[Ort] Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Hier können Weltenbastler ihre eigene Welt erschaffen. Wenn du beim Welten bauen Unterstützung brauchst z.B. Namen für Charaktere, Orte, Wesen etc. suchst, ist hier der richtige Ort.

Wo siedelst du deine Geschichten an?

An realen Orten
65
28%
An fiktiven Orten
79
34%
In eigenen Welten
86
37%
 
Abstimmungen insgesamt : 230

[Ort] Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon freakingmuse » 14.05.2008, 14:54

Ich hätte mal ein paar allgemeine Fragen an alle, die ihre Geschichten in "unserer" Welt spielen lassen, also keiner völlig neu erfundenen Welt wie im klassischen Fantasy- oder SciFi- Bereich

Wo lasst ihr eure Geschichten spielen? In dem Ort in dem ihr aufgewachsen seid? Nebenan? In einer fremden Stadt oder gar einem fremden Land?
Habt ihr die Orte besucht, in denen eure Handlung spielt oder informiert ihr euch nur über Sitten und Gebräuche?
Und wenn es in einem anderen Land oder einer anderen Stadt ist, gibt es diesen Ort wirklich oder erfindet ihr etwas?

Ich hänge gerade etwas zwischen den Seilen. Ich habe letztes Jahr meine zweite lange Geschichte beendet, aber festgestellt, dass es eigentlich ein Mehrteiler ist, womit ich gar nicht gerechnet habe.
Sie ist in Amerika angesiedelt, was ich aber nie wirklich erwähnt habe, aber man kann es wohl anhand der Namen und Ähnlichem erahnen. Ich habe es in einer fiktiven Stadt angesiedelt aber beim Schreiben des zweiten Teiles festgestellt, dass ich nicht glücklich mit meiner Wahl bin.
Ich würde es nun also gerne ändern. Im Prinzip ist es "nur" eine Änderung des Städtenamens aber nun bin ich sehr unsicher ob ich eine Stadt nehmen soll, die tatsächlich existiert und auch in der Gegend liegt in der ich es angesiedelt habe, oder ob ich lieber eine Stadt erfinden soll.

Wie geht ihr mit so einer Frage um? Findet ihr es gut oder schlecht oder ist es euch egal, wenn ein Buch von z.B. einer deutschen Autorin eben nicht in Deutschland spielt?

Danke schonmal für eure Meinungen!
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Beitragvon Zytra » 14.05.2008, 15:06

Ich mache beides - fiktiv und real.

Ich sehe das so: Als Kenner einer Stadt (z.B. Berlin oder Hamburg) freue ich mich gewaltig, wenn ich eine Beschreibung oder einen speziellen Ort wiedererkenne. Es ist nicht nur deshalb, weil ich mich dann ausruhen kann in meiner Vorstellungskraft, da ich ja WEIß, wie es aussieht. Es ist irgendwie das: Aha, der Autor/Regisseur sieht diese Welt genau so wie ich (meistens) oder vielleicht auch ein: Oho! Der Autor findet diese Ecke auch so runtergekommen... usw. Das gefällt mir, das macht mir Spaß beim Lesen.

Und gleichzeitig ärgere ich mich, wenn Orte, die ich kenne, entstellt sind. Zum Beispiel im Film "Lola rennt" - das hätte die nie in der Zeit schaffen können, was da an Orten zusammengeschnitten wurde.

Deshalb bin ich bei realen Orten extrem penibel, wenn ich die Szene beschreibe. Ich will mir nicht sagen lassen, dass ich ihn ja nur aus anderen Beschreibungen kenne oder von Postkarten.

Aus diesem Grunde benutze ich meistens doch fiktive Orte oder bin so ungenau (wenn es auch eigentlich nicht wichtig ist), dass der Ort in fast jede Stadt passen könnte.
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Beitragvon Feuergold » 14.05.2008, 17:42

Ich denke, es kommt darauf an, was in der Geschichte passieren soll.
Bei dem Projekt für Kinder, an dem ich immer mal wieder arbeite, gibt es 2 fiktive Städte, in denen das meiste spielen wird, aber sie sind in der Nähe einer bekannten Großstadt angesiedelt, und alles, was dann in dieser Großstadt spielt, wird an realen Orten stattfinden, die also auch authentisch wiedergegeben werden, oder zumindest werden Häuser und Straßen wenn dann so eingebaut, daß die Entfernungen zu- bzw. voneinander nachvollziehbar sind.

