel so gut gefällt!

Ja, ich habe versucht darzustellen, wie ein self-fulfilling-prophecy ausschauen könnte.

Manchmal brauchen unsere Kinder nur genug Ermutigung (Essen) und Geborgenheit (Kokon), um ihre wunderbaren Fähigkeiten zu entwickeln.

Alles Liebe
Tina
Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
Benutzeravatar
Tina Antosch
 
Beiträge: 339
Registriert: 18.03.2008, 18:31
Wohnort: Freilassing

Beitragvon Jorenn » 23.04.2008, 04:30

Hallo Tina,
danke für deine Bewertung, Du machst mich ganz verlegen :oops: .

Könntest Du mir noch erklären, wo Du den Aspekt mit der self-fullfilling-prophecy siehst?

Ach nee, vergiss es, schon gefunden.
Liebe Grüße
Jorenn
"There's one terrifying word in the world of thermonuclear physics - Oops." (MST3000)

Das offilzielle Schreibwerkstatt-Anthologie-Projekt. Macht mit!
Benutzeravatar
Jorenn
 
Beiträge: 409
Registriert: 30.01.2008, 17:55
Wohnort: früher mal Peking, jetzt Freiburg (Brsg.)
Blog: Blog ansehen (7)

Beitragvon magico » 09.05.2008, 08:16

Wirklich eine gut umgesetzte Fabel mit einer wunderbar sarkastischen Moral. Ich bin sicher, die würde selbst bei den "ach so coolen" Kids heutzutage richtig ankommen, denn die sind ja in solchen Fällen (siehe deine Fabel) die Leittragenden.

Wobei ein kleines Manko darin besteht, dass sich der Sohn nach einer bestimmten Zeit zu dem entwickelt hätte, was der Schmetterling sich wünschte.
Das ist im wirklichen Leben leider anders. Hier scheint ab und zu eine Unendlichkeit nicht zu reichen um es allen Recht zu machen. Was aber, ehrlich gesagt, auch keiner probieren sollte. Man muss nicht immer so sein, wie es andere wollen...
"Du bist mein Paps und gleichzeitig Besitzer eines Pubs. Darauf lasse ich einen Pups aus dem Pops." Homer Simpson
Benutzeravatar
magico
Experte
 
Beiträge: 724
Registriert: 01.05.2008, 21:23
Wohnort: habe ich
Blog: Blog ansehen (2)

Beitragvon Tina Antosch » 10.05.2008, 10:50

Hallo Magico!

Ich danke dir für deinen Kommentar, und dass dir die Fabel gefällt!

Und du hast recht, bei Menschen gibt es nur bedingt eine Verwandlung zur
Bestimmung, und selbst wenn, kann es sein, dass das was du unbedingt sein und tun musst, nicht das ist, was die Umwelt gerne sieht.

Besonders, wenn einer aus der Rolle fällt. Wenn in einer Familie von begnadeten Schreinern z.b. ein genialer Musikus geboren wird. Habe wirklich von der Familie gehört, als ich fast den Mund nicht zu bekommen habe, weil das Kerlchen singt und jedes Instrument, das du ihm in die Hand drückst, irgendwie zum Klingen brachte: "Ja, nett schon, aber der hat echt zwei linke Hände!"

Ja, so kann’s einem gehen! :)

Alles Liebe
Tina
Zuletzt geändert von Tina Antosch am 10.05.2008, 17:53, insgesamt 1-mal geändert.
Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
Benutzeravatar
Tina Antosch
 
Beiträge: 339
Registriert: 18.03.2008, 18:31
Wohnort: Freilassing

Beitragvon magico » 10.05.2008, 13:34

Ja, in meinem näheren Umfeld gibt's genau sowas.

Eine Familie von KfZ-Mechanikern, und der mittlere Sohn (von 3) ist jetzt eben Musiker. Von vielen geachtet, doch in der eigenen Familie das "schwarze" Schaf.

Das Leben ist eben kein Ponyhof!
"Du bist mein Paps und gleichzeitig Besitzer eines Pubs. Darauf lasse ich einen Pups aus dem Pops." Homer Simpson
Benutzeravatar
magico
Experte
 
Beiträge: 724
Registriert: 01.05.2008, 21:23
Wohnort: habe ich
Blog: Blog ansehen (2)

Fabel: Gut Ding will Weile haben

Beitragvon Eddy-Literary » 18.06.2008, 10:51

Hallo, Tina,

bin auf Deine tolle Fabel gestoßen und finde sie in der Aussage höchst wichtig!

Was mich dabei noch beschäftigt, und das hat mich in meinem Lehrerberuf oft genug begleitet, ist, dass Eltern ihre eigenen Ziele (die sie nie erreicht haben) auf ihr Kind projizieren. Und das alles zu früh!!

Kinder als kleine künstlich "großgemachte" Erwachsene, das ist durchgängig die Maxime in unserer Gesellschaft, mit allen negativen Begleiterscheinungen.

Habe selbst von einem Vater bei der Einschulung gehört, und der Kleine stand mit der Schultüte daneben: "Mein Sohn soll mal Arzt werden!" Ja, und wenn der Sohn mal nicht will und/oder nicht die Fähigkeiten dazu hat, was dann? Von einem praktizierenden Arzt in unserem Dorf weiß ich, dass er durch seinen Vater (Arzt und Professor) durch das Studium "gebracht" wurde. Ergebnis: Nicht lange als praktischer Arzt tätig gewesen, musste er alles wegen Alkoholsucht aufgeben. Ich habe ihn am eigenen Leib erfahren: Er war total unfähig und völlig hilflos, wusste nicht, was er mit mir machen sollte.

Auch Deine Raupe ist ja noch nicht zum Fliegen geeignet, muss ja erst durch die Verpuppung dazu in der Lage sein. Doch alles Wehklagen hilft nicht, wenn der "Alte" es will!

Und auch das gibt es im Leben: Wenn Eltern nicht Druck gemacht hätten, wäre die Zukunft des Kindes anders verlaufen. Neulich hat im Radio eine bekannte Violonistin gesagt, ohne das Antreiben der Mutter zum Üben hätte sie es nie geschafft, dafür sei sie ihr ewig dankbar.

Liebe Grüße
Eddy
Eddy-Literary
 
Beiträge: 437
Registriert: 30.05.2008, 00:35


Zurück zu Fiktions-Archiv

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste