[Humor]#FirstWorldProblems

Komödie, Satire, Parodie

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Beitragvon dadazinga » 18.10.2014, 17:11

Hier eine ganz, ganz kurze Geschichte, die ich auf Grund eigener Erfahrungen gestern geschrieben hab. Titel gefällt mir noch nicht. Aber vielleicht fällt ja einem von euch etwas ein.

Wie ein Junkie tigert sie durch die Straßen auf der Suche nach dem nächsten Fix. Sie weiß genau wo sie suchen muss, hier und da ein prüfender Blick. Endlich wird sie fündig; bald wird der Entzug vorbei sein. Verstohlen blickt sie sich um und lässt die Kontakte mit einem beruhigendem Klack in die Öffnung ein. Das Lämpchen blinkt rot auf, der Stoff fließt. Entspannt lässt sie sich in den Sitz fallen, isst ihren Alibi-Snack. Sie schaltete das Gerät ein, der tötliche Stoff hat es wiederbelebt. Mit jedem Prozent steigt ihre Zufriedenheit. Sie tippt die befriedigenden Zeilen: "Bin wieder online, bitches! #firstworldproblems"
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon Feuerfeder » 19.10.2014, 17:19

Hallo dadazinga,

die beschrieben Situation ist mir zwar bekannt, aber eher von außen und von Ferne. Ich gehöre zu diesen selten gewordenen Exemplaren, die ihr Handy noch ab und zu Zuhause vergessen können. Als Wecker ist es gut geeignet.
Der Gedanke, die ununterbrochene Erreichbarkeit über das Handy und das Internet als Droge darzustellen, ist zwar nicht neu, aber du hast es prägnant und flüssig geschrieben dargestellt. Rechtschreibfehler hab ich keine gefunden.
Zwei Stellen, die ich ändern würde:
Wie ein Junkie

Das nimmt ja quasi schon vorweg, dass sie eben eigentlich kein Junkie ist. Würde ich weglassen.
Vielleicht so:
"Auf der Suche nach dem nächsten Fix tigert sie durch die Straßen."
bald wird der Entzug vorbei sein.

"Bald" wäre für mich innerhalb der nächsten Stunden, Tage oder Wochen, nicht Minuten. Und die Futurform ist richtig, passt aber meinem Empfinden nach nicht in den Text. Darum vielleicht:
"gleich ist der Entzug vorbei."
Das ist meines Wissens nach auch korrekt.

Ansonsten ist mir der Text ein wenig zu vage und verschleiert geschrieben. Klar, das ist Sinn der Sache, schließlich soll die Pointe nicht vorweggenommen werden. Aber "lässt die Kontakte mit einem beruhigenden Klack in die Öffnung ein" ist eine eher seltsame Formulierung. Aber man kriegt ja raus, dass sie ihr Handy ans Stromnetz anschließt. Auch wenn ich bei dem Wort "Kontakte" erst an Facebook gedacht habe.
Die Pointe hat mir wiederum gefallen. Sie war zwar nicht unbedingt unerwartet, aber ich mag die Formulierung.

Was den Titel angeht, finde ich ihn eigentlich passend. Würd ihn vielleicht nur kleinschreiben, so wie im Text auch. Ansonsten würde mir noch "Luxusproblem" als Alternative einfallen, falls dir ein deutscher Titel lieber ist.

Liebe Grüße
Feuerfeder
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon vojagante » 31.10.2014, 12:38

Hallo,

den Text finde ich sehr gut, mit wenigen Worten wird ein großes Thema gut erfasst. Etwas hat mich allerdings daran gestört, und ich wusste Anfangs gar nicht, was es war. Erst als ich den Text drei mal gelesen habe, fiel es mir auf... Es ist der "Stoff". Hier ist es einfach nur um Strom, was zwar technisch damit zu tun hat, aber für die Idee hinter der Geschichte eigentlich belanglos ist. Die Protagonistin braucht das Online-Sein, sie braucht die Kommunikation. Den Strom selbst, als die Erfüllung hinzustellen klingt für mich etwa so, als würde sich der Alkoholiker mehr auf das Glas der Flasche als auf den Schnaps freuen.