Auch bei meinem anderen Projekt, das, welches noch ohne Titel ist, spielt vieles an realen Orten, was dabei nicht anders geht. Allerdings werden da dann Straßen und Häuser eingebaut, die es so wohl nicht gibt, wogegen ich versuche, mich korrekt an Entfernungen und so zu halten.

Das mit den Entfernungen, daß man dadrüber stolpert, wenn die nicht stimmen, kann ich gut nachvollziehen.
Ich bin als Kind immer wieder über die "eingedeutschten" Orte von der Jugendbuchserie "Trixie Belden" gestolpert. Dort brauchte man, weil man das große Amerika auf das kleine Deutschland übertrug, mal eben 2 Tage für die Fahrt von München nach Hamburg ...., und ein andermal ging die Fahrt innerhalb von ein paar Stunden.

Wenn man also reale Orte nimmt, sollte man solche Dinge schon real lassen, oder aber man baut ganz bewußt und für den Leser erkennbar Straßen und Häuser in diese Orte, die näher zusammenliegen, so daß das alles möglich ist, was sich da abspielen soll.
Denn der Leser ist nicht dumm und mag es nicht, verarscht zu werden, auch wenn es Autoren gibt, die das wohl nie begreifen werden, oder Übersetzer, die meinen, alles eindeutschen zu müssen, auch die Ortschaften.
Ich freue mich immer, wenn ich die Logik in Büchern irgendwie nachvollziehen kann, und bei manchen Entfernungsangaben fällt das schon mal verdammt schwer, das muß nicht sein.

Das ist zumindest meine Meinung dazu,

Gruß Feuergold

P.S.:
Abstimmen werde ich nicht, da mir die Option fehlt, reale und fiktive Orte zu vermischen ....
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Beitragvon Meggi » 15.05.2008, 19:44

Ich melde mich auch mal wieder zu Wort.
Ich schreibe meist in anderen Welten dich ich selber erfunden habe.
Ab und zu aber auch in Umgebungen die es schon gibt.
Ich mag erfundene Welten irgendwie gerne den man kann seiner Fantasie Freienlauf lassen bis die Personen so oder so entscheiden was Passiert.
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Beitragvon rotkäppchen » 15.05.2008, 21:35

Ich mache wie Feuergold auch beides. Meist schreibe ich über einen Ort, der erfunden ist, aber in der Nähe von realen Städten wie z. B. Hamburg, Kassel, London etc. liegt. Alles, was dann in den echten Städten spielt, ist genau recherchiert und detailgenau.
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Beitragvon freakingmuse » 15.05.2008, 21:55

Ich schließe mich euch beiden an, das mache ich auch oft und ich denke ich werde es hier wieder machen. Das ist glaube ich in diesem Fall die beste Möglichkeit.
Danke für eure Hilfe :)
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Beitragvon Hachi » 26.05.2008, 20:22

Meine Geschichten spielen nie in Deutschland, sondern immer in anderen Ländern, die ich mag. Da ich am meisten von Japan fasziniert bin, spielen sie meistens dort. Aber es gibt auch welche, die zum Beispiel in England spielen.

Weil ich aber noch nie in den beiden genannten Ländern war (leider :( ), ist eine ausgiebige Recherche natürlich unumgänglich. Wenn es aber zu spezielleren Orten kommt, erfinde ich immer eine Stadt, die in der Nähe einer größeren bekannten Stadt liegt bzw. ein Vorort von dieser ist (ich schaue dann häufig bei "GoogleEarth", um zu sehen, wo man vllt. noch eine Stadt "hinsetzen" könnte^^, wobei das in Japan sehr schwer ist...)

Eine eigene Welt habe ich bisher noch nicht erschaffen, da fehlt mir also die Erfahrung. Habe da aber eine Fantasy-Geschichte im Kopf, die im japanischen Mittelalter spielen soll, und dafür würde ich schon gern sozusagen eine eigene Welt erschaffen, auch wenn ich das alte Japan sozusagen als Vorbild nehmen werde (von einer ganz eigenen Welt kann man da also eher nicht sprechen)
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Shedoleen » 11.08.2009, 13:34

Das ist ein Thema, das mich auch schon deslängeren interessiert und ich hoffe es ist ok, dass ich mit meinen Gedanken etwas von der eigentlichen Diskussionsfrage abweiche aber ich wollte keinen neuen Thread eröffnen und dieser scheint ungefähr in die Richtung meiner Frage zu gehen.


Bezüglich den fiktiven Städten...

