Fingerübung: Personen beschreiben

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Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon Maggi1417 » 11.07.2015, 10:28

Ich habe eben mal das Forum überfolgen, bisher aber keinen solchen Thread gefunden. Falls es einen gibt, kann man den hier schließen. Falls nicht, habe ich mir die Spielregeln wie folgt überlegt:

Ein User postet das Bild einer Person, der nächste versucht diese Person so treffend wie möglich zu beschreiben (so als würde man eine neue Figur in einem Roman einführen und dem Leser ein Bild vermitteln wollen). Dann postet derjenige das nächste Bild für den nächsten User.

Ich stelle mal das erste Bild rein.

Bild
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon scribe » 12.07.2015, 19:25

Nette Idee :)

Kurze Frage zu den Regeln, dann kann ich gleich eine Beschreibung schreiben. Soll die Beschreibung detailliert und lang sein, so, dass ein genaues Bild im Kopf entsteht (--> Deutschunterricht) oder eher wie man es echt in einer Geschichte tun würde, also nur zwei oder drei Punkte ansprechen?

Ich tippe mal auf Letzteres :wink:

Marie :)
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon Badabumm » 12.07.2015, 20:11

Eine nette Idee. ABER: Das "Überprüfen" ist nur sinnvoll OHNE Bild. Sonst entsteht ja kein Bild im Kopf, sondern der Leser vergleicht das vorhandene Bild mit dem Text. Da wir aber subjektiv urteilen, funktioniert das leider nicht.

Der Leser nimmt sich nämlich den Text, vergleicht ihn mit dem Bild und behauptet: "ja, das ist genau getroffen", weil im Kopf zugestimmt wird. Begegne ich der Person auf der Straße, würde ich sie anhand einer Beschreibung nicht wiedererkennen.

OHNE Vergleichs-Bild würde nun bedeuten, der Leser müsste aus dem Geschriebenen ein Phantombild zeichnen (oder wenigstens aus einer Auswahl von ähnlichen Bildern auswählen dürfen...).

Ich habe ähnliche Übungen für mich wieder und wieder probiert und festgestellt, dass es nicht funktioniert. Wenigstens müssen Verhalten, Mimik, Sprache und andere Attribute hinzu, um einen Menschen zu beschreiben. Die Dame auf dem Bild ist ganz niedlich, aber eine Beschreibung würde nur dazu führen, dass man sie millimeterweise beschreibt, was am Sinn vorbeigeht. Sie würde genauso hübsch beschrieben werden wie Millionen anderer Mädchen. So ist nämlich das Beschreiben von Schönheit am schwierigsten, weil Symmetrie und Harmonie einen eher durchschnittlichen Menschen ohne besondere Merkmale formen.

Ich würde versuchen, dem Blick einen Ausdruck zu geben und darauf verzichten, die Größe ihres Mundes oder exakte Haarfarbe zu beschreiben. Da es sich um einen "schönen" bzw. "hübschen" Menschen handelt, kann die Beschreibung nur durch die Emotionen glücken, die beim Betrachten entstehen, und das hängt vom Geschmack des Betrachters ab (ob diese Person in seinen Augen "hübsch" ist).

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Zuletzt geändert von Badabumm am 12.07.2015, 23:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon Badabumm » 12.07.2015, 22:11

In den Regeln steht nun, dass hier eigentlich keine Werke rein dürfen. Ist diese Übung nicht schon ein Werk, wenn auch ein kurzes? Wie soll das also funktionieren? Muss ich dazu ein Werk erstellen?

Hier mein Text:

Während des ganzen Balls schien sie seltsam abwesend. Sie tanzte nicht und versteckte sich, fast schüchtern, als ob sie sich ihrer unangepassten Schönheit nicht bewusst wäre. Und doch strahlte sie eine innere Stärke aus, die hinter ihrer glatten Stirn zu brodeln schien; sie unterdrückte diesen Vulkan durch ein zartes, kaum sichtbares Lächeln.

Ihre Augen lagen weit ausenander, sie waren hellgrau, und ihr linkes hatte einen allerliebsten winzigen Silberblick nach außen. Das rechte war einen Hauch größer, nun, Augen sind doch immer verschieden groß, oder? Sie richtete ihren klaren Blick zumeist auf einen fernen Punkt, vielleicht auf die Säulen an der Eingangshalle, vielleicht auch auf Mr. Godfroy, der gerade linkisch auf der Tanzfläche mit Miss Sutherford herumhopste. Obwohl sie distanziert wirkte, spürte ich, dass sie niemanden aufgrund seiner Herkunft oder seines Aussehens verachtete, sie schien ein festes und gütiges Herz zu haben und liebte anscheinend die Menschen. Wenn sie umherblickte, glaubte ich zu spüren, wie amüsiert sie diesen Abend genoss, obwohl sie doch die meiste Zeit ohne Begleitung war. Sie bewegte sich in einer ihr eigenen Welt, sie trug ihr Universum mit sich und sie bildete sich wohlwollend in jeder Sekunde ihr eigenes Urteil über das Geschehen. Und so waren ihre Augen die Pforte in ihre Seele, unter deren Blick nichts verdeckt blieb und alles ausgesprochen werden durfte. Ich fürchtete mich vor dem Moment, in dem sie mich ertappen würden, und erhoffte es mir doch so sehr.