Ich glaube, wenn man die Sätze "Das Lämpchen blinkt rot auf, der Stoff fließt." und "Sie schaltete das Gerät ein, der tötliche Stoff hat es wiederbelebt", so (oder so ähnlich) verbinden würde: "Sie schaltete das wiederbelebte Gerät ein, der tötliche Stoff floss wieder", dann wäre diese Unstimmigkeit sofort gelöst.

Kann natürlich sein, dass es so gewollt ist... in dem Fall ist es ein ziemlich interessanter Trick. Hat bei mir gut gewirkt ;-)

Schönen Gruß
vojagante
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon Gotraskhalana » 01.11.2014, 20:57

Hallo dadazinga,

Ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich zu der Geschichte was sagen soll, aber vielleicht ist es doch gut, wenn es wer sagt: Mich hat das Wort "bitches" derart abgetörnt und aus der möglichen Identifikation mit der beschriebenen Person hinausgekickt, dass es für mich die Geschichte stark entwertet und ich etwa eine Geschichtensammlung an der Stelle ins Büchereiregal zurückstellen würde. Du musst dich natürlich so ausdrücken, wie du es für richtig hältst, aber es sollte dir bewusst sein, wie das bei manchen Leuten ankommt (bin weiblich, knapp unter 40, wenn das zur Orientierung weiterhilft).

Hier noch ein paar kleine Anmerkungen und Vorschläge:
tötlich -> tödlich
schaltete -> schaltet

"befriedigend" erscheint mit nicht 100% passend, eher "befriedigt tippt sie ..." vielleicht.

Der Titel gefällt mir sehr gut, weil er eine doppelte Beschreibung der Situation ist, ohne gleich alles vorwegzunehmen.
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon Erich » 16.05.2015, 21:13

Hallo dadazinga,

ich wollte dir auch gerne einen Kommentar zu deiner wirklich sehr kurzen, aber ein gewichtiges Thema ansprechenden, Kurzgeschichte da lassen. :dasheye:

Wie ein Junkie tigert sie durch die Straßen auf der Suche nach dem nächsten Fix. Sie weiß genau wo sie suchen muss, hier und da ein prüfender Blick.


Hier würde ich mir überlegen, ob man das „auf der Suche nach dem nächsten Fix“ nicht streichen kann. Irgendwie erzeugt das Junkie für mich schon ein starkes Bild und wirkt durch das nach dem nächsten Fix überreizt.

„Wie ein Junkie tigert sie durch die Straßen. Sie weiß genau wo sie suchen muss, ...“

Endlich wird sie fündig;


Hier für mich ein kleiner Logikfehler. Wenn sie genau weiß, wo sie suchen muss, müsste sie eigentlich auch sehr schnell fündig werden.

 der tötliche Stoff hat es wiederbelebt


Warum ist der Stoff tödlich? Ich mein, okay, Strom kann tödlich sein, aber eigentlich kann auch Wasser tödlich sein, wenn man zu viel davon trinkt. (Übrigens tödlich, nicht tötlich).

Mit jedem Prozent steigt ihre Zufriedenheit. Sie tippt die befriedigenden Zeilen: "Bin wieder online, bitches! #firstworldproblems"


Hier würde ich mir vielleicht ein anderes Wort für „Zufriedenheit“ oder „befriedigenden“ überlegen. Ist zwar keine direkte Wortwiederholung, aber doch sehr ähnlich.

Ich finde deine Geschichte gut. Sie ist knapp und spricht ein absolut zeitgemäßes Thema an. Auch deinen Schreibstil finde ich wirklich gut. Es hat sich angenehm gelesen und ist thematisch sicher sehr kritisch.