Ich frage mich oft ob es nicht besser ist anstatt über eine Stadt zu schreiben die ich nicht kenne (und nicht einmal meine eigene Heimatstadt kenne ich gut genug als dass ich mir zutrauen würde die Stadt richtig darstellen zu können. Ich kenne ein kleines Bruchstück des großen Ganzen, die Häuser an denen ich täglich vorbeilaufe, aber schon ein wenig abseits kenne ich die Stadt kaum noch. Ich kenne keine guten Bars oder kann sagen wie weit es von einer bestimmten Straße bei einer Verfolgungsjagd - nur mal als Beispiel - zu einer anderen dauern würde).
Bevor ich Dinge erzähle, die nicht stimmen und damit Menschen zum Kopfschütteln bringe, die es besser wissen, stände man mit einer erfundenen Stadt immer auf der sicheren Seite.

Gibt es eigentlich auch gute Argumente gegen eine 'eigene' Stadt? Und für Recherche und vielleicht auch das Wagnis einfach etwas Falsches zu erzählen?

Also ist die etwas geringe Glaubwürdigkeit und der mangelnde Realitätsbezug sind ja schon einmal etwas.
Der Leser kann sich auch nicht mit identifizieren weil er nicht denken kann "Davon habe ich schon mal gehört / Da war ich doch schonmal / Da leb ich doch" aber andererseits ist die Wahrscheinlichkeit dass auch nur 1% der Leser eine Stadt schon einmal gesehen hat doch sehr gering wenn es nicht gerade um New York oder Berlin oder Paris geht.

Und wenn mit anderen Städten interagiert wird und beispielsweise geographisch festgelegt werden würde meine Stadt X läge direkt neben New York und wäre auch fast so groß.
Würde das der Geschichte viel Glaubwürdigkeit nehmen?
Denn eigentlich will man sich doch (zumindest ich) vorstellen, dass die Geschichte (wenn sie denn in der realen Welt angesetzt ist) so oder so ähnlich sich tatsächlich zutragen könnte und wenn ich dann feststellen muss dass die Stadt nur Fiktion ist, reißt es mich vielleicht aus der Geschichte heraus und die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit wird mir wieder viel deutlicher wenn ich denke "Hey, es gibt doch keine Großstadt namens X neben New York?"

Vll. mag jemand darüber diskutieren ^-^
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Roberta » 11.08.2009, 13:55

Ich bin gerade unentschlossen, was den handlungsort meiner Geschichte angeht. Ich stelle mir dabei nämlich gerne Stuttgart vor - es passt einfach gut dazu. Da läuft mein Chara also schon mal die Königsstraße entlang und geht einkaufen - aber eigentlich will ich das gar nicht so schreiben.

Deshalb versuche ich mich gerade an einem Kompromiss: Ich habe zwar eine reale Stadt vor Augen, beschreibe sie aber nicht als solche. Fiktive Schauplätze, die wichtiger sind (z.B. die Wohnung) natürlich schon. Aber wenn eine Figur (in meinem Kopf) im Schlossgarten liegt, mache ich eben einen beliebigen Park draus.

Das Ergebnis ist, dass die Stadt, in der die Geschichte spielt das Flair und die Eigenschaften der realen Stadt hat (bei mir also ein U-Bahn-Netz, eine Universität und eine schöne Innenstadt, aber auch die Einwohnerzahl, ungefähre Lage...), diese aber nie genau auf diese Stadt bezogen sind.
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Sofian » 11.08.2009, 23:50

Also meine Geschichten, sofern sie nicht auf meiner fiktiven Welt spielt, zu der ich mittlerweile sogar Karten habe, um sie hinterher authentischer wirken lassen zu können, was Entfernungen usw. angeht, spielen sie in einem Abklatsch der Realität. Meist nutze ich keine Ortsnamen und wenn dann nur, wenn meine Protas irgendwohin reisen. Wenn ich also schreibe:

Sie fuhren. Der Regen klatschte immer heftiger gegen die Autoscheiben und verwehrten so einen klaren Blick nach draußen. Klara schaute auf ihre Uhr. Drei Stunden. Drei Stunden waren sie nun schon unterwegs. Und Düsseldorf war immer noch nicht in Sicht...

,dann sage ich zwar, das meine Stadt irgendwo in einem Umkreis von mehr als 3 Fahrtstunden von Düsseldorf entfernt liegt, aber nicht genau wo. Es gibt 360 verschiedene Richtungen, in denen die Stadt liegen könnte. Aber so ordne ich sie zumindest Deutschland zu. Ich würde deshalb auch nicht sagen, die Stadt liegt direkt neben NY, sondern sie irgendwie in den Umkreis packen, ohne eine genaue Richtung anzugeben. So könnte deine Großstadt Washington, Philadelphia, Boston, Jersey, usw. sein, da du aber keinen Namen der Stadt nennst, muss sich der Leser halt seinen Teil dazu denken.
Kurz: Also wenn ich eine fiktive Stadt, besonders eine Großstadt, neben eine andere, dann vllt. noch eine relativ bekannte Großstadt setze, dann ohne genaue Ortsangabe, sondern ich lasse die genaue Lage im Unklaren.