Ich schätzte sie auf mindestens 25, aber dennoch gelang es mir nicht, ihr Alter festzumeißeln. Ihre aristokratische und unnahbare Art ließ sie älter, reifer wirken, obwohl sie doch eine junge Frau war. Das kleine Grübchen am Kinn und die etwas kantigen Gesichtszüge verstärkten diese Irritation. Ja, auf viele Männer mochte sie herb wirken, nicht puppenhaft rund und glatt, sondern das Licht hob den Schatten ihrer geraden, etwas zu langen Nase hervor. Es war eine Landschaft, die es zu erforschen galt, der Mund leicht schief, kaum merklich, die untere Gesichtshälfte etwas länger als die obere. Jedoch war nichts zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten, zu groß oder zu klein, sie war eine zeitlose, strenge Schönheit. Ihre Lippen hingegen waren makellos weich, nicht aufgedunsen oder wie ein zorniger Strich, sondern sinnlich und abwartend.

Ihr schulterlanges Haar hatte sie etwas nachlässig zusammengebunden und nach hinten gestrafft, oben in einen Zopf geflochten, wie es Mode war; im Licht der Lüster schimmerte es rotgold bis dunkelbraun, was zu ihrem hellen Teint passte. Und wenn sie sich auch nicht herausputzte, so achtete sie darauf, gepflegt und untadelig zu erscheinen, sie war kaum geschminkt, hatte weder Lidschatten noch Lippenstift aufgetragen. Sie trug nur ein einfaches weißes Satinkleid und keinen Schmuck, nicht einmal Ohrringe. Alles an ihr war die pure Natur, sie verkörperte die wildwachsenden Kräuter im Garten genauso wie die Leidenschaft einer Romanfigur. Sie hätte Farmersfrau oder Nonne sein können. Ich war mir sicher, dass sie alles, was sie tat, mit ganzem Herzen und nach sorgfältiger Überlegung tat. Wenn sie sich aber dazu entschlossen hatte, würde sie ihren Weg gehen, zielstrebig und unbeirrt. Ich war sofort in sie verliebt. Ich musste ihren Namen erfahren!

Als ich mich vorsichtig näher heranpirschte, ungezwungen einige Worte mit Dr. Bloom wechselte, wendete sie ihren Kopf und blickte mich an. Anfangs registrierte sie nicht, dass auch ich sie unverwandt anstarrte. Ihre wunderbaren, gleichmäßig geschwungenen Augenbrauen zogen sich fragend zusammen: Plötzlich war ich selbst zum Opfer ihres Interesses geworden, schutzlos, ich war nun ein Teil ihrer Welt, ich fühlte mich in meine Schulzeit zurückversetzt, als ich als unartiger Bub von der strengen Lehrerin gerügt wurde. Und doch war es hier anders: ich bemerkte, wie rot ihre Augenlider waren. Hatte sie geweint?

Badabumm

PS: ich habe erst NACH dem Textschreiben nachgeschaut, wer diese Person ist und wen sie darstellt, ich schwör's! :lol:
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon Maggi1417 » 13.07.2015, 05:37

Kurze Frage zu den Regeln, dann kann ich gleich eine Beschreibung schreiben. Soll die Beschreibung detailliert und lang sein, so, dass ein genaues Bild im Kopf entsteht (--> Deutschunterricht) oder eher wie man es echt in einer Geschichte tun würde, also nur zwei oder drei Punkte ansprechen?

Wie du magst. Auch in Büchern sind Beschreibungen ja unterschiedlich lang.

Badabumm, du musst ein neues Bild posten, sonst geht's nicht weiter.
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon Badabumm » 13.07.2015, 15:06

Maggi1417 hat geschrieben:Badabumm, du musst ein neues Bild posten, sonst geht's nicht weiter.

Entschuldigung, ich hatte gedacht, es versuchen sich noch andere am selben Bild. Dann könnte man gut vergleichen, wer's am besten getroffen hat.

Ich musste erstmal begreifen, wie man in Gimp ein Bild auf 30 KB runterrechnet. Puh, ein doofes Programm...

Atnrgraleafar.jpg
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon PinkPelican » 18.07.2015, 21:09

Als Etienne sich umwandte, sah sie seine Gestalt zum ersten mal ganz.
Er hatte den konzentrierten Blick eines Bogenschützen. Nase und Brauen gaben dem
schmalen Gesicht eine T-förmige, heraldische Geradlinigkeit, ja eine Aufrichtigkeit.
"Wirst du irgendwann zurückkommen?" fragte sie aus sicherer Entfernung.
Er sah sie wortlos an, verneinte dann nur mit seinen Augen und mit
der wohlmeinenden Andeutung seiner Lippen gelang ihm so etwas wie
ein Lächeln, dass sogleich wieder verschwand. Dann wandte er sich ab.
Seine lange Mähne, die eines Rebellen dachte sie bei sich, drehte sich mit im Wind
und dann stapfte er mit temperamentvollen Schritten davon.
Zuletzt geändert von PinkPelican am 29.07.2015, 19:18, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Fingerübung: Personen beschreiben

Beitragvon PinkPelican » 18.07.2015, 21:47

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