Danke für die Geschichte. :girl:

LG Erich :D
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon bewusst » 19.05.2015, 11:14

Hi Dada,

mir gefällt die Geschichte gut. Ich würde sie allerdings noch verkürzen.
Wie meine Vorgänger hab ich ein Problem mit dem Junkieatz.
Den würde ich komplett rauslassen. Du machst durch den restlichen Text die Sucht super deutlich. Warum also nicht direkt mit dem zweiten Satz einsteigen?
Ein paar stilistische Kleinigkeiten:
- "Stoff" doppelt sich, zufrieden, befriedigend klingt auch sehr ähnlich
- Mit jedem Prozent steigt ihre Zufriedenheit - Prozent wovon? Mit jedem Prozent Akkuladung fiele mir ein, klingt aber sehr steril...
- töDlich statt tötlich
- die Zeiten gehen durcheinander... sie schaltete und isst z.B.
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Re: #FirstWorldProblems

Beitragvon rental » 19.05.2015, 15:19

Hallo dadazinga,

auch ich habe deine Geschichte gelesen, der Titel hat mich neugierig gemacht. Zuerst kurz zum technischen, da gibt es aus meiner Sicht nur in einem einzigen Satz etwas zu bemängeln:

Sie schaltete das Gerät ein, der tötliche Stoff hat es wiederbelebt.


1. Du wechselst hier in die Vergangenheitsform. Der Rest des Textes ist im Präsens geschrieben.
2. Man schreibt "tödlich" und nicht "tötlich".

Der Text ist flüssig und deshalb gut zu lesen. Trotz deiner Einleitung "Wie ein Junkie" dachte ich zuerst wirklich, sie sei ein Junkie, also auf der Suche nach Heroin oder so. Da hast du mich schön drangekriegt :wink:
Verstohlen blickt sie sich um und lässt die Kontakte mit einem beruhigendem Klack in die Öffnung ein.

An dieser Stelle war ich dann verwirrt. Ich durchschaute nicht, was du damit meinst, erst ein Kommentar eines anderen Users hat mich dann darauf aufmerksam gemacht. Das würde ich umschreiben. Ausserdem finde ich es seltsam, dass sie durch die Strassen tigert auf der Suche nach einer Steckdose. Die hat man doch zu Hause oder in der Schule oder auf der Arbeit oder wo man halt gerade ist, aber doch nicht irgendwo mitten auf der Strasse? Also ich habe zumindest noch nie auf der Strasse nach einer Steckdose gesucht, um irgendein elektronisches Gadget mit Strom zu versorgen :wink:

Entspannt lässt sie sich in den Sitz fallen, isst ihren Alibi-Snack.

Sie ist also doch zu Hause oder im Büro?

Mit jedem Prozent steigt ihre Zufriedenheit.

Mit jedem Prozent von was?

Der letzte Satz ist gelungen und widerspiegelt die Worte einer jungen Frau/eines Mädchens der heutigen Generation (das behaupte ich einfach mal so, klar kann man nicht alle in denselben Topf werfen, aber eine solche Ausdrucksweise ist heute wirklich nicht mehr allzu selten, vor allem im Internet).

Ob es sich dabei wirklich nur noch um ein First-World-Problem handelt, bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Ich war letztes Jahr acht Monate in Afrika (in Äthiopien, Uganda, Kenia, Tansania, Malawi und Mosambik) und auch dort haben die Mobiltelefone und das Internet an sich schon ziemlich "eingeschlagen". Die Ober- und Mittelschicht hat auch die neusten Mobiltelefone und tippt ständig was darauf herum. Die "Armen" haben dann halt die uralten Nokias, aber auch dort wird Snake und ähnliches gespielt. Bei uns ist es aber klar offensichtlicher. Das nur als kleiner Exkurs.

Habe die Geschichte gerne gelesen!

LG,
rental
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