Wenn ich dann noch Straßennamen nehme, die in fast jeder Stadt vorkommen (bsp. Sedanstrasse, Germanenstrasse, Bahnhofstrasse), dann verschleier ich das ganze noch mehr.
Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.

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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon TinyTin » 12.08.2009, 12:17

Holla,

ich finds immer schön zu entdecken, dass man nicht als Einzige immer wieder über derselben Frage hängt ;)

Ich habe recht lange darüber nachgedacht.
Hatte zu Anfang meinen Ort sogar irgendwo in den USA, hab mich dann aber relativ schnell dazu entschieden, das ganze nach Deutschland zu verlegen.

Mein Ort der eigentlichen Handlung ist fiktiv. Einfach weil es mir zu kompliziert war einen Ort in der Größe wie ich ihn mit vorgestellt habe, aber mit Sportgymnasium, zu finden. Also spielt das Geschehen in diesem fiktiven Ort. Aller drum herum aber ist "echt". So hat meine Prota z.B. zuvor in Ibbenbüren gewohnt, oder in Usingen (ja, sie ist oft umgezogen), mein Prota kommt aus Hannover...
Andere Orte und Städte die genannt werde sind real.
Und ob es diesen Ort nicht doch gibt, weiß der Leser dann erst, wenn er googlen geht :mrgreen:
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Raven_ » 14.08.2009, 01:49

Shedoleen hat geschrieben:Ich frage mich oft ob es nicht besser ist anstatt über eine Stadt zu schreiben die ich nicht kenne (und nicht einmal meine eigene Heimatstadt kenne ich gut genug als dass ich mir zutrauen würde die Stadt richtig darstellen zu können. Ich kenne ein kleines Bruchstück des großen Ganzen, die Häuser an denen ich täglich vorbeilaufe, aber schon ein wenig abseits kenne ich die Stadt kaum noch. Ich kenne keine guten Bars oder kann sagen wie weit es von einer bestimmten Straße bei einer Verfolgungsjagd - nur mal als Beispiel - zu einer anderen dauern würde).
Bevor ich Dinge erzähle, die nicht stimmen und damit Menschen zum Kopfschütteln bringe, die es besser wissen, stände man mit einer erfundenen Stadt immer auf der sicheren Seite.

Gibt es eigentlich auch gute Argumente gegen eine 'eigene' Stadt? Und für Recherche und vielleicht auch das Wagnis einfach etwas Falsches zu erzählen?


Hey, ich bin richtig froh das du das schreibst genau DAS waren auch meine Gedanken dazu. Ich hab schon recherchiert und alles, mache mir bei vielen Dingen aber noch zu viele Sorgen ob das alles auch dort wirklich so ist. Reiseführer erzählen mir ja auch nur die schönen Sachen neh :mrgreen: Dazu kommt, jeder Mensch sieht jede Sache einfach anderes.

Meine Geschichte spielt in Amerika (zugegeben) und ja das muss zwingend so sein - wegen einiger rechtlicher Dinge die hier in Deutschland gar nicht gehen. Und weil mich Deutschland einfach so gar nicht inspiriert (doch, doch ich mag das Land und leb auch sehr gern hier).
Das Wetter und die coolen Ortsnamen sind jetzt für mich nicht der Grund. Ich überlege aber nun auch ob ich doch Ortsnamen ausdenke und so wie Sofian schreibt, die bewährte *es ist so und soviel Stunden weit weg von... Methode* nehme.

Mich würde auch interessieren hat jemand gute Argumente gegen eine 'eigene' Stadt?

LG
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Stadthexe » 15.08.2009, 18:35

Raven_ hat geschrieben:Mich würde auch interessieren hat jemand gute Argumente gegen eine 'eigene' Stadt?


Ganz ehrlich? Nein!
Wenn ein Mensch über eine fiktive Stadt schreiben möchte, soll sie/er es tun. Wenn ich persönlich gezwungen werde über etwas zu schreiben, was mir kein Spaß macht, wo ich bestimmte Regeln einhalten muss oder derartiges, dann bocke ich und kriege wunderbare Schreibblockaden. Also würde ich mich auch nicht zwingen lassen (oder auch nur überreden lassen), unbedingt eine reale Stadt zu nehmen.

Ich mache das so, dass ich eine reale Stadt nehme (Berlin, weil ich hier wohne), sie in die Zukunft packe (weil es Sci-Fi Elemente enthält) und es dann entsprechend ein wenig ändere, wenn ich dazu Lust habe (also einen fiktiven Ort beschreibe).

Für mich ist es ein Ansporn eine richtige Stadt so genau wie möglich zu beschreiben, so dass die Leute, die hier wohnen erkennen können, hei, da wohne ich, da fahre ich täglich vorbei und so weiter. Das ist mein bestreben. Mal sehen ob ich es auch schaffe :)
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon freakingmuse » 15.08.2009, 21:23

Einen richtigen Grund gibt es nicht, man sollte nur aufpassen, dass es von der Logik her stimmt.
Damit meine ich, wenn du eine Stadt erfindest, nennen wir sie mal "Bob", und diese z.B. in Ägypten ansiedelst, dann solltest du vielleicht nicht schreiben, dass es in Bob das ganze Jahr herrlich grün ist und fast immer nur regnet (außer natürlich du kannst das begründen und z.B. der verrückte Wissenschaftler Dr. Igor mit seiner Regenmaschine in Bob wohnt).
Auch erfundene Städte/Länder müssen einer gewissen Logik hinterliegen und gut durchdacht sein.

Wenn Bob eine größere Stadt mit vielen Einwohnern ist, dann ist es z.B. unwahrscheinlich, dass jeder jeden kennt oder dass es nur einen kleine Tante Emma Laden aber keine Supermärkte gibt.

Auch muss es einen Grund geben warum Bob nunmal Bob heißt und es muss zu den anderen Städten im Umkreis passen. Wenn es dort Städte wie Kairo, Alexandria, al-Mansura, Assuan, Luxor und Hurghada gibt und plötzlich mittendrin eine Stadt Bob heißt, wird sich der Leser auch etwas verarscht fühlen. Ebenso seltsam wäre es schließlich ein Springfield oder Los Angeles nach Bayern zu legen.

Sind meine Beispiele zu seltsam oder merkt man worauf ich hinaus will?

Falls nicht hier nochmal hoffentlich klarer:
Nur weil man eine Stadt erfindet heißt das nicht, dass man machen kann, was man will (zumindest nicht, wenn man ernst genommen werden will).
Man muss sich genau überlegen, wo die Stadt liegen soll, wie sie heißen soll, wie groß sie sein soll, wie hoch die Arbeitslosigkeit ist, wie die Stadt aufgebaut ist, ob sie arm oder reich ist,...
Auch wenn diese Fakten nicht direkt in der Geschichte erwähnt werden, muss man es dennoch wissen um glaubwürdig zu bleiben und sich nicht evtl. selbst zu widersprechen.
Man kann z.B. in einer Sci Fi Geschichte nicht wunderschöne, morderne Architektur beschreiben und dann sagen, dass die Stadt total verarmt ist und kein Geld da ist um notwendige Ausbesserungsarbeiten in der Stromversorgung zu machen und diese daher immer wieder ausfällt.
Versteht ihr, was ich meine?

Falls das nun alles sehr wirr ist, tut es mir Leid, ich kann gerade nicht so klar denken (zuviel Kaffee ;) )
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Re: Fiktionale oder reale Handlungsorte?

Beitragvon Stadthexe » 15.08.2009, 22:12

@ freakingmuse
Ich habe kein Problem deine Gedankenstränge zu folgen. Letztendlich ist eine eigene Stadt gleichbedeutend mit sehr viel Freiheit, mehr Freiheit als eine reale Stadt, egal ob diese in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft angesiedelt ist. Das bedeutet nur nicht, dass man unlogische Freiheiten hat. Da muss man vorsichtig sein.

Und wenn man in die Wüste eine Oasenstadt bauen will (diese Freiheit besteht ja, wie du richtig geschrieben hast), dann muss man logisch (im Rahmen eines Buches) erklären, warum diese Stadt grün ist und die Umgebung eben nicht.

Ein guter Ratschlag wäre dann, wenn man eine entsprechende Stadt in eine entsprechende Umgebung plazieren möchte, dass man recherchiert, wie die anderen Städte dort aussehen. Eine fiktive Stadt ist nicht zwangsläufig ein Garant dafür, dass man nicht recherchieren muss. Der Arbeitsaufwand ist da nur ein wenig geringer (behaupte ich mal).
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